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Die Täter - Friedrich Theodor Ofterdinger
Friedrich Theodor Ofterdinger, 16.05.1896 - 09.06.1946 Friedrich Ofterdinger schloss sich früh den Nationalsozialisten in Hamburg an, für die er bereits vor 1933 propagandistisch und organisatorisch tätig war. Als Gesundheitssenator bestimmte er von 1933 bis 1945 ununterbrochen Hamburgs Gesundheitspolitik. Friedrich Ofterdinger wurde als Sohn des Sanitätsrates Dr. med. Guido Ofterdinger und dessen Ehefrau Anna Ofterdinger, Tochter des langjährigen Leiter der psychiatrischen Krankenanstalt Friedrichsberg, Dr. Wilhelm Reye, in Rellingen/Kreis Pinneberg geboren. Er besuchte das Reform-Realgymnasium in Altona, das er 1914 noch vor Erlangungen des Reifezeugnisses als Kriegsfreiwillige verließ. Von 1914 bis 1918 nahm er am an Ersten Weltkrieg teil, wurde 1915 zum Offizier befördert und erhielt mehrere Auszeichnungen. Im Januar 1919 als Leutnant der Reserve aus dem Heer entlassen, holte er das Abitur nach und nahm 1920 das Medizinstudium in Kiel auf, das er 1921 in Hamburg fortsetze und 1924/25 mit Staatsemamen und Promotion abschloss. Seit 1924 absolviert er ein medizinisches Praktikum am Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf, bis er sich 1926 als praktischer Arzt in Groß-Borstel niederließ. Politisch engagierte sich Ofterdinger nach dem Ersten Weltkrieg kurzfristig im Freiwilligenbataillon Bahrenfeld und rückte bald zum Führer der 1. Kompanie auf. Die Organisation bestand zum größten teil aus jungen ehemaligen Offizieren, die eine konservativ-nationalistische Gesinnung verband und die ihre Aufgabe im gemeinsamen "Kampf gegen den inneren bolschewistischen Feind" sahen. Erst nach seiner Niederlassung und der Gründung einer Familie engagierte sich Ofterdinger erneut politisch und schloss sich am 1. September 1929 der NSDAP an. Im Januar 1931 übernahm er die Leitung der NSDAP-Ortsgruppe Groß-Borstel, im Januar 1933 wurde er Leiter des NSDAP-Kreises VI. Bereits 1930 hatte Ofterdinger zu den Gründungsmitgliedern des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes in Hamburg gezählt, dem er bis zuletzt als stellvertretender Gauobmann angehörte. Nach der Septemberwahl 1931 zog er für die NSDAP in die Hamburgische Bürgerschaft ein, in der er auch nach der Aprilwahl 1932 verblieb. Bei der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten am 8. März 1933 wurde Ofterdinger zum Senator der Hochschulbehörde gewählt, ehe er am 18. Mai durch den Reichsstatthalter Karl Kaufmann mit der Leitung der Gesundheitsbehörde betraut wurde. Allerdings scheid er zum 1. Oktober 1933 wieder aus de Landesregierung aus und führte, unter Beibehaltung des Senatorentitels, als Präsident die neu geschaffene Mittelbehörde "Gesundheits- und Fürsorgebehörde". Das Amt eines Gau-Inspekteurs, in das er am 1. Juni 1933 berufen worden war, tauschte er im April 1934 mit dem des Gauamtsleiters der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, das er im Oktober des gleichen