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Die Täter - Kurt Gerhard Struve
Kurt Gerhard Struve, 11.07.1902 - 20.09.1986 Leitender Staatsbeamter in der Hamburger Verwaltung. Als Sohn des kaufmännischen Angestellten Carl Struve und seiner Ehefrau Minna, geborene Schade, wuchs Kurt Struve im Hamburger Stadtteil Rotherbaum auf. Zunächst besuchte er von 1909 bis 1911 die seminarschule (Volksschule) Binderstraße, wechselte dann bis 1915 auf die Realschule Bogenstraße. Den Besuch des Realgymnasiums Kirchenpauer ab 1915 beendete er im Februar 1921 mit der Reifeprüfung. Nach dem Jura-Studium in Hamburg und Marburg legte er 1925 sein erstes juristisches Staatsexamen ab. 1927 wurde er mit der Arbeit "Der Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung als Rechtsschutz" zum Dr. jur. promoviert. Nach einem erfolglosen Versuch 1928 konnte er1929 sein zweites juristisches Examen erfolgreich ablegen. Im Anschluss an seine Ausbildung begann Struve seine berufliche Tätigkeit in der Hamburger Verwaltung. Von 1929 bis 1935 war er in der Wohlfahrtsbehörde tätig, 1930 wurde er Leiter der Abteilung Arbeitsfürsorge. In diesel Funktion war er verantwortlich für die Durchführung des ersten Winterhilfswerkes in Hamburg. Seine Hauptaufgabe bestand darin, im Rahmen des staatlich finanzierten Notprogramms von 1933 bis 1935 ungefähr 16 000 so genannte "Fürsorgearbeiter" in gemeinnützige und gewerbliche Beschäftigungsprogramme zu vermitteln. Ab 1935 war er in verschiedenen Behörden eingesetzt, um von 1937 bis 1939 nach Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes im Landbezirk die Fürsorgeabteilung und das Jugendamt erfolgreich neu zu organisieren. Struve gehörte von 1928 bis zum April 1933 der Deutschen Staatspartei an. Im November 1933 trat er der SA bei und war als Rechtsberater und Unterscharführer tätig. Seit Mai 1937 war er Mitglied der NSDAP und für die Partei als so genannter "Betriebsführer" in der Anstalt Langenhorn eingesetzt. Im November 1939 wurde er zum Wehrsturmführer in Reinbek ernannt, im April 1943 zum Volkssturm-Unterführer. Er gehörte weiteren, meist berufsständischen nationalsozialistischen Organisationen an. Schon in frühen Beurteilungen durch Vorgesetzte wurde ihm anerkennend attestiert, tief in der nationalsozialistischen Weltanschauung verwurzelt zu sein. Nach einer viermonatigen Zwischenstation in der Bauverwaltung übernahm Struve von Oktober 1939 an die Leitung der Allgemeinen Verwaltung in der Gesundheitsbehörde. Er haste zunächst die Aufgabe, die Gesundheitsverwaltung neu zu organisieren und sie unter Kostengesichtspunkten effektiver zu gestalten. Als Senatsrat und Stellvertreter des politisch verantwortlichen Senators Friedrich Ofterdinger war er aber vor aller für den reibungslosen Ablauf der Deportation kranker und behinderter Heimbewohner im Rahmen der zunächst zentral auf Reichsebene angeordneten Vernichtung so genannten "lebensunwerten Lebens" in auswärtigen Anstalten verantwortlich. Struve organisierte die Durchführung der Meldebogenaktion in den Anstalten, durch die diejenigen erfasst wurden, die man selektieren wollte. Aus der