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Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma

Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurden von 1933 bis 1945 Hunderttausende Menschen in Deutschland und anderen europäischen Ländern als "Zigeuner" verfolgt. Die meisten von ihnen bezeichneten sich selbst nach ihrer jeweiligen Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen beispielsweise als Sinti, Roma, Lalleri, Lowara oder Manusch. Die größten Gruppen in Europa waren die Sinti und Roma. Ziel des nationalsozialistischen Staates und seiner Rassenideologie war die Vernichtung dieser Minderheit: Kinder, Frauen und Männer wurden verschleppt, an ihren Heimatorten oder in Gettos, Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet. Von Verfolgungsmaßnahmen betroffen waren auch Angehörige der eigenständigen Opfergruppe der Jenischen und andere Fahrende.

1933
Sinti und Roma werden verschärft diskriminiert, zunehmend entrechtet und aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Es erfolgen erste Einweisungen in Konzentrationslager und ab 1934 Zwangssterilisationen.

1935
In vielen Städten des Deutschen Reiches werden Zwangslager eingerichtet. In Berlin werden Hunderte Menschen zwei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 in ein solches Lager im Stadtteil Marzahn eingewiesen. Die Lager dienen der Konzentration, Festsetzung und Erfassung, der Isolierung sowie der Rekrutierung zur Zwangsarbeit.

1936
Nach den "Nürnberger Rassengesetzen" (1935) verfügt Reichsinnenminister Wilhelm Frick im Januar 1936: "Zu den artfremden Rassen gehören alle anderen Rassen, das sind in Europa außer den Juden regelmäßig nur die Zigeuner." Auf dieser Basis wird ein rassistisches Sonderrecht etabliert, das für die Betroffenen unter anderem Eheverbote sowie Ausschluss aus Berufen oder der Wehrmacht bedeutete.

1938
Über 2.000 Sinti und Roma aus Deutschland und Österreich, darunter Kinder ab zwölf Jahren, werden bis 1939 nach Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Mauthausen und in andere Konzentrationslager verschleppt. Auf Weisung des "Reichsführers SS und Chefs der deutschen Polizei" Heinrich Himmler wird in Berlin beim Reichskriminalpolizeiamt eine zentrale Stelle eingerichtet, die die Erfassung und Verfolgung der Sinti und Roma steuert und koordiniert.

Im Dezember ergeht ein grundlegender Erlass Himmlers, "die Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen dieser Rasse heraus in Angriff zu nehmen", mit dem Ziel der "endgültigen Lösung der Zigeunerfrage". Die mit der Erfassung beauftragte "Rassenhygienische Forschungsstelle" fertigt bis Kriegsende nahezu 24.000 "rassenkundliche Gutachten" an, die eine wesentliche Grundlage für die Deportationen in Vernichtungslager bilden.

1939
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges plant das für die Organisation des Völkermordes federführende "Reichssicherheitshauptamt", alle als "Zigeuner" erfassten Menschen zu deportieren. Zur Vorbereitung von Deportationen verfügt es, allen Betroffenen "die Auflage zu erteilen, ihren Wohnsitz oder ihren jetzigen Aufenthalt bis auf weiteres nicht zu verlassen".

1940
Auf Befehl Himmlers beginnen die Deportationen ganzer Familien aus Deutschland in das besetzte Polen: "Der erste Transport von Zigeunern nach dem Generalgouvernement wird Mitte Mai in Stärke von 2.500 Personen in Marsch gesetzt werden." In Lagern, später auch in Gettos, müssen sie unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Vielerorts unterliegen Sinti und Roma einer Kennzeichnung durch Sonderausweise oder Armbinden mit der Aufschrift "Z".

1941
In der besetzten Sowjetunion und in den anderen besetzten Gebieten Ost- und Südosteuropas beginnen systematische Massenerschießungen von Roma. So meldet eine "Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS" von der Krim: "Zigeunerfrage bereinigt".

Aus dem österreichischen Burgenland werden etwa 5.000 Roma und Sinti in das Getto Litzmannstadt im besetzten Polen deportiert - über 600 von ihnen sterben dort. Die Überlebenden werden im Januar 1942 im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) in Vergasungswagen ermordet.

1942
Nach einer Besprechung mit Reichspropagandaminister Joseph Goebbels über die Auslieferung von Justizgefangenen an die SS protokolliert Reichsjustizminister Otto Georg Thierack, dass "Juden und Zigeuner schlechthin vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der Beste."

1943
Auf der Grundlage eines Erlasses von Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 beginnen ab Februar die Deportationen von rund 23.000 Sinti und Roma aus fast ganz Europa. Ziel der Transporte ist ein von der SS als "Zigeunerlager" bezeichneter Abschnitt von Auschwitz-Birkenau. Innerhalb weniger Monate sterben die meisten von ihnen an Hunger, Seuchen oder durch Gewalttaten der SS. Den Experimenten des dortigen SS-Lagerarztes Josef Mengele fallen zahlreiche Kinder zum Opfer.

1944
Am 16. Mai leisten viele der im "Zigeunerlager" in Auschwitz noch lebenden 6.000 Gefangenen Widerstand gegen ihre drohende Ermordung. Etwa die Hälfte von ihnen wird zur Zwangsarbeit in andere Konzentrationslager deportiert. Die letzten 2.897 Überlebenden - meist Kinder, Frauen und Alte - werden in der Nacht vom 2. auf den 3. August in den Gaskammern ermordet.

1945
Die Anzahl der als "Zigeuner" verfolgten Menschen, die im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich dem Völkermord zum Opfer fielen, wird sich wohl nie genau bestimmen lassen. Schätzungen reichen bis zu 500.000 ermordeten Männern, Frauen und Kindern.

