Der Plan ein Sammellager für Sinti und Roma in Hamburg vor ihrer Deportation einzurichten


Besprechung
am 20.10.1939 beim Reichsstatthalter.

Anwesend:    
  Reichsstatthalter Kaufmann
  Bürgermeister Krogmann
  Stadtbaurat Schluckebier
  Stadtrat Präsident Martini
  Kreisleiter Brandt
  Obersenatsrat Bornemann
  Stadtamtmann Bäumer
  Oberregierungsrat Bierkamp

Die Richtung des Lagers Oejendorf ist besprochen. Über den Stand der Arbeiten ist Bericht erstattet.

Kreisleiter Brandt hält des Gelände in Oejendorf für ungeeignet und bittet darum, ein Gelände auszusuchen, das nicht in seinem Kreisgebiet liegt.

Oberregierungsrat Bierkamp vom Polizeipräsidium weist darauf hin, dass gestern ein Schnellbrief des SS-Sicherheitsamts eingegangen sei, wonach sich die gesamten Zigeuner am 25., 26. und 27.10.1939 in ganz Deutschland bei den Polizeistellen zu melden haben.
Diese Meldungen müssen an Berlin weitergegeben werden, und Berlin entscheidet dann, welche Zigeuner in Vorbeugungshaft genommen werde müssen. Gleichzeitig ist der Polizei auferlegt, ein Sammellager umgehend zu errichten, wo die Zigeuner zusammengeschlossen werden sollen, und zwar für eine gewisse Übergangszeit. Wie lange diese Übergangszeit dauert, war der Polizei nicht bekannt. Sie nimmt allerdings an, dass wohl sämtliche Zigeuner nach Osten abtransportiert werden sollen.

Dieser Berliner Erlass hat die Sachlage völlig verändert. Es besteht Übereinstimmung darüber, dass nunmehr der Polizeipräsident federführend ist und auch die Kosten des von der Polizei zu errichtenden Sammellagers zu tragen hat. Im Erlass allerdings wird über die Kostenfrage nichts erwähnt.

Der Reichsstatthalter hat angeordnet, dass die Arbeiten in Oejendorf nicht zu Ende geführt werden sollen, sondern gestoppt werden müssen. Anschließend wurde noch das ehemalige Torfstreuwerk hinter Ochsenzoll besichtigt, um festzustellen, ob dieses für die Unterbringung der Zigeuner als Lager geeignet sei. Im allgemeinen kann gesagt werden, dass wohl diese Fabrik für eine derartige Unterbringung geeignet ist. Eine anschließende Besichtigung von Glasmoor - beide Besichtigungen erfolgten in Gegenwart des Reichsstatthalters und Bürgermeisters - ergab, dass Glasmoor wohl nicht als geeignet angesehen werden kann.

Der Reichsstatthalter gab zum Schluss der Besprechung Oberregierungsrat Bierkamp als Vertreter der Polizei das Ersuchen, zu prüfen, wie viele Zigeuner insgesamt in der Torfstreufabrik untergebracht werden können und welche Baracken gegebenenfalls dort noch aufgestellt werden müssten. Für die Sozialverwaltung ist erklärt worden, dass ein Teil der Baracken von der Arbeitsfürsorge gegen entsprechende Vergütung durch den Polizeipräsidenten zur Verfügung gestellt werden können. Die Gesamtzahl der unterzubringenden Zigeuner wird sich deshalb erhöhen, weil die Zigeuner aus dem gesamten Kriminalleitbezirk zusammengefasst werden müssen.


Plan für ein zentrales "Zigeunerlager" in Hamburg-Billstedt, 1939


English translation copyright © Struan Robertson

The Plan to establish a Collection Camp in Hamburg for Sinti and Roma prior to their Deportation


Meeting
with the Reichsstatthalter on 20.10.1939.

Present:    
  Reichsstatthalter Kaufmann
  Bürgermeister Krogmann
  Stadtbaurat Schluckebier
  Stadtrat Präsident Martini
  Kreisleiter Brandt
  Obersenatsrat Bornemann
  Stadtamtmann Bäumer
  Oberregierungsrat Bierkamp

The establishment of the proposed Oejendorf collection camp was discussed. A report was given concerning the progress of work.

Kreisleiter Brandt considers the site in Oejendorf unsuitable and requests the selection of a site that does not lie in his district.

Oberregierungsrat Bierkamp from police headquarters pointed out that yesterday he received a priority letter from the SS Security Office according to which all Gypsies throughout Germany must register with the police on 25th, 26th and 27.10.1939. These registrations must be passed on to Berlin, and Berlin will decide which Gypsies are to be taken into "preventive custody". At the same time the police are instructed to establish a collection camp where the Gypsies are to be collected together for a transition period. The police are not informed of the duration of this transition period. However, they assume that all Gypsies are to be deported eastward.

This Berlin decree has completly changed the state of affairs. It is now agreed that the chief of the police is responsible and that the police must carry the costs of the establishment of the collection camp. However, the question of costs is not mentioned in the Erlass.

Reichsstatthalter Kaufmann has ordered that the work in Oejendorf is not to proceed, but is to be stopped. The former peat litter works north of Ochsenzoll has been surveyed for its suitability as a camp to accommodate the Gypsies. In general this factory is suzitable for such accommodation. A survey of Glasmoor - both inspections took place in the presence of the Reichsstatthalter and Mayor - concluded that Glasmoor was unsuitable.

At the end of the meeting Reichsstatthalter Kaufmann requested Oberregierungsrat Bierkamp, as police representative, to determine how many Gypsies could be accommodated in the peat litter works and how many barracks would be additionally necessary. The social administration was informed that some barracks could be made available to them through the chief of the police with the appropriate payment. The total number of Gypsies to be accommodated will increase because Gypsies must be rounded up from all Criminal Police districts.


Plan for a "Gypsy internment camp" in Hamburg-Billstedt, 1939