Das Zeitalter des Völkermordes
Politische Gewalt im 20. Jahrhundert
"Wir erleben ein Verbrechen ohne Namen", beschrieb Winston Churchill 1941 das Morden deutscher Polizeieinheiten in Russland. Ein Verbrechen ohne Namen sollte es nicht lange bleiben: Völkermord. Millionen Menschen fielen im 20. Jahrhundert Genoziden zum Opfer.
Von Jürgen Zimmerer Das 20. Jahrhundert sah politische und kriegerische Gewalt ungeahnten Ausmaßes. Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte kamen in kürzerer Zeit mehr Menschen gewaltsam ums Leben als in den fünf Dekaden zwischen 1900 und 1950. Zwei Weltkriege forderten Millionen und Abermillionen von Opfern. Nur der geringere Teil von ihnen starb jedoch als unmittelbare Konsequenz der Kampfhandlungen. Selbst wenn man die Toten der Bombenkriege zu Letzteren dazurechnet, - die meisten der Toten kamen höchstens mittelbar aufgrund des Krieges ums Leben. Sie verhungerten und verdursteten oder gingen an Krankheiten zugrunde, die vom Krieg verursacht oder zumindest deswegen nicht adäquat behandelt werden konnten. Millionen fielen zudem einem Verbrechen zum Opfer, für das man bis Mitte des 20. Jahrhunderts überhaupt keinen Begriff hatte: Genozid.
Es war kein Geringerer als der britische Premierminister Winston Churchill, der bereits 1941 den vermeintlich neuen Charakter der deutschen Kriegsführung in Worte zu fassen
versuchte:
Ein Verbrechen ohne Namen sollte es nicht lange bleiben. Nur drei Jahre später schuf der polnisch-jüdische Jurist Raphael Lemkin den Begriff "Genozid", zusammengesetzt aus
dem griechischen "Genos" (Stamm, Volk) und dem lateinischen "caedere" töten. Damit sollte er dem Unbeschreiblichen, der intendierten, vollkommenen Zerstörung eines Volkes
oder eines Stammes, einen Namen geben. Was damit gemeint war, beschrieb er in seiner klassischen Studie "Axis Rule in Occupied Europe" aus dem Jahr 1944 so: Nicht jede Zerstörung oder jedes Massaker war demnach Genozid. Der Schlüssel lag nach Lemkin darin, dass es sich um die bewusste Zerstörung der Lebensgrundlagen einer bestimmten Gemeinschaft handeln musste, wie er sie etwa bei dem nationalsozialistischen Versuch der Vernichtung des Judentums zweifellos als gegeben ansah. Es war jedoch nicht nur die Analyse der nationalsozialistischen Besatzungspolitik in Osteuropa, die ihn von einem historischen Verbrechen ganz eigener Dimension sprechen ließ. Auch das Studium der Geschichte hatte ihn gelehrt, dass es einen Typ kollektiven Verbrechens gab, der mit dem traditionellen Völkerstrafrecht nicht zu fassen war.
Unermüdlich warb er deshalb im amerikanischen Exil für die Anerkennung von Genozid als Straftatbestand im internationalen Recht. 1948 feierte er zumindest einen Teilerfolg,
als die gerade gegründeten Vereinten Nationen eine eigene Genozidkonvention verabschiedeten. Darin erklärten sie Genozid zum Verbrechen und definierten es als Kritiker haben seitdem immer wieder auf die Unvollkommenheit der UN-Genozid-Konvention hingewiesen, und während des Kalten Krieges war ihre Anwendung auch weitgehend blockiert. Mit Beginn der 1990er Jahre erfüllt sie jedoch zumindest teilweise ihre Funktion und der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat 2001 auch erstmals einen Angeklagten, den serbisch-bosnischen General Radislav Krstic, des Völkermords für schuldig befunden. Mit der Ausstellung des internationalen Haftbefehls wegen Völkermordes gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir aus dem Jahr 2009, 2010 wurde zudem signalisiert, dass auch Staatsoberhäupter nicht länger sicher sein können vor internationaler Strafverfolgung. Das 20. Jahrhundert jedenfalls endete, so wie es begonnen hatte, mit Völkermord. Steht die sudanesische Provinz Darfur für den letzten des vergangenen Jahrhunderts, so Südwestafrika für den ersten. Dort hatten deutsche Kolonialtruppen zwischen 1904 und 1908 Herero und Nama bekämpft und auszulöschen versucht. Zwischen beiden Ereignissen lagen der Völkermord an den Armeniern, der Holocaust, der Genozid in Ruanda, aber auch die große Hungersnot in der Ukraine, die Verbrechen der Roten Khmer in Kambodscha oder die so genannten jugoslawischen Erbfolgekriege. Auch wenn der Begriff "Völkermord" erst Mitte des letzten Jahrhunderts geprägt wurde, das Phänomen selbst gab es schon viel länger. Ob es sich dabei um eine "conditio humana" handelt, eine menschliche Grundkonstante, oder ob es sich um ein spezifisch modernes Verbrechen handelt, ist umstritten. Für beides spricht einiges, jedoch weist die Zunahme genozidaler Gewalt im 20. Jahrhundert auf einen zumindest intensivierenden Einfluss der Moderne hin. Denn mochte etwa auch die römische Zerstörung Karthagos genozidale Merkmale aufweisen, wie manche Völkermord-Forscher meinen, so war der Zweck wohl eher die Bestrafung eines besonders unbotmäßigen und lästigen Gegners und gleichzeitig Abschreckung für andere.
