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"Der Abtransport ging glatt vonstatten"Vor 70 Jahren wurden erstmals deutsche Sinti- und Roma-Familien in das besetzte Polen deportiert. Die so genannte Mai-Deportation wurde zum Modell einer bürokratisch organisierten, menschenverachtenden Prozedur. Zugleich war sie die Generalprobe zum Völkermord an unserer Minderheit. von Romani Rose
Die Deportation von etwa 2.500 Sinti und Roma ins besetzte Polen im Mai 1940 bildet einen Einschnitt in unserer Verfolgungsgeschichte im Nationalsozialismus, der sich tief in das kollektive Gedächtnis unserer Minderheit eingegraben hat. Zusammen mit der Deportation von ca. 1.000 Juden aus dem Raum Stettin im Februar 1940 handelt es sich bei der Deportation der Sinti und Roma im Mai um die erste Zwangsverschleppung von deutschem Boden aus in das so genannte "Generalgouvernement". Und zum ersten Mal wurden ganze Familien deportiert: kleine Kinder ebenso wie alte Menschen. Es gibt eine weitere Besonderheit. Vorbereitung und Ablauf der Mai-Deportation wurden von den beteiligten Beamten akribisch schriftlich und sogar fotografisch festgehalten. Diese Quellen ermöglichen eine genaue Rekonstruktion der damaligen Ereignisse. Darüber hinaus geben sie Aufschluss über das Handeln und die Motive der für dieses Verbrechen Verantwortlichen: von der Berliner Zentrale bis zu den ausführenden Stellen vor Ort. Die Deportation der Sinti- und Roma-Familien im Mai 1940 wird in den Täterdokumenten als eine bürokratische, arbeitsteilig organisierte Prozedur erkennbar, eine Art Modell für die späteren Massendeportationen in die Vernichtungsstätten im besetzten Polen. Es war der Auftakt eines Prozesses der Entmenschlichung, der wenige Jahre später in den Gaskammern von Auschwitz seinen furchtbaren Höhepunkt erreichen sollte. Bereits in seinem grundlegenden Erlass, den Himmler als "Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei" am 8. Dezember 1938 verabschiedete, ist explizit von der "endgültigen Lösung der Zigeunerfrage" als politischer Zielvorstellung die Rede. Eine Schlüsselrolle spielte dabei das in Berlin nach Kriegsbeginn eingerichtete "Reichssicherheitshauptamt": die eigentliche Zentrale des SS-Staates, welche die rassenpolitischen Utopien des Regimes in die Tat umsetzen sollte. Als die SS-Führung nach der Besetzung Polens begann, umfassende Pläne einer "völkischen Flurbereinigung" auszuarbeiten - verbunden mit der so genannten "Umsiedlung" und gewaltsamen Vertreibung Hunderttausender Menschen - , stand von Anfang an fest, dass alle deutschen Sinti und Roma gemeinsam mit den Juden in das neu ein-gerichtete "Generalgouvernement" deportiert werden sollten. Dies beschloss eine von Heydrich einberufene hochrangige Konferenz am 21. September 1939. Der Vorbereitung der geplanten Deportationen diente auch Himmlers so genannter Festsetzungserlass vom 17. Oktober 1939, wonach alle Sinti und Roma unter Androhung von KZ-Haft ihren Wohnsitz nicht mehr verlassen durften. In einer weiteren Konferenz der SS-Führung vom 30. Januar 1940 sowie in einer Rede Himmlers vor Gauleitern und anderen Parteifunktionären am 29. Februar 1940 wurde die Deportationsabsicht nochmals bekräftigt. Zwei Monate später, am 27. April 1940, ordnete Himmler per Schnellbrief an, dass "der erste Transport von Zigeunern nach dem Generalgouvernement" Mitte Mai in der Stärke von 2.500 Personen "in Marsch gesetzt" werde, und zwar in geschlossenen Familien. Als regionale Schwerpunkte wurden die "westlichen und nordwestlichen Grenzgebiete" festgelegt. Die dem Schnellbrief Himmlers beigefügten "Richtlinien" enthielten detaillierte Vorgaben für die Selektion der Opfer, ihre Festnahme und ihren Transport zu den Sammelplätzen bzw. Sammellagern, ihre dortige "Behandlung" sowie schließlich die "Durchführung des Abtransportes". So durften die Opfer nur eine bestimmte Menge Handgepäck mitnehmen, in erster Linie Kleidung, Wäsche und Decken. Als Bewachung waren "für jeden Transport ein Offizier und 25 uniformierte Beamte abzuordnen". Insgesamt umfassen die "Richtlinien" nahezu sieben Schreibmaschinenseiten. Dieses Dokument zeigt in aller Eindringlichkeit, dass sich die Deportation ganzer Familien aus Sicht der Täter als ein standardisierter bürokratischer, gleich-sam technokratischer Vorgang darstellte, der möglichst effizient und "störungsfrei" abzuwickeln war. Wolfgang Wippermann, der sich als einer der ersten Historiker mit der Mai-Deportation befasst und wichtige Quellen zugänglich gemacht hat, wies schon in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1986 darauf hin, dass die präzisen Vorgaben der Berliner Zentrale, die den Ablauf der Aktion bis in jedes Detail regelten, für moralische Skrupel der ausführen-den Beamten keinen Raum lassen sollten. Jede emotionale Brücke zu den Deportationsopfern wurde so von vornherein ausgeschlossen. Deutlich wird dies auch aus einem weiteren Schlüsseldokument der Mai-Deportation, dem Bericht der Kriminalpolizeistelle Darmstadt vom 27. Mai 1940, anhand dessen sich der Ab-lauf der Aktion von den vorbereitenden Maßnahmen über die Verhaftungen bis zum endgültigen Abtransport