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"... wie Judensachen zu behandeln"
Die Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung
Copyright © Dr. Hans-Dieter Schmid
Universität Hannover
Historisches Seminar
Im Moore 21
30167 Hannover
hd.schmid@hist-sem.uni-hannover.de
Empfohlene Zitierweise:
Hans-Dieter Schmid: "... wie Judensachen zu behandeln". Die Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung, in: zeitenblicke 3
(2004), Nr. 2, [13.09.2004], URL: http://www.zeitenblicke.historicum.net/2004/02/schmid/index.html
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Abstract
Der Aufsatz untersucht anhand von zwei Beispielen aus dem Bereich der Oberfinanzdirektion Hannover, inwieweit die Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung
mit der von Juden übereinstimmte bzw. wo es Unterschiede gab. Seit Kriegsausbruch orientierte sich die NS-Politik gegenüber Sinti und Roma auf eine 'Endlösung der
Zigeunerfrage'. An den Beispielen einer größeren Gruppe Sinti und des Fuhrunternehmers Friedrich wird gezeigt, wie auf der Basis des 'Gesetzes über die Einziehung volks-
und staatsfeindlichen Vermögens' der Besitz der Betroffenen nach ihrer Verhaftung und Deportation vom Staat eingezogen wurde. Das auf politische Gegner zielende Gesetz von
1933 war 1941 erst auf Juden, dann auf Sinti und Roma ausgedehnt worden. Die Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten übertrug den zuständigen Finanzämtern die
eingezogenen Vermögen mit dem Auftrag, sie "wie Judensachen zu behandeln".
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Rechtsgrundlagen und Strukturen der Behandlung bei Sinti und Roma und Juden identisch waren, dass aber bei den Sinti das
prinzipiell gleiche Verfahren der Finanzbürokratie summarischer und willkürlicher angewandt wurde, wodurch die legalistische Bemäntelung des Raubs zu einer sinnentleerten
Formalie wurde. Sie sieht darin eine Konsequenz des traditionellen Antiziganismus der bürgerlichen Gesellschaft und der traditionell gegen die Bürgerrechte verstoßenden
Zigeunerpolitik und Zigeunergesetzgebung in Deutschland.
<1>
Die Holocaust-Forschung neigt dazu, die Sinti und Roma zu vergessen. Wenn die These von der Singularität des Holocaust an den Juden vertreten wird, wird diese Neigung
leicht zur Gewohnheit. Als Konsequenz der Singularitäts-These kommt es immer wieder zu Kontroversen darüber, ob Sinti und Roma in gleicher Weise Opfer genozidaler Planungen
und Aktionen der Nationalsozialisten waren wie die Juden. So hat etwa Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, in einer heftigen Entgegnung
auf die Rede Yehuda Bauers zum Holocaust-Tag 1998 im Deutschen Bundestag darauf bestanden, dass für beide Völkermorde - nach einer Aussage Otto Ohlendorfs - der "gleiche
Befehl" gegolten habe. [1] Yehuda Bauer betonte dagegen in seiner Antwort auf Rose die Verschiedenheit der Genozide und bestand damit letztlich auf der Singularitäts-These.
[2] Vor dem Hintergrund dieser Kontroverse erscheint es sinnvoll, die folgenden Ausführungen unter die Frage zu stellen, inwieweit die Behandlung der Sinti und Roma durch
die Finanzverwaltung mit der Behandlung der Juden übereinstimmte bzw. ob und gegebenenfalls wo es Unterschiede gab.
Nationalsozialistische 'Zigeunerpolitik'
<2>
Die Politik der Nationalsozialisten gegenüber den Sinti und Roma [3] war lange Zeit unentschieden, ein Gemisch aus traditioneller polizeilicher 'Zigeunerpolitik' - für die
Sinti und Roma war nicht die Gestapo, sondern blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Kriminalpolizei zuständig - und 'rassehygienischen' Maßnahmen bis hin zur
Sterilisation. Erst mit Kriegsbeginn zeichnete sich eine stärkere Orientierung auf eine 'Endlösung der Zigeunerfrage' ab. Erste vorbereitende Schritte dazu waren die
zentrale Erfassung [4] und die "Festsetzung" [5] der bis dahin noch häufig 'reisenden' Sinti und Roma im Reich. Es folgten zwei große Deportationswellen in den Osten, die
sich ausschließlich gegen Sinti und Roma richteten: eine erste im Mai 1940, mit der 2.300 Sinti und Roma aus den westlichen und nördlichen Gebieten des Reichs in das
Generalgouvernement deportiert wurden, und zwar noch unter dem diffusen Ziel einer 'territorialen Endlösung' im besetzten Polen; und eine zweite im März 1943 in das
sogenannte Zigeunerfamilienlager in Auschwitz-Birkenau. Kleinere Transporte nach Auschwitz folgten bis unmittelbar vor der Auflösung des Lagers im Sommer 1944.
<3>
Zuständig für die Organisation der Transporte waren die Kriminalpolizeileitstellen, 1936 als Organe der neuen Reichskriminalpolizei eingeführt und seit 1939 mit besonderen
Dienststellen für Zigeunerfragen versehen. [6] Da die Akten dieser Dienststellen mit der gleichen Gründlichkeit vernichtet worden sind wie die Gestapo-Akten, bilden hier
die Akten der Finanzverwaltung nicht nur eine herausragende Quelle für die bürokratische Beraubung der Sinti und Roma, sondern zugleich eine der wichtigsten Quellen für die
Rekonstruktion der Deportationen der Sinti und Roma überhaupt. Im Folgenden sollen Strukturen und Verläufe der Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung im
wesentlichen an zwei Beispielen aus dem Bereich des Oberfinanzpräsidenten Hannover dargestellt werden: der Deportation der Sinti aus dem Regierungsbezirk Hildesheim im März
1943 nach Auschwitz und der Deportation des Fuhrunternehmers Wilhelm Friedrich und seiner Familie aus Hannover im Februar 1944, ebenfalls nach Auschwitz.
Märzdeportation 1943: das Beispiel Hildesheim
<4>
Am 1. März 1943 wurden mit einem Schlag 57 Sinti im ganzen Regierungsbezirk Hildesheim von der Kriminalpolizei verhaftet, in das Hildesheimer Polizeigefängnis gebracht und
dort erst einmal "erkennungsdienstlich" behandelt. [7] Grundlage dieser Aktion war der sogenannte Auschwitz-Erlass Himmlers vom 16. Dezember 1942 bzw. der detaillierte
Durchführungserlass des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) vom 29. Januar 1943, mit dem die letzte, genozidale Phase der NS-Zigeunerpolitik eingeleitet wurde. [8] Unter den
Opfern in Hildesheim waren auffällig viele Kinder und Jugendliche: 33 Kinder unter 14 Jahren und fünf Jugendliche unter 18 Jahren, d.h. zwei Drittel der Deportierten waren
minderjährig. Eine Gruppe von sechs Kindern und Jugendlichen kam aus dem Provinzial-Erziehungsheim Göttingen, wo man seit 1942 die Sintikinder in Fürsorgeerziehung aus der
Provinz Hannover konzentriert hatte. Der älteste unter den Verhafteten war 71 Jahre alt, die jüngste war ein Mädchen von noch nicht einmal zwei Jahren - beide haben das
Jahresende in Auschwitz nicht mehr erlebt. Die Verhafteten wurden am Tag nach der Verhaftung mit dem Bus nach Braunschweig gebracht, von wo sie vermutlich mit einem
planmäßigen Personenzug zusammen mit Sinti aus anderen Städten, die an der Strecke lagen, nach Auschwitz transportiert wurden - in besonderen Personenwagen mit einem
Sammelfahrschein, für den es ab 50 Personen einen Gruppentarif für die Hälfte des Fahrpreises der 3. Klasse gab. [9] Am 6. März wurden sie im Eingangsbuch des
Zigeunerlagers in Auschwitz-Birkenau registriert.