Die Motive in der Moderne sind dagegen andere, vielleicht machen sie erst Massenmord zum systematischen Völkermord, jenseits aller äußerlichen Ähnlichkeiten. Denn entgegen
der häufig anzutreffenden Vorstellung, Genozid sei ein atavistisches, ein anti-modernes Verbrechen, irrational in seiner an Besessenheit erinnernden Absolutheit, ist das
Gegenteil richtig. Es ist modernes und rationales Denken, das Genozid befördert. Das Zeitalter der Aufklärung brachte schließlich nicht nur den Triumph der Vernunft,
sondern auch den der Klassifikation. Alles sollte erklärt, in Tabellen und Stammbäume eingetragen werden. Genau wie Pflanzen und Tiere wurden nun auch Menschen
klassifiziert, Grenzen zwischen angeblich unvereinbare "Rassen" gezogen. Besonders deutlich wurde dies im europäischen Kolonialismus. So schrieb etwa der protestantische
Missionar Wandres zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der deutschen Kolonie Südwestafrika: Wo Grenzen und Unterscheidungsmerkmale jedoch absolut gesetzt werden, wird das Hybride, das Nicht-Eindeutige zur Gefahr, zur Herausforderung für das System an sich. In Deutsch-Südwestafrika gab es deshalb ein Verbot von "Mischehen".
Und 1935 sollte das Dritte Reich im "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre", einem der "Nürnberger Gesetze" festlegen:
Es ging aber nicht nur um Trennung scheinbar unvereinbarer "Rassen". Von der Überzeugung der Europäer und zunehmend auch der europäischstämmigen Nordamerikaner von der
eigenen Fortschrittlichkeit war es nur ein kleiner Schritt, den 'Rassen' auch unterschiedliche Entwicklungsstufen zuzuordnen. Der britische Schriftsteller Anthony Trollope
etwa sah die australischen Aborigines als "unheilbar wild" und für die moderne Welt der 1870er Jahre unbrauchbar an. Unumwunden konstatierte er: Während diese genozidale Logik vor allem in den europäischen Siedlungskolonien zum Tragen kam, gegen Außengruppen gerichtet, leitete der radikale Nationalismus diese exterminatorische Logik auch nach innen. Dieser propagierte in seiner radikaleren Form das Ideal der völlig homogenisierten Nation. Abweichungen galten als negativer Störfaktor, sogar als Gefahr, zumal in einem sozialdarwinistischen Weltverständnis. Dessen Anhänger gingen davon aus, dass sich als rassische Gemeinschaften verstandene Nationen in einem permanenten Kampf aller gegen alle befanden, bei dem es nur das Überleben der Besten und Stärksten geben würde.
Der Soziologe Zygmunt Bauman hat den modernen Staat dementsprechend als den gärtnernden Staat beschrieben, der alles Unkraut aussortieren, ja vernichten würde, um einen
gleichförmigen Staatskörper zu erzielen. Bauman zufolge ist Genozid also nicht ein Rückfall in die Barbarei der Vergangenheit, sondern Konsequenz der Moderne. Und in der Tat zeigt sich dies deutlich etwa im Völkermord des spätosmanischen Reiches an den Armeniern. War das Osmanische Reich über Jahrhunderte für seine Toleranz berühmt, so sollte nun das Reich zum Zeitpunkt der Krise und des Niederganges des "Kranken Mannes am Bosporus" im nationalistischen Sinne umgestaltet werden. 1908/09 putschte sich das radikal-nationalistische "Komitee für Vereinigung und Fortschritt" (CUP), die sogenannten "Jungtürken" in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, an die Macht. Im Ersten Weltkrieg wurden dann nicht nur Sündenböcke benötigt für militärische Niederlagen, sondern er bot auch die Gelegenheit zur Umsetzung radikalster Ideen. Ab dem 25. April 1915 begannen die Behörden zunächst, die armenische Intelligenz zu ermorden. Bald darauf kam es zu breit angelegten Deportationen und Todesmärschen der gesamten armenischen Bevölkerung, offiziell weil sie sich mit dem Kriegsgegner Russland verbündet hätten. Genaue Opferzahlen sind nicht bekannt, doch ist davon auszugehen, dass zwischen einer und eineinhalb Millionen Armenier ihr Leben verloren.
