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Sinti und Roma in Deutschland.


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Weltweit gibt es nach grober Schätzung gegenwärtig zwischen acht und zwölf Millionen Sinti und Roma [1], die meisten von ihnen leben in Europa, besonders in den osteuropäischen Ländern und in Spanien. In Deutschland leben heute etwa 80 000 bis 120 000 Sinti und Roma; viele Roma kamen als Flüchtlinge aufgrund des Krieges im Kosovo 1998 nach Deutschland. Das Verbindende beider miteinander verwandter Bevölkerungsgruppen ist die gemeinsame Herkunft. Als Bezeichnung für die gesamte Minderheit, der noch weitere Teilgruppen angehören, hat sich international die Bezeichnung "Roma" durchgesetzt, in Deutschland spricht man von Sinti und Roma, weil Sinti in diesem Land seit Jahrhunderten ansässig sind und einen großen Teil der gesamten Gruppe bilden. "Zigeuner" ist eine Fremdbezeichnung durch die Mehrheitsbevölkerung, die von der Minderheit selbst als diskriminierend abgelehnt wird. [2] Vor allem in Deutschland und Österreich, wo Sinti und Roma als "Zigeuner" von den Nationalsozialisten stigmatisiert und verfolgt wurden, wünscht die überwiegende Mehrheit nicht mehr unter dieser Bezeichnung angesprochen zu werden. "Zigeuner" ist für sie ein mit Verfolgung und Gewalt verbundenes Schimpfwort. Der Begriff transportiert Klischees und negative Stereotypen, seine Anwendung auf die Minderheit der Sinti und Roma ist deshalb im Kern rassistisch. [3]

Die gesellschaftspolitische Anerkennung als eine der vier deutschen Minderheiten gründet sich wie bei den anderen drei deutschen Minderheiten, den Sorben, den Friesen und den Dänen, auf die eigene identitätsstiftende Sprache. Das Romanes ist die Sprache der Sinti und Roma, die in den verschiedenen Heimatländern durch die mehrheitlich gesprochene Landessprache jeweils eigene Färbungen angenommen hat. Die meisten Sinti und Roma wachsen zweisprachig auf. Sie verwenden in ihren Familien als erste Muttersprache das Romanes neben der jeweiligen Landessprache. Durch sprachwissenschaftliche Untersuchungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnten Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen zwischen dem Romanes und der altindogermanischen Hochsprache Sanskrit aufgezeigt werden. Noch genauere Übereinstimmungen gibt es zwischen dem Romanes und Dialekten im Nordwesten Indiens, dem heutigen Pakistan. Seit mehr als 800 Jahren hat sich das Romanes unabhängig von den indischen Sprachen entwickelt, ohne die Wurzeln des Sanskrit gänzlich verloren zu haben.

Aufgrund dieser sprachwissenschaftlichen Befunde geht man davon aus, dass die Sinti und Roma ursprünglich im Nordwesten Indiens gelebt haben und die Region etwa um das Jahr 1000 nach Chr. verlassen mussten. Auch wenn die genauen Gründe für die ursprüngliche Migration der Roma nicht dokumentiert sind, ist davon auszugehen, dass kriegerische Ereignisse, Vertreibung und Verfolgung oder auch wirtschaftliche Not die Menschen veranlasst haben auszuwandern. In einem Zeitraum von ca. fünf Jahrhunderten führte die Wanderung schließlich von Asien über den Nahen Osten, Kleinasien, Griechenland, die Türkei und den Balkan nach Europa. Einflüsse von Kontaktsprachen auf das Romanes lassen dies vermuten, da Lehnwörter aus dem Persischen, Armenischen, Griechischen und Slawischen im Wortschatz der Sprache zu finden sind. Die Roma, die in Spanien leben, sind vermutlich über Nordafrika ins Land gekommen.

Seit über 600 Jahren leben Sinti und Roma in Europa. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden sie in fast allen europäischen Ländern urkundlich erwähnt; in Deutschland erstmals in der Bischofsstadt Hildesheim im Jahre 1407. Das Leben in unterschiedlichen Regionen in Europa hat im Laufe von Jahrhunderten dazu geführt, dass sich kulturelle Besonderheiten zu eigenen Identitäten entwickelt haben. Insofern unterscheidet man zwischen Sinti, die in West- und Mitteleuropa beheimatet sind und Roma, die vornehmlich in Osteuropa leben. Durch die politischen Veränderungen in Osteuropa sind Roma inzwischen in ganz Europa ansässig. Es gibt weitere Gruppen, die innerhalb der Minderheit der Roma ihre Eigenständigkeit betonen. Entgegen klassischer Vorurteile bilden Sinti und Roma also keine homogene Einheit, sondern ihre Lebensstile sind ebenso vielfältig wie die der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Die Vorstellung, eine ethnisch einheitliche Gruppe sei aus ihrer "Urheimat" aufgebrochen, auf der Wanderung über Jahrhunderte ein homogener Verband geblieben und habe sich am Ende ihrer Wanderung woanders neu angesiedelt, ist ahistorisch. Ebenso wenig wie den verschiedenen Volksgruppen, die an der europäischen Völkerwanderung zwischen Spätantike und dem Frühmittelalter beteiligt waren, ein "angeborener Wandertrieb" unterstellt werden kann, trifft ein solches biologistisches Vorurteil auf die Roma zu.

Im Unterschied zur immer noch weit verbreiteten Meinung leben die meisten Roma in Europa, vor allem in Osteuropa und Spanien sowie auch in Deutschland, seit vielen Generationen an einem Ort. Waren es vor der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung noch einige Familien, die aus Gründen der Erwerbstätigkeit zeitweilig in der vertrauten Region unterwegs waren, so wird der Wohnort heute nur noch selten aus diesen Gründen verlassen.

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Bis in die Gegenwart ist diese Minderheit immer wieder von Vertreibung und sogar Verfolgung betroffen. Mit Akzeptanz oder gar Wohlwollen begegnete man den nach Europa eingewanderten Sinti und Roma nur wenige Jahrzehnte. Im 15. Jahrhundert wurden die Einwanderer in Osteuropa, Südeuropa, schließlich in Westeuropa und in Deutschland von Königen und Landesfürsten zunächst mit interessierter Neugier aufgenommen. Sie erhielten Bürgerrechte, so etwa um die Mitte des Jahrhunderts in Frankfurt, ebenso wurden sie auch in anderen europäischen Ländern rechtlich gleichgestellt. Die jeweils Herrschenden bestätigten die Rechte in so genannten Schutzbriefen. Gesellschaftliche Umbrüche gegen Ende des 15. Jahrhunderts waren dann aber der Auslöser für die zunehmende Unterdrückung und Verfolgung der Sinti und Roma. Die Zünfte sahen in den Eingewanderten eine Konkurrenz und untersagten ihnen die Ausübung von Handwerksberufen. Mit dem Verbot erwerbstätig zu sein, entzog man ihnen die Lebensgrundlage. Aus vielen Gebieten wurden sie vertrieben. Maßgeblichen Anteil an der Diskriminierung und Verfolgung hatte die katholische Kirche in den verschiedenen europäischen Ländern. Wenngleich die Sinti und Roma bis heute der jeweiligen Religion der Mehrheitsgesellschaft angehören und sich vermutlich bald nach ihrer Ankunft der vorherrschenden Religion angeschlossen hatten, so wurden sie dennoch als Heiden oder sogar als Verbündete des Teufels stigmatisiert und verfolgt. Wie die Juden, so wurden auch die Sinti und Roma in der Folge immer wieder zu Sündenböcken für alle möglichen Missstände gemacht. Eine solche Stigmatisierung von Minderheiten in Zeiten gesellschaftlichen Wandels lässt sich bis in die Gegenwart feststellen.

Mit Beginn des 16. Jahrhunderts treten in allen europäischen Ländern Erlasse und Gesetze in Kraft, die auf die Vertreibung auch um den Preis der physischen Vernichtung zielen. Die Sinti und Roma werden für "vogelfrei" erklärt und somit Raub und Totschlag ausgesetzt. Kopfprämien werden für jeden Getöteten ausgesetzt und die ländliche Bevölkerung ermuntert, Jagd auf Roma zu machen. Das Überschreiten der Landesgrenzen innerhalb des deutschen Reiches wird den Sinti und Roma bei Androhung grausamster Strafen wie Erschießung, Erhängung und Folter verboten. Noch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts werden Sinti gezwungen, unverzüglich den Regierungsbezirk zu verlassen, in dem sie sich auf der Durchreise kurzfristig aufhalten.

Auch im 21. Jahrhundert werden Roma, vor allem in den osteuropäischen Ländern, restriktiven polizeilichen Maßnahmen ausgesetzt. In westeuropäischen Ländern werden sie ebenfalls drangsaliert und vertrieben, oftmals ermuntert durch die Bürgermeister der Orte. Der Europarat hat Hunderte Fälle dokumentiert, in denen Roma vertrieben wurden - in Griechenland, Bulgarien, Tschechien, Großbritannien, Italien und Frankreich. In den vergangenen Jahrzehnten waren Roma in südosteuropäischen Ländern zeitweilig offener Verfolgung ausgesetzt. Während des Kosovo-Krieges wurden ganze Siedlungen dieser Minderheit von militanten Nationalisten niedergebrannt und die Bewohner zur Flucht gezwungen. Sofern sich Roma aus dem Kosovo oder auch aus Bosnien nach Deutschland oder in andere westeuropäische Länder retten konnten, schlägt ihnen Ablehnung und Ausgrenzung entgegen, oftmals angeheizt durch populistische Medienberichterstattung. Diskriminierung und Diffamierung erfahren die Kinder der Sinti und Roma bis heute, sofern sie sich als Angehörige dieser Minderheit zu erkennen geben. Nur wenigen Kindern und Jugendlichen bleibt diese Erfahrung erspart, denn sie beginnt oft bereits in den ersten Schuljahren. Sinti-Kinder, deren Familien seit Jahrhunderten in Deutschland leben, werden in einer verbreiteten Praxis der innerschulischen Abschiebung "schwieriger" Schüler - dazu zählen nicht selten pauschal auch Kinder aus Migrantenfamilien - von der Grundschule in Sonderschulen überstellt, die als Förderschulen bezeichnet werden. In der Regel ist damit der Lebens- bzw. Berufsweg vorgezeichnet, denn nach Beendigung der Schulzeit in einer Sonderschule ist es nahezu ausgeschlossen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Nur wenige Sinti oder Roma erzielen aber mit selbständigen Erwerbstätigkeiten ein ausreichendes Einkommen. Bildung als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes, von staatlichen Maßnahmen unabhängiges Leben den Angehörigen von Minderheiten vorzuenthalten, widerspricht nicht nur einem fundamentalen Menschenrecht, sondern lässt Zweifel aufkommen, ob eine Verbesserung der Lage dieser Minderheit von der Mehrheitsgesellschaft überhaupt erwünscht ist. Für den Abbau der Diskriminierung von Minderheiten, welcher Zugehörigkeit auch immer, ist es dringend erforderlich, allen gleiche Bildungschancen zu ermöglichen. Dass in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Saarland für geduldete Flüchtlingskinder keine Schulpflicht besteht, ist ein Skandal. Noch gravierender ist das Ausmaß der Diskriminierung von Roma-Schülern in den Staaten Ost- und Südosteuropas. Dort werden Roma nicht nur durch eine ghettoähnliche Wohnsituation diskriminiert, sondern auch die extrem schlechte Bildungssituation für Roma-Schüler zeugt von rassistischer Diskriminierung. Die Schüler dieser Minderheit werden oft in speziellen Klassen und Schulen von den Kindern der Mehrheitsbevölkerung isoliert. Es kommt vor, dass sie in Sonderschulen für geistig Behinderte abgeschoben werden.

