Austellung "MEHRZELLIG" im Hamburger Kunsthaus von 15.11.97 bis 04.01.98

Die Eröffnung der Austellung findet am "Tag der offenen Tür auf der Kunstmeile", am Samstag, den 15. November 1997 um 19.00 Uhr mit einer Performance statt.
(Öffunungszeit nur an diesem Tag von 11.00 bis 24.00 Uhr).

Im Hamburger Kunsthaus präsentiert, die von der Kuratorin Gyde Cold in Zusammenarbeit mit der BBK Austellungs-AG und dem BBK-Vorstand organisierte Austellung "Mehrzellig", 24 Arbeiten von überwiegend Hamburger, aber auch einigen europäischen Künstlern.

1. Die Zellen Architecktur

Kern der Austellung ist eine Zellen Architektur, die Form und Inhalt zugleich repräsentiert. Es werden 24 Zellen errichtet, die in Reihen zu je 6 Zellen aufgestellt werden. Jede Zelle ist 4,5 qm groß, das Innenraummaß beträgt 2,20 x 2,20 x 2,40 m Höhe. Zum Gang hin ist die Zelle zur Hälfte verschlossen. Die meisten Zellen sind oben offen, andere erhalten eine separate Lichtquelle. Das Material der Zelle ist eine mit Holz verstärkte, stabile Pappe.

2. Die Installationen

In dieser Raumzelle lassen die Künstler Installationen entstehen, die fünf Aspekte des Phänomens "Zelle" reflektieren:
Die Funktionen einer biologischen Zelle werden analysiert und vielfältig transformiert. Aus soziologischer Sicht wird einerseits das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft thematisiert, anderseits wird Zelle auch real als Lebensraum erfahrbar. In ihrer ursprünglichen Bedeutung als "cella" wandelt sie sich in einen Ort der Religion und der Kontemplation.

Der Rundgang beginnt mit Installationen, in denen die Geschichte der Evolution mit ihren Vorgängen und ihren überlebenden Geschöpfen erzählt wird.
In der zweiten Reihe ist der Mensch in seinem direkten Lebensraum anwesend: Vom gewaltschwangeren Etagenbett, über skurriles Wohndesign und einer Dokumentation der Wandlung von Menschen und ihrer Wohnung bis zum tödlich isolierten Individuum.
Die Installationen der nächsten Reihe dokumentieren die Lage des Menschen zwischen Krankheit und Angst, der eine mögliche Linderung in religiösen Handlungen gegenüber gesetzt ist.
Der Weg durch das mehrzellige Kunsthaus schließt mit drei Versuchen, den globalen Unbillen des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu entfliehen. Die Fluchtversuche enden allerdings bei degeneriertem Landschaftsgenuß, Überbevölkerung und einem sicheren Ort für die letzten Dinge des Lebens.
Die Zelle ist ein Synonym für Innen und Außen, für Mensch und Umwelt, für Mikro- und Makrokosmos und in "Mehrzellig" für seinen Ort von Kunst mit Bezug zum Leben. Jede Zelle wird zu einem eigenen Erlebnisraum.

2.1 Historischer Dezug

Das Kunsthaus liegt am Straßenzug "Klosterwall". Gegenüberliegend, an der Stelle der heutigen Hochhäuser, befand sich bis Ende des 19. Jahrhunderts das St. Johannis-Kloster. In bezug auf die ehemalig vorhandenen Klosterzellen würde also die Bezellung des Kunsthauses, zumindest architektonisch, eine historische Schicht des Ortes wieder aufleben lassen.

3. Die Künstler

Valentin Alscher Roman Härer
Jay Berström Joerg Huber (Paris)
Karin Boine Marie Anne Jakob
Büro Archipel Sabine von Johnn
Nata Bolourie Ralf Jurszo
Christoph Dettmeier Claus Kienle
Julius Deutschbauer (Wien) Simone Kurz (Basel)
Christoph Ebener Jan-Holer Mauss
Helen Escobedo Marnie Moldenhauer
Bibi Gündisch Marinke Müller-Gwindullis
Karin Guth Ilka Vogler
Markus Häberlin (Basel)  

Thomas Werner & Jochen Wüstenfeld (Performance)

Einige Installationsbeispiele:
Helen Escobedo, die zuletzt "Die Fluchlinge" über die Moorweide wandern ließ, wird mit einer figürlichen Installation vertreten sein.
Karin Guth hat sich mit der kranken Zelle befaßt.
Marie Anne Jakob eröffnet ein Archiv der Evolution.
Claus Kienle überrascht mit ungewöhnlichem Tapeten- und Möbeldesign.
Sabine Siegfried vom Büro Archipel lädt zu einer Imaginären Reise nach Japan ein.



Struan Robertson