Texte und Familienfotos copyright © Karin Guth, Hamburg

Oskar Böhmer


Oskar Böhmer:

Oskar Böhmer

Kindheit
Mein Name ist Oskar Böhmer, ich wurde am 4.Oktober 1920 in Hamburg geboren, und zwar in der Klinik Finkenau. Vater und Mutter waren deutsche Zigeuner, heute sagen wir Sinti. Ich war der Älteste von zehn Geschwistern. Dann kam mein Bruder Georg, er wurde 1922 geboren, alle zwei Jahre bekam ich Geschwister. Drei sind schon als Kinder gestorben, hier in Hamburg wurden sie auf dem Ohlsdorfer Friedhof begraben. Zwei meiner Geschwister starben an einer Kinderkrankheit, an Masern. Ein Bruder ist an Keuchhusten gestorben. Das lag sicher daran, dass es damals keine so guten Medikamente wie heute gab. Ich erinnere mich, dass unser Arzt Berliner hieß, er hatte seine Praxis ganz bei uns in der Nähe am Großneumarkt und war Kinderarzt. Ich wurde dort geimpft, aber anstatt mich am Arm zu impfen, hat er mich oben am Schulterknochen geimpft. Die Narbe ist heute noch zu sehen. Ich hatte Fieber und war mehrere Tage krank. Damals war ich vier Jahre alt, ich ging noch nicht zur Schule.

Oskar Böhmer
Vater
Ich mochte es gern, wenn mein Vater mit mir spazieren ging. Er nahm mich an die Hand und passte auf mich auf. Mein jüngerer Bruder Georg blieb dann bei meiner Mutter. Mein Vater war immer auf der Suche nach Arbeit, nach Möglichkeiten Geld zu verdienen. Mein Vater war Musiker wie viele andere in unserer Verwandtschaft. Er fragte immer mal in den Lokalen nach, ob ein Musiker gebraucht wird, denn unsere Leute haben abends in verschiedenen Lokalen gespielt. Pianist und Geiger war mein Vater. Er konnte wunderbar Geige spielen. Das Klavierspielen wie auch das Geigespielen hat er sich selbst beigebracht. Als Musiker verdient man nicht viel und vor allem nicht regelmäßig. Aus Kummer und Sorgen haben sie manchmal auch ein Bier zu viel getrunken. Ich glaube, die Männer haben sich damit betäubt. Es ist nicht leicht für einen Mann, wenn er nicht regelmäßig Geld verdient, um seine Familie zu ernähren.

Oskar Böhmer
Mutter
Meine Mutter rauchte, aber nicht viel, hier und da mal eine Zigarette. Die Zigarette hieß Greiling, daran kann ich mich noch gut erinnern. Das war so eine Schachtel, darauf war eine Frau in einem schönen Kleid. Strom hatten wir nicht. Wir hatten Petroleumlampen. Und ich ging früh ins Bett. Das mochte ich nicht so gern, aber meine Mutter sorgte dafür, dass ich früh ins Bett kam. Im Sommer durfte ich länger aufbleiben, ich habe dann mit meinen Cousins draußen gespielt. Von ihnen lebt keiner mehr. Sie sind alle in Auschwitz umgekommen. Die waren damals so ungefähr wie wir vier oder fünf Jahre alt. Sie wohnten alle im Kornträgergang. Ich wohnte in der Neustädter Straße. Das war gleich um die Ecke. In der Gegend um den Großneumarkt, in unserem Viertel, standen auch die leichten Mädchen, aber als Kinder verstanden wir gar nicht, was die machten. Sie waren nett zu uns und gaben uns manchmal einen Groschen.

Der Großneumarkt war ein Platz, auf dem regelmäßig der Wochenmarkt stattfand. Das war ein großer Gemüsemarkt. Am meisten beeindruckt haben mich da die schwarz gekleideten großen Marktfrauen vor denen ich Angst hatte. Manche hatten so einen altmodischen Kinderwagen vor sich stehen, wie man sie früher hatte. Und in diesem Kinderwagen war ein Bottich, in dem lebendige Fische schwammen. Ich hatte die Fische erst gar nicht bemerkt und war dann neugierig und auch ein bisschen ängstlich, als ich sie im Kinderwagen entdeckte. Das waren Fische, lebende Fische. Die haben die Marktfrauen da verkauft. Diese Frauen sahen für mich furchterregend aus, und dann hatten sie auch noch die Fische in den Kinderwagen. Ich habe Angst gehabt. Sie waren alle schwarz gekleidet. Ja, diese Marktfrauen haben mir Angst gemacht. Wenn wir an ihnen vorbeigingen, habe ich die Hand meines Vaters ganz fest gehalten und habe versucht nicht hinzuschauen. Aber ich musste doch immer wieder mit einem Auge in den Kinderwagen sehen. Irgendwie war das alles unheimlich für mich, aber ich war auch neugierig.

Wenn wir Kinder über den Markt gelaufen sind, haben wir uns manchmal eine Mohrrübe genommen und sind weggelaufen. Das war so eine Art Spiel. Heute würde ich meinem Enkel so etwas verbieten, aber damals habe ich das tatsächlich gemacht.

Mit Mädchen haben wir nicht gespielt. In der Schule waren Mädchen und Jungen voneinander getrennt. Im Bäckerbreitergang war die Mädchenschule. Dahin ging die Schwester meiner heutigen Frau. Wir konnten die Mädchen von weitem auf dem Hof sehen, aber wir durften nicht hinlaufen. Das war nicht erlaubt. Die Familie meiner Frau habe ich damals schon gekannt. Ihre Familie hatte eine kleine Dachwohnung. Mein Vater und ihr Vater sind Vettern. Beide waren blonde Männer. Ihre Schwester ging also Bäckerbreitergang in die Schule und ich in der Poolstraße. Der Vater meiner Frau war Musiker und ihre Mutter handelte mit Seife und Spitzen. Damals vor der Nazizeit haben sie uns noch Gewerbescheine gegeben.

Bis 33 bin ich in Hamburg in die Schule gegangen. Bis dahin habe ich in Hamburg mehr Gutes als Schlechtes erlebt. Aus dem Viertel sind wir eigentlich nicht rausgegangen. Zum Hafen durften wir nicht, weil es am Wasser für uns Kinder zu gefährlich war, meinte meine Mutter. Und wir hätten uns auch wohl nicht bis dahin getraut. Auf der anderen Seite von der Elbe, wenn man durch den Tunnel ging, konnte man in Steinwerder baden. Aber wenn wir dort waren, war immer ein Erwachsener dabei. Alleine hat sich keiner von uns getraut. Aber wir gingen manchmal an die Alster. Das durften die Eltern allerdings auch nicht wissen. Wir sind an der Alster entlang gegangen und haben kleine Steine ins Wasser geschmissen. Das war eine Art Wettkampf, wer am weitesten werfen konnte, hatte gewonnen. Man konnte sich dort auch Boote leihen, aber dafür hatten wir kein Geld. Wir sind einfach so umhergezogen. Wir waren überall. Für uns Kinder war es bis zur Alster ziemlich weit. Es kam uns wie ein großes Abenteuer vor, wenn wir uns zur Alster auf den Weg machten. Wenn wir zur Alster gingen, sind wir über die Kaiser-Wilhelm-Straße, über die Speckstraße, den Valentinskamp und über den Gänsemarkt gegangen. Gleich hinter dem Gänsemarkt konnte man schon bald das Wasser sehen. Wir waren immer mit ungefähr sechs Jungen unterwegs.

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Wohnviertel
Wenn der Getränkewagen durch den Kornträgergang kam, haben wir uns schon mal eine Flasche Limonade vom Wagen geangelt. Das war auch wieder so ein Spaß. Natürlich wussten wir, dass wir uns nicht erwischen lassen durften, aber ich glaube, wir fanden es damals nicht so schlimm, was wir da machten. Die Flasche war im Grunde kostbarer als der Inhalt. Na ja, wenn wir die Flasche wenigstens wieder hingestellt hätten oder doch wenigstens am nächsten Tag. Aber so weit haben wir gar nicht gedacht. Jedenfalls haben wir uns gefreut, wenn wir eine Flasche Limonade ergattern konnten. Das war ein Riesenspaß. Wenn der Fahrer vom Getränkewagen uns erwischt hätte, dann hätte er uns ohne weiteres mit der Peitsche geschlagen. Die hatte er, weil dieser Getränkewagen von Pferden gezogen wurde. Ich habe nie Schläge gekriegt als Kind, auch in der Schule nicht. Ich war immer flink und im Großen Ganzen anständig und habe auch gehorcht, wenn die Erwachsenen etwas sagten. Aber flink und gewitzt muss man schon sein im Leben. Das hat mir alles mein Vater beigebracht. Wenn man in einer Großstadt groß wird, dann weiß man wie man durchkommt, wie man sich verhält. Wir sind auch abends - o, wenn das der Vater gewusst hätte - wenn die Straßenbahn da fuhr, von der anderen Seite aufgesprungen. Die Straßenbahn war schon elektrisch. Mein Gott, wenn sie uns dabei erwischt hätten. Die Straßenbahn fuhr langsam. Wir sind dann auf die andere Seite gelaufen und aufgesprungen. Dann sind wir ein kleines Stück mitgefahren und wieder runter gesprungen, aber glücklicherweise nie gestürzt. Wenn ich heute daran denke, wie gefährlich das war… Und mit dem Schlitten erst. Ich war sieben oder acht Jahre alt. Vor dem Strafjustizgebäude war der Stadtgraben, da ging da so ein bisschen runter. Wir hatten ja keinen Schlitten. Da haben wir die Plakate genommen. Wenn sie uns dabei erwischt hätten… Das waren die Plakate auf denen die Veranstaltungen angezeigt wurden, Boxveranstaltungen oder andere. Die haben wir abends abgekniffen, denn die waren mit Draht an Bäumen festgemacht. Und dann haben wir uns auf diese Holzplatten mit den Plakaten gesetzt und sind den Hügel vom Stadtgraben runter gerutscht. Das war dann wie ein Schlitten. Meine Cousins, die leben ja leider nicht mehr, die waren auch dabei. Wir hielten uns alle drei fest und dann ging es runter und ganz bis auf den gefrorenen Graben.

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Neustädter Straße
Wir haben aber auch anderen geholfen. Wenn eine alte Frau durch das Gängeviertel ging und die hatte was getragen, dann haben wir geholfen. Das war ganz selbstverständlich. Da sprang immer einer hin und hat geholfen. Und wenn welche umgezogen sind, dann haben wir als Acht- oder Zehnjährige mitgeholfen. Manchmal gab es dann zwanzig oder dreißig Pfennig oder auch mal fünfzig Pfennig. Also, wenn ich darüber nachdenke, was heute die Jugend macht, so viel Geld haben wir nie gehabt. Und wenn dann der Dom auf dem Heiligengeistfeld kam, dann war erst etwas los ...

Meine Eltern haben immer Angst gehabt. Ich kam einmal um acht oder neun nach Hause mit der Schwester von meiner heutigen Frau. Da hat mein Vater aber eine Standpauke gehalten, als ich in die Tür kam. Meine Eltern hatten sich natürlich große Sorgen gemacht. Wenn wir auf dem Dom vor der Bude mit Süßigkeiten standen, kamen manchmal ältere Frauen, die uns da gesehen haben wie wir da standen und guckten. Sie haben uns dann etwas gekauft und es uns gegeben. Da kam ich manchmal mit mehreren Zuckerstangen nach Hause und hab dann meinen Brüdern etwas abgegeben. Und die Hedwig, die Schwester von meiner Frau, hat das auch gemacht, sie hat auch den Geschwistern etwas abgegeben. Das war damals für mich ein Leben ohne Probleme, ich war ein glückliches Kind. Wir haben nicht gebettelt, die Frauen haben uns die Süßigkeiten einfach so gekauft, wahrscheinlich weil wir so große Augen machten. Der Standbesitzer hätte uns vielleicht weggejagt, aber die Kundschaft gab den Ton an. Karussell fahren konnten wir nicht. Das konnten wir nicht bezahlen. Und die Schaukel war für uns zu gefährlich. Die ging so hoch. Das hatte uns der Vater eingetrichtert. Wir durften nicht rauf springen. Aber auf die Karussells mit den Pferden, da sind wir rauf gesprungen. Wenn ich zum Dom wollte, musste ich von der Neustädterstraße durch die Schlachterstraße, an der Ecke war ein Billardlokal, dann ging es über Hütten und über den Holstenwall zum Heiligengeistfeld. Da, wo das Museum für Hamburgische Geschichte ist, sind wir raus gekommen. Da sind wir am Stadtgraben entlang zum Heiligengeistfeld, zum Dom gegangen.

Und als das erste Mal der Zeppelin über Hamburg zu sehen war, daran erinnere ich mich noch genau. Der war so niedrig, dass wir dachten, der fliegt gegen das Haus. Ganz ruhig flog er aber vorbei.

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Wohnviertel
Da war viel Leben. Hamburg hat pulsiert. Es gab keine ruhige Minute. In Hamburg war immer etwas los, überall. Wenn die Kutscher Material brachten, sie hatten ja Pferdegespann und sie kamen die Neustädterstraße mit ihrem Wagen nicht durch, es ging ja ein bisschen bergauf. Wenn der Wagen also zu schwer beladen war und nicht hoch kam, es waren schwere Planwagen mit Eisenreifen, da war das Publikum da und hat geschoben. Der Kutscher hat einmal die Pferde geschlagen, da sind die Leute auf ihn losgegangen. Sie konnten nicht zusehen, wie er die Pferde schlägt. Der ist dann weggelaufen. Die Pferde schafften das einfach nicht. Dreißig oder vierzig Männer haben dann geschoben, damit der Wagen die Straße hoch kommt. Das habe ich alles gesehen. Und das vergisst man nicht.

Und wenn Winter war, mein Gott, die Fenster, die kleinen, schmalen Fenster, die waren nicht größer als die Fenster von einer Vitrine. Und die hatten ein Holzkreuz in der Mitte. Wir konnten den Nachbarn auf der anderen Straßenseite ins Fenster sehen. Wir hatten alle Petroleumlampen. Da war auf der anderen Seite eine Reinigung, dann kam der Metzger, der Schlachter, dann ein Kolonialwarengeschäft und oben an der Ecke war ein Bäcker. Das waren die Läden im Bäckerbreitergang. Und auf unserer Seite war ein Lokal. Da hat mein Vater abends oft Klavier gespielt. Der Vater meiner jetzigen Frau hat dort Geige gespielt. Das war meistens sonnabends, wenn viele Gäste kamen. Die Musiker bekamen zu trinken und zu rauchen dafür. Ins Lokal kam dann auch ein Rettichmann mit einem Korb, in dem er Rettiche hatte. Er hatte eine Maschine, mit der er die Rettiche schälen konnte. Er legte die Rettiche auf diese Maschine und die drehte sich, es gab dann eine lange Rettichschlange, so etwa wie eine Ziehharmonika. Dann streute er Salz drauf und legte den Rettich hin. Das haben die Gäste zum Bier gegessen. So ging das in Hamburg damals. Was so ein Rettich wohl gekostet hat? Ich weiß es nicht mehr, zwanzig Pfennig vielleicht. Mein Vater hat sich immer um Arbeit bemüht und oft hat er auch etwas gefunden. Nur viel Geld gab es nicht dafür.

Im Gängeviertel konnte man abends bis zehn oder elf Uhr einkaufen. Da stand einer Schmiere und passte auf, dass die Polizisten das nicht sahen. Die Polizei war immer mit zwei Mann unterwegs. Einer hat sich allein gar nicht in das Gängeviertel getraut, weil da immer was los war. Und dieser kleine Laden hat bis nachts um elf verkauft. Das durfte er nicht, aber man konnte alles kaufen, vom Petroleum über Kerzen, Wurst, Brot, Butter, alles konnten man da haben. Ich kann mich noch genau erinnern wie das war, wenn ich abends Petroleum holte. Da lagen zwei alte Handschuhe, die die Inhaberin anzog, das war so eine kleine schmächtige Frau, und dann hat sie das Petroleum eingegossen. Das hat man in einer Flasche transportiert, in einer Bierflasche oder Wasserflasche, jedenfalls war das eine Glasflasche. Ich hab dann Petroleum für zehn oder zwanzig Pfennig geholt. Dann hat meine Großmutter oder mein Großvater, wer gerade da war, eingegossen und den Docht sauber gemacht und dann angezündet. Geheizt haben wir mit Brikett oder Steinkohlen. Und immer, wenn ein Häuserabriss war, sind wir hin und haben geguckt, ob es etwas gab, was man gebrauchen konnte. Im Laufe der Jahre 1926 oder 28 haben sie die Verlängerung vom Rademachergang abgerissen. Und das Holz, was da übrig geblieben ist, das haben wir geholt zum Heizen. Das war da in zwei Tagen weg, weil jeder es gebrauchen konnte. Alle haben sich da Holz geholt. Da waren nachher nur noch die Steine da. Das Holz war alles weg, die Türen, die Fensterrahmen, alles einfach. Damit hat man geheizt. Wir hatten so kleine Kanonenöfen in der Wohnung. An der Seite war so eine Klappe. In der Küche habe ich als Fünfjähriger Angst gehabt. Da war es so dunkel. Da stand der Küchenherd und darüber war die Petroleumlampe angebracht. Da hat mein Vater einen Spiegel hintergestellt, damit es heller wird. Der Herd hatte zwei Platten bzw. zwei Ofenlöcher. Die Kohlen und das Holz standen daneben an der Seite. Meine Mutter konnte nur kochen, wenn das Licht an war. Im Sommer brauchten wir keine Lampen. Im Winter hatten wir zwei Petroleumlampen, eine in der Küche und eine im Wohnzimmer. Und über den Lampen hatte man einen Schutzzylinder, damit die Lampe nicht qualmt. Diesen Zylinder hat der Vater immer besorgt.

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Wohnviertel
Im Kornträgergang, bevor die Straße anfing, war auf der rechten Seite ein großer Hof. Da wurden Bücklinge geräuchert. Das stank durch den ganzen Kornträgergang. Und die Bewohner haben sich gefreut, wenn es geregnet hat. Stellen Sie sich mal vor, da war mitten im Wohnbezirk eine Bücklingsräucherei. Da hat es für zwanzig Pfennig ein großes Paket Bücklinge gegeben. Bei Regen war der Gestank nicht ganz so schlimm. Aber im Sommer hat es ganz furchtbar gestunken. Was sollte aber der Mensch in seiner Räucherei machen? Noch bevor wir 1933 umzogen, war er dann weg. Da kamen die Nazis, und da war er plötzlich weg. Es haben viele Handwerker und Arbeiter im Viertel gewohnt. Die Sinti, die da gewohnt haben, waren meistens Handwerker oder Musiker. Aber die Arbeitslosigkeit war riesengroß. Am Anfang vom Kornträgergang war ein freier Platz, von der Kaiser-Wilhelm-Straße aus, da war ein großes Viereck und da fing das Gängeviertel an. Davon gibt es viele Bilder. Da war auch das Lager von der Straßenreinigung. Da haben die Straßenfeger ihr Material hingelegt. Und auf diesen freien Platz kamen morgens immer zwei Männer, die haben Zeitungen mit Stellenangeboten gebracht. Sofort kamen mindestens so siebzig Männer, die haben schnell was aus der Zeitung herausgesucht und sind losgelaufen. Das waren Arbeitslose, die den anderen dann von den freien Stellen erzählt haben. Dafür haben die dann wieder Geld bekommen, von denen, die Arbeit suchten. Alle hatten Fahrräder. Und wer zuerst den Zettel hatte, wo drauf stand, wo eine Stelle frei war, wo es Arbeit gab, ist losgefahren. Das waren alles junge Männer, die keine Arbeit hatten.

Es gab viele Kommunisten. Da hab ich das erste Mal eine Schlägerei gesehen. Zwischen Polizei und Kommunisten. Das war in unserer Straße. Wir guckten aus dem Fenster. Das war so im Herbst, es war schon dunkel. Da sagten die Polizisten "Fenster zu oder wir schießen." Da haben sich die Polizisten und die Kommunisten eine richtige Schlägerei geliefert. So schlimm war Hamburg auch. Ja, Hamburg war auch schlimm. Und Mord und Totschlag stand in den Zeitungen.

Schulzeit
1926 kam ich in die Schule. Die Schulpflicht für alle gab es ja noch gar nicht so lange. Sie wurde sehr streng eingehalten, alle gingen zur Schule, arm und reich und natürlich auch die Sinti-Kinder. Mit sechs Jahren wurde ich eingeschult, in die Volksschule in Hamburg, Poolstraße 36. Am ersten Tag hat mein Vater mich zur Schule gebracht, dann ging ich jeden Tag allein, denn die Schule war ganz in der Nähe. Ich kannte den Weg gut, keine fünf Minuten war die Schule von unserer Wohnung entfernt. Meine Klassenlehrerin hieß Fräulein Schramm. Sie hatte einen kurzen Bubikopf, kurze blonde Haare, anders als die meisten Sinti-Frauen, die lange schwarze Haare hatten. Ich fand meine Lehrerin sehr hübsch und mochte sie. Ich war sogar in sie verliebt. Als kleiner Junge war ich in meine Klassenlehrerin verliebt. Sie war auch wirklich sehr nett. Kurz vor der Pause fragte sie die Klasse: "Wer hat Frühstück?" oder "Wer hat kein Frühstück?" Manchmal habe ich mich gemeldet. Dann bekam ich immer einen viertel Liter Milch und ein Brötchen von ihr. Sie hätte mir das bestimmt jeden Tag gegeben, aber sie musste auch anderen etwas geben. Für alle reichte es nicht, was sie mitgebracht hatte. Dann bekam ich kein Frühstück. Das kam vor. Aber ich fand sie trotzdem nett, auch zu den anderen Kindern war sie nett. Sie hat nie geschlagen. Das war den Lehrern damals noch erlaubt, aber Fräulein Schramm hat das nie gemacht. Ab und zu hat sie ein bisschen mit uns geschimpft, wenn wir sehr unruhig waren. Dann hat sie zum Beispiel gesagt: "Seid leise! Nicht umdrehen, bitte weiter lesen" und so. Das war alles nicht schlimm und musste dann auch sein. Dann bekamen wir in Turnen einen strengen Lehrer. Der hieß Schulz. Das war ein ehemaliger Offizier im Ersten Weltkrieg. Der war streng zu uns, aber wir waren auch manchmal ziemlich laut und haben getobt. Um eins oder zwei war die Schule aus, dann sind wir nach Hause gegangen.

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Wohnviertel
In fünf Minuten war ich zu Hause. Dann habe ich den Schulränzel hingeschmissen, und was zu essen da war, habe ich schnell gegessen und habe zu meiner Mutter gesagt, "Mama, ich gehe raus zum Spielen." Im Gängeviertel war ich dann bei meinen Cousins und meinen Schulkameraden. Wir haben den ganzen Tag rumgetobt. Die engsten Freunde waren immer die Verwandten, sozusagen meine Leute. Es waren auch Nicht-Sinti dabei, aber mit denen war es nicht so eng wie mit meinen Verwandten. Wir haben alles geteilt. Und wenn dann ein Brausemann, ein Lieferant kam, gab es ein Hallo unter uns. Mit dem Pferdewagen kam er gar kaum durch die engen Straßen. Das waren eigentlich gar keine Straßen, sondern Gänge, deshalb hieß es auch Gängeviertel. Sein Wagen war voller Kisten mit Brauseflaschen, die er in den Gaststätten abliefern musste. Er hat dann die Kisten abgeladen und erst alle vor die Tür gestellt, um sie dann nach und nach mit dem Wirt reinzubringen. Dann sind wir schnell hin, wenn er nicht geguckt hat und wir haben uns ein paar Flaschen geschnappt, und weg waren wir. Wir gingen auch nebenan zum Bäcker - er kannte uns schon - und haben gefragt "Haben Sie Abfall?" Der Bäcker verkaufte Streuselkuchen von einem grossen Blech. Und wenn der Kuchen in Stücke geschnitten wurde, dann blieb ein Rand, der war so zwei, drei Zentimeter breit. Das waren richtige Kuchen-Stangen. Die hat er uns gegeben, eine ganze Tüte voll. Uns hat der Kuchen wunderbar geschmeckt. Nach diesem "Abfall" zu fragen, war uns nicht peinlich. Das haben alle Kinder gemacht und sich gefreut, wenn sie mit einer Tüte aus der Bäckerei gehen konnten.

Im Kornträgergang haben vier oder fünf Sinti-Familien gewohnt. Meine Großeltern haben da gewohnt, Tanten und Onkel, Cousins und Cousinen. Manchmal habe ich bei meiner Großmutter gegessen, manchmal zuhause, manchmal bei einer Tante. Wer kam, hat etwas zu essen bekommen. Es war ganz egal, bei wem wir gegessen haben. Ungefähr so um sechs oder sieben musste ich zuhause sein und Schularbeiten machen. Die habe ich auch immer gemacht, allein schon wegen Fräulein Schramm. Ich wollte nicht, dass sie Grund gehabt hätte, mit mir zu schimpfen. Mein Vater brauchte gar nichts zu sagen, die Schularbeiten machte ich ganz von selbst. Es war nicht immer alles fehlerfrei, was ich gemacht habe, aber erledigt habe ich die Aufgaben immer. Mein Vater war auch manchmal streng, aber geschlagen hat er uns nie, so etwas gab es nicht. Das mache ich heute auch nicht. Ich habe meine Kinder nie geschlagen und würde auch die Enkelkinder nicht schlagen. Ich spreche schon mal ein Machtwort und sage laut: "Ruhe jetzt!" Aber die Hand heben und schlagen, das mache ich nicht. O, dann gäbe es auch Streit. Dann hätte ich mit meiner Frau sofort Streit. Das liegt uns nicht, Kinder zu schlagen.

1928 war ich acht Jahre alt, da war ich so bekannt im Gängeviertel, dass die leichten Mädchen mich gerufen haben, sie haben einen Zettel geschrieben, und dann musste ich ihnen Mittagessen aus einem Lokal am Schaarmarkt holen. Dort wusste man Bescheid, wenn ich kam. Ich bin zur Wirtin gegangen und hab den Zettel abgegeben. Bezahlt haben die Mädchen später. Der Wirt hat für die Frauen extra gekocht. Er wusste, dass sie das Mittagessen beim ihm holten. In der Küche hat man dann alles in einen Behälter gefüllt: Kartoffeln, Soße, Fleisch und Gemüse. Was es eben so gab. Der Wirt schenkte mir immer einen Apfel oder sonst etwas, ein Stück Kuchen oder auch mal eine Scheibe Wurst. Ich habe immer etwas bekommen. Dann brachte ich das Essen den leichten Mädchen. Und die gaben mir fünfzig Pfennig. Fünfzig Pfennig war eine große Münze. Das war viel Geld. Manchmal habe ich für einen kleinen Teil des Geldes, für höchstens einen Groschen, also zehn Pfennig, Brötchen gekauft und habe die mit meinen Cousins geteilt. Ein Brötchen kostete zweieinhalb Pfennig, vier Rundstücke, wie man in Hamburg sagt, habe ich dann gekauft. Manchmal sogar Franzbrötchen. Die waren süß. Wie aßen gern Franzbrötchen. Das war schön, wenn wir als Kinder uns etwas zu essen kaufen konnten und nicht um die abgeschnittenen Streifen vom Streuselkuchen bitten mussten. Es hatte sich herumgesprochen, dass ich das Essenholen für die leichten Mädchen so gut mache. So habe ich habe manchmal mehr Geld verdient als mein Vater. Zweimarkfünfzig bis drei Mark. Meine Mutter konnte dafür zwei Tage Mittagessen kochen. Ich habe das Geld nach Hause gebracht. Meine Mutter hat manchmal geweint, wenn ich ihr das Geld gegeben habe. Sie hat mich dann umgefasst und gefragt, "Wo hast du das her?" Und da hab ich ihr erzählt, dass ich für die Mädchen, die da immer stehen, das Essen hole. Eine Mutter weint, wenn ein Kind so denkt, dass es nach Hause kommt und sagt "Hier, Mama, hast du Geld." Das war auch traurig. Was die Frauen, für die ich zum Esslokal lief, eigentlich machten, das hab ich damals nicht ganz mit gekriegt. Erst 1933, da war ich schon 13, habe ich mitgekriegt, womit sie Geld verdienten. In dem Jahr sind wir aus Hamburg weggezogen.

Im Kornträgergang Nummer 50 war hinten ein kleiner schmaler Hof. Oft war der ziemlich dunkel, aber wenn die Sonne schien, war es hell da. Dann stellten die Erwachsenen manchmal sogar abends ein paar Stühle raus, saßen zusammen und unterhielten sich da. Wenn es geregnet hat oder bei Schnee, musste gefegt werden, weil das Wasser nicht ablief. Meine Verwandten hatten ganz oben eine Dreizimmerwohnung, aber die war klein. Alle Wohnungen waren klein. Es war luftig aber klein, und im Dachgeschoss hat mein Onkel, der älteste der Brüder, Tauben gezüchtet. Da war ein Taubenschlag. Mein Großvater wohnte auch im Haus. Er hat Geigen repariert. Andere Sinti kamen zu ihm, wenn ihre Geige repariert werden musste oder wenn sie ihre Geige verkaufen wollten und sich eine neue zulegten. Sie haben ihm ihre Geige gezeigt und z.B. gefragt: "Was kannst du da machen? Kannst du mir die wieder in Ordnung machen?" oder: "Kannst du die Geige für mich verkaufen?"

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Großvater und Großonkel
Sinti und manchmal auch Nicht-Sinti haben bei ihm Geigen gekauft. Und dann hat er vielleicht gesagt "Ja, das muss gemacht werden und das muss gemacht werden." Er hat so ein kleines Kabuff gehabt, eine kleine Kammer. Darin war ein ganz kleines Fenster. Aber da durfte keiner rein. Ich auch nicht. Ich habe ihm nur manchmal von der Tür aus zugeguckt. Er hatte da seinen Arbeitstisch, auf dem war alles ganz ordentlich aufgereiht, die Politur lag da, alles, was er zum Arbeiten brauchte. Alles war ganz ordentlich und akkurat. Seine Schlüssel und die Feilen und die Wölbe, die die er brauchte. Es war alles da. Alles lag an seinem Ort, da wo es hingehörte. Die Politur, der Lack und diese besonderen Schwämme, die Lappen. Er brauchte tagelang, um mit der Politur eine Maserung herzustellen. Er trug mehrere Schichten auf. Die mussten trocknen, dann wurde poliert, dann wieder eine neue Schicht, die dann nach dem Trocknen wieder poliert werden musste. Nochmal und nochmal. Zwischendurch zeigte er meinem Vater das Ergebnis, die Maserung, die er schon poliert hatte. Mein Vater war ja auch Musiker und ein Kenner kann man sagen. Mein Großvater hat so lange Schicht um Schicht aufgetragen und poliert, bis er mit der Maserung zufrieden war. Das dauerte oft stundenlang und weil es dann noch trocknen musste, dauerte die Arbeit tagelang.

Die Sinti-Musiker kannten viele Leute, viele Hamburger Bürger, die höhere Gesellschaft, die gern Feste feierte und sich dafür Musiker holte. Wenn eine Hochzeit war zum Beispiel, wollte man Zigeunermusik. Dann hat man meinem Großvater Bescheid gesagt. Es gab ja kein Telefon, sie haben einen Boten geschickt. Und dann hat mein Großvater meinem Vater gesagt, wie viele Musiker gebraucht werden, vier oder fünf vielleicht und welche Instrumente. Er stellte sozusagen die Musikkapelle zusammen. Die Geigen, Gitarre und Harfe. Manche von uns spielten auch Harfe und hatten ein eigenes Instrument. Das war etwas Besonderes. Und wenn ein Klavier bei den feinen Leuten im Haus vorhanden war - man nannte das damals Piano - dann ging mein Vater mit. Er konnte sehr gut Klavier spielen, aber er hatte kein eigenes.

Die meisten Sinti-Musiker waren alle schwarz, sie hatten schwarze Bärte, schwarze Haare und eine etwas dunkle Haut, aber mein Vater war hell, blond. Wenn er mit den anderen ankam, haben die Herrschaften nicht geglaubt, dass mein Vater auch ein "Zigeuner" ist. Bevor sie gespielt haben, haben sie in der Küche erst einmal etwas zu essen bekommen. In der Küche durften sie nicht rauchen, und wo die Gesellschaft war, die Herrschaften, da durften sie auch nicht rauchen. Wenn da ein Garten war, konnten sie im Garten rauchen. Die Musiker waren alle starke Raucher. Wenn sie gegessen und eine Zigarette geraucht hatten, dann haben sie Musik gemacht. Sie haben wunderbare Musik gemacht. Die Leute wollten gar nicht, dass sie aufhörten. Sie haben geklatscht und geklatscht am Schluss. Das hat den Männern gutgetan. Da war dann eine Schüssel, die war mit Papier ausgelegt, damit es nicht so klimpert, und da hat man dann Geld reingetan. Der Gastgeber aber auch die Gäste haben Münzen und Scheine in die Schüssel getan. Es kam darauf an, wie lange die Gesellschaft dauerte, den ganzen Tag bis acht oder bis zehn oder erst ab abends bis in die Nacht. Aber um Mitternacht war die Feier meistens zuende. Die reichen Leute wohnten am Mittelweg, am Rothenbaum oder direkt an der Alster. Mein Vater und die anderen sind von da zu Fuß nach Hause gegangen. Sehr weit war es nicht, aber in der Nacht waren sie so ungefähr noch eine gute halbe Stunde unterwegs. Manchmal habe ich am nächsten Tag meinen Großvater gefragt, wieviel er verdient hat. Meinen Vater mochte ich nicht danach fragen. Das Geld, das in der Schüssel war, Scheine und Hartgeld, wurde dann auf den Tisch gelegt und geteilt. Da gab es keinen Streit. Sie waren alle so über 50, ältere Männer sozusagen. Der Jüngste war mein Vater, 1894 geboren, er war der Jüngste. Bevor meine Familie in Hamburg sesshaft wurde, haben die Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits in Berlin gelebt. Und zwar in der Mindenerstraße. Das war ein großer Platz. Alle Sinti, die mit Pferd und Wagen durch Berlin fuhren, stellten sich auf den Platz. Alle wurden schon damals von der Polizei kontrolliert. Bevor Hitler an die Macht kam, wurden die Sinti in Deutschland schon erfasst und kontrolliert. Da mussten sie mit den Pferden hin. Da gab es auch Stallungen für die Pferde. Das war so groß wie ein Fußballplatz. Auch Toiletten gab es. Ich weiß nicht, ob sie eine oder zwei Mark Platzgeld bezahlen mussten. Da standen Pferdehändler, Schirmmacher, Scherenschleifer, Schuster. Die haben alles gemacht. Wahrsagerinnen und Kartenlegerinnen waren da. Die meisten Frauen verkauften Spitzen und Decken, was sie so hatten. Es gab auch Anstreicher und Maler unter den Sinti. Das hat sich dann in der Gegend herumgesprochen, dass sie da sind. Den ansässigen Handwerkern war es nicht angenehm, weil die Sinti Konkurrenz für sie waren und sie glaubten, Sinti würden ihnen die Arbeit wegnehmen. Aber meistens ging alles gut, gab es keinen Streit um Arbeit.