Bürokratische Beraubung
<5>
Die bürokratische Beraubung der Verhafteten setzte schon in Hildesheim ein, wo ihnen gemäß Erlass [10] Barmittel und Wertpapiere abzunehmen waren. Wertpapiere befanden sich
zwar nicht im Besitz der Hildesheimer Sinti (und werden sich auch anderwärts selten in ihrem Besitz befunden haben), aber immerhin beschlagnahmte die Kriminalpolizei
Bargeld in Höhe von insgesamt 672,49 RM, eine vergleichsweise hohe Summe, von der aber über ein Drittel (260,40 RM) allein von dem Oberhaupt einer der beiden Hildesheimer
Familien kam. Der Rest verteilte sich in meist winzigen Beträgen auf 18 Personen, darunter die Beträge, die den Fürsorgezöglingen bei ihrer Entlassung aus dem
Erziehungsheim ausbezahlt worden waren. [11] Diese Summe wurde später, penibel nach Eigentümern und Finanzämtern getrennt, von der Kriminalpolizeileitstelle direkt an die
Oberfinanzkasse überwiesen.
<6>
Für die "erste Sicherstellung" des übrigen Vermögens der Deportierten war wie bei den deportierten Juden die Gestapo zuständig, [12] im vorliegenden Fall die
Gestapo-Außendienststelle Hildesheim. Diese veranlasste zunächst die örtlichen Behörden, die Oberbürgermeister von Hildesheim und Göttingen und die Landräte von Holzminden
und Peine, die Vermögenswerte "vorläufig" sicherzustellen. [13]
Rechtsgrundlagen
<7>
Die Rechtsgrundlage für das darauf folgende bürokratische Verfahren war das 'Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens' vom 14. Juli 1933, durch das
ein Gesetz zur Einziehung kommunistischen Vermögens vom 26. Mai 1933 auf die Sozialdemokraten ausgedehnt worden war. [14] Dieses Gesetz wurde durch einen Erlass des
Reichsfinanzministers vom 4. November 1941, unter völliger Missachtung der Tatsachen, nun auch auf die Juden ausgedehnt, deren Deportation in den Osten zu diesem Zeitpunkt
schon im Gange war. [15] Da wenig später, am 25. November 1941, die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz erlassen wurde, die ein einfacheres Verfahren vorsah, wurde das
Gesetz bei den Juden allerdings bald nur noch bei Deportationen nach Auschwitz und Theresienstadt, die formal zum Reich gehörten, angewandt. [16]
<8>
Auf die Zigeuner wurde es durch zwei Erlasse des Reichsinnenministers ausgedehnt: Im ersten Erlass vom 14. November 1941 wurde nachträglich festgestellt, dass die "auf
Veranlassung des Oberkommandos der Wehrmacht" im Mai 1940 in das Generalgouvernement deportierten "Zigeuner und Zigeunermischlinge volks- und staatsfeindlich gewesen"
seien; [17] im zweiten Erlass vom 26. Januar 1943 wurde das gleiche für die demnächst nach Auschwitz zu Deportierenden "festgestellt" - drei Tage bevor das
Reichssicherheitshauptamt in seinem Schnellbrief überhaupt erst den Kreis der Betroffenen festlegte. Die Formulierung dieser "Feststellung" - nämlich "daß die Bestrebungen
der auf Befehl des Reichsführer-SS vom 16.12.1942 in ein Konzentrationslager einzuweisenden zigeunerischen Personen volks- und staatsfeindlich bzw. reichsfeindlich gewesen
sind" - zeigt die ganze Absurdität dieser Rechtskonstruktion. [18]
Enteignungsverfahren
<9>
Das Verfahren nach dem Gesetz von 1933 war vor allem deswegen kompliziert, weil dazu Einziehungsverfügungen der staatlichen Mittelbehörden - das waren in Preußen die
Regierungspräsidenten - vorgeschrieben waren, die entweder den Betroffenen mit Zustellungsurkunde ausgehändigt oder öffentlich bekannt gemacht werden mussten. Trotz dieser
Rechtslage wandte sich die Hildesheimer Gestapo erst einen Monat nach der Deportation an den Hildesheimer Regierungspräsidenten mit der Bitte, eine
Sammeleinziehungsverfügung zu veranlassen. Zur Begründung führte sie, fast wörtlich den Schnellbrief des RSHA zitierend, an, dass man die Einziehungsverfügungen nicht wie
bei den Deportationen der Juden üblich vor der Aktion habe erwirken und zustellen können, weil "zur Verhinderung einer vorzeitigen Abwanderung (...) den zigeunerischen
Personen die angeordneten Maßnahmen unter keinen Umständen vorher bekannt werden" durften. [19] Anders als bei den deutschen Juden fürchtete man also bei den Sinti, dass
sie untertauchen könnten, wie wir noch sehen werden: nicht ohne Grund.
<10>
Da die Verfügungen durch die nachträgliche Ausfertigung nicht mehr zugestellt werden konnten, blieb nur die zweite vorgesehene Möglichkeit: die öffentliche Bekanntmachung.
Sie war zunächst in der Regel durch Veröffentlichung im Reichsanzeiger geschehen, seit September 1942 genügte aber auch ein zweiwöchiger öffentlicher Aushang. [20] Diesen
schnelleren Weg beantragte nun die Gestapo. Außerdem bat man darum, die Sammeleinziehungsverfügung sogar schon vor Ablauf der zwei Wochen zu übersenden, damit man sofort
die Wohnungen der deportierten Sinti frei machen könne. Die Hildesheimer Gestapo betrachtete die Einziehungsverfügungen offenbar nur noch als eine lästige Formalie, bei der
man es nicht so genau nahm. Der Regierungspräsident reagierte darauf kühl und korrekt: Erst am 29. Mai - also fast zwei Monate später - übersandte er mehrere Exemplare
seiner Einziehungsverfügung, die erst am 10. Mai im Deutschen Reichsanzeiger veröffentlicht worden war. [21] Man hatte sich also reichlich Zeit gelassen. Dass man auch noch
den zeitraubenderen Weg gewählt hatte, scheint allerdings eher auf Unkenntnis der Rechtslage beruht zu haben. [22]
<11>
Erst jetzt konnte die Gestapo weitere Schritte unternehmen: Am 16. Juni 1943 wandte sie sich an den Oberfinanzpräsidenten Hannover mit der Bitte, die "endgültige
Verwertung" des Vermögens der Deportierten, also Einziehung, Verkauf oder Versteigerung zugunsten des Reichs zu übernehmen. [23] Damit war die Rolle der Gestapo beendet.
Zuständig für das weitere Verfahren war die Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten. Die beauftragte ihrerseits die zuständigen Finanzämter in Göttingen,
Hildesheim, Holzminden und Peine, die eingezogenen Vermögenswerte zu übernehmen und - wie es wörtlich hieß - "wie Judensachen zu behandeln". [24] In der Regel bedeutete
das, dass die Vermögenswerte im Auftrag des Finanzamts öffentlich versteigert wurden.
Ergebnis der Vermögensverwertung
<12>
Das Ergebnis der Vermögensverwertung ist im Fall der Hildesheimer Sinti nicht überliefert. Im allgemeinen werden die Erlöse bei den Sinti aber nicht sehr erheblich gewesen
sein. So spricht der Oberfinanzpräsident Hannover bei den zugleich mit den Hildesheimern deportierten Braunschweiger Sinti ausdrücklich von "geringe[m] bewegliche[m]
Vermögen"; [25] bei einer Gruppe von etwa 20 Sinti, die Ende März 1943 aus Braunschweig deportiert wurden, teilte die Gestapo mit, dass bei ihnen gar keine Sachwerte
vorhanden waren. [26] In Lüneburg brachte die Versteigerung der Habe von zwei Sinti-Familien dem Finanzamt Lüneburg insgesamt 637,67 RM ein, wobei der Haupterlös von zwei
Musikinstrumenten kam, einer Geige für 285 RM und einem Bandoneon für 60 RM. [27] Aber auch nachträgliche Einnahmen, und waren sie noch so gering, wurden penibel
abgerechnet. So meldete die Braunschweiger Gestapo dem Oberfinanzpräsidenten im August 1943 nachträglich eingezogene Restlöhne von 16 deportierten Sinti in Höhe von 238,98
RM. [28] Die vergleichsweise hohen Bargeldbeträge bei Sinti - auch bei den als absolut vermögenslos gemeldeten Braunschweiger Sinti wurden immerhin 184,48 RM Bargeld
beschlagnahmt [29] - erklären sich wohl daraus, dass Sinti in aller Regel kein Bankkonto hatten.
