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Die Euthanasie-Morde im Steinhof am Beispiel der Hamburger Mädchen und Frauen
Im November 1943 schrieb Frieda Fiebinger, eines der 300 Hamburger Mädchen und Frauen, die am 16. August 1943 aus den Alsterdorfer Anstalten und der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn in den Steinhof deportiert worden waren und hier zum allergrößten Teil den Tod fanden, einen Brief an "Meine liebe Tante Alwine", eine Krankenschwester der Alsterdorfer Anstalten in Hamburg. Der Brief lautet:
"Meine liebe Tante Alwine, Was Frieda Fiebinger, die kurz nach Kriegsende am 10.6.1945 in vollkommen entkräfteten Zustand im Steinhof stirbt, hier eindrucksvoll mit ihrer eigenen Sprache schildert, kann durch unser heutiges Wissen voll bestätigt werden. Aus welcher Welt kamen Frieda Fiebinger und die anderen 299 Hamburger Mädchen und Frauen? Was hatten sie bereits durchgemacht, als sie nach Wien kamen? Was hatte zu ihrer Selektion geführt? Diesen Fragen soll hier zunächst nachgegangen werden, um dann auf das Schicksal dieser Menschen in Wien im Steinhof einzugehen und daraus allgemeine Schlußfolgerungen - auch für heute - zu ziehen. Hamburg wird in der Literatur als "Mustergau des Nationalsozialismus" beschrieben: die Wirtschaftspolitik, die Stadtsanierung und insbesondere die Sozial- und Gesundheitspolitik hatten Vorbildcharakter für den NS-Staat (Ebbinghaus 1984). Der Aufstieg Hamburgs zu einem für die Kriegsvorbereitung wichtigen Wirtschaftszentrum war begleitet von einer drastischen Zunahme von Menschen, die in die Anstalten des Fürsorgesystems abgedrängt wurden. Dies geschah, um, wie Pastor Lensch, der Leiter der Alsterdorfer Anstalten ausführte, "der Gefahr einer zunehmenden Durchseuchung unseres Volkes mit krankem Erbgut vorzubeugen" und "das Kranke aus dem Volke herauszuziehen, von der Fortpflanzung auszuschalten und damit in sich selbst aufzulösen ..." (Kreyenberg 1930, 26). Die Folge waren die zunehmende Überfüllung und drangvolle Enge in allen Hamburger Anstalten bis 1939. Dies wiederum war eine der äußeren Voraussetzung für die Abtransporte in die "Euthanasie". Das Hamburger Anstaltssystem wies dabei eine Besonderheit im Vergleich mit den meisten anderen Regionen des Deutschen Reiches aus: Die institutionelle Verwahrung von Menschen mit geistigen Behinderungen und von Menschen mit psychischen Erkrankungen war seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts strikt getrennt: für die Menschen mit geistigen Behinderungen waren die Evangelischen Alsterdorfer Anstalten zuständig, für die Menschen mit psychischen Erkrankungen zunächst die staatliche Heil- und Pflegeanstalt Friedrichsberg, später die staatliche Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn. Diese Trennung spielte später in den Selektionen zur "Euthanasie" allerdings keine Rolle mehr. Dem Transport nach Wien gehörten Menschen aus Alsterdorf wie aus Langenhorn an. Die Entwicklung in den Hamburger Anstalten in den 30er Jahren war sehr früh von einer Verbindung von Okonomie und Rassismus geprägt. Allen voran die evangelischen Alsterdorfer Anstalten, die sich schon 1931 der Empfehlung ihres Dachverbandes, der Inneren Mission, anschlossen und die "unterschiedslose Wohlfahrtspflege" durch die "differenzierte Fürsorge" ersetzten (Wunder 1988, 35). Arbeitsfähige Anstaltsinsassen wurden dabei als heilbare Behandlungsfälle betrachtet, arbeitsunfähige als "unheilbare Pflegefälle", als "ausdiagnostizierte Verwahrfälle", für die die "Verwahrabteilungen" mit niedrigeren Pflegesätzen errichtet wurden. Im Oktober 1934 erhob der Hamburger Senat diese Trennung zum Programm. In seinen Richtlinien hieß es ganz offen: "Die heilbaren Kranken sollen unter größtmöglichem Einsatz ärztlicher Betreuung behandelt werden ... Die unheilbaren Kranken sollen in erster Linie in Bewahrung behandelt werden. Die ärztliche Betreuung soll auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden" (Ofterding 1935, 2). Es folgte flächendeckend die Einrichtung so genannter Pflegeabteilungen in der Psychiatrie und der "Siechenhäuser" in den Altenheimen mit Billigkostensätzen für die ausdiagnostizierten Verwahrfälle. Für die "Behandlungsfälle" wurden in Alsterdorf wie in Langenhorn neue aggressive medizinische Behandlungsmethoden eingeführt. Das Paradigma für die Aufarbeitung der NS-Gesundheitspolitik, "Heilen und Vernichten", bildet sich hier eindrucksvoll ab. Eingeführt wurden Schocktherapien mit Insulin, Cardiazol und Elektrodurchflutung, nicht nur für Psychiatrie-Patienten, sondern auch für Menschen mit geistigen Behinderungen. Neue Forschungsprojekte wurden in Angriff genommen: Der Alsterdorfer Oberarzt, Dr. Gerhard Kreyenberg, experimentierte unter den Bedingungen hoher Verbrennungsrisiken für die Versuchsopfer mit Röntgenstrahlen zur "Behebung von Schwachsinnzuständen" (Wunder 1988,100).