Es kamen schließlich immer mehr Sinti nach Berlin. Immer mehr. Die Stadt war groß, man konnte dort sein Auskommen finden. Besonders die Musiker haben gut verdient. Sie haben folgendes gemacht: ein oder zwei Männer, pikobello sauber und gut gekleidet, sind durch Berlin gegangen, zum Beispiel zum Wittenberg Platz, zur Tauenzienstraße, das war das Zentrum von Berlin. Da gab es mehrere Nachtlokale, große Theater und Kinos. Der Ufa Palast war wohl das größte Kino damals. In den Nebenstraßen waren die kleinen und großen Cafés. In diesen Cafés haben sie gefragt, ob sie "Zigeunermusik" machen können. Diese Musik war berühmt und wurde geschätzt. Einer der bekanntesten Musiker war Barnabas von Gezi. Er hat im Romanischen Cafe zum Fünf - Uhr - Tee gespielt. Und dieser Barnabas von Gezi hat im Rundfunk ein bestimmtes Lied gesungen: "Skandal in Budapest" hieß das. Das war ein ungarisches Lied. Das war schön. Wie gesagt, die Musiker haben gefragt, und dann haben die Cafebesitzer gesagt "Na, schön, dann kommen Sie mal." Bestimmt hat es auch etwas ausgemacht, dass sie so gut gekleidet waren und sehr gut aussahen. Ein Sinto mag sich gern gut kleiden, die Männer mögen das und die Frauen natürlich auch. In diesen Cafés haben die Musiker gut verdient. Deshalb sind eben viele Sinti nach Berlin gekommen. In dieser großen Stadt war immer etwas los. Und man konnte gut verdienen, sodass man davon leben konnte. Manchmal haben sie einen richtigen Vertrag für zwei, drei oder vier Wochen gehabt. Über eine längere Zeit wurden die Verträge nicht abgeschlossen. Wenn es nämlich dem Berliner langweilig wird, will er etwas anderes. Berlin war eine Großstadt.

Oskar Böhmer
Großmutter
Hamburg haben wir nicht aus freien Stücken verlassen. Wir lebten ja gern in Hamburg. Aber kurz nachdem Hitler an die Macht gekommen war, musste mein Vater zum Stadthaus kommen. Er musste seine Papiere zeigen und wurde über seine Familie ausgefragt. Schließlich sagte der Beamte zu meinem Vater, dass er in zwei Tagen noch einmal kommen soll. Und zwei Tage später musste er also noch mal hin. Jetzt waren da zwei andere Beamte. Einer von den beiden nahm meinen Vater zur Seite und sagte: "Es ist besser, wenn du aus Hamburg abhaust." Er hat aber nicht gesagt, warum und der andere im Zimmer hat das auch gar nicht mitbekommen. Ich nehme heute an, dass das von dem Beamten nett gemeint war, denn in Hamburg hatten die Nazis die Sinti im Visier. Wir hatten nie etwas mit der Polizei zu tun, aber Polizisten liefen jetzt immer öfter bei uns am Großneumarkt und im Gängeviertel herum, kontrollierten Ausweise und jagten uns Kinder von der Straße, wenn wir spielten. SA Männer in ihren schwarzen Uniformen marschierten auch ganz in der Nähe vorbei. Manchmal lieferten sie sich Straßenschlachten mit Kommunisten. Wahrscheinlich um uns keine Angst zu machen, hat mein Vater nicht genau gesagt, warum wir nach Berlin ziehen. Ich wusste es jedenfalls nicht. Mein Vater erstand für seine Geige, die sein Ein und Alles war, zwei Pferde. In Wandsbek auf einem Platz hatten wir einen Wohnwagen stehen. Den holte mein Vater, wir packten alles zusammen und reisten mit vielen Zwischenstationen 1934 nach Berlin. Ich glaube, wir brauchten ein Vierteljahr bis wir in Berlin ankamen. In Berlin hatten wir natürlich keine Wohnung wie vorher in Hamburg, sondern wir wohnten im Wohnwagen, und zwar in der Mindenerstraße, beim Tegeler Weg. Da war ein Schausteller Platz. Ich glaube, die Miete für den Standplatz kostete 12 Reichsmark im Monat.

Berlin
Ich bin in Berlin weiter zur Schule gegangen, und zwar in Berlin-Reinickendorf. Da bin ich gut vorangekommen, ich gehörte immer zu den fünf besten in der Klasse. Darauf war ich stolz, denn die meisten meiner Mitschüler waren keine Sinti. Ich konnte ihnen und den Lehrern zeigen, dass Sinti nicht anders sind als andere Kinder, genauso klug und vielleicht manchmal auch nicht so klug, wie andere eben auch. Mein zweiter Bruder ist zusammen mit mir in Berlin zur Schule gegangen. Die jüngeren Geschwister besuchten in Berlin die Grundschule.

Mein Vater fand Arbeit beim Staat, bei der Stadtreinigung. Er war in der Zentrale, wo die Wagen eingeteilt wurden. Er war zuständig für einen bestimmten Bezirk und musste bestimmen, wer wann wohin fährt. Viel hat er nicht verdient, aber es hat gereicht und es ging uns gut, wir waren zufrieden. Musik hat mein Vater nicht mehr gemacht, jedenfalls nicht mehr für Geld gespielt. Nur manchmal nahm er seine Geige, setzte sich abends vor den Wohnwagen und spielte eine Weile. Weil sein Verdienst nicht groß war, bekamen wir Pakete von der Winterhilfe. Für uns Kinder gab es Kleidung und Schuhe. Also, Hunger hatten wir nicht und Kleidung hatten wir auch. Mein Vater hatte Arbeit, meine Mutter umsorgte die ganze Familie. Es ging uns gut. Wenn die Nazis nicht ....

Eines Tages trug mein Vater eine Anstecknadel von der Arbeitsfront am Revers. Ich bemerkte das und fragte ihn, was das für ein Abzeichen ist. Er erklärte mir dann, dass man ihm bei der Arbeit gesagt hatte, dass er in die Arbeitsfront eintreten muss. Man zwang ihn zum Glück nicht in die Partei einzutreten. Aber wenn ich es heute bedenke, hätten sie ihn auch gar nicht genommen, weil er Sinto war. Aber zur Arbeitsfront musste er.

Als ich mit fünfzehn aus der Schule entlassen wurde, bekam ich eine Aufforderung und musste mich in Charlottenburg bei der Behörde melden, die für den Arbeitsdienst zuständig war. Alle Sinti, die keine feste Arbeit hatten, haben sie da eingesetzt. Als ich aufgerufen wurde, stand ich vor dem Beamten, der guckte nur kurz auf und sagte "Wo steckt denn der Zigeuner?" Ich habe geantwortet "Der steht vor ihnen." Er guckte mich jetzt von oben bis unten an und murmelte: "Da stimmt doch hier was nicht." Dann hat er wieder in der Akte geblättert und zu seinem Kollegen gesagt "Der Junge sieht doch gar nicht wie ein Zigeuner aus. Was soll das? Warum hat man ihn einbestellt? Den nehmen wir nicht beim Arbeitsdienst." Sie haben mich wieder nach Hause geschickt und gesagt, dass ich mir eine Lehrstelle suchen soll. Andere aus unserer Familie waren beim Arbeitsdienst. Ein Onkel wurde beim Elbtunnelbau in Hamburg eingesetzt.

Ich habe sogar eine Lehre angefangen. Wo wir nämlich zuerst in Berlin standen war es etwa wie Volksdorf, das war ein Vorort von Charlottenburg. Es ging uns gut da. Mein Vater hat ganz gut verdient, ich bin in die Lehre gegangen, und zwar im Restaurant Schützenhof. Ich wollte eine Kellnerlehre machen. Der Gastwirt hat mich gemocht, denn ich war flink, ich habe die Tische abgeräumt, war immer höflich zu den Gästen und habe so gar manchmal Trinkgeld bekommen.

Berlin-Marzahn

Oskar Böhmer
Berlin-Marzahn Sammellager
Als die Olympiade 1936 stattfand, wurden alle Sinti in Berlin in ein Lager zwangsumgesiedelt. Wir mussten alles zusammenpacken und wurden dann nach Berlin - Marzahn gebracht. Es ging durch ganz Berlin, durch ganz Lichtenberg, durch Wiesdorf. Das war ein Dorf mit Kirche in der Mitte und Bauernhäusern. In der Nähe vom Lager in Marzahn gab es einen Schuster und einen Kohlenhändler. Ich weiß noch, dass der Hase hieß. Das Gelände, auf dem wir in Marzahn zwangsweise stehen mussten, war vom Dorf zwei Kilometer entfernt. Der Weg zum Zwangslager, das Lager war ja eigentlich so etwas wie ein Ghetto, war zuerst nicht gepflastert. Das war ein holperiger Sandweg und bei Regen ging man da durch den Matsch. Die Sinti mussten den Weg pflastern bis zum Lager. Eine Baufirma beaufsichtigte das. Ich erinnere mich noch, dass man über Bahngleise gehen musste und dass vor dem Bahngelände ein Bahnwärterhäuschen stand. Wenn man über die Gleise gegangen war, ging es ein bisschen hoch, dann wieder runter und dann war da links vor dem Lagereingang die Polizeibaracke. Da waren Polizei, ein Arzt und eine Hebamme. Das ganze Lager war mit Stacheldraht eingezäunt. Es gab nur einen Eingang auf das Gelände. Das war so groß wie hier das Heiligengeistfeld. Ein großes Lager. Links und rechts waren Wälder. Strom gab es im ganzen Lager nicht für uns. Zwei Wasserpumpen gab es. Die mussten wir im Winter mit Stroh umbinden. Mehrere Male war das Wasser eingefroren. Ach, das war eine Sache. Frauen und alte Menschen konnten gar nicht bis zur Pumpe kommen, weil sie auf dem Weg dahin ausrutschten. Wir haben sehr darauf geachtet den Platz sauber zu halten, denn sonst wären Krankheiten ausgebrochen. Anfangs gab es noch einen jüdischen Arzt in der Nähe, der für uns zuständig war, aber bald hatten wir überhaupt keine medizinische Versorgung mehr, denn der Arzt war eines Tages nicht mehr da. Sie haben ihn weggebracht.

Als wir in Marzahn festgehalten wurden, musste ich natürlich meine Lehre abbrechen. Ich konnte ja nicht zu Fuß von Marzahn bis nach Charlottenburg gehen. Fahren durften wir nicht. Da habe ich dann eine Arbeit gemacht, die heute ein 20 jähriger Mann machen würde. Ich war 16. Das war bei dieser Firma Erwin Knabe. Erst habe ich da als freier Arbeiter gearbeitet und als der Krieg ausbrach, habe ich da als Dienstverpflichteter weiter gearbeitet. Ich sollte zum Reichsarbeitsdienst. Aber man hat mich nicht gelassen. Ich wäre sogar hingegangen, um meine Familie zu retten. Aber die Firma hat sich beschwert und hat mich nicht gehen gelassen. So bin ich in der Firma geblieben. Es waren noch zwei andere Sinti dort beschäftigt.

Die Zwangsumsiedlung nach Marzahn lief so ab: Die Polizei stand morgens um sieben mit Sattelschleppern auf dem Gelände vom Schaustellerplatz, wo wir in einem Wohnwagen wohnten. Wie ich schon erzählt habe, war das in der Mindenerstraße. Ein ganzer Trupp von Polizisten erschien plötzlich auf dem Platz. Mehrere Sattelschlepper und große Fahrzeuge kamen und hielten direkt auf dem Schaustellerplatz. Als die vielen Fahrzeuge anrückten, haben es die Familien mit der Angst gekriegt. Drei Polizisten rissen die Wohnwagentür auf und befahlen meinem Vater unseren Wohnwagen auf einen Sattelschlepper zu schieben. Meine Mutter zitterte und war ganz blass vor Schreck, und ich weiß noch wie heute, wie mir das Herz vor Angst im Hals klopfte. Mein Vater hat sich geweigert und hat gesagt: "Ich fass hier nichts an, wenn Sie das wollen, müssen Sie das selbst machen." Mein Vater war immer ein ruhiger und freundlicher Mensch, aber jetzt war er ganz außer sich und rief: "Nein, ich mache das nicht! Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen und hier friedlich gelebt! Wir gehen hier nicht weg!" Da wollte der eine Polizist auf meinen Vater losgehen und ihn schlagen. Der andere Beamte hat ihn aber zurückgehalten. Mein Vater war sehr erregt. Es kamen noch andere Polizisten dazu, drängten meinen Vater beiseite und machten sich daran, den Wohnwagen auf den Schlepper zu schieben. Wir Kinder und meine Mutter mussten uns reinsetzen, dann haben sie die Tür von draußen verriegelt. Mein Vater stand draußen hilflos daneben. Zwei Polizisten hielten ihn fest. Aus dem Wohnwagenfenster sah ich wie mein Vater fassungslos dastand und mit ansehen musste, wie man uns einfach abtransportierte. Alle Wohnwagen auf dem Platz wurden nacheinander mit Sattelschleppern auf den großen Platz nach Marzahn transportiert. Aber es wurden auch Sinti mit ihren Wagen aus anderen Gegenden in Berlin zwangsweise nach Marzahn gebracht. Mein Gott, so viele Sinti auf einmal hatte ich noch nie gesehen. Es war unglaublich voll auf dem Platz, Wagen stand an Wagen. Und jedes Mal, wenn wieder ein Wohnwagen ankam, liefen alle zusammen, um zu gucken, wer das ist. Man fragte sich: Ist das vielleicht ein Verwandter von uns? Woher kommt der? Es wurden Sinti aus ganz Berlin, von überall her nach Marzahn transportiert. Die Polizei hatte die Sinti ja schon seit vielen Jahren alle registriert. Man hat uns ja nie wirklich in Ruhe leben lassen. Wir haben das zwar nicht immer direkt bemerkt, aber die Behörden wussten alles über uns. Jetzt auf dem Platz in Marzahn wurden alle Wohnwagen nummeriert. Unser Wagen bekam die Nummer 37.

Mein Großvater war schon da, als wir ankamen. Wir haben es dann geschafft und konnten uns neben seinen Wagen stellen. Man ist ja immer froh, wenn mehrere aus der Familie zusammen sind. Mein Vater war fix und fertig, beide Eltern waren vollkommen mit den Nerven fertig. Und wir hatten Angst vor dem, was noch kommen könnte, denn diese Aktion ließ Schlimmes ahnen. Mein Vater hat immer gesagt "Das kann nicht sein. Warum machen die das mit uns?" In der Nacht konnten wir gar nicht schlafen. Ich habe gehorcht und gehört wie meine Eltern noch lange miteinander sprachen.

Anfangs war das Lager in Marzahn noch nicht eingezäunt, nur das Polizeirevier war direkt davor. Wir konnten uns frei bewegen und das Lager auch verlassen. In einer gemauerten Baracke gab es zwei Wasserpumpen und zwei Toiletten für alle Menschen, die jetzt in Marzahn unter Bewachung auf dem Platz leben mussten. Es waren Hunderte Sinti im Lager Marzahn. Sinti, die keinen Wohnwagen hatten, die in Wohnungen in Berlin gewohnt haben, wurden in vier Baracken einquartiert, die auf dem Gelände standen. Diese Gebäude waren nicht unterteilt. In einem großen Raum wurden ganz viele Familien auf einmal eingepfercht. Für alle gab es einen Ofen und einen Herd. Ich weiß gar nicht, wie die Menschen sich da alle versorgt haben. Es mussten ja alle Familien den einen Herd benutzen, um Essen zu kochen. Ich glaube, ich war selbst nie in einer der Baracken.

Am nächsten Tag ist mein Vater nach der Arbeit zur Behörde gefahren. Er wollte sich erkundigen, was das Ganze sollte, warum man uns nach Marzahn transportiert hatte. Es war im Grunde nutzlos, aber Vater konnte es einfach nicht verstehen, was man mit uns machte. Ich kann es bis heute nicht verstehen, was die Nazis mit uns gemacht haben, vor allem, dass sie uns alle umbringen wollten. Wir hatten niemand etwas zu Leide getan und waren immer anständige Leute gewesen. Ja, arm waren die meisten von uns, aber wir waren anständige Leute. Mein Vater kam am Nachmittag ganz deprimiert zurück. Auskunft hatte er nicht bekommen, man hat ihn einfach weggeschickt, ihm sogar gedroht, wenn er nicht sofort verschwinden würde ... Er rauchte nur ganz selten, aber als er sich eine Zigarette ansteckte, wusste ich schon Bescheid und meine Mutter auch. Er war sehr deprimiert und starrte nur vor sich hin. Schließlich sagte er: "Sie haben mich weggeschickt wie einen Hund." Es war sehr schlimm, meinen Vater so deprimiert zu sehen.

Ein paar Tage später wurde mein Vater bei der Stadtreinigung entlassen. Man hat ihm einfach seine Papiere gegeben und weggeschickt. Er ist dann zum Arbeitsamt in Berlin - Malsdorf gegangen. Das war in der Nähe von Marzahn. Da wurde er dann vermittelt und er konnte bei Hass und Frege anfangen, einem Straßenbau-Unternehmen. Ich hatte Arbeit in einer Herd- und Ofenfabrik. Erich Knabe hieß die. Da wurden Öfen und Ofenrohre hergestellt. Das waren so kleine Kanonenöfen. Wir mussten die von innen mit Lehm ausstreichen. Diese Öfen waren schon für den Krieg gedacht. Als der Krieg ausbrach, mussten wir hunderte davon herstellen. Ich habe von 7 Uhr morgens bis nachmittags um 5 Uhr gearbeitet. Manchmal hatte ich auch Nachtschicht. Die ging dann bis morgens um 7 Uhr. Dann musste ich gut eine Stunde zu Fuß nach Marzahn gehen. Ich glaube, der Stundenlohn war 75 Pfennig. Das war nicht viel, aber jeder Groschen zählte bei uns.

Weil wir gearbeitet haben, bekamen wir auch einen Krankenschein. Wir konnten nach Lichtenberg fahren und uns da ärztlich behandeln lassen, wenn es nötig war. Auch zum Zahnarzt konnten wir gehen. In Marzahn selbst, wo so ungefähr 800 Menschen eingesperrt waren, gab es keinen Arzt, es gab nur ein Krankenzimmer. Da bin ich aber nie gewesen. Im Lager konnte man sich leicht Krankheiten holen, weil die hygienischen Verhältnisse nicht gut waren. Und wir lebten dicht aufeinander, so dass man sich auch sehr leicht anstecken konnte. Viele ältere Menschen sind in Marzahn gestorben.

Die Lebensmittel wurden nach Kriegsbeginn 1939 noch knapper. Wir hatten alle kaum genug zu essen. Unter diesen Bedingungen wird man leicht krank. 1941 bekam ich eine Lungenentzündung. Ich bin zum Arzt gegangen und der hat mich sofort krank geschrieben und mir eine Bescheinigung gegeben, dass ich arbeitsunfähig bin. Ich habe meinen jüngeren Bruder sofort mit der Bescheinigung zur Firma geschickt, damit sie Bescheid wussten. Trotzdem hat diese Firma Erwin Knabe mich angezeigt, weil ich acht Tage nicht bei der Arbeit war. Dabei hatte ich sie doch unterrichtet, dass ich krank geschrieben bin und dass ich das Attest vom Arzt habe und dass auch die Krankenkasse davon unterrichtet wurde. Angeblich ist meine Krankschreibung verloren gegangen. So haben sie sich später rausgeredet. Die Firma Erwin Knabe hatte mich also angezeigt, weil ich nicht zur Arbeit kam. Plötzlich stand die Polizei vor unserem Wagen. Ich lag mit Fieber im Bett und wusste gar nicht was los war als sie die Tür aufrissen, mich aus dem Bett holten und ins Polizeiauto schubsten. Das war im Oktober. Sie haben mich dann zur Polizei am Alexanderplatz gebracht. Nach kurzer Zeit, nachdem ich alles erklärt hatte, haben sie mich wieder frei gelassen. Aber sie haben meine Erklärung überhaupt nicht ernst genommen, sondern mir gesagt, dass ich dann und dann nach Moabit kommen muss. Ich wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt wegen dieser acht Tage Krankheit und weil sie angeblich die Krankmeldung nicht bekommen hatten. Ich musste also einen Monat ins Gefängnis nach Spandau. Nach 1945 wurden in Spandau Kriegsverbrecher eingesperrt. Ich gehörte zu den Gefangenen, die da waren, weil sie gegen die Nazis waren und deshalb eingesperrt wurden oder weil sie so etwas Schlimmes verbrochen hatten wie ich. Im Grunde haben sie die eingesperrt, die ihnen nicht passten. Ich gehörte als "Zigeuner" dazu. So war es wohl.

Meine jüngeren Geschwister waren nun allein. Zum Glück war meine Großmutter noch da. Sie war über siebzig. Sie hat dann auf die Kleinen aufgepasst. Ich war einen Monat im Spandauer Gefängnis. Als ich entlassen wurde, habe ich dann bei derselben Firma meine Arbeit wieder aufgenommen. Ich hatte große Angst vor diesem Chef. Der Meister war angenehm, aber der Chef war ein Nazi. Das war ein älterer Mann, so ungefähr 60 Jahre alt. Er war groß, fast zwei Meter. Er hat immer SA Uniform getragen.

Im Juli 1938 gab es eine Razzia in Marzahn bei der fast alle Männer verhaftet wurden. Ich weiß heute, dass die Nazis damals in zwei großen Verhaftungswellen über 10 000 Menschen in Konzentrationslager verschleppten. Darunter waren sehr viele Sinti, aber auch Juden und andere Menschen, die den Nazis nicht passten.

Mein Bruder und ich gingen früh morgens zur Arbeit, wir waren also nicht da, als sie mit den Verhaftungen anfingen. Meine Mutter hat mir erzählt, dass die Polizei mit Hunden kam und das Lager abgesperrt hat. Kripobeamte verhafteten alle Männer im Lager, die zwischen 16 und 50 Jahre alt waren. Sie wurden in die Lastwagen gestoßen, die vorgefahren waren. Alle wurden dann in das KZ Sachsenhausen gebracht, das in der Nähe von Berlin war. Meinen Vater haben sie auch mitgenommen.

Als ich abends von der Arbeit kam, liefen die Frauen mir schon weinend entgegen. Alle waren natürlich furchtbar aufgeregt. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Ich habe ja selbst furchtbare Angst bekommen. Trotzdem versuchte ich meine Mutter zu trösten. Ich habe gedacht, dass sie die Männer doch wieder frei lassen müssen, denn wir hatten doch nichts getan. Aber keiner ist zurückgekommen. Acht Tage später bekamen wir einen Brief von meinem Vater aus Sachsenhausen. Da hatte mein Vater die Nummer 54606. Das war seine Häftlingsnummer. Er schrieb: Post, Pakete und Geld können wir empfangen. Wir konnten nicht viel schicken. Wir hatten ja nichts. Jede Woche haben wir 5 Mark geschickt.

Eines Tages habe ich allen meinen Mut zusammen genommen und wollte nach Sachsenhausen fahren. Es war ein Sonntag. Ich hatte mich erkundigt, wie man nach Sachsenhausen kommt, meine Mutter hat Brot, ein kleines Stück Wurst und ein paar Zigaretten in eine Tasche gepackt. Damit bin ich losgezogen zum Bahnhof. Mit der S-Bahn musste ich erst nach Lichtenberg und von dort dann nach Sachsenhausen, Haltestelle Oranienburg. Bis dahin habe ich es geschafft. Aber als ich aus dem Bahnhof kam, sah ich überall Polizei. Ich habe es mit der Angst gekriegt und bin wieder zum Bahnsteig und habe den nächsten Zug zurück genommen. Ich war sicherlich auch naiv, denn man hätte mich bestimmt nicht zu meinen Vater gelassen. Wahrscheinlich hätte man mich gleich dort behalten.

Ende 38 kam wieder eine Razzia. Da haben sie die Frauen geholt. Meine Mutter dabei. Die Frauen im arbeitsfähigen Alter nahmen sie mit. 1938 wurde meine Mutter mit anderen Frauen aus dem Lager Marzahn nach Ravensbrück deportiert, in das KZ Ravensbrück. Das war auch nicht weit von Berlin. Nun war ich mit meinen fünf Geschwistern allein.

Ich war damals 18 Jahre alt, der Älteste und nun verantwortlich für die jüngeren Geschwister. Als sie die Männer geholt haben, war ich schon auf dem Weg zur Arbeit und als sie die Frauen geholt haben, hatte ich Nachtschicht. Somit waren die Frauen schon alle weg als ich morgens zurück nach Marzahn kam. Sie haben die Mutter von sechs Kindern geholt und ins KZ gesteckt. Der Kleinste war fünf Jahre alt. Ich war der Älteste. Ich habe mit meinem Bruder, der zwei Jahre jünger war, gearbeitet. Ich musste also mit meinem Bruder zusammen die anderen ernähren. Sozialhilfe gab es nicht. Lebensmittelkarten haben wir anfangs in Marzahn voll gekriegt und dann wurde uns immer weniger gegeben. Fleisch, Speck, Eier, Fett, das war für uns im Lager Marzahn weniger als bei anderen. Heute weiß ich nicht, wie man das alles ausgehalten hat.

Was sollte ich machen? Was ich in dieser Situation bis morgens früh erledigen konnte, Lebensmittel einkaufen, das habe ich gemacht. Es war ein Weg von zwei Kilometern vom Lager bis zum Dorf. Und das Dorf war gegen uns eingestellt. Manche Landwirte, die haben uns gebraucht, die waren anständig zu uns. Die gaben uns für Arbeiten, die wir manchmal für sie machten, Frühstück und Abendessen und zahlten uns fünf Mark. Aber der Bäcker und der Metzger, die haben uns nichts gegeben. Nur was übrig geblieben ist, das hat man uns verkauft. Nun hatten wir auch immer Angst, dass wir auch wegkommen. Dann brach der Krieg aus. Jetzt mussten alle, die im Lager waren und die das 15. Lebensjahr erreicht hatten, ein Papier unterschreiben, dass wir ohne Erlaubnis Berlin-Marzahn, das Zigeunerlager, nicht verlassen dürfen, nicht woanders hinziehen dürfen. Das haben wir alle unterschrieben. Dann gab es Fliegeralarm; dieses Schießen konnte man hören. Bei uns war ja alles dunkel, direkt bei uns ist nichts passiert, aber man sah Berlin, wie es da brannte. Das ging das manchmal drei oder vier Stunden, bis eins oder zwei. Wir konnten vor Aufregung nicht schlafen. Aber um halb sechs musste ich aufstehen, um den sieben Uhr Bus zu schaffen. Ich hatte nicht weit zu fahren, fünf Stationen, dann war ich in Friedrichsfelde bei der Ofenfabrik. Da hat auch mein Cousin gearbeitet. Für die Soldaten in Russland wurden so kleine Kanonenöfen gemacht. Die haben wir nicht nur ausgeschottet mit Steinen und Schamott und mit Lehm, sondern wir haben auch die Rohre dazu gemacht. Das Blech wurde gewalzt durch eine Walze, dann gesägt und dann auf eine Eisenstange und schließlich kam eine Eisennute. Und darauf mussten wir mit einem Hammer schlagen und die Nute zuziehen, damit das Blech gebogen wird zu einem Rohr. Das ging von morgens um sieben bis nachmittags um fünf. Wenn dann ein Güterwaggon mit Kies oder Lehm kam oder mit Blech, dann mussten wir abends auch länger arbeiten. Dann gab es aber große Probleme mit dem Einkaufen. Wenn ich nach fünf nach Hause kam, schaffte ich es nicht mehr ins Dorf zu gehen. Meine Schwester, sie war 14, mochte ich nicht allein ins Dorf lassen. Ich hatte immer Angst, man könnte ihr etwas tun. Dann gingen aber die Nachbarsfrauen aus den anderen Wohnwagen für uns. Denen habe ich aufgeschrieben, was wir brauchten. Das haben sie dann für uns auf den Marken geholt. Wir haben uns gegenseitig geholfen. Außer den Lebensmittelkarten gab es auch Bekleidungskarten. Darauf konnten wir Gummischuhe kaufen, wenn welche da waren. Wintersachen, Schal oder Unterwäsche, das war alles für uns gestrichen. Das hat man auf den Marken ungültig gemacht. Gummischuhe und Strümpfe, wenn sie mal da waren, konnten wir kriegen. Dafür mussten wir von Marzahn mit dem Bus bis nach Lichtenberg fahren. In Lichtenberg bin ich ausgestiegen und bin die Frankfurter Allee runter gegangen, ungefähr fünf Kilometer bis zum Straußbergerplatz/ Alexanderplatz. Da waren auf der linken Seite richtige Läden, Textilgeschäfte. Da bin ich reingegangen und habe die Karte gezeigt und gefragt, ob sie etwas haben. Manchmal bekam ich etwas. In einem kleinen Laden kriegte ich Wolle für Strümpfe. Von uns konnte zwar keiner stricken, aber ich habe die Wolle genommen, denn einige Frauen im Lager konnten sehr gut stricken.

Sonnabends, wenn ich nicht nur bis eins arbeiten musste, bin ich direkt von der Arbeitsstelle mit dem Bus bis Lichtenberg gefahren und von dort mit der U-Bahn bis Straußberger Platz. Da war nämlich ein Wochenmarkt. Der war immer, jeden Tag. Das war ein großer Markt in einer Halle. Und da habe ich Gummischuhe gekauft. Denn eine Bekannte hatte zu mir gesagt "Du musst zu dem Metzger da gehen, der heißt soundso" - die hatten an ihrem Stand immer ein Schild mit dem Namen - "und da fragst du nach Frau soundso." Ich musste da erst mal warten, denn da standen mehrere Leute. Aber die Frau muss mich bemerkt haben, sie ging so an die Seite und ich auch und dann gab ich ihr die Gummischuhe. Dafür hat sie mir einen Eimer gegeben und etwas Abfall von der Wurst. Ich konnte aber nicht sehen, was in dem Eimer war, weil ich ihn nicht sofort aufmachen konnte. Ich bin dann mit allem nach Hause gefahren, wieder mit dem Bus und mit der U-Bahn. Und als ich dann im Wohnwagen war, habe ich gezeigt, was ich bekommen hatte. Die Wurstabfälle waren so die Zipfel, die Wurstenden und so. Und eine ältere Bekannte, die war schon über 70, die hat dann mit einem Löffel den Deckel von dem Eimer aufgemacht. Da waren Grieben drin, das Fett vom ausgebratenen Speck. Ich wusste gar nicht, was ich damit machen sollte. Aber die Bekannte sagte: "Das machen wir portionenweise heiß und dann können wir das über die Kartoffeln gießen oder aufs Brot streichen." Das hat uns wunderbar geschmeckt.

Vor allen Dingen hat mein Aussehen mir viel geholfen. Das helle Aussehen hat mir geholfen und dass ich schreiben und lesen kann. Wenn die Leute eine Person sahen, die etwas dunklere Haare hatte oder vielleicht sogar leicht bräunliche Haut, wie manche Sinti, dann haben die meisten einen schlecht behandelt. Mich haben sie aber nicht gleich als Sinto - oder wie sie damals sagten als Zigeuner - erkannt. Ich war blond und sah so richtig deutsch aus. Ich war ja auch Deutscher wie meine ganze Familie schon seit vielen hundert Jahren.

Oft gab es Fliegeralarm. Meistens zwischen 11 und 12 Uhr nachts. Wir hatten ja kein Licht. Wir hatten nur eine Petroleumlampe. Ja, und dann war da die Angst. Die flogen über das Lager weg, 10 km rein nach Berlin und da haben sie bombardiert. Ich lag dann wach im Bett und horchte. Die Kleinen weinten vor Angst. Im Grunde lebten wir dauernd in Angst. Wir hatten Angst vor den Polizisten, vor den Dorfbewohnern, irgendwie vor allem und jedem. Wenn man nicht dazu gehört, die anderen einem einen Stempel aufdrücken, dass man angeblich anders ist, dann hat man entweder dauernd Angst, etwas falsch zu machen und dann bestraft zu werden oder man stumpft ab oder wird sogar aggressiv. Dann hat man das Gefühl, dass man sich dauernd gegen irgendwas oder irgendjemand wehren muss. Ich glaube, so ist es noch heute, und zwar nicht nur in unserer Minderheit, sondern auch bei anderen, die hier Leben und die nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören, die man nicht haben will.

Oskar Böhmer
Berlin-Marzahn - Wachmannschaft © Bundesarchiv
Einige Polizisten in Marzahn waren ganz in Ordnung, aber es gab auch welche, die uns schlecht behandelten. Einer war dabei, der war ein Teufel. Der hieß Bredel. Der fing als einfacher Polizist an und nach einem halben Jahr durfte er einen Degen tragen. Der hat jeden im Lager, der in der Nacht geraucht hat, auch dann, wenn gar kein Fliegeralarm war, aufgeschrieben. Vier Mark Strafe musste man sofort bezahlen. Nach einem halben Jahr hat der also einen Säbel getragen, eine ganz neue Uniform und einen Hund hat er gekriegt. Wenn wir zur Arbeit gingen, die zwei Kilometer zum Bus, dann haben wir manchmal den Weg abgekürzt und sind über die Felder gelaufen, wo aber gar kein Getreide mehr war, da hat der uns erwischt. Der hat uns aufgeschrieben und wir mussten bezahlen, sonst hätte er uns noch irgendwo gemeldet und angeschwärzt.

Aber es kam ja noch viel schlimmer.

Als der Krieg ausbrach, war meine Mutter schon über ein Jahr im KZ Ravensbrück. Wir bekamen auch Post von ihr. Sie schrieb "Liebe Kinder, ich bin hier gut angekommen. Es geht mir gut. Ich arbeite in der Schneiderei." Meine Mutter konnte gut nähen. Das hat ihr das Leben gerettet, sonst wäre sie 45 nicht lebendig aus dem KZ gekommen.

In Marzahn war ein Tag wie der andere. Ich ging zur Arbeit außerhalb des Lagers. Die Polizisten, die am Tor Wache hatten, kannten mich und grüßten meistens ganz freundlich. Kann sein, dass manche sich auch gewundert haben, wenn sie mich sahen, denn ich war blond, sah gar nicht aus wie ein "Zigeuner", wie sie uns nannten. Und ich passte auch sonst nicht in ihr Bild von einem "Zigeuner". Ich verließ morgens pünktlich das Lager, kam abends zurück, war immer sauber und ordentlich, obwohl die Bedingungen wirklich nicht danach waren, dass man wie aus einem Ei gepellt aussehen konnte. Aber ich schaffte es immer, meine Kleidung sauber zu halten. Abends musste ich vor dem Wohnwagen in einer Schüssel unsere Wäsche waschen. Es war ja niemand da, der es tagsüber hätte machen können. Manchmal halfen mir auch die alten Frauen, die man in Marzahn gelassen hatte. Sie waren für die Nazis nicht "nützlich" genug, weil sie nicht mehr für harte Arbeit eingesetzt werden konnten. So blieben sie in Marzahn.