Bundeskanzler Helmut Schmidt, 17. März 1982
"Den Sinti und Roma ist durch die NS-Diktatur schweres Unrecht zugefügt worden. Sie wurden aus rassischen Gründen verfolgt. Diese Verbrechen haben den Tatbestand des Völkermords erfüllt."

Bundespräsident Roman Herzog, 16. März 1997
"Der Völkermord an den Sinti und Roma ist aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden wie der an den Juden. Sie wurden im gesamten Einflussbereich der Nationalsozialisten systematisch und familienweise vom Kleinkind bis zum Greis ermordet."


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Chronology of the National Socialist Genocide of the Sinti und Roma

During the National Socialist dictatorship, from 1933 to 1945, hundreds of thousands of individuals in Germany and other European countries were persecuted as "Gypsies". The majority of them referred to themselves as Sinti, Roma, Lalleri, Lowara or Manusch, according to their respective affiliation to such groups. The largest of these groups in Europe were Sinti and Roma. The goal of the National Socialist state and its race ideology was the annihilation of this minority: men, women and children were interned and deported, murdered at their places of origin or in ghettos, concentration and extermination camps. Jenische and other travellers were also affected by these measures.

1933
Sinti and Roma were increasingly discriminated against, deprived of their rights and excluded from social life. Then followed the first incarcerations in concentration camps and from 1934 onward forced sterilisation.

1935
Internment camps were established in many cities in the German Reich. Two weeks before the opening of the Olympic Games in Berlin, in 1936, hundreds of individuals were interned in such a camp in the Marzahn district. These camps served the purpose of concentration, investigation and registration, segregation and recruitment for forced labour.

1936
In January 1936, in accordance with the Nuremberg Race Laws of 1935, Reich Minister of the Interior Wilhelm Frick decreed: "In addition to the Jews only the Gypsies belong to the non-Aryan races in Europe." On this basis a discriminatory race law was established, which, among other things, prohibited marriage to "Aryans" as well as exclusion from traditional occupations and the armed forces.

1938
Over 2,000 Sinti and Roma from Germany and Austria, among them children from the age of twelve, were interned, until 1939, at Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Mauthausen and other concentration camps. On orders from Reichsführer SS and Head of the German Police Heinrich Himmler, a central office was established, within the Reich Criminal Investigation Department in Berlin, to steer and co-ordinate the registering and persecution of the Sinti and Roma.

In December Heinrich Himmler issued a radical decree, "the proper method of attacking the Gypsy problem is to treat it as a matter of race", the goal being "the final solution of the Gypsy Question". By the end of the war the "Research Institute for Racial Hygiene", under the direction of Dr. Robert Ritter, assigned to register all Sinti and Roma, had completed almost 24,000 "racial assessments", which formed the basis for the deportations to extermination camps.

1939
With the beginning of the Second World War the Reich Security Main Office, responsible for the organisation of the genocide, planed the deportation of all individuals registered as "Gypsies". In preparation for the deportations it ordered all those concerned "not to leave their domicile or current abode".

1940
On orders from Heinrich Himmler the deportation of entire families began from Germany to occupied Poland: "In mid May the first transport of 2,500 Gypsies to the General Government will be set in motion". In concentration camps, and later also in ghettos, they were pressed into forced labour under the most barbarous of conditions. In many places Sinti and Roma were issued with identity documents or armbands with the label "Z", for "Gypsy", as identification.

1941
Systematic mass shootings of Roma began in the occupied Soviet Union and other occupied areas of east and south-east Europe. One "Task Force (Einsatzgruppe) the Sicherheitspolizei (Sipo) and the Sicherheitsdienstes (SD)" reported from the Crimea: "Gypsy Question resolved".

Around 5,000 Roma and Sinti were deported from Burgenland in Austria to the Litzmannstadt ghetto in occupied Poland - over 600 of them died there. The survivors were murdered in January 1942 in the Kulmhof (Chelmno) extermination camp in gas vans.

1942
During a discussion with Reich Propaganda Minister Joseph Goebbels, about the surrendering of judicial prisoners to the SS Reich Minister of Justice, Otto George Thierack records in the minutes of the meeting that "Jews and Gypsies are to be completely annihilated. Annihilation through work is the best method."

1943
From February the deportations of approximately 23,000 Sinti and Roma from practically all over Europe began in accordance with a decree of Heinrich Himmler from 16 December 1942. The destination of the transports was the SS named "Gypsy Camp" section of Auschwitz-Birkenau. Within a few months most of them were dead of hunger, epidemics or from SS violence. Numerous children fell victim to the experiments of the SS camp doctor Josef Mengele.

1944
On 16 May many of the 6,000 prisoners still surviving in the "Gypsy Camp" in Auschwitz-Birkenau put up resistance against their threatened murder. Later around half of them were deported as forced labour to other concentration camps. The remaining 2,897 - mainly women, children and elderly people - were murdered in the gas chambers on the night of 2/3 August.

1945
The number of individuals persecuted as "Gypsies" who became victims of the National Socialist genocide will probably never be exactly determined. Estimates extend to 500,000 men, women and children.

17 March 1982, Federal Chancellor Helmut Schmidt
"Terrible injustice was done to the Sinti and Roma by the National Socialist dictatorship. They were subject to racial persecution. They suffered the crime of genocide."

16 March 1997, Federal Chancellor Roman Herzog
"The genocide of the Sinti and Roma was carried out with the same motive of racist ideology, with the same intention and determination for a methodical and total annihilation as it was with the Jews. They were murdered systematically, from infants to the elderly, everywhere within the area of National Socialist occupation."