Die Anstaltspatienten wurden zunehmend zum Objekt rassenpolitischer Propaganda, was von Pastor Lensch für die Alsterdorfer Anstalten folgendermaßen begründet wurde: "Mit rücksichtsloser Strenge" (Kreyenberg 1933, 321) beteiligten sich denn auch die Ärzte Alsterdorfs, aber auch Langenhorns am Programm der Zwangssterilisation. In Hamburg wurden zwischen 1933 und 1945 ca. 24.000 Frauen, Männer und Jugendliche zwangssterilisiert. Das jüngste von Kreyenberg angezeigte Mädchen war 2 Jahre alt, die älteste Frau über 50 Jahre. Das Sterilisationsgesetz wurde in Hamburg schnell zu einem sozialen Bestrafungsgesetz. Todesfälle während des Sterilisationseingriffes oder kurz danach häuften sich, weil z.B. Vorschädigungen oder Narkose-Unverträglichkeiten unbeachtet blieben. Das Sterilisationsgesetz wurde so auch zum ersten Vernichtungsgesetz der Nationalsozialisten. An wesentlichen Ausweitungen, der Verbindung der Zwangssterilisation mit der Zwangsabtreibung und der Ausweitung der Diagnose auf den so genannten "moralischen Schwachsinn" war Kreyenberg führend beteiligt. Mit der Diagnose "moralischer Schwachsinn" wurden immer mehr Personen, die sozial unangepasst waren, arbeitsunwillig oder als Störenfriede galten, in den Bannkreis des Gesetzes hineindefiniert. Versprechungen an die Anstaltspatienten, dass sie nach einer Sterilisation entlassen würden, wurde in den meisten Fällen nicht erfüllt. Viele Opfer der späteren "Euthanasie", waren zwangssterilisiert - allein im Transport nach Wien waren es 25 Frauen. "Das Mühen um die Erbgesundheit unseres Volkes endet nicht bei der Sterilisation der von Erbkrankheiten Betroffenen", schreibt Pastor Lensch 1936 prophetisch, "sondern fängt dort erst an" (Lensch 1936, 16). Die Eskalation ist vorprogrammiert. Die Anstalten werden für die Insassen zu einer Falle, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Die Heil-und Pflegeanstalt Langenhorn wird dabei Sammel- und Zwischenanstalt für alle Hamburger Heime und Anstalten und damit zur Drehscheibe der "Euthanasie" im Norden des Reiches. In den Anstalten auf Stadtgebiet selbst wird - bis auf die Kinderfachabteilung - nicht direkt getötet, sondern nur verlegt, aussortiert und abtransportiert (Wunder 1992, 43 ff). Nahezu 5.500 Patienten werden in den Jahren 1940 bis 1945 überwiegend über Langenhorn selektiert und abtransportiert, davon auf Grund des späten Beginns der "Euthanasie" im Norden des Reiches und des Abbruchs der offiziellen T4-Aktion im August 1941 lediglich 226 im Rahmen der T4-Aktion, der so genannten "Meldebogen-Euthanasie", alle anderen in Rahmen der zweiten, dezentralen Phase der "Euthanasie", die fälschlicherweise in der Literatur immer als "wilde Euthanasie" bezeichnet wird.(1) Für nahezu 5000 ist es der Weg in den Tod. Direkt in Hamburg getötet wurden nachweislich lediglich 62 Kinder in den beiden Kinderfachabteilungen Rothenburgsort und Langenhorn. Die ersten Opfer der "Euthanasie" in Hamburg waren die jüdischen Anstaltspatienten. Eingeleitet hatte dies - einer der dunkelsten Punkte der Geschichte der Evangelischen Einrichtungen überhaupt - Pastor Lensch, der sich bereits 1938 für die Abschiebung jüdischer Anstaltsinsassen aus Alsterdorf mit folgender Begründung einsetzte: "Wir können es uns sebstverständlich nicht leisten, dass wegen einzelner jüdischer Pat., es befinden sich hier unter 1500 etwa 20, unserer Anstalt der Charakter der Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit abgesprochen wird" (Wunder 1988, 156). Er löste damit eine Lawine aus. Langenhorn wurde Sammelanstalt für alle jüdischen Anstaltsinsassen im Norden des Reiches. Am 23. September 1940 wurden dann 136 jüdische Patienten von Langenhorn in die Tötungsanstalt Brandenburg, Landes-Pflegeanstalt Brandenburg a. H., deportiert, wo sie noch am selben Tag durch Giftgas getötet wurden. Die jüdischen Anstaltspatienten waren die ersten "Euthanasie"-Opfer Hamburgs, und sie waren die ersten jüdischen Mitbürger, die aus Hamburg deportiert wurden. Eine Besonderheit der Durchführung der "Euthanasie"-Aktion in Hamburg ist die direkte informationelle Einbeziehung der Anstaltsleiter und Ärzte durch die Gesundheitsbehörde. Die Langhorner Ärzte wurden auf einer Ärztekonferenz Mitte 1941 vom Gesundheitssenator selbst in aller Offenheit informiert. Die sonst übliche Tarnsprache der NS-Täter, wie "planwirtschaftliche Erfassung" und "Evakuierung", was den Mittätern die psychologische Möglichkeit zur Verdrängung oder zumindest zur Indifferenz ließ, war in Hamburg nicht nötig. Die Hamburger Methode der "Korruption durch Information" war äußerst effektiv: keiner der Ärzte widersprach oder leistete Widerstand. Auch die informationelle Einbeziehung des Alsterdorfer Stiftungsvorstandes lohnte sich: Dort, wo aus christlicher Motivation hätte Widerstand formuliert und wirksam werden können, wurde lediglich ein Memorandum verfaßt, was den ausgefüllten Meldebögen, über deren Funktion kein Zweifel stand, beigelegt wurde. Darin wurde jede Mitverantwortung abgelehnt und auf die Notwendigkeit der Existenz solcher Anstalten wie Alsterdorf aufmerksam gemacht. Pastor Lensch monierte in einer zusätzlichen Stellungnahme, dass auch Arbeitsfähige betroffen seien, obwohl die Zusage gegeben worden sei, dass nur "die in keiner Weise mehr zum Leben, zur Arbeit und zur Gemeinsamkeit in Beziehung" Stehenden ausgewählt würden. Er forderte, dass - so wörtlich - "die Aburteilung der zu vernichtenden Patienten" auf der Grundlage eines Gesetzes und unter präziser Diagnose stattzufinden habe. Dieses Dokument löst gerade unter Theologen auch heute immer wieder tiefe Bestürzung aus. Es steht für die verzweifelte, aber theologisch wie menschenrechtlich in keiner Weise haltbaren Position, einen kleinen Teil der Menschen mit Behinderungen zu opfern, um einen größeren Teil zu retten. Die zweite Phase der "Euthanasie" ist in Hamburg gekennzeichnet durch rationale, katastrophenmedizinisch orientierte Vorgaben der Behörden, die dezentral, auf der Ebene der Anstalten und Krankenhäuser vollzogen werden. Die nicht mehr arbeitsfähigen Patienten waren so lange Platzhalter und Verschiebungsmasse in den Anstalten, bis die Betten anderweitig für die Aufgaben des Gesundheitswesens gebraucht wurden. In Langenhorn wurde so die Zahl der Psychiatriebetten von 2900 auf 1200 reduziert, während gleichzeitig 1700 Hilfskrankenhausbetten aufgebaut wurden (Wunder 1992, 45). Das System funktionierte so: Die Verwaltungsleitung Langenhorns geriet durch die behördlichen Vorgaben der beanspruchten Hilfskrankenhausbetten und die ständige Überbelegung mit psychiatrischen Patienten in einen beabsichtigten Handlungsdruck. Nach außen forderte sie stets neue Abtransportmöglichkeiten, nach innen forcierte sie die Zusammenstellung der Transporte. Das Pflegepersonal stellte die Vorschlagslisten zusammen, die Ärzte trafen die Letztentscheidung. Die Selektionsentscheidung war damit weitestgehend nach unten delegiert. Das System funktionierte flexibel und mit hoher Selbststeuerung. Nach den verheerenden Luftangriffen der Alliierten Luftwaffe auf Hamburg, der Aktion Gomorrha vom 27.7. bis 3.8.1943, trat Pastor Lensch von sich aus an die Gesundheitsverwaltung heran und bat um den Abtransport von rund 500 Anstaltsinsassen. Die Behörden vermittelten die nun einsetzenden Massenabtransporte mit den Zielorten Hadamar und Wien nur schleppend, weil sie ihre ursprünglichen Pläne, Alsterdorf im Luftkriegsfalle für ausgebomte Familien zu nutzen, zu diesem Zeitpunkt schon wieder aufgegeben hatten. Die Ausgebomten wurden aufs Land rund um Hamburg evakuiert, da neue Luftangriffe erwartet wurden. Der einmal in Gang gesetzte Apparat aber lief. Als die ersten Busse der "Gemeinnützigen Krankentransport Gesellschaft", GeKraT, deren Bedeutung noch von den Abtransporten von 1941 bekannt war, auf das Alsterdorfer Anstaltsgelände auffuhren, machte sich Unruhe innerhalb des Personals breit. Während die "Schwächsten der Schwachen" die die Ärzte Alsterdorfs selbst für den Abtransport ausgesucht hatten, in die Busse gepfercht wurden, verkündetet Pastor Lensch zukunftsorientierend der "Gefolgschaft", dass man nun mit den übrigen Anstaltsbewohnern den Auftrage habe, die "Anstalt nach Möglichkeit funktionsfähig zu halten für die Aufgaben des hamburgischen Gesundheitsdienstes" (Wunder 1988, 50).
