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Die Täter - Gerhard Kreyenberg
Gerhard Kreyenberg, 30.06.1899 - 15.10.1996 Psychiater, Leitender Arzt und Stellvertretender Direktor der Alsterdorfer Anstalten. Gerhard Kreyenberg wurde in Hamburg als Sohn eines Rektors geboren. Er besuchte das Realgymnasium des Johanneums und nahm nach dem Notabitur 1917 bis Dezember 1919 am Ersten Weltkrieg teil. Sein Medizinstudium in Tübingen, München und Hamburg schloss er 1923 in Hamburg mit dem Staatsexamen ab. Er absolvierte sein praktisches Ausbildungsjahr am Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf und wurde Ende 1924 approbiert. Im Jaguar 1925 schloss er seine Promotion bei dem Psychiater und Rassenhygieniker Wilhelm Weygandt in Hamburg mit einer Arbeit über "Körperkonstitution und manisch-depressives Irresein" ab. Im Februar 1925übernahm Kreyenberg eine Landpraxis in der Nähe von Osnabrück, wechselte dann im Oktober 1926 auf eine Stella als Assistenzarzt an die evangelische Behindertenanstalt Bethel. Schließlich übernahm er die gleiche Funktion am 2. Januar 1928 in den Alsterdorfer Anstalten in Hamburg. In Alsterdorf machte Kreyenberg schnell Karriere: Im April 1931 wurde er Leitender Oberarzt, 1936 Mitglied des Vorstandes der Anstalten und im Februar 1938 Stellvertreter des Direktors. Durch seiner Lehrer Wilhelm Weygandt geprägt und dem Zeitgeist verpflichtet, verfolgte er zwei Zielsetzungen in seiner ärztlichen Tätigkeit. Zum einen galt es, die Ursachen von Schwachsinn zu erforschen, um ihn dann heilen oder wenigstens mindern zu können. Darum baute er in Alsterdorf ein Labor für mikroskopische Reihenuntersuchungen der Pfleglinge auf und versuchte durch eine Röntgentherapie des Gehirns die Patienten zu behandeln. Er musste später eingestehen, dass diese Therapien wenig erfolgreich waren. Darüber hinaus verfolgte Kreyenberg mit Leidenschaft ein weiteres Ziel. Da in der damaligen medizinischen Fachwelt die Meinung vorherrschte, Schwachsinn sei vererblich, suchte er diese Theorie durch die Analyse und Auswertung von so genannten Sippentafeln "belasteter" Familien zu untermauern, die 1941 bereits Daten von über 3000 behinderten Menschen umfassten. Folgerichtig unterstützte er das 1933 erlassene "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" und wurde einer seiner eifrigsten Verfechter. Kreyenbergs ethische Überzeugungen und seiner medizinisch-fachliche Ausrichtung fanden ihre Entsprechung in der nationalsozialistischen Ideologie. 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und der SA, in der er den Rang eines Sanitäts-Sturmführers erlangte. 1934 stieg er zum Gaustellenleiter des Rassenhygienischen Amtes der NSDAP auf. Darüber hinaus übernahm er Leitungsaufgaben in national-sozialistisch ausgerichteten gesellschaftlichen Institutionen: 1933 übernahm er - selbst Vater von sieben Kindern - die Landesleitung des "Reichsbundes Deutsche Familie" 1944 wurde er zum Vorsitzenden des "Verbandes der freien, gemeinnützigen Kranken- und Pflegeanstalten in Hamburg" gewählt. Vor unterschiedlichen Auditorien in Hamburg und außerhalb der Stadt sowie bei Führungen