Wohlhabende Sinti
<13>
Allerdings gab es vereinzelt durchaus auch recht wohlhabende Sinti, so den Osnabrücker Schausteller Karl Weiß, der zwei Grundstücke mit einem Drei- und einem
Fünf-Familienhaus besaß. Auf einer Schätzliste der Osnabrücker Kriminalpolizei [30] wird sein Vermögen mit 11.881 RM angegeben. Jedoch bestätigt auch diese Liste im übrigen
den allgemeinen Befund: Von den aufgeführten 54 deportierten Sinti aus Osnabrück waren 44 ganz ohne Vermögen (davon waren allerdings 25 Kinder); sieht man von Weiß ab,
verfügten die anderen neun Sinti mit Vermögen über Sachwerte von durchschnittlich 130 RM, meist ausschließlich in Wohnungseinrichtungen bestehend.
Der Fall des Fuhrunternehmers Friedrich
<14>
Nicht ganz so wohlhabend wie Weiß war der Fuhrunternehmer Wilhelm Friedrich, der im hannoverschen Vorort Stöcken ein Grundstück mit Haus besaß. Sein Fall ist in den Akten
genauer dokumentiert. Friedrich sollte mit seiner großen Familie - insgesamt 17 Personen - am 18. Februar 1944 von der Kriminalpolizei verhaftet werden. Die Aktion war so
schlecht vorbereitet bzw. so nachlässig ausgeführt, dass fünf Familienangehörige untertauchen konnten. Sie wurden auch später nicht gefasst, obwohl die Gestapo am 22. März
noch behauptete, ihre Überführung nach Auschwitz werde "demnächst erfolgen". [31] Die 12 Verhafteten wurden am 22. Februar 1944 nach Auschwitz deportiert. Am 22. März
beantragte die Gestapo - wie immer nachträglich [32] - beim hannoverschen Regierungspräsidenten die Ausstellung einer Sammeleinziehungsverfügung, und zwar nicht nur für die
Deportierten, sondern, mit der eben zitierten Begründung, auch für die fünf Untergetauchten. Der hannoversche Regierungspräsident nahm daran keinen Anstoß: Am 28. März
fertigte er die gewünschte Verfügung für die "in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz überführten und noch zur Überführung kommenden z. Zt. flüchtigen
Zigeunermischlinge" aus und ließ sie vom 31. März bis 17. April 1944 an der Tafel des Bezirksverwaltungsgerichts im Gebäude der Bezirksregierung aushängen, formal
öffentlich, faktisch unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit. [33]
<15>
Am 20. April übergab die Gestapo das Vermögen Friedrichs dem Oberfinanzpräsidenten, insgesamt immerhin fast 6.500 RM. [34] Zu dem Vermögen gehörten auch vier Pferdewagen
und drei Pferde mit Geschirr, die vom Oberfinanzpräsidenten selbst "verwertet", d.h. zum Schätzwert von etwas über 2.000 RM an einen Pferdehändler verkauft wurden. Den Rest
des Vermögens übergab die Vermögensverwertungsstelle am Tag darauf dem zuständigen Finanzamt zur Verwertung bzw. Verwaltung. [35] Das umfasste Haus und Grundstück mit einem
Einheitswert von 3.010 RM, den Erlös aus der Versteigerung der Möbel mit 1.249,70 RM und das beschlagnahmte Bargeld in Höhe von 216,42 RM.
Grundstücksverwaltung im Namen des Reichs
<16>
Noch vor der Übergabe hatte der Oberfinanzpräsident die Umschreibung des Grundstücks auf das Deutsche Reich und die Löschung von drei Hypotheken zugunsten der Kinder
Friedrichs veranlasst. Auch das erledigte das Amtsgericht routiniert, nachdem eine Rückfrage wegen der Rechtswirksamkeit der Einziehungsverfügung zu seiner Zufriedenheit
beantwortet worden war. [36] Nachdem die Eigentumsverhältnisse geklärt waren, meldete der Oberfinanzpräsident das Grundstück pflichtgemäß dem Oberpräsidenten. Nach einem
Erlass Hitlers vom 29. Mai 1941 konnten nämlich Vermögen oder Vermögensteile, die zugunsten des Reiches eingezogen wurden, unentgeltlich an "gebietliche
Selbstverwaltungskörperschaften" übertragen werden, wenn sie zur Erfüllung von deren Aufgaben dienen konnten. Nach einem Durchführungserlass vom 9. April 1942 waren für die
entsprechende Prüfung in Preußen die Oberpräsidenten zuständig; außerdem mussten die zuständigen Gauleiter in Kenntnis gesetzt werden.
<17>
Dieser Pflicht entledigte sich der Oberfinanzpräsident im vorliegenden Fall am 11. August, wobei er zugleich mitteilte, dass kein entsprechender Interessent bekannt sei.
Offenbar um ganz sicher zu gehen, legte er gleich eine Beschreibung von Grundstück und Haus bei, aus der hervorging, dass der Zustand des Gebäudes schlecht und die
Wohnungen verwahrlost und renovierungsbedürftig seien. [37] So scheint sich denn auch kein öffentlicher Interessent gefunden zu haben. Dafür gab es aber zwei Kaufgesuche
von privater Seite, die offenbar ein Schnäppchen witterten. Beide Angebote wurden vom Oberfinanzpräsidenten abgelehnt mit der Begründung, dass der Verkauf eingezogener
Grundstücke bis Kriegsende gesperrt sei, "um den an der Front stehenden Volksgenossen nach ihrer Rückkehr aus dem Kriege Gelegenheit zum Grundstückserwerb zu geben".
[38]
Unerwartete Rückkehr
<18>
Mit der Möglichkeit, dass der ehemalige Besitzer zurückkehren könnte, rechnete man in der Finanzverwaltung offenbar nicht. Genau dies aber geschah. Friedrich überlebte
Auschwitz, kehrte nach Hannover zurück und zog im Juni 1945 mit weiteren Überlebenden aus seiner Familie wieder in sein Haus ein, obwohl das verwaltende Finanzamt es seit
Juni 1944 weitervermietet hatte. Zunächst zahlte er auch brav die Miete für sein eigenes Haus an das Finanzamt. Erst ab November 1945 weigerte er sich, weiter zu bezahlen,
und der zuständige Finanzbeamte - übrigens der gleiche, der das Grundstück seit 1944 verwaltet hatte - hielt in einem Aktenvermerk fest, dass von einer Zwangseinziehung der
Miete "aus begreiflichen Gründen" abgesehen werde. [39] Friedrichs wiederholte Anträge, ihm seinen Besitz zurückzugeben, wurden jedoch konstant abgelehnt mit dem Hinweis
auf entgegenstehende Entscheidungen der britischen Militärregierung. Daran änderte sich auch nichts, bis die Verwaltung des Grundstücks im Mai 1945 von der Finanzverwaltung
an das "Landesamt für Beaufsichtigung gesperrten Vermögens" überging. [40]
"...wie Judensachen zu behandeln"?