Die Zwangsdeportationen glichen meist eher Todesmärschen, Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Sicherlich wurden einige Kinder und junge Mädchen von Osmanen
gerettet, teils zu Ehefrauen gemacht, teils als Hauspersonal verwendet, der überwiegende Teil verreckte jedoch elendiglich auf dem Weg zur oder in der syrischen Wüste:
Immer wieder fällt die Biologisierung der Sprache und der Vorstellung in der Vorbereitung vieler Völkermorde auf. Minderheiten werden als mit der Mehrheitsgesellschaft
unvereinbare Fremdkörper gesehen, als Parasiten und Bazillen, klein aber gefährlich. So schrieb etwa Adolf Hitler in "Mein Kampf" über die Juden: So wurden aus Mitmenschen absolut Andere, mit dem Eigenen Unvereinbare, wobei die Definitionsmacht, wer zur Opfergruppe gehörte, immer bei der Mehrheitsgruppe lag. Sie entschied, wer zur Gemeinschaft gehörte und wer nicht. Und wer die anvisierte Reinheit störte, musste entfernt, ja vernichtet werden. Vor der Blüte des Rassismus war Religion das wohl entscheidende Konkurrenzkriterium, die Kriege und Bürgerkriege um den rechten Glauben zeigten die entsprechende Brutalität. Die Inquisition und ähnliche Instrumente zur Aufspürung der 'Anderen' stehen für den Aufwand, die eigene Gemeinschaft rein zu halten. Trotzdem gab es einen entscheidenden Unterschied zu den Genoziden des 19. und vor allem des 20. Jahrhunderts. Die Kategorisierung Gläubiger - Ungläubiger, Christ - Heide und so weiter war nicht unüberbrückbar. Zumindest theoretisch gab es die Möglichkeit der Konversion, und viele nutzten sie. Dies führte sicherlich zu einer Verletzung des Rechtes auf freie Religionsausübung, aber das schiere (Über-)leben sicherte es. Im Genozid galt dies nicht mehr.
Ein Überschreiten, ein Wechsel von einer Gruppe zur anderen, war ausgeschlossen. Auch das macht Genozid zu einem besonderen Verbrechen. Die Opfer hatten keine Wahl. Genozid
ist eben ein Verbrechen eines Kollektivs an einem anderen, wie schon Lemkin schrieb: Deutschland war im Zeitalter des Völkermordes gleich zweimal unrühmlich beteiligt. Zehn Jahre vor dem Völkermord an den Armeniern war es in der deutschen Kolonie Südwestafrika zum ersten Genozid des Jahrhunderts gekommen. Er speiste sich zum einen aus der Rassenideologie des 19. Jahrhunderts, stand aber auch in der Tradition der kolonialen Völkermorde in den Siedlerkolonien. 1884 hatte auch das Deutsche Reich eine Siedlerkolonie gegründet, Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia. Ein gelobtes Land für Deutsche, eine ideale Kolonie sollte dort entstehen, mit deutschen Auswanderern als Herrenrasse und den ursprünglichen Bewohnern als dienender Kaste. Da die Afrikaner ihrer zunehmenden Entrechtung und Enteignung nicht untätig zusahen, kam es 1904 zu Krieg und Völkermord. Zwar waren die Herero anfangs sehr erfolgreich, doch der Brutalität der deutschen Armee und ihres Oberkommandierenden, General Lothar von Trotha, hatten sie nichts entgegenzusetzen.
Dieser glaubte, dass der Feldzug Teil eines "Rassenkrieges" sei, und dass Afrikaner "nur der Gewalt weichen" würden. Nachdem seine Truppen die fliehenden Herero in die
Omaheke-Wüste getrieben hatten, ließ er diese durch eine Postenkette absperren. Zudem ordnete er im berüchtigten 'Schießbefehl' vom 2. Oktober 1904 an:
Als Folge dieses Befehls verdursteten Tausende, wie es in der offiziellen deutschen Kriegsgeschichte hieß: Wer dennoch die Wüste überlebte, wurde in sogenannte Konzentrationslager eingeliefert, die in der Zwischenzeit überall im Lande errichtet worden waren, nicht zuletzt um auch die Nama, die sich mittlerweile ebenfalls zum Widerstand entschlossen hatten, zu internieren. Dort wurden Tausende durch bewusste Vernachlässigung ermordet. Insgesamt verloren möglicherweise bis zu 70 Prozent der Herero und bis zu 50 Prozent der Nama ihr Leben. Wer Krieg und Völkermord überlebte, wurde quasi totalitärer Kontrolle unterworfen und zum Arbeitszwang verpflichtet. Der Völkermord an den Herero und Nama verbindet Rassenkriegsvorstellungen mit denen der Neubesiedlung des gewonnenen und "entleerten" Territoriums und zeigt damit die unheilvolle Verbindung von Rassenlehre und Raumvorstellung, welche das 20. Jahrhundert prägen sollte.