in Alsterdorf und in Veröffentlichungen warb er für seine therapeutischen und rassenhygienischen Ansätze. Als Gutachter, Obergutachter und ab 1935 als Beisitzer des Erbgesundheitsgerichts in Hamburg setzte er mit anderen die Zwangssterilisierung nicht nur von so genannten "Schwachsinnigen", sondern sehr bald auch von anderen Personengruppen wie Landstreichern, Bettlern, "Zigeunern", Prostituierten, Homosexuellen und Hilfsschülern durch. In den Alsterdorfer Anstalten wurden bereits bis Ende 1935 154 von insgesamt 1480 Pfleglingen sterilisiert. In der Phase der Vernichtung so genannten "unwerten Lebens" war Kreyenberg an der Deportation von Pfleglingen der Alsterdorfer Anstalten beteiligt, indem er die als Grundlage für die Aktion dienenden "Meldebögen über auszusondernde Pfleglinge" zum Teil selbst ausfüllte und als verantwortlicher Mediziner durch seine Unterschrift autorisierte. Von den 469 im Jahr 1943 aus Alsterdorf Deportierten wurden 393 ermordet. Der nach Kriegsende getätigten Aussage Kreyenbergs, er habe damals nichts über das Ziel der Verlegung Behinderter gewusst, stehen anders lautende Zeugenaussagen und Fakten gegenüber, die diese Erklärung unglaubwürdig erscheinen lassen. In der Anstalt und such in der Ärztekammer galt er als überzeugter Nationalsozialist, der darauf achtete, dass alles "linientreu" ablief. Andererseits berichteten Zeitzeugen, Kreyenberg habe auch jüdische Patienten behandelt und beispielsweise dafür gesorgt, dass einem Patienten durch einen verlängerten Krankenhausaufenthalt der Kriegsdienst erspart worden sei. Nach Kriegsende löste Kreyenberg sein Arbeitsverhältnis in den Alsterdorfer Anstalten im August 1945 auf und verzichtete gleichzeitig auf seiner Vorstandssitz, nachdem die britische Militärregierung ihm die Ausübung seines Berufes untersagt hatte. Im Entnazifizierungsverfahren wurde ihm 1945 zunächst eine weitere ärztliche Tätigkeit verboten. Im von ihm angestrengten Widerspruchsverfahren, bei dem er u.a. Zeugenaussagen beibrachte, die ihm medizinische Behandlung und Unterstützung von Juden sowie Kritik am NS-System, insbesondere die Ablehnung der Euthanasie-Maßnahmen, bescheinigten, konnte er 1948 eine Rücknahme des Berufsverbots erreichen und eröffnete 1952 im Stadtteil Alsterdorf eine Arztpraxis. Jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen mit den Alsterdorfer Anstalten über eine Wiedereinstellung bzw. eine Abfindung endeten1952 u.a. damit, dass Kreyenberg im Krankenhaus der Anstalt acht Belegbetten zugestanden wurden, die er bis 1966 nutzte. Nach der für ihn erfolgreichen Entnazifizierung war er fast zwei Jahrzehnte als vom Gericht herangezogener Gutachter in Wiedergutmachungsverfahren wegen erlittener Zwangssterilisation tätig, also in Verfahren, die er selbst in der NS-Zeit zu verantworten matte. 1968 eröffnete die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen ihn und den ehemaligen Direktor Friedrich Lensch aufgrund von Zeugenaussagen ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Mord. 1972, wurde das Verfahren vom Landgericht mangels Beweisen eingestellt, obwohl der Tatverdacht erheblich war.