<19>
Kehren wir zurück zu unserer Ausgangsfrage. Die Schilderung der beiden Beispiele hat deutlich gemacht, dass für die Sinti und Roma bei der Beraubung durch die
Reichsfinanzverwaltung tatsächlich die 'gleichen Befehle' galten wie für die Juden. Zeigt schon die Anwendung der Gesetze gegen 'Reichsfeinde' von 1933 auf die deportierten
Juden ein hohes Maß an Willkür, so grenzt die zunächst nachträgliche Ausweitung auf die 1940 deportierten Sinti und Roma, die dann Anfang 1943 nochmals auf alle nach
Auschwitz zu deportierenden Sinti und Roma erweitert wurde, ans Absurde. Bei der praktischen Umsetzung dieser 'Befehle' wurden exakt die gleichen Erlasse und Bestimmungen
angewandt. Das kommt in den Akten mehrfach schon dadurch zum Ausdruck, dass Formulierungen gebraucht werden wie: die Vermögenswerte der Sinti seien "wie Judensachen zu
behandeln" [41] oder "nach den für die Verwertung von Judenvermögen ergangenen Bestimmungen zu verwerten". [42] Kein Wunder, dass das hannoversche Finanzamt, dem die
Verwaltung des Friedrichschen Grundstücks übertragen wurde, es anfangs als "Judengrundstück" bezeichnete. [43] Mehr noch: Es galten nicht nur die gleichen Befehle, sondern
es wurden oft auch die gleichen Formulare benutzt, und zwar noch weit über das Kriegsende hinaus. [44]
<20>
Obwohl also Rechtsgrundlagen und Strukturen der Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung im Wesentlichen mit denen der antijüdischen Maßnahmen identisch
waren, zeigen die Akten der hannoverschen Finanzverwaltung doch auch charakteristische Varianten bei der Behandlung der Sinti und Roma. Der auffälligste Unterschied ist
der, dass bei den Sinti die Einziehungsverfügungen generell erst nachträglich beantragt und ausgestellt wurden, und zwar meist als Sammelverfügungen. Der Grund liegt auf
der Hand: Bei den Sinti befürchtete man, dass sie aufgrund ihrer ganz anderen kulturellen Prägungen sich in weit höherem Maße der Deportation durch Flucht entziehen würden
als dies bei den bürgerlich sozialisierten deutschen Juden der Fall war. Man konnte außerdem damit rechnen, bei den Sinti noch weniger als bei den Juden weder bei der
ausführenden Bürokratie noch bei der Bevölkerung auf Bedenken zu stoßen. Dementsprechend hat man bei ihnen die legalistische Bemäntelung des blanken Raubs durch
Einzelverfügung und Zustellungsurkunde durch ein summarisches Verfahren ersetzt, das sie vollends zur sinnentleerten Formalie machte.
<21>
Der zweite Unterschied hängt mit dem ersten eng zusammen, da er die Sinti betrifft, die trotz aller Vorsichtsmaßnahmen untertauchen konnten: Ihr Vermögen wurde trotzdem und
offenbar ohne Bedenken zugunsten des Reiches eingezogen, obwohl das durch den Feststellungserlass vom Januar 1943 kaum abgedeckt war. Beide Abweichungen zeigen, dass man
gegenüber den Sinti und Roma die prinzipiell 'gleichen Befehle' noch stärker im quasi maßnahmenstaatlichen Sinne anwandte als bei den Juden. Es liegt nahe, darin eine
Konsequenz des traditionellen Antiziganismus der bürgerlichen Gesellschaft und der traditionell gegen die Bürgerrechte verstoßenden Zigeunerpolitik und Zigeunergesetzgebung
in Deutschland zu sehen.
Anmerkungen
[1] Romani Rose: "Für beide galt damals der gleiche Befehl". Eine Entgegnung auf Yehuda Bauers Thesen zum Genozid an den europäischen Juden, Sinti und Roma, in:
Bulletin für deutsche und internationale Politik 43 (1998), 467-472.
[2] Yehuda Bauer: "Es galt nicht der gleiche Befehl für beide". Eine Entgegnung auf Romani Roses Thesen zum Genozid an den europäischen Juden, Sinti und Roma, in:
Bulletin für deutsche und internationale Politik 43 (1998), 1380-1386.
[3] Zur NS-Zigeunerpolitik vgl. Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische "Lösung der Zigeunerfrage", Hamburg 1996 und Guenter Lewy: The
Nazi Persecution of the Gypsies, New York 2000 (deutsch: "Rückkehr nicht erwünscht". Die Verfolgung der Zigeuner im Dritten Reich, München 2001).
[4] Vgl. dazu den sog. Zigeunergrunderlass Himmlers: Runderlass "Bekämpfung der Zigeunerplage", 8.12.1938, abgedruckt in: Hans-Joachim Döring: Die Zigeuner im
nationalsozialistischen Staat, Hamburg 1964, 197ff.
[5] Erlass-Sammlung "Vorbeugende Verbrechensbekämpfung" (Bibliothek des Bundesarchivs Berlin: RD 19/28-15), Schnellbrief des Reichssicherheitshauptamts (RSHA)
('Festsetzungserlass'), 17.10.1939.
[6] Ausführungsanweisung des Reichskriminalpolizeiamts (RKPA), 1.3.1939, gedruckt bei Döring: Zigeuner, 201ff. Zu den Kriminalpolizeileitstellen vgl. Patrick Wagner:
Volksgemeinschaft ohne Verbrecher. Konzeptionen und Praxis der Kriminalpolizei in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Hamburg 1996, 235ff.
[7] Die folgende Darstellung stützt sich im Wesentlichen auf folgende Akten: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover (NHStA), Nds. 120 Hild., Acc. 132/90, Nr. 208
und Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12 (Vorgang Nr. 1596). Außerdem wurde ein ausführliches Interview mit der einzigen noch lebenden Zeitzeugin, Lily van Angeren, geführt.
[8] Der Erlass Himmlers ist bislang nicht aufgefunden worden, der Schnellbrief des RSHA ist abgedruckt bei Döring: Zigeuner, 214ff.
[9] Vgl. Zimmermann: Rassenutopie, 318 sowie den Schnellbrief vom 29.1.1943, VI 5 (Döring: Zigeuner, 217). Das erklärt, warum bei diesem Transport auffällig häufig
Gruppen mit knapp über 50 Personen deportiert wurden. Mit dem gleichen Zug wurden wohl auch 37 Juden von Hannover, vermutlich auch Juden aus Braunschweig, nach Auschwitz
deportiert. Vgl. Marlis Buchholz: Die hannoverschen Judenhäuser. Zur Situation der Juden in der Zeit der Ghettoisierung und Verfolgung 1941 bis 1945, Hildesheim 1987,
232.
[10] Schnellbrief vom 29.1.1943, IV 7: Döring: Zigeuner, 217.
[11] Dies geht aus deren Fürsorgeakten hervor: NHStA, Hann. 154 Göttingen, Acc. 112/93, Nr. 1993, 3067, 3071, 3072, 3076 u. 3078.
[12] Erlass des RSHA, 30.1.1943: Döring: Zigeuner, 218. Zur Rolle der Gestapo vgl. Hans-Dieter Schmid: "Finanztod". Die Zusammenarbeit von Gestapo und Finanzverwaltung
bei der Ausplünderung der Juden in Deutschland, in: Gerhard Paul / Klaus-Michael Mallmann (Hg.): Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. 'Heimatfront' und besetztes Europa,
Darmstadt 2000, 141-154, hier 147f.
[13] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12, Gestapo-Außendienststelle Hildesheim an Oberfinanzpräsidenten (OFP) Hannover, 16.6.1943.
[14] Reichsgesetzblatt (RGBl.) 1933 I, 293 und 479f.
[15] Erlass des Reichsfinanzministers vom 4.11.1941, gedruckt bei Hans G. Adler: Der verwaltete Mensch. Studien zur Deportation der Juden aus Deutschland, Tübingen 1974,
182f. und 506ff.
[16] Vgl. dazu Schmid: "Finanztod", 150f.
[17] Druck: Romani Rose (Hg.): Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, Heidelberg 1995, 97.
[18] Druck: Döring: Zigeuner, 219.
[19] NHStA, Nds. 120, Acc. 132/90, Nr. 208, Gestapo-Außendienststelle Hildesheim an Regierungspräsident Hildesheim, 8.4.1943; Döring: Zigeuner, 217.
[20] Runderlass des Reichsministers des Inneren (RMdI), 21.9.1942: Ministerialblatt des Reichs- und Preußischen Ministers des Inneren (MBliV) 1942, 1881.
[21] NHStA, Nds. 120, Acc. 132/90, Nr. 208, Regierungspräsident Hildesheim an Gestapo-Außendienststelle Hildesheim, 29.5.1943; Deutscher Reichsanzeiger Nr. 106 vom
10.5.1943.
[22] Das legt ein Aktenvermerk vom 20.4.1943 nahe. Den Text der Einziehungsverfügung hatte man erst am 6. Mai an den Reichsanzeiger geschickt. NHStA, Nds. 120, Acc.