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Kurz vor dem Abtransport nach Wien erreichte Alsterdorf das einschlägige Schreiben der GekraT. Wie bereits 1941 hieß es darin: "Bei Kranken, die über ihre Person keinen Aufschluss geben können, empfiehlt es sich, einen Leukoplaststreifen zu verwenden, der zwischen die Schulterblätter geklebt wird und Vor- und Zuname enthält" (Wunder 1998, 191). Auch dies ein Hinweis auf die Kontinuität der "Euthanasie"-Maßnahmen vor und nach 1941 und ein Beleg für die nicht bestreitbare Mittäterschaft Pastor Lenschs. Die Untersuchung der Selektionskriterien des Transportes der 300 Hamburger Frauen und Mädchen nach Wien bestätigt in eindrucksvoller Weise die typischen Merkmale der zweiten Phase der "Euthanasie": Die Meldebogen-Kriterien, insbesondere der Bezug auf Erbkrankheiten und Rassenhygiene in Gestalt von Diagnosen und Chronizität, spielten keine entscheidende Rolle mehr. Selektionsentscheidend waren die Arbeitsfähigkeit, PfIegeaufwendigkeit und Verhaltensauffälligkeiten, wobei immer mehr Menschengruppen, wie z.B. alterskranke Patienten und später sogar kranke Ostarbeiter, in den Sog der "Aktion" hineingezogen wurden. Vor der Selektion zum Abtransport häufen sich in den Krankenakten die Negativbeurteilungen: "schreit viel", "tobt", "zerreißt alle Sachen", "unangenehm und lästig" oder "Sie ist ganz Pflegfing", "Sie ist geistig völlig tot" oder "Sie ist zu keiner Arbeit zu gebrauchen". Die Akteneintragungen klingen fast wie sprachliche Hinrichtungen. Wenige Frauen, die selektiert wurden, konnten arbeiten. Sie wurden selektiert, weil sie als schwierig im Verhalten galten oder als gefährlich. In Langenhorn wurden für den Abtransport nach Wien 72 auffallend alte Patientinnen ausgesucht, überwiegend arbeitsunfähige und pflegeabhängige Frauen, viele verhaltensauffällige, in der Akte als "lästig" beschrieben, zahlreiche altersverwirrte. Fünf Frauen waren über 80 Jahre alt. In Alsterdorf wurden 228 Frauen und Mädchen selektiert: neben Frauen mittleren und hohen Alters auch viele Kinder mit schweren geistigen oder auch nur körperlichen Behinderungen. 16 Mädchen unter 10 Jahren, 30 zwischen 10 und 18 Jahren, darunter auch Frieda Fiebinger und Irma Sperling. Der Schwester von Irma Sperling, Antje Kosemund, ist es zu danken, dass 1996, 50 Jahre nach den "Euthanasie"-Morden, wenigstens 10 Gehirne der Alsterdorfer Opfer, die noch bis zu diesem Zeitpunkt als Forschungsobjekte im Steinhof aufbewahrt wurden, nach Hamburg überführt und dort feierlich beerdigt wurden. Sechs Frauen aus Langenhorn und vier Frauen aus Alsterdorf hatten die Diagnose "bombenverwirrt". Sie befanden sich nur wenige Tage in der Anstalt, hatten in den Bombennächten Angehörige und Hab und Gut verloren und waren mit einem akuten Verwirrungszustand eingeliefert worden. Für sie wurden noch nicht einmal Akten angefertigt. Ihrer entledigten sich die Hamburger Anstalten, ohne überhaupt einen menschlichen Kontakt aufzunehmen. Der Transport der Hamburger Patienten nach Wien ist heute genau untersucht und dokumentiert. Von 300 Frauen und Mädchen starben 257 bis Ende 1945 (Wunder 1988, 213 ff). Das Schicksal von 11 Frauen ist unbekannt. Nur 32 Frauen haben nachweislich das Jahr 1945 überlebt, einige davon, weil sie das Glück hatten, noch arbeiten zu können und nicht krank zu werden, andere, weil sie rechtzeitig von beherzten Angehörigen aus Wien herausgeholt wurden. Eine dieser fast unglaublichen Geschichten, die sich hinter den nackten Zahlen verbergen, ist die von Wally Hartung. Wilhelm Roggenthien, der wie Frau Kosemund bis heute aktiv für die Belange der "vergessenen Opfer" eintritt, war der Freund von Wally Hartung und ihr von Alsterdorf nach Wien nachgereist. Wally Hartung war zusammen mit ihrer 6-jährigen Tochter Gudrun deportiert worden. Die Tochter fand bereits im November 1943 den Tod. Herr Roggenthien war selbst damals Alsterdorfer Patient und für die Fahrt nach Wien aus Alsterdorf ausgerissen. In Wien kam er illegal unter, gab sich im Steinhof als Verwandter aus und bekam nach viel Hin und her "seine Wally" mit nach Hamburg. In Alsterdorf zurück, bekam er eine hohe Strafe, aber Wally hatte er das Leben gerettet. Sie starb erst vor wenigen Jahren in Hamburg. Für Wilhelm Roggenthien wie für viele andere ist die heutige Aufarbeitung dieser Ereignisse eine ganz persönliche Berührung mit der Geschichte. Über Jahrzehnte konnten er und die anderen Angehörigen und Überlebenden nicht darüber sprechen, weil sich niemand für ihr Schicksal interessiert hat. Besorgt nachfragenden Angehörigen wurde damals in Hamburg gesagt, die "Evakuierung" sei "wegen des Luftangriffes" geschehen. Die Unsinnigkeit dieser Begründung wurde schon damals von vielen durchschaut. Eine Mutter schrieb: "Angriffe haben sie auch dort. Sind also genau so gefährdet wie hier." Eltern, die sich direkt an den Steinhof wandten, wurde von Dr. Mauczka oder Dr. Bertha dringend von einer Reise nach Wien abgeraten, weil es keine