Die Benachteiligung im Bildungssystem ist schichtenspezifisch. Bestimmte Minderheiten sind häufig von der Benachteiligung betroffen, weil sie in ökonomischer Hinsicht oft am Rand der Gesellschaft stehen und ihnen mit Vorurteilen begegnet wird. Dennoch ist es einigen Sinti und Roma überall auf der Welt gelungen, die Bildungseinrichtungen erfolgreich zu nutzen. Angehörige der Minderheit sind nicht nur als Akademiker, Anwälte, Lehrer, Regisseure, Schauspieler und Sänger tätig oder auch in Regierungsämtern zu finden, sie üben alle Lehrberufe im Handwerk und im Handel aus oder arbeiten als selbständige Unternehmer. Allerdings machen viele von ihnen ihren familiären Hintergrund nicht öffentlich, um Stigmatisierung und Nachteile zu vermeiden. Diese verständliche Vorsicht kann nur in einer Gesellschaft abgebaut werden, in der Vorurteile weniger dominierend sind.

Vor diesem Hintergrund der gesellschaftlichen Ausgrenzung seit Jahrhunderten bis in die Gegenwart hat die Familie im Leben der Sinti und Roma große Bedeutung. Aushalten kann eine menschliche Gemeinschaft, eine Minderheit, diesen dauernden Druck durch die Mehrheitsgesellschaft, die sich anmaßt, die Lebensform und sogar ihre Existenzberechtigung im jeweiligen Land immer wieder in Frage zu stellen, nur durch ein enges familiäres Netz, durch den Zusammenhalt über die Kleinfamilie hinaus, durch die Solidarität mit den Angehörigen der eigenen Gruppe. Große Familienverbände bieten nicht nur Schutz, sondern gewährleisten auch den Erhalt von Tradition und Brauchtum und vor allem die Weitergabe der eigenen Sprache, die in der Regel ausschließlich mündlich und nicht schriftlich erfolgt.

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Im Deutschen Reich beginnt bereits um 1900 die polizeiliche Erfassung aller Sinti und Roma mit den damals modernsten Techniken; Fotos von einzelnen Personen werden gemacht, Fingerabdrücke genommen und ein "Zigeunerbuch" von den Behörden angelegt. 1931 wurde in München die "SS-Auskunftei" unter dem damaligen Münchner Polizeichef Himmler eingerichtet, die mit der systematischen Registrierung der beiden so genannten "außereuropäischen Rassen", d.h. der Juden und Sinti und Roma begann. Auch wenn keine genauen Zahlen vorliegen, so wird aufgrund seriöser Schätzungen davon ausgegangen, dass zwischen den Jahren 1933 und 1945 im Reichsgebiet etwa 25 000 bis 30 000 deutsche Sinti und Roma ansässig waren. Bei einer damaligen Gesamtbevölkerung von 60 Millionen entspricht dies einem Prozentsatz von ca. 0,5%. Auf der Grundlage der nationalsozialistischen Rassenideologie werden Sinti und Roma schrittweise entrechtet und schließlich in die Vernichtungslager deportiert. Mit den 1935 erlassenen Nürnberger Gesetzen "zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" gelten Sinti und Roma ebenso wie die Juden als "fremdrassig" bzw. "fremdblütig". Reichsminister Frick erläutert im Ausführungserlass des Gesetzes am 3. Januar 1936: "Zu den artfremden Rassen gehören in Europa außer den Juden regelmäßig nur die Zigeuner." Die systematische Ausgrenzung und Entrechtung wird gesetzlich festgeschrieben. Sinti und Roma werden ebenso wie die Juden im Unterschied zur Mehrheitsbevölkerung als Nicht-Arier gesehen.

Diskriminierungen und Ausgrenzungen waren die Sinti und Roma jahrhundertelang ausgesetzt, die Verfolgung in der NS-Zeit bis hin zum Völkermord ist dennoch einzigartig. Beschlossen, geplant und durchgeführt wurde der Genozid an dieser Minderheit durch zentrale Staats- und Parteistellen im Deutschen Reich. Die Umsetzung der nationalsozialistischen "Rassenpolitik" hinsichtlich der Sinti und Roma basierte auf einer engen Zusammenarbeit von Wissenschaft und staatlichem Machtapparat. 1936 wird unter Leitung des Nervenarztes Dr. Robert Ritter die "Rassenhygienische Forschungsstelle" im Reichgesundheitsamt eingerichtet, deren Hauptaufgabe die lückenlose Erfassung aller Sinti und Roma ist. Robert Ritter und seine Assistentin Eva Justin erstellen auf der Grundlage bereits vorhandener Daten, mit Hilfe von Denunziationen, Vermutungen, Vorurteilen und unter Verwendung der bereitgestellten Kirchenbücher sowie vor allem durch direkte Befragungen der zumeist ahnungslosen Menschen an ihrem Wohnort genealogische Übersichten. Bis Ende 1944 werden über 24 000 Sinti und Roma in so genannten "Rassegutachten" erfasst. Einem pervertierten Wissenschaftsverständnis folgend suchen Robert Ritter und seine Mitarbeiter zudem nach messbaren Belegen für die Zugehörigkeit zur "fremdrassigen" Minderheit. Aus diesem Grund nehmen sie Messungen von Kopfgröße, Ohrengröße, Nasenlänge, Augenabstand und Handformen vor. Handelte es sich hier um pseudowissenschaftliche Untersuchungen der Physiognomie von Menschen vor dem Hintergrund einer rassistischen Ideologie, so birgt jede anthropologische Kategorisierung, etwa auch im Rahmen der Ethnologie, Gefahren des Missbrauchs. [4]

Die "rassenbiologische" Theorie lieferte die wissenschaftliche Legitimierung für die Verfolgung der Sinti und Roma. Die polizeilichen Verfolgungsbehörden setzten die Theorie durch "rassenpolitische Maßnahmen" in die Praxis um. Bis zur Deportation in die Todeslager wurde ab 1938 ein kriminalpolizeilicher Apparat aufgebaut, der von der "Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens" in Berlin gelenkt wurde, und dessen ausführende Organe die jeweiligen Ortspolizeibehörden waren. Regionalen Behörden und Institutionen wurde die wesentliche Aufgabe im Rahmen der Verfolgung übertragen. Ohne die aktive Beteiligung lokaler Behörden wäre die listenmäßige Erfassung der Sinti und Roma und wären vor allem die Deportationen nicht möglich gewesen. Bemerkenswert ist, dass diese Regionalbehörden über einen gewissen Handlungsspielraum verfügten. Zum Beispiel in der Stadtgemeinde Cloppenburg sorgte die örtliche Polizeiführung gezielt dafür, dass Sinti in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten und deshalb nicht deportiert wurden. Dieses Eintreten für ihren Verbleib lässt sich vermutlich auf die persönliche Bekanntschaft des Bürgermeisters und des "Polizeichefs" mit den ortsansässigen Sinti-Familien und deren Akzeptanz als alteingesessene Familien zurückführen. Nachweislich wurden 79 Cloppenburger Sinti von der Deportation nach Auschwitz ausgenommen. [5] In anderen Regionen, schon in direkter Nachbarschaft, setzten die Polizeibehörden dagegen die angeordnete Deportation nach Auschwitz 1943 rückhaltlos um.

Im August 1938 schrieb der Rasseforscher Dr. Adolf Würth: "Die Zigeunerfrage ist uns heute in erster Linie eine Rassenfrage. So wie der nationalsozialistische Staat die Judenfrage gelöst hat, so wird er auch die Zigeunerfrage grundsätzlich regeln müssen." Die rassistisch motivierte Verfolgungs- und Vernichtungspolitik des nationalsozialistischen Staates unterschied sich in radikaler Weise von allen vorangegangenen Formen der Verfolgung. Erklärtes Ziel dieser mörderischen Politik war die Vernichtung der deutschen und europäischen Sinti und Roma sowie der deutschen und europäischen Juden.

Seit 1933 wird durch die Einstufung der Minderheit anzugehören über die Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben und Zwangssterilisation entschieden und schließlich über Deportation und Ermordung. Die Rassenideologie verbietet aufgrund des so genannten "Blutschutzgesetzes" Ehen zwischen "Ariern" und "Nicht-Ariern". Waren Sinti und Roma bereits mit Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft verheiratet, wurden sie zur Sterilisation gezwungen. Die Verweigerung des Wandergewerbescheins entzog den Sinti und Roma die Erwerbsgrundlage. Mit der so genannten "Festschreibung", der zufolge der Wohnort nicht verlassen werden durfte, konnten viele Erwerbstätigkeiten, z. B. Pferdehandel auf Märkten in der nahen Umgebung, nicht mehr ausgeübt werden. In einer ersten Verhaftungswelle 1938 wurden Angehörige beider Minderheiten, Sinti und Roma sowie Juden, in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Dachau und Buchenwald deportiert. In mehreren Städten wurden umzäunte und polizeilich bewachte Zwangslager für Sinti und Roma eingerichtet, 1936 anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin das Lager Marzahn. Wurde Kindern aus Familien dieser Minderheit schon seit Ende der 30er Jahre gelegentlich der gemeinsame Unterricht mit den Kindern der Mehrheitsgesellschaft verwehrt, so konnten sie ab 1941 als "Fremdrassige" ausgeschlossen werden. Im Jahr 1940 verfügte das Oberkommando der Wehrmacht, dass "Zigeuner und Zigeunermischlinge" ebenso wie "jüdische Mischlinge I. Grades" der Ersatzreserve II zuzuweisen seien. Im Jahr 1942 wurden schließlich alle ermittelten Sinti und Roma aus dem Militär entfernt und im März 1943 aus dem damaligen Reichsgebiet nach Auschwitz deportiert.