Als Komparse beim Film

Oskar Böhmer
Leni Riefenstahl und Hitler
Einmal passierte doch etwas Besonderes. Soweit ich mich erinnere, war es 1940, es kann aber auch schon früher gewesen sein. Wenn man erzählen soll, wird man immer nach genauen Jahreszahlen und manchmal sogar nach Tag und Monat gefragt. Diese Fragen sind nicht ganz einfach zu beantworten, denn wie ich schon sagte, war besonders im Lager meistens ein Tag wie der andere. Und wenn es besondere Ereignisse gab, hat man fast immer nur die Schreckensjahre im Kopf behalten.

Ich weiß aber noch, dass ich Nachtdienst hatte und am frühen Nachmittag gerade wach geworden war, als ich Stimmen draußen hörte. Ich trat vor die Wohnwagentür und sah eine sehr gut gekleidete blonde Frau, die von einigen jungen Männern umgeben war, die Fotoapparate und Aktenmappen trugen. Einer der Polizisten vom Eingangstor war auch dabei. Die Frau wirkte in ihrem Kostüm ziemlich fremd im Lager. Sie fiel auf. Es war Leni Riefenstahl, die schon damals berühmte Filmregisseurin. Natürlich habe ich das erst später erfahren. Sie suchte Komparsen für ihren Film "Tiefland", und zwar solche, die Spanier darstellen sollten. So kam sie wohl auf die Idee, Sinti zu nehmen. Und die Filmstudios in Babelsberg waren nicht weit entfernt von Marzahn. Es war also ganz bequem für sie "Spanier" im Lager Marzahn bei uns Sinti zu suchen. Ich sah zwar nicht so spanisch aus mit meinem blonden Haar, aber sie hat mich trotzdem mit ausgesucht. Ich bekam dann die Aufgabe, Kinder zwischen 12 und 15 zu bestimmen und außerdem vier Erwachsene. Eine Liste mit den Namen musste ich anfertigen. Mehrere Tage, vielleicht waren es sogar zwei, drei Wochen wurden wir immer nach Babelsberg gebracht. Meine Firma musste mich solange freistellen. Leni Riefenstahl war eine berühmte Frau und hatte ihre Verbindungen, da wagte keine Firma "nein" zu sagen. Wir bekamen sogar Geld. Es kann sein, dass es so etwa 10 Mark am Tag gewesen sind. Jedenfalls weiß ich noch, dass es für uns sehr viel Geld war.

Leni Riefenstahl war - wie soll ich sagen - eine sehr harte Arbeiterin. Sie war fanatisch. Aber wir haben nicht gelitten dadurch. Ja, sie war fanatisch; so habe ich sie erlebt. Ob sie nun was mit Hitler hatte, weiß ich nicht. Schlafen konnte er mit ihr nicht. Sie mochte andere. Sie war so fanatisch wie heute die Gebrüder Schumacher als Rennfahrer. Sie mochte tanzen, sie hörte gern unsere Musik. Es ging ihr nur um ihre Filme. Ich kann über diese Frau nichts Böses sagen. Sie hat sich zwar nicht direkt um uns gekümmert, mit ihr gesprochen habe ich wohl nicht. Daran kann ich mich nicht erinnern. Aber ich war ziemlich beeindruckt von ihr. Sie hatte natürlich auch ihre Mitarbeiter. Aber in Babelsberg war sie immer selbst anwesend. Wir konnten auch in die Kantine, denn wir haben ja mehrere Stunden gearbeitet, acht bis zehn Stunden. Wir hatten eine Pause. In der Kantine mussten wir in einer besonderen Ecke sitzen, damit wir mit der Prominenz nicht zusammenkommen sollten. Richtig schlecht behandelt wurden wir aber in Babelsberg nicht. Abends wurden wir zurück nach Marzahn gebracht. Für uns war das im Grunde eine interessante Abwechslung.

Es wurde dann sogar noch aufregender, als wir nach Tirol gebracht wurden, denn da wurde der Film weiter gedreht. Heute weiß ich mehr darüber. Leni Riefenstahl hat dann noch weitere Sinti aus dem Lager Maxglan geholt, die als Komparsen mitspielen mussten. Wir Sinti wurden alle in Baracken untergebracht und von der Gendarmerie bewacht. Wir bekamen zu essen und zu trinken, aber wir durften nach 8 Uhr nicht mehr raus. Wir mussten in der Baracke bleiben. Ungefähr drei Wochen haben wir da gedreht. Das waren die Außenaufnahmen. Ich musste die Namensliste führen, ich musste die Einteilung machen, wann und wo. Ich musste sagen "da musst du sein, da musst du sein." Also insgesamt kann ich über diese Frau nichts Schlechtes sagen. Wir waren so ungefähr 30 oder 40 Kinder. Manchmal wurden die Dreharbeiten unterbrochen. Einige sind zurück nach Marzahn gefahren oder ins Lager Maxglan, wo Sinti und Roma eingesperrt waren. Das war in Österreich. Im Großen Ganzen wurden wir anständig behandelt.

Leni Riefenstahl hat im Film selbst mitgespielt. Sie war nicht nur die große Regisseurin, sondern auch die Hauptdarstellerin. Ich konnte im Studio zusehen, als sie bei den Innenaufnahmen getanzt hat. Sie war eine hübsche Frau. Aber sie war eine Fanatikerin. Die konnte 20 Stunden arbeiten, sie war immer lebendig und wach. Sie war immer da. Dann kam der Luis Trenker. Der hat auch mitgespielt. Das war so ein Naturbursche. Der war sehr nett zu uns, mit ihm habe ich sogar einmal gesprochen.

Drei Wochen hat das Ganze ungefähr gedauert. Das war eine gute Zeit für mich. Wir sind dann von Mittenwald wieder nach Hause, nach Marzahn gefahren. In Berlin mussten wir noch mal zu Innenaufnahmen nach Babelsberg. Kurze Zeit später habe ich dann noch in dem Film "Mein Leben für Irland" als Komparse mitgespielt. Für diesen Film war ich zweimal in Babelsberg. Das war ein Film mit Rene Deltken, der damals ein ganz berühmter Schauspieler war. Im Film spielte er einen irischen Freiheitskämpfer. Uns Sinti haben sie ins Gefängnis gesteckt im Film. Wir waren im wirklichen Leben schon in Marzahn sozusagen im Gefängnis und wurden dann auch noch im Film Gefangene. Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich es gar nicht fassen, was man alles mitgemacht hat.

Plötzlich hieß es "die Zigeuner müssen raus." Da durfte ich nicht mehr mitspielen. Ich fand das sehr schade, denn das Filmemachen war viel besser als in der Ofenfabrik zu arbeiten. Ja, wenn diese verdammten Nürnberger Gesetze nicht gekommen wären. Es fing in Bayern an, von Bayern hat es sich über ganz Deutschland gezogen. Erst hieß es "Juden raus", dann war es nicht weit bis zum "Zigeuner". Manche Polizeibeamte in Jungfernheide, wo wir anfangs in Berlin wohnten, bevor wir ins Zigeunerlager kamen, kannten uns und sie grüßten uns. Das Revier lag ungefähr hundert Meter von unserem Platz entfernt. Diese Polizisten haben sogar abends manchmal mit meinem Vater Skat gespielt. Damals in Jungfernheide ging es uns gut. Ich habe die Schule weiter besucht, mein Bruder hat die Schule weiter besucht, mein Vater hat gearbeitet. Ich wollte die Kellnerprüfung ablegen. Wenn ich aus der Schule kam, habe ich im Restaurant geholfen. Erst habe ich das Geschirr abgewaschen, dann ging es immer weiter, dann habe ich Bier ausgeschenkt. Ich habe ein sauberes Buffet gehabt, die Maschinen immer sauber gehalten. Ich war angemeldet als Lehrling, ich hatte einen Vertrag. In Hamburg habe ich nach 1945 meine Prüfung abgelegt.

Deportation
Und dann kam der verfluchte März 43. Marzahn 1943.

Als ich von der Arbeit kam, liefen mir die älteren Frauen, die noch da waren entgegen und sagten, "Sie haben auch deine Geschwister abgeholt." Fast alle hatten sie abgeholt, auf Lastwagen getrieben und weggebracht. Es blieben noch fünf oder sechs Familien da. Damals wusste ich nicht, wie das kam. Aber heute weiß ich, dass Himmler die Idee hatte einige von uns, die von ihm als "reinrassig" Bezeichneten, wie in einem Zoo zu behalten, um sie zu beobachten. Unserer ursprünglichen Herkunft nach, man nimmt an, dass es Indien war, waren wir ja "arisch" wie die "Arier". Damit hatten die Nazis wohl irgendwie ein Problem. Sie haben die allermeisten von uns deshalb einfach als "nicht reinrassig" erklärt, als eine Gruppe von Menschen, die noch gefährlicher sein sollte, als die "Reinrassigen". Allein daran sieht man schon, welch ein Wahnsinn der Rassismus ist. Man könnte fast darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Der große Platz in Marzahn war fast menschenleer. Die fünf Familien, die bleiben durften, trauten sich gar nicht aus ihren Wohnwagen. Meine Großeltern hatten sie auch mitgenommen. Die waren damals schon über 70, mein Großvater war 78 und meine Großmutter 70. Und die fünf Enkelkinder, also meine kleinen Geschwister, hatten sie auch mitgenommen.

Als ich das hörte, war ich fertig. Ich war total fertig. Mein Onkel, der Bruder meiner Mutter, der auch in Marzahn war, der war beim Arbeitsdienst und kam kurze Zeit nachdem ich auf das Lagergelände kam und alles erfahren hatte. Er trug die Uniform vom Arbeitsdienst. Das hat uns oft geholfen. Ich wollte sofort mit ihm zusammen zur Polizeiwache am Alexanderplatz. Aber er sagte zu mir, dass wir jetzt nichts mehr machen können, dass wir besser morgen früh zum Polizeirevier fahren. Das war an einem Donnerstag, Mittwoch war die Razzia. Wir sind also hingefahren zum Polizeipräsidium. Der Beamte hieß Karsten. Er behandelte uns einigermaßen menschlich. Er konnte sogar ein bisschen Romanes verstehen. Damals dachte ich noch, das wäre besonders nett, aber heute denke ich, dass sie uns alle bespitzelten, mitkriegen wollten, worüber wir sprechen.

Ich bin also rein und sage "Herr Karsten, Heil Hitler" und habe stramm gestanden. Da war noch ein Beamter mit ihm im Zimmer. Der hat uns sofort forsch angeschnauzt. "Was ist denn los hier?" Der ging dann aber raus. Der Karsten sagte zu mir: "Wegen deiner Geschwister konnte ich nichts machen. Ich kann wirklich nichts dafür, dass deine Geschwister mitgenommen worden sind. Deine Großeltern haben sie auch mitgenommen." Er war Beamter bei der Dorfpolizei in Marzahn gewesen und kannte uns. Aber wie der andere wieder ins Zimmer kam, zeigte er Distanz zu uns, zu mir und meinem Onkel. Dann ist er aber mit uns rauf zum Polizeichef. Er sagte zu uns: "Kommt mal mit zum Chef, vielleicht kann ich da was machen." Aber ich war total fertig. Ich konnte nicht mehr reden. Er hat uns also mit zum Chef reingenommen.

Der Mann war so forsch, so ein großer forscher, magerer Mann. Er hatte einen dunklen Anzug an mit Abzeichen. Der Karsten hat ihm dann vorgetragen, wer wir sind und dass wir beide arbeiten, dass einer beim Arbeitsdienst gewesen ist. Und da sagt er, "Ja, lass sie hier, aber dann sollen sie mir fünf andere bringen." Die Transportliste war schon mit einem bestimmten Soll voll, die Zahl war voll. Hätte ich jetzt fünf andere gebracht, hätte ich meine Geschwister rausgekriegt. Aber wen sollte ich nehmen? Für meine Geschwister hätte ich zwar alles getan, aber ich hätte doch keine anderen Sinti ausgeliefert. Und er sagte noch: "In drei Stunden müsst ihr mit den fünf Zigeunern hier sein. In 24 Stunden geht der Transport." Es gab keine Wahl. Ja, vielleicht hätte ich fliehen können. Aber wohin? Wohin hätte ich laufen sollen? Man hätte mich doch sofort irgendwo geschnappt. Ich hatte kein Geld, kannte keinen Menschen, der noch frei war. Was hätte ich tun sollen? Wir sind dann zurück nach Marzahn gefahren und haben alles zusammen gepackt, was wir hatten. Ich habe alles in einen Bettbezug gestopft. Ich weiß nicht mehr, ob ich überhaupt schlafen konnte. Ich weiß nur noch, dass ich schreckliche Angst hatte und mich immer wieder fragte, was sie wohl noch mit uns vorhaben. Obwohl ich schon so viel erlebt hatte, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass sie planten uns alle umzubringen, uns zu vergasen. Sowas kann man sich einfach nicht vorstellen. Und hätte ich das alles nicht selbst in Auschwitz erlebt, dann würde ich es bis heute nicht für möglich halten.

Am nächsten Morgen haben mein Onkel und ich uns dann im Polizeipräsidium gemeldet. Fingerabdrücke waren nicht mehr nötig, wir haben nur unseren Namen gesagt und sie haben uns die Ausweise abgenommen.

Eine Nacht mussten wir dann noch auf dem nackten Boden in einer Halle übernachten. Die Frauen und Mädchen hatten sie schon von den Männern und Jungen getrennt. Morgens ging es dann los. Es ging alles ganz schnell. Wir mussten auf die Lastwagen steigen, die mit uns Sinti zum Schlesischen Bahnhof fuhren. Da, wo der Zug stand, war keine Menschenseele zu sehen. Der Bereich, wo wir in den Zug verladen wurden, war von der Polizei und von der Wehrmacht abgesperrt. Man hat uns geschubst und gejagt, weil alles schnell gehen sollte. Man wollte wahrscheinlich neugierige Blicke von anderen vermeiden, nicht allzu viel Aufsehen hervorrufen. Ich musste zusehen, dass ich mit meinen Geschwistern zusammen blieb. Es war ein Personenzug, kein Viehwaggon. In jedem Abteil fuhr ein Wehrmachtssoldat mit. Als alle drin waren, haben sie von außen die Türklinke abgenommen, damit keiner mehr raus konnte. Die Türklinke hatte der Wehrmachtssoldat in seiner Jackentasche.

Der Zug fuhr einen ganzen Tag, 24 Stunden mindestens waren wir unterwegs. Dann kam Auschwitz ...

Auschwitz-Birkenau
Man hat uns nach Auschwitz gebracht? Warum?

Wir hatten keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern, als wir nach Auschwitz kamen. Dass mein Vater tot war, wussten wir nicht und von der Mutter wussten wir auch gar nichts, bis wir meine Mutter 45 wiederfanden. Im August oder September 1945 haben wir meine Mutter gefunden. Wir wussten ja überhaupt nicht, dass wir aus Auschwitz lebend wieder raus kommen. Wir haben von einem zum anderen Tag gelebt - im so genannten Zigeunerlager in Auschwitz-Birkenau. Das war auf dem riesigen Lagergelände mit zig Baracken, ein besonderer Bereich, ein Lagerabschnitt, wo man nur die Sinti und Roma, die Zigeuner, wie man damals sagte, eingesperrt hat. Es waren da Sinti und Roma von überall her, aus Holland, aus Frankreich, aus dem ganzen Osten und natürlich aus ganz Deutschland.

"Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau

Die Zustände waren furchtbar. Die Baracken waren ehemalige Pferdeställe. Innen war kein gemauerter Boden, nur die matschige Erde. Und kein Licht. Nur ganz oben unter der Decke waren kleine Luken. Dreistöckige Kojen gab es mit Holzpritschen, auf denen sich viel zu viele Menschen zum Schlafen legen mussten. Betten waren das nicht. Ein bisschen Stroh hatte man auf jede Pritsche geworfen. Später bekamen wir Decken, die vor Schmutz starrten. Frauen, Kinder und Männer waren alle zusammen, nicht getrennt wie in den anderen Lagerabschnitten. Aber das war für uns nicht unbedingt besser, denn in unseren Sitten spielt die Scham eine große Rolle. Scham und Respekt. So war es besonders für alte aber auch junge Frauen und auch für die Männer schrecklich, dass man sogar seine Notdurft nicht für sich allein verrichten konnte, sondern in aller Öffentlichkeit.

Oskar Böhmer
Baracke
Copyright © Auschwitz Museum
Wir haben schnell begriffen, was in Auschwitz los war. Hier ging es nicht darum, dass alle arbeiten sollten, wie wir ahnungslos gehofft hatten. Auschwitz war eine Mordanstalt. Das haben wir schnell erkannt. Wenn Lagersperre kam, bedeutete das: wer aus dem Block geht, wird erschossen. Da wussten wir, dass welche ins Krematorium kamen. Alle Menschen, die in einem Block eingepfercht waren, wurden ermordet, wenn Lagersperre angeordnet wurde. Es gab z.B. zwei Blöcke mit polnischen Zigeunern. Die sind am Tage rein gekommen und nachts wurden sie vergast. Sofort. Die kamen in den Block rein und es wurde abgesperrt, Lagersperre. Da traute sich keiner, die Blocktür auch nur einen Spalt zu öffnen. Der Stubenälteste und der Blockälteste haben aufgepasst, dass keiner rausgeht. Die wären sofort erschossen worden. Man hörte die Schreie, wenn die Menschen auf die Lastwagen geprügelt wurden. Das waren Angstschreie, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Von unserem Block aus konnten wir das Krematorium sehen. Da brannte und qualmte es Tag und Nacht. Meterhohe Flammen schlugen aus dem Schornstein. Wir sahen das. Einmal kamen holländische Juden. Sinti waren auch dabei. Es gab wieder Lagersperre. Durch die Ritzen in der Lagertür konnte man manchmal etwas sehen oder durch die kleinen Fenster ganz oben. Da musste dann jemand hoch auf die Bettkoje klettern. Von oben konnte man auf die Lagerstraße sehen. Links und rechts von der Lagerstraße standen ungefähr dreißig Blocks. Die Juden und Sinti, die gerade erst angekommen waren, wurden wieder auf Lastwagen geschubst und getreten. Dann fuhren die Lastwagen rüber in die "Sauna" und wenig später stiegen die Flammen auf, meterhoch. Da war die Angst da. Wir haben alle Angst gehabt, denn wir wussten, dass es auch uns jeden Tag treffen kann. Die Angst steckte allen in den Knochen. Vielleicht gab es manche, die es sich nicht anmerken ließen, ich aber hatte immer Angst. Wenn ich davon spreche, spüre ich diese Angst noch heute, über 60 Jahre später. Wenn ich darüber nachdenke, kann es gut sein, dass meine Herzkrankheit heute im Grunde von der Angst kommt, die damals hatte. Todesangst. Zwei Jahre lang Todesangst, das hält kein Herz aus, glaube ich. Auch wenn es nach den drei Lagern, in denen ich war, später durchgehalten hat. Wenn man alt ist, merkt man dann doch, dass einen die Angst nie verlassen hat.

Als wir nach Auschwitz kamen, wussten wir zuerst nicht, dass da Menschen umgebracht werden. Bevor wir aus Berlin nach Auschwitz transportiert wurden, waren schon andere Sinti und Roma da. Die waren mindestens schon vier Monate da. Als wir gerade mal einen Tag da waren, sagte einer zu mir: "Da gehen wir alle durch." Und er zeigte auf das Krematorium, das man ja von uns aus sehen konnte. Ich sah die Flammen aus dem Schornstein und vor allem stieg mir dieser eigenartige Geruch in die Nase, aber trotzdem habe ich ihm nicht geglaubt. Ich war damals 23 Jahre alt und ich hatte in Marzahn schon erlebt, wie die Nazis mit uns umsprangen, aber das habe ich nicht geglaubt. Ich habe gesagt "das ist doch unmöglich. Die können uns doch nicht verbrennen. Wir sollen hier doch arbeiten." Aber nach einer Woche wusste ich Bescheid. Ich wusste, dass er Recht hatte. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, aber eigentlich kann ich es bis heute nicht fassen. Es geht nicht in meinen Kopf, dass Menschen andere Menschen vergasen, verbrennen, einfach umbringen, weil sie angeblich anders sind oder angeblich eine Gefahr für die Mehrheit. Nein, das begreife ich bis heute nicht. Aber ich weiß ja, dass die Nazis das gemacht haben. Und die das gemacht haben, die Menschen in die Gaskammern getrieben und verbrannt haben, waren vorher wahrscheinlich ganz "normale" Leute. Das waren meistens junge Männer zwischen 20 und 25. Die hat man so erzogen. Die haben Spaß daran gehabt andere Menschen zu quälen. Nein, ich kann es nicht begreifen, was Menschen anderen Menschen antun.

Ich wurde Schreiber in der Bekleidungskammer. Viele von unseren Leuten konnten damals noch nicht schreiben und lesen, aber ich konnte das. Deshalb bin ich Schreiber in der Kleiderkammer geworden. Diese Kleiderkammer wurde "Kanada" genannt. Warum, das weiß ich gar nicht genau. Vielleicht war Kanada für die Menschen damals so etwas wie ein Traumland, wo es alles gab. Und in der Kleiderkammer gab es auch fast alles. Da wurde alles gesammelt, was die Nazis den Menschen, den Juden, den Polen, den Sinti und Roma, den politischen Gefangenen abgenommen hatten. Die Häftlinge mussten alles abgeben, was sie mitgebracht hatten. Es war ja so, dass alle geglaubt haben, dass sie in ein Lager zur Arbeit gebracht werden. Sie durften sogar Gepäck mitnehmen. Ich glaube, bei manchen Transporten waren 50 Kilo Gepäck pro Person erlaubt. Wohlhabende Menschen haben natürlich eingepackt, was sie zum Beispiel im Winter brauchen würden, Pelzmäntel etwa oder andere Wertsachen. Manchmal hat man auch Wertsachen mitgenommen, weil man annahm, dass man die vielleicht tauschen könnte, wenn es ganz schlimm kommt. Ich glaube, dass keiner von uns, auch keiner von den Juden oder von den anderen Häftlingen, vorher wusste, was in Auschwitz wirklich passieren würde.

Im Zigeunerlager waren in der ganzen Zeit ungefähr 23 000 Sinti und Roma. Nicht alle gleichzeitig, aber einige Tausend waren gleichzeitig da. Für die musste ich die Kleidung verwalten. Ich hatte einige Mitarbeiter, Häftlinge, die mitgeholfen haben Kleidung auszugeben. Wenn ein Zugang kam, musste die Kleidung ausgewechselt werden und die Nummer musste angenäht werden. Wir waren Nummern. Die Nummern haben sie uns gleich nach der Ankunft auf den Arm tätowiert. Hier auf meinem Arm kann man noch heute die Nummer sehen, die Auschwitznummer. In anderen Lagern haben sie nicht tätowiert, nur in Auschwitz. Meine Nummer war Z 5075. Die hat man mir am 24. März 1943 auf meinen linken Arm tätowiert. Das Z stand für "Zigeuner". So haben sie uns von den Juden unterschieden. Die Juden hatten nur die Nummer.

Ich musste also Kleidung austeilen, wenn die Häftlinge ankamen. Bei uns im Zigeunerlager konnte man private Kleidung tragen. Wir wurden also nicht in diese gestreiften Anzüge gesteckt. Aber wenn man ankam, musste man sich erst ausziehen und alles auf einen Haufen werfen. Dann bekam man die Nummer auf den Arm tätowiert. Den Frauen hat man dann noch die langen schönen Haare abgeschnitten, die die meisten Sinti- und die Roma-Frauen hatten. Dann wurde den Neuankömmlingen ein Hemd, oder eine Bluse, eine Hose oder ein Rock zugeteilt. Und eine Nummer auf einem Stofffetzen. Das war die Nummer, die man dann auch auf dem Arm trug. Dieses Stück Stoff mit der Nummer musste aufgenäht werden. Ich musste das alles aufschreiben und machte die Verwaltung sozusagen.

Erst hat man nicht damit gerechnet, aber nachher wussten wir, dass wir nicht wieder rauskommen. Wer keine Familie hatte, hat versucht, auf einen Transport zu kommen. Es gingen Transporte von Auschwitz wieder woanders hin. Nur raus, dachten alle, die noch Kraft hatten. Wenn aber die Geschwister, die Eltern, die Verwandten auch alle in Auschwitz waren, dann blieb man. Man hätte es sowieso nicht bestimmen können, aber man hätte sich bemüht rauszukommen. Aber wenn man Familie in Auschwitz hatte, wollte man sie nicht zurücklassen. Aber war man allein, dann war es ganz egal wohin ein Transport ging, man hat versucht aus Auschwitz wegzukommen. Ganz egal, wohin, nach Ellrich oder anderswohin. Ellrich war sehr gefährlich, das wusste man dann schon. Aber das haben welche überlebt.

Die, die mit den Augen gearbeitet haben, die flink waren, hatten eine ganz kleine Chance in Auschwitz zu überleben. Man musste versuchen alles mitzukriegen, man musste schnell eine Situation erfassen, um sich zu schützen, auch um sich nicht unterkriegen zu lassen. So dachte man jedenfalls. Wenn man aber langsam oder sogar tollpatschig war, war es aus. Dann kriegte man die schwerste Arbeit. Nach meiner Ankunft wurde ich auch erst zu schwerster Arbeit eingeteilt. Ich musste Sandsäcke und Steine tragen, bis ich dahinter kam, wo ich vielleicht besser überleben könnte. Ich kam dann mit dem Blockältesten in unserem Block in Kontakt. Der war aus Hamburg. Der hat zu mir gesagt: "Ich setz dich hier als Schreiber ein. Da musst du nicht hart arbeiten, du kriegst deine Verpflegung für dich und deine Geschwister. Aber pass auf, dass alles stimmt. Wenn irgendwas falsch ist, mach ich dich verantwortlich. Stimmt die Abzählung nicht, kriegst du Schläge." Es mussten sich an die 500 Häftlinge pro Block aufstellen, morgens und abends. Erst die Männer, dann die Frauen, dann die Kinder. Es durfte keiner fehlen. Ich musste die richtigen Angaben machen, ganz genau sein. Wenn der SS-Blockführer kam und abgezählt hat, dann ging es ruck-zuck. Wenn der sich verzählt hat, war das seine Sache, aber bei der Hauptzusammenzählung, die der Oberlagerführer draußen an seinem Pult überprüft hat, musste alles stimmen. Wehe, es fehlte einer. Dann musste der Block gefunden werden, wo er fehlt. Das war gefährlich. Das hat manchmal Stunden gedauert, bis derjenige gefunden wurde oder bis der Fehler gefunden wurde. Dann war der Ärger da von der SS. Die Lagerschutzleute und die SS-Offiziere wollten weg, hatten vielleicht Feierabend. Ja, die hatten Feierabend im Todeslager. Sie gingen zu ihren Villen, die am Lagerrand standen und wo sie sogar mit ihren Familien wohnten, mit ihren Frauen und Kindern. Das muss man sich mal vorstellen, die wohnten in einer Villa und hatten das Todeslager vor Augen. Das machte denen nichts aus. Was waren das für Menschen. Und was waren das für Frauen, die dort lebten und wissen mussten, dass der schreckliche Geruch daher kam, dass Menschen im Krematorium verbrannt wurden. Ich habe später erfahren, dass diese Frauen die besten Stücke, Pelzmäntel und andere Kleidungsstücke aus der Kleiderkammer bekamen. Viele wertvolle Kleidungsstücke wurden von den SS-Leuten auch nach Hause geschickt, wenn sie nicht am Rand des Lagers mit ihren Familien wohnten.

Ich war für die Zahlen zuständig. Täglich mussten beim Appell die Häftlinge gezählt werden. Wenn die Zahlen nicht stimmten, haben die Blockältesten uns geschlagen. Dabei waren sie selbst Häftlinge. Einige waren furchtbar brutal. Ich weiß nicht, ob die da erst so brutal geworden sind oder ob sie es schon vorher waren. Wenn man den Verstand einschaltet, kann man nicht verstehen, dass einige Blockälteste ihre eigenen Leute geschlagen haben. Aber man war wohl irgendwie ohne Verstand. Ich habe das Glück gehabt, dass es immer gestimmt hat, was ich gemeldet habe, dass die Zahlen immer richtig waren. Die Soll- und die Ist-Stärke musste übereinstimmen. Und es war meine größte Angst, dass sich mal ein Kind versteckt hat und dann die Zahl der Häftlinge im Block nicht stimmt. Es mussten sich ja alle draußen zum Abzählen aufstellen. Die Angst war immer da. Die Angst, es könnte etwas nicht stimmen und man würde dann geschlagen werden. Ja, die Angst war immer da, den ganzen Tag lang. Und vor Angst ist man früh schlafen gegangen. Die Angst hat einen niedergemacht.

Morgens um vier waren wir schon alle wach. Um sechs war erst Appell. Im Winter war es am schlimmsten. Und wenn es geregnet hat. Wir mussten eine Stunde oder zwei im Regen stehen mit den Kindern, mit den Frauen, den vielen alten Frauen. Es sind viele im Block gestorben. Auch die Kranken mussten zum Appell. Auch wenn sie hohes Fieber hatten, todkrank waren, eigentlich nur liegen konnten, musste man sie dann draußen vor dem Block auf die Erde legen. Sogar die Toten mussten gebracht werden. Die mussten mit abgezählt werden. Danach wurden die Toten dann zum Krankenbau gebracht. Da mussten sie hinten auf einen Zugwagen, so ein viereckiger Kastenwagen war das, auf den wurden die Leichen raufgeschmissen. Aber vorher mussten sie beim Appell als Leichen dabei sein. Die Sollstärke musste stimmen. Wir hatten Angst vor dem Blockältesten, der Blockälteste hatte Angst vor dem Blockführer und der Blockführer hat wieder Angst gehabt vor dem Oberscharführer. Also jeder hatte Angst vor seinem Vorgesetzten. Und wir mussten das ausbaden, wir Schreiber und der Stubendienst. Die Männer vom Stubendienst haben auch viel Schläge gekriegt. Die Lagerältesten und Blockältesten haben auch geschlagen. Das waren Leute von uns. Und die SS, die SS-Leute haben auch geschlagen. Ich habe das Glück gehabt, dass ich so genau war und meine Angaben immer gestimmt haben. Mich haben sie nicht geschlagen. Grausamkeit und Brutalität beherrschte unseren Tag. Auch Frauen und Kinder bekamen Schläge. Zur Abschreckung bekamen manche die Schläge öffentlich. Dann mussten alle aus dem Block zusehen. Ich lehne jede Gewalt ab. Ich bin ohne Gewalt, ohne Schläge aufgewachsen. Mein Vater hat uns Kinder nie geschlagen. Brutalität habe ich als Kind und auch später, bevor ich nach Auschwitz kam, nicht erlebt.

Dass ich Auschwitz trotz allem überstanden habe, das hat auch damit zu tun, dass ich zur Schule gegangen bin. Das war damals nicht in allen Sinti-Familien üblich. Mein Vater hat daraufgeachtet, dass wir Kinder in die Schule gingen und er war auch sehr genau. Er hat immer gesagt "Erst die Schularbeiten, dann kannst du machen, was du willst." Aber im Sommer wie im Winter musste ich um 8 Uhr abends im Haus sein. Das war in Hamburg in der Neustädter Straße. Es war gut, dass ich zur Genauigkeit erzogen worden war. Das hat mir in Auschwitz geholfen. Aber die meisten aus meiner Familie, natürlich auch die, die genauso wie ich zur Schule gegangen waren, sind in Auschwitz ermordet worden.

Von den 70 Angehörigen aus meiner Familie haben nur vier den Holocaust überlebt. Meine Geschwister haben noch gelebt, als ich aus Auschwitz weggebracht wurde Anfang August 1944. Als man mich und meinen Bruder mit anderen von Auschwitz-Birkenau in das drei Kilometer entfernte Stammlager gebracht hat, um uns von da in ein anderes Lager zu transportieren, da haben meine Geschwister noch gelebt. Nachdem wir weg waren, sind meine fünf Geschwister in der Nacht auf den 3. August 1944 mit genau 2892 anderen Sinti und Roma vergast worden. Das waren fast alles alte Menschen, Kinder und Kranke. Die Menschen, die man nicht mehr ausnutzen konnte, die nicht arbeiten konnten. Das ganze Zigeunerlager wurde aufgelöst. Viele Sinti und Roma sind vorher in andere Konzentrationslager transportiert worden. Ich auch.

Als die Menschen vergast werden sollten, haben sie sich gewehrt. Das ist festgehalten worden. Andere haben gesehen und gehört, wie sie sich gewehrt haben. Sie haben geschrien und sich geweigert auf die Lastwagen zu steigen. Sie wussten ja schon, was das bedeutete. Es hatten alle schon oft genug miterlebt, dass die Lastwagen mit den Menschen zum Krematorium fahren. Dass sie dort umgebracht werden. Von den Gaskammern wussten alle.

In Auschwitz waren auch Kriminelle als Häftlinge. Die hat man nicht umgebracht. Die haben alle überlebt. Meistens waren sie als Aufseher eingesetzt, als sogenannte Funktionshäftlinge, die irgendeine Aufgabe hatten. Und die waren meistens furchtbar brutal. Die hatten keine Skrupel zu schlagen. Wahrscheinlich wollten sie sich so Liebkind bei der SS machen, denn was in Auschwitz los war, wussten sie auch. Aber im Unterschied zu uns oder zu den Juden oder zu den vielen Polen, die auch in Auschwitz waren, waren sie arische Deutsche. Deutsche waren wir auch, und viele Juden waren Deutsche. Aber Hitler wollte alle die umbringen, die nicht arisch waren, die nicht zur deutschen "Rasse" gehörten. Für mich klingt es heute noch schrecklich, wenn man Menschen in Rassen einteilt wie Tiere.

Zwei dieser ehemaligen Kriminellen-Häftlinge, die auch in Auschwitz waren und die keine Gelegenheit ausgelassen haben uns zu schlagen, habe ich später hier in Hamburg, in Eimsbüttel, wo wir dann gewohnt haben, getroffen. Ich habe gehört, dass ehemalige Häftlinge von uns sich den einen vorgeknöpft haben. Das war der, der im Lager furchtbar brutal war. Den anderen haben wir nicht wieder gefunden. Bogdan hieß der, das weiß ich noch. Soviel ich weiß, ist der nach Südamerika geflüchtet. Der war vorher in der politischen Abteilung. Das war ein polnischer Offizier. Aber er war Häftling. Der hat auch ein Verhältnis mit einer unserer Frauen gehabt. Der hat mit der SS auf gutem Fuß gelebt. Der hat die Wertsachen von den Menschen genommen und hat sie der SS gegeben. Und der hatte alles nach Maß, Reitstiefel, Reithosen, alles. Ein Kerl von einsneunzig Größe. Er sprach gutes Deutsch. Ein brutaler Schläger war das. Jetzt ist mir sein Name eingefallen, ja, Bogdan, politische Abteilung. Er war ein Häftling und hat mit der SS an einem Tisch gesessen und gearbeitet. Der hat alles organisiert. Ob der noch lebt, weiß ich nicht. Unser Zentralrat in Heidelberg hat versucht ihn ausfindig zu machen, aber das war erfolglos. Es sind ja nur sehr wenige später verurteilt worden. Um die SS im Zigeunerlager hat man sich später nicht viel gekümmert, die hat man nicht zur Rechenschaft gezogen. Im Grunde hat man sich nach 1945 nicht darum gekümmert, dass auch wir Sinti genauso wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt und ermordet wurden. Deshalb hat man die Täter, die uns gequält haben, wohl auch laufen lassen. Ganz langsam ändert sich das - nach fast 60 Jahren.