Jahres jedoch wieder abgab. Organisation und Verwaltung waren Ofterdingers Sache nicht. Unsicher im Verhalten und voller Misstrauen gegenüber der Bürokratie, verließ er sich lieber auf den Rat ihm ergebener alter Nationalsozialistischer Mitstreiter. Auch wusste er das volle Vertrauen Karl Kaufmanns hinter sich. So bestimmte Ofterdinger als Leiter der Gesundheitsverwaltung über alle organisatorische Veränderungen hinweg Hamburgs Gesundheitspolitik bis Mai 1945: von Oktober 1933 bis September 1936 als Präsident der Gesundheits- und Fürsorgebehörde, ab Oktober 1936 als Präsident allein der Gesundheitsbehörde, seit dem 1. April 1938 als hauptamtlicher Beigeordneter für die Gesundheitsverwaltung. Zudem berief ihn Kaufmann am 15. Januar 1942 zum Bevollmächtigten des Reichsverteidigungskommissars für den Wehrkreis X zur Bekämpfung des Fleckfiebers sowie unmittelbar nach der Bombardierung Hamburgs im August 1943 zum Generalkommissar für das Gesundheitswesen, dem alle gesundheitlichen Verwaltungen, sowohl kommunale als staatliche, unterstellt wurden. Während des Krieges übernahm Ofterdinger darüber hinaus zeitweilig noch die Geschäfte eines Beigeordneten für die gemeindliche Schulverwaltung und zusätzlich die Leitung der staatlichen Schul- und Hochschulabteilung. Die Hansische Universität ehrte ihn dafür am 10. Mai 1944 mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Beide Aufgaben gab Ofterdinger im Februar 1944 auf eigenen Wunsch wieder ab. Ofterdinger war entschiedener Parteigänger der nationalsozialistischen Gesundheits- und Rassenhygienepolitik. Er trat energisch für die Zwangssterilisationspolitik ein, in deren Durchführung seit 1934 mindestens 16 000 Hamburger in den Krankenhäusern der Stadt zwangsterilisiert wurden. Unter seiner Ägide wurden in einem neu eingerichteten Gesundheitspassarchiv seit 1934 die erbbiologischen und gesundheitsrelevanten Daten von über einer Million Hamburgern zusammengetragen. Er ließ 1934/35 den so genannten Friedrichsberg-Plan ausarbeiten und durchführen, wonach die dortige psychiatrische Staatskrankenanstalt aufgelöst und die meisten psychisch Kranken in die bloße Verwahrung abgeschoben wurden. Gleichzeitig betrieb er dem Aufbau einer modernen psychiatrischen Universitätsklinik, die sich ausschließlich um "therapiewürdige" Patienten bemühen sollte. Seit Spätsommer 1940 in vollen Umfang informiert, setzte er die nationalsozialistische "Euthanasie"-Politik, den Mord an Behinderten und Kranken, durch: Über 60 Kinder starben in den so genannten Kinderfachabteilungen von Langenhorn und Rothenburgesort, von den über 4 000 aus Hamburg deportierten psychisch kranken und siechen Patienten wurden fast 2 700 in Zwischen- oder Tötungsanstalten umgebracht. Ofterdinger wurde am 20. Juni 1945 auf Anordnung der Britischen Militärregierung aus seinem Amt entfernt. Er verstarb am 9. Juni 1946 an den Folgen eines Hungerödems im Internierungslager Neumünster-Gadeland, ohne dass ein offizielles Verfahren gegen ihn eröffnet worden war.
