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1. Kulturwissenschaftlicher Filmabend (Dienstag, den 26.1. 1999)

Berlin. Die Sinfonie einer Großstadt.(Walter Ruttmann, D 1927)
Einführung: Helga Stachow

Die HGV möchte in Zukunft Mitgliedern wie Freunden volkskundlich-kulturwissenschaftliche Filmabende bieten. Den Auftakt dazu bildete im Januar Walter Ruttmanns Stummfilm "Berlin - Die Sinfonie der Großstadt" aus dem Jahre 1927.
Ruttmanns Streifen war der erste einer Reihe, in der wir nicht ethnographische Filme zeigen möchten, sondern vor allem populäre Kino-Filme. Wenn die hgv Filme zeigt, so selbstverständlich, um unter FreundInnen und KollegInnen einen (hoffentlich) unterhaltsamen Filmabend zu verbringen. Es gibt da allerdings auch ein ernsthaft-akademisches Ziel: unter volkskundlich-kulturwissenschaftlicher Perspektive ausgewählte Filme anzuschauen und zu diskutieren. Damit ist nun weniger die Würdigung eines Films als Kunstwerk gemeint, obwohl gerade der Film von Walter Ruttmann dazu viel Stoff bot. Gemeint ist vielmehr der Film als volkskundliche Quelle. Filmen als anschaulichen und bewegten Medien wie als Zeitdokumenten kommt für die Volkskunde ein ebenso großer Quellenwert zu wie archivalischen Überlieferungen oder empirisch zu erhebenden Quellengruppen. So soll - und es folgt der programmatische Kernsatz - die Analyse der filmischen Beschreibung von Lebensformen und Lebensgefühlen, von Alltagserfahrungen und Verhaltensmustern in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus im Mittelpunkt unserer Filmreihe stehen. Gefragt werden kann z.B. nach der Darstellung historischer Erfahrungen in der Stadt. Oder: Filme können befragt werden nach der Entstehung und Wandlung von kulturellen Bildern von Orten und ihren Bewohnern (so wie im Falle der Berlin-Filme). Aber auch Filmreihen zu so unterschiedliche Themen wie "Jugendkulturen", "Totenschiffe" oder "Unterwegs" etc. etc. sind vorstellbar.
Die dabei verwendeten Analyseverfahren werden sich, wie in der Volkskunde allgemein, zwischen stärker mentalitätsgeschichtlich (und sozialhistorisch) argumentierenden und eher diskursiv orientierten Arbeitsweisen bewegen. Hauptfrage aber sollte sein: Was erzählt ein Film seinen Zuschauern über Menschen einer bestimmten Zeit - sei es im Modus des Krimis oder des Dokumentarfilms, des Heimat- oder des Katastrophenfilms.
In den oben genannten Streifen hat Helga Stachow unter dem Titel "Urbane Erfahrungen in Walter Ruttmanns "Berlin - Die Sinfonie der Großstadt" eingeführt. Der Vortrag thematisierte die "innere Urbanisierung" der Berliner am Ende der 1920er unter dem Leitbegriff der "Mobilisierung"; genauer wurden die Aspekte "Die Berliner als Verkehrsteilnehmer", "Die Berliner als Konsumenten" und "Mythos Berlin" betrachtet.
Es ist geplant, dreimal im Semester (jeden letzten Dienstag des Monats) Filme zu zeigen und sie nach einer Einführung anschließend zu diskutieren.
Im kommenden Sommersemester, soviel steht bereits fest, wird die Reihe mit weiteren Filmen fortgesetzt, die Berlin zum Schauplatz haben. Ende April steht "Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte (1946) auf dem Programm. In den folgenden Monaten sollen ein Film aus der DDR-Produktion und ein Film aus der unmittelbaren Wendezeit gezeigt werden. Die Einführungstexte sollen anschließend zusammengefaßt und einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht werden.
Wer Interesse an der inhaltlichen Gestaltung des Programms ab nächsten Wintersemester hat, wer selber eine Einführung halten möchte, wer sonstige Vorschläge hat, der ist eingeladen, an den Vorbereitungstreffen teilzunehmen. Die Termine werden im Anschluß an die Vorführung am 27. April besprochen.
Helga Stachow
 

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