nachzeichnen lässt. Wie im Nordwesten und im Rheinland, den beiden anderen geografischen Schwerpunkten der Deportation, so war auch im Südwesten als Verhaftungstag der 16. Mai festgelegt worden. Lokale Dienststellen der Polizei hatten bereits Vorfeld entsprechende Namenslisten zusammengestellt. Laut Bericht begannen die Festnahmen in Mainz und in Ingelheim am 16. Mai in aller Frühe. Zunächst wurden die verhafteten Familien ins Mainzer Polizeigefängnis eingeliefert, ab 9 Uhr begann man mit dem "Verladen auf dem Mainzer Güterbahnhof". Im Bericht heißt es weiter: "Die Abfahrt ab Mainz folgte planmäßig um 10:49 Uhr." Um den Transport zum Sammellager Hohenasperg möglichst reibungslos zu organisieren, hatten im Vorfeld "Verhandlungen mit der Wagen- und Betriebsabteilung der Reichsbahndirektion Mainz" stattgefunden, die bereitwillig einen Sonderzug zur Verfügung stellte. Der Bericht vermerkt hierzu: "Der Sonderzug wurde in den Kriegsfahrplan eingereiht. Das Entgegenkommen der Reichsbahn muss lobend erwähnt werden." Der Sonderzug aus Mainz mit den zu deportierenden Familien traf am späten Nachmittag "fahrplanmäßig" in Asperg ein, nachdem auf dem Weg weitere Eisenbahnwagen mit verhafteten Sinti und Roma aus der Pfalz angehängt worden waren. Mit dabei war auch die damals sechsjährige Ottilie Reinhardt, die mit ihrer Familie in Ludwigshafen wohnte, wo ihr Vater einer Eisengießerei arbeitete. Sie kann sich deutlich an den Tag erinnern, an dem sie alle abgeholt wurden: "Unsere Mutter hat jedem von uns Kindern zwei Kleider angezogen, und sie packte Pakete und Koffer. Sie packte Bettbezüge ein und wieder aus, weil wir nur ganz wenig mitnehmen durften. Mit Lastwagen wurden wir zum Zug gebracht. Wir Kinder hatten schreckliche Angst, unsere Mutter sagte, wir müssten dicht beisammen bleiben. Niemand wusste, wohin wir kommen würden. Die Polizei hatte den Familien gesagt, dass wir Häuser und Felder und Vieh bekämen, deshalb bräuchten wir nichts mitzunehmen." Nach der Ankunft am Bahnhof Asperg mussten die Menschen einen etwa dreißigminütigen Fußmarsch in das oberhalb der Stadt gelegene ehemalige Zuchthaus Hohenasperg zurücklegen - bei einem "Straßengefälle" von dreißig Prozent, wie der Bericht penibel vermerkt. Dort hatte man ein provisorisches Sammellager eingerichtet. Ottilie Reinhardt: "Auf der Festung Hohenasperg war alles dunkel und feucht. Die Mauern waren aus rotem Sandstein. In den Pfützen sahen wir Mäuse und Ratten." Entsprechende Sammellager für die Transporte mit den Sinti- und Roma-Familien aus dem Rheinland bzw. aus Nordwestdeutschland gab es auch in den Kölner Messehallen und im Hamburger Hafen. In allen drei Sammellagern wurden die Menschen nochmals namentlich erfasst, so wie in den Richtlinien des Himmler-Erlasses vorgeschrieben: "Im Sammellager ist eine Hauptliste [...] in dreifacher Ausfertigung zusammenzustellen." Alle Deportationsopfer, die älter als vierzehn Jahre alt waren, wurden mit einer laufenden Nummer gekennzeichnet, die noch nicht wie später in Auschwitz eintätowiert, sondern "auf den linken Unterarm mittels Farbe anzubringen" war. Ebenso wurden die über 14-Jährigen fotografiert, jedem ab sechs Jahren wurden die Fingerabdrücke abgenommen. Alle persönlichen Papiere, ebenso Schmuck und Bargeld, wurden beschlagnahmt, stattdessen erhielten die Deportationsopfer einen Sonderausweis: eine Bescheinigung in brauner Farbe mit Lichtbild und der genannten Nummer. Trotz der minutiösen Vorbereitung - und obgleich eigens Josef Eichberger vom "Reichskriminalpolizeiamt" aus Berlin zur "Oberaufsicht" angereist war - sahen sich die Beamten im Sammellager Hohenasperg am Abend des 16. Mai vor ein unerwartetes Problem gestellt. Während einer Dienstbesprechung stellte sich nämlich heraus, "dass die von der Kripostelle Darmstadt eingelieferten Personen ohne das Vorliegen des rassebiologischen Untersuchungsergebnisses festgenommen worden waren". Eine solche "Rassendiagnose" als "Zigeuner" oder als "Zigeunermischling" war jedoch Voraussetzung, was das - nach 1945 lange geleugnete - rassenideologische Motiv der Mai-Deportation nachdrücklich unterstreicht. In dieser Situation wurde eilig "das Reichskriminalpolizeiamt Berlin durch dringendes Staatsgespräch verständigt, und um Entsendung eines Sachverständigen gebeten". In den frühen Morgenstunden des 18. Mai traf schließlich Dr. Würth in Asperg ein. Würth war Mitarbeiter der ebenfalls in Berlin angesiedelten "Rassenhygienischen Forschungsstelle", die in enger Kooperation mit dem SS-und Polizeiapparat die von Himmler Ende 1938 angeordnete systematische Erfassung aller im Deutschen Reich lebenden Sinti und Roma betrieb. Nach seiner gewissermaßen im Schnelldurchlauf durchgeführten rassenbiologischen "Begutachtung" wurden insgesamt 22 Personen als "Nicht-Zigeuner" eingestuft und von der Deportation ausgenommen. Nachdem die Deportationszüge aus den Sammellagern in Hamburg und Köln schon am 20. bzw. 21. Mai abgegangen waren, konnte, so der Bericht, die "Verladung" der Sinti- und Roma-Familien am Bahnhof Asperg aufgrund dieser Verzögerung erst am 22. Mai ab 10 Uhr erfolgen. Eines der Fotos, das die Täter von