Ich habe selbst miterlebt, wie die Menschen geschlagen und gequält wurden, oft am Appellplatz. Zwei Hamburger Zigeuner sind mal getürmt. Das war 43. Es war fast wie ein Wunder überhaupt aus Auschwitz zu fliehen. Die sind von Berlin aus wie ich im März 43 eingeliefert worden. Ende 43 sind die zwei Brüder, beide waren hell und sahen nicht aus wie Sinti, bis nach Hamburg gekommen. Wenn sie nun in Breslau oder sonst wo geblieben wären, dann wäre es vielleicht gut gegangen, aber sie sind zurück nach Hamburg. Da hat man sie verhaftet und nach Auschwitz zurück gebracht. Die mussten auf den Appellplatz und alle Häftlinge mussten sich aufstellen. Man hat die beiden auf zwei Böcke gelegt und festgeschnallt. Und so wurden sie von beiden Seiten geschlagen, von SS-Männern und von Häftlingen, von den Lagerältesten. Wir haben sie nachher nicht mehr lebend gesehen. Die kamen in den Krankenbau und sind da nicht wieder rausgekommen. Das ganze Lager musste zusehen, wie sie auf dem Appellplatz geschlagen wurden. Der Lagerführer hat noch gesagt: "Hier sind zwei, die sind zurückgekommen, die fühlen sich hier so wohl." So in dieser Art hat er sich ausgedrückt. Und dann sagte er noch: "Und hier werden wir sie schön bedienen." Und immer zwei haben gleichzeitig geschlagen. Die sind liegen geblieben. Dann kamen sie auf eine Karre und dann in den Krankenbau. Da war die Angst da. Alle Menschen haben Angst, wenn sie so etwas sehen.

Es wäre für uns eine Kleinigkeit gewesen den SS- Posten und den Posten, der außerhalb des Lagers war, zu überwältigen. Erst kam aber die Lagerkette, dann kam die Postenkette, dann kam die Stromkette, und der Einmarsch ins Zigeunerlager ging an der Baracke vorbei. Das war die SS-Baracke. Also diese 10 SS-Männer, die bei der sogenannten Strafaktion dabei waren, hätten wir umbringen können. Das wäre gar kein Problem gewesen. Aber was wäre dann geschehen? Die gesamte SS hätte uns alle umgebracht. Die Sinti hängen an ihren Kindern. Wenn wir Männer allein gewesen wären… Aber die Frauen und die Kinder, um die hatten wir Angst. Deshalb haben wir nichts gemacht. Weil die im Grunde vor uns Männer vielleicht aber doch Angst hatten, haben sie die Männer in andere Lager deportiert, bevor sie dann im August 1944 Frauen und Kinder vergast haben, die noch dort waren, die bis dahin unter diesen fürchterlichen Umständen überlebt hatten.

Es sollten schon vorher alle Häftlinge im Zigeunerlager vergast werden. Das hat nicht geklappt, weil sich die Sinti geschlossen gewehrt haben. Das ist in den Büchern von Historikern belegt. Aber im August 44 hatten die Frauen und Kinder keine Chance. Wenn ich daran denke, was meine Geschwister und meine Großeltern mitgemacht haben müssen, bevor man sie getötet hat. Diese Angst, diese Wehrlosigkeit. Sie haben doch bestimmt geschrien. Nein, ich kann gar nicht daran denken. Meine kleinen Geschwister. Was hatten sie bis dahin für ein Leben. Wie viel Angst, Hunger, Not, Todesangst haben sie in ihrem kurzen Leben ausstehen müssen.

Und dann gab es die Krätze. Der halbe Block hatte die Krätze. Mein Gott, war das schrecklich. Milben verursachen diese Hautkrankheit. Aus zwei Gründen hat sich die Krankheit im Lager ausgebreitet. Zum einen konnte man ja noch so viel versuchen, man war unter diesen schrecklichen Bedingungen im Lager einfach nicht sauber und zum anderen lebten wir dicht an dicht. Da sprangen die Milben von einem zum anderen über. Der Juckreiz war beinahe nicht auszuhalten. Meine kleinen Geschwister haben so gelitten. Ihr ganzer Körper war zerkratzt. In unserem Block mussten alle nacheinander in den Krankenbau. Immer 20 auf einmal musste ich aus dem Block in den Krankenblock führen. Die Ärzte waren meist deutsche Juden, sogar Professoren waren darunter. Die haben auch wieder gehört, dass ich aus Hamburg war. Man hört das an der Aussprache. Es gab da einen Professor, der hat vorher in Hamburg im Eppendorfer Krankenhaus gearbeitet. Der hat mich beiseite genommen - der SS Posten stand draußen, der kam nicht in den Krankenbau, der hatte Angst, dass er sich ansteckt - und der Professor hat also gesagt: "Du bist aus Hamburg?" Und er hat mich gefragt wie Hamburg aussieht und wie der Fliegeralarm war. Aber den hatte ich ja in Berlin und nicht mehr in Hamburg erlebt. Er hat mir auch von sich erzählt. Medical hat er mir dann gegeben. Das war eine Salbe, mit der ich mich einreiben musste. Schließlich ging die Krätze weg. Den anderen hat der natürlich auch geholfen.

Trotz der Ansteckungsgefahr musste ich jeden Tag das Kommandobuch bei der SS abgeben. Die totale Kontrolle der Häftlinge war ihnen wohl noch wichtiger als sich eventuell anzustecken. Das Kommandobuch war ein Buch, in dem die Namen von allen Häftlingen, die in einem Block waren, aufgeschrieben werden mussten. Ich hatte z.B. 560 Häftlinge in unserem Block. Das waren Männer, Frauen und Kinder. Wenn welche gestorben waren, musste ich sie streichen. Mein Gott, was war das manchmal für ein Gefühl, wenn ich den Namen durchstreichen musste. Einfach ein Leben durchstreichen. Und wie viele Kinder waren darunter.

Das Essen war oft fast ungenießbar. Die Kinder von 4 bis 10, die bekamen Suppe, Haferflockensuppe. Trotz allem war das Essen für die Kinder etwas besser als für die Erwachsenen. Das der Erwachsenen konnte man kaum runterkriegen. Das Brot, das ging noch. Wir haben auch kein Pferdefleisch gekriegt, denn das würden wir nämlich nicht essen. Ob die das gewusst haben, weiß ich nicht. Eigentlich glaube ich nicht, dass man auf unsere Sitten Rücksicht genommen hat. Es gab eben gar kein Pferdefleisch. Es gab Schweinefleisch. Aber wie hat man das gekocht. Man konnte sich fast davor ekeln, so schlecht hat es geschmeckt. Es war schrecklich. Die Kartoffeln kamen mit dem ganzen Dreck in den Topf, der Kohl wurde kaum klein geschnitten. Alles war absolut ungenießbar. Aber man hat es gegessen. Man hatte ständig Hunger, deshalb hat man sogar dieses furchtbare Essen gegessen. Das Wichtigste waren das Brot und die Margarine. Das war besser. Und ab und zu gab es eine Scheibe Wurst. Gegen die Scheibe Wurst haben manche Zigaretten getauscht. Und die haben nicht lange gelebt, weil die fast gar nichts gegessen haben.

Nach der Krätze hatten viele von uns Fleckfieber oder Typhus. Manche waren immer krank. War eine Krankheit grad vorbei, kam die nächste. Das lag natürlich an den entsetzlichen hygienischen Verhältnissen. Toiletten gab es nicht, nur Kübel. Da musste man seine Notdurft lassen.

Mein Bruder ist wieder in die Krankenbaracke gegangen. Der jüdische Arzt aus Hamburg kannte ihn schon. Günther, mein Bruder, hat ihm dann erzählt, dass ich Fleckfieber habe. Das hatten sehr viele von uns Häftlingen in Auschwitz. Daran sind viele gestorben. Der Arzt war wieder sehr nett. Heimlich hat er meinem Bruder jeden Tag eine Tablette gegeben, immer nur eine, weil er Angst hatte. Mein Bruder wollte ihm dafür meine Ration Brot geben. Die hat er nicht genommen. Er durfte uns nicht helfen. Und wenn der Blockälteste mitbekommen hätte, dass wir Tabletten haben, dass der jüdische Arzt uns die gegeben hat, obwohl er das nicht durfte, ich weiß nicht, was dann passiert wäre. Vielleicht hätte er nichts gesagt, vielleicht hätte er aber doch was gesagt. Das wäre dann das Todesurteil für den Arzt gewesen. Und diese drei oder vier Tabletten ein paar Tage hintereinander, die haben mich gerettet. Das Fleckfieber ging langsam weg, aber ich war schwach. Andere Häftlinge und vor allem meine Verwandten haben mich ein bisschen aufgepäppelt. Sie gaben mir etwas von ihrem Essen ab. Das Essen war ja schon wenig genug, aber man hat sich gegenseitig geholfen, wenn es irgendwie ging. Zum Glück ist den Kleinen, meinen kleinen Geschwistern, nichts passiert, sie haben diese lebensgefährlichen Krankheiten nicht bekommen. Sie haben zwar die Krätze gekriegt, aber keine anderen Krankheiten. Ihre kleinen abgemagerten Körper hätten wohl auch keine schweren Krankheiten überlebt.

Mein Bruder, mein Cousin und ich, wir sind lebend aus Auschwitz rausgekommen. Und wir haben auch die anderen Lager nach Auschwitz überlebt. Wir sind später hier in Hamburg immer zusammen geblieben. Mein Bruder ist 1992 gestorben, mein Cousin 1998, und jetzt bin ich der, der noch lebt. Ich bin der Älteste von der Familie hier in Hamburg. Darum hören auch alle auf mich. Wenn es Streit gibt in der großen Familie, in unserer Sippe, wie wir sagen, oder wenn jemand einen Rat braucht, dann kommt er zu mir. Und wem ich helfen kann, dem helfe ich, egal ob er zu den Sinti gehört oder nicht. Das war schon immer so, das war in Auschwitz und den anderen Lagern so, und das ist bis heute so geblieben.

Oskar Böhmer
"Zigeunerlager" - BIIe Auschwitz-Birkenau
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Am 2. August 1944 mussten wir antreten. Wir hatten keine Ahnung, was sie mit uns vorhatten. Die ganzen SS-Leute hatten sich versammelt. Der Bereich des gesamten Zigeunerlagers war abgesperrt. Die SS stand da mit Maschinengewehr und Schäferhunden. Alle Häftlinge stellten sich auf. Ich wurde als Schreiber herbeizitiert und musste dem Palitzsch die Belegliste von unserem Block geben. Palitzsch war dieser grausame SS-Mann, der uns immer gequält hat, wie er nur konnte. Er war Schutzhaftlagerführer. Dann kam der Befehl, dass nur die Männer vortreten sollen. Die jüngeren Männer hat man zuerst ausgesucht, dann aber auch einige junge Frauen. Ich weiß nicht mehr genau, was in mir vorging, was ich dachte, aber ich hatte wieder Angst. Ich achtete nur darauf, dass Günther, mein Bruder, immer an meiner Seite blieb. Ich konnte sehen, dass ein leerer Güterzug an der Rampe stand. Die Schienen führten inzwischen direkt bis ins Lager. Die Züge mit den Juden, den Sinti und den anderen kamen nicht mehr am Bahnhof in Auschwitz an, sondern fuhren bis zur Rampe. Wir mussten alle rein in den Güterzug. Dass sie geplant hatten, uns in andere Lager zu verfrachten und alle anderen, die zurückbleiben mussten, die Frauen, die Kinder und die alten und kranken Männer zu vergasen, das kam mir in dem Moment gar nicht in den Sinn.

So um sieben Uhr abends fuhr der Zug ab. Vom Zug aus konnten wir hinter dem Zaun die anderen sehen, die dableiben mussten. Meine Geschwister standen am Zaun. Ganz vorn. Und meine Großeltern. Ich konnte den Kleinen erkennen. Mein kleiner Bruder war sechs Jahre alt. Er stand da und winkte. Ich habe meine Geschwister lebend gesehen, als sie mich und meinen Bruder von Auschwitz nach Buchenwald transportierten. Am selben Tag nach unserer Abfahrt wurden sie und fast 3000 Sinti und Roma auf Lastwagen getrieben, zur Gaskammer gefahren und im Krematorium verbrannt. Mein Gott, ich sehe noch wie der Kleine da steht... Wenn ich erlebt hätte, dass sie an Typhus oder an irgendeiner Krankheit gestorben wären, dann wäre es anders für mich heute. Aber so weiß ich, ich habe sie lebendig verlassen und sie sind vergast worden. Wenn ich an die Kinder in Auschwitz denke... Darüber komme ich nicht zur Ruhe. Das sind jetzt fast 60 Jahre her, aber ich kann das nicht vergessen. Ich werde das nie vergessen. Meine Geschwister und viele Verwandte blieben in Auschwitz zurück. Sie wurden ermordet, und ich konnte sie nicht retten. Darüber komme ich in meinem Leben niemals hinweg. Manchmal wache ich nachts auf und muss an meine Geschwister denken, an all das Schreckliche, was war. Ich sehe meine Geschwister und meine Großmutter vor mir, wie sie in die Gaskammer getrieben werden. Mein Herz klopft dann so schnell, dass ich aufstehe und eine von meinen Herztabletten nehmen muss. Ich bekomme dann die Gedanken nicht aus dem Kopf, dass man meine Geschwister vergast und verbrannt hat und ich am Leben bin.

Ich weiß heute, dass man ungefähr 1400 Sinti und Roma aus Auschwitz in andere Lager gebracht hat. Die meisten kamen nach Buchenwald, über 900. Mein Bruder und ich, wir waren dabei. Wir haben überlebt, aber es ist schwer, damit fertig zu werden. Man kann sich darüber nicht freuen, wenn die nächsten Angehörigen ermordet worden sind.

Buchenwald/Dora
Der Zug fuhr die Nacht durch. Von Auschwitz nach Buchenwald sind es ungefähr 700 Kilometer. Einmal blieb der Zug eine ganze Zeit lang stehen, weil es einen Fliegerangriff gab. Es war wohl eine Stadt in der Nähe. Dicht gedrängt lagen wir auf dem nackten Boden. Schlafen konnte man nicht, man war ja viel zu aufgeregt. Man konnte kaum Luft kriegen. Es roch nach Schweiß. Der Eimer für die Notdurft stand in einer Ecke.

Erschöpft und müde kamen wir morgens auf der Rampe in Buchenwald an. Es war der 3. August 1944. Manche von uns hatten den Transport nicht lebend überstanden. Es gab nichts zu trinken und viele von uns waren schwach und krank, hatten es aber nicht gezeigt, denn nur die Gesunden hatten eine Chance zu überleben. Das wussten wir. Tagsüber war es furchtbar heiß gewesen und kühlte auch nachts kaum ab. Die SS jagte uns aus dem Zug. Die letzten, die aus dem Güterwaggon sprangen, wurden zurück geschickt. Sie mussten die Toten rausholen oder die, die noch lebten, die aber nicht mehr aufstehen konnten.

Wir wurden wieder registriert. Ich bekam die Häftlingsnummer 74915. In Auschwitz hatte ich die Nummer Z-5075, die ich heute noch auf dem Arm eintätowiert habe. Nur im KZ Auschwitz haben die Nazis die Menschen tätowiert, dort haben sie ihnen die Nummer auf den Arm gebrannt. Die Sinti wurden zusätzlich mit einem Z für "Zigeuner" gekennzeichnet.

Im Vergleich zu Auschwitz war Buchenwald ein sauberes Lager. Das lag vor allem daran, dass in Buchenwald auch Zivilisten arbeiteten. Das waren natürlich vor allem Zwangsarbeiter. Die Nazis hatten Angst, dass die Häftlinge Krankheiten ins Lager reinschleppen könnten. Wir mussten deshalb wieder gleich rein in die Sauna, mussten uns waschen und haben dann sofort Uniform gekriegt, neues Häftlingszeug. Geschlafen haben wir in Baracken, die einigermaßen ordentlich waren, ziemlich neu sogar. Ich weiß noch, dass noch mehr Baracken im Bau waren.

In Buchenwald war es nicht ganz so furchtbar wie in Auschwitz. So kam es uns jedenfalls vor. Da war das Essen auch etwas besser.

Wir mussten im Steinbruch arbeiten und Steine schleppen. Das war furchtbar schwer. Wir hatten natürlich auch keine Kraft mehr. Aber wir mussten immer eine bestimmte Menge schleppen. Und wenn die Aufseher meinten, dass wir nicht genug Steine schleppten, packten sie noch welche auf den Stapel. Man konnte kaum damit laufen. Aber es blieb einem nichts anderes übrig. Man musste einfach mit diesen schweren Steinen zu der Stelle gehen, wo sie dann auf einen Laster aufgeladen wurden. Der Laster stand natürlich oben, wir mussten die Steine von unten aus dem Steinbruch nach oben tragen. Die Steine wurden aber nicht im Lager verbraucht oder verarbeitet, sondern sie wurden woanders hin transportiert, wohin genau, das wussten wir nicht.

Nach vier Tagen, am 7. August, mussten wieder viele von uns Sinti antreten. Jetzt hieß es "Ab nach Dora." Ich hatte keine Ahnung, wo das war. Die Ungewissheit, was uns nun wieder bevorstehen würde, hat uns Angst gemacht. Man hat uns im Grunde wie Tiere behandelt. Oder wie Werkzeug, Arbeitsmaterial, das man mal hier und mal da einsetzt und wenn man es nicht mehr braucht oder es kaputt ist, einfach wegwirft. Entweder haben sie die Menschen dann umgebracht oder sie starben dann, weil sie schwach und vollkommen fertig waren. Wir Häftlinge waren ja auch alle fast nur noch Haut und Knochen und hatten kaum noch Kraft. Ich wundere mich heute manchmal, wie wir das überhaupt alles ausgehalten haben.

Dora
Dora war das Lager, wo unterirdisch in einem Stollen die Raketenfabrik für die V-2 oder V-1 Rakete war. Das wusste ich anfangs nicht. Im Grunde war es aber unser Glück, dass wir nach Dora kamen. Buchenwald hätten wir nicht überlebt, glaube ich. Einige von unserem Transport aus Auschwitz sind in Buchenwald geblieben. Die haben das da nicht überlebt. Aber mein Bruder und ich, mein Bruder war 16, wir kamen nach Dora. Das ist im Harz bei Nordhausen, ungefähr 100 Kilometer von Buchenwald entfernt. Das Konzentrationslager Buchenwald war außerhalb von Weimar. Das habe ich damals gar nicht mitbekommen, aber heute weiß ich es natürlich. Wir waren nicht lange unterwegs. Als wir ankamen, mussten wir wieder in die Sauna. Überall hatte man Angst vor Infektionskrankheiten, Typhus und Fleckfieber. Vor uns Häftlingen hatten sie sozusagen regelrecht Angst. Aber diese Angst war nicht zu vergleichen mit der Angst, die uns Tag und Nacht in den Knochen saß.

Dora
Eine US Delegation besichtigt das Lager 1945
copyright © U.S. Army Signal Corps
Dora gehörte zu Buchenwald, es war ein Außenlager, eines von insgesamt 88 Außenlagern allein von Buchenwald, wie ich heute weiß. In Buchenwald gab es von Anfang bis Ende des Lagers, also von 1937 bis 1945 insgesamt eine Viertelmillion Häftlinge. Ich habe gelesen, dass ungefähr 56 000 von ihnen gestorben sind.

In Dora waren durchschnittlich etwa 15 000 Häftlinge. Die meisten waren Zwangsarbeiter aus Russland und anderen Ländern, es gab aber auch Kriegsgefangene und dienstverpflichtete Deutsche. Alle wurden beim Bau der Rakete eingesetzt. Uns hat man wahrscheinlich auch deshalb nach Dora gebracht, weil wir Deutsch sprachen. Das denke ich jedenfalls heute. Es arbeiteten in Dora deutsche Ingenieure und andere ausgebildete Arbeiter an der Rakete, an der V-2 und V-1. Die konnten sich dann besser mit den Häftlingen und Zwangsarbeitern verständigen.

In Dora wurde also im Stollen an einer angeblichen Wunderwaffe gebaut. Die Häftlinge wurden im Stollen eingesperrt und durften gar nicht ans Tageslicht. In dieser unterirdischen Raketenfabrik starben die Menschen an Hunger, Durst und Kälte. Es gab da unten keine Toiletten. Schlafen mussten die Häftlinge in vierstöckigen Holzkojen auf Pritschen. Wenn man da unten landete, war es wohl noch schlimmer als in Auschwitz, auch wenn man sich das eigentlich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es Schlimmeres als Auschwitz gegeben hat. Aber es war wohl so. Die meisten, die im Stollen eingesperrt waren und die da arbeiten mussten, waren Polen, Russen und Franzosen. Das habe ich alles später gehört und gelesen. Allein in Dora sind mindestens 20 000 Häftlinge gestorben. Daran sieht man, was für ein Glück ich hatte.

Dora
Bauabteilung Dora
Wir hatten großes Glück, dass wir in einer Baracke untergebracht wurden. Die meisten Häftlinge mussten ja unten im Stollen schuften. Sie sahen kein Tageslicht wochen- und monatelang, bis die allermeisten von ihnen elendig starben. Man muss es deshalb Glück nennen, wenn man dagegen ein Häftling war, der in einer Baracke schlafen konnte.

Wir haben wieder neue Häftlingsanzüge bekommen und kamen auf Block 24. Der Blockälteste da war ein tschechischer Offizier, ein Kriegsgefangener. Das war ein kleiner Mann, kaum mehr als 160 groß. Er sprach perfekt Deutsch und war freundlich zu uns.

Ich kam dann mit meinem Bruder in die Bauabteilung, wo die Zeichner waren, die die Pläne für den Stollen gezeichnet haben. Der Stollen wurde immer noch weiter ausgebaut.

Im Vergleich zu Auschwitz war das Essen gut. Wahrscheinlich war das so, weil wir da mit Zivilisten gearbeitet haben. Poliere, Steinmetze und Steinklopfer arbeiteten da. Sie waren alle dienstverpflichtet. Sie haben die Straße gebaut und den Stollen. Wir durften zuerst nicht raus, sondern mussten immer drinnen in der Bauabteilung arbeiten. Wir putzten die Schreibtische, mussten die großen Pläne aufhängen, Papiere in andere Zimmer zu den Ingenieuren bringen. All diese Hilfsarbeiten mussten mein Bruder und ich machen. Das war im Vergleich zu Auschwitz keine schwere Arbeit. Wir durften allerdings nicht mit den Zivilarbeitern, mit den Ingenieuren und Zeichnern sprechen. Mehr oder weniger wortlos gaben sie uns die Arbeit.

Schließlich wurde doch jemand draußen beim Außenkommando gebraucht. Der Russe, der da sonst als Schreiber gearbeitet hatte, wurde krank und kam in den Krankenbau. Der Kapo war ein Deutscher aus Berlin, ein Krimineller. Das hat man schon gemerkt, was das für Leute sind. Er war hart. Er hat mich als Schreiber für den Russen eingesetzt. Ich kannte mich von Auschwitz her schon mit dieser Arbeit aus. Das allerwichtigste war immer: Es musste alles stimmen. Dann konnte man ruhig leben. Denn wenn die Zahlen nicht stimmten, bekam man Schläge. Ein Glück, bei mir stimmte immer alles. Es waren immer 300 Häftlinge, Außenkommando 300 Häftlinge. Ich habe nur Angst gehabt, dass sie flüchten, denn es war kein Zaun außerhalb um Dora. Wir haben vom Lager aus ungefähr 500 Meter entfernt gearbeitet. Frei waren nicht, aber aus dem geschlossenen Lager waren wir raus. Es gab auch ein Kommando, das im Bereich der Zäune war. Da kamen die Juden an. Auch Tote. Viele Tote wurden gebracht. Dann wurden Häftlinge abkommandiert, um den Toten den Mund aufzureißen und nach Goldzähnen zu suchen. Wenn sie welche hatten, wurden sie rausgerissen. Dabei stand ein SS-Mann und passte auf. Der stand in bestimmter Entfernung. Wahrscheinlich wollte er das nicht mit ansehen, aber die Goldzähne wurden rausgerissen und in einen Behälter geworfen. Die Leichen kamen dann ins Krematorium. Man hat also extra die Leichen nach Dora transportiert, um die Goldzähne rauszureißen. Das muss man sich mal vorstellen. Da kamen ganze Transporte mit Toten an und die Häftlinge mussten dann den Toten die Goldzähne rausreißen.

Dora
Einer der Eingänge in den Stollen
Wir fühlten uns in Dora einigermaßen sicher und hofften, dass uns nichts passieren würde. Wir haben gedacht, wenn wir hier nicht krank werden oder Verletzungen uns nicht gefährlich werden, können wir es hier überstehen. Wir waren mit Zivilisten zusammen. Was die von uns gedacht haben, weiß ich nicht. Ich glaube, dass nicht alle schlecht waren. Diese Zivilisten waren auch meistens selbst zwangsweise in Dora, sie waren dienstverpflichtet oder Zwangsarbeiter. Einige haben uns manchmal Zigaretten hingeschmissen oder Bonbons oder so was. Es gab eben Menschen, denen wir Leid getan haben.

Ich hatte so ein Kontrollbuch. Da stand das Arbeitskommando drin, Außenkommando, Anzahl der Arbeiter, meine Häftlingsnummer, O.B., mein Name Oskar Böhmer, Häftlingsnummer 74915. Nach dem Appell ging ich also mit dem Kontrollbuch, in das ich alles genau eingetragen hatte, in die Schreibstube. Da saßen wieder Zivilisten. Einer hat sich dann das Buch angesehen und kontrolliert, was ich eingetragen hatte. Er hat unterschrieben, dann musste ich ins Lager rein und dort in der Schreibstube das Kontrollbuch abgeben. Einer von den Ingenieuren hat immer einen Korb so hingestellt, dass ich ihn sehen musste. Gesagt hat er nichts, sondern nur so mit dem Kopf eine kleine Bewegung gemacht, dass ich begriffen habe, ich sollte mir etwas aus dem Korb nehmen. Und da war Obst drin. Obst und Brot, trocknes Brot. Das hat er extra hingestellt, so dass ich da rangehe und mir etwas nehme. Schenken durfte er mir das ja nicht im Dienst. Dann nahm ich zwei drei Äpfel und einen Kanten Brot und stopfte alles in meine Jackentaschen. Natürlich habe ich es mit meinem Bruder und anderen geteilt. Fast jeden Tag hatten wir also diese kleinen Extras. Ja, solche Leute gab es auch. Ich denke noch heute manchmal an diesen Mann, der immer etwas für uns in den Korb gelegt hat.

Dora
Eine der Werkstätten im Stollen
copyright © Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Die Tage waren immer gleich und die Arbeit auch. Manchmal lag ich nachts wach und habe mich gefragt, wie lange wir hier eingesperrt sein würden. Es wurde Winter und wir waren froh, dass wir in Dora waren und nicht in Auschwitz, wo wir so schrecklich gefroren hatten im Winter. Heute finde ich es verrückt, wenn ich sage, dass es in Dora im KZ besser war, aber es war tatsächlich besser als in Auschwitz. Auf jeden Fall haben wir nicht so viel Angst ausgestanden wie in Auschwitz.

Das ging bis März 45, glaube ich. Weihnachten und Neujahr waren wir in Dora. Anfang April wurde das Lager aufgelöst. Vorher aber passierte noch etwas, das ich nie vergessen werde. Es wurden nämlich vor unseren Augen fünf russische Häftlinge aufgehängt. Sie hatten in die Lokomotive, die die Sandlore gezogen hat, absichtlich etwas reingeworfen, so dass sie nicht mehr funktionierte, nicht weiter fahren konnte. Das wurde entdeckt. Diese Loren fuhren immer in den Stollen, wo die Raketen gebaut wurden. Es war also Sabotage, was die Russen gemacht haben. Ich bewundere ihren Mut noch heute. Sie versuchten auf diese Weise Widerstand zu leisten, obwohl sie bestimmt wussten, was passieren würde, würde man sie entdecken.

Noch am selben Tag, es war Vormittag gegen 11, hieß es "Alle Kommandos anrücken." Dann mussten wir anrücken. Wir mussten uns alle auf dem Appellplatz im Viereck aufstellen. Dann wurden auf Rollen fünf fahrbare Galgen in die Mitte geschoben. Fünf Galgen nebeneinander. Da habe ich das erste Mal, so lange ich im Lager war, einen Galgen gesehen. Mein Herz hat so geklopft. Den anderen von uns ging es bestimmt genauso. Auch sie hatten wahrscheinlich noch keinen Galgen gesehen. Man hat die Leute erschossen, erschlagen, das hatten wir alles gesehen, aber erhängen, das hatte ich noch nicht gesehen. Dann wurden die Russen von SS-Wachen hereingeführt. Ihre Hände waren nach hinten gefesselt. Ihr Mund war etwas geöffnet, sie hielten einen Stock zwischen den Zähnen, der an beiden Enden eine Schnur hatte, die am Hinterkopf zusammen gebunden war. Diesen Stock hatte man ihnen zwischen die Zähne geklemmt, damit sie nicht schreien. Und dann mussten sie zwei oder drei Stufen zum Galgen hochsteigen. Mein Gott, an den Galgen. Und der Henker war ein Deutscher. Sie mussten sich auf einen Balken stellen und kriegten eine Schlinge um den Hals. Da hat der Lagerführer, ich komme jetzt nicht auf seinen Namen, gesagt, dass das Urteil von Berlin gekommen ist. Wegen Sabotage werden die und die Russen, Name, Geburtsdatum, alles wurde vorgelesen, verurteilt durch Erhängen. Dann hat der Henker den Balken unter ihren Füßen weggezogen. Sie fielen runter.

Alle fünf hingen da mit der zugezogenen Schlinge um den Hals. Die Zunge kam nicht raus, weil sie den Stock im Mund hatten. Aber sie haben gehechelt und der Körper zuckte. Ich weiß nicht, wie schnell sie tot waren. Es war ein solch schrecklicher Moment. Wir standen alle da mit gesenktem Kopf. Von nächster Nähe mussten wir das alles miterleben. Schließlich mussten wir abrücken. Aber die toten Körper hingen da bis Mitternacht am Galgen, damit die anderen Kommandos, die noch kamen, das sehen sollten.

Das war so schrecklich, so was vergisst man nicht. Das waren alles junge Russen. Die Russen waren sowieso auf der Abschussliste der SS. Mit den russischen Gefangenen ist die SS noch schlimmer umgegangen als mit uns. Die mussten noch mehr leiden. Viele hat man in den Stollen reingejagt und so vergiftet. Das ist furchtbar. Während die Männer auf den Galgen steigen mussten, habe ich immer gedacht: vielleicht kommt jetzt Fliegeralarm, denn dann hätten sie das unterbrechen müssen. Es war den ganzen Tag kein Fliegeralarm gewesen. Aber die Nacht darauf war dann starker Fliegeralarm.

Dora
Bau der V-1 Rakete in einem der Tunnel
copyright © U.S. Army
Wir hatten schon gehört, dass der Krieg wohl bald vorbei sein würde. Aber wir hatten natürlich keine Ahnung, was sie mit uns machen würden. Manchmal habe ich mich gefragt, ob sie vorhatten, uns für immer einzusperren. Wir wussten inzwischen, dass es viele Lager gab. Würden die nach dem Krieg alle weiter bestehen bleiben? So etwas ging mir nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, im Kopf herum. Das weiß ich noch genau. Und wie oft habe ich an meine Geschwister gedacht und an meinen Vater und an meine Mutter. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob sie noch leben. Dass meine Geschwister in Auschwitz ermordet worden waren, konnte ich zu der Zeit nicht wissen.

Am nächsten Tag nach dieser Hinrichtung wurde das Lager aufgelöst. Es war Anfang April. Es hatte sich schon herumgesprochen, dass es wieder auf Transport geht. Wohin, das wussten wir natürlich nicht. Eine Kolonne nach der anderen trieben die SS-Leute, die Wachmannschaften in die Güterwaggons und in die Viehwaggons. Mit Schäferhunden machten sie Jagd auf uns und brüllten nur immer, dass wir uns noch schneller bewegen sollten. Die meisten Häftlinge waren Russen. Wir Sinti blieben zusammen, aber ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele wir waren. Jedenfalls habe ich nicht viele Sinti gesehen. Um uns herum wurde fast nur Russisch gesprochen. Mein Bruder blieb immer an meiner Seite. In allem Chaos war es das Wichtigste, dass wir zusammenblieben. Mein Gott, wenn ich daran denke, mein Bruder Günther war grad 16 und was hatte er schon alles mitgemacht. Er war auch furchtbar dünn geworden in diesen zwei Jahren und sah dadurch fast aus wie ein Kind. Ich habe mir immer Sorgen um ihn gemacht und immer auf ihn aufgepasst. Er ist schon früh gestorben, weil er schwer Herzkrank war. Noch nicht einmal 50 war er. Aber alle sind wir später krank geworden. Wir hatten überlebt, aber was wir erlebt hatten, steckte uns in den Knochen und zehrte an unserer Gesundheit. Das hat nur niemand interessiert. Später haben die Behörden gesagt, dass das nichts mit dem Lager zu tun hat. Sogar als ich zwei Jahre nach der Zeit im Lager in Auschwitz, Buchenwald und Dora und in Bergen-Belsen 1947 ganz schwer Lungenkrank wurde, hieß es, dass das nichts mit dem Lager zu tun hat. Eine Rente haben die Wiedergutmachungsbehörden mir anfangs verweigert. Um jeden Pfennig mussten wir kämpfen. Bei mir war das so, dass mein Anwalt im Krankenhaus Lüneburg angerufen hat und auch mein Hausarzt, der Lungenfacharzt ist, hat die Akte angefordert. Wir haben sie nicht gekriegt. Die Amtsärzte haben immer gesagt, alle Krankheiten haben wir nach dem Krieg bekommen und die haben nichts mit der Haft zu tun. Da wird man doch wütend. Mein Bruder hat zweimal einen Herzinfarkt gehabt. Der hat später 20 Jahre beim Spiegel, bei der Zeitschrift, gearbeitet. Er hat keine Entschädigungsrente bekommen, sondern nur vom Spiegel-Verlag bekam er Rente. Aber das war die Rente, die jedem zusteht, wenn er gearbeitet hat. Günther hat als Fahrer beim Spiegel gearbeitet und meistens musste er Augstein fahren. Der wusste, dass Günther Sinto und deshalb im KZ war.

Einmal hat ein Beamter auf dem Amt für Wiedergutmachung gesagt "Na, manche haben das Lager verdient." Das muss man sich mal vorstellen. Das musste man sich als Überlebender manchmal anhören. Juden gegenüber hätten sie das wohl nicht gewagt, aber wir waren für die Leute auf den Ämtern immer noch "Zigeuner". Oft genug saßen da dieselben, die uns in die KZs gebracht hatten.