Raphael Lemkin hat die Verbindung von Mord und Neubesiedlung als Kernelement von Völkermord ausgemacht: Zum Symbol für Völkermord an sich und Auslöser sowohl für die Begriffsschöpfung als auch die internationale Ächtung wurde jedoch der Holocaust, die versuchte Vernichtung des europäischen Judentums mit seinen sechs Millionen Opfern. Jahrhundertealter Antijudaismus radikalisierte und biologisierte sich im Kontext vermeintlich wissenschaftlicher Rassendiskurse im 19. Jahrhundert zum weit tödlicheren Antisemitismus. Die Niederlage im Ersten Weltkrieg, die sogenannte Schmach von Versailles und die Weltwirtschaftskrise ließen in vielen Deutschen die Sehnsucht nach einem Sündenbock auf der einen und einem Heilsbringer auf der anderen Seite wachsen. Adolf Hitler und die NSDAP bedienten diese Bedürfnisse und schürten sie zugleich. Bald nach der "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 begann die Diskriminierung jüdischer Deutscher. Juden wurden aus dem Staatsdienst ausgeschlossen und die bereits erwähnten Nürnberger Rassegesetze verboten Ehen zwischen Juden und Nicht-Juden und kriminalisierten sexuelle Beziehungen. Immer stärker wurden Juden und Jüdinnen schikaniert.
In der "Reichspogromnacht" vom 9. zum 10. November 1938 erreichte der nationalsozialistische Terror einen ersten Höhepunkt: Synagogen brannten, jüdische Geschäfte wurden
zerstört. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1.September 1939 und insbesondere der Invasion der Sowjetunion ab dem 22. Juni 1941 erfolgte auch der Übergang zur
physischen Vernichtung der Juden. Dabei griff man auf Erfahrungen zurück, die man seit dem Frühjahr 1939 mit der Euthanasie geistig und körperlich behinderter Kinder und
dann auch Erwachsener gemacht hatte, der etwa 100.000 Menschen zum Opfer fielen. Schon von Beginn an waren SS-Einsatzgruppen der Wehrmacht in die Sowjetunion gefolgt und
hatten im Rückraum der Armee mit Massenerschießungen begonnen. Die Ukrainerin Iryna Choroschunowa berichtete, was eine Freundin ihr erzählt hatte:
Bis zu 500.000 Menschen sind diesen Erschießungen und Erstickungen in Gaswägen zum Opfer gefallen. Noch weit mehr Menschen starben in den seit Ende 1941 errichteten
Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka. Die Gaskammern beispielsweise in Auschwitz-Birkenau wurden zum Symbol für den Holocaust. Die Realität dort war die Hölle.
Ruth Klüger erinnerte sich an ihre Ankunft, als sie aus dem Waggon auf die Gleise fiel: Zu den sechs Millionen Juden, und den bis zu 500.000 Sinti und Roma, die ermordet werden sollten, gesellen sich jedoch noch Millionen von Polen und Russen, Kriegsgefangenen und Zivilisten. Zunehmend bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass der Feldzug gegen die Sowjetunion ein Rassen- und Vernichtungskrieg war, und genozidale Qualitäten aufwies. Wie der im Auftrag Heinrich Himmlers erarbeitete Generalplan Ost zeigte, sollten bis zu 80 Millionen Russen aus den neu zu errichtenden deutschen Koloniallanden hinter den Ural vertrieben werden, wobei man sich bewusst war, dass mehrere Millionen, es waren bis zu 30 Millionen, dies nicht überleben würden. Folgt der Holocaust und die Ermordung der Sinti und Roma der von Zygmunt Bauman skizzierten Logik des gärtnernden Staates, steht der Rassen- und Vernichtungskrieg gegen die Slawen in der Tradition kolonialer Massengewalt. In den Verbrechen des Dritten Reiches bündelten sich diese Traditionen, kehrten Völkermord und die biologisierte rassistische Gewalt von der Peripherie ins Zentrum Europas zurück. Trotz Kriegsverbrechertribunalen wie den Nürnberger Prozessen und der Ächtung im Völkerrecht kam es auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegen zu weiteren Völkermorden. Der eindeutigste Fall ereignete sich 1994 im zentralafrikanischen Ruanda. In nur 100 Tagen wurden dort von der Hutu Mehrheitsbevölkerung ungefähr 800.000 Tutsi und oppositionelle Hutu umgebracht.