Quartiere gäbe oder die Reise zu gefährlich sei. Die Aktenauswertung der Wiener Akten - ich beziehe mich hier auf die der erwachsenen Opfer, deren "Euthanasie"-Tod bis heute im Gegensatz zu dem der Kinder im Spiegelgrund kaum richtig zur Kenntnis genommen worden ist - ergibt ein erschreckendes Bild: Am Anfang steht meist eine kurze, entwürdigende Untersuchung der Ärzte Frau Dr. Türk oder Herr Dr. Wunderer. Oberflächliche, pseudodiagnostische, politisch eingefärbte Wissensfragen oder einfache Rechenaufgaben, die die meisten nicht beantworten konnten, reicht für die Diagnose "Idiotie". Zum Beispiel: "3x3=4, 2x2=6. Jetzige Regierung unbekannt, jetzt sei Krieg". Oder in einer anderen Akte: "Hauptstadt von Frankreich? Österreich, ach nein, das gehört ja zu Wien? Wo fließt die Etsch? Keine Ahnung. Desorientiert". Bei einer anderen Patientin, die nur plattdeutsch sprach, vermerkte Dr. Wunderer, dies völlig verkennend: "Vollkommen desorientiert. Sprache verwaschen, unverständlich, pflegebedürftig ..." Im Steinhof herrschte der Hunger. Eine Auswertung der 173 erhalten Gewichtskurven der erwachsenen Frauen zeichnet das Hungersterben in akribischer Genauigkeit nach: Bei 69 Frauen sind Gewichtsabnahmen von bis zu 10 Kilo verzeichnet, bei 65 Frauen bis zu 20 Kilo und bei 2 Frauen über 30 Kilo, wobei die meisten Frauen bereits bei ihrer Ankunft in Wien bereits Untergewicht hatten. 62 Frauen wogen bei ihrer Ankunft schon unter 45 Kilo, 47 Frauen zwischen 46 und 50 Kilo, 46 Frauen zwischen 51 und 60 Kilo und nur 18 Frauen über 60 Kilo. Dr. Bertha war im Jahre 1944 an den Diskussionen über die "so genannte E-Frage" der führenden Reichspsychiater beteiligt, der "Euthanasie-Frage" unter den Bedingungen des fortwährenden Krieges. Es ging dabei um das lautlose Töten mit Medikamenten, aber auch durch Hunger, obwohl dies immer wieder von Prof. Hermann Paul Nitsche und anderen "Euthanasie"-Verantwortlichen wegen der Zielungenauigkeit abgelehnt wurde. Systematisches Aushungern könnte auch potentiell Noch-Arbeitsfähige treffen, war das Gegenargument. Eine Tagung dazu im Juli 1944 fand sogar auf dem Steinhof statt. (Aly 1984, 33 ff). Als stereotype Todesursachen wurden immer wieder Lungenentzündung, Lungen-TBC, Darmentzündung, Herzschwäche und Marasmus angegeben. Erst nach Kriegsende tauchen langsam auch wahre Todesursachen auf wie "Unterernährung" oder "völlig Entkräftung". 160 Todesfälle unter den Alsterdorfer Frauen und Mädchen sind allein im Jahre 1944 zu verzeichnen, weitere 70 dann noch einmal im ersten Halbjahr 1945, wofür die erst nach der Befreiung am 10.4.1945 einsetzende besonders große Hungersnot in Wien verantwortlich gemacht werden kann. Eine Auswertung der Akten der Langenhorner Frauen hat ergeben, dass die als pflegeaufwendig oder störend eingestuften Patientinnen am schnellsten verstarben; die wenig pflegeaufwendigen, meist aber arbeitsfähigen erst in der Hungerzeit ab April 1945 (von Rönn 1993, 425 ff.). Am 25. September 1943, also recht schnell nach der Ankunft aus Hamburg, kamen 14 Alsterdorfer Mädchen in die Kinderfachabteilung "Am Spiegelgrund" und wurden hier wenige Monate später getötet. Darunter Irma Sperling, aber auch zum Beispiel Heide Grube, über deren Gehirn Dr. Heinrich Gross und Dr. Barbara Uiberak 1955 einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlichten und das zerschnittene Gehirn des zur Zeit der Tötung 9-jährigen Mädchens als eines "von extremer Seltenheit" präsentierten (Gross, et al 1955, 577 ff.). Das Gehirn von Heide Grube war aus nicht aufklärbaren Gründen nicht unter den 10 Gehirnen, die am 8. Mai 1996 in Hamburg beerdigt wurden. Es war nicht mehr auffindbar. Erschreckend sind auch die permanenten Verlegungen der Hamburger Frauen innerhalb des Steinhofs. Viele wurden kurz vor ihrem Tod in die Pavillons 19 oder 21, in denen auch die meisten Todesfälle zu verzeichnen waren, verlegt. Damit wurden die Bedingungen noch zusätzlich verschlimmert: Die Betroffenen waren ständig fremd, ihre Entwurzelung wurde perfektioniert, auch nur oberflächliche menschliche Beziehungen zu Pflegepersonal oder Mitpatienten wurden so unmöglich gemacht. Die Menschen, um die es hier geht, waren Menschen, die lachen und weinen konnten. Zum Schluss waren sie aber apathisch und still. Ursula Westphal, die ich hier erwähne mit Genehmigung ihrer Nichte, die bis heute das Gedenken an ihre Tante pflegt, war 37 Jahre, als sie nach Wien kam. Sie galt in Alsterdorf immer als lebenslustig, aber auch als wild und unruhig, was wahrscheinlich auch der Grund ihres Abtransportes war. Sie wog 45 Kilo, als sie in Alsterdorf selektiert wurde. Wenige Monate später heißt es in der Wiener Akte: "Liegt im Bett, ängstlich, unrein, zupft Wäsche". Ein halbes Jahr später: "Ganz pflegebedürftig, spricht nichts, liegt immer unter der Decke, immer ruhig". Kurz vor ihrem Tod heißt der Eintrag "reagiert nicht auf Ansprache. Gewicht 33 Kilo". Am 5.5.1944 stirbt sie. Als Todesursache wird angegeben: Pneumonie.