Bergen-Belsen
Dann kam ich nach Bergen-Belsen. Wir waren einen Tag und eine Nacht unterwegs. Heute weiß ich, dass es von Nordhausen nach Bergen-Belsen so ungefähr 250 Kilometer sind. Nicht weit. Aber es war oft Fliegeralarm. Dann stand der Zug stundenlang auf der Strecke. Wer noch konnte, stand auf und versuchte durch die Ritzen der Waggontür zu sehen. Man wollte sich immer irgendwie orientieren, denn sie haben uns ja nicht gesagt, wohin sie uns bringen. Aber Bergen-Belsen hätten wir sowieso nicht gekannt. Wir hatten doch keine Ahnung, dass es hunderte von Lagern gab, Konzentrationslager, deren Nebenlager und noch andere Haftstätten.

Von Dora, das inzwischen in Mittelbau umbenannt worden war, bekamen wir nur für einen Tag Verpflegung mit. Einen Kanten Brot musste man sich gut einteilen, um nicht nach einem halben Tag ohne was zu essen dazustehen. Gegen Abend kamen wir in Bergen-Belsen an. Wir mussten im Zug bleiben und wurden erst am nächsten Morgen ausgeladen. Wir kamen nicht ins Hauptlager, sondern uns brachte man in den Kasernen der SS unter. Die standen in der Nähe des Lagers. Nach meiner Kenntnis waren wir die ersten Sinti, die ersten Männer, die in den Kasernen untergebracht wurden. Das war unser Glück. So sehe ich es heute, denn im Hauptlager waren die Zustände im April 1945 ganz unbeschreiblich. Leichenberge lagen herum, zu essen gab es im Hauptlager nichts mehr. Die Menschen haben Gras gegessen und die Borke von Bäumen, wenn dort welche standen. Es war ein so großes Elend, dass man es sich nicht vorstellen kann. Ich weiß alles von meiner Frau, die von Ravensbrück nach Bergen-Belsen kam und dort fast gestorben wäre. Die Engländer haben sie unter den Toten hervorgezogen, weil sie sich noch bewegte. So ist sie gerettet worden. Noch heute hat sie Narben auf den Armen, die von Verletzungen stammen, an die sie sich nicht erinnern kann, die sie aber in Bergen-Belsen erlitten hat. 13 war meine Frau bei der Befreiung. Ich kannte sie damals natürlich noch nicht, sondern habe sie erst später in Hamburg kennen gelernt.

Auf unserem Transport von Dora-Mittelbau nach Bergen-Belsen habe ich keine Frauen gesehen, nur Männer. Die meisten Häftlinge in Dora waren Männer. Das habe ich auch später gelesen. Aber es kamen auch viele Frauen 1945 in Bergen-Belsen an. Sie wurden alle ins Hauptlager gebracht, wo die Zustände so schrecklich waren. Die Frauen kamen meistens aus Ravensbrück. Weil die Russen näher rückten, hat die SS die Lager im Osten Hals über Kopf geräumt und die Häftlinge zu Fuß oder mit Viehwaggons in die Lager im Westen geschickt. Man kann sich vorstellen, dass dabei Tausende gestorben sind, besonders auf den später so genannten Todesmärschen sind die Leute vor Erschöpfung oft tot umgefallen. Nur die, die noch ein bisschen bei Kräften waren, haben es geschafft. Aber viele sind dann in Bergen-Belsen gestorben, sogar noch als das Lager schon von den Engländern befreit worden war sind viele Menschen an Hunger, an all den Strapazen gestorben. Bis zum Sommer 1945 starben noch mehr als 14 000 Menschen an den Folgen der Haft in einem KZ. Auch daran kann man wieder sehen, welch ein Glück mein Bruder und ich gehabt haben, dass wir das alles überlebt haben. Ja, wir sind nicht gestorben, aber wir waren nicht mehr dieselben Menschen. Was wir mitgemacht haben, können wir nie vergessen. Was uns angetan wurde, hat die meisten von unserer Minderheit zu misstrauischen Menschen gemacht. Mich auch. Besonders wenn ich Männer ungefähr in meinem Alter heute auf der Straße sehe, frage ich mich, was die wohl getan haben. Mit den Jüngeren ist das anders. Ich bin ein offener Mensch und habe Kontakt zu Leuten, die keine Sinti sind, aber ich bleibe vorsichtig.

Die Häftlinge, die aus dem KZ Mittelbau-Dora nach Bergen-Belsen gebracht wurden, brachte man in den einstöckigen Kasernen außerhalb des Hauptlagers unter. Der Block, wo ich und die anderen Sinti einquartiert wurden, lag rechts, wenn man in diesen Bereich rein kam. Und einen Appellplatz gab es mit einem Fahnenmast in der Mitte. Aus Mittelbau-Dora und den Nebenlagern sollen insgesamt so um die 25 000 Häftlinge nach Bergen-Belsen gebracht worden sein. Wie viele Sinti darunter waren, weiß man nicht ganz genau. Manche sagen, es waren nur 100. Das stimmt nicht. Ich meine, es waren mindestens 300 allein in einer Kaserne, und es war mehr als eine Kaserne voll mit Sinti. Aber es gibt auch andere, die meinen, es waren 600 oder 1000. Genau lässt sich das nicht mehr feststellen, denn wir sind ja gar nicht mehr registriert worden. Und die Listen, die in den Jahren vorher von der SS angefertigt worden waren, haben sie alle vernichtet, bevor die Engländer kamen.

Die meisten SS-Leute waren schon abgehauen, deshalb waren die Kasernen fast leer. Nur ein paar waren noch da. Die Bewachung durch eine Postenkette bestand hauptsächlich aus ungarischen SS-Leuten. Zigtausende Häftlinge, Sinti, Russen, Franzosen und Juden kamen aus anderen Lagern in Bergen-Belsen an. Sie wurden entweder direkt ins Lager oder in die Kasernen außerhalb des eigentlichen Lagers gebracht. Für Frauen hatte man ein riesiges Zeltlager errichtet, denn man konnte gar nicht alle in den Blocks unterbringen. Das wusste ich damals natürlich alles nicht so genau. Ich habe mich erst später sehr viel mit dieser ganzen Zeit beschäftigt. Ich habe viel darüber gelesen und auch den Historikern, die die ganze Geschichte dokumentieren wollten, geholfen.

Lange konnten die SS-Leute nicht weg gewesen sein, denn es standen in der Kaserne, wo wir untergebracht wurden, sogar noch Essensreste herum. Die russischen Häftlinge waren so durcheinander, dass sie ein Fass mit Methylalkohol, das sie da fanden, aufgebrochen und davon getrunken haben. Sie haben gedacht, das wäre Schnaps, weil dieses Zeug nach Alkohol riecht. Sie sind daran zugrunde gegangen. Es gab Dutzende Tote unter den Russen, die davon getrunken haben.

Die Kasernen waren voll, alle überbelegt. Es waren jetzt bestimmt dreimal so viele Häftlinge darin wie vorher SS-Leute. Die Toiletten waren verstopft, waschen konnte man sich nirgends. Die Zustände waren schrecklich. Lagerordnung gab es natürlich nicht mehr. Alles ging durcheinander. Und überall lagen auch Tote. Die wurden draußen auf einen Haufen geworfen.

Bergen-Belsen
Verhaftung des Lagerführers Josef Kramer
durch die britischen Befreier
Die paar SS-Leute, die noch da waren, hatten keine Macht mehr. Sie mussten jetzt die Leichen zusammentragen. Das haben die Engländer angeordnet. Einige glaubten aber wohl immer noch, es könnte alles nach ihrem Kommando weitergehen. Einer war SS-Oberscharführer. Der hat uns erklärt, dass der Engländer kommt, soviel wusste er immerhin. Aber dann sagte er uns, dass dann der Betrieb hier normal weitergeht. Er sagte, dass es dann wieder zur Arbeit gehen würde und wir auch wieder Appell stehen müssten. Das hat der sich eingebildet. Der hat sich sogar auf einen Panzerwagen gestellt und von oben heruntergeschrien. Ein Jude, der direkt vor ihm stand, brach zusammen. Daraufhin brüllte er, dass er aufstehen solle. Da kam einer von den englischen Soldaten und hat ihn vom Panzerwagen runter geholt. Dann kamen die Wagen vom Roten Kreuz und brachten Verpflegung. Vieles war in Dosen. Aber wir hatten keine Dosenöffner. Und bevor die verteilt waren, haben manche Menschen, die vor Hunger schon fast verrückt wurden, versucht die Dosen mit den Zähnen und den bloßen Fingern zu öffnen. Die haben schrecklich geblutet. Das sehe ich noch genau vor mir, wenn ich daran denke.

Bergen-Belsen war die Hölle. Ich weiß nicht, wie mein Bruder und ich das alles ausgehalten haben. Wie haben wir es bloß geschafft, morgens aufzuwachen und wieder den Tag durchzustehen. Aber so schlimm es in Bergen-Belsen war, wir hatten Hoffnung. Irgendwie wusste man, dass alles bald zu Ende sein würde. Und wir wollten leben. Bis dahin hatten wir es geschafft und wir glaubten fest daran, dass wir es auch weiter schaffen würden zu überleben. Dass es dann aber so schnell gehen würde, wussten wir nicht.

Bergen-Belsen
Von den Befreiern angebrachte Information
Heute weiß ich, dass das Lager am 15. April 1945 an die Engländer übergeben wurde. Ich habe gelesen, dass am Tag der Befreiung 38 000 Häftlinge im Hauptlager und 15 000 im gesamten Kasernenbereich waren, wo man uns untergebracht hatte.

Einer von den SS-Leuten hat mich angesprochen. Die waren froh, wenn sie einen Häftling trafen, der Deutsch sprach. Der hat mir einen Kanten Brot gegeben und gesagt: "Kannst essen." Aber ich konnte vor Angst sowieso nichts essen. Ein SS-Mann, der dir Brot gibt, das war mir unheimlich. Ich habe das Brot aber in die Tasche gesteckt. Dann sagte er zu mir: "Hör mal zu, wenn es soweit ist, hauen wir beide ab." Ich dachte, wie kann er das sagen? Und außerdem hatte ich noch meinen Bruder da. Wenn ich das getan hätte, hätten sie uns sofort erschossen. Er sagte: "Wenn ich dich rufe, hauen wir ab." Ich sagte nur "Jawoll." Der ist tatsächlich abgehauen, aber natürlich nicht in SS-Uniform. Der hat sich Häftlingsuniform angezogen und ist abgehauen. Ich habe aber gehört, dass die Engländer ihn geschnappt haben. Die anderen von der SS haben auch versucht abzuhauen. Wie viele es geschafft haben, weiß ich nicht. Bestimmt saßen manche von ihnen später wieder in Amt und Würden irgendwo hinter einem Schreibtisch. Wenn man bedenkt, wie viele SS- Leute es in den KZs gegeben hat, wie viele brutale Schläger waren und wie wenige später zur Rechenschaft gezogen worden sind, kann man sich nur wundern oder wie ich, auch manchmal wütend werden.

Und über Nacht war das Lager dann leer gefegt von SS-Leuten. Die Bewachung war weg. Nur die Außenposten, die ungarische SS, die stand da immer noch.

Einige Häftlinge sind auch einfach abgehauen. Durch die ungarische Postenkette haben sie es geschafft. Mir war das zu riskant. Ich wollte mit meinem Bruder nicht noch unser Leben riskieren, denn man wusste ja nie, wie die ungarische SS reagieren würde.

Bergen-Belsen
Bergen-Belsen nach der Befreiung
Die Engländer haben nun versucht, die vielen tausend Häftlinge zu sortieren, zu zählen und nach Nationen zu ordnen. Es waren zigtausende Gefangene aus vielen verschiedenen Ländern da. Das war natürlich nicht so einfach, die alle zu registrieren. Nach Nationen sollten wir uns also aufstellen. Aufgerufen wurden Polen, Franzosen, Belgier, Russen und noch andere und eben auch Deutsche. Im ersten Moment wussten wir nicht, wo wir uns aufstellen sollten. Was waren wir jetzt? Waren wir Zigeuner, wie man damals sagte, oder waren wir Deutsche? Dann haben sie noch mal gefragt: "Wer ist Deutscher?" Da haben wir uns bei den Deutschen hingestellt. Die haben ja nicht gefragt: "Wer gehört zu den Sinti?" Wir haben uns also zu den Deutschen gestellt. Und die Engländer wussten nun gar nicht, dass wir Sinti waren. Deshalb gab es später auch keine genauen Angaben, wie viele Sinti in Bergen-Belsen überhaupt waren. Ich habe später gehört, dass die Juden auf den Listen der Engländer hinter ihren Namen ein J bekamen, so wurden sie als Juden erkannt, die ja aus den verschiedensten Ländern stammten. Vielleicht gab es sogar Sinti oder Roma unter uns, die nicht aus Deutschland kamen. Das weiß ich gar nicht. Jedenfalls ist es bis heute nicht ganz klar, wie viele Sinti oder Roma in Bergen-Belsen befreit wurden.

Ich vergesse nie, dass die englischen Soldaten alle so rote Gesichter hatten. So kam es mir jedenfalls vor. Im Vergleich zu all den blassen und abgemagerten Gestalten sahen die Engländer natürlich frisch und wohlgenährt aus. Das war für uns ein ganz ungewohnter Anblick. Vor allen Dingen sprachen sie mit uns ganz anders als die SS. Nicht weil sie meistens Englisch sprachen, was wir ja gar nicht verstanden, sondern weil sie uns wie Menschen behandelten. Und einige konnten auch Deutsch. Meistens waren das Juden, die rechtzeitig aus Deutschland abgehauen waren und die dann beim Militär waren und als Soldaten zu unseren Befreiern gehörten. Als mich einer ansprach, konnte ich vor Aufregung nicht reden. Ich habe mich so gefreut, aber meine Stimme war weg. Dann waren also die Engländer da. Mein Gott, sie waren unsere Rettung.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich auf dem Appellplatz stehe. Es war nachmittags. Da kommt ein Deutscher in Wehrmachtsuniform, er kommt zusammen mit dem Lagerarzt. Das war der Lagerarzt von Dora, nicht Mengele aus Auschwitz, ein anderer. Der war einigermaßen menschlich. Ich musste in Dora nämlich mal zu ihm gehen und kannte ihn deshalb. Die Engländer kamen dazu und sprachen mit ihm, sie haben ihn aber höflich behandelt. Weil ich gerade da stand, nahm mich ein Engländer beiseite und hat mich gefragt, ob ich etwas über den Lagerarzt aus Dora aussagen kann. Er sprach ein paar Worte Deutsch, aber ich hätte ihn sogar auf Englisch verstanden, denn ich konnte mir denken, was er wollte. Über den Lagerarzt wusste ich aber nichts auszusagen. Dann haben die Engländer ihn abgeführt und mitgenommen.

Bergen-Belsen
Die Briten nutzten Flammenwerfer,
um die Häftlingsbaracken abzubrennen,
weil sie infiziert waren
Später musste ich zu dem einen englischen Soldaten auf die Schreibstube kommen. Er begrüßte mich auf Hamburger Platt. Ich war völlig perplex. Er hatte hier in Hamburg an der Universität studiert, seine Eltern waren in der Textilbranche und er war 38 mit seinen Eltern nach England gegangen. An seinen Namen erinnere ich mich nicht mehr. Er war Presseoffizier. Von da an war alles klar. In dem Moment war für uns die Lagerzeit vorbei, auch wenn wir natürlich nicht sofort weg konnten. Er hat mir was zu rauchen gegeben. Englische Zigaretten. Da ging erst mal das Husten los. Aber man gewöhnt sich an Gift, daran gewöhnt man sich schnell. Ich war bestimmt eine Stunde bei ihm in der Schreibstube. Er wollte natürlich alles von mir wissen. In welchen KZs ich war, wo ich herkomme, wo meine Familie ist. Ja, darauf zu antworten, war für mich am Schwersten. Ich hatte ja nur meinen Bruder und meinen Cousin bei mir und sonst wusste ich nichts. Und ich habe ihm natürlich erzählt, dass wir Sinti sind. Er wusste, dass Sinti auch verfolgt worden waren wie die Juden. Aber er hatte noch nie einen Sinto gesehen, und ich glaube, er war ein bisschen überrascht, dass ich blond war wie er und wahrscheinlich nicht so aussah, wie er sich einen "Zigeuner" vorgestellt hat.

Bergen-Belsen
Die Überlebenden warten auf ihre Verpflegung am 28. April 1945
U.S. Holocaust Memorial Museum
Wir haben dann Verpflegung gekriegt, Suppe, Brot, alles haben wir gekriegt, gutes Essen. Und zwei Tage später musste ich mich bei ihm wieder melden und er sagte zu mir: "Komm, wir fahren jetzt nach Lüneburg rein." Ich habe gedacht, von da ist es nicht mehr weit nach Hamburg. Er sagte: "Komm, ich nehme euch mit." Mein Bruder, mein Cousin und ich kletterten dann hinten auf seinen Wagen, ich glaube, das war ein Jeep, und er fuhr mit uns nach Lüneburg. Erst ging es ins Krankenhaus in Lüneburg. Da lieferte er uns ab, weil wir erst einmal untersucht und neu eingekleidet werden sollten. Viele ehemalige Häftlinge waren da. Das Krankenhaus war überfüllt. Man hat uns aber trotzdem gleich aufgenommen, denn wir waren zum Glück nicht krank wie die meisten, die nämlich Typhus oder Fleckfieber hatten. "So", sagte der Engländer "ich komm wieder und hole euch ab." Wir konnten uns dann baden, wurden untersucht und konnten unsere total verdreckten Klamotten ablegen. Mein Gott, was war das für ein Gefühl, sauberes, warmes Wasser. Unsere Kleidung mussten wir vorher abgeben. Die hat die Krankenschwester genommen und sofort weggebracht. Wahrscheinlich hatte man Angst vor Infektionen, denn im Lager war in den letzten Wochen Typhus ausgebrochen. Dann bekamen wir neue Sachen, einen neuen Anzug, Unterwäsche, Hemd, Socken. Ich habe mich gefühlt wie ein König. Nach drei Tagen kam der englische Presseoffizier dann tatsächlich. Solange konnten wir uns erholen und vor allem zum ersten Mal nach Jahren in einem Bett mit einer sauberen Decke schlafen. Ich sagte ihm, dass ich nach Hamburg möchte und meine Mutter suchen möchte. Ich erzählte ihm, dass ich herausfinden will, wo meine Verwandten sind. Eine Tante könnte vielleicht noch in Hamburg wohnen. Ich wusste nicht, dass man auch aus Hamburg alle Sinti deportiert hatte. Er sagte: "Das ist kein Problem, ich nehme euch mit." Aber er suchte auch einen Bürgermeister für Lüneburg und fragte mich, ob ich das nicht machen wollte. Man hat überall nach Leuten gesucht, die keine Nazis gewesen waren, um sie auf die Posten der Nazis zu setzen. So kam er wohl auf die Idee, mich zu fragen. Aber ich habe gesagt, dass ich die Stadt nicht regieren kann, dazu war ich nach allem, was gewesen war, nicht fähig. Später habe ich gehört, dass dann ein ehemaliger politischer Häftling eingesetzt wurde. Eine so große Verantwortung hätte ich in meinem Zustand nach den Jahren im KZ gar nicht meistern können. Wir waren alle kaputt, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch.

Nach langem Hin und Her hat er mich dann doch überredet, Bürgermeister in einem kleinen Dorf zu werden. Das Dorf liegt ungefähr 35 Kilometer östlich von Hamburg entfernt und heißt Müssen. Es liegt auf der Strecke Lüneburg-Bardowick-Lauenburg-Müssen. Der Bürgermeister, der dort war, war alt und suchte einen Nachfolger. Wer das werden konnte, bestimmten nun die Engländer. So wurde ich für ein paar Wochen noch Bürgermeister. Durch das Dorf kamen Tag und Nacht Flüchtlinge aus dem Osten. Viele kamen im Treck mit Pferd und Wagen und machten im Dorf Station. Nachdem die Pferde notdürftig versorgt worden waren, mussten die Flüchtlinge weiterziehen nach Bardowick. Das hatten die Engländer so bestimmt. Sie hatten ein Schild auf Deutsch und Englisch am Dorfeingang aufgestellt, auf dem stand, dass in Müssen keiner bleiben kann. Wir waren in einem alten Schulhaus untergebracht. Das war eigentlich das einzige große Haus im Ort. Im Haus gab es bestimmt zwölf oder noch mehr Zimmer. Mein Bruder und mein Cousin schliefen in einem Zimmer. In den anderen Räumen wohnten noch drei Flüchtlingsfamilien mit Kindern. Später kam noch ein Mann dazu, der aus der Gefangenschaft allein versuchte nach Hause zu kommen. Aus reinem Zufall findet er im Haus seine Familie, die kurz vorher aus dem Osten geflohen war. Das war eine Freude. Die haben alle vor Freude geweint.

Hamburg
Hamburg ist unsere Heimatstadt. Wir haben nicht eine Sekunde daran gedacht, nach Berlin zurückzukehren. An Hamburg hatten wir nur gute Erinnerungen. In Berlin waren wir herausgerissen aus unserem richtigen Zuhause. Das war und ist eben Hamburg.

Bombed
Hamburg zerstört
Ich hatte weiter Kontakt zu den englischen Soldaten, die ab und zu durchs Dorf kamen. Schließlich habe ich gesagt, dass ich mit meinem Bruder und meinem Cousin nach Hamburg möchte und nicht weiter als Bürgermeister im Dorf bleiben will. Die Engländer waren nett zu uns und nahmen uns auf ihrem Militärfahrzeug mit. So kamen wir über die Elbbrücken, die für andere noch gesperrt waren. Hamburg war eine zerstörte Stadt, aber wir waren vor Freude ganz übermütig. Mein Bruder rief immer "Hummel, Hummel" und mein Cousin antwortete dann "Mors, Mors". Das war so ein Spruch aus Hamburg. Die beiden Engländer lachten und machten auch Witze mit uns. Ich glaube, die haben sich mit uns gefreut. Aber es stand uns noch eine schwere Zeit bevor.

Erst mussten wir eine Bleibe finden. Wir wurden wieder in einer Schule untergebracht, wo viele Flüchtlinge, alle durcheinander, von überall her, entweder auf dem Boden kampierten oder wenn sie Glück hatten, in Feldbetten schlafen konnten. Es war ein ziemliches Drunter und Drüber. Essen musste besorgt werden, Kleidung und vor allem eine kleine Wohnung nur für uns. Dass wir aus dem KZ kamen, verschaffte uns in dieser Hinsicht keinen Vorteil. Eine Wohnung von ehemaligen Nazis, die ja von den Engländern aus ihren Wohnungen oft rausgeworfen wurden, haben sie uns nicht gegeben. Man kann sagen, was man will, wir blieben auch nach 1945 "die Zigeuner" oder für die Engländer eben die "Gypsies". Ich glaube, dass die wenigen Juden, die nach Hamburg zurückkamen - die meisten Überlebenden gingen nach Palästina oder nach Amerika oder nach England - anders behandelt wurden von den englischen Soldaten. Ich habe später gehört, dass ein englischer Oberst im Oktober 1945 sogar befohlen hat, die behelfsmäßigen Unterkünfte aus Brettern und Pappe, die sich einige Sinti am Stadtrand gebaut hatten, abzubrennen. Das muss man sich mal vorstellen. Menschen, die jahrelang im KZ gelitten haben, wird das armselige Dach über dem Kopf abgebrannt. Hätte man sich das gegenüber den Juden erlaubt? Bestimmt nicht.

Bombed
Ein britischer Panzer bewacht
die Elbbrücken nach Hamburg
Wir hatten es auch nicht leicht. Nach all den Strapazen, mussten wir alle Kraft aufbringen, um für unser Weiterleben zu sorgen. Gleich morgens bin ich zu den Ämtern gelaufen. Das Wichtigste war, eine kleine Wohnung für uns zu finden. Außerdem brauchten wir Ausweise, Geld und etwas Anzuziehen. Wenn heute irgendwo ein Unglück passiert, sind hunderte von Helfern zur Stelle, sogar Ärzte und Psychologen kümmern sich um die Menschen, wie z. B. nach einem Zugunglück oder nach Naturkatastrophen. Wir haben zwei Jahre lang das Schlimmste mitgemacht, zwei Jahre lang Angst gehabt, den Geruch von verbranntem Menschen in der Nase gehabt, wir mussten Leichenberge sehen und miterleben wie andere grundlos geschlagen oder sogar aufgehängt wurden. Und jetzt mussten wir zum Amt gehen und beweisen, dass wir KZ-Überlebende waren. Es gab sogar Beamte, die uns ins Gesicht sagten, dass wir uns wohl die Nummer selbst auf den Arm geschrieben haben. Ja, das musste man sich anhören. Ich bin so manches Mal so wütend geworden, dass ich am liebsten alles kurz und klein geschlagen hätte in der Behörde. Aber ich musste mich zusammenreißen, denn sonst hätten sie uns gar nichts gegeben.

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Zerstörungen in Hamburg
Schließlich bekamen wir eine kleine Wohnung in einem Keller in der Nähe vom Dammtor Bahnhof. Aber das Allerwichtigste war für mich nach meiner Mutter zu suchen. Wir wussten nicht, ob sie noch am Leben war, ob sie bis zum Schluss vielleicht in Ravensbrück war. Auch von meinem Vater hatten wir seit damals in Marzahn nichts mehr gehört. Er war von Marzahn aus nach Sachsenhausen gekommen. Was dann aus ihm geworden ist, wussten wir nicht.

Ich bin dann überall hin, wo früher Sinti gewohnt haben. Sinti haben nicht nur am Großneumarkt in der Neustadt gewohnt wie wir früher, sondern auch in Hammerbrook, in der Nähe der Lohmühlenstraße, in Eimsbüttel, in Wandsbek, in Harburg und noch verstreut in anderen Stadtteilen. Man hat herumgefragt: "Weißt du etwas von dem und dem, von der und der?" "Wo warst du im KZ? Hast du den und den gesehen?" Jeder versuchte etwas von seinen Angehörigen zu erfahren. Und eines Tages treffe ich tatsächlich eine Frau, die ich von früher kannte. Sie wusste, dass meine Mutter in Ravensbrück überlebt hatte und bei einer Bekannten in Berlin untergekommen war. Ich habe dann alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Fahrkarte nach Berlin zu bekommen. Das war alles nicht einfach, man konnte nicht so leicht von da nach da fahren. Aber ich habe es geschafft und meine Mutter in Berlin gefunden. Zurück in Hamburg haben wir tage- und nächtelang erzählt und erzählt. Meine Mutter hat natürlich sofort nach meinen Geschwistern gefragt. Die ersten Male habe ich gar nicht geantwortet, bin einfach rausgegangen. Ich konnte es ihr einfach nicht sagen, dass sie alle vergast worden sind. Aber ich musste es ihr sagen. Ich war der Älteste, mein Bruder Günther hätte es ihr auch nicht sagen können. Es war so schrecklich. Sie hat geschrien und geweint, am ganzen Leib hat sie gezittert. Ich dachte für einen Moment, sie würde das nicht überleben, so verzweifelt war sie.

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Rechts Oskar Böhmer
Eines Tages kamen die Besatzungsbehörden auf mich zu und baten mich, den Posten als Treuhänder der Theaterklause in den Colonnaden, in der Nähe vom Gänsemarkt, zu übernehmen. Die Frau, die bis dahin das Restaurant geführt hatte, haben sie nicht entnazifiziert, sie war Parteimitglied gewesen und hatte wohl etwas auf dem Kerbholz, irgendwas Schlimmes gemacht. Jedenfalls wurde ich dann Treuhänder und beauftragt, das Restaurant zu führen. Da kamen Schauspieler und der Bürgermeister Brauer, der selbst vor den Nazis flüchten musste, weil er sich politisch gegen sie engagiert hatte. Ich war in dem Lokal eine angesehene Persönlichkeit. Die Leute wussten nicht, dass ich ein "Zigeuner" bin. Und dass ich ein Auschwitz-Häftling war, das haben sie auch nicht gewusst. Die Behörde wusste das natürlich. Ob der Bürgermeister Brauer es gewusst hat, weiß ich nicht. Aber der eine Senator, der war eingeweiht. Er kam oft abends rein und trank sein Pils. Der hat sich gern mit mir unterhalten. Manchmal kamen die Überwachungsbehörde vom Hotel- und Gaststättengewerbe und die Engländer, um zu kontrollieren. Die englischen Soldaten durften nicht rein, "Out of bounds" hieß es für sie, das heißt auf Deutsch "Zutritt verboten". Aber ein Englischer Offizier machte sich daraus nichts. Der kam mit zwei weiteren Offizieren und deren Frauen. Sie setzten sich dann separat in einen hinteren Raum. Und ich habe ausgeschenkt. Sie wollten deutsches Bier trinken. Es war ja alles da, sie konnten alles organisieren. Von den Brauereien in Altona kam echtes deutsches Bier, kein Wasserbier, sondern richtiges Bier habe ich ausgeschenkt. Es gab nie irgendeinen Streit im Lokal. Auf der anderen Seite war die Staatsoper. Nach der Vorstellung kamen die Sänger und Musiker. Auch Gustav Gründgens kam vom Schauspielhaus in mein Lokal. Manchmal haben die sich auch Getränke mitgebracht. Ich habe dann die Gläser geliefert. Dafür haben sie mir Eintrittskarten für die Oper oder das Theater gegeben. Das war im Grunde eine gute Zeit für mich. Ich habe Geld verdient, hatte Ansehen und habe mich wohl gefühlt.

Um den Großneumarkt herum, am Gänsemarkt, am Stephansplatz und im Valentinskamp war überall schwarzer Markt. Da wurde gehandelt und getauscht. Alles schwarz natürlich. Wir wussten anfangs gar nicht, was das war, was da gespielt wurde. Aber nachher haben wir auch manchmal mitgemischt. Man musste das, um zu überleben. Die Versorgung mit Lebensmittelkarten funktionierte nicht so schnell. Und wenn man eine Lebensmittelkarte hatte, gab es darauf manchmal nicht einmal das, worauf man eigentlich Anspruch hatte. So tauschte man, wenn man etwas zu tauschen hatte. Man konnte fast alles auf dem Schwarzmarkt bekommen. Die Leute tauschten Schmuck gegen ein halbes Pfund Butter oder einen Pelzmantel gegen ein Brot und ein paar Konserven. Wir hatten all das natürlich nicht. Unsere "Währung" waren Zigaretten, die mir manchmal die Engländer zusteckten. 1948 kam die Währungsreform. Da war dann mit dem Schwarzmarkt Schluss.

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Bruder Günther
Auf dem Schwarzmarkt am Stephansplatz sah ich eines Tages plötzlich meine Tante. Ihr Mann war in Kriegsgefangenschaft geraten, ein Sohn ist gefallen und die andern zwei Söhne und die drei Töchter waren damals noch Kinder. Sie hatten es geschafft, in Hamburg unterzutauchen. In einer kleinen Laube haben sie außerhalb der Stadt gehaust. Wenn man unterwegs war, erfuhr man jeden Tag von einem anderen Schicksal. Aber die meisten von uns kehrten nie zurück. Was mit meinem Vater geschehen war, wussten wir lange nicht. Ich habe überall nachgefragt. Schließlich fand ich heraus, dass er nach viereinhalb Jahren im KZ- Sachsenhausen 1943 nach Wewelsburg gebracht worden war. Die Wewelsburg liegt in der Nähe von Paderborn. Die Burg wurde von der SS als Versammlungsort und Schulungszentrum genutzt. Himmler traf sich da mit den höchsten SS-Offizieren, habe ich gelesen. Dann mussten Häftlinge, die extra von Sachsenhausen dorthin transportiert wurden, die Burg als KZ ausbauen. Ab 1941 war das Konzentrationslager Wewelsburg vergleichbar mit Sachsensenhausen, Buchenwald oder Dachau. Die meisten Häftlinge sind da gestorben, und zwar entweder an Hunger oder Misshandlungen oder man hat sie erschossen. Wie mein Vater gestorben ist, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob es da heute eine Erinnerungstafel für die ermordeten Häftlinge gibt. Als ich einige Jahre nach 1945 dort war, gab es keine Erinnerung an die die Holocaust-Opfer, aber eine große Tafel für die SS war angebracht worden. Ich habe gehört, dass die Wewelsburg heute ein beliebter Ausflugsort für Familien ist. Das finde ich nicht richtig. Es gibt inzwischen auch eine Ausstellung über die Nazi-Vergangenheit der Wewelsburg, aber dass man gleich nebenan Touristen Burgerlebnisse bietet, gefällt mir nicht.

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VVN Ausweis
Wir hatten in Hamburg niemand, der für uns eingetreten ist. Wir mussten uns selbst helfen. Es war natürlich gut, dass ich die Schule besucht und beendet hatte. So war ich sozusagen eine Anlaufstelle für Sinti, die aus dem KZ wieder nach Hamburg kamen. Dann hat uns schließlich die VVN mitbetreut. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, wie der genaue Name ist, hat sich in erster Linie um die ehemaligen politischen Häftlinge gekümmert, aber auch uns haben sie Auskunft gegeben, wenn wir Hilfe bei den Behörden brauchten.

Der Kampf um Entschädigung
Im November 1945 habe ich den ersten Antrag auf Haftentschädigung gestellt. Darauf hat man monatelang gar nicht reagiert. Ich habe nicht einmal die Zeit angegeben, in der wir in Marzahn auch schon eingesperrt waren, sozusagen in so etwas wie in einem Ghetto leben mussten, denn wirklich frei waren wir da schließlich nicht. Nach vielen Monaten hat man mir dann für die KZ-Haft 3600 Mark zugestanden. Für einen Monat im KZ wurden 150 Mark als Entschädigung gezahlt. Wir haben aber das Geld nicht ausgezahlt bekommen, sondern erhielten nur Pfandscheine. Im bestimmten Zeitabstand, ich glaube, es war so alle halbe Jahr, konnte man einen Abschnitt einreichen und dann bekamen wir etwas Geld, aber meistens gab es gar kein Geld, sondern man gab uns mal einen Mantel, einen Sack Kartoffeln oder einen Kochtopf. Nachdem ich nicht mehr Treuhänder war - das war auf die Dauer nichts für mich, nächtelang im Lokal zu stehen -, habe ich mich mit einem ambulanten Handel mit Stoffen selbstständig gemacht. Von einem Stoffgroßhandel bekam ich die Ware und um sie zu bekommen, musste ich diese Pfandscheine von der Entschädigung als Sicherheit hinterlegen. Die haben dann allerdings Geld dafür ausgezahlt bekommen. Die Behörden haben uns nicht viel geholfen. Wir wurden immer wieder abgewiesen. Wie lästige Bittsteller haben sie uns behandelt. Aber das war natürlich auch kein Wunder, denn es saßen oft dieselben Leute auf den Ämtern, die uns in KZ gebracht hatten. Und geändert haben die sich nicht so schnell. Auf einen Mann vom sogenannten Lagerschutz treffe ich beim Wiedergutmachungsamt. Ich komme in das Amtszimmer und sehe den vom Lagerschutz in Bergen-Belsen hinter dem Schreibtisch sitzen. Ich habe ganz laut gebrüllt: "Was macht denn der vom Lagerschutz hier?" Alle haben mich angesehen. Das war für sie wahrscheinlich Ruhestörung. Unwillkürlich regt das einen auf, wenn man vor seinem ehemaligen Peiniger steht und der jetzt meinen Antrag auf Entschädigung bearbeiten will. Als ich am nächsten Tag wieder da war, war der weg. Der ist geflüchtet. Gerade die vom Lagerschutz waren so brutal und haben Menschen totgeschlagen. Und jetzt wollte der wieder über mich bestimmen. Das konnte ich nicht ertragen. Aber der hat natürlich auch Angst gekriegt, als er merkte, dass ich ihn erkenne.