Die Tatsache, dass die Morde selbst mit Macheten und Prügeln durchgeführt worden waren, verführten viele westliche Beobachter dazu, dies als typisch afrikanische und
atavistische Stammesgewalt abzutun. In Wirklichkeit handelte es sich um einen detailliert organisierten und vorbereiteten Prozess. Er ist Teil eines jahrhundertealten
Konfliktes zwischen Hutu und Tutsi, der zunächst soziale Ursachen hatte: Die Tutsi bildeten die wohlhabende Oberschicht. Die belgische Kolonialverwaltung verstand diese
Unterschiede als ethnische und verfestigte sie, indem es die vermeintliche Stammeszugehörigkeit in den Pass eintragen ließ. Während des Völkermordes kontrollierten die
Jugendmilizen an Straßensperren die Pässe der Passanten und ermordeten Tutsi auf der Stelle. Andere wurden in Kirchen und Schulen niedergemetzelt, wie eine Augenzeugin
beschreibt: Fünf Tage waren wir dort, als die Kirche angegriffen wurde. (...) Sie warfen einige Granaten. (...) Sie umringten die Kirche und schlugen jeden tot, der entkam. (...) Die Leute konnten nicht raus. Aber es war unerträglich stillzuhalten, während das Zu-Tode-Hacken weiterging. Wie verrückt rannten die Leute in der Kirche hin und her. Überall um dich herum wurden Menschen getötet und verwundet." In der Tat war der Abschuss des Flugzeuges des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana am 6. April 1994 der Auslöser des Völkermordes, geplant war er aber lange vorher. Gezielt waren Waffenlager angelegt und Milizeinheiten indoktriniert worden. Der katholische Rundfunksender "Radio-Télévision Libre des Mille Collines" rief permanent zur endgültigen Vernichtung der Tutsi auf, die als Kakerlaken verunglimpft wurden, die es wie Ungeziefer zu vernichten gälte. Auch dieser Völkermord folgt also der Logik, der Reinheit und der Gesundheit, die es zu beschützen oder wiederherzustellen gelte. Die internationale Völkergemeinschaft versagte dabei vollständig. Die UNO griff nicht ein, vielmehr reduzierte sie die in Ruanda stationierten Blauhelmtruppen nach Ausbruch der Gewalt. Lediglich Ausländer wurden ausgeflogen. Beendet wurde der Völkermord durch die Patriotische Front Ruandas, einer Widerstandsarmee der Tutsi, der es gelang von Uganda aus im Juli die ruandische Hauptstadt Kigali zu erreichen. Den Hutu-Mördern gelang - unter dem Schutz Frankreichs - die Flucht ins benachbarte Zaire, heute die Demokratische Republik Kongo. Zur Ruhe gekommen ist die Region bis heute nicht.
Völkermord war aber nicht auf Afrika beschränkt. Für die Gründung von Bangladesh 1971 wird es ebenso diskutiert wie für das Kambodscha der Roten Khmer unter Pol Pot
1975-1978. Und auch in Bosnien-Herzegowina kam es zu Völkermord während der sogenannten "Jugoslawischen Erbfolgekriege" 1992-1995. Am bekanntesten neben der
Belagerung von Sarajevo wurde das Massaker von Srebrenica, wo im Juli 1995 in einer UN Schutzzone rund 8000 bosniakische Knaben und Männer durch serbische
Nationalisten um Radovan1 Karadžic und General Ratko Mladic ermordet wurden. Mladic ist immer noch auf der Flucht, Karadžic muss sich derzeit in Den Haag vor Gericht
verantworten, wo auch schon
dem serbischen
Präsidenten Slobodan Miloševic der Prozess gemacht worden war. Der Internationale Gerichtshof sieht das Vorliegen eines Genozids als erwiesen an: Bleibt abzuwarten, ob die gerichtliche Ahndung, die für Ruanda im tansanischen Arusha stattfindet, abschreckende Wirkung zeitigt. Völkermord ereignet sich in Zeiten realer oder eingebildeter Krisen und oftmals verbunden mit Krieg. Die globalen Unsicherheiten des 21. Jahrhunderts mit der sich verknappenden Rohstoffversorgung, der wachsenden Bevölkerung und dem Klimawandel bergen große Krisen in sich. Es gilt nur zu hoffen, dass nicht in hundert Jahren das 21. Jahrhundert das Jahrhundert des Völkermordes genannt werden muss.
Political Violence in the 20th Century
The Age of Genocide
On August 24, 1941, only two months after Germany's surprise attack on Soviet Russia on June 22, British Prime Minister Winston Churchill, in a live broadcast from London, described the murder perpetrated by the German Police-troops as: "We are in the presence of a crime without a name." This crime did not remain without a name for long: Genocide. In the 20th Century millions of people became the victims of genocide.
Jürgen Zimmerer The 20th century witnessed inconceivable political and martial violence. Never before in human history did so many people die violent deaths in so short a time span than in the five decades between 1900 and 1950. Two world wars claimed millions upon millions of victims. However, only a minority of these died as a direct consequence of the fighting. Even when the bombing victims are added to the latter, - most died indirectly due to the war. They died of hunger or thirst or succumbed to diseases caused by war or which could not be adequately treated. In addition to these millions fell victim to a crime for which until the mid 20th century there was no term: Genocide.
It was no one less than British prime minister Winston Churchill, who, as early as 1941, attempted to put into words the allegedly new character of German warfare:
It was not to remain a nameless crime for long. Only three years later the Polish-Jewish legal scholar Raphael Lemkin created the term "genocide", compounded from the Greek
genos (race, tribe) and the Latin cide (killing). He thereby gave a name to the indescribable, the planned, total annihilation of a people or a race. What he
meant by this he described in his classical study "Axis Rule in Occupied Europe" from the year 1944: Not every act of destruction or every massacre was therefore genocide. Lemkin saw the defining issue to be the planned destruction of the bases of life of a certain community as was the case for example with the National Socialist systematic state-sponsored extermination of European Jewry. However, it was not only the analysis of the National Socialist occupation policy in Eastern Europe that enabled him to define this particular historical crime. The study of history had also shown him that there was a type of collective crime that was not accommodated within traditional international criminal law.