Bereits im Mai 1940 begannen die Massendeportationen der deutschen Sinti und Roma aus Norddeutschland, dem Rheinland und Südwestdeutschland. 2500 Familien wurden in das besetzte Polen verschleppt und in Lagern inhaftiert; fast die Hälfte von ihnen waren Kinder und Kleinkinder. Die Erwachsenen und auch die Kinder mussten unter SS-Bewachung Zwangsarbeit leisten. Ab 1941 wurden Sinti und Roma aus allen Gebieten des nationalsozialistisch besetzten Europa mit dem Ziel ihrer systematischen Ermordung in Konzentrationslager verschleppt. 5000 Angehörige dieser Minderheit wurden aus dem österreichischen Burgenland in das Ghetto ?ód? (Litzmannstadt) deportiert und von dort in das Vernichtungslager Che?mno (Kulmhof) gebracht, wo sie in Gaswagen ermordet wurden. Der Reichskommissar für das Ostland ordnet im Juli 1942 an: "Ich bestimme, dass Zigeuner in der Behandlung den Juden gleichgestellt werden." Die "Einsatzgruppen" der SS, Polizeikommandos und die Wehrmacht ermordeten durch Massenerschießungen Sinti und Roma sowie Juden in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Am 14. September 1942 protokolliert Reichsminister Thierack nach einer Besprechung mit Goebbels, "dass Juden und Zigeuner schlechthin vernichtet werden sollen."

Am 16. Dezember 1942 ordnet der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler an, alle noch im Reichsgebiet verbliebenen Sinti und Roma in das Todeslager Auschwitz-Birkenau zu deportieren. Ab Februar 1943 werden etwa 23 000 Angehörige der Minderheit aus vielen Ländern Europas nach mehrtägigen qualvollen Fahrten in überfüllten Eisenbahnwaggons nach Auschwitz gebracht, darunter die letzten 10 000 noch im Reichsgebiet wohnhaften Sinti und Roma. Wie schon vor den ersten Deportationen 1940 wurden der private Besitz, Grundstücke, Häuser und Barvermögen beschlagnahmt. Bei der Beraubung der Sinti und Roma durch die Reichsfinanzverwaltung wurde die Anweisung gegeben, die Vermögenswerte der Sinti und Roma seien "wie Judensachen zu behandeln" oder "nach den für die Verwertung von Judenvermögen ergangenen Bestimmungen zu verwerten." [6] In Auschwitz-Birkenau wurden Sinti und Roma im von der SS so genannten "Zigeunerlager", von elektrisch geladenem Stacheldraht umgeben und von anderen Häftlingen getrennt, eingesperrt. Die Überlebenschancen der in Auschwitz-Birkenau Inhaftierten waren gering. Die fabrikmäßige Tötung aller Sinti und Roma vom Kleinkind bis zum Greis war vorgesehen, nachdem man ihre Arbeitskraft oder ihren Nutzen für pseudowissenschaftliche Forschungen ausgebeutet hatte. Dr. Josef Mengele, seit Juni 1943 Lagerarzt im so genannten "Zigeunerlager", führte bestialische Menschenversuche durch, besonders an Zwillingen, um den Nachweis zu erbringen, dass spezifische "Rassemerkmale" vererbt werden können.

Nach den Lagerlisten sind die meisten Sinti und Roma in Auschwitz vergast worden oder sie fielen den unmenschlichen Bedingungen im Todeslager zum Opfer. Von den 6 000 Häftlingen, die sich Ende Juli 1944 noch im "Zigeunerlager" befanden, deportierte man die als "arbeitsfähig" eingestuften in andere Konzentrationslager, wo sie "durch Arbeit vernichtet werden" sollten, wie Goebbels bereits 1942 angeordnet hatte. 2900 Sinti und Roma, Alte, Kranke, Mütter und Kinder wurden am 2. August 1944 in den Gaskammern ermordet. Sinti und Roma waren aber nicht nur in Auschwitz inhaftiert, wurden nicht nur dort ermordet, sie starben auch in Dachau, in Buchenwald, in Ravensbrück, in Sachsenhausen, in Neuengamme, in Bergen-Belsen, in vielen anderen Konzentrationslagern, in den Nebenlagern im Deutschen Reich und in Lagern im nationalsozialistisch besetzten Europa. Verfolgt und deportiert mit dem Ziel ihrer Ermordung wurden Kinder aus Heimen und Pflegefamilien sogar dann, wenn nur ein Urgroßelternteil zu den Sinti oder Roma gehörte, so genannte "Achtelzigeuner".

Geht man davon aus, dass ca. 30 000 deutsche Sinti und Roma im Reichsgebiet ansässig waren, sind über zwei Drittel im Holocaust ermordet worden. Nur wenigen gelang es unterzutauchen, um nicht als "Zigeuner" klassifiziert zu werden, und nur selten kam es vor, dass die örtlichen Behörden Sinti-Familien vor der Deportation schützten. Verfolgt, deportiert und ermordet wurden Sinti und Roma in weiten Teilen Europas. Man geht davon aus, dass 500 000 Angehörige dieser Minderheit aus rassistischen Gründen getötet wurden. Ob diesem Völkermord weit mehr Menschen zum Opfer fielen oder möglicherweise weniger, ist eine letztendlich nicht zweifelsfrei zu klärende Frage. Ein systematisch geplanter Völkermord kann nicht danach beurteilt werden, ob sein Ziel erreicht wurde, d.h. nicht die Zahl ermordeter Menschen ist relevant, sondern die Absicht, Sinti und Roma vom Kleinkind bis zum Greis zu ermorden. Insofern ist jede "Rechnerei" unwürdig. Es ist zynisch angesichts der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen zu diskutieren, ob 6 Millionen Juden ermordet wurden oder weniger, ebenso zynisch ist es, die angenommene Zahl ermordeter Sinti und Roma "herunterzurechnen", wie es immer wieder geschieht.

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Bis Ende 1944 waren fast alle deutschen Sinti und Roma sukzessive in die Konzentrationslager im besetzten Polen oder in Lager im Reichsgebiet deportiert worden. Die Sinti und Roma, die die Haft in den Konzentrationslagern überlebt hatten, kehrten nach ihrer Befreiung 1945 in ihre Heimatländer zurück. Einen eigenen Staat für sie gab es nicht, in anderen Ländern waren Roma und Sinti nicht erwünscht und sie selbst fühlten sich trotz der Verfolgung und des Versuchs ihnen das Leben zu nehmen, an ihre Herkunftsregion gebunden. Sie waren und sind Deutsche, Österreicher, Holländer, Polen, Ungarn, Russen oder Rumänen oder sie hatten andere Herkunftsländer. Einige hatten das Glück und trafen bei ihrer Rückkehr auf Familienangehörige, die entweder als Zwangsarbeiter eingesetzt und nicht deportiert worden waren oder die sich versteckt halten konnten. Andere suchten Monate und Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte nach ihren Eltern, ihren Geschwistern, ihren Cousins und Cousinen, nach Angehörigen ihrer Familien, zu denen in den Lagern oder bei Deportationen der Kontakt abgerissen war. Es gab und gibt bis heute kaum eine Familie, die nicht vom Holocaust betroffen ist, fast alle haben Verwandte, die in den Konzentrationslagern umgekommen sind. Für die Überlebenden begannen jahrelange, oft jahrzehntelange Kämpfe mit den deutschen Behörden um die Anerkennung als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, um Entschädigungszahlungen für die Leiden in den Lagern. Nicht selten verstarben die Antragsteller, bevor sie ihr Recht auf Entschädigung durchsetzen konnten. Wie skandalös das Verhalten der Behörden gegenüber den Überlebenden war, zeigt eine Anordnung des Innenministers von Baden-Württemberg vom 22. Februar 1950, in der bestimmt wurde: "Wiedergutmachungsanträge von Zigeunern und Zigeunermischlingen zunächst dem Landesamt für Kriminal-Erkennungsdienst in Stuttgart zur Überprüfung zuzuleiten."

Als skandalös muss auch gesehen werden, dass die Entschädigungsbehörden sich zunächst das Argument der "Kriminalprävention" für die Deportation der Sinti und Roma in die Konzentrationslager vor 1943 zu eigen machten und alle Entschädigungsansprüche für die KZ-Haft vor diesem Zeitpunkt zurückwiesen. Damit sprach man denjenigen, die bereits vor der Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz in andere Lager verschleppt worden waren, die Berechtigung auf Entschädigung ab. Die Behörden der Bundesrepublik hielten demnach fast zwanzig Jahre lang formal die Inhaftierungen von Tausenden Frauen, Männern, Kindern und Kleinkindern aus "kriminalpräventiven" Gründen für gerechtfertigt. Erst nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs im Dezember 1963, in dem "rassenpolitische" Motive für die Deportation immer noch zögerlich als "mitursächlich" angenommen wurden, wurde die Entschädigung für die Verfolgung und KZ-Haft aus "rassenpolitischen Gründen" auch für die Zeit vor 1943 anerkannt. Für einen Monat KZ-Haft wurden in der Regel 150 DM gezahlt. Auch wurde mit pauschalen Abfindungssummen "entschädigt"; manchmal musste in einem Vergleich der Verzicht auf zukünftige Ansprüche, etwa aufgrund durch die Haft verursachte später auftretende Erkrankungen, erklärt werden. Bei der Bearbeitung der Anträge verfügten die Behörden über einen gewissen Ermessensspielraum. Aus diesem Grund war eine regional unterschiedliche Bewilligungspraxis nicht selten. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass die gesellschaftsweit vorhandenen Vorurteile gegenüber den Sinti und Roma die Antragssteller zu spüren bekamen und sie deshalb erst mit anwaltschaftlicher Hilfe ihr Recht durchsetzen konnten. Es kam vor, dass über die Bewilligung der Entschädigung Gutachter entschieden, die für die Deportation der Sinti und Roma in die Konzentrationslager mitverantwortlich waren.

Die historische Verantwortung für die Ermordung der Juden aus rassistischen Gründen wurde unter dem Druck der Weltöffentlichkeit von den Behörden der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches bereits kurze Zeit nach 1945 uneingeschränkt anerkannt. Die historische Verantwortung für die Ermordung der Sinti und Roma aus denselben rassistischen Gründen wurde dagegen zurückgewiesen. Auch die Vertreter der Besatzungsbehörden ließen sich manchmal von Vorurteilen im Umgang mit Überlebenden leiten. Captain Dodgson von der Britischen Militärregierung ordnete am 30.8.1945 an, die Holzunterkünfte abzureißen und zu verbrennen, die sich die aus den Konzentrationslagern zurückgekehrten Sinti und Roma am Hamburger Stadtrand errichtet hatten. Die Wertgegenstände wurden den Bewohnern abgenommen und verkauft. Im September 1945 wurden sogar Überlegungen angestellt, ein Zwangsarbeiterlager für die Überlebenden der Verfolgung einzurichten. [7]

Besonders in den Polizeibehörden hatte sich die Haltung gegenüber den Sinti und Roma oft kaum verändert. Die von der so genannten "Rassenhygienischen Forschungsstelle" unter der Leitung von Robert Ritter erfassten Daten wurden von den "Zigeunerabteilungen" der Kriminalbehörden, die sich in "Landfahrerzentralen" umbenannten, übernommen und sogar noch um die tätowierten Auschwitz-Nummern ergänzt. Durch die auf diese Weise in den Landeskriminalämtern angelegten "Zigeunerakten" funktionierte die Überwachung aller Sinti und Roma in den 50er und 60er Jahren bundesweit. Unabhängig von einem Straftatverdacht wurden mit der Namenskartei, der Lichtbildkartei und einer Kraftfahrzeugdatei eine ganze Gruppe von deutschen Bürgern über Jahrzehnte erfasst, weil sie zur Minderheit der Sinti und Roma gehören. Erst aufgrund einer Verfassungsbeschwerde des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma wurde im Oktober 2001 schriftlich zugesichert, dass die bis dahin immer noch fortgesetzte Sondererfassung in Bayern eingestellt wird.