1948, drei Jahre nachdem ich aus dem KZ gekommen war, bin ich schwer Lungenkrank geworden. Es ist fast ein Wunder, dass ich mich davon überhaupt wieder erholt habe. Aber anfällig bin ich bis heute. Vor einer Lungenentzündung habe ich immer Angst. Heute macht mir allerdings mein Herz schwer zu schaffen. Ich bin zwar noch jeden Tag auf den Beinen, helfe meiner Frau im Haushalt, mache dies und das, muss aber immer aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Mein Herz hat in meinem Leben zu viel mitgemacht, jetzt hat es nur noch wenig Kraft. Aber ich bin jeden Morgen froh, wenn das Leben weitergeht und will deshalb nicht klagen.

Wegen der Lungenkrankheit habe ich 1947 einen Rentenantrag gestellt. Zehn Jahre lang musste ich kämpfen. Immer hieß es, dass meine Krankheit nichts mit der KZ-Haft zu tun hat. Das waren alles Amtsärzte, die mich untersucht haben. Und es waren dieselben, die in der Nazi-Zeit Amtsärzte waren. Ich habe mir dann einen Anwalt genommen. Schließlich bekam ich 1958, nach zehn Jahren, eine Rente von monatlich 92 Mark zugesprochen.

Bombed
Romani Rose, Anton Franz, Oskar Böhmer
und Bundeskanzler Helmut Schmidt
Ich weiß nicht, wie wir das alles geschafft haben, woher wir die Kraft genommen haben, immer wieder zu kämpfen. Aber das Leben geht weiter. Und es gab auch schöne Zeiten. 1950 habe ich meine Frau kennen gelernt. Ich kannte ihre Schwester Hedwig noch von früher, als wir in Hamburg gewohnt haben. Hedwig war so alt wie ich. Meine Frau kannte ich damals nicht. Sie ist zwölf Jahre jünger als ich. Als ich sie kennenlernte, war sie gerade achtzehn. Wir freundeten uns an und blieben seitdem ein Leben lang zusammen. Meine Frau war fünf Jahre lang in fünf verschiedenen Lagern. Sie ist mit ihrer ganzen Familie schon 1940 aus Hamburg ins Lager Bełżec deportiert worden. Da war sie acht. Dreizehn war sie, als sie aus Bergen-Belsen herauskam. Sie lag schon im Koma. Aber die englischen Soldaten haben bemerkt, dass sie noch am Leben war, als sie in Bergen-Belsen in die Baracke kamen und haben sie unter Toten hervorgezogen und sofort ins Krankenhaus gebracht.

Das Lager Bełżec, wohin man fast tausend Sinti aus Hamburg deportierte, wurde aufgelöst. Die meisten Häftlinge brachte man in andere Lager. Meiner Frau gelang mit zwei Geschwistern und ihrer Mutter die Flucht. Sie versteckten sich im Wald, schliefen im Steinbruch und wurden von der SS aufgegriffen und wieder in ein anderes KZ gebracht. Die Mutter wurde von den Kindern getrennt. So ging es fünf Jahre lang. Meine Frau war damals ein Kind. Ich habe für sie den Antrag auf Entschädigung gestellt. Anfangs wurden die fünf Jahre anerkannt. Dann legte die Finanzbehörde Widerspruch ein. Die Monate, in denen sie auf der Flucht war, sich durchgeschlagen hat, wurden abgezogen. Auch die Monate, in denen man sie als Kind in ein Gefängnis in Warschau eingesperrt hat, galten nicht als Verfolgung. Angeblich war sie ja in Freiheit und nicht im KZ. 27 Monate haben die Hamburger Behörden schließlich nur anerkannt. Sie musste das zunächst bewilligte Geld zurückzahlen. Nach vielen Kämpfen mit der Behörde bekam sie wegen ihrer Krankheit nach Jahren und vielen Kämpfen 65 Mark monatliche Rente. So ist man hier mit uns Überlebenden des Holocaust umgegangen. Ob es bei den Juden anders war, weiß ich nicht genau. Kontakt hat es nicht gegeben. Aber soviel ich weiß, haben sich jüdische Organisationen schon 1951 zusammengetan und die Jewish Claims Conference gegründet, die sich um die Entschädigung für Überlebende bis heute kümmert. Der Anstoß für die Gründung dieser Vertretung kam wahrscheinlich nicht von den Überlebenden selbst, sondern besonders die Juden in Amerika, die von der Verfolgung nicht betroffen waren, haben sich für die jüdischen Überlebenden eingesetzt.

Gesellschaftliches und privates Engagement
Bei uns Sinti hat es viel länger gedauert, bis wir den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gegründet haben. Das hat wohl mehrere Ursachen. Sinti und Roma haben sich nie zu Gemeinden zugehörig gefühlt wie Juden, denn wir gehören ganz unterschiedlichen Religionen an, manche sind evangelisch, manche katholisch, und es gibt auch Roma in anderen Gegenden der Welt, die keine Christen sind. Was die Religion angeht, waren wir nie anders als die jeweilige Mehrheitsbevölkerung. Wir haben immer sehr enge Verbindungen zu unserem eigenen großen Familienverband gehabt. Zu den anderen Familienverbänden waren die Beziehungen nicht so eng.

Bombed
Hamburgs Erster Bürgermeister Henning Voscherau
und Oskar Böhmer
Anders als die Juden, die meistens nicht nach Deutschland zurückgekehrt sind, hatten wir eigentlich keine Wahl. Wohin hätte ich gehen sollen? Wie hätten wir Sinti es überhaupt anstellen sollen ins Ausland zu gehen? Es gab niemand irgendwo in der Welt, der uns dabei geholfen hätte. Wir waren auf uns allein gestellt. Für uns lag es deshalb nahe, dorthin zurückzukehren, wo wir uns auskannten. Und das war eben Deutschland.

Jeder Überlebende musste dann selbst zu den Behörden gehen und einen Antrag auf Entschädigung stellen. Wir waren auf uns allein gestellt. Und wir waren wenige. Wie in meiner Familie, war es auch in den anderen Familien. Alle hatten viele ihrer Angehörigen verloren. Außerdem waren wir wahrscheinlich nach dem, was wir durchgemacht hatten, nicht stark genug, um uns zusammenzuschließen, um einen Verband zu gründen.

Die junge Generation, die selbst den Holocaust nicht erlebt hat, aber die von den Eltern und Verwandten genug über diese Zeit wusste und mitbekommen hat, wie schlecht wir Überlebenden von den Behörden oft behandelt wurden, hat schließlich die Sache in die Hand genommen. Die jungen Sinti haben öffentlich protestiert und damit auf den Völkermord an unserer Minderheit aufmerksam gemacht. Dann erst hat sich die Politik um uns gekümmert. 1982 hat schließlich Helmut Schmidt offiziell anerkannt, dass wir wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt worden sind. Helmut Schmidt war damals Bundeskanzler. Sein Nachfolger Helmut Kohl hat 1985 diese Anerkennung wiederholt.

Es hat 40 Jahre gedauert, bis wir den jüdischen Überlebenden gegenüber gleichgestellt wurden. Manchmal denke ich, dass unser Leid in den Konzentrationslagern für viele bis heute nicht so zählt wie das der Juden. Das tut weh. Wenn man das Fernsehen anschaltet oder die Zeitung aufschlägt, waren es immer nur die Juden, die im KZ waren. Eine halbe Million Tote von unserer Minderheit und uns Überlebende vergisst man einfach.

1982 haben wir dann den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gegründet. Ich war damals Gründungsmitglied und war auch dabei, als Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Delegation unserer Leute zu sich einlud. Romani Rose ist bis heute der Vorsitzende des Zentralrats. Er hat in den vergangenen Jahren seit der Gründung geschafft, dass wir als Sinti und Roma in Deutschland von der Politik seltener ignoriert werden.

Im Unterschied zu den meisten anderen meiner Leute habe ich viele Bücher über die Nazi-Zeit gelesen. Ich wollte immer wissen, warum man uns ins KZ gesteckt hat, obwohl wir keinem etwas zu Leide getan hatten. Vor allem wollte ich immer wissen, wie die Nazis uns Sinti überhaupt alle erfasst haben. Wir waren in keiner Religionsgemeinde als Sinti registriert, wie es bei den Juden war. Ich habe mich immer gefragt, woher sie überhaupt wussten, dass wir Sinti waren. Bei meinen späteren Nachforschungen nach dem Verbleib meiner Familie, bei meinem Bemühungen Dokumente zu finden, hat man mir im Archiv in Koblenz den vollständigen Stammbaum meiner Familie bis ins 19. Jahrhundert vorgelegt. Ein Papier, das über einen Meter breit war. Der Stammbaum der Familie Böhmer ist darauf mit allen Personen über mehrere Generationen hinweg dargestellt. Alles ist handgeschrieben, manchmal stehen bei den einzelnen Familienmitgliedern Kommentare über ihren Charakter, und manchmal stehen sogar die Vornamen auf dieser Übersicht, die wir nur unter uns verwenden.

Ich war vollkommen fassungslos, als ich dieses Dokument in Händen hielt. Solche Familienstammbäume wurden von der "Rassenhygienischen Forschungsstelle" unter Robert Ritter erstellt. Alle Sinti und Roma in Deutschland haben die Nazis so erfasst. Er selbst und vor allen Dingen seine Mitarbeiterin Eva Justin sind überall herumgereist und haben nach Sinti gesucht. Manchmal haben sie Tipps von den Nachbarn der Sinti bekommen und manchmal sind sie auch auf die Plätze gegangen, wo Sinti mit ihrem Wohnwagen standen. So waren sie wohl auch in Marzahn. Ich kann mich daran aber nicht erinnern. Wahrscheinlich sind sie zu den älteren Sinti gegangen, haben ihnen irgendetwas vorgelogen und sie dann ausgefragt. Sogar mein Urgroßvater, der von 1852 bis 1906 gelebt hat, ist im Stammbaum eingetragen.

In jeder Stadt haben sie sich die ganz Alten vorgeknöpft. Und dann haben sie gefragt: "Du warst doch da und da, du kennst doch den und den, wie heißt der? Was war das für einer? Wie wurde er von den anderen Sinti genannt? Mit wem war er verheiratet, wie hießen die Kinder." All das müssen die gefragt haben. Alles wurde notiert. Dann kam Ritter mit seinen Leuten wieder in eine andere Stadt, wo die alten Sinti wieder Auskunft gegeben haben. So haben sie die Leute gegenseitig ausgefragt und dann die ganze Ahnentafel zusammengestellt. Die Todesursachen, alles wurde mit eingetragen. Von meinem Großvater sind zwei Brüder im Ersten Weltkrieg gefallen. Das steht auch alles in diesem Stammbaum, den Ritter gemacht hat. Und sogar alle privaten Sinti-Vornamen. Mein Name und alle Namen meiner Geschwister, mein Vater, sein Großvater, sein Urgroßvater. Eva Justin hat sich bei den Sinti dadurch Liebkind gemacht, dass sie sogar unsere Sprache Romanes gelernt hat, die sonst kein Nicht-Sinto spricht. Ich habe gelesen, dass bis Ende 1944 über 24 000 Sinti und Roma erfasst wurden. Das sind so gut wie alle, die überhaupt in Deutschland gelebt haben. Ja, man hat sie erfasst und dann ins KZ gebracht, wo sie alle umgebracht werden sollten. Man schätzt heute, dass im ganzen Machtbereich der Nazis, also auch in vielen anderen Ländern in Europa 500 000 Sinti und Roma ums Leben gekommen sind. Das war geplanter Völkermord.

Auch wenn ich es inzwischen weiß, dass die Nazis uns aus rassistischen Gründen alle umbringen wollten, kann ich es bis heute nicht verstehen. So eine Idee will mir einfach nicht in den Kopf. Für mich ist das so: Menschen handeln gut oder schlecht, aber es gibt doch nicht von Natur aus Menschen, die mehr Wert sind als andere. Nein, ich kann das einfach nicht begreifen. Und ich kann auch nicht begreifen, dass die Deutschen damit einverstanden waren, alle umzubringen, die angeblich zu einer anderen Rasse gehörten. Später haben dann die allermeisten behauptet, dass sie von allem gar nichts gewusst haben. Aber die auf den Ämtern, die uns wieder so schlecht behandelt haben, die haben es gewusst. Und sie haben sich nicht einmal geschämt.

In drei Prozessen gegen KZ-Aufseher bin ich als Zeuge aufgetreten. Ich habe als Zeuge gegen König, gegen Krause, gegen Sawatzki ausgesagt. Im Prozess gegen den brutalen SS-Aufseher in Auschwitz Ernst-August König bin ich mehrmals vorgeladen worden. Die Verhandlungen waren in Siegen und hier in Hamburg. Ich habe ihn zweimal identifiziert. Schon im Gerichtsflur habe ich ihn erkannt, als er mit seinen zwei Anwälten ankam. Ich bin auf ihn zugegangen und habe gesagt: "Sie sind König. Sie waren der, der in Auschwitz Menschen totgeschlagen hat." Der war völlig perplex. Ich hatte in Auschwitz mit ansehen müssen, dass er Häftlinge bei uns im "Zigeunerlager" zu Tode geprügelt hat. Meine Aussagen waren so genau, dass der Richter beeindruckt war. Auf alle Nachfragen konnte ich präzise Antworten geben. Er hat sich gewundert, dass ich so viele Einzelheiten nach so vielen Jahren noch wusste. Aber ich habe ihm gesagt, dass man das, was man in Auschwitz erlebt hat, nie im Leben vergessen kann. Der SS-Mann König ist 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, aber noch vor Haftantritt ist er verstorben.

Wenn ich als Zeuge aussagen musste, hat mein Sohn Georg mich begleitet. Er war damals 25. Ich war froh, dass ich ihn mithatte. Aber heute denke ich, dass es für ihn wohl manchmal auch schwer war zu sehen, was man seinem Vater und den Sinti angetan hatte. Es hat mich immer sehr aufgeregt bei den Prozessen auszusagen und hat meinem Herzen gesundheitlich nicht gut getan, aber ich musste es machen. Ich wollte es tun, denn es war wichtig für mich und unsere Leute, dass wenigstens ein ganz kleines Bisschen Gerechtigkeit hergestellt wurde. Ich war in Frankfurt als Zeuge vorgeladen. Auch beim Prozess gegen den SS-Aufseher im Zigeunerlager Sawatzki bin ich als Zeuge aufgetreten. Der war wegen Mord und Beihilfe zum Mord angeklagt. Er ist freigesprochen worden. Die allermeisten SS-Leute, die oft so viele Menschen auf dem Gewissen hatten, sind niemals verurteilt worden. Wenn ich einkaufen gehe, sehe ich hier in der Nähe einen SS-Mann herumlaufen, der in Neuengamme, im KZ Neuengamme Aufseher war. Das weiß ich aus der Zeitung. Heute ist er 87. Zweimal ist er verurteilt worden, und jetzt ist er auf freiem Fuß. An ihm muss ich vorbeigehen, an seinem großen Haus mit Garten hier in Volksdorf. Da kann man wütend werden, aber wir können nichts dagegen machen. Wir können nur mithelfen, dass noch die vor Gericht gestellt werden, die so viele Menschen im KZ gequält und umgebracht haben.

Freude und Leid
Bombed
Oskar und Regine Böhmer
mit den Kindern Reinhold, Rudolf and Gilda
Heute müssen wir uns um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder kümmern.

1950 wurde unsere erste Tochter geboren. Mit ihr fing sozusagen ein neues Leben an. Wir waren total glücklich und zeigten das hübsche blonde kleine Mädchen stolz in der Verwandtschaft herum. Wie früher mein Vater mit mir spazieren ging, so mochte ich auch gern meine Tochter an die Hand nehmen und mit ihr losgehen.

Wir empfanden es als großes Glück, als zwei Jahre später Rudolf auf die Welt kam. Er war ein sehr ernstes Kind, spielte oft stundenlang ganz für sich. In den folgenden Jahren wurden noch drei Söhne geboren und schließlich noch ein Mädchen. Sechs Kinder hatten wir. Anfangs haben wir noch etwas beengt in Eimsbüttel gewohnt, wo wir eine Wohnung bekommen hatten. In den sechziger Jahren sind wir dann nach Rahlstedt in ein Reihenhaus mit kleinem Garten gezogen. Hier sind alle Kinder in die Schule gegangen. Ich habe immer gearbeitet, bis ich Rentner wurde. Einige Jahre lang war ich in der Kunsthalle tätig. Das war interessant, weil ich die unterschiedlichsten Leute beobachten konnte, wenn ich auf meinem Hocker saß und aufpassen musste, dass keiner die Bilder berührt.

In meiner großen Sinti-Familie, zu der nicht nur die Böhmers gehören, sondern auch die Bamberger- und Laubinger-Familien, weil es Verwandte sind, habe ich die Rolle als Rechtssprecher. Ich habe die Aufgabe Streit zu schlichten, Ratschläge zu geben und mich noch um andere Angelegenheiten zu kümmern. Es gehört sich in unserer Tradition, dass man meinen Spruch befolgt.

Es war alles gut. Wir hatten kein schlechtes Leben. Wir waren beliebt in der Nachbarschaft. Die Kinder machten uns keine Sorgen. Heute denke ich allerdings, dass es wohl für sie auch nicht leicht war zu wissen, dass beide Eltern im KZ waren, weil sie Sinti sind. Vielleicht hat das den Kindern sogar manchmal Angst gemacht. Wir haben nie darüber gesprochen.

Und dann kam die Bundeswehr. Mein Sohn wollte unbedingt zur Bundeswehr. 1973 war das. Heute denke ich, dass er uns noch mehr Ansehen geben wollte. Ich wollte nicht, dass er zur Bundeswehr geht. Meine Frau auch nicht. Aber er war 18 und konnte selbst bestimmen, was er macht. Er hat sogar in Kanada ein Manöver mitgemacht. Alles ging gut. Und hier in der Heide passiert es. Da haben sie eine Nachtübung gemacht und dabei ist er von einem Panzer überrollt worden. Er lag mit drei Kollegen am Rand von einem Graben. Die Panzer sind wohl ziemlich leise gewesen, es waren diese leichteren Panzerwagen. Sie haben den Panzer nicht gehört. Sie waren erschöpft von der Militärübung und sind eingeschlafen. Mein Sohn und der andere, beide waren gleich tot. Der Dritte kam ins Krankenhaus. Der ist ein Pflegefall geworden.

Mein Sohn brauchte nicht zur Bundeswehr. Aber er wollte. Ich hätte ein Machtwort sprechen können. Man weiß nicht, wie man es richtig macht. Rudolf war so selbstständig, er wusste was er wollte. Und er war so stolz, wenn er am Wochenende nach Hause kam. Er war Sinto und doch genau wie die anderen, er wollte dazu gehören. Und er war sehr beliebt bei seinen Kollegen und Vorgesetzten. Was hätte ich ihm sagen sollen? Hätte ich es ihm verbieten sollen? Ja, alles wäre anders, könnte man in die Zukunft sehen.

Bombed
Urlaub im Sauerland 1964
Der Tod von Rudolf, unserem zweitältesten Sohn, hat unser Leben verändert. Als es morgens klingelte und ein Offizier vor der Tür stand, um uns zu sagen, dass unser Sohn tödlich verunglückt ist, ist meine Frau zusammengebrochen. Was dann kam, war schrecklich. Wir wussten nicht, wie wir weiterleben sollten. Meine Frau ist krank geworden. Und wir haben noch mehr auf die anderen Kinder aufgepasst. Das ist vielleicht nicht immer gut gewesen, aber wir hatten immer Angst um sie. Ja, die Angst hat mich mein ganzes Leben begleitet. Nur selten konnte man mal eine Zeitlang ganz unbeschwert leben. Am Schönsten war es, wenn wir mit unseren Kindern im Sommer unterwegs waren. Wir haben in den Schulferien dann unseren kleinen Wohnwagen ans Auto gehängt und sind los. Unsere Familie ist nie durch die Gegend gezogen, wie es sich die Nicht-Sinti so vorstellen. Wie die meisten Sinti hatten wir immer einen festen Wohnsitz. Aber in den Ferien waren wir gern mit dem Wohnwagen unterwegs. Und ebenso gern sind wir auch wieder nach Hause gekommen, wenn die Ferienzeit vorbei war.

Wünsche und Hoffnungen
Inzwischen sind meine Frau und ich Großeltern. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass wir alle in Frieden leben können und vor allem, dass die Menschen sich gegenseitig respektieren. Keiner ist von Geburt an besser als der andere, alle haben denselben Wert. Die Menschen mögen unterschiedliche Sitten und Gebräuche haben, aber sie haben alle die gleiche Würde.

Bis heute aber frage ich mich immer wieder: Warum? Warum wollte man uns alle umbringen? Wir hatten doch nichts getan. Die Juden hatten nichts getan und all die anderen Häftlinge, die man eingesperrt hat und die man zum allergrößten Teil ermordet hat, sie alle mussten so furchtbar leiden, weil sie angeblich anders waren als die arischen Deutschen. Nein, das will mir alles nicht in den Kopf. Ich kann es einfach nicht begreifen, wie Menschen so was anderen Menschen antun können. Warum kann man nicht ertragen, dass es Menschen gibt, die andere Sitten und Gebräuche haben, die aber niemand stören, die keinem etwas zu Leide tun.

Bombed
Oskar und Regine Böhmer mit Enkel
Wenn wir in Berlin die einzigen Sinti allein gewesen wären und wenn nicht die Olympiade stattgefunden hätte, wäre vielleicht nichts passiert, dann hätten sie uns nicht schon in Berlin ins Lager gesteckt. Wenn die Olympiade nicht gekommen wäre, wäre vielleicht alles gutgegangen. Aber wegen der Olympiade haben sie die Zigeuner nach Marzahn ins Lager gebracht. Uns Sinti sollte man nicht sehen. Aber wir haben auf dem Platz, wo wir standen, niemand gestört. Und die Nachbarn, die in der Nähe wohnten, die keine Sinti waren, sondern Schausteller, haben sich auch an uns nicht gestört. Wer hätte denn überhaupt gewusst, dass wir Sinti sind? Wir waren alle freundlich miteinander. Mein Vater war Soldat im Ersten Weltkrieg, er hatte sogar eine Auszeichnung. Er war ein angesehener Mann und wir waren eine anständige Familie. Das haben auch die Nachbarn gesehen. Sie hatten gar nichts gegen uns. Wir haben doch sogar gewählt. Unser Name stand 1933 auch auf der Wählerliste. Max Böhmer, mein Vater und meine Mutter. Es kann sein, dass mein Vater sogar Hitler gewählt hat. Er hatte bestimmt Angst vor den SA Leuten und hat deshalb immer aufgepasst, dass er nichts falsch macht. Er wollte, dass wir eben nicht auffallen. Ich glaube, deshalb hat er vielleicht sogar Hitler gewählt. Aus Angst. Wir hatten ja keine Ahnung, was sie mit uns vorhatten. Wir wussten nichts von Rassegesetzen und wären nie darauf gekommen, dass sie uns alle umbringen wollten. Wer kann so etwas ahnen? Hätten wir Hitler nicht gewählt, hätten sie uns bestimmt zusammengeschlagen.

Von unseren Verwandten wurden viele schon 1940 von Hamburg aus nach Polen deportiert, auch die ganze Familie meiner Frau. Viele Verwandte von uns brachte man nach Polen in das Lager Belzec. Die Cousine meiner Frau, Lotte Braun, wurde auch mit der Familie nach Belzec gebracht. Der Vater von Lotte Braun war Hafenarbeiter. Er ging jeden Tag seiner Arbeit nach. Schon 1938 hat man ihn von Hamburg nach Sachsenhausen ins KZ gebracht. Nichts hatte er verbrochen und seine Familie auch nicht. Nur weil sie "Zigeuner" waren, deportierte man sie mit fast 1000 anderen im Mai 1940 von Hamburg aus nach Polen. Man hat die Kinder aus der Schule gejagt. Als der Krieg zu Ende war, waren die Cousine meiner Frau und sie selbst genau 13 Jahre alt. Wer hat sich da um ihre Schulbildung gekümmert? Keiner. Niemand hätte sie mit Schulanfängern in eine Klasse gesetzt. Lesen und Schreiben haben sie deshalb nie gelernt.

Bombed
Oskar Böhmer zu Hause
Man hat uns Überlebende aus den Konzentrationslagern nicht mal wieder haben wollen. Der Vater von Lotte Braun ist in Sachsenhausen erschlagen worden. Sie hat überlebt, ihre Mutter auch, aber ihr kleiner Bruder ist erschossen worden. Er war neun Jahre alt. Sie waren in vielen Lagern. Dann wieder auf der Flucht und wieder im Lager. Meine Frau war als Kind zwischen ihrem achten und dreizehnten Lebensjahr in fünf verschiedenen Konzentrationslagern. In Polen konnten sie das Lager nicht absperren wie in Auschwitz. So haben die Sinti immer wieder versucht zu fliehen und wurden immer wieder zurückgebracht ins Lager. Meine Frau kam als Kind sogar in Warschau ins Gefängnis. Und dann wieder ins Lager. So ging das fünf Lager durch. Im Winter mit Schnee und Regen. Fünf Jahre lang, von 1940 bis 1945. Und sie waren doch Kinder. Meine Frau und die Verwandte waren acht Jahre alt. Die Mutter ist später hier in Hamburg gestorben. Der Vater war Hafenarbeiter und verstand zu arbeiten und hat gearbeitet, jahrelang. Aber er war auch Kommunist. 1927/28/29 war Hamburg rot. Und da haben sie wohl die Liste gefunden. Jetzt hatten sie zwei Gründe, er war Kommunist und "Zigeuner". Da haben sie ihn nach Sachsenhausen gebracht und erschlagen.

Wenn ich erzählt habe, dauert es immer mindestens zwei Tage, bis ich wieder im Lot bin, denn die Erinnerung regt mich doch immer wieder sehr auf. Aber es ist wichtig, damit die anderen erfahren, wie es gewesen ist mit den Sinti. Die Sinti und Roma sind verfolgt und die meisten von ihnen ermordet worden, weil die Nazis Rassisten waren. Es gibt heute Neonazis. Und es gibt Rassisten. Wir müssen aufpassen, dass die nicht die Oberhand gewinnen, denn sonst... Ich mag gar nicht dran denken.


Text and Family Fotos copyright © Karin Guth, Hamburg
English translation copyright © Struan Robertson

Oskar Böhmer


Oskar Böhmer:

Oskar Böhmer

Childhood
My name is Oskar Böhmer. I was born on 4 October 1920 in Finkenau hospital, Hamburg. My parents were German Gypsies, today we say Sinti. I was the eldest of ten brothers and sisters. After me came my brother Georg, born in 1922; my other brothers and sisters followed in two year intervals. Three died young; they are buried in Ohlsdorf cemetery. Two died of measles and the other from whooping cough, because we didn't have the medicines we have today. Our paediatrician, Dr. Berliner, had his practice in Großneumarkt. He inoculated me, not in the arm but in the shoulder. You can still see the scar today. Afterwards I had fever and was ill for several days. I was four years old. My father always took me by the hand when we went out. I loved going for walks with my father. My mother stayed at home and looked after Georg.

Oskar Böhmer
Father
My father was constantly looking for work to earn money. He was a musician as were a number of my relatives. He asked in various pubs whether they were looking for musicians as our people performed in different venues in the evening. He was a pianist and violinist. He was a wonderful violinist. He was self taught. They did not earn much as musicians and then irregularly. Sometimes they drank to ease their grief and sorrow. It is not easy for a man to support his family when he does not earn regularly.

Oskar Böhmer
Mother
Now and again my mother smoked a cigarette. The brand was Greiling. The packets contained cigarette cards. We did not have electricity. We had petroleum lamps. My mother saw that I went to bed early, except in summer when I was out in the neighbourhood with my cousins. They are all dead. They died in Auschwitz. We were all roughly the same age. They lived in Kornträgergang and I lived in Neustädter Straße. That was just around the corner. Here the prostitutes had their pitch but we were young and had no idea. They were nice and sometimes gave us a few Groschen.

There was a weekly fruit and vegetable market in Großneumarkt. I was frightened by the women dressed in black there. Each stood behind an old-fashioned pram containing a tub with live fish. At first I did not see the fish and was curious and then a little afraid when I discovered them. They were fish, live fish. I was afraid of these women dressed in black. I grasped my father's hand tightly and tried not to look. But I couldn't help taking a brief glance. It was somehow uncanny but I was curious.

Sometimes we children took a carrot from a market stand and ran off. This was just fun. Today I would forbid my grandson to do this. There was a police station on one side of the market square and a cinema and the Kuttenkeller cellar tavern on the other side. The prostitutes and their pimps frequented the tavern. The police still wore their tall helmets. That was in the 1920s.

We did not play with girls. We had no contact. My school was a boys' school in Poolstraße. The girls' school was in Bäckerbreitergang. My future wife's sister Hedwig went to school there. We could see the girls from our schoolyard but it was not permitted to go there. I knew my future wife's family then. Her family had a small attic flat. My father and her father are cousins. They were both light skinned men. My future wife's father was a musician and her mother sold soap and lace. At that time, before the Nazis came to power, we still had trading licences. I attended school in Hamburg until 1933. I had more good experiences than bad. We never went hungry. We never left our district. We were not allowed to go to the port as my mother said the water was too much of a danger. We had not dared to anyway. Sometimes an adult would take us through the tunnel to the other side of the Elbe to swim. But sometimes, unknown to our parents, we visited the Alster lake. We walked along the edge of the lake and threw small stones in the water. We competed with one another to see who could throw the furthest. It was possible to hire a boat but we had no money. The Alster lake was a long way from home for us children. We got there via Kaiser-Wilhelm-Straße, Speckstraße, Valentineskamp to Gänsemarkt. Just beyond Gänsemarkt we could see the water. We were always around six boys together.

Oskar Böhmer
residential quarter
Sometimes when the horse-drawn cart of soft drinks arrived in Kornträgergang we would snatch a bottle and take off. That was also great fun. The bottle was more valuable than the contents. We should have returned it but we never thought of this. Had he caught us he would have horsewhipped us. I was never beaten as a child not even at school. But we were too quick to be caught. I was always quick and respectful and obedient to adults. You have to be quick and clever in life. My father taught me that, and when you live in a city you learn how to survive. Also in the evenings we would spring onto the tram from the wrong side. The tram was electric. Thank God they didn't catch us. We travelled a short distance and jumped off again, luckily without falling. Today I realise how dangerous that was ... I was seven or eight years old. In the winter when there was snow on the ground we went tobogganing. Near the Criminal Court there was a slope in the ancient city fortifications. We had no sledge. We took poster boards advertising boxing events, etc. that were fastened to trees with wire. My two cousins and I held onto each other and tobogganed down the slope into the frozen ditch.

Oskar Böhmer
Neustädter Straße
We also gave a helping hand when needed. When we saw an old woman carrying something we helped. That was normal. And when someone moved house we helped. Sometimes they gave us twenty or thirty Pfennig and sometimes fifty Pfennig. We never had the money children have today. And when the funfair was in Hamburg then we had fun. My parents were always anxious for me. Once I came home, with Hedwig, around eight or nine in the evening. My father gave me a good telling-off. My parents were naturally worried. We would stand in front of the sweets' booth and occasionally older women would buy us something. Each of us would share what we got with our brothers and sisters at home. I had a happy carefree childhood. We didn't beg, the women probably gave us sweets in response to the longing in our eyes. The stall owner would probably have chased us away but the customer was king. We did not have money to go on the roundabout. And the swing was too dangerous. It went too high. My father drummed that into us. But we jumped up onto the horses on the merry-go-round. To reach the funfair I took Neustädterstraße, along Schlachterstraße, there was a billiard hall on the corner, via Hütten and Holstenwall to Heiligengeistfeld. We came out where the Museum for Hamburg History is today.

I remember the first time the Zeppelin flew over Hamburg. It was so low we thought it would hit a house. But it flew quietly past.

Oskar Böhmer
residential quarter
Hamburg pulsated with life. There was never a quiet moment. There was always something happening somewhere. When a heavily loaded horse-drawn cart with iron wheels came to the rise in Neustädterstraße men helped by pushing the cart. Once a driver struck the horses and the people set on him. He ran away. The horses couldn't manage this alone. Thirty or forty men had to push the cart to get it up the rise. One doesn't forget such scenes.

When snow fell in the winter we could see the neighbours opposite through our tiny, narrow four-paned windows. We all had petroleum lamps. On the opposite side of the road there was a cleaners, a butcher, a general store and a baker on the corner. These were the shops in Bäckerbreitergang. On our side of the road there was a tavern. My father often played there. My future wife's father played violin. They played there mostly on Sunday evenings when many people came. They played for drinks and cigarettes. A radish seller would arrive with a machine that peeled the radishes. The guests ate the salted radishes with their beer. I no longer remember how much a radish cost, perhaps 20 Pfennig. My father was always looking for work and was sometimes fortunate. But such work was not well paid.

In Gängeviertel you could shop to ten or eleven o'clock in the evening. A lookout warned us of approaching police. The police always patrolled in pairs. They did not dare patrol alone in Gängeviertel. We could buy everything we needed from a small shop until late in the evening: petroleum, candles, sausage, bread, butter. When I went for petroleum the small, slight woman would put on two old gloves to pour it into my bottle. It cost ten or twenty Pfennig. Then my grandmother or grandfather filled the lamp, cleaned the wick and lit it. We burnt briquet or coal for heating. And whenever a house was demolished, between 1926 and 1928 they demolished the extension to Rademachergang, people took the wood, from the doors and window frames, for heating. We had small iron stoves in our flat with a door on the side. I remember when I was five-years old I was afraid of the kitchen. It was so dark there. The stove stood there with the petroleum lamp above it. My father had hung a mirror behind it to reflect the light. The stove had two plates or openings. The coal and wood was stacked at the side. My mother could cook only when the lamp was lit. We didn't need lamps in the summer. We had two petroleum lamps, one in the kitchen and the other in the living room. A protection cylinder was mounted on top to prevent smoke. Father took care of this cylinder.

