Bericht von Mitarbeitern der Sonderdienststelle A vom 13. März 1939 über ihre Tätigkeit in der "zentralen Zigeunerberatung"


Hamburg, den 13. März 1939

Seit dem Beginn der zentralen Zigeunerbetreuung in der Sonderdienststelle A haben die Unterzeichneten Gelegenheit gehabt, die gesamte in Hamburg ansässige Zigeunerschaft in ihren Lebensverhältnissen ausreichen kennen zu lernen.

Anfangs traten alle sich hilfsbedürftig meldenden Zigeuner frech und fordernd auf und dachten nicht daran, ihre Arbeitskraft zum Ausgleich für gewährte Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Es wurde immer wieder die Erfahrung gemacht, dass keine Angaben über Wohn- und Lebensverhältnisse auch nur einigermaßen glaubhaft waren. Insbesondere wurden immer wieder Nebeneinnahmen oft sehr großen Stiles aus Handel und Bettel, vornehmlich der Kinder, verschwiegen.

Es bedurfte langer Zeit rücksichtsloser Beobachtung und Betreuung, u.a. auch vielfachen Unterstützungsentzuges, um dieser Unehrlichkeiten Herr zu werden und auch nur einigermaßen annehmbare Arbeitsleistungen von den unterstutzten Zigeunern zu erlangen.

Mit allen möglichen Kniffen versuchten diese sich dieser besonders unangenehmen Verpflichtung durch Verzug oder fingierte Krankmeidung zu entziehen.

Eine Folge der zielbewussten Beobachtung und Fürsorge der gesamten sich hilfsbedürftig glaubenden Zigeunerfamilien war die außerordentlich starke Herabsetzung der Unterstützungssummen und schließlich das Zusammenschrumpfen auf z.Zt. ganze 9 Parteien im Groß-Hamburg-Gebiet. Es muss dabei berücksichtigt werden, dass allein 50 - 60 unterstützte Parteien bei der Schaffung von Groß-Hamburg auf die Sonderdienststelle A überwiesen wurden.

Dieser ganzen Entwicklung ist allerdings die sehr günstige Arbeitsmarktlage zustatten gekommen. Das zwingt aber auch zu der Feststellung, dass die innerhalb Groß-Hamburg wohnenden Zigeunerfamilien trotz der Abweisung ihrer Unterstützungsansprüche noch lange nicht ihre Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt in ausreichender Weise zur Verfugung stellen.

Nach wie vor ist bei fast jedem Zigeuner die Tendenz vorherrschend, Arbeit nur dann anzunehmen, wenn ihm kein anderer Ausweg mehr bleibt. Er schreckt dabei in keinem Falle vor Maßnahmen gegenüber seiner Familie zurück, die selbst bei den asozialsten deutschblütigen Familien nicht üblich sind.

Hinzu kommt, dass die Wohn- und Lebensverhältnisse der Zigeunerschaft als so unbeschreiblich übel bezeichnet werden müssen, dass sie immer und in jedem Falle aus dem Rahmen der Wohn- und Lebensverhältnisse des deutschen Volkes in anstößigster weise heraustreten.

Die Unsauberkeit der gesamten Zigeunerschaft ist derart eingewurzelt, dass sie mit den Mitteln allgemein erziehlicher Beeinflussung in offener Fürsorge unter gar keinen Umständen gebessert geschweige denn beseitigt werden kann.

Dieses jedem deutschen Empfinden widersprechende Treiben der Zigeuner ist sehr häufig Anlass beweglicher Klagen aus der Nachbarschaft geworden, in denen gegen die Verschandelung des allgemeinen Straßenbildes durch die Zigeuner und vor allem gegen die moralische Gefährdung der um wohnenden deutschen Jugend Einspruch erhoben wurde.

Besonders übel scheint in dieser Richtung das ca. 120 - 130 Personen umfassende Zigeunerlager Harburg-Rönneburg, Wassmerstraße aufzufallen; denn ein hier wohnender Gastwirt schloss seine Klage mit der Versicherung, RM 1000.- der NSV stiften zu wollen, wenn diese Gegend von dieser "Landplage" befreit werde. Ähnlich drastische Klagen sind aus allen Groß-Hamburger Wohngebieten eingelaufen und können beliebig vermehrt werden.

Zusammenfassend muss der bisher von der Polizeibehörde und auch der Sozialverwaltung zur Regelung der Zigeunerfrage gemachte Versuch als unzulänglich bezeichnet werden, da nur ein verhältnismäßig geringer Teil der schlechthin asozialen end arbeitsscheuen Zigeuner in Konzentrationslagern auf Fleiß und Ordnung geschult wird.

Der größere Teil ist von dieser segensreichen Maßnahme leider noch nicht erfasst, obwohl er mindestens der gleichen Schulung, das deutsche Volk aber noch viel stärker des Schutzes vor diesem Fremdkörper bedarf.