Konfrontiert mit dem fehlenden Schuldbewusstsein der Mehrheitsgesellschaft, mit der offensichtlichen Ungleichbehandlung im Vergleich mit den jüdischen Opfern und vor allem mit der fortgesetzten Diskriminierung durch die Medien und die gesamte Öffentlichkeit, zogen sich die Familien auf sich selbst zurück. Sie nahmen mehr und mehr Abstand von der gesellschaftlichen Umgebung. Skepsis und sogar Misstrauen der Sinti und Roma gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, ihr Rückzug auf die eigene Minderheit sind Folge des Völkermords und vor allem auch Folge der fortgesetzten Diskriminierung nach 1945. Besonders in den Jahrzehnten nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern waren Sinti und Roma in Deutschland in ihrem Alltag immer wieder konfrontiert mit möglichen Tätern.

Sie begegneten direkt oder indirekt aktiven und passiven Tätern, Menschen, die ihnen tatsächlich nach dem Leben getrachtet hatten oder solche, die das "Verschwinden" dieser Bevölkerungsgruppe in der NS-Zeit billigend in Kauf nahmen, weil es ihnen, aufgehetzt durch die Rassenideologie, wichtig war, dass ihre Region "zigeunerfrei" wird. Aber es gab vor der NS-Zeit auch nachbarschaftliche Kontakte zwischen deutschen Sinti und Roma und den Deutschen der Mehrheitsbevölkerung, manchmal auch Freundschaften. Durch den Holocaust ist allerdings ein Graben entstanden, der erst sehr allmählich überwunden wird. Damit ein akzeptierendes Zusammenleben gelingen kann, muss die Mehrheitsgesellschaft ihre Mitverantwortung dafür erkennen. Was geschehen ist, lässt sich nicht "gutmachen", aber für das, was jetzt geschieht, ist jeder mitverantwortlich. Das Angebot, gleichberechtigt zum gesellschaftlichen und politischen Leben dazu zu gehören, ohne die Aufgabe eigener kultureller Identität, muss allen Minderheiten von der Mehrheitsgesellschaft gemacht werden. Ein kleiner Schritt zum respektvollen Umgang könnte schon sein, die Sinti und Roma so zu nennen, wie sie sich selbst nennen und nicht länger die diskriminierende Fremdbezeichnung "Zigeuner" zu verwenden.

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Mit Unterstützung der Überlebenden des Holocaust entstand, angeführt von der nachfolgenden Generation, die Bürgerrechtsbewegung Ende der Siebzigerjahre, die politische Selbstorganisation der deutschen Sinti und Roma. In öffentlichkeitswirksamen Aktionen machten sie auf die Methoden rassistischer Sondererfassung auf der Grundlage der Akten aus der NS-Zeit aufmerksam. Sie protestierten gegen die skandalöse Entschädigungspraxis und wehrten sich gegen die diskriminierende Darstellung einer ganzen Bevölkerungsgruppe in den Medien. Der Hungerstreik in der KZ-Gedenkstätte Dachau 1980, die Demonstration gegen die polizeiliche Sondererfassung vor dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden 1983 und der Protest gegen die Praxis der Entschädigung vor dem Regierungspräsidium in Köln 1985 erregten auch international Aufsehen. Diese Aktionen leiteten zwar noch kein schnelles Umdenken in den Behörden und in der Bevölkerung ein, setzten aber ein Zeichen und richteten die Aufmerksamkeit erstmalig auf den Holocaust an den Sinti und Roma und die auf Tatsache, dass auch sie wie die Juden aus rassistischen Motiven verfolgt und in den Konzentrationslagern ermordet worden waren.

Im Februar 1982 erfolgte die Gründung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg, ihr Vorsitzender wurde Romani Rose, der auch aus Gründen persönlicher Betroffenheit die Aufgabe übernahm. Dreizehn unmittelbare Verwandte von Romani Rose wurden während des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern ermordet, darunter die Großeltern in den Konzentrationslagern Auschwitz und Ravensbrück. Er vertritt bis heute die nationalen wie internationalen Interessen der in Deutschland lebenden Sinti und Roma und wird dabei unterstützt von den inzwischen nur noch wenigen Überlebenden des Holocaust, deren lebenslanges Anliegen es ist, die Mehrheitsgesellschaft an den Völkermord an ihrer Minderheit zu erinnern. Eine der Hauptaufgaben besteht zudem darin, Fälle von Ausgrenzung und Diskriminierung durch die Mehrheitsgesellschaft öffentlich zu machen und dafür zu sorgen, dass Sinti und Roma als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft respektiert werden. 16 regionale Mitgliedsvereine gehören der Dachorganisation an. Kurz nach der Gründung des Zentralrats empfing der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Delegation von Überlebenden zusammen mit Romani Rose und erkannte öffentlich in völkerrechtlich bedeutsamer Weise die NS-Verbrechen an den Sinti und Roma aus Gründen der so genannten "Rasse" an. Das war ein erster wichtiger Erfolg der unermüdlichen Öffentlichkeitsarbeit des Zentralrats. Romani Rose zusammen mit seinen Mitarbeitern kommen dabei große Verdienste zu, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Unterstützung der Sinti und Roma bei Problemen hinsichtlich von Entschädigungsansprüchen oder gesellschaftlicher Benachteiligung, sondern auch in Bezug auf die Mehrheitsgesellschaft, die in ihm einen unerbittlichen, aber dennoch auf Ausgleich und Verständigung bedachten Gesprächspartner hat.

Zu Beginn der 90er Jahre wurde das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg eingerichtet, wo seit März 1997 eine Dauerausstellung zum NS-Völkermord an den Sinti und Roma zu sehen ist. Auf Initiative des Dokumentationszentrums geht auch die 2001 eröffnete Dauerausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz zurück. Eine Wanderausstellung wurde bereits in vielen deutschen Städten gezeigt, die englischsprachige Wanderausstellung hat internationale Aufmerksamkeit gefunden. Sie wurde der Öffentlichkeit u.a. bei den Vereinten Nationen in New York sowie in vielen europäischen Städten vorgestellt.

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Weniger noch als die Verbrechen an den Juden sind die Verbrechen an den Sinti und Roma geahndet worden. Der SS-Rottenführer Pery Broad war 22 Jahre alt als er im so genannten "Zigeunerlager" nicht zuletzt wegen seiner unkalkulierbaren Persönlichkeit Angst und Schrecken verbreitete. Er kam 1945 in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde. 1959 wurde er verurteilt, aber gegen Kaution entlassen. In einem erneuten Verfahren im Frankfurter Auschwitz-Prozess wurde er 1965 wegen seiner Mittäterschaft bei der Selektion an der Rampe, wegen Folterungen bei Verhören und wegen Teilnahme an Exekutionen zu vier Jahren Haft verurteilt. Er starb 1994.

Johann Schwarzhuber, Schutzhaftlagerführer, wurde 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Gerhard Palitzsch, der zeitweilig Leiter des "Zigeunerlagers" war, wurde von den NS-Behörden "Rassenschande" vorgeworfen, wegen seiner Kontakte zu weiblichen Gefangenen. Er wurde von einem SS-Polizeigericht zum Tode verurteilt, begnadigt und in eine Bewährungseinheit strafversetzt. 1944 starb er vermutlich bei Kämpfen in Ungarn.

Der KZ-Arzt Josef Mengele hielt sich bis zu seiner Flucht nach Südamerika 1949 vier Jahre lang mit Unterstützung seiner Familie in der Gegend seines Heimatortes Günzburg versteckt. Er lebte unter falschem Namen in Argentinien, kehrte sogar zu Besuchen unbehelligt nach Deutschland zurück, floh aufgrund eines erstmaligen Haftbefehls 1959 von Argentinien zunächst nach Paraguay und schließlich nach Brasilien. Dort ist er vermutlich bei einem Badeunfall 1979 ums Leben gekommen. Für die Morde an Hunderttausende Häftlingen und die Menschenversuche an Kindern und Erwachsenen ist er nie verurteilt worden. Ebenso entgingen andere der Verurteilung, die aktiv oder billigend an den Morden in den Konzentrationslagern beteiligt waren oder die ihre Macht an wehrlosen Häftlingen, auch an Kindern, ausließen oder die als Wehrmachtsangehörige Verbrechen aus rassistischen Motiven begangen haben. Viele von ihnen führten nach 1945 ein wohlsituiertes Leben in ihren alten Berufen als Ärzte, Anwälte oder auf anderen Gebieten, häufig noch ausgestattet mit einer Pension aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Wehrmacht oder anderen Organen eines verbrecherischen Staates. Für diese Zahlungen haben sie nicht kämpfen müssen wie oft die Opfer des Holocaust.

Nach einem Ermittlungsantrag des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma 1985 wurde Ernst August König, SS-Rottenführer und Blockführer im "Zigeunerlager", 1991 vom Landgericht Siegen wegen mehrfachen Mordes an Häftlingen zu lebenslanger Haft verurteilt. Er beging in der Haft Selbstmord.

Dr. Robert Ritter und seine Assistentin Eva Justin, die den Völkermord an den Sinti und Roma durch die Erfassung nahezu aller Angehörigen der Minderheit systematisch vorbereiteten, wurden nie verurteilt. Im Gegenteil, beide wurden Angestellte in behördlichen Institutionen der Bundesrepublik. Eva Justin avancierte als "Expertin" für "Zigeunerfragen", deren Urteil von bundesdeutschen Regierungsstellen geschätzt wurde. Hermann Arnold, der mit Robert Ritter kooperiert hatte und in der Bundesrepublik als Amtsarzt des Gesundheitsamtes in Landau tätig war, profilierte sich nach 1945 als "Zigeunerfachmann" mit Hilfe des Materials der "Rassehygienischen Forschungsstelle". Er konnte seine rassistische Haltung gegenüber den Sinti und Roma als "Sachverständiger" u.a. beim Innen- und Familienministerium des Bundes, beim Bundeskriminalamt und bei der "Katholischen Zigeuner- und Nomadenfürsorge" bis Ende der 1970er Jahre einbringen. So forderte er u.a. rassistische Sondergesetze Jahrzehnte nach dem Völkermord. Sophie Ehrhard erfasste, kategorisierte und selektierte als Anthropologin Sinti und Roma im Auftrag von Robert Ritter während der NS-Zeit. Mit Hilfe von Fördergeldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlichte sie u.a. 1969 einen Artikel über "Zigeunerschädel" und 1974 einen Aufsatz über "Handfurchen bei Zigeunern".