132/90, Nr. 208.
[23] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12, Gestapo-Außendienststelle Hildesheim an OFP Hannover, 16.6.1943.
[24] Ebd., Beschluss OFP Hannover, 22.6.1943.
[25] Die Formulierung legt nahe, dass bei dieser Einschätzung das Vermögen der deportierten Juden als Vergleichsmaßstab diente: "Das geringe bewegliche Vermögen der
abgeschobenen Zigeuner ist wie das bewegliche Vermögen der abgeschobenen Juden zu verwerten." NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 14, OFP Hannover an Finanzamt (FA)
Braunschweig-Stadt, 29.4.43.
[26] Staatspolizeistelle Braunschweig an OFP Hannover, 25.5.1943: Ebenda.
[27] NHStA, Nds. 225 Lüneburg, Acc. 2001/517, Nr. 157 und 161.
[28] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 14, Staatspolizeistelle Braunschweig an OFP Hannover, 27.8.1943 und 12.4.1944.
[29] Ebd., Staatspolizeistelle Braunschweig an OFP Hannover, 25.5.1943.
[30] Diese Liste ist abgedruckt in der Broschüre: Sinti in Osnabrück - Bürger dieser Stadt. Begleitbroschüre zur Ausstellung am 21. Mai 1997 im Stadthaus, Osnabrück
1997, 26ff.
[31] NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, Gestapoleitstelle Hannover an Regierungspräsident Hannover, 22.3.1944. Auszüge aus einem Interview mit einer
der Untergetauchten sind gedruckt bei: Cornelia Maria Hein / Heike Krokowski: "Es war menschenunmöglich". Sinti aus Niedersachsen erzählen - Verfolgung und Vernichtung im
Nationalsozialismus und Diskriminierung bis heute, Hannover 1995, 76ff.
[32] In Braunschweig, wo der zuständige Innenminister noch Einzelverfügungen ausstellte, wurden sie erst nach Bedarf, d.h. in dem bereits erwähnten Fall erst ein ganzes
Jahr nach der Deportation ausgestellt. Vgl. NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 14, Stapostelle Braunschweig an OFP Hannover, 12.4.1944, und die beiden Verfügungen vom 14.
und 30.3.1944.
[33] Verfügung des Regierungspräsidenten Hannover, 28.3.1944, sowie NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, Regierungspräsident Hannover an OFP Hannover,
31.5.1944.
[34] Ebd., Gestapoleitstelle Hannover an OFP Hannover, 20.4.1944.
[35] Ebd., Pferdehandlung Schmedes an OFP Hannover, 4.5.1944 und OFP Hannover an FA Hannover-Waterlooplatz, 5.5.1944.
[36] Ebd., Amtsgericht Hannover an OFP Hannover, 16.5. und 20.6.1944, OFP Hannover an Amtsgericht Hannover, 7.6.1944.
[37] OFP Hannover an Oberpräsident Hannover, 11.8.1944: Ebenda. Der Hitlererlass "über die Verwertung des eingezogenen Vermögens von Reichsfeinden" vom 29.5.1941: RGBl.
1941 I, 303; der Runderlass von RMdI und Reichsminister der Finanzen (RFM) vom 9.4.1942: MBliV 1942, 687f.
[38] NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, OFP Hannover an Albert Gosewisch, 9.5.1944; sowie Heinrich Kölling an Regierungspräsident, 12.6.1944 und
Albert Gosewisch an Regierungspräsident, 26.2.1944.
[39] Ebd., Aktenvermerk 14.10.1945.
[40] Ebd., Friedrich an FA Hannover-Waterlooplatz, 30.5.1947, FA Hannover-Waterlooplatz an Friedrich, 8.9.1945, 6.6.1947 und 24.5.1949. Zwei seiner Pferde, die Schmedes
sofort an verschiedene Landwirte weiterverkauft hatte, erhielt Friedrich dagegen auf Anweisung des Oberpräsidenten 1945 zurück. Vgl. ebd., Aktenvermerk, 17.9.1945.
[41] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12, Beschluss OFP Hannover, 22.6.1943.
[42] NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, OFP Hannover an FA Hannover-Waterlooplatz, 5.5.1944.
[43] Vgl. ebd., Diverse Schreiben des FA Hannover-Waterlooplatz vom 18.5.1944.
[44] Dafür finden sich mehrere Beispiele aus den Jahren 1944 bis 1949 in der Akte Friedrich; noch in einem Dokument von 1949 wird das Friedrichsche Grundstück als "ehem.
Zigeunergrundstück" bezeichnet, eine Formulierung, deren Gegenstück "ehemaliges Judengrundstück" sich auf verschiedenen Formularen der Finanzverwaltung findet.
"... to be treated like Jewish assets"
The Treatment of the Sinti and Roma by the Revenue Authorities
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Hans-Dieter Schmid: "... wie Judensachen zu behandeln". Die Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung, in: zeitenblicke 3
(2004), Nr. 2, [13.09.2004], URL: http://www.zeitenblicke.historicum.net/2004/02/schmid/index.html
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please refer to the given paragraph number.
Synopsis
This essay makes a comparison, on the basis of two examples from the Hannover Regional Revenue Office, between the way the Sinti and Roma and the
Jews were treated by revenue authorities during the Nazi period. From the outbreak of the war NS-policy regarding the Sinti and Roma was oriented towards the "final
solution of the Gypsy question". The examples of a large group of Sinti and of the haulage contractor Wilhelm Friedrich show how, after their arrest and deportation, the
state appropriated their assets in accordance with the Law regarding the Confiscation of Assets in the Hands of Enemies of the People and the State.
This 1933 law, initially directed at political opponents, was extended in 1941 to include the Jews and then the Sinti and Roma. The "Property
Utilisation Office" of the Regional Finance President transferred the appropriated assets to the responsible revenue departments with
the
order to treat them "like Jewish assets". This research shows that the methods and law used against the Sinti and Roma and the Jews were identical but
that in the case of the Sinti and Roma the procedures were more summary and arbitrary, whereby the use of the law as cover for the robbery became a meaningless formality.
This is seen as a consequence of traditional anti-Gypsyism within German society and of Gypsy policy and Gypsy legislation that violated civil rights.
Holocaust research is inclined to forget the Sinti and Roma. The thesis of the singularity of the Holocaust as Jewish Shoah threatens to become pervasive. Consequently the
National Socialist genocide of the Sinti and Roma is repeatedly placed in dispute. Thus Romani Rose, chairman of the Central Council of German Sinti and Roma, vehemently
countered Yehuda Bauer's speech made in the German Bundestag on Holocaust Day 1998 by stressing that the "same order" applied to both
genocides - confirmed by Otto
Ohlendorf's testimony. [1] Yehuda Bauer answered Rose by arguing the disparity and thereby for the singularity thesis.
[2] This controversy necessitates an examination of the treatment of the Sinti and Roma by the revenue authorities so as to establish similarities and differences with
that of the Jews.
National Socialist "Gypsy Policy"
National Socialist policy toward the Sinti and Roma [3] was for a long time uncoordinated, being a mixture of traditional police "Gypsy policies" -
the Criminal Police was responsible for the Sinti and Roma and not the Gestapo as with the Jews - and "racial-hygiene" measures
including sterilization. Only with the
beginning of the war was policy orientated towards a "final solution of the Gypsy question". The first steps were central registration [4] and Heinrich Himmler's
"detainment
decree" whereby Roma and Sinti were forbidden to leave their places of residence. [5] There then followed two large waves of deportation of Sinti and
Roma to the east, the first in May 1940 when 2,300 Sinti and Roma from the west and north of Germany were deported to the General Government, with the vague goal of a
"territorial final solution" in occupied Poland; the second in March 1943 to the so-called "Gypsy family camp" in Auschwitz-Birkenau.
Smaller transports followed until, and even after, the liquidation of the camp in the summer of 1944.