In American exile he untiringly canvassed for the acknowledgment of genocide as constituting an offence under international law. In 1948 he gained at least partial success
when the newly founded United Nations adopted their Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide. Therein they confirmed genocide is a crime under
international law which they undertook to prevent and to punish and defined it as: Since then critics have repeatedly alluded to the incompleteness of the UN Convention on Genocide and during the 'Cold War' its application was also to a large extent blocked. However, with the beginning of the 1990s it partly fulfilled its function when in 2001 the International Criminal Court (ICC) in The Hague, for the first time ever, found an accused, the Serbian-Bosnian general Radislav Krstic, guilty of the crime of genocide. The issue of an international warrant of arrest for Sudanese president Omar al-Bashir for the crime of genocide in 2009 also signaled that heads of state are no longer immune from international prosecution. All the same, the 20th century ended as it had begun with genocide. It opened with the Herero and Namaqua genocide by German colonial troops, between 1904 and 1908, in German Southwest Africa (today Namibia) and closed with the genocide perpetrated by the Sudanese government in the province of Darfur since 2003. Between these events lay the genocide of the Armenians (the Great Crime) (1915-23), the Holocaust (1941-45), the genocide in Rwanda (1994), and in addition the famine in Ukraine (Holodomor) (1932-33), the Cambodia genocide (1975-79) and the so-called Yugoslav wars of succession (1991-95). There were numerous others. Even when the term "genocide" was only coined in the middle of the last century the phenomenon was in existence much longer. Whether it is a characteristic of the human condition or whether it concerns a specifically modern crime is disputed. Although something can be said for both arguments the increase of genocidal violence in the 20th century at least indicates an intensifying influence of modernism. Although some genocide researchersO regard the Roman destruction of Cartage as exhibiting genocidal characteristics it is probable that the aim was rather the punishment of a particularly insubordinate and annoying opponent and simultaneously a deterrence for others. The motives of modernism are different. Then contrary to the frequently expressed idea that genocide is atavistic, an anti-modern crime, irrational in its obsessive totality, the opposite is true. It is modern and rational thinking which underpins genocide. The age of enlightenment finally brought about not only the triumph of reason but also that of classification. Everything was to be explained, registered in tables and family trees. Just like plants and animals now humans were also classified and boundaries were drawn between allegedly incompatible "races". This became particularly clear in conection with European colonialism. Thus, for instance, at the beginning of the 20th century the Protestant missionary Karl Wandres wrote from the German colony Southwest Africa: "Mixed marriages are not only unwanted, but immoral and a slap in the face for German identity. (...) Mixed marriages are always a sin to race consciousness. (...) Regarding half-breeds, ample experience has demonstrated that they are a misfortune for our colony. (...) " Where, however, boundaries and distinguishing features are strictly imposed, the hybrid, the ambiguous threat, becomes the challenge for the system. In German Southwest Africa there was therefore a prohibition of "mixed marriages".
In 1935 the 'Third Reich' in its "Law for the Protection of the German Blood and the German Honour", one of the "Nuremburg Laws", specified:
This law was however not solely concerned with the separation of allegedly incompatibly "races". It was only a small step for the European, and increasingly also the
European descendant North American, with their conviction of their progressiveness to assign the 'races' to different evolutionary stages. For example, the English
author Anthony
Trollope regarded the Australian Aborigines as "incurably savage" and of no use for the modern world of the 1870s. He plainly stated: Whereas in the European colonies this genocidal logic was directed against groups external to the European 'race', radical nationalism also directed this exterminatory logic inward. Radical nationalism propagated the ideal of the completely homogenized nation. Deviations were considered as negative interference factors, even as a threat, particularly when associated with social Darwinist ideology. Social Darwinists believed that nations, as racial communities, were in a permanent struggle, where only the best-adapted and most successful would survive ('the survival of the fittest'). The sociologist Zygmunt Bauman accordingly describes the modern state as the gardening state which selects out all weeds and which would indeed destroy them in order to obtain a homogeneous body politic. "Modern genocide is genocide with a purpose. Getting rid of the adversary is not an end in itself. It is a means to an end: a necessary that stems from the ultimate objective (...) The end is a grand vision of a better, and radically different, society. (...) This is a gardener's vision, projected upon a world-size screen. Some gardeners hate the weeds that spoil their design - that ugliness in the midst of beauty, litter in the midst of serene order (...) weeds must die not so much because of what they are, as because of what the beautiful, orderly garden ought to be." According to Bauman genocide is thus not a relapse into the barbarism of the past, but a consequence of modernism. This is clearly demonstrated by the Armenian genocide perpetrated by the Late Ottoman Empire. The Ottoman Empire was known over centuries for its tolerance but when it entered a time of crisis, and the "sick man upon the Bosporus" was in decline, there was the attempt to transform it nationally. In 1908/09 the radical-nationalistic "Committee of Unity and Progress" (CUP), the so-called "Young Turks" in Constantinople, today's Istanbul, putsched themselves to power. The First World War not only necessitated scapegoats for military defeats but also offered the opportunity for the implementation of the most radical ideas. On 25 April 1915 the Ottoman authorities began to murder the Armenian intelligentsia. Soon thereafter the entire Armenian population was deported or sent on death marches, officially because they would have allied themselves with pacifist Russia. The exact numbers of victims is not known but between one and a half million Armenians are thought to have died.