Es ist anzunehmen, dass gegenwärtig die offene Diskriminierung der Sinti und Roma durch die Behörden seltener geworden ist, allerdings lehnen 68% der Deutschen 1994 laut einer Emnid-Umfrage Sinti und Roma als Nachbarn ab. Damit wird ihnen mit deutlich stärkerer Ablehnung begegnet als Türken, Polen, Menschen aus arabischen oder afrikanischen Ländern oder Juden. Das hindert manche Angehörige der Mehrheitsgesellschaft aber nicht daran, ihre Wohnung mit romantisierenden und klischeehaften Bildern dieser Minderheit zu schmücken, "Zigeunermusik" zu hören und in der Mode etwa dem "Gipsy-Look" zu folgen. Nicht selten werden auf Frauen dieser Minderheit Phantasien projiziert und ihnen magische Kräfte unterstellt.

7

Wie in Gesellschaft und Politik wurde der Völkermord an den Sinti und Roma auch von der Wissenschaft jahrzehntelang weitgehend ignoriert. Bezeichnenderweise befassten sich zwei englische Wissenschaftler als erste mit der Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit und veröffentlichten 1972 in England das Buch "The Destiny of Europe's Gypsies", das neun Jahre später unter dem Titel "Sinti und Roma. Die Vernichtung eines Volkes im NS-Staat" ins Deutsche übersetzt wurde. Damit setzte allerdings keine umfassende Aufarbeitung des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma durch deutsche Historiker ein. Die Erforschung des Holocaust an den Juden stand weiterhin im Mittelpunkt. Vereinzelt erschienen Publikationen zum Völkermord an den Sinti und Roma in den 80er Jahren, und erst ein Jahrzehnt später wandten sich einige Historiker dem Thema zu. Inzwischen liegen 60 Jahre nach dem Holocaust an dieser deutschen Minderheit verschiedene Regionalstudien, Aufsätze und zunehmend umfassendere Studien auch als universitäre Abschlussarbeiten oder Dissertationen vor.

In einigen Publikationen der vergangenen Jahre tauchen indirekt oder sogar direkt formuliert die Vorurteile auf, die Grundlage der Verfolgung waren. In solchen Veröffentlichungen werden die Gründe für die Verfolgung und letztlich für die Ermordung auf das Verhalten der Opfer selbst zurückgeführt. Die Verfolgung der Sinti und Roma wird von diesen Historikern zwar nicht ausdrücklich gerechtfertigt, die tatsächlich rassistische Motivation aber geleugnet. Historiker haben durch ihr jahrzehntelang fehlendes Interesse an der Aufarbeitung der rassistisch motivierten Verbrechen in der NS-Zeit an der Minderheit der Sinti und Roma letztlich eine gewisse Mitverantwortung für ihre Ausgrenzung und Diskriminierung bis in die Gegenwart. Die Themen der Wissenschaft prägen die öffentliche Wahrnehmung. In diesem Sinne ist besonders auch Historikern, die an den Universitäten lehren, vorzuwerfen, dass sie den Studenten wesentliche Informationen über nationalsozialistische Verbrechen vorenthalten haben. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die Schule, die Medien und letztendlich auf das gesellschaftliche Bewusstsein.

8

Auch die Kirchen, besonders die katholische Kirche, der die meisten Sinti in Deutschland angehören, haben sich nicht zu ihrer Mitverantwortung für die Verfolgung der Sinti und Roma bekannt und somit auch dazu beigetragen, dass diese deutsche Minderheit oft bis in die Gegenwart unter Ausgrenzung und Diskriminierung zu leiden hat. Bis heute hält die Katholischen Kirche an der Einrichtung einer speziellen "Zigeunerseelsorge" ebenso fest, wie an der Verwendung der Fremdbezeichnung "Zigeuner" und der Einordnung dieser Minderheit als "Nomaden". Damit bleibt die Kirche nicht nur in Klischees und Stereotypen verhaftet, sondern verstärkt die Mechanismen der Ausgrenzung und schürt Vorurteile. Sinti und Roma brauchen keine karitative "Sonderbehandlung" durch die Katholische Kirche, sondern Gleichbehandlung auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

Unrecht ist nicht etwas, das Menschen nur in der Vergangenheit, in der NS-Zeit, angetan wurde, Unrecht geschieht oft jetzt. Aufklärung über die Vergangenheit bleibt gesellschaftlich bedeutungslos, wenn sie nicht zu einem klaren Blick auf Geschehnisse in der Gegenwart führt. Die Überlebenden setzen sich dem schmerzlichen Prozess der Erinnerung und des Berichts über das, was man ihnen angetan hat, nicht aus, weil sie in die Geschichte eingehen, sondern weil sie uns den Blick für die Gegenwart schärfen wollen. Sie fordern uns auf, nicht nur an Gedenkveranstaltungen teilzunehmen, sondern auch einzugreifen, wenn Menschen diskriminiert und benachteiligt werden, wenn Unrecht in der Nachbarschaft oder auch in den Nachbarländern geschieht. Im Informationszeitalter können wir uns nicht mehr darauf zurückziehen, nichts gewusst zu haben. Für das, was geschehen ist, können wir Informations- und Gedenkveranstaltungen ausrichten, für das, was geschieht, sind wir mitverantwortlich.


Anmerkungen:
[1] Sinti - Mehrzahl; Sinto - Einzahl männlich; Sintezza - Einzahl, weiblich Roma - Mehrzahl; Rom - Einzahl, männlich; Romni - Einzahl, weiblich.
[2] Es gibt Angehörige der Mehrheitsgesellschaft, die immer wieder die Neutralität der Verwendung der Fremdbezeichnung "Zigeuner" betonen. Dass Fremdbezeichnungen nicht neutral sind, sondern diskriminierend und zugleich immer die Überlegenheit über die so Bezeichneten zum Ausdruck bringen, lässt sich an Beispielen wie "Krauts" für Deutsche, "Itaker" für Italiener, "Polacken" für Polen drastisch aufzeigen.
[3] Eine andere Gruppe von Bezeichnungen für die Roma sind "gypsy" (englisch), "gitano" (spanisch) oder "gitan" (französisch). Diese Wörter sind abgeleitet aus "egyptian" (englisch) oder "egipcio" (spanisch) für "ägyptisch". Auch sie beruhen, genau wie die anderen Fremdbezeichnungen für die Angehörigen der Roma, auf Missverständnissen und implizieren Vorurteile.
[4] An Instituten für Ethnologie wird gegenwärtig, im Jahr 2008, an mindestens drei deutschen Universitäten "Tsiganologie", d.h. "Zigeunerforschung" betrieben, und zwar an der Universität Leipzig, an der Universität Gießen und an der Universität Freiburg.
[5] Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland. Marburg, 1999, S. 277
[6] Hans-Dieter Schmid: "Judensachen zu behandeln". Die Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung, in: zeitenblicke 3 (2004), Nr.2: URL: http://www.zeitenblicke.Net/2004/02/schmid/index.html
[7] Staatsarchiv Hamburg, Sozialbehörde I AF 8372, Polizeibehörde II 446


Copyright © Karin Guth
English translation copyright © Struan Robertson


Sinti and Roma in Germany.


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It is estimated that there are between eight and twelve million Sinti and Roma [1] living in Europe, particularly in Eastern Europe and Spain. Between 80,000 and 120,000 Sinti and Roma live in Germany; many Roma came in 1998 as refugees from the war in Kosovo. The two minorities are related through their common origin. "Roma" is the internationally accepted designation for the entire minority which includes further sub-groups. In Germany one speaks of Sinti and Roma because Sinti have been resident for centuries in Germany and is in the majority. "Gypsy "is a designation coined by the majority population and rejected by the minority as discriminating. [2] Particularly in Germany and Austria, where Sinti and Roma were stigmatized and persecuted by the National Socialists as "Gypsies", the majority of Sinti and Roma do not wish to be so designated. "Gypsy" is an explicitly pejorative, stigmatizing appellation associated with persecution and genocide. The appellation incorporates negative stereotypes and prejudices and is thereby racist. [3]

As with the other three minorities in Germany, the Sorbs, the Friesins and the Danes, the Sinti and Roma are also recognized as a minority on the basis of their own language. Romani is the macrolanguage, taken to consist of seven sub-languages or major dialects, of the Sinti and Roma. The majority of Sinti and Roma grow up bilingual, speaking Romani and the respective national language. Romani is the only Indo-Aryan language that has been spoken exclusively in Europe since the middle ages. It is part of the phenomenon of Indic Diaspora languages spoken by travelling communities of Indian origin outside of India.

Based on linguistic and anthropological evidence there is now a clear consensus of opinion that the modern day Roma of the Middle East, Europe, Asia, and the Americas originated in Northwestern India, where the first migration is thought to have taken place in the 11th century. The cause of their migration is not documented. Over approximately five centuries their migration took them from Asia via the Near East, Asia Minor, Greece, Turkey and the Balkans to Europe. This assumed route of migration is based on the numbers and types of words in Romani - Persian, Armenian, and Greek. The Roma who live in Spain probably arrived via North Africa.

Sinti and Roma have been resident in Europe for over 600 years. By the end of the 15th Century they were documented in nearly all European countries; the first time in Germany in 1407 in the Episcopal city of Hildesheim. Life in different regions and countries of Europe has, over the centuries, led to specific cultural identities. In general one differentiates between Sinti, resident in West and Central Europe, and Roma predominantly resident in Eastern Europe. In the meantime, due to the political changes in Eastern Europe, Roma are resident in all of Europe. There are further sub-groups, which stress their autonomy within the Roma minority. Therefore, contrary to common prejudice, Sinti and Roma do not constitute a homogeneous group; rather their lifestyles reflect the respective majority societies. The idea that a homogeneous ethnic group departed their "place of origin" and, following centuries of migration, has remained a homogeneous group is ahistorical. Just as the different ethnic groups associated with the European Migration Period, between the years 300 to 700 CE, cannot be described as having an "inborn roving spirit" neither can such racial prejudice be applied to the Roma.

Contrary to the still widely held opinion most Roma in Europe, particularly in Eastern Europe and Spain as well as in Germany, have been settled for generations. Whereas a minority of families pursued itinerant occupations prior to the Nazi period today this occurs only rarely today.