der Aktion aufgenommen haben, zeigt die Menschen, wie sie mit ihren Koffern und Gepäckstücken, von uniformierten Polizisten bewacht, durch die Straßen Aspergs zu den Deportationszügen geführt werden. In der Vergrößerung sieht man, dass die Menschen ihre besten Kleidungstücke tragen - viele Männer mit Anzug und Krawatte -, auch der hohe Anteil der Kinder ist deutlich erkennbar. Ebenso erschreckend ist indes die scheinbare Normalität und Alltäglichkeit dieses Vorgangs, der sich am hellen Tag vor aller Augen vollzog. Die Zuschauer am rechten Bildrand beobachten ohne erkennbare Regung den Zug der Menschen zum Bahnhof, wo die Waggons schon warten. Im Hintergrund sieht man die Festung Hohenasperg. Im Bericht der Kripostelle Darmstadt heißt es lapidar: "Der Abtransport ging glatt vonstatten".
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copyright © Bundesarchiv Die Beamten, die alles dafür getan hatten, dass der Deportationszug möglichst planmäßig abfahren konnte, verließen Asperg am folgenden Tag. Zusammenfassend heißt es in ihrem Bericht: "Die Behandlung der Zigeuner im Sammellager brachte viel Arbeit mit sich und wurde genau nach dem Erlass durchgeführt." Einem Kriminalinspektor namens Feik war das allerdings nicht genug. In einer gesonderten "Anlage 8" macht er konkrete Verbesserungsvorschläge, wie der Ablauf künftiger Deportationen noch zweckmäßiger zu organisieren sei. Sein Text trägt die Überschrift "Erfahrungen bei Umsiedlung von Zigeunern". Er empfiehlt darin: "Bei weiteren Evakuierungen vorher genaue Fahrpläne beschaffen." Weiterhin schlägt er vor, die für die Deportation erforderlichen Papiere rechtzeitig vorzubereiten, da es ausgeschlossen sei, die Menschen im Sammellager "innerhalb von 3 Tagen (wie ursprünglich im Erlass vorgesehen) ordnungsgemäß abzufertigen". Kriminalinspektor Feik endet mit den Worten: "Eine werdende Mutter ist besser zu transportieren und zu behandeln als eine stillende Mutter. Bei der Abschiebung befanden sich Kinder, die am 3. bzw. 5.5.1940 geboren wurden. Die Behandlung der Wöchnerinnen mit ihren Säuglingen im Lager und während dem Transport brachte viel Arbeit mit sich." Zum Leid der Opfer und ihrem weiteren Schicksal findet sich kein Wort. Wir erfahren nur, dass die Fahrt "mit Sonderzug über Nürnberg, Hof, Hirschberg, Görlitz, Camenz nach Jedrzejow" erfolgte. Die Frage, was mit den insgesamt 490 aus Asperg deportierten Menschen geschah, scheint keinen der Beamten beschäftigt zu haben. Was sich für die Vollzugsorgane von Himmlers Deportationsbefehl als "harte Arbeit" und möglichst effiziente Problemlösung darstellte, war für die Opfer eine traumatische Erfahrung, die sich in ihrer Tragweite kaum ermessen lässt. Sie wurden jählings aus ihren vertrauten Lebenszusammenhängen gerissen, wie Vieh mit Nummern versehen und am helllichten Tag durch die Straßen zu den Deportationszügen getrieben. Auch wenn die deutschen Sinti und Roma seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten einem schrittweise erfolgenden Prozess der Entrechtung und Ausgrenzung ausgesetzt worden waren - bis hin zur Gettoisierung in KZ-ähnlichen Lagern, die zahlreiche Städte ab Mitte der Dreißiger Jahre einrichteten: mit den Deportationen im Mai 1940 vollzog sich der totale und endgültige Ausschluss aus der deutschen Gesellschaft. Von den Verhaftungen völlig überrascht, mussten die Menschen die wenigen Habseligkeiten zusammenraffen, die sie mitnehmen durften. Sie verloren gleichsam über Nacht nicht nur Familienangehörige und Freunde, sondern auch fast ihr gesamtes Hab und Gut. Der Bericht von Olanda Guttenberger, die mit sechs Jahren aus Karlsruhe verschleppt wurde, lässt erahnen, wie tief sich die dramatischen Ereignisse in die Erinnerung eingebrannt haben: "Ich war gerade zwei Monate in der Schule, als wir abgeholt wurden. In Nacht war's - ich weiß, dass da ein furchtbarer Krach war und plötzlich waren so uniformierte Polizisten in unserer Wohnung. Meine Mutter hat uns dann aus dem Bett geholt, ein großes Leintuch auf dem Boden ausgebreitet und gesagt, wir sollten unsere Kleider da reinschmeißen. Und ich habe eine Puppe gehabt, die hatte ich im Bett immer dabei, und von der wollte ich mich nicht trennen... Wir waren vier kleine Kinder. Ich, mit sechs, ich war die Älteste. Und mein Bruder, der Jüngste, der war gerade drei Monate alt, ein Säugling, als wir fortmussten. Das war eine gedrückte Stimmung, aber irgendwie auch laut, hektisch, mit Geschrei und Krach. Deshalb haben wir Kinder dann auch geweint, irgendwie war das alles so ... plötzlich ... und die Alten haben vielleicht schon was geahnt." Ebenso schmerzlich war der Verlust der Heimat: Mit der Einziehung der deutschen Papiere wurden Menschen, deren Familien seit Jahrhunderten in Deutschland verwurzelt waren, de facto zu Staatenlosen gemacht. Im "Generalgouvernement" erhielten die Deportierten später eine so genannte Kennkarte, auf der der Großbuchstabe "Z" aufgedruckt war. Dass die Überlebenden nach dem Krieg oftmals Jahrzehnte um die Anerkennung ihrer deutschen Staatsbürgerschaft kämpfen mussten, zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Nachkriegszeit. Die