English translation copyright © Struan Robertson
The Perpetrators - Friedrich Theodor Ofterdinger
Friedrich Theodor Ofterdinger, 16.05.1896 - 09.06.1946 Friedrich Ofterdinger joined the National Socialists in Hamburg early in their history and was actively engaged in propaganda and organization before they came to power in 1933. As Senator for Health he was responsible for Hamburg public health policy between 1933 and 1945. Friedrich Ofterdinger was born in the Rellingen district of Pinneberg as the son of the Sanitätsrat Dr. med. Guido Ofterdinger and his wife Anna Ofterdinger, daughter of Dr. Wilhelm Reye, long-standing director of the Friedrichtsberg psychiatric hospital. He attended the Reform-Gymnasium in Altona, which he left in 1914, as a war volunteer, before acquiring his school-leaving certificate. He fought in the First World War from 1914 to 1918, was promoted to officer in 1915 and received several decorations. He was discharged in January 1919, as a second lieutenant in the Reserves, gained his school-leaving certificate and started studying medicine in Kiel, which in 1921 he continued in Hamburg. In 1924/25 he acquired his doctorate. In 1924 he began his practical medical training at the Eppendorf General Hospital before becoming a practitioner in Groß-Borstel in 1926. After the First World War Ofterdinger became politically active in the Bahrenfeld volunteer battalion and quickly became commander of the 1st company. This organization consisted mostly of young former officers of conservative-nationalist convictions who saw their common task as the "fight against the Bolshevik enemy within". After settling down and establishing a family Ofterdinger again became politically active and, on 1 September 1929, joined the NSDAP. In January 1931 he took over the leadership of the NSDAP Groß-Borstel chapter; in January 1933 he became leader of the NSDAP district VI. As early as1930 Ofterdinger was one of the initial members of the National Socialist German Physician's Federation in Hamburg and ultimately became vice chairman. After the 1931 September election he entered the Hamburg state parliament as a NSDAP member, which he retained in the 1932 April election. When the National Socialists came to power on 8 March 1933 Ofterdinger was elected Senator for Higher Education, before, on 18 May, Reichsstatthalter Karl Kaufmann entrusted with as head of the Health Authority. However, on 1 October 1933 he withdrew from the state government and, while maintaining his title of Senator, became president of the newly created "Health and Welfare Authority". In April 1934 he exchanged the office of Gau inspector, to which he had been appointed on 1 June 1933, for that of Gauamtsleiter of the National Socialist People's Welfare, which however he ceded in October of the same year. Organization and administration were not Ofterdinger's strong points. Insecure and distrustful of bureaucracy, he relied on the advice of old, devoted National Socialist comrades-in-arms. He knew he had the complete confidence of Karl Kaufmann. And so, as head of Health Administration, Ofterdinger made all decisions regarding Hamburg's health policy until May 1945: from October 1933 until September 1936 as President of the Health and Welfare Authority, from October 1936 as President of the Health Authority alone, and, from 1 April 1938, as full-time councillor for Health administration. In addition, on 15 January 1942, Kaufmann appointed him representative to the Reich Defence Commissar for military district X for combating typhus fever and, immediately after this, following the bombing of Hamburg in August 1943, additionally to General Commissar for health matters, whereby all health administrations, both local and state, were subordinated to him. During the war Ofterdinger additionally, temporarily took over the business of Beigeordneter for municipal school administration and, additionally, as head of the state department for schools and higher education. On 10 May 1944 the Hansische University honoured him with honorary membership. In February 1994 Ofterdinger ceded both positions at his own request. Ofterdinger was a convinced advocate of National Socialist health and eugenics policy. He administered the forced sterilisation policy, in the execution of which, from 1934 onward, at least 16,000 Hamburg citizens were forcefully sterilised in Hamburg's hospitals. In 1934 he authorised the establishment of a Health Certificate Archive, where hereditary-biological and health-relevant data from over a million Hamburg citizens was compiled. In 1934/35 he ordered the devising and implementation of the so-called Friedrichsberg Plan, whereby psychiatric hospitals were dissolved and most psychiatric patients merely held without treatment. At the same time he initiated the established a modern university psychiatric hospital, exclusively for the care of patients "worthy of therapy". From late summer 1940 onward, fully aware of what this entailed, he implemented the National Socialist "Euthanasia" Program, the murder of handicapped and ill patients. Over 60 children died in the so-called children's wards in Langenhorn psychiatric hospital and Rothenburgsort children's hospital. Of the more than 4,000 psychiatric patients, handicapped and debilitated patients almost 2,700 were murdered in institutions of killing. On 20 June 1945 the British military government removed Ofterdinger from office. He died on 9 June 1946 in the Neumünster-Gadeland internment camp as a consequence of hunger oedema (famine dropsy) before any legal proceedings had been opened against him.
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