Oskar Böhmer
residential quarter
There was a large courtyard on the right at the beginning of Kornträgergang. Here they smoked kippers. The whole street stank, especially in summer, and the inhabitants were pleased when it rained. A large packet of kippers cost twenty Pfennig. It had disappeared before we moved in 1933. Many craftsmen and workers lived in the Gängeviertel quarter. The Sinti, who lived there, were mostly craftsmen or musicians. But there was high unemployment. From Kaiser-Wilhelm-Straße there was a large open space at the beginning of Kornträgergang and Gängeviertel began here. There was a road-cleaning compound here where the road sweepers left their tools. In the mornings there were always two men with newspapers with job offers on this open space. Around seventy men sought through the offers and quickly set out to inform others. They were paid by the job seekers. They all had bicycles. There were many young men out of work, among them many communists. The first time I witnessed a fight it was between the police and communists. That was in our street. We watched from the window. That was in the autumn and it was already dark. The policemen told us to, "Close the window or we will shoot". Hamburg also had its black side. Murder and manslaughter were reported in the newspapers.

School
I began school in 1926. Compulsory schooling for all children had been recently introduced and was strictly enforced, also for Sinti children. At the age of six I was enrolled at the elementary school at number 36 Poolstraße. My father took me on my first day and then I went alone as the school was not far from our house. My class teacher was Miss Schramm. She was attractive, with her blond hair in a bob. Most Sinti women had long black hair. My treacher was very beautiful and I liked her. I was even in love with her. She was so nice. Shortly before break she would ask: "Who doesn't have breakfast?" Sometimes I reported. Then I received a quarter litre of milk and a roll. She would have given me that each day but I was not the only one without breakfast. What she brought was not enough to feed all the children in the class. On those days I went without breakfast. She was nice to all the children. She never hit us, even though at that time teachers were allowed to hit children. Now and then she scolded us when we were undisciplined. Then she would say, "Be quiet! Don't turn around, continue reading". That was not bad and had to be so. Then we got a strict gymnastics teacher. Mr. Schulz. He was a former army officer. He was strict but we rebelled. School was over at around one or two in the afternoon. Then we went home. That was just around the corner. I rid myself of my school satchel and if there was something to eat then I ate it, and said to my mother, "Mummy, I'm off." I then explored the Gängenviertel with my cousins and schoolmates. We larked about the rest of the day. My closest friends were relatives, Sinti. We also had Germans friends but they were not so close as my Sinti relatives. We Sinti shared everything. When a deliverer of soft drinks arrived he had to enter on foot, as the lanes of the Gängenviertel were too narrow for his horse-drawn cart. His cart was full of crates of soft drinks for taverns. He unloaded the crates and stood them in front of the tavern door to take them in one by one with the help of the landlord. We then each snatched a bottle and took off. We then sat down somewhere and drank our spoils. That was great fun. We also went to our local baker and asked, "Do you have any leftovers?" He sold streusel cake on a metal plate. When the cake was cut in pieces there remained a border two or three centimetres wide. These were real pieces of cake. He always gave us a bag full of leftover streusel cake. The cake always tasted good. This was not embarrassing for children then.

Oskar Böhmer
residential quarter
Four or five Sinti families lived in Kornträgergang. My grandparents, uncles and cousins lived there. Sometimes I ate at my grandmothers, sometimes at home, sometimes at an aunts. Whoever arrived got something to eat. It didn't matter where we were fed. At around six or seven in the evening I had to be at home and do my homework. I always did this not least because it was for Miss Schramm. I didn't want to give her reason to berate me. My father didn't need to say anything, I did it off my own bat. It wasn't always totally correct but I always completed it. My father was sometimes strict but he never hit us children. I was the same with my children. I sometimes raise my voice to my grandchildren and say "Quiet!" But I never raise my hand to them. My wife would also never allow me to do that.

In 1928, when I was eight years old, I was so well known in the Gängenviertel that each day the prostitutes sent me with a list to buy lunch for them from the am Schaarmarkt tavern in Rademachergang where they cooked lunch for the girls. I was expected and simply handed over the order. The girls paid later. Potatoes, sauce, meat and vegetables were placed in a receptacle in the kitchen. The landlord always gave me something, an apple, a piece of cake or a slice of sausage. Then I brought the girls their lunch. And they gave me 50 Pfennig. That was a lot of money in those days. I sometimes bought a Groschen's worth of cakes and rolls and shared them with my cousins. A roll cost two and a half Pfennig, so for a Groschen I got four. Sometimes I bought sweet Franzbrötchen (sweet cinnamon-flavoured North German pastry). It was nice to be able to buy something to eat and not have to ask for the left over borders of streusel cake. I was known to be reliable in collecting the lunch for the girls and sometimes earned more than my father. I took the money home. Between two Marks fifty and three Marks. This was enough for my mother to cook lunch for two days. At first my mother cried. She hugged me and asked, "Where did you get the money?" We were poor and it was impossible for my mother to refuse my contribution to the household. I was too young to know that these women were prostitutes. I found this out in 1933, at the age of thirteen, when we left Hamburg.

Number 50 Kornträgergang had a backyard. It was small and dark but when the sun shone it was light there. Then the adults brought out chairs and sat together talking. When it rained or snowed it had to be swept because there was nowhere for the water to run off. My relatives had a three-roomed flat on the top floor. It was small but light. All the flats were small. My uncle, the eldest of the brothers, bred pigeons in a pigeonry in the attic. My grandfather also lived in the house. He repaired violins. He repaired, and bought and sold violins. He had a small cubbyhole with a small, narrow window. No one was allowed to enter. Me neither. I was sometimes allowed to observe him from the door. There was nothing there that did not belong there. Everything was so neat and tidy. His workbench with his tools: clamps, saws, files and chisels, and his polish and lacquer with sponges and rags. It took days to polish the grain of the wood. It required many coatings which had to be left to dry and polished again. Sometimes in between he would show the grain to my father. My father being a musician was so to say an aficionado.

Sinti musicians were known to people from Hamburg high society who liked to celebrate events with music. When there was a wedding party they wanted Gypsy music. A messenger arrived, as there was no telephone. My grandfather informed my father how many musicians were required, four or five and which instruments. He put the band together, for example violin, guitar and harp. And when the house possessed a piano my father went along. He played the piano well but did not possess his own instrument. Most Sinti musicians were black, with black beards, black hair and dark skins, but my father was light skinned and fair haired. When he arrived with the others the host did not believe he was a "Gypsy". Before performing they were given something to eat in the kitchen. They were not allowed to smoke in the kitchen or in the presence of the ladies and gentlemen. If there was a garden they could smoke there. The musicians were all heavy smokers. After eating and smoking they played. They played such enjoyable music the people didn't want them to stop. They received a long applause at the end. There was a bowl lined with paper so that it did not clink when money was contributed. The host and guests placed coins and paper money in the bowl. It depended on how long the party lasted, the whole day until eight or ten in the evening, or starting in the evening on into the night. However, mostly it ended by midnight. The well-to-do people lived mostly in Mittelweg, in Rothenbaum or facing the Alster lake. My father and the others walked home from there. It wasn't far to walk but it took a good half hour. Sometimes the next day I asked my grandfather how much my father had earned. I didn't want to ask my father. The money from the bowl was placed on the table and shared out. There was never any dispute. The men were all over fifty. My father was the youngest; he was born in 1894.

Grandparents
Oskar Böhmer
Grandfather and great uncle
Before my family lived in Hamburg my maternal and paternal grandparents lived in Berlin. There was a travellers' site, as large as a football field, in Mindenerstraße. All Sinti arriving in Berlin with horse and caravan camped there. It was police controlled. Even before Hitler came to power the Sinti were registered and monitored. There were stables for the horses. And there were toilets. I do not know whether they had to pay one or two Marks site rent. At that time Sinti were horse dealers, makers of umbrellas, knife grinders and cobblers. They were house painters. They were fortune-tellers. The women sold lace and blankets. The local craftsmen did not like the competition as they were afraid of losing their trade to the Sinti. But there was hardly any dispute over work. More and more Sinti came to Berlin. The city was huge and people could make their livelihood there. Especially the musicians made good money. This is how they proceeded: one or two well-dressed men would make the rounds of Berlin, for example to Wittenberg Platz, to Tauenzienstraße, this was the centre of Berlin.
Oskar Böhmer
Grandmother
Here were numerous nightclubs, theatres and cinemas. The Ufa Palace was the largest cinema then. In the side streets there were numerous large and small cafés. In these cafés they asked if they could play Gypsy music. Our music was renowned and popular. One of the most famous of these musicians was Barnabas of Gezi who played for five o'clock tea in the Romanian cafe. He sang the beautiful Hungarian song "Scandal in Budapest" on the radio. The musicians earned well in these cafés. That's why so many Sinti came to Berlin. Sometimes they were contracted for two, three or four weeks. Not longer. Berlin was a metropolis and the citizens were accustomed to ever something new.

We did not leave Hamburg of our own free will. We were happy living in Hamburg. But shortly after Hitler came to power my father was summoned by the police in the Stadthaus. He had to present his personal documents and answer questions regarding his family. Finally he was told to return in two days. This time there were two policemen. One of them took my father to the side and said: "It would be a good idea if you left Hamburg." However, he did not say why. Today I think the official meant well because in Hamburg the Nazis had the Sinti in their sights. We never had anything to do with the police but now, ever more frequently, policemen patrolled Großneumarkt and the Gängeviertel inspecting identification papers and chasing playing children from the street. SA men (Stormtroppers) in their black uniforms marched nearby. Sometimes they got into street fights with communists. Probably in order not to frighten us my father did not say exactly why we were moving to Berlin. Anyway I didn't know why. My father exchanged his violin, his treasured possession, for two horses. We had a caravan on a site in Wandsbek. My father brought this to us and we packed everything and departed. There were numerous stopovers on the way to Berlin. I believe it took us three months in 1934 to reach Berlin. In Berlin we had naturally no apartment as we had in Hamburg so we lived in the caravan, in Mindenerstraße, joining Tegeler Weg. Here was a camp site for fairground showman. I think the site rent was 12 Reichsmark.

Berlin
I continued to go to school in Berlin, in Berlin-Reinickendorf. I made good progress and was always among the top five in the class. I was proud of this because most of my schoolmates were not Sinti. I was able to show the other pupils and the teachers that Sinti are no different to other children when it comes to learning.

My father found work with the city cleansing department. He worked at the central depot. He was responsible for the work schedule for a district. He did not earn much but it was sufficient. We managed and were content. My father no longer played music, anyway not for money. Only rarely did he take up his violin, sit down outside the caravan in the evening, and play a while. Because his earnings were small we received parcels from Winter Aid. We children got clothes, shoes and other things. We had everything we needed, we were clothed and didn't go hungry.

My father had work, my mother cared for the family. Everything would have been alright had the Nazis not …

One day my father had to wear the badge of the German Labour Front (the Deutsche Arbeitsfront (DAF) was the National Socialist trade union organisation which replaced the free and diverse Weimar Republic trade unions that Hitler outlawed, on 2 May 1933, after his rise to power). I asked him what it was and he explained to me he was forced to join. Happily he was not forced to join the Nazi Party. But as a Sinto he would not have been accepted anyway. But he had to join the German Labour Front.

When I left school at the age of fifteen I was required to present myself at the authority for Work Service (Arbeitsdienst) in Berlin-Charlottenburg. (The Reichsarbeitsdienst (RAD) was formed during July 1934 as the official state labour service. Members were to provide service for various civic, military and agricultural construction projects). All Sinti, who did not have a fixed job were deployed by the RAD. Having summoned me the official briefly looked up and asked, "Where is the Gypsy?" I answered, "He's standing in front of you." He replied, "Something's wrong". He looked in the file again and said, "He doesn't look like a Gypsy. What's going on? Why was he summoned? We're not accepting him for Work Service." He sent me back home instructing me to look for an apprenticeship. Other relatives were with the Work Service. An uncle was deployed in Hamburg digging a trench near the old Elbe tunnel.

I began my apprenticeship. We were camped in a suburb of Berlin-Charlottenburg. We were doing fine. My father was earning well, I had begun my apprenticeship in Restaurant Schützenhof. I was learning to become a waiter. The landlord liked me because I was a quick worker and was always polite to the guests. I sometimes even received tips.

Berlin-Marzahn

Oskar Böhmer
Berlin-Marzahn internment camp
In 1936 when the Olympics were staged in Berlin all Sinti were forcibly settled in an internment camp. We had to pack everything together and were escorted to Berlin-Marzahn. The journey took us through much of Berlin, through Lichtenberg and Wiesdorf. Wiesdorf was a village with a church in the centre surrounded by farmhouses. There was a shoemaker and a coal dealer near the Marzahn camp. I still remember his name was Hase. The Marzahn camp was two kilometres from the village of Wiesdorf. The way to the internment camp, a kind of ghetto, was initially unpaved. It was an uneven sandy path which turned to mud when it rained. The Sinti had to pave the way to the camp under the supervision of a building firm. The route passed over railway tracks where there stood a signalman's house. The way rose a little and then fell again until it reached a police barrack on the left before the camp entrance. Here were the police, a physician and a midwife. The camp was enclosed with barbed wire. There was only one entrance. The camp was roughly the size of Heiligengeistfeld, the fairground area in Hamburg. It was a huge camp. Left and right were woodland. There was no electricity in the camp. There were two water pumps. In the winter we had to insulate them with straw. Often the water froze. Women and elderly people could not reach the pumps because it was too slippery. We took care to keep the camp clean otherwise diseases would have broken out. Initially there was a Jewish physician nearby who cared for us but he was suddenly no longer there and we had no medical care anymore. They took him away.

I had to discontinue my apprenticeship. I couldn't walk from Mahrzahn to Charlottenburg. We were not allowed to use public transport. I found work with the firm Erwin Knabe. I was sixteen years old and had to do the work of a twenty year old. I started as a free worker but when the war broke out the work became compulsory. I should have reported for Work Service (Reichsarbeitsdienst). But the firm prevented me. I was prepared to do this in order to protect my family. But the firm complained and did not let me go. There were two other Sinti employed by the firm.

Our forcible removal to Marzahn took place so: at seven in the morning police arrived with articulated tractor units at our campsite in Mindenerstraße, in Berlin-Charlottenburg. We were all terribly afraid. Three policemen tore open the caravan door and ordered my father to push the caravan to a tractor unit. My mother shook and turned white with fright and I remember till today how my heart pounded in my chest. My father refused and said: "I'm not doing a thing, if you want this done do it yourself." My father was always an even-tempered, friendly person but now he was beside himself and shouted: "No, I won't do it! We are not in debt and have lived here peaceably! We are not leaving here!"

One of the policemen wanted to strike my father but the other held him back. My father was very agitated. Other policemen arrived, shoved my father aside and pushed the caravan to the tractor unit. My mother and we children had to get into the caravan and the door was closed from the outside. Two policemen held my father fast. From the caravan window I saw how my father stood helplessly by while we were removed. Successively all the caravans were transported by tractor units from this site to Marzahn. Sinti were also forcibly removed to Marzahn from other areas of Berlin. I had never seen so many Sinti in my entire life. The Marzahn camp was chock-a-block. Each time a caravan arrived all gathered to see who it was. Perhaps it was a relative. We Sinti had been registered by the police years before. We were never left in peace. We were not fully aware but the authorities knew everything about us. In Marzahn all caravans were numbered. Our caravan was numbered 37. My grandfather was there when we arrived. We saw that our caravans were next to each other. We are always happy when relatives come together. My father was done in, both parents were under strain. And we were afraid of what could still come because this police action presaged something worse. My father said, "This cannot be true. Why do they treat us so?" We could not sleep at all that night. I harkened and heard how my parents talked long into the night.

Initially the Marzahn camp was not enclosed but the police barrack was situated directly in front. We had freedom of movement and could leave the camp. In a brick built barrack there were two water pumps and two toilets for all those now living under guard in Marzahn. There were hundreds of Sinti in the Marzahn camp. Sinti who had lived in apartments in Berlin and who had no caravan were quartered in four barracks on the site. These barracks were not subdivided into smaller units. Many families had to share one large space. There was one stove and one oven for all. I have no idea how these people made out. All these families had only one oven in order to cook their meals. I don't think I ever entered one of these barracks.

The following day after work my father went to the authorities. He wanted to find out why we had been removed to Marzahn. This was a waste of time but father could not understand what had been done to us. Until today I do not understand why the Nazis did this to us, above all why they wanted to kill us all. We had never harmed anyone and were respectable people. Most of us were poor but we were decent people. My father returned totally depressed. He received no information, he was simply sent packing, he was even threatened that if he did not immediately disappear ... He did not often smoke and when he lit up I knew how he felt. He was so depressed that he simply stared into space. Finally he said: "They chased me away like a dog." It was terrible to see my father like this.

A few days later my father was dismissed from the city cleansing department. He was simply given his papers and sent away. He then went to the labour office in Berlin-Malsdorf. That was close to Marzahn. Here he was placed with the road construction firm Hass and Frege.

I found work with Erwin Knabe a firm making stoves. They manufactured stoves and stovepipes. These were small, round iron stoves. We had to line them with clay. These stoves were destined for the coming war. When war broke out we had to manufacture hundreds of them. I worked from seven in the morning until five in the afternoon. Sometimes I also had to work the nightshift. That continued until 7 a.m. Then I had a good hours walk back to Marzahn. I think the hourly wage was 75 Pfennig. That was not much money but we were thankful for each Groschen.

Being employed we had a medical insurance card. When necessary we could visit a doctor in Lichtenberg. We could also visit a dentist. Marzahn, where approximately 800 people were interned, had no physician; there was only a sick-room. I did not become ill. It was easy to pick up an illness in the camp because hygiene conditions were poor. Because we lived so close to one another one became easily infected. Many elderly people died in Mahrzahn.

After the start of the war in 1939 food became still scarcer. We hardly had enough to eat. Under such conditions one easily becomes ill. In 1941 I caught pneumonia. I went to the physician and he gave me a sick note. I immediately sent my younger brother to my employer with the sick note. Despite this the firm Erwin Knabe made a complaint because I was off work for eight days. I had both informed my employer and the health insurance company. The firm later argued that my medical certificate had got lost. The police suddenly appeared at our caravan. I lay in bed with fever and did not know what was happening when the door was flung open, I was yanked out of bed and shoved into the police car. That was in October. They took me to the police station at Alexanderplatz. After a short time, after I had explained everything, they released me. But they did not accept my explanation and I was told I would be imprisoned. I was sentenced to one month imprisonment because of these eight days illness and because allegedly the firm had not received my medical certificate. I spent a month in Spandau prison. After the war, war criminals were imprisoned in Spandau. The Nazis imprisoned people in Spandau who they saw as a threat or who they decided did not belong to their folk community. Being a "Gypsy" I was in this category.

In July 1938 there was a police raid in Marzahn and nearly all the men were arrested. Today I know that the Nazis arrested over 10,000 people in two large waves and imprisoned them in concentration camps. In addition to Jews and other enemies of the Nazi State there were many Sinti arrested.

My brother and I had left early for work and so were not present during the raid. My mother told me that police came with dogs and closed off the camp. Criminal Police officers arrested all the men between the ages of sixteen and fifty. They were loaded onto trucks and driven away. They were taken to Sachsenhausen concentration camp situated close to Berlin. My father was among them.

When I came home from work in the evening women ran to me in tears. All were naturally terribly agitated. I did not know what to do or say. I was also terrified. Nevertheless, I tried to comfort my mother. I thought that the men would be set free again as they had done nothing wrong. But none returned. Eight days later we received a letter from my father in Sachsenhausen. My father was given prisoner number 54606. He wrote: We are allowed post, parcels and money. We could not send much. We had nothing much ourselves. Each week we sent 5 Marks. One Sunday I summoned up enough courage to visit my father in Sachsenhausen. I had inquired how to get to there. My mother packed bread, a small piece of sausage and a few cigarettes into a bag for me. I left for the station. I had to take the train to Lichtenberg and from there to Oranienberg, the station for Sachsenhausen concentration camp. I managed this but when I left the station I saw police everywhere. I lost my nerve, returned to the platform, and took the next train back. I was very naive, because they certainly would not have allowed me to see my father. They would more than likely have kept me there.

Towards the end of 1938 there was a second police raid in Marzahn. They arrested and took away all women fit for work. My mother was among them. They deported the women to Ravensbrück concentration camp. This was also close to Berlin. Now I was alone with my five brothers and sisters. I was just 18 years old, the eldest son and now responsible for my younger brothers and sisters. I was on nightshift when they took the women. The women were all gone when I returned to Marzahn in the morning. They arrested and imprisoned my mother of six children in a concentration camp. My youngest brother was five years old. I was the oldest. My sixteen year old brother and I had to work. We had to earn to feed the others. There was no welfare assistance. Initially we received food vouchers in Marzahn but then less and less. The meat, bacon, eggs, and fat that we received in Marzahn was less than "Germans" received. Today I don't know how we bore this. Fortunately my grandmother was still in the camp. She was over seventy years old. She took care of the young ones during the day. I managed to do what I could early in the morning, for example shopping. The village was two kilometres from the camp and the villagers were prejudiced against us. Some farmers who used our labour were decent to us. Those who we sometimes worked for gave us breakfast and dinner and paid us five Marks. But the butcher and baker gave us nothing. They only sold us leftovers. We were always afraid that we would also be taken away. After I was released from Spandau prison I returned to work with the same firm. I was very afraid of the boss. The foreman was nice but the boss was a Nazi. He was around 60 years old. He was almost two metres tall. He always wore SA uniform.

Then the war broke out. Everyone over the age of fifteen in Marzahn had to sign that we would not leave the camp without permission and not move elsewhere. Then there was an air raid alarm and we heard shooting. Nothing happened to us but we could see Berlin burning. Sometimes that lasted three or four hours, until one or two in the morning. We could not sleep for fear. But I had to rise around half past six in order to catch the seven o'clock bus. Friedrichsfelde, where I worked, was only five stops away. My cousin also worked there. Our firm manufactured small iron stoves for the soldiers in Russia. We had to line the stoves with stones, fireclay and loam; we also manufactured the stovepipes. The sheet metal was first rolled out through a roller and then cut. To form the stovepipe the sheet was positioned on a pipe and we hammered the slot over the key. We worked from 7 a.m. to 5 p.m. When a goods wagon arrived with gravel, loam or sheet metal we had to work longer in the evening. Then I had no time to go shopping. When I arrived home after five it was too late for me to go to the village. I didn't want my fourteen year old sister to go to the village alone. I was afraid something could happen to her. Then our women neighbours went for us. I wrote out what we required. We reciprocated. As well as food vouchers there were clothing vouchers. We bought wellingtons and socks with these. Winter clothes, scarves or underwear we were not allowed. We had to take the bus to Lichtenberg for these. In Lichtenberg I walked down Frankfurter Allee, around five kilometres to Straußbergerplatz/Alexanderplatz. Here on the left side of the street were draper's shops. I entered, showed my clothing vouchers, and asked if they had something for me. Sometimes I got something. Once, in a small shop, I got wool for socks. None of us could knit but I took the wool because some women in the camp were good knitters.

On Saturdays, when I only worked until 1 p.m., I took the bus directly to Lichtenberg and from there the underground to Straußberger Platz. Here was a weekly market. This was a large covered market. And there I bought wellington boots. An acquaintance had told me to go a particular butcher there and to ask for a woman so-and-so. I had to wait as there was a queue. However, the woman had noticed me. She took me aside and I gave her the wellington boots. She then gave me a bucket with sausage leftovers. The bucket was closed and I could not risk opening it so I had to trust her. I then returned home. In the caravan I looked in the bucket. There were sausage ends and greaves, the residue that remains after animal fat has been rendered. I didn't know what to do with this but an acquaintance explained how we could heat it up and pour it over potatoes or spread it on bread. It tasted marvellous.

Initially my appearance was to my advantage. People did not associate my light skin colour with "Gypsy" and I could read and write. Most Sinti have dark hair and brownish skin colour and so could easy be identified as such and were discriminated against. I was not seen to be a Sinto. I am blond and look very German. I am German as my entire family has been for centuries.

Air raid alarms sounded more often. Mostly between 11 and 12 o'clock at night. We had no electric light. We only had one petroleum lamp. We were very afraid. The bombers flew over the camp, only ten kilometres from the centre of Berlin where they dropped their bombs. I lay awake in bed and listened. The younger children cried in fear. In reality we lived constantly in fear. We were fearful of the police, of the villagers, of everything and everyone. When you do not belong, when the others brand you as different, then either you are constantly afraid of doing something wrong and being punished or you become callous and even aggressive. Then you have the feeling that you must constantly resist something or somebody. I believe that is still true today and not only regarding our minority but others here in Germany who are not members of the majority.

Oskar Böhmer
Berlin-Marzahn - police guards © Bundesarchiv
Some of the policemen in Marzahn behaved correctly but others treated us badly. One in particular was a devil. His name was Bredel. He began as a simple policeman and after six months was promoted to senior police officer. He registered the names of those who smoked at night even when there was no air raid alarm. The punishment was a fine of four Marks. He wore a completely new uniform with sword and had a dog. It was two kilometres to the bus for work and if we took a shortcut over the fields, where nothing was growing, and he caught us we were fined again. Had we not paid he would have reported us and done us harm.

But there was worse to come.

When the war broke out my mother had already been over a year in Ravensbrück concentration camp. We got post from her. She wrote "Dear children, I arrived safely. I am doing fine. I work in the tailor shop." My mother was a good sewer. That saved her life and she was liberated in 1945.

In Marzahn one day was like the other. I continued to go to work outside the camp. The policemen, who stood guard at the gate, knew me and often gave me a friendly greeting. I probably didn't fit their prejudiced view of what constituted a "Gypsy". In addition to my appearance I left the camp punctually in the morning and returned in the evening, was always clean and tidy, despite the living conditions being unpropitious. But I succeeded in keeping my clothes clean. In the evening I washed our laundry in a bowl outside the caravan. There was nobody to do the washing during the day. Sometimes the old women, who had been left in Marzahn, helped me. They were not "of use" to the Nazis because they were not fit for hard work.

Once, something unusual happened. As far as I remember it was in 1940 but it might have been earlier. In recounting the past people expect exact dates, even the day of the month. This is not easy because as I have already indicated one day was very much like another in the camp. When something out of the ordinary occurred it was mostly the annum horribilis that was remembered.

Film Extra

Oskar Böhmer
Leni and friend
I remember I had worked the nightshift and had woken early in the afternoon when I heard voices outside. I stepped outside and saw a very elegant, blond woman circled by young men carrying cameras and brief cases. One of the policemen was also there. The woman looked out of place in the camp. It was Leni Riefenstahl the famous film director. I didn't know this at the time. She was seeking extras who could pass as Spaniards in her film "Tiefland". This is probably how she came to the idea of using Sinti. (The film is based on the opera Tiefland (music by Eugen d'Albert, libretto by Rudolph Lothar) and the original play Terra baixa by Àngel Guimerà. Riefenstahl started to develop the script in 1934, and shot the movie between 1940 and 1944. The film, however, was not completed by the end of the war and eventually was finalized and released on February 11, 1954.) The Babelsberg film studios were not far from Marzahn. She chose me despite my fair complexion. I was then given the task of choosing children between the ages of twelve and fifteen and four adults. I had to make a list of their names. Two or three weeks later we were taken to Babelsberg. My firm had to free me. Leni Riefenstahl was not only famous but had connections. My firm dared not refuse. We were even paid. It might have been 10 Marks a day. Anyway, I know it was a lot of money for us.

Leni Riefenstahl was a workaholic. She was fanatical. But we didn't suffer thereby. She was only interested in making her films. I cannot criticize the woman. She was not directly responsible for our wellbeing and I never spoke to her. But I was rather impressed by her. She had her team but in Babelsberg she was always present. We worked eight to ten hours a day. During our one break we could visit the cafeteria where we had to sit in a special corner separate from the others. However, we were not badly treated in Babelsberg. In the evening we were taken back to Marzahn. For us Sinti children this was an interesting change.

It was still more exciting when we were taken to Tirol to continue shooting. Today I know more. Leni Riefenstahl also brought Sinti as extras from the Maxglan camp in Austria. We Sinti were accommodated in barracks and guarded by local police. We were not allowed to leave the barracks after 8 p.m. Shooting lasted around two months. These were the location shots. I was responsible for the list of names and had to place individuals. We were around 30 to 40 children. Sometimes shooting was interrupted and we were returned to Marzahn and Maxglan respectively. Generally speaking we were treated decently. I have nothing bad to say about Leni Riefenstahl. (Nina Gladitz's 1982 film "Zeit des Schweigens und der Dunkelheit" tells the story of Leni Riefenstahl's filming of "Tiefland" through the eyes of Josef Reinhardt, one of the few Tiefland extras who survived, most were murdered in Auschwitz. Thereupon Leni Riefenstahl instituted legal proceedings against Nina Gladitz. Nina Gladitz won the four year court case in three of the four points but had to sell her house and her career was brought to an end as subsequently no TV company offered her work. The film relates how Leni Riefenstahl personally witnessed the horror of the Maxglan Gypsy camp on her visit there to recruit extras. It is obvious she was informed about other concentration camps. After the war Leni Riefenstahl maintained that nothing had happened to her extras and that she had seen many of them again after 1945. The truth is that practically every one of them was murdered in German concentration camps.)

Leni Riefenstahl was not only the director, she was the leading actress. In the studio I saw her dance. She was a beautiful woman. But she was a fanatic. She could work twenty hours without fatigue. Then the actor Luis Trenker arrived. He had a role. He was a natural. He was very nice to us; I even spoke to him once.

The location shooting lasted around three weeks. It was a good time for me. Then we returned to Marzahn via Mittenwald in Bavaria. In Berlin we again shot studio scenes in Babelsberg. A short time later I was an extra in the film "Mein Leben für Irland" (Max W. Kimmich's 1941 anti-British Nazi propaganda film). I was twice in Babelsberg for shooting. This was a film with Rene Deltken who was a very famous actor. It is the story of an Irish freedom fighter. In the film we Sinti were in prison. The irony was that we Sinti were in real life imprisoned in Marzahn.

Suddenly we heard "the Gypsies must go." That was the end of my acting career. I was very disappointed because film making was much better than working in the factory. We had the Nuremburg Laws to thank for that. It began with "Jews Out!" and then it wasn't long before we "Gypsies" were on the line.

Deportation
And then the cursed March 1943 arrived. Marzahn 1943. When I returned from work elderly women rushed up to me saying, "They have taken your brothers and sisters". Nearly everyone was loaded onto trucks and taken away. Only five or six families remained. Today I understand more about Himmler's ideology of race. We Sinti and Roma originate from India and so are "Aryan". This posed a problem for the Nazis which they solved by declaring the majority of us as being "of mixed blood" ("nicht reinrassig") thereby being still more dangerous than merely "non-Aryan". This alone demonstrates the insanity of racism. One could laugh if it wasn't so sad.

The large Marzahn camp was nearly deserted. The five families who were allowed to remain were too frightened to leave their caravans. My grandparents were also taken away. My grandmother was 70 years old and my grandfather 78. And my five brothers and sisters were taken.

When I learnt this I was done for. I was totally done for. An uncle returned to Marzahn shortly after me. He was employed by the Reich Work Service. He was wearing his uniform; that often protected us. I wanted to immediately go with him to the police station at Alexanderplatz but he convinced me we should go early the following morning. That was a Thursday. The police raid was carried out on Wednesday. The policeman's name was Karsten. He treated us decently. He could even understand a little Romany. At that time I thought that understanding our language showed respect but today I think it was a way of spying on us.

I entered and said, "Mr. Karsten, Heil Hitler", and stood at attention. There was a second officer in the room. He snarled, "What's going on?" But then he left. Karsten then informed me he was powerless. He was one of the village policemen in Marzahn and knew us. But when his colleague returned he treated my uncle and me with reserve. Then he took us to the senior officer. But I was done for. I could no longer talk. The man was very unfriendly. He was thin and wore a dark suit with insignia. He told us we could retrieve my five siblings when I supplied him with five others. The target number of the transport list was met. If I had supplied five others I could have had my brothers and sisters released. I would have done everything for my brothers and sisters but I could not condemn other Sinti. He told us, "You have three hours to bring me the five Gypsies. The transport departs in 24 hours." I had no choice. I could perhaps have fled. But where to? They would have soon caught me. I had no money and didn't know anyone who was still free. What should I have done? We returned to Marzahn and packed everything we had. I stuffed everything into a bedcover. I don't know whether I slept or not I only know that I was terrified and asked myself what they intended to do with us. Despite all I had experienced I could not imagine that they planned to murder us. This is beyond belief. Had I not experienced this in Auschwitz then I would still consider this impossible.

The next morning my uncle and I reported to police headquarters. Fingerprints were no longer required, we gave our names and our identity papers were confiscated. We had to spend a night on the bare floor of a hall. The women and girls were separated from the men and boys. The next morning we were loaded onto trucks which took us to Schlesischen station. Everything took place very quickly. There was not a soul to be seen where the train waited. The area was sealed off by police and soldiers. We were shoved and hounded as everything had to proceed quickly. They probably wanted to avoid bringing attention to the action by excluding onlookers. I had to take care that we brothers and sisters remained together. It was a passenger train. There was an armed soldier in each compartment. The doors were locked from the outside so that no one could escape. The soldier kept the key in his jacket pocket.

The train journey lasted a whole day. We had arrived at Auschwitz …

Auschwitz-Birkenau
What was this place? Why had they brought us here?

We had no more contact with our parents once we arrived in Auschwitz. We did not know that our father was dead or the fate of our mother until we were reunited in August 1945. We didn't imagine that we would survive Auschwitz. We lived from day to day - in the so-called Gypsy camp in Auschwitz-Birkenau. This was one section of the immense camp area where Sinti and Roma were imprisoned in a score of barracks or blocks. There were Sinti and Roma from everywhere in Europe, from Holland, France, eastern Europe and of course Germany.

"Gypsy Camp" Auschwitz-Birkenau

The conditions were terrible. The blocks were former horse stables. There was no solid floor only the muddy earth. The only light that entered these blocks came from small skylights in the ceiling. Each block was divided in three by two rows of posts supporting the roof. Three-level bunks filled the space between the posts and the outside walls. Between 500 and 800 of us were crowded into a block, and sometimes a thousand or more. We slept like sardines on bare planks or on a little straw. Later we were given covers rigid with dirt. This was a so-called family camp and women, children and men lived together, unlike in other sections of Auschwitz-Birkenau. This was not an advantage, we died like flies just like the other prisoners. In addition our customs were violated. Shame and respect play important roles. It was particularly humiliating for our people to have to go to the bathroom in public.

Oskar Böhmer
The inside of a barack
Copyright © Auschwitz Museum
We quickly learned what Auschwitz was. In Germany we were told we would be given a piece of land in Eastern Europe where we could work and support ourselves. Auschwitz was of course a place where people were worked to death but primarily it was a death factory. We learned that fast. When camp curfew was imposed anyone leaving the block was shot. Curfew meant people were being taken to the gas chamber. There were two blocks of Polish Roma. They arrived during the day and were gassed the same night. They entered the block and curfew was imposed. No one dared open the block door to peep out. The block elder saw that no one left the block. They would have been shot immediately. One heard the people's cries as they were bludgeoned onto the trucks. I will never forget these cries of fear as long as I live.