1985 - mitten in der Aufarbeitung unserer Geschichte - erreicht uns in Alsterdorf folgender Brief der Schwester der im Steinhof getöteten Dorothea Kasten, der gleichzeitig
in einmaliger Form dokumentiert, dass in den Erwachsenenabteilungen des Steinhofs nicht nur durch Hunger und Verwahrlosung getötet wurde, sondern auch durch direktes
Handeln:
Dorothea Kasten, deren Familienangehörige seit diesem Brief der Schwester in regem Austausch mit Alsterdorf stehen, ist laut Eintrag in der Wiener Akte am 2.5.1944 um 15 Uhr im Alter von 37 Jahren an Lungen-TBC gestorben. Ihr Körpergewicht im August 1943 war 49 Kilo, zum Todeszeitpunkt 33 Kilo. Ihr zu Ehren und stellvertretend für alle anderen Opfer wurde die Straße, an der die Evangelische Stiftung Alsterdorf in Hamburg liegt, vor wenigen Jahren in Dorothea-Kasten-Straße umbenannt.
Ich komme zu meinen Schlußfolgerungen:
2. Zu fragen wäre, ob mit dem Symposium auf dem Steinhof 1998 die Phase des Schweigens auch in Österreich beendet wird. Zu wünschen wäre es. Als Gast steht es mir
nicht an,
hier Kritik zu üben oder kluge Ratschläge zu geben. Auffallend ist in meinen Augen allerdings, dass es hier eine Diskrepanz zwischen verfügbarem und publiziertem Wissen
auf der einen Seite und einer öffentlichen Reaktion auf der anderen Seite zu geben scheint. Vieles ist bekannt und veröffentlicht. Ich zähle nur stichwortartig auf: 3. Eine Anmerkung zum Thema Geschichte und die Folgen. Am Ende des Nürnberger Ärzteprozesses stand der Nürnberger Kodex. Darin wird mit dem "informed consent", der informiert und frei willigen Einwilligung nach bestmöglicher Aufklärung, die Basis einer humanen Medizin bestimmt. Der Patient wird damit zum handelnden Subjekt in der Medizin, einer Medizin, die den Patienten aus was für Gründen auch immer als Objekt behandelt, wird eine eindeutige Ansage erteilt. Medizinische Experimente ohne persönliche Einwilligung werden im Nürnberger Kodex ausgeschlossen. Menschen, die auf Grund einer Behinderung oder Erkrankung nicht einwilligen können, sind vor medizinischen Versuchen geschützt. Diese historisch mit so unendlich viel Leid belegte Norm droht jetzt mit der Bioethik-Konvention des Europarats zu fallen. Fremdnützige Medizienexperimente sollen bei einwilligungsunfähigen Menschen möglich sein, wenn das Risiko klein und der Nutzen für nachfolgende Patienten groß ist. Dies ist ein Verstoß gegen die Gesetzeslage in Deutschland, wie in Österreich, aber auch eine Nichtbeachtung geschichtlichen Wissens und daraus erwachsender Verantwortung. 4. Am Ende des Nürnberger Ärzteprozesses haben Alexander Mitscherlich und Fred Mielke geschrieben: "Die Zeugnisse sind über alle menschlichen Maße furchtbar geblieben. Keine Zeit wird sie je mildern können" (Mitscherlich 1983, 7). Dies gilt um so mehr, als wir heute soviel mehr als zur Zeit des Prozesses über das Ausmaß und den Schrecken der "Euthanasie" gerade auch in der zweiten, dezentralisierten Phase wissen, in die auch der Steinhof in so starkem Maße involviert war. Bewahren wir diese Zeugnisse und dieses Wissen in unserem wachen Bewußtsein und mildern wir nichts ab. Nur so können wir neuen Bedrohungen entgegentreten. Das sind wir den Opfern der Medizin ohne Menschlichkeit schuldig.
Anmerkungen:
Literatur Gross, Heinrich/Uiberrak, Barbara, Klinischanatomische Befunde bei Hemimegalencephalie, in Virchows Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin, Band 327, Nr. 5, Seite 577-589, Springer, 1955 Kreyenberg, Gerhard, Ärztlicher Bericht über das Jahr 1929, in Briefe und Bilder aus Alsterdorf, Hamburg 1930 Kreyenberg, Gerhard, Die Bedeutung des Schwachsinns für die Eugenik, in Dienst am Leben - Blätter zur Fortbildung im Krankendienst und in der Gesundheitsfürsorge, Berlin 1933, Heft 19 Lensch, Friedrich, Erbgesundheit, in Briefe und Bilder aus Alsterdorf, Hamburg 1930 Mitscherlich, Alexander/Mielke, Fred, Medizin ohne Menschlichkeit: Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses, Frankfurt, 1983 Ofterdinger, Friedrich, Der Friedrichsberg-Langenhorn-Plan. Zusammenfassender Bericht vom 2.12.1935, in Staatsarchiv Hamburg, M 361-5II, Hochschulwesen II, GB 11, Band 1 von Rönn, Peter, Wege in den Tod. Hamburger Anstalten Langenhorn und die Euthanasie in der Zeit des Nationalsocialismus, Hamburg 1993 Wunder, Michael, u.a. (Hg), Auf dieser schiefen Ebene gibt es kein Halten mehr - die Alsterdorfer Anstalten im Nationalsozialismus, Hamburg, 1988 Wunder, Michael, Euthanasie in den letzten Kriegsjahren - die Jahre 1944 und 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn, Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 65, Husum, 1992 Wunder, Michael, Von der Anstaltsfürsorge zu den Anstaltstötungen, in Ebbinghaus, Angelika, et al. (Hg.), Kein abgeschlossenes Kapitel - Hamburg im "Dritten Reich", Hamburg, 1997
Copyright © Michael Wunder
The Euthanasia Murders in Steinhof with reference to the deported Hamburg Girls and Women
Lecture held at the symposium "The History of Nazi Euthanasia in Vienna" in the Baumgartnerhöhe psychiatric hospital on 29/30.01.1998
In November 1943 Frieda Fiebinger, one of the 300 Hamburg girls and women deported on 16 August 1943 from the Alsterdorf Institutions and the Langehorn mental hospital to
Steinhof, former psychiatric hospital and pulmonology centre, in Vienna, where the majority were murdered, wrote the following letter to "My dear aunt Alwine", a nurse at
the Alsterdorf Institutions in Hamburg. The letter reads: What Frieda Fiebinger, who died, completely debilitated, in Steinhof shortly after the war ended, on 10.06.1945, here impressively describes, in her own language, is fully confirmed by our current knowledge. From what kind of world did Frieda Fiebinger and the other 299 Hamburg girls and women come? What had they already gone through when they arrived in Vienna? What had led to their selection? These questions must be answered before examining their fate in Steinhof, in Vienna, so as to be able to draw conclusions - also for us today. Hamburg is described as the "Model 'Gau' of National Socialism": the economic policy, the urban redevelopment and in particular the social and public health policy had a model character for the Nazi state (Ebbinghaus 1984). The ascent of Hamburg to an economic centre for war preparations was accompanied by a drastic increase in people admitted to social welfare service institutions. Pastor Lensch, director of the Alsterdorfer Institutions, explained that this happened, "so as to prevent the danger of an epidemic of people with degenerate genetic make-up" and "to remove the degenerates from the folk community, to exclude them from reproduction and thereby to eradicate them … " (Kreyenberg 1930, 26). The result was the increasing overpopulation and extreme overcrowding in all Hamburg institutions until 1939. This was one of the preconditions responsible for the "Euthanasia Program". The Hamburg Institutions were distinct from institutions in most of the other regions of the German Reich: From the 1870s the institutional care of the mentally handicapped and the psychologically ill was strictly separate: the Evangelical Alsterdorf Institutions were responsible for the mentally handicapped while Friedrichsberg mental hospital, and later Langenhorn mental hospital, was responsible for the psychologically ill. However, later this separation made no difference to selection for "Euthanasia". The transport to Vienna was composed of people from both Alsterdorf and Langenhorn. The developments that took place in the Hamburg Institutions in the early 1930's