Criminal Police headquarters was responsible for the organization of the transports. The Reich Criminal police was established in 1936 and, in 1939, provided with special
agencies responsible for "Gypsy questions". [6] As the documents of these agencies were destroyed with the same thoroughness as the Gestapo documents, the documents of
the revenue authorities form not only a singular source of evidence for the bureaucratic robbery of the Sinti and Roma but at the same time one of the most
important
sources for the reconstruction of their deportation. In the following the structures and procedures of the treatment of the Sinti and Roma are revealed through two examples
from the Hannover Regional Finance President: the deportation of Sinti from the district of Hildesheim in March 1943 to Auschwitz-Birkenau and of the haulage
contractor
Wilhelm Friedrich and his family from Hannover in February 1944, likewise to Auschwitz-Birkenau.
March 1943 deportation: the example Hildesheim
On 1 March 1943 a total of 57 Sinti from the district of Hildesheim were arrested by the criminal police, taken to the Hildesheim police prison and entered into police
records. [7] This action was implemented in accordance with Himmler's so-called Auschwitz decree of 16 December 1942, and the order from the Reich
Security Main Office (RSHA) of 29 January 1943, to deport the Sinti and Roma to Auschwitz "in families", with which the last and
genocidal phase of the NS Gypsy policy was
set in motion. [8] Among the victims in Hildesheim were many children and young persons: 33 children under 14 years of age and five under 18 years of age, i.e. two thirds
of
the deportees were under age. A group of six children and young people came from the Göttingen District Community Home where from 1942 on Sinti children in social welfare
care in the Hannover district were concentrated. The oldest person arrested was 71 years old; the youngest was a girl not yet two years old - neither survived to the
end of the year in Auschwitz. The day after their arrest the prisoners were taken by bus to Braunschweig, from where they were probably transported to Auschwitz by a
regular passenger train together with Sinti from other towns on route - in special passenger carriages with a group ticket - the group rate for 50 persons or more was
half the price of a third class ticket. [9] They were registered in the reception book of the "Gypsy Camp" in Auschwitz-Birkenau as having arrived on 6th March.
Bureaucratic Robbery
The bureaucratic robbery of those arrested began in Hildesheim, where in accordance with a decree [10] cash and securities were to be confiscated. The Hildesheim Sinti
did not possess any securities (Sinti elsewhere rarely possessed securities), but the plainclothes police nevertheless seized cash to the amount of 672.49 RM, a
comparatively large sum, of which however over a third (260.40 RM) came from the head of one of the two Hildesheim families alone. The rest was divided among 18
individuals in tiny amounts which included the money paid to the children in care at their dismissal from the community home. [11] This sum was later divided,
fastidiously according to owners and revenue offices, by the Criminal Police headquarters and transferred directly to the regional revenue
account.
As with the Jews, the Gestapo was responsible for the "initial securing" of the assets of the deported, [12] in this case the local Gestapo office in Hildesheim.
They induced the local authorities, the mayors of Hildesheim and Göttingen and the district administrators of Holzminden and Peine, to "temporarily" secure the assets. [13]
Legal Basis
The legal basis for the bureaucratic procedure was the "Law on the confiscation of assets of Enemies of the People and the State" from 14 July 1933, which was extended to
include the
Social Democrats by the "Law on the confiscation of Communist assets" from 26. May 1933. [14] This law was extended by a decree from the Reich Minister of Finance from 4
November 1941, in complete disregard of the facts, which was already being applied to the Jews, whose deportation to the east was already under way. [15] A little
later, on 25 November 1941, the 11th Regulation to the Reich Citizens Law was issued, which simplified the procedure, and was applied to the Jews soon to be deported to
Auschwitz and Theresienstadt, which formally belonged to the Reich. [16]
In regard to the Gypsies the legal situation was extended by two decrees from the Reich Minister of the Interior: in the first decree
from 14 November 1941, it was
subsequently decided that "on decision of the Supreme Command of the Wehrmacht" the "Gypsy and Gypsy half-breeds" who were deported to the General Government in May 1940
"were enemies of the state"; [17] in the second decree from 26 January 1943 the same was "determined" for those soon to be deported to Auschwitz - three days
before the Reich
Security Main Office in its priority letter specified those concerned. The formulation of these "determinations" - "that Gypsies interned in a concentration camp, in
accordance with the order of the Reichsführer SS from 16.12.1942, are enemies of the people and the state" - shows the absurdity of this legal construction.
[18]
Dispossession Procedure
The law from 1933 made the procedure of dispossession difficult because sequestration orders from government authorities - in Prussia these were the heads of
the provincial government - prescribed, that either those concerned were to be issued with a writ of summons or the action made public. Despite this legal position the
Hildesheim Gestapo first applied to the Hildesheim head of provincial government one month after the deportation with the request to arrange a collective sequestration
order. The reason they gave quoted the RSHA priority letter almost word for word, stating that it was not possible to obtain and issue the sequestration orders
prior to deportation, as was the case with the deportation of the Jews, because "under no circumstances were the measures to be made known to the Gypsies ... so as to
prevent prior flight". [19] In contrast to the German Jews the fear was that the Sinti would flee, and with good reason as is shown below.
As the sequestration order could not be issued after the action had been implemented only the second possibility remained: public proclamation. Initially this was done
by publication in the Deutschen Reichsanzeiger but, from September 1942 onward, a two-week public posting was sufficient. [20] The
Gestapo now proposed this quicker method.
In addition they requested that the collective sequestration orders be issued even before the two weeks had expired so that the accommodation of the deported Sinti
could be immediately cleared. The Hildesheim Gestapo clearly regarded the collective sequestration orders only as an annoying formality not to be strictly
adhered to. The head of the provincial government reacted coolly and correctly: only on 29 May were several copies of collective sequestration orders issued,
nearly
two months after publication in the Deutschen Reichsanzeiger on 10 May. [21] Sufficient time had been given. However, the choice of a more time-consuming procedure
appears to have been due to an unawareness of the legal situation. [22]
Only now could the Gestapo undertake further steps: on 16 June 1943 it requested the Hannover Regional Finance President, to precede with the "final utilisation" so the
assets
of the deportees, be sequestrated, sold, or auctioned to the benefit of the Reich. [23] The role of the Gestapo was thereby terminated. The Property Utilisation Office
of the Regional Finance President was now responsible for further procedures. They, in turn, assigned the responsible revenue offices in Göttingen, Hildesheim, Holzminden
and
Peine to take control of confiscated assets, and literally, "treat them like Jewish assets". [24] This usually meant that the assets were publicly auctioned on
behalf of the revenue office.
Asset Utilisation
The result of the asset utilisation of the Hildesheim Sinti has not survived. In general the proceeds from Sinti were never very substantial. The Hannover Regional Finance
President reports that the Braunschweig Sinti, who were deported at the same time as the Hildesheim Sinti, possessed "few moveable assets". [25] Regarding a group
of approximately 20 Sinti deported from Brauschweig at the end of March 1943 the Gestapo reported that they possessed nothing of any real value. [26] In Lüneburg the
auction of the property of two Sinti families brought the Lüneberg revenue office a total of 637.67 RM, whereby the main proceeds came from the sale of two musical
instruments,
a violin for 285 RM and a Bandoneon for 60 RM. [27] Subsequent incomes, whenever so minor, were fastidiously calculated. Thus in August 1943 the Braunschweig Gestapo
reported to the Regional Finance President that subsequently confiscated unpaid wages of 16 deported Sinti amounted to 238.98 RM. [28] The comparatively high amounts of
cash
that Sinti possessed - even the Braunschweig Sinti, who were described as possessing no assets, had 184.48 RM seized from them [29] - was due to the fact that as a rule
Sinti did not possess bank accounts.
Wealthy Sinti
However, there were a few quite wealthy Sinti, for example the Osnabrück showman Karl Weiß, who possessed two plots of land with a three and a five-family house
respectively. The Osnabrück criminal police estimated [30] his assets as having the value of 11,881 RM. However, this list also confirms the general findings: of the listed
54 Sinti, deported from Osnabrück, 44 were completely without assets (25 of these were however children); if one excludes Karl Weiß, each of the other nine Sinti had
assets, on
average, to the value of 130 RM, mostly being in furnishings.