The forced deportations were actually death marches, with rape included. Some children and young girls were saved by Ottomans, becoming wives or house personnel; however,
the
vast majority died a wretched death on the way to or in the Syrian desert:
Repeatedly, the language and ideas of biological racism became evident in the preparation of many genocides. Minorities were seen as foreign bodies incompatible with the
majority society, as parasites and bacillus, small but dangerous. Thus Adolf Hitler wrote about the Jews in "Mein Kampf": Suddenly, fellow men became totally other, incompatible with the majority group who, as the defining power, determined who belonged to the group of victims. The majority group decided who belonged to the community and who not and those who marred the aimed for purity had to be removed, destroyed. Before biological racism religion was the crucial criteria of competition and the wars and civil wars fought over the correct faith were correspondingly most brutal. The Inquisition and similar instruments for seeking out the 'other' display the cost of keeping pure one's own community. Nevertheless, there was a crucial difference between the genocides in the 19th and above all the 20th centuries. The categories believer - unbeliever, Christian - heathen, etc. were not unbridgeable. At least theoretically there was the possibility of conversion and many used this. This obviously led to the violation of the right of freedom of worship, but it secured life and survival. This was no longer the case with genocide.
A crossing over or a change from one group to the other one was impossible. This also makes genocide a special crime. The victims did not have a choice. Genocide is a crime
carried out by one collective on another, as Raphael Lemkin writes: During the age of genocide Germany was twice ingloriously involved. The first genocide of the century took place, ten years before the Armenian genocide, in the German colony Southwest Africa. On the one hand it fed upon the race ideology of the 19th century but also firmly stood in the tradition of the colonial genocides of European settlers. In 1884 the German Reich also founded a settler colony, German Southwest Africa, today's Namibia. This was to be an ideal colony, a promised land for Germans, with German emigrants as the master race and the native inhabitants as the servant caste. When the Africans did not passively accept their increasing disenfranchisement and expropriation in 1904 it led to war and genocide. Initially the Herero were very successful but had nothing to counter the brutality of the German army and its Commander-in-Chief, General Lothar von Trotha.
General Lothar von Trotha believed that the campaign was part of a "race war" and that the Africans would "only yield to force". After his troops had driven the fleeing
Herero into the Omaheke desert he ordered his troops to poison water holes and erect guard posts along a 150 mile line. On 2 October 1904 von Trotha issued an
extermination
order:
As a consequence of this order thousands died of thirst. Official German war history records: Those who nevertheless survived the desert were interned in so-called concentration camps which, in the meantime, had been established everywhere in the country, also in order to intern Nama who had likewise put up resistance. Here thousands were murdered by conscious neglect. Probably up to 70 per cent of the Herero and up to 50 per cent of the Nama lost their lives. Those who survived the war and genocide were subjected to totalitarian control and committed to forced labour. The genocide of the Herero and Nama combined ideas of race war with the newly won and "emptied" settlement territories and thereby reveals the disastrous connection of race theory with the idea of 'living space' which was to shape the 20th century.
Raphael Lemkin regarded the combination of murder and resettlement as the kern of genocide: It was however the Holocaust, the planned destruction of European Jewry with its six million victims, that became the symbol of genocide and cause both for the creation of the term and its international proscription. In the 19th century centuries-old classical anti-Semitism became radicalized and biologised in the context of the allegedly scientific discourse about race to produce the far deadlier biological anti-Semitism. Germany's defeat in the First World War, the so-called disgrace of Versailles and the world economic crisis, nurtured the desire in many Germans on the one hand to look for a scapegoat and on the other a saviour. Adolf Hitler and the NSDAP appealed to these desires and at the same time stoked them up. Soon after their "seizure of power" on 30 January 1933 the discrimination of Jewish Germans began. Jews were excluded from government service and the Nuremburg race laws forbade marriage between Jews and non-Jews and criminalised sexual relations between the two. Jews were increasingly victimized.
National Socialist terror reached its first high point with the "Kristallnacht" pogrom of the 9/10 November 1938: synagogues burned and Jewish businesses were destroyed.
