Die Verfolgung der Sinti und Roma durch die Hamburger Behörden in der NS-Zeit
Dokument aus dem "Hamburger Tageblatt" vom 15.12.1938
The Persecution of the Sinti and Roma by the Hamburg authorities
Hamburger Tageblatt Newspaper article from 15.12.1938
Hamburger Tageblatt Nr. 342 vom 15.12.1938
Die Zigeunerplage wird beseitigt
Neue Maßnahmen der Polizei - Hamburg fast ohne Zigeuner
Die bisher bei der Bekämpfung der Zigeunerplage gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse lassen es angezeigt erscheinen, die Regelung der Zigeunerplage aus dem Wesen dieser Rassen heraus in Angriff zu nehmen. Erfahrungsgemäß haben die Mischlinge den größten Anteil an der Kriminalität der Zigeuner. Andererseits hat es sich gezeigt, dass die Versuche, die Zigeuner sesshaft zu machen, gerade bei den rassereinen Zigeuner infolge ihres starken Wandertriebes misslungen sind. Es hat sich deshalb als notwendig erweisen, bei der endgültigen Lösung der Zigeunerfrage, die rassereinen Zigeuner und die Mischlinge gesondert zu behandeln.
Zu diesem Zweck hat der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei ausführliche Anweisungen erlassen. Zur Erreichung des Zieles ist es zunächst erforderlich die Rassenzugehörigkeit der im Reich lebenden Zigeuner und nach Zigeunerart umherziehenden Personen festzustellen. Bei der Personenfeststellung ist auch die Staatsangehörigkeit zu überprüfen. Alle Zigeuner, die Mischlinge usw. werden verpflichtet, sich der Erstattung eines Sachverständigengutachtens erforderlichen rassenbiologischen Untersuchungen zu unterziehen und die notwendigen Angaben über ihre Abstammung beizubringen. Die Einführung des Kennkartenzwanges für Zigeuner bleibt vorbehalten. Ausweispapier alle Art sind Zigeunern nur nach Zustimmung der staatlichen Kriminalpolizei auszuhändigen. Bei Wandergewerbescheinen ist ein besonders strenger Maßstab anzulegen. Von der Erteilung der Erlaubnis zu Vorführungen ist tunlichst abzusehen. Waffenscheine sind stets zu versagen.
Der Erlass bestimmt ferner, dass Zigeuner, die in Horden reisen oder rasten, zu trennen sind. Ausländische Zigeuner sind am Übertritt auf Deutsches Gebiet zu hindern, gegen die im Reich angetroffenen ausländischen Zigeuner sind Aufenthaltsverbote zu erlassen, sie werden über die Reichsgrenze abgeschoben. Die Polizei bestimmt, an welchen Plätzen und für welchen Zeitraum die Genehmigung zum Lager Genehmigung erteilt wird, und zwar Schriftlich unter Erhebung einer Gebühr. Aus den Dorfgebieten sind Zigeuner mit polizeilichen Mitteln fernzuhalten. In Städte über 500 000 Einwohner dürfen Zigeuner in Zukunft nicht mehr abgeschoben werden. Die Standesbeamten werden weiterhin angewiesen, jede Eheschließung, jede Geburt und jeden Sterbefall eines Zigeuners oder Zigeunermischlings der Kriminalpolizei zu melden. Bei Aufgeboten ist das Ehetauglichkeitszeugnis zu verlangen. Auch die Gesundheitsämter haben jeden bei ihnen vorkommenden Fall aus Zigeunerkreisen zu melden.
Von zeit zu Zeit hat sich auch Hamburg mit der Zigeunerfrage etwas näher beschäftigen müssen. Das war immer dann der Fall, wenn die berüchtigten Korpatsch- und Rosenbergbanden ihren Wirkungskreis in unser Gebiet verlegen. Der größte Teil dieser unerfreulichen Gesellen ist inzwischen unschädlich gemacht worden, und nach Auskunft der Polizei besteht für Hamburg keine eigentliche Zigeunerplage. Trotzdem werden die Bestimmungen sich auch bei uns auswirken und eine weitere Bereinigung der Zigeunerfrage bringen.
English translation copyright © Struan Robertson
The Persecution of the Sinti and Roma by the Hamburg Authorities Hamburger Tageblatt Newspaper article from 15.12.1938
Hamburger Tageblatt Newspaper No. 342 of 15.12.1938
Elimination of the Gypsy plague
New police measures - Hamburg practically free of Gypsies
Experience gathered thus far from the fight against the Gypsy plague makes it seem only logical to solve the Gypsy question through the nature of their race. Experience has shown that half-breeds make up the largest share of Gypsy criminality. Additionally, attempts to make the Gypsies settle down have failed, particularly with the pure Gypsies because of their strong migratory instinct. It is thus necessary to consider the pure and half-breed Gypsies separately when dealing with the Gypsy question.
Towards this end the Reichsführer SS and Chief of the German Police, Heinrich Himmler, has issued detailed instructions. It is thereby necessary to establish the racial affinity of every Gypsy living in Germany and of every vagrant living a Gypsy-like existence. Police registration should also establish nationality. All Gypsies, half-breeds etc. are required to undergo a race-biological investigation by experts and to provide the necessary information concerning their descent. The introduction of an obligatory identity card for Gypsies remains an option. Identity papers of any kind are to be issued to Gypsies only with the approval of the state Criminal Police. Particularly strict criteria are to be applied regarding the issuing itinerant trade licences. As far as possible the granting of permission
for public performance is to be withheld. Gun licenses are to be denied.
The decree further determines that Gypsies, who travel or camp in hordes are to be disbanded. Foreign Gypsies are to be prevented from the crossing the German border, whereas foreign Gypsies in the Reich are to be issued with a prohibition of residence and deported. The police will determine permission for place and duration of encampment, namely in writing under exaction of a fee. The police are to exclude Gypsies from village areas. No longer may Gypsies be ejected from cities with over 500,000 inhabitants. Registrars are instructed to notify the Criminal Police of births, marriages and deaths of Gypsies and Gypsy half-breeds. The posting of marriage banns necessitates a certificate of no impediment. Also public health authorities have to register every case involving Gypsies.
From time to time Hamburg has had to concern itself more seriously with Gypsy question. This was the case whenever the notorious Korpatsch and Rosenberg bands extended their activities into our area. In the meantime the majority of this undesirable riff-raff has been rendered harmless, and according to police information there is no threat of a Gypsy plague in Hamburg. Nevertheless the regulations will have an impact on us and will bring about a further resolving of the Gypsy question.
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