Menschen, die eng gedrängt in den Deportationszügen saßen, quälte nicht nur das Bewusstsein ihres Ausgestoßenseins, zugleich waren sie von existenzieller Angst erfüllt angesichts des ungewissen Schicksals, das sie in Polen erwartete. Dies galt in besonderem Maße für die Kinder, die all das, was so unvermittelt über sie hereingebrochen war, überhaupt nicht begreifen konnten. Michael Böhmer, der mit zehn Jahren aus Koblenz deportiert wurde, erinnert sich: "Kranke, alte und junge Menschen, keine Bewegungsmöglichkeiten - unter diesen unmenschlichen Bedingungen begann meine persönliche Verfolgungsgeschichte. Die Zugfahrt dauerte drei oder vier Tage, ich kann es nicht mehr genau sagen. Was es aber bedeutet, mit 80 Personen in einem Waggon, über mehrere Tage hinweg, eingesperrt zu sein, habe ich am eigenen Leib erfahren." Zur Geschichte der Mai-Deportation gehören schließlich auch das Schweigen und das Wegsehen der Nachbarn, Freunde oder Arbeitskollegen. Weder die Verhaftungen noch der Abtransport der Menschen fanden im Verborgenen statt. Wie Zeitzeugen berichten, wurden Kinder sogar während des Schulunterrichts abgeholt. Der Kreis der Mitwisser war demnach viel größer als der der beteiligten Polizeibeamten. Er umfasste zahlreiche Hilfskräfte aus den städtischen Behörden, bis hin zu Krankenschwestern. In Köln etwa riegelten bewaffnete Polizei- und Wehrmachtseinheiten bei den Verhaftungen ganze Straßenzüge ab. Hilfskräfte inventarisierten den Hausrat der Deportierten; an-schließend wurden die Wohnungen verplombt. In Mainz erschienen bereits wenige Tage nach der Deportation Zeitungsannoncen mit freien Zimmern und Wohnungen - mit den vor-maligen Adressen der verschleppten Mainzer Sinti. Für die meisten der deportierten Männer, Frauen und Kinder war es eine Fahrt in den Tod. Nach ihrer Ankunft im "Generalgouvernement" wurden die Sinti- und Roma-Familien in zahllosen Arbeitslagern eingepfercht. Ab Sommer 1940 erfolgte ihre Einweisung in jüdische Gettos, wie in Radom, Siedlce oder Warschau. Dort zwang man sie, farbig gekennzeichnete Armbinden mit dem Buchstaben "Z" zu tragen. Selbst Kinder und alte Menschen mussten bis zur völligen Erschöpfung beim Straßenbau, in Steinbrüchen oder in Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit leisten. Hunger und Krankheiten bzw. Seuchen, Kälte und Misshandlungen bestimmten den Alltag. Überlebende berichten, sie hätten Brennnesseln und Gras gegessen, um zu überleben. Hören wir stellvertretend Christine Winterstein, die siebenjährig aus ihrer Geburtsstadt Mainz verschleppt worden war: "Im Lager in Siedlce mussten wir schwer arbeiten. Die Männer mussten auf dem Güterbahnhof Kohle verladen, schwere Arbeit. Wir haben im Lager zwischen den Toten gelegen. Jeden Tag sind die Leiterwagen gekommen, und die Toten wurden abgeholt, nackt, so sind sie hinter den Zaun in die Massengräber gefahren worden. Ein-fach in die Grube sind sie geworfen worden. Verhungert sind sie, erschlagen worden sind sie. Die SS kam oft mit Pferden angeritten, und von oben haben sie runtergeschlagen mit ihren Knüppeln. Ich habe meine Geschwister verloren im Lager. Meine Schwester, meine Großeltern, viele Onkel, Neffen, Cousinen sind im Lager geblieben. Bis zur Befreiung sind wir im Lager geblieben. Wenn die Russen nicht gekommen wären, hätten wir nicht überlebt."
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Die beiden Sinti-Mädchen waren im Mai 1940 mit ihren Eltern Heinrich und Amilie Birkenfelder und ihrem Bruder Max in ihrem Wohnort Ludwigshafen verhaftet und über Asperg in das besetzte Polen deportiert worden. Dort kam ein viertes Kind zur Welt, das aufgrund der unmenschlichen Bedingungen bald ums Leben kam. Einigen wenigen Deportierten gelang es zu fliehen und im besetzten Polen unter ständiger Lebensgefahr im Verborgenen zu leben. Andere versuchten sich nach Deutschland durchzuschlagen, doch die meisten von ihnen wurden auf der Flucht verhaftet und in andere Konzentrationslager gebracht. Vor allem ab 1942 fielen sowohl die nach Polen deportierten deutschen Sinti als auch die einheimischen Roma den Exekutionskommandos der SS, Polizei und Wehrmacht zum Opfer, oder sie wurden in die Vernichtungslager Treblinka und Auschwitz-Birkenau verschleppt. Der Historiker Wolfgang Benz wertet die erste Deportation deutscher Sinti- und Roma-Familien ins besetzte Polen im Mai 1940 zu Recht als "eine Art Generalprobe zum Völkermord". Und in seiner Studie zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik kommt Peter Longerich, ebenfalls ein führender Holocaust-Forscher, zu dem Schluss: "Was das Regime ab 1941 unternahm, war nichts anderes als die Konkretisierung und Realisierung der bereits 1939 anvisierten Vernichtung." Bis Kriegsende fielen im nationalsozialistisch besetzten Europa 500.000 Sinti und Roma dem Völkermord zum Opfer. Bis heute ist die Deportation der Sinti und Roma vom Mai 1940 und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Holocaust kaum im historischen Bewusstsein der Bundesrepublik präsent. Dabei war die Mai-Deportation in vielerlei Hinsicht ein Muster bzw. ein Vorbild für die späteren Massendeportationen