staatlichen Anstalt Langenhorn und den evangelischen Alsterdorfer Anstalten fanden dabei nachweislich 2668 Menschen den Tod. Er verschärfte den zentralen Meldebogen für Hamburg um weitere Kriterien der Arbeitsproduktivität. Weiterhin rühmte er sich, für einen kostengünstigen Abtransport der Opfer gesorgt zu haben. Von September 1944 bis Mai 1945 war Struve zum Militärdienst eingezogen. Am 30. Oktober 1945 wurde Struve auf Anordnung der Militärregierung aus dem Staatsdienst entlassen. sowohl im Entnazifizierungsverfahren 1945 als such in einem von ihm angestrengten Revisionsverfahren 1947 wurde er in die Kategorie 111 eingestuft und ihm damit eine Tätigkeit im öffentlichen Dienstuntersagt. In den Jahren 1946 bis 1948 arbeitete Struve in einem Architektenbüro in Reinbek, wo er sick schon seit langem privat niedergelassen haste. Es folgte bis1950 eine Tätigkeit bei einem Bauunternehmer. Darüber hinaus war er ehrenamtlich an der Gründung der "Gemeinnützigen Baugenossenschaft Sachsenwald" in Reinbek beteiligt, organisierte freiberuflich den dortigen Haus- und Grundstücksbesitzerverein sowie den Gewerbeverbund Sachsenwald und war in diesel Organisationen beratend tätig. Nach ständigem Bemühen, u.a. durch einen Bittbrief an den Hamburger Bürgermeister Max Brauer, konnte Struve 1949 die Wiederaufnahme des Entnazifizierungsverfahrens erreichen, das im Februar 1950 zu einer entlastenden Beurteilung seiner Rolle während der NS-Zeit führte. Mit der Einstufung in die Kategorie V war der Weg für eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst wieder frei. Diese erfolgte 1950 durch Unterstützung des Finanzsenators Walter Dudek in dessen Behörde. Schon 1951 wurde Struve als Lester mit dem als richtungweisend angesehenen Wiederaufbau des Stadtteils Hammerbrook beauftragt. 1957 übernahm er den Vorsitz der Kommission für Bodenordnung, die alle wichtigen städtischen Liegenschaftsangelegenheiten zu entscheiden haste. Ab 1959 vertrat er die Finanzbehörde im Gemeinsamen Landesplanungsrat Hamburg/ Schleswig-Holstein. Bereits im Mai 1957 war Struve wieder zum Senatsdirektor befördert worden. Sein letztes großes Projekt bestand in der Koordination der Bauherren bei der Errichtung des Einkaufszentrums Hamburger Straße. Nach einer Verlängerung seines Arbeitsverhältnisses über die Pensionsgrenze hinaus schied er 1970 aus dem Staatsdienst aus. Danach gründete Struve eine eigene Firma für die Begutachtung und Beratung in Fragen der Städtebauförderung. Bereits 1948 war gegen Struve wegen seiner Beteiligung an den Kindertötungsaktionen in Hamburg ein Strafverfahren eingeleitet worden, das allerdings nicht zu einer Verurteilung führte. 1973 erhob die Hamburger Staatsanwaltschaft nunmehr auf Initiative von Albert Huth, damals Bewohner der Alsterdorfer Anstalten, der während der national- sozialistischen Gewaltherrschaft die Deportation überlebt hatte, erneut Anklage gegen Struve wegen seiner Verantwortung für die Ermordung von 652 Menschen. In der Hauptverhandlung konnte Struve geltend machen, dass er nicht verhandlungsfähig sei. Daraufhin wurde das Verfahren Ende Januar 1975 eingestellt.