English translation copyright © Struan Robertson
The Perpetrators - Gerhard Kreyenberg
Gerhard Kreyenberg, 30.06.1899 - 15.10.1996 Psychiatrist, chief consultant and deputy director of the Alsterdorf Institutions. Gerhard Kreyenberg was born in Hamburg as a son of a rector. He attended the Johanneum Realgymnasium and, after acquiring his emergency school qualifications to enter university, fought in the First World War from 1917 until December 1919. He then studied medicine in Tübingen, Munich and Hamburg taking his final examinations in Hamburg in 1923. He completed his year of practical training at the Eppendorf General Hospital and was awarded his licence to practice medicine at the end of 1924. In January 1925 he acquired a PhD in Hamburg under the psychiatrist and eugenicist Wilhelm Weygandt with a thesis entitled, "Physique and manic depression". In February 1925 Kreyenberg took over a rural medical practice near Osnabrück, then in October 1926 took up an appointment as assistant doctor at the Bethel Mental Hospital. Finally, on 2 January 1928, he transferred, as assistant doctor, to the Alsterdorf Institutions in Hamburg. Kreyenberg's career took off at Alsterdorf: In April 1931 he became assistant medical director, in 1936 member of the Institutions' executive committee and in February 1938 its deputy director. Molded by his mentor Wilhelm Weygandt and committed to the zeitgeist he pursued two medical objectives. On the one hand, he sought the causes of imbecility in order to cure it or at least reduce its effects. For this purpose he established a laboratory for the microscopic mass screening of the Alsterdorf patients and applied radiotherapy to the brain as treatment. He had to admit later that these therapies were unsuccessful. On the other hand, in accordance with current opinion in the medical world that imbecility was inheritable, he sought to substantiate this theory by the analysis and evaluation of so-called kinship charts of "afflicted" families, which by 1941 contained the data of over 3,000 handicapped people. Consequently he as one of most fervent advocates the 1933 "Law for the Prevention of Genetically Diseased Offspring". Kreyenbergs ethical convictions and medical specialisation corresponded with National Socialist ideology. In 1933 he joined the NSDAP and the SA, in which he attained the rank Medic Sturmführer. In 1934 he was promoted to Gau leader of the Central Advisory Office on Questions of Racial Policy of the NSDAP. In addition he assumed administrative responsibilities for National Socialist aligned social institutions: In 1933 he - as father of seven children - assumed regional leadership of the "Reich's Union of Large Families" (RDK) whose goal became the preservation and promotion of the German hereditarily healthy Aryan family; in 1944 he became chairman of the "Federation of Independent, Charitable Institutions for the Mentally Ill and Handicapped in Hamburg". In lectures in and outside Hamburg, tours of Alsterdorf and in publications he promoted his therapy and methods of racial hygiene. As consultant, then leading consultant and from 1935 as assessor for the Hereditary Health Court in Hamburg he implemented forced sterilisation not only of so-called "mentally-deficient" but also other groups such as vagrants, beggars, "Gypsies ", prostitutes, homosexuals and mentally and physically handicapped school pupils. By the end of 1934, of the 1,480 patients in the Alsterdorfer institutions 154 had been sterilised. In the phase of extermination of so-called "life unworthy of life" Kreyenberg was involved in the deportation of Alsterdorf Institution patients by personally filling out or, as physician in charge, signing the "registration forms serving as basis for the removal of patients". Of the 469 patients deported from Alsterdorf in 1943 393 was murdered. Kreyenberg's assertion after the war that he was unaware of the goal of the transfers is improbable especially in regard of witnesses' testimonies and other evidence. In both the Alsterdorf Institutions and the Medical Association he was regarded as a staunch National Socialist who made certain that everything ran "in accordance with party principles". On the other hand, witnesses report that Kreyenberg also treated Jewish patients and by prolonged hospitalization had spared a patient from war service. After the war, in August 1945, Kreyenberg gave up his position at the Alsterdorf Institutions and relinquished his membership of the executive committee, after the British military government had banned him from practicing as a doctor. His denazification process in 1945 forbade him to pursue his profession. His sued opposition proceedings, with testimonies certifying his medical treatment of and assistance to Jews, as well as his criticism of the Nazi regime, in particular his rejection of the euthanasia program, resulted, in 1948, in the revocation of the professional ban reach and in 1952 he established a medical in the Alsterdorf district of Hamburg. Litigation, over years, with Alsterdorf Institutions concerning reappointment or compensation ended in 1952 with Kreyenberg being granted eight private beds in the institutions' hospital which he made use of until 1966. Following his successful denazification, he acted, over almost two decades, as court appointed consultant in compensation procedures concerning compensation for forced sterilisation, that is, in cases he was responsible for during the Nazi period. In 1968, as a response to witnesses' testimonies, the Hamburg public prosecutor's office instigated preliminary proceedings against him and the former Alsterdorf director, Friedrich Lensch, on the grounds of accessory to the murder. In 1972, the Hamburg regional court abandoned the case for lack of evidence. He died in Hamburg on 15 October 1996.
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