aus dem Deutschen Reich nach Auschwitz und andere Vernichtungslager. Dies gilt vor allem mit Blick auf die akribische Planung und Vorbereitung, für das Zusammenspiel zentraler und lokaler Instanzen. Die spezifische Verbindung von staatlich-bürokratischer Organisation, Rassenwahn und Barbarei, die in Auschwitz perfektioniert werden sollte, ist bereits in wesentlichen Grundzügen erkennbar. Für die Überlebenden bleiben jene Ereignisse vor siebzig Jahren zentrale Bezugspunkte ihrer Erinnerung an eine jahrelange Odyssee durch die nationalsozialistischen Konzentrationslager und Gettos. Es war der Beginn einer Leidensgeschichte, die für die meisten der deportierten Menschen mit dem qualvollen Tod endete. Siebzig Jahre danach eröffnet sich die Chance, die Deportation vom Mai 1940 in das kollektive Gedächtnis unseres Landes aufzunehmen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Copyright © Documentation and Cultural Centre German Sinti und Roma English translation copyright © Struan Robertson
"The Deportation Transport went like Clockwork".Seventy years ago Sinti and Roma were deported from Germany to occupied Poland. The so-called May deportation became the model for a bureaucratically organised, inhuman procedure. At the same time it was the dress rehearsal for the genocide of the Sinti and Roma. author: Romani Rose
The deportation of approximately 2,500 Sinti and Roma in May 1940 to occupied Poland was a turning point in the National Socialist persecution of the Sinti and Roma, which is deeply entrenched in the collective memory of this minority. Together with the deportation of around 1,000 Jews from the Stettin area in February 1940 the deportation of Sinti and Roma in May 1940 was the first forced deportation from Germany to the so-called 'General Government' in occupied Poland. And for the first time whole families were deported including young children and elderly people. It was also distinctive in that the preparation and execution of the May deportation was carefully recorded in writing and with photographs by the officials involved. These primary sources make possible an exact reconstruction of the events at that time. In addition they give information about the acts and motives of those responsible for this crime: from the Reich Security Main Office (RSHA) to the local police stations. These documents of the perpetrators show how the deportation of the Sinti and Roma families in May 1940 was a specialised, bureaucratic procedure, a model for the later mass deportations to the death camps in occupied Poland. It was the prelude of a process of dehumanisation which reached its zenith a few years later in the gas chambers of Auschwitz-Birkenau. Heinrich Himmler, as 'Reichsführer-SS and Chief of the German Police', had explicitly identified the 'Final Solution of the Gypsy Question' as the political goal of his 8 December 1938 decree. The 'Reich Security Main Office (RSHA)', established in Berlin after the start of the war, played a key role in the Nazi racial state; this institution was the core of the SS state, empowered to implement the Nazi racist ideology. When, after the occupation of Poland, the SS leadership began to prepare comprehensive plans for a 'völkischen Flurbereinigung' ('general purification policy') - implemented by so called 'resettlement', i.e. the forcible displacement of hundreds of thousands of people -, it was obvious from the outset that all German Sinti and Roma, together with the Jews, were to be deported to the 'General Government'. This was decided, on 21 September 1939, in one of Reinhard Heydrich's selected high-ranking conferences. The preparation of the planned deportations were also smoothed by Himmler's so-called basic decree from 17 October 1939 whereby all Sinti and Roma were forbidden to leave their place of residence under threat of concentration camp imprisonment. In a further SS leadership conference from 30 January 1940 as well as in a speech of Himmler's to the Gau leaders and other party officials on 29 February 1940 the intention to deport was affirmed again. Two months later, on 27 April 1940, Himmler ordered, by priority letter, "the first deportation transport of Gypsies to the General Government". In mid May 2,500 persons, as extended families, were to be "set marching". People were to be deported from the "western and north-western border areas" of Germany. Himmler's attached "rules of procedure" contained specifications for the selection of the victims, their arrest, and their transport to internment areas or internment camps, their "processing" there, as well as finally the "implementation of the evacuation". The victims were only allowed to take a certain amount of luggage, primarily clothes, underwear and blankets. "For each transport an officer and 25 uniformed policemen were officials to be assigned" as guards. The "rules of procedure" covered almost seven typewritten pages. This document shows in its resoluteness that the perpetrators were to regard the deportation of entire families as standardised bureaucratic, technocratic procedure, which was to be carried out "as efficiently and as smoothly as possible". Wolfgang Wippermann, one of the first historians to deal with the May deportation and to reveal important sources showed, in a publication from 1986, how the precise instructions from the Reich Security Main Office (RSHA), which regulated the procedure in every detail, excluded any possibility for moral scruples by the police officers involved. From the very beginning all emotional sympathy with the deportation victims was precluded. This is confirmed by the report of the Darmstadt Police headquarters from 27 May 1940, a further key document relating to the May deportation, which describes the entire procedure from the preparatory measures, over the arrests, to the final deportation. In all three specified areas of deportation, western (Rhineland), north-western, and south-western, the 16 May was specified as arrest day. Local police stations had compiled lists of names beforehand. The arrests in Mainz and in Ingelheim began very early in the morning of the 16 May. The arrested families were first taken to the Mainz police prison and at 9 o'clock "the loading at the Mainz goods station" began. "The departure from Mainz went according to plan at 10:49 hrs." In order to organize the transport to the Hohenasperg internment camp as smoothly as possible "negotiations with the Reich Railway in Mainz" had taken place and a special train had been made available. "The special train was incorporated into the war timetable. The obligingness of the Reich Railroad must be praised." The special train from Mainz with the deported families arrived "as scheduled" in Asperg in the late afternoon after additional carriages of Sinti and Roma from the Pfalz had been attached. The six-year-old Ottilie Reinhardt, who lived with her family in Ludwigshafen, where her father worked in an iron foundry, was among them. She clearly remembers the day they were arrested: "Our mother dressed each of us children in two pairs of clothes, and she packed packages and suitcases. She packed and unpacked bedding because we were only allowed to take a small amount of belongings with us. Lorries took us to the train. We children were terribly afraid; our mother told us to remain close together. Nobody knew our destination. The police had informed people that we would get houses, fields and cattle and therefore it was not necessary to take much with us." After arriving at Asperg station the people had to make a half-hour journey on foot to the Hohenasperg prison situated above the city - with a 30% grade as the report fastidiously records. Here a provisional internment camp had been established. Ottilie Reinhardt: "The former Hohenasperg fortress was dark and damp. The walls were red sandstone. In the puddles we saw mice and rats." The internment camp for the deportation of Sinti and Roma families from the Rhineland was the Cologne exhibition halls and for those from Nortwest Germany the fruit warehouse C, in Magdeburg Harbour in the port of Hamburg. In all three internment camps the people were once again registered by name, as prescribed in the guidelines of the Himmler decree: "A list of all names is to be compiled in the internment camp [...] in three copies." All deportation victims older than fourteen were labelled with a serial number, not tattooed, as was later the case in Auschwitz-Birkenau, but "written in colour on the lower left arm". Everyone above the age of fourteen was photographed; everyone over the age of six was fingerprinted. All personal documents, jewellery and cash were confiscated, instead the deportation victims received a special document of identification, in brown, with photo and the number registered on the lower left arm. Despite the meticulous preparations - and although Josef Eichberger of the "Reich Criminal Police Headquarters" had especially travelled from Berlin to "supervise" - on the evening of 16 May the officials in the Hohenasperg internment camp were confronted with an unexpected problem. A meeting discovered, "that the Darmstadt Criminal Police office had delivered people without the necessary result of the "race-biological examination". However, such a "race diagnosis" as "Gypsy" or as "Gypsy half breed" was a requirement for deportation, which affirms the race-ideological motive of the May deportation - denied for so long after 1945. In this situation they urgenty requested "the highest level of the Reich Criminal Police Headquarters in Berlin to send an expert". As a result Dr. Adolf Würth arrived in Asperg in the early hours of the morning of 18 May. Würth was an employee of the, likewise in Berlin established, "Race-Hygiene Research Centre", which worked in close co-operation with the SS and police apparatus in the systematic registration of all Sinti and Roma living in the German Reich ordered by Himmler at the end of 1938. After his hurridly conducted race-biological "assessments" altogether 22 persons were classified as "not Gypsy" and exempted from the deportation. The deportation trains from Hamburg and Cologne left on the 20th and 21st May respectively whereas the "loading" of