were shaped by a combination of economics and racism. Particularly the Evangelical Alsterdorf Institutions, which already by 1931 aligned themselves with the recommendation of their umbrella organization, The Inner Mission, replaced "undifferentiated social welfare" with "differentiated care" (Wunder 1988, 35). Institution patients capable of work were thereby regarded as curable cases whereas those incapacitated for work were deemed "incurable care cases", as "hopeless cases", whose "terminal departments" were run at minimum cost. In October 1934, the Hamburg Senate elevated this segregation to a political program. Its guidelines openly stated: "Curable patients are to receive the best possible medical treatment ... incurable patients should primarily be detained. Medical care is to be reduced to a minimum" (Ofterding 1935, 2). There followed the comprehensive establishment of low cost so-called care departments for the hopeless cases in the psychiatric hospitals and "terminal wards" in the homes for the elderly. New aggressive methods of treatment were introduced for the "treatable cases" in both Alsterdorf and Langenhorn. The paradigm of the National Socialist public health policy, "Healing and Extermination", was thereby forcefully implemented. Insulin coma therapy, carbon dioxide therapy and electroshock therapy were introduced not only for psychiatric patients but also for the mentally handicapped. New research projects were conducted: The Alsterdorfer assistant medical director, Dr. Gerhard Kreyenberg, experimented with these human guinea pigs with X-rays to "remedy imbecility", with the risk of serious burns (Wunder 1988,100).
The institution patients increasing became the object of race-political propaganda which Pastor Lensch justified on the following grounds for the Alsterdorf
Institutions: The Alsterdorf and Langenhorn doctors also participated "with ruthless severity" (Kreyenberg 1933, 321) in the program of compulsory sterilisation. In Hamburg, between 1933 and 1945, approximately 24,000 women, men and young people were compulsorily sterilized. The youngest girl sterilized by Kreyenberg was 2 years old, the oldest woman over 50 years old. The Law for the Prevention of Genetically Diseased Offspring or "Sterilisation Law" of 14 July 1933 quickly became penal law. Deaths during sterilisation or thereafter grew because pre-existing problems and anaesthesia problems were not regarded. The sterilisation law became the first extermination law of the National Socialists. Dr. Kreyenberg was prominently involved in the combination of compulsory sterilisation with compulsory abortion and the expansion of diagnosis to include so-called "moral idiocy". The diagnosis "moral idiocy" included ever more people under the sterilization law: those who were nonconformist, work shy or who were considered to be troublemakers. Promises made to the institution patients that they would be released after sterilisation was, in most cases, not fulfilled. Many victims of the later "Euthanasia Program" were compulsorily sterilised - there were 25 women alone on the transport to Vienna. In 1936, Pastor Lensch wrote prophetically, "The struggle for the hereditary health of our people is not at an end with sterilisation, it only begins here (Lensch 1936, 16). Escalation was pre-programmed. The institutions become a trap for the inmates from which there was no more escaping. The Langhorn mental hospital became the collecting and intermediate institution for all Hamburg children's homes and institutions and thereby hub of the "Euthanasia Program" in north Germany. Apart from the children's ward, people were not killed in the city institutions but only held, selected and deported (Wunder 1992, 43 ff). Between 1940 and 1945 around 5,500 patients were selected, mostly in Langenhorn, and deported. Due to the late start of the "Euthanasia Program" in north Germany and the discontinuation of the official "Action T4" in August 1941 there were only 226 in the context of Action T4, the so-called "registration form Euthanasia", all the others in the context of the second, decentralized phase of the "Euthanasia Program", falsely referred to as "unofficial Euthanasia".(1) Almost 5,000 of these 5,500 were murdered. In Hamburg only 62 children from the two children's wards in Rothenburgsort and Langenhorn were murdered. The first victims of the "Euthanasia Program" in Hamburg were the Jewish patients. As early as 1928 Pastor Lensch initiated the deportation of Jewish patients from the Alsterdorf Institutions - one of the blackest points in the history of the Evangelical Institutions - with the following argument, "Obviously we cannot allow individual Jewish patients, around 20 of our 1,500 patients are Jewish, to impair the institution's character of common public interest and benevolence" (Wunder 1988, 156). This released an avalanche. Langenhorn became the institution for the collection of all Jewish patients in north Germany. On 23 September 1940, 136 Jewish patients were deported from Langenhorn to the Brandenburg mental hospital where they were killed on the same day by poisonous gas. The Jewish patients were the first Hamburg "Euthanasia" victims, and were the first Jewish citizens to be deported from Hamburg. A peculiarity of the "Euthanasia Program" in Hamburg was the direct informal inclusion of the Institution administration and doctors in the "Euthanasia Program" by the Health Authority. The Langenhorn doctors were openly informed by the Health Senator at a conference of physicians in mid 1941. The otherwise usual coded language of the National Socialist perpetrators, such as "planned-economy registration" and "evacuation", which allowed the perpetrators the possibility of suppression or at least indifference, was not necessary in Hamburg. The Hamburg method of "corruption through information" was extremely effective: none of the physicians objected or resisted. The informal inclusion of the Alsterdorf Foundation executive committee was also remunerative: Where Christian motivated resistance should have been organized and implemented, only a memorandum was written with completed registration forms attached, whose function was obvious. In this memorandum all responsibility was denied but the necessity of institutions like Alsterdorf made apparent. Pastor Lensch criticised the fact that also people able to work were selected although the assurance was given that only those without any relationship "to life, to work or to the community" were affected. He literally demanded that, "the condemning of patients to death" was to be implemented on the basis of the law and under precise diagnosis. This document especially provoked consternation among theologians. It attempts to justify the sacrifice a small number of people with handicaps in order to save a larger number of people. This is untenable theologically and is a crime against humanity. The second phase of the "Euthanasia Program" in Hamburg was characterized by the decentralised implementation by the institutions and hospitals of regulations for a rational, crisis orientated medicine. The patients incapacitated for work remained in the institutions only as long as the beds were not otherwise required by the Health Service. In Langenhorn the number of psychiatric beds was reduced from 2,900 to 1,200 while at the same time 1,700 auxiliary hospital beds were established (Wunder 1992, 45). The system functioned so: The Langenhorn administration was intentionally placed under pressure by the