The case of the haulage contractor Wilhelm Friedrich
Although the haulage contractor Wilhelm Friedrich was not as wealthy as Karl Weiß, he possessed a plot of land with house in the Hannover suburb of Stöcken. His case is
documented in more detail. On 18 February 1944 the criminal police set out to arrest Friedrich together with his large family - altogether 17 persons. The action was so
badly prepared and so carelessly implemented that five were able to flee. They were never arrested, although on 22 March the Gestapo maintained that their transfer to
Auschwitz would "soon follow". [31] The 12 arrested were deported to Auschwitz on 22 February 1944. On 22 March the Gestapo requested - as always, subsequently [32] - the
Hannover head of provincial government to post a collective sequestration order, not only for the deportees, but also for the five who has escaped. The Hannover
head of provincial government saw no contradiction: on 28 March he completed the desired injunction for those "transferred to Auschwitz concentration camp ("Gypsy Camp")
and also for those Gypsy-mongrels, currently on the run, shortly to be arrested" and posted it on the district Administrative Court's information board in the building
of the district government, between 31 March and 17 April 1944, officially public, in reality largely excluded from public view. [33]
On 20 April 1944 the Gestapo transferred Wilhelm Friedrich's assets, almost 6,500 RM, to the Regional Finance President. [34] The assets included four
horse drawn caravans
and
three horses with harness, which was "utilised" by the Regional Finance President, i.e. sold to a horse dealer for the sum of just over 2.000 RM. On the following day the
Property Utilisation Office transferred the remainder of the assets to the responsible revenue office for utilization and administration: [35] the house and property
brought
3,010 RM, the auction of the furniture 1,249.70 RM and there was 216.42 RM in cash.
Property Management in the name of the Reich
Even before the transfer, the Regional Finance President had allowed the transfer of the property to the German Reich and the cancellation of three mortgages in the name of
Wilhelm Friedrich's children. The district court dealt with this as a matter of routine after an inquiry had been satisfactorily answered regarding the legal effectiveness
of the
procedure of dispossession. [36] Ownership having been clarified, the Regional Finance President obligatorily informed the Province President. In accordance with Hitler's
decree
of 29 April 1941 partial or total assets, which were confiscated in the name of the Reich, could be transferred without recompense to
"public corporations",
if they could contribute to the fulfilment of their tasks. Following an implementation decree from 9 April 1942, in Prussia, the Province
Presidents were responsible for this decision; in addition, the respective Gauleiter had to be informed.
In the above case the Regional Finance President discharged this obligation on 11 August 1942, whereby at the same time communicating that he knew of no suitable buyer.
Clearly to protect himself, he also added a description of the house and property, stating that the building was in poor repair and the apartments squalid and
in bad need of renovation. [37] It therefore appeared that no government customer was interested. There were however two prospective private buyers who obviously smelt a
bargain. Both offers were rejected by the Regional Finance President with the argument that the sale of confiscated properties was closed until the end of the war, "so that
comrades at the front would have the possibility of acquiring such property". [38]
Unexpected Return
The Revenue Authorities did not reckon with the return of the former owners. But this occurred. Wilhelm Friedrich survived Auschwitz, returned to Hannover and in June 1945
settled back into his house with other survivors from his family, although the revenue office had sublet it in June 1944. Initially, he faithfully paid rent to the revenue
office for his own house. However, in November 1945 he refused to pay further, and the responsible revenue official - the same that had managed the property since 1944
- abided
by a memorandum that a compulsory levying of rent was foreseen "for understandable reasons". [39] Wilhelm Friedrich's repeated requests for the return of his property were
constantly rejected with reference to the opposing decision of the British military government. Nothing changed, until in May 1945 the administration of the
property was transferred from the Revenue Authority to the "Regional Office for the supervision of confiscated assets". [40]
"... to be treated like Jewish assets"?
Let us return to our initial question. The two examples above clearly demonstrate that the "same order" was used in the theft of Sinti and Roma assets by the Reich Revenue
Authorities as was by the Jews. Whereas the law of 1933 against "Enemies of the Reich" as applied to the deported Jews displays a high degree of arbitrariness, the
subsequent
application, in 1940, to the Sinti and Roma deported to Poland, and then later, at the beginning of 1943, to Auschwitz, borders on the
absurd.
The same decrees and methods were employed in the application of this "order" regarding the Jews and the Sinti and Roma. This is evident in documents where often such
formulations are used: the assets of
the Sinti are to be "treated like Jewish assets" [41] or "to be utilised in accordance with the regulations for the utilisation of Jewish assets". [42] It is no surprise
that the Hannover Revenue Office, to which the administration of Wilhelm Friedrich property was transferred, initially referred to it as "Jewish property". [43] Further
still: not only were the same orders applied, but often the same forms, and then long after the end of the war. [44]
However, although the laws and treatment of the Sinti and Roma by the Revenue Authorities were essentially identical to those applied to
the Jews, the documents of the Hannover Revenue Office nevertheless also show characteristic differences in the treatment of the Sinti
and Roma. The most noticeable difference was that the sequestration orders applied to the Sinti were generally requested and issued
subsequent to the action, and then usually as collective orders. The reason is obvious: in contrast to the socially conformist German
Jews, it was feared that the nonconformist Sinti and Roma would be more likely to flee deportation. It was also certain that there would
be even
less likelihood of objection, from either the authorities involved or the general public, regarding the Sinti and Roma than by the Jews.
Consequently, with the Sinti and Roma, the individual sequestration orders and writs of summons that were used to legitimate the theft
were
replaced by collective orders, which made the procedure a completely meaningless formality.
The second difference is closely connected with first as it concerns the Sinti and Roma who were able to flee despite all the
precautionary measures taken against this: their assets were nevertheless confiscated and without scruple utilised to the benefit of the
Reich, despite the fact that the Reich Security Main Office decree from 30 January 1943 did not legitimate this. These differences show that,
regarding the Sinti and Roma, the "same order" was still more forcefully applied in the alleged sense of national interest than with the
Jews. This can only be seen as a consequence of traditional anti-Gypsyism within German society and Gypsy policies and Gypsy legislation
in Germany traditionally in violation of civil rights.
Notes
[1] Romani Rose: "Für beide galt damals der gleiche Befehl". Eine Entgegnung auf Yehuda Bauers Thesen zum Genozid an den
europäischen Juden, Sinti und Roma, in: Bulletin für deutsche und internationale Politik 43 (1998), 467-472.
[2] Yehuda Bauer: "Es galt nicht der gleiche Befehl für beide". Eine Entgegnung auf Romani Roses Thesen zum Genozid an den
europäischen Juden, Sinti und Roma, in: Bulletin für deutsche und internationale Politik 43 (1998), 1380-1386.
[3] Zur NS-Zigeunerpolitik vgl. Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische "Lösung der Zigeunerfrage",
Hamburg 1996 und Guenter Lewy: The Nazi Persecution of the Gypsies, New York 2000 (deutsch: "Rückkehr nicht erwünscht".
Die Verfolgung der Zigeuner im Dritten Reich, München 2001).
[4] Vgl. dazu den sog. Zigeunergrunderlass Himmlers: Runderlass "Bekämpfung der Zigeunerplage", 8.12.1938, abgedruckt in:
Hans-Joachim Döring: Die Zigeuner imnationalsozialistischen Staat, Hamburg 1964, 197ff.
[5] Erlass-Sammlung "Vorbeugende Verbrechensbekämpfung" (Bibliothek des Bundesarchivs Berlin: RD 19/28-15), Schnellbrief des
Reichssicherheitshauptamts (RSHA) ('Festsetzungserlass'), 17.10.1939.
[6] Ausführungsanweisung des Reichskriminalpolizeiamts (RKPA), 1.3.1939, gedruckt bei Döring: Zigeuner, 201ff. Zu den
Kriminalpolizeileitstellen vgl. Patrick Wagner: Volksgemeinschaft ohne Verbrecher. Konzeptionen und Praxis der Kriminalpolizei in der
Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Hamburg 1996, 235ff.