the Sinti and Roma families at the Asperg station took place at 10 o'clock on the 22 May due to this delay. A photograph taken by one of those involved in the action shows people with their suitcases and baggage, guarded by uniformed police, being conducted through the streets of Asperg to the deportation train. An enlargement shows that people are wearing their best clothes - many men with suit and tie -, and the large number of children. The apparent normality and commonplaceness of this event, which was carried out in broad daylight for all to see, is likewise appalling. The photograph shows the spectators on the right indifferently observing the long column of people being escorted to the station where the carriages await them. The Hohenasperg fortress is visible in the background. The Darmstadt Criminal Police report states tersely: "The evacuation went like clockwork".
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copyright © Bundesarchiv The officials, who had done everything to see that the deportation train could leave according to schedule, left Asperg the following day. Their report states: "The treatment of the Gypsies in the internment camp caused a lot of work and was carried out exactly according to the decree." However, this was not sufficient for Criminal Police inspector Feik who made suggestions for concrete improvements for a more effective organisation of future deportations in a separate "appendix 8". His text carries the heading "Experience gained during resettlement of Gypsies". He recommends: "To provide more precise timetables." He further suggests a timely preparation of the documents necessary for the deportation as it was impossible for officials to "properly process the people in the internment camp within the 3 days (as planned in the decree)". Criminal Police inspector Feik concludes: "An expectant mother is easier to transport and deal with than a nursing mother. There were children deported who were born on 3rd and 5th May 1940. The treatment of the women in childbed with their babies in the internment camp and during transport caused much work." There was no mention of the suffering of the victims or of their fate. We are only informed that the journey took place "with a special train via Nuremberg, Hof, Hirschberg, Görlitz, Camenz to Jedrzejow". The officials showed no interest in what happened to the altogether 490 individuals deported from Asperg. What was described by the officials that carried out Himmler's deportation order as "hard work" and as efficient solutions to problems of implementation was an extremely traumatic experience for the victims. Without any warning they were torn from their familiar cultural environment, labelled with numbers like cattle, and driven through the streets to the deportation trains in broad daylight. Even when, following the coming to power of the National Socialists, German Sinti and Roma had been exposed to a gradual process of disenfranchisement and marginalisation - up to ghettoisation in camps similar to concentration camps, established in numerous towns, in the mid nineteen-thirties: the deportations in May 1940 saw their total and final exclusion from German society. Completely surprised by the arrests, people had to quickly throw together the few belongings they were allowed to take with them. They not only lost, as it were over night, relatives and friends but also practically their entire belongings. Olanda Guttenberger's recollection of being deported from Karlsruhe at the age of six gives us some idea of how these terrible events became indelible in the memory: "I had only been at school for two months when we were arrested. It was in the night - there was a terrible rumpus and sudden there were uniformed policemen in our apartment. My mother got us children out of bed, spread a large sheet on the floor and told us to throw our clothes in it. I had a doll that I always had with me in bed from which I did not want to be parted … We were four small children. I, six-years-old, was the oldest. My three-month-old baby brother was the youngest. The atmosphere was oppressive but at the same time loud, hectic with shouting and noise. This made us children crie, somehow it was so … sudden … and perhaps the adults already had forebodings." The loss of homeland was just as painful: families established for centuries in Germany were de fact made stateless with the confiscation of their personal documents. Later in the "General Government" the deportees received a so-called identity card imprinted with the capital letter "Z" ("Gypsy"). The fact that aftzer the war survivors often had to fight for decades for the acknowledgment of their German nationality ranks among the darkest chapters of the post-war period. The people crowded together in the deportation trains were not only tormented by their banishment but also full of existential fear regarding the unknown fate that awaited them in Poland. This was especially true of the children who could not comprehend what had so suddenly happened to them. Michael Böhmer, deported from Koblenz at the age of