Dieses Ziel kann kaum anders als durch Unterbringung der gesamten Zigeunerschaft in Arbeits- und Erziehungslagern erreicht werden.
Hierdurch allein ist auch erst die Möglichkeit der restlosen Erfassung des gerade in Zigeunerkreisen sehr verbreiteten erbkranken Nachwuchses gegeben. Auch wäre der Zigeunerjugend auf diesem Wege allein die Gelegenheit lückenloser Schulbildung gegeben, die sie jetzt nur in Ausnahmefälle regelmäßig ausnutzt.
Interessant ist auch die Beobachtung, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Schulpflichtigen Zigeunerkinder in Hilfsschulen eingeschult ist.
Nach hiesiger Schätzung handelt es sich im Groß-Hamburg-Gebiet um insgesamt 800 - 900 Zigeuner einschließlich Kinder, die für eine solche vorgeschlagene Unterbringung in Betracht kommen.
Durch die vorstehend bezeichnete Unterbringung würde auch allein Gelegenheit gegeben sein, aus dem genannten Personenkreise die für die Volksgemeinschaft noch verwertbaren Kräfte ausfindig zu machen.

Soz. Angest
Fürsorgerin

Sonderdienststelle A
Abteilung II/3

zur Kenntnisnahme und mit der Bitte übersandt, beim Polizeipräsidenten dahin wirken zu wollen, dass für die in Wohnwagen auf großhamburgischem Gebiet hausenden Zigeuner ein unter straffer Aufsicht stehendes mit geeigneten Arbeitsmöglichkeiten versehenen Sammellager eingerichtet wird.

Es ist wünschenswert, auch die in Groß-Hamburg fest ansässigen Zigeuner, soweit sie arbeitsscheu sind, ihren Lebensunterhalt aus nicht nachweisbaren Quellen erwerben oder durch ihr Verhalten eine Belästigung für die deutschblütige Nachbarschaft bilden, ebenfalls in dieses Lager einzuweisen.

Den 14.03.1939


English translation copyright © Struan Robertson

Staff Report from Special Agency A dated 13 March 1939 concerning their efforts in "centralised Gypsy supervision"


Hamburg, 13 March 1939

Since the beginning of the centralised Gypsy supervision by Special Agency A, the undersigned have had the opportunity to sufficiently get to know the living conditions of Gypsies resident in Hamburg.

Initially all Gypsies in need impudently presented themselves demanding welfare with no thought of offering their labour in recompense for the granted support. Repeatedly there were no details of housing conditions or living conditions and then insufficiently convincing. In particular, supplementary income, often very large, from trade and begging, mainly by the children, was concealed.

It required a long period of ruthless observation and support, including repeated withdrawal of support, in order to defeat this dishonesty and to acquire a tolerably acceptable job performance from the Gypsies on support. They use all possible tricks to avoid this particularly unpleasant obligation by postponement or feigned illness.

A consequence of the systematic observation and care of these Gypsy families who saw themselves as needy was the extreme reduction of welfare grants and the reduction to only 9 clients in the Greater Hamburg area. It must be born in mind that with the creation of Greater Hamburg 50 - 60 welfare clients were referred to Special Agency A.

The very favourable job market has enabled this successful development. However, Gypsy families resident in Greater Hamburg still do not apply for work on the job market despite rejection of their claims for assistance. It is still prevalent for Gypsies to accept work only when there is no alternative. The men are indifferent to measures negatively affecting their families, something not even asocial German-blooded families do.

In addition, the housing conditions and living conditions of the Gypsies are so indescribably bad that they must be regarded in a totally different category than that of the German folk.

The squalidness of the Gypsies is so ingrained that it cannot be overcome let alone improved through educational inducement in welfare care.

This Gypsy asocial lifestyle is foreign to all Germans and is frequently the cause of complaints from neighbourhoods where objections are raised against the disfigurement of the appearance of the street and in particular against the moral endangerment to German youth.

The situation of the 120 to 130 person Gypsy camp in Wassmerstraße, in Harburg-Rönneburg, is particularly objectionable; a local restaurant concluded his complaint with the assurance that he would donate RM 1000 to the NS-Volkswohlfahrt, if this "Gypsy plague" was removed from the area. Similar severe complaints have come from all over Greater Hamburg and can increase at any time.

In summary the attempt by the police authority and the social administration to settle the Gypsy question has so far been unsatisfactory as only a relatively small number of the totally asocial workshy Gypsies have been schooled, in diligence and decency, in concentration camps.

Unfortunately the majority have not been affected by these beneficial measures although they all have the same background. The German folk need much more protection against this alien people.

This goal can only be achieved by detaining the entire Gypsy population in work camps and education camps.
Only then will it be possibile to make a complete registration of hereditarily diseased offspring common in Gypsy circles. Also only then will it be possible to see that Gypsy youth receive an uninterrupted education which till now has only occurred irregularly.
It is also significant that a very high percentage of schoolable Gypsy children are enroled in special schools.
It is estimated that within the Greater Hamburg area 800 to 900 Gypsies, including children, can be considered for such accommodation.
Only by implementing these beneficial measures will it be possible to establish which Gypsies can be made exploitable for the volk community.

Social Welfare Administrator Social Welfare Worker

Special Agency A
Department II/3 for your attention and with the request, to convince the chief of police, to establish a collection camp under strict surveillance, with the possibility of employment for the Gypsies living in caravans within the Greater Hamburg area..

It is also desirable that Gypsies living in sedantry accommodation in Greater Hamburg who are workshy, who do not acquire their means of living from verifiable sources, or whose behaviour is an annoyance to the German-blooded neighbourhood, be likewise interned in this collection camp.

14.03.1939