regulations regarding the demanded number of auxiliary hospital beds and the constant over occupancy of psychiatric patients. The insoluble problem of the insufficient number of psychiatric beds caused the institution to constantly demand more transports. The care personnel compiled the lists of proposed deportees but the physicians had the last decision. The "selection" was thereby delegated downward. The system was flexible and self regulating. Following the devastating "Operation Gomorrha" air raids on Hamburg between 27.07.1943 and 3.08.1943, Pastor Lensch requested the Health Authority for the evacuation of approximately 500 patients. The authorities only sluggishly organised the incipient mass evacuations with destinations Hadamar (Hessen) and Vienna because they originally had plans to use Alsterdorf to house bombed out families. The bombed out families were evacuated to the countryside around Hamburg as new air strikes were expected. The evacuations started. As the first grey buses with obscured windows of the "Charitable Ambulance Service Company" (GeKraT), whose implication was known from the evacuations of 1941, drove into the grounds of Alsterdorf institution concern spread among the care personnel. When "the weakest of the weak", who had been selected for evacuation by the Alsterdorf doctors themselves, were perched in the buses Pastor Lensch declared to the "entourage" that their assignment regarding the remaining institution patients was, "to keep the institution operative for the tasks of the Hamburg Health Service" (Wunder 1988, 50).
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Shortly before the evacuation to Vienna the Alsterdorf institution received a letter from the GekraT. As in 1941 it stated, "It is advisable to stick a sticking plaster between the shoulder blades of patients who cannot indicate who they are with their first name and surname" (Wunder 1998, 191). This is also demonstrates the continuity of the "Euthanasie Program" before and after 1941 and is evidence for the incontrovertible accompliceship of Pastor Lensch. The selection criteria for the transport of the 300 Hamburg girls and women to Vienna exemplifies the typical characteristics of the second phase of the "Euthanasia Program": The registration criteria, in particular that concerning hereditary diseases and diagnosis of chronic illness, no longer played a role. Selection was based on ability to work, extent of care and abnormalities of behavior, whereby ever more groups of people, for example aged patients and later even sick non-German civilian workers (Ostarbeiter), became victims of the "Euthanasia Program". Before the selection for evacuation negative assessments accumulated in patient's files: "screams a lot", "has rages", "tears up everything", "nasty and troublesome" and "she is care dependant", "she is brain dead" and "she is incapable of any work". The file entries are like verbal executions. Only a few of the women selected were able to work. They were selected because they were considered behaviorally difficult or dangerous. In Langenhorn 72 conspicuously elderly, predominantly incapacitated for work and care dependent women, many behaviorally difficult, described in their files as "troublesome", many being dement, were selected. Five women were over 80 years old. In Alsterdorf 228 girls and women were selected: besides middle aged and elderly women there were also many severely mentally and physically handicapped children. There were16 girls under 10 years of age, 30 between 10 and 18 including Frieda Fiebinger and Irma Sperling. It is thanks to Antje Kosemund, Irma Sperling's sister, that in 1996, 50 years after the "Euthanasia" murders, 10 brains of Alsterdorf victims, that had been retained in Steinhof as objects of research, were returned to Hamburg where they were ceremonially buried. Six women from Langenhorn and four women from Alsterdorf were admitted diagnosed as being "bomb deranged" having lost relatives and property in the days of blanket bombing and the resulting fire storm. They remained only a few days in the institute. Not even files were made out for them. The Hamburg institutions disposed of them without undertaking any human contact. The transport of Hamburg patients to Vienna has been researched and documented. 257 of the 300 girls and women died before the end of 1945 (Wunder 1988, 213 ff). The fate of 11 women is unknown. Only 32 women survived, some of whom because they were able to work and did not become ill, others because they were rescued by courageous family members. One of these amazing stories of rescue involves Wally Hartung. Wilhelm Roggenthien, who like Antje Kosemund is an advocate for the "forgotten victims", was Wally Hartung's friend and followed her from Alsterdorf to Vienna. Wally Hartung was deported together with her 6 year old daughter Gudrun. Gudrun died in November 1943. Wilhelm Roggenthien was himself an Alsterdorf patient and ran away from the institution to make the journey to Vienna. In Vienna he found accommodation illegally and when visiting Steinhof pretended to be a relative and, after much toing and froing, succeeded in escorting "his Wally" back to Hamburg. Back in Alsterdorf he was punished but he had saved Wally's life. For Wilhelm Roggenthien, and for many others today, this coming to terms with the past is a very personal experience of history. Over decades it was not possible for him or other relatives and survivors to speak about their suffering because nobody was interested in their fate. Apprehensive, inquiring relatives in Hamburg were told that the "evacuation" was taking place because of the "air raids". Many relatives saw the absurdity of this explanation. A mother wrote: "There are air raids there as well. They are just as endangered there as here." Parents, who contacted Steinhof were strongly advised against travelling to Vienna by Dr. Alfred Mauczka or Dr. Hans Bertha either because there was no possibility of accommodation or because the journey was too dangerous. The Steinhof patient files of the adult victims of "euthanasia" present a frightening picture: on admission Dr. Marianne Türk or Dr. Wunderer usually carried out a short, demeaning examination. Superficial, pseudo diagnostic, questions of a political character or simple arithmetic problems, which most could not answer, was sufficient for the diagnosis "idiocy". For example: "3 x3 =4, 2x 2=6. Current government unknown, we are at war". Or in another file: "Capital of France? Austria, oh no that belongs to Vienna? Where is the river Etsch? No idea. Disorientated". Dr. Wunderer misjudged a female patient who only spoke Low German and noted, "totally disorientated. Speech blurred, incomprehensible, in need of care ..." In Steinhof hunger reigned. The 173 extant weight charts reveal starvation: 69 women show a weight loss of up to 10 Kilograms, 65 women a weight loss of up to 20 Kilograms and with 2 women a weight loss of over 30 Kilograms, whereby most women were already underweight on arrival in Vienna. On arrival 62 women already weighed less than 45 Kilograms, 47 women weighed between 46 and 50 Kilograms, 46 women weighed between 51 and 60 Kilograms, and only 18 women over 60 Kilograms. In 1944 Dr. Bertha took part in discussions among leading Reich psychiatrists about the so-called "E question", the "euthanasia question" under the conditions of the ongoing war. Discussed was silent killing with medicines, and by starvation, although the latter was repeatedly rejected by Professor