ten, remembers: "Ill, old and young people, no possibility of movement - my personal history of persecution began under these inhuman conditions. The train journey lasted three or four days, I can no longer exactly remember. However, I learnt the hard way what it means to be locked in a carriage with 80 people over several days." Finally, the remaining silent and looking the other way of neighbours, friends and workmates is part of the history of the May deportation. Neither the arrests nor the deportation of the people took place in secret. Contemporary witnesses report that children were even fetched from school. The circle of the accessaries was therefore far larger than simply that of the police officers involved. Numerous local authority employees, including nurses were involved. In Cologne armed police and army units sealed off entire streets during the arrests. Others made an inventory of the furniture of the deportees; the apartments were subsequently sealed up. In Mainz, only a few days after the deportation, newspaper advertisements for rooms and apartments to rent appeared - with the former addresses of the deported Mainz Sinti. For the majority of the deported men, women and children the May deportation was a journey of death. After their arrival in the "General Government" the Sinti and Roma families were constrained in countless labour camps. From the summer of 1940 they began to be confined in Jewish ghettos such as Radom, Siedlce and Warsaw. Here they were forced to wear coloured armbands marked with the letter "Z" ("Gypsy"). Even children and elderly people had to work until total exhaustion in road construction, in quarries or in armament industries as forced labour. Hunger, disease, epidemics, cold and maltreatment defined everyday life. Survivors report that they ate stinging nettles and grass in order to survive. Christine Winterstein, deported from Mainz at the age of seven, reports: "We were forced to do hard labour in the camp in Siedlce. The men had to load coal at the goods station, heavy work. In the camp we lay between the dead. Each day the handcart came round to pick up the naked bodies of the dead and took them to the mass graves on the other side of the fence. They were simply thrown into a pit. Starved or slain. The SS often arrived on horseback and clubbed people down from above. My brothers and sisters died in the camp. My sister, my grandparents, many uncles, nephews, cousins died in the camp. We remained in the camp until we were liberated. If the Russians had not come we would all have died."
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In May 1940 the two Sinti girls were, together with their parents Heinrich and Amilie Birkenfelder and brother Max, arrested in their hometown of Ludwigshafen and, via Asperg, deported to occupied Poland. There a fourth child was born that soon died due to the inhuman conditions. A few deportees succeeded in fleeing and remaining alive in occupied Poland constantly in fear of their lives. Other attempted to make their way back to Germany but most were rearrested and imprisoned in other concentration camps. From 1942 onward both German Sinti, deported to Poland, and native Roma, fell victim to the execution squads of the SS, police and armed forces or were transported to the extermination camps of Treblinka and Auschwitz-Birkenau. The historian Wolfgang Benz rightfully regards the first deportation of German Sinti and Roma families to occupied Poland in May 1940 as "a dress rehearsal for the later genocide". Likewise Peter Longerich, an early Holocaust researcher, in his study to the National Socialist politics of extermination, concluded: "What the Nazi regime undertook from 1941 onward was simply the concretisation and realization of their 1939 extermination policy." By the end of the war 500,000 Sinti and Roma had fallen victim to the Nazi genocide in occupied Europe. Until today the deportation of the Sinti and Roma in May 1940 and its significance in the evolution of the Holocaust is hardly present in the historical consciousness of the German Federal Republic. The May deportation was in various regards a model and dress rehearsal for the later mass deportations from the German Reich to Auschwitz-Birkenau and other extermination camps. This is particularly so in regard to the meticulous planning and preparation and the co-operation between Berlin and local authorities. The specific alliance of state bureaucracy, racist ideology and inhumanity, which was later perfected in Auschwitz, is already substantially recognisable. After seventy years these events remain in the memory of the survivors as an odyssey through National Socialist concentration camps and ghettos. The May deportation was the beginning of an odyssey of suffering which in most cases ended with a painful death. The seventieth anniversary of the May deportation presents the opportunity for it to become part of the collective memory of our country and thereby to give the victims and their families the feeling that justice has been done to them.
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