2

This minority has continuously suffered from persecution and banishment. Sinti and Roma were received with acceptance and benevolence for a period of only a few decades after immigrating to Europe. In the 15th century they were initially greeted with curiosity in eastern, southern and finally western Europe and Germany by kings and local rulers. According to the chronicles, the leaders presented themselves officially to the city's governors on their arrival. Often, they could show letters of safe conduct or letters of recommendation by religious and secular rulers, which assured them safe conduct and protection against attack. The allegedly religious motivation for their journey assured them of being received in a friendly and hospitable way. The obligation to supply pilgrims with food, lodging and money was an obligation which was taken very seriously by medieval society. Only a few years or decades after the Roma's first appearance they were treated with disapproval and rejection. They were accused of spying, witchcraft, pacts with the devil, as well as of rejecting work on a regular basis and stealing. The church regarded them as strange and thereby "unchristian"; their medical practices, the women's art of palm reading and other "witchcraft" were a antagonistic. Rulers who wished to impose their sovereign rights in their territory and have more control over their subjects regarded the Roma as vagabonds without home or master unwilling to take their place in the existing social order. As a consequence most rulers expelled them from their territory. Local workers and guilds saw their income and monopoly threatened and consequently tried to eliminate this unwanted economic competition. Like the Jews the Sinti and Roma were made scapegoats for all possible ills.

The beginning of the 16th century saw the start of "Gypsy persecution" in the German Empire. They were accused of "being spies" for the Turks. Very soon all Central and West European countries passed a flood of "anti-Gypsy laws". In the German Empire alone, approximately 150 "Gypsy edicts" were passed between 1500 and 1800, the new laws surpassing the old ones in cruelty. An edict by Maximilian I ordered all "Gypsies" to leave the Empire's territory by Easter 1501. After that deadline they were considered "outlaws", and could be caught and killed by every citizen. Emperor Karl V confirmed these laws and extended them in that local rulers were forbidden to issue passports to the Roma. For more than 250 years, persecution and expulsion were dominant in the authorities' dealings with the Roma. The later influence of the Enlightenment and the principles of absolutism made European rulers find new ways in their "Gypsy policy". The Habsburgs in Austria, and the Bourbons in Spain, in particular, started a less cruel, but equally relentless, forced assimilation of the Roma.

In 21st century, particularly in East European countries, Roma are exposed to restrictive police measures. In West European countries they are likewise harassed and banished, often encouraged by local mayors. The Council of Europe has documented hundreds of cases in which Roma have been banished - in Greece, Bulgaria, the Czech Republic, Great Britain, Italy and France. In the past decades Roma in Southeast-European countries were from time to time exposed to open persecution. During the war in Kosovo whole Roma settlements were burnt down by militant nationalists and the victims forced to seek refuge. Having fled from Kosovo and Bosnia and taken refuge in Germany or other West European countries they were again confronted with rejection and exclusion, often provoked by populist media reporting.

Sinti and Roma children are exposed to denigration and discrimination in Germany today. Beginning in the first school years, only a few children are spared this experience. It is common practice for Sinti children, whose families have been resident in Germany for centuries, to be labeled as "difficult pupils" and selected out of the normal school system, removed from the primary school and placed in "special schools", "schools for children with learning difficulties", these schools also being over proportionally populated by children from migrant families. The child's adult life and career is usually thereby predetermined because having no end-of-school certificate it is almost impossible to find an apprenticeship place. And only a very few Sinti and Roma are able to financially support themselves as self employed. To exclude children of minorities from the state education system, as prerequisite for a self determined life independent of state assistance, not only contravenes a fundamental human right but puts in doubt whether the majority society wishes to improve the lot of this minority. Equal opportunity of education is an indispensible requirement for minorities in their fight against discrimination. It is scandalous that the Federal states of Baden-Wuerttemberg, Hessen and Saarland do not enforce compulsory schooling for refugee children. Discrimination of Roma pupils is still more extreme in east and southeast Europe. Here racist discrimination against Roma are evident in their ghetto-like living situations and extremely poor educational opportunities. Roma pupils are often isolated, from the majority population children, in special classes and schools. They are also consigned to special schools for the mentally handicapped.

Inequality in the education system is class specific. Certain minorities are continually disadvantaged because of their social and economic marginalisation and the resultant prejudices. Nevertheless, there are Sinti and Roma who successfully make use of the education system. They have not only become university graduates, lawyers, teachers, stage directors, actors, singers and civil servants but also work in all manner of trades and as independent entrepreneurs. However, many keep their minority status secret in order to avoid prejudice and discrimination. This understandable caution can only be ignored in a society where prejudice is less prevalent.

This centuries long experience of social exclusion shapes the family life of the Sinti and Roma today. The necessity of coping with the permanent prejudice and discrimination of the majority population has led to a close family structure and solidarity within the minority. Large family clans do not only afford protection but also ensure the handing down of customs and tradition but above all their own Romani language, which occurs exclusively verbally.

3

The theoretical basis for the National Socialist persecution and extermination of the "Gypsies" begins in the 19th century. In 1855, in his book, "An Essay on the Inequality of the Human Races", the Frenchman Arthur de Gobineau claimed the existence of superior and inferior races. "Arians" belonged to the category of superior races. Convinced that so-called "half breeds" were inferior he rejected any form of inter-racial mixing. In 1868, the Dutchman, Richard Liebich, in his book "Die Zigeuner in ihrem Wesen und in ihrer Sprache" (Gypsies: Their Nature and Language), coined the expression "lives unworthy of life". The final decades of the 19th century saw the development of "biological determinism", a scientific theory which regards biological factors, such as an organism's individual genes, as completely determining behavior and development. In 1876, in his book "L'uomo delinquent" (Criminal Man), the Italian criminologist Cesare Lombroso for the first time related the high proportion of criminal acts among the Roma to an alleged "genetic disposition". Lombroso claimed that the modern criminal was the savage throwback of "degeneration". He concluded that skull and facial features were clues to genetic criminality. These features could be measured with craniometers and calipers. In 1920, the German jurist Karl Binding and psychiatrist Alfred Hoche, in their book "Die Freigabe der Vernichtung Lebensunwertem Lebens" (Allowing the Destruction of Life Unworthy of Living), coined the term "ballast existence" and propagated the killing of all those who were a so-called "burden" to society. This group included the Sinti and Roma, who were generally regarded as a "human pest".

In 1933 the National Socialists immediately started implementing their racial ideology. The 14 July 1933 "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" (Law for the Prevention of Hereditarily Diseased Offspring, or Sterilisation Law) prescribed compulsory sterilisation for people with a range of conditions thought to be hereditary such as schizophrenia, epilepsy, Huntington's chorea, "imbecility", chronic alcoholism and other forms of "social deviance". The 14 July 1933 "Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit" (Law on the Revocation and the Deprivation of German Citizenship) also aimed at getting rid of "undesirables".

The police registration of all Sinti and Roma in the German Reich began as early as 1900 and used the most modern of techniques; photographs and fingerprints were taken and registered in a "Gypsy Book". In 1933, in Munich, the "SS Investigation Agency" was established by chief of police Heinrich Himmler, which began the systematic registration of the two so-called "non-European Races", i.e. the Jews and Sinti and Roma. It is estimated that between 1933 and 1945 between 25,000 and 30,000 German Sinti and Roma resided in Germany. This corresponds to approximately 0.5% of the total German population of 60 million of that time.

On the basis of the National Socialist race ideology Sinti and Roma were gradually deprived of their legal rights and finally deported to the extermination camps. The 15.09.1935 Nuremberg Law, "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" (Law for the protection of German Blood and German Honour) classified Sinti and Roma, like the Jews, as being an "alien race" or having "alien blood". With the implementation of the law on 3 January 1936 Reich Minister of the Interior Wilhelm Frick explained: "Ordinarily only Jews and Gypsies are persons of alien blood in Europe". The systematic exclusion and deprived of their rights were thereby legally established. Sinti and Roma, like the Jews, in contrast to the majority population, were not classified as "Aryan".

Although the Sinti and Roma had been discriminated against and socially ostracised for centuries their persecution and ultimate extermination by the National Socialists was singular. The genocide of the Sinti and Roma was resolved, planned and implemented by the Nazi state apparatus and party. The implementation of the National Socialist "race policy" in regard to the Sinti and Roma was based on a close co-operation between the scientific community and the National socialist machinery of power. In 1936 the psychiatrist Dr. Robert Ritter became head of the Rassenhygienischen und erbbiologischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitshauptamtes (Eugenic Research Institute of the Reich Main Health Office) and thereby the central figure in "Gypsy research". His goal was to prove that criminal and anti-social behavior was inheritable. Sinti and Roma were declared "primitives lacking culture and history" that were "criminally contaminating the healthy population". In accordance with eugenics, which argued that a mixing of the races would result in the development of a "criminal sub-proletariat" endangering the general population, Ritter concentrated on "Gypsy half-breeds". A person was classified as a "Gypsy half-breed" if one of their eight great-grandparents was a "Gypsy". On the basis of existing data, denunciation, suspicion, prejudice, church registers and by directly questionings unsuspecting individuals Ritter and his assistants compiled genealogical charts. By the end of 1944 over 24,000 Sinti and Roma were recorded in so-called "race assessments". Using pseudo scientific methods Robert Ritter and his assistants sought measurable proof for the affiliation to the so-called "foreign race" "Gypsy" minority. They took measurements of head size, ear size, nose length, distance between the eyes and shape of hand. Every anthropological categorization, also ethnological, incorporates dangers of the misuse. [4]

The "race-biological" theory gave scientific legitimacy to the persecution of the Sinti and Roma. The police prosecuting authorities used "race-political measures" to put this theory into practice. In 1938 Up to the deportation into the death camps starting from 1938 the "Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerwesens" (Reich Central Office for Combating the Gypsy Nuisance) was established in Berlin within the Criminal Police. This bureaucratic centralization was followed by the creation of a special criminal police section for "combating the Gypsies", an organization that extended down to the local police level. Gypsy policy from above was often subject to re-interpretation by various lower authorities, who could act either to suppress or to radicalize persecution. For example, in the municipality of Cloppenburg the local police saw that the local Sinti were employed in war industries and thereby not deported. This sheltering of the Cloppenburg Sinti was probably due to the personal acquaintance of the mayor and chief of police with the local Sinti families and their acceptance as families who had been resident in Cloppenberg for generations. 79 Cloppenburg Sinti were excluded from the deportation to Auschwitz. [5] In other regions, even in the neighbouring region, the police authorities uncompromisingly implemented the 1943 "Auschwitz decree".

In August 1938 Ritter's assistant Dr. Adolf Würth wrote: "The Gypsy Question is for us today a question of race. Just as the National Socialist state solved the Jewish Question; it must likewise solve the Gypsy Question." The racially motivated persecution and extermination politics of the National Socialist state differed radically from all preceding forms of persecution. Its professed goal was the extermination of the German and European Sinti and Roma and of the German and European Jews.

