Zwischen Wissenschaftsalltag und Nostalgie.
Zur DDR-Volkskunde und der Entwicklung des Fachs
in den neuen Bundesländern.
Das Bild der DDR-Volkskunde wurde in der Regel - soweit
es sich um Innenperspektiven handelt - von ehemaligen Angehörigen
der Berliner Zentralstelle konturiert. Eine Wissenschaftsgeschichte aus
der Sichtweise der ,,Außen-stellen", also der volkskundlichen Einrichtungen
in Dresden und Rostock, würde sicher in anderer Richtung gewichten;
allein der Stellenwert des Regionalen als klassischer Ausgangsbasis volkskundlicher
Forschung hat hier erhebliche Konflikte bereitet. Der Vortrag sucht daher
die Entwicklung des Fachs vom peripheren Standort Mecklenburg-Vorpommerns
aufzuzeigen, und zwar für den Zeitraum von 1939 bis heute. Dabei werden
wesentliche Phasen und Brüche aufgezeigt, vom Vermächtnis Richard
Wossidlos, der Situation nach 1945, über die Gründung der Rostocker
Forschungsstelle, die Akademiereform, die Schaffung und Aufgabe der ,,Folklorezentren",
die ,,Wendezeit" und schließlich die heutige Situation des Instituts
im Verbund der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock.
Alternative Entwicklungen volkskundlicher Einrichtungen in anderen neuen
Bundesländern fließen mit ein.