With the beginning of the Second World War on the 1 September 1939 and in particular the invasion of the Soviet Union on 22 June 1941 the transition to the physical
annihilation of the Jews took place. The National Socialists reverted to past experience made since the spring of 1939 with the 'euthanasia' of mentally and physically
handicapped children
and then adults, where around 100,000 people fell victim. From the start SS Einsatzgruppen (paramilitary death squads) followed behind the armed forces into the Soviet
Union and began mass shootings in the area behind the advancing army. The Ukrainian Iryna Choroschunowa reported what a friend had told her:
Up to 500,000 people became victim to these shootings and to asphyxiations in gas vans. Still more people died in the extermination camps of Belzec, Sobibor and Treblinka
established at the end of 1941. The gas chambers of Auschwitz-Birkenau became the symbol for the Holocaust. Here was hell on earth. Ruth Klüger remembers her arrival when
she fell out of the cattle wagon onto the ramp: Together with six million Jews, and around 500,000 Sinti and Roma (Romani), millions of Poles and Russians, prisoners-of-war and civilians were murdered. Increasingly it became clear that the campaign against the Soviet Union was a race war and a war of extermination with genocidal characteristics. The General Plan East, compiled on behalf of Heinrich Himmler, planned to expel up to 80 million Russians, from the newly established German colonial lands, to the other side of the Ural Mountains, whereby it was known that several millions, it was up to 30 million, would not survive. When the Holocaust, and murder of the Sinti and Roma, followed the logic of the gardening state outlined by Zygmunt Bauman, the race war and war of extermination against the Slavs followed in the tradition of colonial mass violence. The crimes of the 'Third Reich' combined these traditions and genocide and biologised racist violence reverted from the periphery to the center of Europe. Despite war crimes tribunals, such as the Nuremburg trials, and proscription in international law further genocides were carried out after the Second World War. The most unequivocal case occurred in 1994 in Rwanda in central African. In only 100 days the Hutu majority population killed approximately 800,000 Tutsi and Hutu members of the opposition.
The fact that the murders had been committed with machetes and cudgels led many western observers to dismiss it as typically African and as atavistic tribal violence. In
reality it was a carefully organised and well prepared process. It is part of a centuries-old conflict between Hutu and Tutsi which has social causes. The Tutsi formed the
wealthy upper class which the Belgian colonial administration decided this was ethnic and consolidated it by registering alleged tribal membership in identity papers.
During
the genocide the youth militias controlled identity papers at road blocks and murdered Tutsi on the spot. Others were slaughtered in churches and schools, as an eye witness
describes: We were there for five days when the church was attacked. (...) They threw grenades. (...) They surrounded the church and beat to death everyone who tried to escape. (...) The people could not get out. But it was unbearable to remain still while the hacking to death continued. People in the church ran like crazy back and forth. Everywhere you looked there were dead and wounded people." The assassination of Rwandan president Juvénal Habyarimana on 6 April 1994 was the proximate cause of the genocide of Tutsis and pro-peace Hutus; it had been planned a long time before. Arsenals had been established and militia indoctrinated. The catholic radio station "Radio Télévision Libre des Mille Collines" (RTML) permanently called for the final annihilation of the Tutsi who, reviled as cockroaches, were to be destroyed like vermin. This genocide thereby confirmed the logic of purity and health which was legitimate to protect or re-establish. The international community failed completely. The UN did not intervene; on the contrary, it reduced the peace keeping troops stationed in Rwanda after the outbreak of violence. Foreigners alone were flown out. The Rwandan Patriotic Front, a resistance army of the Tutsi, overthrew the Hutu regime and ended the genocide in July 1994, 100 days after it began. Hutu gangs of murderers were able, under French protection, to escape to neighbouring Zaire, today's Democratic Republic of the Congo. Peace has still not been achieved in the region.
However, Genocide has not been limited to Africa. Examples are, the Bangladesh genocide in 1971 where, in an attempt to crush forces seeking independence for East Pakistan,
the West Pakistani military regime unleashed a systematic campaign of mass murder killing millions of Bengalis, and the genocide perpetrated by Pol Pot's Khmer Rouge in
Cambodia between 1975-1978 in its policy of social engineering (agricultural reform). And the Bosnian genocide perpetrated in Bosnia-Herzegovina during the so-called
wars
of Yugoslav succession between 1992 and 1995. This included the almost four year long siege of Sarajevo from 5 April 1992 to 29 February 1996 and the Srebrenica
massacre where, in July 1995,
in a UN protected zone, approximately 8,000 Bosnian Muslim boys and men were murdered by Serbian nationalists under President of Srpska Radovan Karadžic and General Ratko
Mladic. Mladic is still on the run, Karadžicis currentl1y on trial at the International Court of Justice in The Hague.
President of the Republic of Serbia Slobodan
Miloševic died in his cell on 11 March 2006 while on trial in The Hague. The International Court of Justice declared that genocide
was proven: It remains to be seen whether the judgment handed down by the International Criminal Tribunal for Rwanda, situated in the city of Arusha in Tanzania, has a deterring effect. Genocide occurs in times of real or imaginary crises often connected with war. The global uncertainties of the 21st century, with its scarcities of raw materials, overpopulation and climate change, contain the potential for such crises. It can only be hoped that, in one hundred years time, the 21st century will not be called the century of genocide.
Literature:
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