From 1933 onward those individuals classified as "Gypsies" were progressively excluded from social life, subjected to compulsory sterilisation, incarcerated in internment and concentration camps, deported and ultimately murdered. The race ideology embodied in the "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" (Law for the protection of German Blood and German Honour) forbad marriage between "Aryans" and "non Aryans". Those Sinti and Roma already married to "Aryans" were compulsorily sterilised. The refusal of the granting of the itinerant trade license meant that the Sinti and Roma lost their means of livelihood. The so-called "Festschreibung" (fixed address), prohibited Sinti and Roma from leaving their place of residence which precluded many of their traditional means of employment, e.g. horse trading at local markets. In a first wave of arrests in 1938 both Sinti and Roma and Jews were deported to Sachsenhausen, Dachau and Buchenwald concentration camps. In several cities Sinti and Roma were forced into centralized, sometimes fenced and even guarded, camps, e.g., in 1936, prior to the Olympic Games in Berlin, the Marzahn camp was established. From the end of the 1930s Sinti and Roma children were separated within a school class or segregated in a class of their own in schools. From 1941, classified as "alien race", they were excluded from schooling altogether. In the autumn of 1940 the supreme command of the armed forces ordered that "Gypsies and Gypsy half-breeds" and "Jewish half-breeds first degree" were to be assigned to the Veteran Reserve II or to the Supplementary Reserve II. In 1942 all Sinti and Roma were finally discharged from the armed forces and in March 1943 deported to Auschwitz-Birkenau.

In May 1940 the mass deportations of the German Sinti and Roma from northern Germany, the Rhineland and southwest German began. 2,500 families were transported to occupied Poland and incarcerated in camps; nearly half of them were infants and children. The adults and children had to perform forced labour under SS-guard. From 1941 Sinti and Roma were transported to concentration camps, from all areas of National Socialist occupied Europe, to be systematically murdered. 5,000 Sinti and Roma were deported from Austrian Burgenland to the Łódź ghetto (Litzmannstadt) and from there to the Chełmno (Kulmhof) extermination camp, where they were murdered in gas vans. In July 1942, the Reich Commissioner for Ostland (Baltic countries and Belarus) ordered, "I decree that Gypsies be treated like the Jews." The "Einsatzgruppen" (mobile killing squads) of the SS, police commandos and armed forces murdered Sinti and Roma and Jews in the occupied territories of the Soviet Union by mass shootings. On 14 September 1942, following a meeting with Heinrich Goebbels, Reich Justice Minister Otto Georg Thierack recorded , "that Jews and Gypsies are to totally exterminated."

On 16 December 1942 Heinrich Himmler, Reich Leader SS and Chief of the German Police decreed the deportation all the Sinti and Roma remaining in the Reich to the Auschwitz-Birkenau extermination camp. From February 1943 around 23,000 Roma and Sinti, from all over Europe, among them the last 10,000 Sinti and Roma remaining in the Reich, were deported in overcrowded freight wagons to Auschwitz, the journeys lasting many painful days. As with the first deportations in 1940 private possessions, properties, houses and cash were seized. The Reich Ministry of Finance issued the instruction that their assets were to be "treated like Jewish assets" or "to be utilised in accordance with the regulations for the utilisation of Jewish assets". [6] In Auschwitz-Birkenau the Sinti and Roma were imprisoned in the so-called "Gypsy Camp" separate from other prisoners, surrounded by electrically charged barbed wire. The chances of survival in Auschwitz-Birkenau were slight. Following the exploitation of their labour or their use in pseudo-scientific research the Sinti and Roma, from babies to the elderly, were destined for industrialized murder. Dr. Josef Mengele, from June 1943 camp physician in the so- called "Gypsy Camp", carried out bestial experiments on humans, particularly on twins, in order to prove that specific "racial characteristics" were hereditary.

The camp record reveal the majority of Sinti and Roma in Auschwitz were gassed or died due to the inhuman conditions in the extermination camp. Of the 6,000 prisoners, still remaining in the "Gypsy Camp" at the end of July 1944 those able to work were deported to other concentration camps where they were to be "destroyed by work" as Goebbels had decreed on 14 September 1942. The remaining 2,900 Sinti and Roma, mothers, children, the ill and the elderly were murdered in the gas chambers on 2 August 1944, when the "Gypsy Camp" was liquidated.

Sinti and Roma were not only imprisoned and murdered in Auschwitz, many died in Dachau, Buchenwald, Ravensbrück, Sachenhausen, Neuengamme, in Bergen-Belsen and many other concentration camps and their satellite camps, and in camps in National Socialist occupied Europe. Children were removed from children's homes and from foster families, even when only one of the eight great-grandparents was Sinti or Roma, and were likewise persecuted and deported to their deaths.

It is estimated that of the approximately 30,000 German Sinti and Roma resident in Germany two thirds were murdered in the Holocaust. Very few succeeded in going underground, or not being classified as "Gypsy", and only very rarely did local authorities protect Sinti families from deportation. It is estimated that 500,000 Roma and Sinti were murdered on grounds of "race".

4

By the end of 1944 nearly all German Sinti and Roma had been successively deported to concentration camps in occupied Poland or to camps in Germany. After the war the Sinti and Roma survivors returned to their home countries. They did not possess their own state, they were not desired by other countries and, despite persecution and genocide, they felt bound to their countries of origin. They were and remained German, Austrian, Dutch, Polish, Hungarian, Russian or Romanian. Some were fortunate on their return to be greeted by relatives who had either been used as forced labour and not deported, or who had gone into hiding. Others searched for months and years, sometimes even decades, for relatives who they had been parted from through deportation or internment in a concentration camp. There were and remain hardly any families who are not affected by the Holocaust, nearly all have relatives who died in the camps. For the survivors then began the long battle, lasting years and often decades, with the German authorities, for acknowledgment as victims of National Socialist persecution and for compensation for the suffering experienced in the camps. Often applicants died without being compensated. A directive on 22 February 1950 from the Baden-Wuerttemberg Ministry of the Interior is an example of the scandalous manner in which the authorities treated the survivors, "Applications for compensation from Gypsies and Gypsy half-breeds are to be initially directed to the crime records department in Stuttgart for inspection."

It was also scandalous that the compensation authorities initially adopted the argument that the deportation of the Sinti and Roma to concentration camps prior to 1943 was made on grounds of "crime prevention" and thereby rejected all claims of compensation for internment in a concentration camp before 1943. This denied compensation to those who had been interned in camps before the deportations to Auschwitz-Birkenau. For nearly twenty years the authorities of the Federal Republic accepted the argument, that thousands of men, women, children and infants were interned for "crime prevention" reasons. Only after an adjudication of the Federal High Court in December 1963 in which "racial" motives were hesitantly recognized as being the grounds for the deportations was compensation for persecution and concentration camp imprisonment accepted for the period prior to 1943. Normally 150 DM was paid in compensation for one month concentration camp imprisonment. Lump sums were also paid in compensation; sometimes the settlement stipulated the renouncement of all future claims, such as for illnesses arising later as a result of imprisonment. The authorities had a certain scope of discretion when processing the applications for compensation. This led to a difference in compensation practice between federal states. Confronted with society-wide prejudice regarding their applications for compensation many Sinti and Roma had to retain legal counsel before they could acquire their rightful compensation. Sometimes those that had been involved in the deportation of the Sinti and Roma were engaged as compensation specialists in deciding on compensation.

Shortly after 1945 the authorities of the Federal Republic of Germany unreservedly recognized the historical responsibility for the murder of the Jews on racial grounds. In contrast the historical responsibility for the genocide of the Sinti and Roma on racial grounds was repudiated.

Even the occupying forces were sometimes prejudiced in dealing with survivors. On 30.08.1945 Captain Dodgson of the British military government ordered the demolishing and burning of the makeshift wooden huts the returning Sinti and Roma survivors had erected on the outskirts of Hamburg. Their possessions were confiscated and sold. In September 1945 it was even considered establishing a forced laborer camp in Hamburg for the Sinti and Roma survivors of Nazi persecution. [7]

Particularly the attitude of the police authorities regarding the Sinti and Roma saw little change after the war. The data collected by Robert Ritter's Eugenic Research Institute that the Criminal Police had made use of in their "Central Office for Gypsies" was simply renamed "Central Office for Itinerants", and even supplemented with tattooed Auschwitz numbers. The federal state criminal police authorities, country wide, used these "Gypsy files" to monitor all Sinti and Roma. Over decades these files, containing name, mug shot and motor vehicle registration, incriminated an entire group of German citizens simply because they belonged to the Sinti and Roma minority. Only after a constitutional complaint by the Central Council of German Sinti and Roma, in October 2001, was the last remaining separate ethnic recording of Sinti and Roma officially discontinued by the Bavarian police.

Confronted with the lack of a sense of guilt by the majority population, with inequality of treatment in comparison with the Jewish victims, and particularly with continuing discrimination by the media and the general population, the Sinti and Roma withdrew from society into the protection of their own families. They distanced themselves more and more from the majority society. The Sinti and Roma's wariness and even distrust of the majority society, their retreat into the uni-ethnicity of their own minority, are the consequences of the genocide and especially of the continuing discrimination after 1945. Particularly in the decades after their liberation from the concentration camps Sinti and Roma in Germany were repeatedly confronted with their persecutors. They directly or indirectly encountered active and passive perpetrators, people who were directly involved in the genocide or those who unquestioningly accepted the Nazi racial ideology and saw that their neighbourhood became "Gypsy free".

Prior to the Nazi period there were neighbourly contacts between German Sinti and Roma and the German majority population, sometimes friendships. The Holocaust has caused a rift which will be only gradually healed. Integration will only occur when the majority society acknowledges its joint responsibility. Every minority must be given the right of access to the social and political life of the majority society without having to surrender their cultural identity. A small step in this direction would be to stop calling this minority "Gypsies" and to use the terminology used by the minority itself, i.e. Sinti or Roma.

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In 1982 the German Sinti and Roma national political agency, the Central Council of German Sinti and Roma, was established as a result of the civil rights movement and led by the second generation with support from the survivors. Demonstrative protest actions drew attention to the racial discrimination of continued police usage of files from the National Socialist "Gypsy Agencies". The council protested against the scandalous compensation practice and fought against the discriminatory presentation of the minority in the media. The hunger strike on the grounds of the Dachau concentration camp memorial in 1980, the demonstration against the police "Gypsy race-research files" in front of the Federal Criminal Investigation Office in Wiesbaden in 1983, and the protest against compensation practice in front of the government presidium in Cologne in 1985 provoked internationally attention. Although these protest actions did not succeed in quickly changing attitudes in the authorities or in the population they set an example and for the first time directed attention toward the genocide of the Sinti and Roma whereby they had been persecuted on grounds of race and murdered in the concentration camps like the Jews. On 19.11.2003 the Central Council and Holocaust survivors protested in front of the Reichstag in Berlin for the establishment of a national Holocaust memorial for the murdered Sinti and Roma.