Hermann Paul Nitsche, and other "euthanasia" doctors, because of its imprecision. It was argued that systematic starvation could involve patients potentially able to work. A conference also took place in July 1944 in Steinhof. (Aly 1984, 33 ff). Stereotypical causes of death were pneumonia, pulmonary tuberculosis, intestinal inflammation, cardiac insufficiency and marasmus. Only after the war did true causes of death slowly emerge, such as "malnutrition" or "complete debilitation". There were 160 deaths among the Alsterdorf and girls and women alone in 1944 and a further 70 in the first six months of 1945, for which the severe food shortage in Vienna after the capitulation on 10.04.1945 can be made responsible for the latter. The Langenhorn female patients who required intensive care or who were classified as troublesome died the fastest; those who required less care, most were able to work, died during the food shortage after April 1945 (von Rönn 1993, 425 ff.). On 25 September 1943, soon after their arrival from Hamburg, 14 Alsterdorf girls were admitted to the children's ward "Am Spiegelgrund" and were killed there a few months later. Irma Sperling was among them but also Heide Grube, over whose brain Dr. Heinrich Gross and Dr. Barbara Uiberak published a scientific article in 1955 in which they presented the dissected brain of the 9 year old murdered girl as one; "of extreme rarity" (Gross, et al. 1955, 577 ff.). Heide Grube's brain was not buried together with the other 10 brains on 8. May 1996 in Hamburg. It could not be found. The permanent transfers of the Hamburg women within Steinhof are also alarming. Many were moved shortly before their deaths to pavilions 19 or 21 where most deaths were taken to be registered. These transfers made conditions even worse: the patients were intentionally disorientated; only superficial relations with care personnel or fellow patients were impossible. The individuals involved were people who laughed and cried. However, in the end they were apathetic and silent. Ursula Westphal was 37 years old when she arrived in Vienna. In Alsterdorf she was considered in love with life but also truculent and restive, which was probably why she was deported. She weighed 45 Kilograms, when she was selected in Alsterdorf. A few months later her patient file in Vienna reads: "Lies in bed, fearful, soiled, plucking at her clothes. Six months later: "Completely in need of care, does not speak, is always under the covers, always placid". Shortly before her death the entry in her file reads, "does not respond to speech. Weight 33 Kilograms". She died on 5.05.1944. Cause of death was given as: Pneumonia.
In 1985 we in Alsterdorf received the following letter from the sister of Dorothea Kasten, murdered in Steinhof, which documents how the adult departments of Steinhof
murdered patients not only by starvation and negligence but also by direct action: "My sister was a long time in the Alsterdorf institutions. She was mentally handicapped but not so severely that she could not do simple tasks. As far as I know she helped the nurses with breakfast, she could also play the harmonium. ... My mother often visited her ... My mother was informed that my sister had been transferred to Vienna - to the Jauer hospital. My mother travelled to Vienna and found my sister in a deplorable condition. She, who always had freedom of movement, was confined behind a net. She was very unhappy and my mother begged to be allowed to take her back to Hamburg. But the hospital physicians did not allow this. They explained that my sister had a bowel fistula and suggested she be euthanised. After a hard fight my mother consented. My mother bought all the sweets and cakes she could with her cake coupons. They drank coffee together at 2 p.m. The doctors had specified this time. My sister had probably already been given an injection because after she had eaten the cake with delight, she said: "Now I am tired and want to sleep, do not forget to take me with you. My mother could take her with her - in a coffin. ... No one should judge my mother for her decision to deliver her child from her tormenters." According to the Vienna patient file Dorothea Kasten died on 2.05.1944 at 3 p.m. at the age of 37 of pulmonary tuberculosis. Her body weight in August 1943 was 49 Kilograms, at her of time of death 33 Kilograms. The road in which the Evangelical Foundation Alsterdorf is situated was renamed the Dorothea-Kasten-Straße in honour of all the Hamburg euthanasia victims.
Conclusions:
2. It will be interesting to see whether, with this symposium in Steinhof in 1998, the phase of silence will also be broken in Austria. Hopefully so. As a guest it
is inappropriate for me to offer criticism or give wise advice. However, in my view there is here in Austria a discrepancy between available and published knowledge on the
one hand and public reaction on the other hand. Much has been established and publicised. What follows is an abbreviated list: 3. A remark about history and its consequences: The result of the Nuremberg Doctors' Trial were the ten points of the Nuremberg Code. The first point states: The "voluntary consent" of the human subject is absolutely essential. This means that the person involved should have legal capacity to give consent; should be so situated as to be able to exercise free power of choice, without the intervention of any element of force, fraud, deceit, duress, over-reaching, or other ulterior form of constraint or coercion; and should have sufficient knowledge and comprehension of the elements of the subject matter involved as to enable him to make an understanding and enlightened decision. This latter element requires that before the acceptance of an affirmative decision by the experimental subject there should be made known to him the nature, duration, and purpose of the experiment; the method and means by which it is to be conducted; all inconveniences and hazards reasonable to be expected; and the effects upon his health or person which may possibly come from his participation in the experiment". Medical experiments without personal consent are excluded in the Nuremberg Code. Individuals who are unable to give their consent due to a handicap or an illness are thereby protected. This code of ethics born out of past suffering is now threatened by the Convention on Human Rights and Biomedicine (Oviedo 1997) of the Council of Europe. Article 6 - Risks and benefits: 2. ... "where the research does not have the potential to produce results of direct benefit to the health of the research participant, such research may only be undertaken if the research entails no more than acceptable risk and acceptable burden for the research participant." This is a violation of German and Austrian law but more significantly ignores the historical reasons and conclusions that resulted in the Nuremberg Code. 4. At the end of the Nuremberg Doctors' Trial Alexander Mitscherlich and Fred Mielke wrote: "The evidence of the crimes, that exceeded all human dimensions, will never be mitigated by time" (Mitscherlich 1983, 7). This is all the more valid as today we know much more about the magnitude and horror of the second, decentralized phase of the "Euthanasia Program", in which Steinhof was so deeply involved. We must never forget or qualify these testimonies and facts. Only by so doing will we be able to confront new threats. We owe this to the victims of the Nazi medical crimes.
Notes:
Literatur:
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