[7] Die folgende Darstellung stützt sich im Wesentlichen auf folgende Akten: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover (NHStA),
Nds. 120 Hild., Acc.132/90, Nr. 208 und Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12 (Vorgang Nr. 1596). Außerdem wurde ein ausführliches Interview
mit der einzigen noch lebenden Zeitzeugin, Lily van Angeren, geführt.
[8] Der Erlass Himmlers ist bislang nicht aufgefunden worden, der Schnellbrief des RSHA ist abgedruckt bei Döring: Zigeuner,
214ff.
[9] Vgl. Zimmermann: Rassenutopie, 318 sowie den Schnellbrief vom 29.1.1943, VI 5 (Döring: Zigeuner, 217). Das erklärt, warum bei
diesem Gruppen mit knapp über 50 Personen deportiert wurden. Mit dem gleichen Zug wurden wohl auch 37 Juden von Hannover, vermutlich
auch Juden aus Braunschweig, nach Auschwitz deportiert. Vgl. Marlis Buchholz: Die hannoverschen Judenhäuser. Zur Situation der Juden
in der Zeit der Ghettoisierung und Verfolgung 1941 bis 1945, Hildesheim 1987, 232.
[10] Schnellbrief vom 29.1.1943, IV 7: Döring: Zigeuner, 217.
[11] Dies geht aus deren Fürsorgeakten hervor: NHStA, Hann. 154 Göttingen, Acc. 112/93, Nr. 1993, 3067, 3071, 3072, 3076 u. 3078.
[12] Erlass des RSHA, 30.1.1943: Döring: Zigeuner, 218. Zur Rolle der Gestapo vgl. Hans-Dieter Schmid: "Finanztod". Die
Zusammenarbeit von Gestapo und Finanzverwaltung bei der Ausplünderung der Juden in Deutschland, in: Gerhard Paul / Klaus-Michael Mallmann
(Hg.): Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. 'Heimatfront' und besetztes Europa, Darmstadt 2000, 141-154, hier 147f.
[13] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12, Gestapo-Außendienststelle Hildesheim an Oberfinanzpräsidenten (OFP) Hannover,
16.6.1943.
[14] Reichsgesetzblatt (RGBl.) 1933 I, 293 und 479f.
[15] Erlass des Reichsfinanzministers vom 4.11.1941, gedruckt bei Hans G. Adler: Der verwaltete Mensch. Studien zur Deportation der
Juden aud Deutschland, Tübingen 1974, 182f. und 506ff.
[16] Vgl. dazu Schmid: "Finanztod", 150f.
[17] Druck: Romani Rose (Hg.): Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, Heidelberg 1995, 97.
[18] Druck: Döring: Zigeuner, 219.
[19] NHStA, Nds. 120, Acc. 132/90, Nr. 208, Gestapo-Außendienststelle Hildesheim an Regierungspräsident Hildesheim, 8.4.1943; Döring:
Zigeuner, 217.
[20] Runderlass des Reichsministers des Inneren (RMdI), 21.9.1942: Ministerialblatt des Reichs- und Preußischen Ministers des Inneren
(MBliV) 1942, 1881.
[21] NHStA, Nds. 120, Acc. 132/90, Nr. 208, Regierungspräsident Hildesheim an Gestapo-Außendienststelle Hildesheim, 29.5.1943;
Deutscher Reichsanzeiger Nr. 10.5.1943.
[22] Das legt ein Aktenvermerk vom 20.4.1943 nahe. Den Text der Einziehungsverfügung hatte man erst am 6. Mai an den Reichsanzeiger
geschickt. NHStA, Nds. 120, Acc. 132/90, Nr. 208.
[23] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12, Gestapo-Außendienststelle Hildesheim an OFP Hannover, 16.6.1943.
[24] Ebd., Beschluss OFP Hannover, 22.6.1943.
[25] Die Formulierung legt nahe, dass bei dieser Einschätzung das Vermögen der deportierten Juden als Vergleichsmaßstab diente: "Das
geringe bewegliche Vermögen der abgeschobenen Zigeuner ist wie das bewegliche Vermögen der abgeschobenen Juden zu verwerten."
NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 14, OFP Hannover an Finanzamt (FA) Braunschweig-Stadt, 29.4.43.
[26] Staatspolizeistelle Braunschweig an OFP Hannover, 25.5.1943: Ebenda.
[27] NHStA, Nds. 225 Lüneburg, Acc. 2001/517, Nr. 157 und 161.
[28] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 14, Staatspolizeistelle Braunschweig an OFP Hannover, 27.8.1943 und 12.4.1944.
[29] Ebd., Staatspolizeistelle Braunschweig an OFP Hannover, 25.5.1943.
[30] Diese Liste ist abgedruckt in der Broschüre: Sinti in Osnabrück - Bürger dieser Stadt. Begleitbroschüre zur Ausstellung am 21.
Mai 1997 im Stadthaus, Osnabrück 1997, 26ff.
[31] NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, Gestapoleitstelle Hannover an Regierungspräsident Hannover, 22.3.1944.
Auszüge aus einem Interview mit einer der Untergetauchten sind gedruckt bei: Cornelia Maria Hein / Heike Krokowski: "Es war
menschenunmöglich". Sinti aus Niedersachsen erzählen - Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus und Diskriminierung bis heute,
Hannover 1995, 76ff.
[32] In Braunschweig, wo der zuständige Innenminister noch Einzelverfügungen ausstellte, wurden sie erst nach Bedarf, d.h. in dem
bereits erwähnten Fall erst ein Jahr nach der Deportation ausgestellt. Vgl. NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 14, Stapostelle
Braunschweig an OFP Hannover, 12.4.1944, und die beiden Verfügungen von 14. und 30.3.1944.
[33] Verfügung des Regierungspräsidenten Hannover, 28.3.1944, sowie NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287,
Regierungspräsident Hannover an OFP Hannover, 31.5.1944.
[34] Ebd., Gestapoleitstelle Hannover an OFP Hannover, 20.4.1944.
[35] Ebd., Pferdehandlung Schmedes an OFP Hannover, 4.5.1944 und OFP Hannover an FA Hannover-Waterlooplatz, 5.5.1944.
[36] Ebd., Amtsgericht Hannover an OFP Hannover, 16.5. und 20.6.1944, OFP Hannover an Amtsgericht Hannover, 7.6.1944.
[37] OFP Hannover an Oberpräsident Hannover, 11.8.1944: Ebenda. Der Hitlererlass "über die Verwertung des eingezogenen Vermögens von
Reichsfeinden" vom 29.5.1941:RGB1. 1941 I, 303; der Runderlass von RMdI und Reichsminister der Finanzen (RFM) vom 9.4.1942:
MBliV 1942, 687f.
[38] NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, OFP Hannover an Albert Gosewisch, 9.5.1944; sowie Heinrich Kölling an
Regierungspräsident, 12.6.1944 und Albert Gosewisch an Regierungspräsident, 26.2.1944.
[39] Ebd., Aktenvermerk 14.10.1945.
[40] Ebd., Friedrich an FA Hannover-Waterlooplatz, 30.5.1947, FA Hannover-Waterlooplatz an Friedrich, 8.9.1945, 6.6.1947 und
24.5.1949. Zwei seiner Pferde, die Schmedes sofort an verschiedene Landwirte weiterverkauft hatte, erhielt Friedrich dagegen
auf Anweisung des Oberpräsidenten 1945 zurück. Vgl. ebd., Aktenvermerk, 17.9.1945.
[41] NHStA, Hann. 210, Acc. 160/98, Nr. 12, Beschluss OFP Hannover, 22.6.1943.
[42] NHStA, Nds. 225 Hannover-Nord, Acc. 2001/517, Nr. 287, OFP Hannover an FA Hannover-Waterlooplatz, 5.5.1944.
[43] Vgl. ebd., Diverse Schreiben des FA Hannover-Waterlooplatz vom 18.5.1944.
[44] Dafür finden sich mehrere Beispiele aus den Jahren 1944 bis 1949 in der Akte Friedrich; noch in einem Dokument von 1949 wird das
Friedrichsche Grundstück als "ehem. Zigeunergrundstück" bezeichnet, eine Formulierung, deren Gegenstück "ehemaliges Judengrundstück"
sich auf verschiedenen Formularen der Finanzverwaltung findet.
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