In February 1982 the Central Council of German Sinti and Roma was established with its seat in Heidelberg. Romani Rose became chairman. Thirteen immediate relatives of Romani Rose were murdered in concentration camps, among them grandparents in Auschwitz and Ravensbrück. He continues to represents the national and international interests of the Sinti and Roma living in Germany supported by the ever fewer survivors of the Holocaust, whose lifelong concern it is to inform the majority society of the Sinti and Roma genocide. One of the major tasks of the council is to publicise cases of exclusion and discrimination by the majority society and thereby ensue that Sinti and Roma are respected as equal members of society. Sixteen regional associations as associated to the Central Council. On 17 March 1982 Federal Chancellor Helmut Schmidt received a delegation of Holocaust survivors led by Romani Rose and for the first time publicly recognized the National Socialist crimes against the Sinti and Roma on grounds of "race". This was the first significant success in the untiring public work of the Central Council. In this regard Romani Rose and his coworkers rendered great service to the Sinti and Roma regarding problems with claims for compensation and acts of discrimination.

At the beginning of the 1990's the Documentation and Cultural Centre of German Sinti and Roma was established in Heidelberg, where since March 1997 a permanent exhibition of the National Socialist genocide of the Sinti and Roma is to be seen. On the initiative of the Documentation and Cultural Centre in 2001 a permanent exhibition was opened in the Auschwitz memorial museum. A mobile exhibition of the genocide has visited many German cities. The English-language mobile exhibition "The Holocaust against the Roma and Sinti and present day racism in Europe" was opened on 17 January 2206 in the foyer of the Winston Churchill Building of the European Parliament in Strasbourg. The exhibition was also opened in the General Assembly Visitors' Lobby of the United Nations building in New York on 27 January 2007. There is also an online exhibition "10 Years Documentation and Cultural Centre". These exhibitions are presented on the Documentation and Cultural Centre of German Sinti and Roma website: http://www.sintiundroma.de/index/

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The perpetrators of the crimes against the Sinti and Roma were rarely punished. SS-Rottenführer Pery Broad was a member of the Auschwitz-Birkenau political department (Gestapo) and was involved with the liquidation of the "Gypsy Camp" on 2 August 1944. In1945 he was imprisoned by the British and released in 1947. In April 1959 he was imprisoned but released the day before Christmas Eve 1960. On 19 August 1965 the Frankfurt Auschwitz Trial condemned him to four years imprisonment because of his participation in the "selection" on the "ramp", because of torture by interrogation and because of participation in executions. He was released in February 1966 because his time in custody was taken into account. He died in November 1993 in Düsseldorf.

Johann Schwarzhuber, SS-Protective Custody Camp Commander in Auschwitz-Birkenau was condemned by the Ravensbrück Trial in the Curiohaus in Hamburg and hanged on 3 Mai 1947. Gerhard Palitzsch, temporary Commander of the "Gypsy Camp" in Auschwitz-Birkenau was accused of "racial dishonour" (because of his sexual relationships with female prisoners), theft and corruption by the SS. He was transferred and again prosecuted and condemned to death He was pardoned by a SS-Police Court and in June 1944 discharged from the SS. He was demoted and transferred to a probation unit and died fighting in Budapest in December 1944.

After the war Auschwitz camp doctor Josef Mengele was able to remain undiscovered as "Fritz Hollmann" on a remote farm in upper-Bavaria before escaping to South America in 1949. He lived under a false name in Argentina, making return visits to Germany, then in 1959, due to a first warrant of arrest, fled from Argentina first to Paraguay and finally to Brazil. He died of a stroke on 7 February 1979 while swimming in the sea. He was never prosecuted for the murder of hundreds of thousands of prisoners and medical experiments carried out on children and adults.

Likewise other perpetrators, actively or passively involved in war crimes and crimes against humanity, were never punished. Many of them led a comfortable life after the war in their former occupations as doctors, lawyers, etc., often endowed with a pension from the Wehrmacht or other organ of the Nazi state. In comparison compensation for the victims of the Holocaust often had to be fought, long and hard, for.

In 1985, following a request for investigation by the Central Council of German Sinti and Roma, Ernst August König, SS-Rottenführer and Block Leader in the "Gypsy camp", was brought to trial and sentenced to life imprisonment for multiple murder by the regional court in Siegen. He committed suicide in prison.

Dr. Robert Ritter and his assistants in the "Eugenic Research Institute", who were guilty of preparing the genocide of the Sinti and Roma by systematically registering and "racially assessing" them, were never convicted of their crimes. On the contrary, after the war, most held positions in public institutions. Eva Justin became "expert" for "Gypsy questions", whose judgement was valued by government agencies. Hermann Arnold became a medical officer with the Landau public health authority and a "Gypsy specialist" making use of the material of the racist "Eugenic Research Institute". Until the late 1970s he acted as an "expert" with the Federal Ministry of the Interior and for Families, with the Federal Criminal Investigation Office, and with the "Catholic pastoral care for Gypsies and nomads". He and others argued for racist special laws decades after the genocide of the Sinti and Roma. In the 1960s Sophie Ehrhard published various scientific articles using the material of the racist "Eugenic Research Institute" and funded by German Research Foundation (DFG) , e.g. in 1969 an article about "Gypsy heads""and in 1974 one about "palmar creases by Gypsies ".

Overt institutional discrimination of Sinti and Roma has decreased, however a 1994 Emnid Market Research Institute found that 68% of Germans did not want Sinti and Roma as neighbours. This racial discrimination was more extreme than that toward Turks, Poles, Arabs, Africans or Jews. This in no way prevents members of the majority population from hanging romanticized and stereotypical Gypsy scenes on the walls of their dwellings, listening to "Gypsy music " or wearing "Gipsy look" fashion. Often members of the majority population project their fantasies on Sinti and Roma women ascribing magic powers to them.

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The genocide at the Sinti and Roma was not only ignored for decades by society and politicians but also by the scientific community. Characteristically it was two English academics who first dealt with the National Socialist persecution of the Sinti and Roma in their 1972 book "The Destiny of Europe's Gypsies"; it was translated into German nine years later. This however did not promote a comprehensive appraisal of the National Socialist genocide of the Sinti and Roma by German historians. The study of the Shoah continued to be given exclusive attention. Odd publications about the genocide of the Sinti and Roma appeared in the 1980's, and a decade later a few historians turned to the topic. 60 years after the Holocaust regional studies, essays and more comprehensive studies have appeared about the National Socialist genocide of the Sinti and Roma.

In recent years there have been attempts by a number of historians to refute or qualify the National Socialist genocide of the Sinti and Roma. This has occurred in connection with a demeaning comparison with the Shoah, whereby the latter is regarded as unique or "unprecedented". Their motives and arguments are either anti-"Gypsy" or philosemetic or both. The Stuttgart historian and Hitler researcher Eberhard Jäckel consciously designates the Sinti and Roma as "Gypsies". He denies the similarity of Shoah and Porrajmos by arguing that the "Gypsies" are not mentioned in Hitler's "My Struggle" and therefore that their murder was not intended. The German Michael Carpenter argues that there were not the estimated 500,000 but exactly 96,000 Sinti and Roma victims. His research is selective having been mainly limited to German sources and this squabbling over numbers is not only unworthy but also does not refute the genocide. The American Guenter Lewy argues the Porrajmos was not genocide. He argues that their (Sinti and Roma) "negative behavioural traits" may have contributed to their persecution. This not only unquestioningly accepts Nazi racist ideology but justifies the killing of people for social reasons. The Israeli Gilad Margalit argues that those people who argue against the hierarchy of victims, whereby the "Gypsies" are ranked well below the Jews, are guilty of anti-Semitism because they question the singularity of the Shoah. He fails to see that one genocide is not negated by the other. The Israeli historian Jehuda Bauer also argues that the Shoah is "unprecedented". His central argument is that the Shoah was a "genocidal ideology based upon pure fantasy", whereas all other genocides, including that of the Sinti and Roma, were somehow "realistically" based. It is hardly surprising that people have begun to question the scientific basis of historiography. The fact that historians for so long ignored the subject of the National Socialist genocide of the Sinti and Roma and worse still qualified or denied it have made them accessories to the continuing prejudice and discrimination toward this minority.

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Also the churches, particularly the Catholic Church, to which most Sinti in Germany belong, have not admitted their involvement in the National Socialist persecution of the Sinti and Roma and thereby contribute to the fact that this minority still suffers from exclusion and discrimination today. The Catholic Church still retains the provision of a special "pastoral care for Gypsies". It continues to use the appellation "Gypsy" and to classify them as "nomads". Thereby the churches remain bound by stereotypes that support the mechanisms of exclusion and prejudice. Sinti and Roma do not require charitable "special treatment" by the Catholic Church rather equal treatment on all social levels.

Coming to terms with the past and acknowledging responsibility only fully succeeds when conclusions are drawn for the present. Survivors do not go through the painful process of remembering and bearing witness for the sake of history but because of its relevance for the present. It is not enough for us to participate in commemoration ceremonies we are challenged to intervene when people are discriminated against and disadvantaged and beholden to fight against injustice at home and abroad. In the "Information Age" we are no longer able to argue that we did not know. We can hold commemoration ceremonies and establish holocaust museums in memory of what took place but this does not diminish our responsibility of what is happening today.


Notes:
[1] Sinti - plural; Sinto - masculine singular; Sintezza - feminine singular. Roma - plural; Rom - masculine singular; Romni - feminine singular.
[2] There are members of the majority who repeatedly stress the neutrality of the use of the appellation "Gypsy". That such an appellation is explicitly pejorative and stigmatizing is seen in the evolution of the politically correct term for "blacks" in America. This minority has chosen its own appellation which has rightly been accepted by the majority population. Anything else is racist.
[3] Another group of appellations for the Roma include "Gypsy" (English), "gitano" (Spanish) or "gitan" (French). These words are derived from "Egyptian" (English), "Egipcio" (Spanish) and "Égyptien" (French). These appellations are based on a misunderstanding (that the Roma came from Egypt) and are equally pejorative and stigmatizing.
[4] In 2009 the Institutes for Ethnology at three German universities, the University of Leipzig, the University of Gießen and the University of Freiburg, offer the study of "Tsiganologie", i.e. "Gypsy research".
[5] Hans Hesse/Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland. Marburg, 1999, S. 277
[6] Hans-Dieter Schmid: "Judensachen zu behandeln". Die Behandlung der Sinti und Roma durch die Finanzverwaltung, in: zeitenblicke 3 (2004), Nr.2: URL: http://www.zeitenblicke.Net/2004/02/schmid/index.html
[7] Staatsarchiv Hamburg, Sozialbehörde I AF 8372, Polizeibehörde II 446