English translation copyright © Struan Robertson
The Perpetrators - Friedrich Karl Lensch
Kurt Gerhard Struve, 11.07.1902 - 20.09.1986 Senior civil servant in the Hamburg administration. As son of the commercial clerk Carl Struve and his wife Minna, née Schade, Kurt Struve grew up in the Rotherbaum district of Hamburg. Between 1909 and 1911 he attended the Seminarschule Binderstraße (elementary school), then transferred to the Realschule Bogenstraße, which he attended until 1915. He then attended the Realgymnasium Kirchenpauer (six-form school) where in February 1921 he acquired his school-leaving certificate. He then studied law in Hamburg and Marburg and passed his first Law examination in 1925. In 1927 he was awarded his PhD in Law with the thesis "The policy of equability of taxation as legal justification". After an unsuccessful attempt in 1928 he passed his second (final) Law examination in 1929. Struve then began working in the Hamburg civil service. Between 1929 and 1935 he was employed in the welfare authority, in 1930 he became the head of the department for unemployment. Here he was responsible for organizing the first Winterhilfswerk (WHW) in Hamburg. Its major task was, within the context of the state financed 1933 to 1935 emergency program, to channel approximately 16,000 so-called "workers on welfare" into charitable and remunerative work programs. From 1935 onward he was employed in different authorities, and from 1937 to 1939, following the Greater Hamburg Law (Altona, Harburg-Wilhelmsburg, Wandsbek and Bergedorf were incorporated into Hamburg), he was responsible for the reorganisation of the welfare department and the youth welfare department. Between 1928 and April 1933 Struve was a member of the Deutschen Staatspartei. In November 1933 he joined the SA and became legal adviser and Unterscharführer. In May 1937 he joined the NSDAP and became its so-called "Betriebsführer" in the Langenhorn mental hospital. In November 1939 he was appointed Wehrsturmführer in Reinbek, in April 1943 Volkssturm-Unterführer. He was additionally a member of other National Socialist professional organisations. Early on superiors commended him as a zealous exponent of National Socialist ideology. After a four-month interim position in building administration in October 1939 Struve became head of general administration in the health authority. Initially he had to reorganize the health authority and make it more cost effective. As advisor to the Senate and deputy to the Senator for political affaires, Friedrich Ofterdinger, he was principally responsible for the efficient organisation of the deportation of mentally ill and handicapped patients in institutions, in the context of first government organised "euthanasia" of so-called "life unworthy of life", in selected institutions. Struve organised the implementation of the registration form action by which those patients were listed who had been chosen for selection. 2,668 people from Langenhorn mental hospital and the Alsterdorfer institutions were murdered. He extended the registration forms for Hamburg to include those economically unproductive. He further boasted that he had provided a cost-efficient deportation of the victims. Between September 1944 and May 1945 Struve was in military service. On 30 October 1945 Struve was dismissed from government service on orders from the British military government. Both in his 1945 denazification procedure and in his 1947 appeal proceedings he was classified as Category III and thereby excluded from public service. Between 1946 and 1948 Struve was employed in an architect's office in Reinbek, where he was resident. From 1948 to 1950 he worked for a building contractor. In addition he was involved in the establishment of the "Sachsenwald Building Society" in Reinbek, organized freelance the Association of House and Property Owners, as well as the Sachsenwald Trade Association, and was advisor to these organisations. After constant endeavour, among other things with a letter of request to Hamburg mayor Max Brauer, in 1949 Struve succeeded in reopening his denazification proceedings, which, in February 1950, led to him being exonerated. Reclassification as Category V allowed him reentry to public service. In 1950, with support from Finance Senator, Walter Dudek, he became a civil servant in the finance department. In 1951 Struve was assigned head of the project for the reconstruction of the Hammerbrook district. In 1957 he took over the presidency of the commission for real estate regulations, which decided all important urban real estate affairs. In 1959 he represented the finance department on the joint regional planning board for Hamburg/Schleswig-Holstein. In May 1957 Struve was again promoted to Senatsdirektor. His final major project was the coordinating the building construction of the Hamburg Strasse shopping centre. After working beyond his pension age, in 1970, he retired from public service. Thereafter Struve established his own company providing expertise and consultation in matters of town planning. In 1948 criminal proceedings were initiated in Hamburg against Struve in regard to his participation in the "Euthanasia Program", which however did not lead to a conviction. In 1973 the Hamburg public prosecutor's office, this time on the initiative of Albert Huth, former patient of the Alsterdorf institutions who had survived his deportation, again indicted Struve for his involvement in the murder of 652 people. At his trial Struve convinced the court that he was unfit for trail. Thereupon the case was abandoned at the end of January 1975. He died on 20 September 1986 in Flensburg.
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