We could see the crematorium from our camp. The chimneys burned and smoked day and night. Flames rose metres high from the chimney. Once Dutch Jews arrived, Sinti as well. Curfew again. One could sometimes see something through the cracks in the walls or by climbing up to the top bunk and looking through the skylight. The camp road was visible from here. To the left and right were roughly thirty blocks. These Jews and Sinti who had only just arrived were shoved and kicked onto the trucks. The trucks drove to the "sauna" and shortly thereafter flames rose from the crematorium chimney. The fear was palpable. Fear never left us as we all knew that we could be the next. Fear never left us. I still feel this fear when I talk of Auschwitz today. It is probable that my heart disease is a result of this fear I had in Auschwitz. Fear of death. Two long years with the fear of death; no heart can bear it. I survived three camps but when one is old one notices that fear eats the soul.

When we arrived in Auschwitz we did not know that it was a death factory. There were already Sinti and Roma there when we arrived. They had already been there at least four months. After only being a day there one of them pointed to the crematorium chimney and said to me, "We all pass through there". I observed the flames rising from the chimney and smelled the strange odour but still I did not believe him. I was 23 years old and in Marzahn had experienced how the Nazis treated us but I could not believe this. I said, "That's not possible. They can't burn us. We are here to work." But after a week I knew that what he said was true. I saw it with my own eyes and yet until today I cannot comprehend it. I cannot comprehend how humans can gas and burn other humans, to kill people simply because they are allegedly different or allegedly a danger for the majority. No I will never comprehend this. But I know the Nazis did this. And those responsible were probably completely "normal" people. They were mostly young men between the ages of 20 and 25. They were indoctrinated to be so. They enjoyed torturing people. This is beyond my comprehension.

I was put to work as a clerk in "Canada", the store where valuables snatched from incoming prisoners were kept. I could read and write unlike many of our people at that time and so was made a clerk. The store was named Canada because Canada was thought to be a land of untold riches. Everything that had been removed from the incoming Jews, Poles, Sinti and Roma and political prisoner was stored here. People arrived with suitcases having been told they were expected to work in their new home. They had been permitted to take 50 Kilos of luggage. Wealthy people naturally packed what they would need for the winter, fur coats and other valuables. Valuables were brought along to be bartered when things got bad. Everything was removed by the SS.

Approximately 23,000 Sinti and Roma were imprisoned in the so-called "Gypsy camp" during its existence. I had to administer the clothing for the entire camp. I had several co-workers who gave out the clothing. When a transport arrived the clothes had to be exchanged and a number sewn on. In Auschwitz we had no names. We were numbers. The numbers were tattooed on the outer side of the left forearm on our arrival. Here, you can still see the Auschwitz number on my arm. It was only in Auschwitz that people were tattooed. My number was Z 5075. I received it on 24 March 1943. Z stood for "Zigeuner" ("Gypsy"). We were differentiated from all other prisoners who only had a number.

We Sinti and Roma in the "Gypsy camp" were permitted to keep our own clothing. We were not required to wear the striped prisoner clothes. But on arrival you had to undress and throw everything onto a heap. The number was tattooed on the arm. The women had their long beautiful hair shorn off. Then a shirt, or a blouse, trousers or a skirt were assigned to the newcomers. A number on a scrap of fabric, corresponding to that tattooed on the arm, was sewn onto the clothing. My job was to record and administer everything.

We quickly learned that we were never to leave Auschwitz alive. Those who had no family tried to get on a transport out. Those individuals who still had the strength and will only thought of being transported out. However, those with brothers and sisters, parents and relatives in Auschwitz wanted to remain together with them. One did not want to leave the family behind in Auschwitz death camp. For people without a family it was all the same where a transport was going, even Ellrich (Dora-Mittelbau was the cover name of the subcamp situated at Salza/Thuringe. When Dora became an independent camp in 1943, it had its own subcamp at Ellrich. Ellrich was known as one of the worst external kommandos.) We knew Ellrich was very dangerous. Individuals even survived Ellrich.

Those who used their eyes, who were nimble, had a slight chance of surviving in Auschwitz. One had to try to quickly size up the situation so as not to let them get you down. Or so one thought. Those who were slow or awkward didn't last long. They got the hardest work. On arrival I was given the hardest work. I had to carry heavy sand bags and stones. I then got into conversation with our block elder. He was from Hamburg. He told me, "I'll make you block clerk. This isn't hard work and you'll get food for you and your brothers and sisters. But take care that everything is correct. If something is wrong I'll make you responsible. If the count is not correct you'll get a beating". 500 prisoners had to assemble mornings and evenings. First the men, then the women and then the children. Everyone had to muster. I had to give the exact number. When the SS block leader came to make the count everything happened quickly. When he miscounted that only concerned him but during the main camp roll call, made by the SS roll call leader from his desk, everything had to be correct. God forbid that someone was missing. He had to be found. That was dangerous. Sometimes it took hours until the individual or error was found. Then the SS became angry. The camp guards and the SS officers wanted to get it over with; perhaps they were going off duty. They spent their leisure time near the death camp. The officers went to their villas situated at the edge of camp where they lived with their families, with their wives and children. You must picture this; they lived in villas with a view of the death camp. This did not bother them. What sort of people were they? And what sort women were they who lived there and knew that the terrible stench was that of burning flesh from the crematorium? I later learned that these women got the best possessions, fur coats and jewellery, from Canada. Valuables were also sent home to Germany by the SS.

As I have said I was the block clerk. The prisoners were counted at roll calls before they went to work and when they returned. If the numbers did not tally we clerks were beaten by the block elders. These elders were also prisoners. Some were extremely brutal. I don't know whether they were brutalised in Auschwitz or whether it was in their nature. It is difficult to understand how some block elders beat their own people. I was fortunate not to have made a mistake. The prisoners and numbers on paper had to agree. I was always afraid that a child would hide and thereby falsify the count. All had to present themselves at roll call. Fear never left us. Fear took us to bed early. Fear crippled us. Around 4 a.m. we were all awake. Roll call was at 6 a.m. It was worse in the winter. And when it rained. All of us, women, children and the elderly sometimes had to stand one or two hours in the rain. Many died in the block. Even the sick had to appear at roll call. Even when they had high fever, were critically ill or were bedridden they had to be taken outside and laid on the earth. Even the dead had to be laid out. They were part of the count. Thereafter the dead were taken to the sick barrack. At the rear was a cart onto which they were thrown. We clerks were afraid of the block eldest, the block eldest was afraid of the block leader and the block leader was afraid of the SS sergeant. Everyone was afraid of his superior. We clerks and block orderlies were at the bottom of the hierarchy of functionaries. I was fortunate that my count was always correct. I was never beaten. Cruelty and brutality dominated our daily lives. Women and children were also beaten. Some beatings were carried out in the presence of us all as deterrence. We all had to be present. I reject all violence. I grew up without physical punishment. My father never struck us children. I did not experience brutality until I arrived in Auschwitz.

The fact that I had gone to school helped me survive Auschwitz. That was not common with Sinti at that time. My father saw that we children went to school. He always said, "Finish your homework and then you can do what you like." In summer and winter I had to be at home by 8 p.m. It was good that I had been brought up to be correct. That helped me in Auschwitz. But most of my family, also those who had had the same upbringing as I, were murdered in Auschwitz.

Only four members of our seventy member family survived the Holocaust. My brothers and sisters were still alive when I was transported from Auschwitz at the beginning of August 1944. I was initially taken to Auschwitz Main Camp three kilometres from Auschwitz-Birkenau before being transported to another camp. The next day my five brothers and sisters were gassed on the night of 3/4 August 1944 with 2,892 other Sinti and Roma. They were nearly all elderly people, children and the ill; people whom the Nazis could not use for labour. The whole Gypsy camp was liquidated. Prior to this many Sinti and Roma had been transported to other concentration camps. I was one of them.

Witnesses report that the victims put up a fight. They cried out and refused to mount the trucks. They knew what was going on. We had so often observed others being loaded onto trucks to be driven to the gas chambers. We all knew how people were killed in the gas chambers.

There were also "criminal" prisoners in Auschwitz. They were not murdered; on the contrary they were made kapos and other functionaries. Most were extremely brutal when not murderous. They had no scruples in beating people. They probably wanted to become lackeys to the SS. The majority were "Aryan" Germans. We were also German as were many Jews. Hitler wanted to exterminate all those who were not "Aryan", who did not belong to the German "race". Racism, the categorising of people into "races", like animals, is deadly.

After the war I came across two of these former criminal prisoners, who never let an opportunity go by to beat us, in Hamburg-Eimsbüttel where we lived at the time. I heard that former Sinti prisoners had confronted one of these. He had been terribly brutal. We did not find the other again. His name was Bogdan. I think he fled to South America. He was a prisoner in the political department (Gestapo). He was a Polish officer. He also had a relationship with a Sinti woman. He was on good terms with the SS. He took the valuables from people and gave them to the SS. He wore everything made to measure, riding boots, jodhpurs, everything. He was one metre ninety tall. He spoke good German. He was a brutal thug. He was a prisoner and yet sat at the same desk as the SS. He organized everything. I don't know if he is still alive. Our Central Council of German Sinti and Roma, in Heidelberg, was unsuccessful in tracing him. After the war very few were brought to trail and still fewer punished. No one was interested in the SS in the Gypsy camp; they were not prosecuted. After the war people also did not recognise that we Sinti and Roma had been persecuted and murdered for the same racist reasons as the Jews. The perpetrators were not prosecuted. Recognition of our genocide is only now slowly taking place - after nearly 60 years.

I saw with my own eyes how people were beaten and tormented, often on the roll call area. Two Hamburg Gypsies were flogged on the specially constructed whipping block. That was in 1943. It was a miracle for someone to escape Auschwitz. Like me they had been transported to Auschwitz from Berlin in March 1943. These two brothers, who were light skinned and did not look like Sinti, managed to return to Hamburg. Had they remained in Breslau or somewhere else they might have stayed free but they went back to Hamburg. They were rearrested there and brought back to Auschwitz. They were taken to the roll call area where the entire camp was assembled. They were strapped onto the whipping block. They were whipped from both sides by SS men and by prisoners, by the camp elders. They did not survive. They were taken to the sick barrack and did not appear again. The whole camp had to watch. The camp leader said, "Here are two who have returned because they feel so happy here." He added, "They will receive what they have asked for." Fear! All people are terrified when they witness such a spectacle.

The "Gypsy Camp" was but one section of the vast Auschwitz camp surrounded by electrically-charged four-meter high barbed wire fences guarded by SS men armed with machine guns and rifles. Outside the camps were a series of guard posts located two-thirds of a mile beyond the fences. It would have been easy for us to overcome the SS guarding our camp. But then what would have happened? The entire SS would have killed us all. Sinti and Roma live for their children. If we had been men alone ... But we were fearful for the women and children. We therefore did nothing.

There was an attempt to liquidate the camp before 3/4 August 1944. That failed because the entire Gypsy camp resisted. But in August 1944 the women and children had no chance. When I think what my brothers and sisters and my grandparents had to suffer before they were murdered. This fear, this defencelessness. It is hard for me to be reminded of the terrible life my younger brothers and sisters had. They experienced so much fear, hunger, privation and fear of death in their short lives.

And then there was the scabies. Half the block had scabies. My God, that was terrible. This skin disease is caused by the itch mite. (The disease produces intense, itchy skin rashes when the impregnated female tunnels into the stratum corneum of the skin and deposits eggs in the burrow. The larvae, which hatch in 3 to10 days, move about on the skin, moult into a nymphal stage, and then mature into adult mites. The adult mites live 3 to 4 weeks in the host's skin.) The disease spread for two reasons. Firstly, however hard you tried to keep clean camp conditions prevented this, and secondly so many people were crammed into such a small space that we literally lay body to body. The mites were transferred by direct skin-to-skin contact. The itching was almost unbearable. My younger brothers and sisters suffered terribly. The whole body was affected. Everyone in our block successively entered the sick barrack. At any one time I had to take twenty from the block to the sick barrack. The physicians were usually German Jews; there were even professors among them. They heard that I was from Hamburg. You can hear this by my accent. One professor had previously worked in the Eppendorf Hospital, in Hamburg. He took me aside - the SS guard stood outside, the guards did not enter the barrack for fear of becoming infected - and asked me how it was in Hamburg with the bombing raids. I told him that I had been in Berlin and not in Hamburg. He told me about himself. He then gave me medicine. It was an ointment that I had to rub myself with. This helped cure the scabies.

Regardless of the danger of infection I had to deliver the command list to the SS daily. Seemingly, their total control over the prisoners was more important than the possibility of becoming infected. The command list was a book which contained the names of all prisoners in a block. I had, for example, 560 prisoners in my block. Men, women and children. When someone died I had to cross them out. My God, how I felt when I had to cross out a name. A life was simply crossed out. And there were so many children among them.

The food was mostly inedible. The children between the ages of 4 and 10 got soup, rolled oat soup. Nevertheless, the food the children got was somewhat better than what the adults got. This was hard to swallow. The bread was ok. The pork was so badly cooked and tasted disgusting. The potatoes and cabbage, which was not cut up, came in the same pot as this muck. Everything was absolutely inedible. But you ate it. We were constantly hungry and so ate everything. The bread and margarine was the best. That was a little better. And from time to time there was a piece of sausage. Some bartered their sausage for cigarettes. These didn't live long because they ate practically nothing at all.

After scabies many of us caught epidemic typhus or typhoid fever. Some people were always ill. One illness followed another. That was a result of the appalling hygiene conditions. There were no toilets only buckets.

My brother Günther visited the sick barrack where he was known by the Jewish doctor from Hamburg. Günther told him I had typhus fever. A great many prisoners contracted this in Auschwitz. Many died. The doctor was again very nice. Secretly he gave my brother a tablet for me each day, only one because it could have cost him his life. My brother wanted to give him my bread ration but he refused it. He was not allowed to give us help. I don't know what would have happened if the block eldest had found out that we had been given tablets by the Jewish doctor. Perhaps he would not have said anything, perhaps he would have. That would have been the death sentence for the doctor. These three or four tablets saved my life. The typhus fever slowly left me but I remained weak. Other prisoners and of course my relatives pepped me up. They gave me some of their food. The food was little enough but we helped each other when we could. Fortunately my younger brothers and sisters did not contract anything. They had scabies but no other diseases. Their small starved bodies would probably not have survived a serious disease.

My brother, my cousin and I survived Auschwitz. We also survived the other camps we were in after Auschwitz. Back home in Hamburg we were always together. My brother died in 1992, my cousin in 1988 and now I am the only one still alive. I am the eldest of my family here in Hamburg. As head of the family all must refer to me. When there is a dispute in our large family, our clan, or if someone needs advice then they come to me and I adjudicate or advise. I help who I can whether he be Sinti or not. It was always like that, in Auschwitz and the other camps, and it remains so today.

Oskar Böhmer
"Gypsy Camp" - BIIe Auschwitz-Birkenau
Copyright © Auschwitz Museum
On 2 August 1944 we had to assemble. We had no idea why. The entire SS were there. The Gypsy camp was sealed off. The SS stood there with machine guns and shepherd dogs. All prisoners were assembled. Being the clerk for my block I was summoned to give the tally to Palitzsch. The vicious Palitzsch (SS-Hauptscharführer Gerhard Palitzsch was described as "the greatest bastard of Auschwitz". His colleague, Perry Broad, wrote that "he enjoyed taking part in the mass executions". Commandant Höß, wrote: "Palitzsch was the most cunning and sly creature I ever got to know during my long, many-sided duty in the various concentration camps. He literally climbed over dead bodies in order to satisfy his lust for power.") stood before us. He tormented us in ways he only knew how. He was the camp protective custody leader. This was his title. "Protective custody" (a type of imprisonment to protect a prisoner from harm either from outside sources or other prisoners) - who were we being protected from? I did not ask this at the time. We simply accepted this. The men were ordered to step forward. Young men were selected and then some young women. I no longer remember what I felt or thought at the time but again I was full of fear. I made sure that my bother Günther remained at my side. I saw an empty goods train waiting at the ramp. In the meantime the railway line led directly into the camp. The transports of Jews, Sinti and the others no longer arrived at the station in Oswiecim but terminated at the ramp inside Auschwitz-Birkenau. We had to enter the goods wagons. It never entered my mind that they had decided to transfer us to other camps and to gas the remaining women, children, elderly and sick men. The train departed at seven o'clock in the evening. From the wagons we could see those who remained behind on the other side of the electrified fence. My brothers and sisters stood at the fence. Right at the front. My grandparents too. I could see the young ones. My youngest brother was six years old. He stood there waving. This was the last time I saw my brothers and sisters alive when the transferred my brother Günther and I from Auschwitz to Buchenwald. I saw them alive. On the same day of our departure they, and nearly 3000 Sinti and Roma, were forced onto lorries which took them to the gas chambers, and after they were burnt in the crematorium. My God, I still see my younger brothers and sisters ... If they had died of typhoid fever or another illness then I could accept this. But I know I left them behind and they were gassed. When I think of the children in Auschwitz ... I'll never find peace. It is now nearly 60 years ago and I cannot forget. I will never forget. My brothers and sisters and many other relatives were murdered in Auschwitz. They were murdered and I could not save them. I cannot get over this. Sometimes I wake up at night and think of my brothers and sisters and of all the terrible things that happened in Auschwitz. I see my brothers and sisters and my grandmother being driven into the gas chamber. Then my heart beats so fast that I must get up and take one of my heart tablets. I cannot rid my mind that they gassed and burnt my brothers and sisters and I remain alive.

Today I know that around 1,400 Sinti and Roma were transferred from Auschwitz to other camps. Most came to Buchenwald, over 900. My brother and I were two of these. We survived but it is difficult to come to terms with this. You cannot be happy when close relatives were murdered.

Buchenwald/Dora
The train travelled through the night. It is roughly 700 kilometres from Auschwitz to Buchenwald. Once, the train halted for a long time because of an air-raid. There was probably a city close by. We lay huddled together on the ground. It was impossible to sleep due to the anxiety. In the wagons there was hardly any air to breath. It stank of sweat. The toilet bucket stood in the corner.

In the morning we arrived exhausted at the ramp in Buchenwald. It was the 3 August 1944. Some did not survive the transport. There was nothing to drink and many of us were wek and ill but had not shown this as only the healthy had a chance of survival. We knew this. During the day it was terribly hot and hardly cooled down during the night. The SS hounded us out of the wagons. Those last out of the wagons were sent back to remove the dead or those who could no longer stand.

We were registered again. In Buchenwald I got prisoner number 74915. In Auschwitz I had the number Z-5075, which is still tattooed on my arm. Only in Auschwitz did the Nazis tattoo prisoners. A number was burned onto the lower left arm. The Sinti and Roma additionally received a Z, for "Gypsy" ("Zigeuner"), that preceded the number.

Compared to Auschwitz, Buchenwald was a clean camp. This was primarily because civilians also worked in Buchenwald. These were of course mostly forced labourers. The Nazis were afraid the prisoners would bring diseases into the camp. We had to enter the sauna and wash on arrival after which we received a new prisoner uniform. We slept in barracks, which were fairly reasonable, almost new. There were further barracks being built.

Buchenwald was not so terrible as Auschwitz. So it seemed to us. The food was also somewhat better.

We had to work in the quarry hauling stones. (The limestone quarry, the reason for selecting Ettersberg Hill as the camp's location, furnished the material for the construction of buildings and roads. In the quarry, the SS exposed camp inmates to extreme physical exploitation and abuse. It also served as a place for executions.) It was terrible work. We had lost the little strength we had but we had to haul a given amount. When the kapos considered we weren't hauling enough stones they added more to the pile. We could hardly move with the weight. But there was no choice. We had to haul these stones to a place where they were loaded onto trucks. The trucks were of course parked above; we had to carry the stones from the bottom to the top of the quarry. The stones were not used or processed in the camp. They were transported elsewhere. We didn't know where.

After four days, on 7 August 1944, many of us Sinti had to assemble again. We heard "Dora" mentioned. I had no idea where this was. The uncertainty which we again faced filled us with fear. We were treated like animals. Or like work tools, working material, which one uses sometimes here and sometimes there and when it is no longer of use or is broken is simply thrown away. The Nazis then either killed these individuals or they died of starvation or exhaustion. We prisoners were emaciated and had little or no strength left. Today I am amazed how we bore everything.

Dora
Dora was the camp where the V-1 and V-2 rockets were produced in underground galleries. (The Mittelwerk underground factory was situated at the southern border of the Harz Mountains near Nordhausen and the Dora-Mittelbau concentration camp, where the forced slave labourers were housed, was situated nearby. Dora-Mittelbau was a satellite camp of Buchenwald concentration camp. The Mittelwerk underground factory produced V-2 rockets, V-1 "flying bombs," and jet engines for Me 262 and Ar 234 aircraft. In 1945, production of the "Taifun" and "Orkan" anti-aircraft missiles began.) I did not know this at first. However, it was fortunate that we came to Dora. We would not have survived Buchenwald. Some of our transport from Auschwitz remained in Buchenwald. They did not survive. But my fifteen-year-old brother and I came to Dora. Dora was situated in the Harz Mountains near Nordhausen, roughly 100 kilometres from Buchenwald. Buchenwald concentration camp was situated near Weimar. I did not know this at the time but learnt this later. The journey did not take long. On arrival we again had to enter the sauna. Everywhere there was fear of infection, typhoid fever and typhus fever. For this reason they were very afraid of us prisoners. But this fear was not comparable to the fear we experienced day and night.

Dora
A US Congressional delegation inspecting the camp in 1945
copyright © U.S. Army Signal Corps
Dora was a satellite camp of Buchenwald, one of altogether 88 satellite camps. I read that, between 1937 and 1945, there were a quarter of a million prisoners in Buchenwald and that around 56,000 of these died.

There were on an average 15,000 prisoners in Dora. Most were forced labourers from Russia and other countries, as well as prisoners-of-war and conscripted Germans. All were employed with building the rockets. We were probably brought to Dora because we spoke German. Anyway I think this today. German engineers and other trained workers worked on the rockets, the V-1 and V-2. They could communicate better with us German speakers.

The so-called miracle weapon was built in the underground galleries in Dora. Until the spring of 1944, prisoners were kept mostly underground, deprived of daylight and fresh air, and enclosed in unstable tunnels. The mortality rate was higher than in most other concentration camps. There were no toilets. The prisoners slept on four-tier wooden bunks. Here it was probably worse than in Auschwitz even when it is hard to imagine anything worse than Auschwitz. But it was probably so. Most of these slave labourers were Poles, Russians and French. I read this later. At least 20,000 prisoners died in Dora. So you can see how lucky I was to have survived.

Dora
Building department Dora
We were fortunate to be accommodated in a barrack. Most prisoners had to work and sleep in the underground galleys. The work was murderous and few survived. Again we received prisoner clothes and were allocated to block 24. The block eldest was a Czech officer, a prisoner-of-war. He was a small man, hardly more than 160 cm tall. He spoke perfect German and was friendly to us. My brother and I were allocated to the building department, where the draughtsmen were, who drew up the plans for the tunnels. The tunnels were being continuously lengthened.

Compared to Auschwitz the food was good. This was probably because we worked with civilians. There were foremen, masons and stone workers. They were all conscripted. They built the roads and the tunnels. Initially we were not allowed to leave the building department. We cleaned the desks, hung up the building plans, took documents to engineers in other rooms. My brother and I had to do this supportive work. Compared to Auschwitz this was comfortable work. However, we were not allowed to speak to the civilian workers, the engineers or the draughtsmen. They gave us our work with few or no words.

And then someone was needed to work with the external commando. The Russian clerk became ill and was taken to the sick bay. The kapo was a German, from Berlin, a criminal. These people were renowned for their cruelty. This was dangerous for me. He substituted me for the Russian. I had done this work in Auschwitz. It was essential that everything tallied. Then you were left in peace. But when the numbers didn't tally then you were beaten. As luck had it always everything tallied. There were 300 prisoners, an external commando of 300 prisoners. I was only worried that they would escape. We worked roughly 500 metres from the camp. We were not free but were at least outside the closed camp. There was also a commando that worked inside the fence. Here were the Jews. And the dead. Many dead were brought here. Then prisoners were detailed to look for and remove the gold teeth from the dead. The gold teeth were yanked out. An SS-man stood at a distance as he probably didn't want to regard this too closely but the gold teeth were yanked out and thrown into a container. The corpses were then taken to the crematorium. The dead were especially transported to Dora where their gold teeth were removed. Can you imagine this? Transports arrived with the dead and the prisoners had to tear out the gold teeth from these corpses.

Dora
One of the tunnel entrances
In Dora to some extent we felt safe, that nothing would happen to us. We thought, when we do not become ill or injured, we can survive here. We worked with civilians. I don't know what they thought of us. Not all were bad. Most of these civilians had also not freely chosen to work in Dora, they were conscripted or forced labourers. Sometimes some gave us cigarettes or sweets or such. There were even individuals that we felt sorry for.

I had a ledger. This contained the work commando, the external commando, the number of workers, my prisoner number, O.B., my name Oskar Böhmer, prisoner number 74915. After roll call I took the ledger, in which I had registered everything, to the office. Here again were civilians. The ledger was then checked. When it was signed I had to deliver the ledger to the clerks' office in the camp. One of engineers always placed a basket in such a way that I couldn't but see it. He didn't say anything but only made a small movement of his head that gave me to understand I should take something from the basket. It contained fruit. Fruit and bread. He placed it there so that I could take something. It was forbidden to give us anything. I took two or three apples and a piece of bread and stuffed them into my jacket pockets. Of course I shared this with my brother and others. Nearly every day had we these small extras. Yes, there were also such people. I still think of this man who always placed something in the basket for us.

Dora
One of the tunnel workshops
copyright © Gedenkstätte Mittelbau-Dora
The days and the work were always the same. I would lay awake at night and ask myself how long we would be imprisoned there. Winter arrived and we were glad we were in Dora and not in Auschwitz where we had suffered so terribly from the cold. We also felt less fear than we had in Auschwitz.

I think we were there until March 1945. We were Christmas and New Year in Dora. The camp was dissolved at the beginning of April. However, prior to this, something occurred which I shall never forget. Five Russian prisoners were hanged before our very eyes. They had sabotaged a locomotive, which pulled tipper-trucks filled with sand, so that it no longer functioned. They were discovered. These trucks were driven into the tunnels where the rockets were built. I still admire their courage. They carried out resistance although they knew perfectly well what would happen to them if they were discovered.

On the same day, at 11 a.m., everyone had to assemble on the roll call square. Gallows were wheeled into place. Five gallows next to one another. This was the first time in my life in the camps that I had seen a gallows. My heart pounded in my chest. I'm sure the others reacted the same way. They had probably also not seen a gallows until then. We had seen people shot and clubbed to death but we had not seen a hanging. The SS guards led on the Russian prisoners. Their hands were bound behind their backs. Their mouths were gagged with a stick between the teeth which was tied behind their heads with a chord. This prevented them from speaking any word of defiance. They had to take two or three steps up to the gallows. My God, they stood at the gallows. The hangman was a German. They had to stand on a plank and the nooses were placed around their necks. The camp commander said that the judgement had come from Berlin. Everything was read out about the Russians, their names, date of birth, and having been found guilty of sabotage they were condemned to hang. Then the hangman pulled the plank from under their feet. They fell. All five hung there with the nooses taut around their necks. Their tongues did not protrude due to the sticks in their mouths. But they panted and twitched. I don't know how long it lasted until they were dead. It was a terrible sight. We all stood there with bowed heads. We had to observe this close up. Finally we were dismissed but the dead bodies were left hanging on the gallows until midnight so that the other returning commandos should observe this.

You never forget such a terrible thing. They were all young Russian men. The SS treated the Russian prisoners worse than they treated us Sinti. They were hounded into the tunnels where they were poisoned by the gasses. It was terrible. As the men rose to the gallows I was hoping for an air-raid alarm so that they would have had to discontinue. There had been no air-raid alarm all day. That night there was a prolonged air-raid.

Dora
Assembled V-1 rockets in one of the tunnels
copyright © U.S. Army
We had heard that the war wouldn't go on for much longer but we had no idea what they planned for us. Sometimes I wondered whether they intended to imprison us for ever. In the meantime we knew there were many camps. Would they remain after the war? Such questions entered my head at night when I couldn't sleep. And how often had I thought of my brothers and sisters and of my father and of my mother? I asked myself again and again whether they were still alive. At this time I did not know that my brothers and sisters had been murdered in Auschwitz.

The following day Dora was dissolved. It was at the beginning of April. There had been rumours of further transports. Of course we didn't know where. The SS and the security guards drove column after column onto the goods and cattle wagons. They hounded us with shepherd dogs and shouted commands to move faster. Most prisoners were Russian. We Sinti remained together but I don't know how many we were. Anyway, I didn't see many Sinti. Around us only Russian was spoken. I saw that my brother remained at my side. In all this chaos it was essential that we remained together. My God, when I remember, my brother Günther was only sixteen-years-old and had gone through so much. He had become terribly thin in these two years and looked like a young child. I always worried about him and took care of him. He died early of a heart problem. He wasn't even fifty. We all suffered illnesses as the aftermath of our years in the camps. We survived but what we had suffered had a lasting effect on our health and state of mind. But nobody showed any concern for us. Later the authorities denied that our illnesses had anything to do with the camps. When in 1947, two years after my imprisonment in Auschwitz, Buchenwald, Dora and Bergen-Belsen, I became very ill with my lungs I was told that that this had nothing to do with the camps. The authorities refused me a pension or compensation. We Sinti had to fight for every Pfennig of compensation. In my case, my lawyer and my family doctor, who was a lung specialist, requested my medical file from the hospital in Lüneburg. We had no success. The medical officers always declared that the illnesses we suffered after the war had nothing to do with our detention in the camps. This injustice makes you extremely angry. My brother twice suffered a cardiac infarct. He worked twenty years with the Spiegel magazine. (Der Spiegel, "The Mirror", is a German weekly magazine, published in Hamburg. It is one of Europe's largest publications of its kind with a weekly circulation of more than one million. The first edition of the Der Spiegel was published in Hanover on 4 January 1947, a Saturday. Its release was initiated and sponsored by the British occupational administration and preceded by a magazine titled, Diese Woche (This Week), which had first been published in November 1946. After disagreements with the British, the magazine was handed over to Rudolf Augstein as chief editor, and was renamed Der Spiegel. From the first edition in January 1947, Augstein held the position of editor-in-chief, which he retained until his death on 7 November 2002.) My brother never received a compensation pension only a normal pension from the Spiegel magazine. This was the pension which is entitled to everyone who has worked. Günther worked as a chauffeur at the Spiegel and mostly drove the chief editor, Rudolf Augstein. Augstein knew that Günther was a Sinto and that he was a survivor of the camps.

Once an official from the office for compensation said, "Well, some deserved the camps." Can you believe that! As a survivor one was subject to such inhumanity. They would not have dared say that to a Jew but for these officials we were only "Gypsies". After the war we were often confronted with the same officials who had persecuted us and sent us to the concentration camps.

Bergen-Belsen
Then I came to Bergen-Belsen. We journeyed a day and a night. Today I know that it is roughly 250 kilometres from Nordhausen to Bergen-Belsen. Not far. But there were many air-raid alarms. Then the train stood for hours. Those who could still stand tried to look through the crack in the wagon door to see what was happening. We tried to find out where we were because they never told us our destination. However, had we been told it was Bergen-Belsen we wouldn't have known what this meant. We had no notion that there were hundreds of camps, concentration camps, their satellite camps and other places of detention.

When we left Dora, which in the meantime had been renamed Mittelbau, we were only given food for a day. It was important not to eat this crust of bread all at once but to see it lasted over the day. We arrived in Bergen-Belsen towards evening. We had to remain in the wagons overnight and were detrained the following morning. We were not brought into the camp but were accommodated in the SS barracks. These were adjacent to the camp. As far as I know we were the first Sinti, the first men, to be accommodated in the barracks. We were fortunate. I know this today because the conditions in the main camp in April 1945 were horrendous. There were piles of corpses and nothing more to eat. People ate grass and the bark of trees. It is impossible to imagine the misery. My wife told me this. She was transported from Ravensbrück to Bergen-Belsen where she nearly died. The British had to pull the living out from under the dead. This saved her life. She still bears the scars on her arms from forgotten injuries she suffered in Bergen-Belsen. My future wife was thirteen-years-old when she was liberated. I did not know her then, we got to know each other later in Hamburg.

I saw no women, only men, on our transport from Dora-Mittelbau to Bergen-Belsen. The majority of prisoners in Dora were men. This is confirmed by what I read later. But in 1945 many women were brought to Bergen-Belsen. They were all accommodated in the main camp where the conditions were terrible. The women mostly came from Ravensbrück. As the Russians advanced ever closer the SS vacated the camps in the east and sent the prisoners on death marches or in cattle wagons to the camps in the west. Thousands died particularly on the death marches where they died of exhaustion or were shot when no longer able to continue. Only those who were still able to summon a little strength survived. But many died later from hunger, exhaustion and disease in Bergen-Belsen even after the camp had been liberated by the British. From liberation to the summer 1945 more than 14,000 people died from the consequences of detention in a concentration camp. I realize how fortunate my brother and I were to have survived. We did not die but we were never the same again. We can never forget what we went through. What we suffered has made most of our minority distrustful of the majority population. This is true of me as well. Particularly when I come across men roughly my age I wonder what they did during the war. It is different with the younger generation. I am liberal minded and have contact with non-Sinti but remain cautious.

The prisoners brought from Dora to Bergen-Belsen were accommodated in one-story barracks outside the main camp. The block, where I and the other Sinti were quartered, was situated on the right of this barrack area. There was a parade ground with a flag pole in the centre. Around 25,000 prisoners were brought to Bergen-Belsen from Mittelbau-Dora and satellite camps. It is not known how many were Sinti. Some say there were only one hundred. That is incorrect. I'm sure there were at least three hundred alone in a barrack and there was more than one barrack full of Sinti. Others say there were six hundred or a thousand. It is impossible to determine the exact numbers because we were no longer registered. And the lists, compiled by the SS in the previous years of the camp, were all destroyed before the British arrived.

The barracks were practically empty as most of the SS had run off. Only a few still remained. Hungarian SS guarded the outer ring of the camp. Thousands upon thousands of prisoners, Sinti, Russians, French and Jews, who had been brought from other camps, were housed inside the camp or in the SS barracks. An enormous tent camp had been erected for the women as the main camp was overflowing. Of course I didn't know the exact situation at the time. Only later did I find out more about the Holocaust. I read a great deal and also assisted historians who were documenting this period of German history.

The SS could not have been gone long as the remainders of a meal had not been cleared away. The Russian prisoners were so elated that they broke open a barrel of methanol that they found and drank from it. They thought it was spirits because it smelt like alcohol. It killed them. There were dozens of dead Russians. Thereafter, the British closed off and guarded everything.

The barracks were overflowing with thousands of us. The toilets were clogged and there was no possibility of washing. The conditions were horrific. There was no longer any camp order. It was total chaos. The dead lay everywhere. These were thrown outside on a heap.

Bergen-Belsen
Commandant Josef Kramer arrested by the British liberators
The few SS who still remained were stripped of any power over us. The British made them clear away the corpses.

And yet still some believed that things could continue under their command. One was an SS-Oberscharführer (Company Sergeant Major). He told us the British were coming but then said that things would then continue as usual. Can you believe that? He told us he would return to his work and that we would again assemble for roll call. He really believed that. He stood on the top of an armoured car so that he could bellow down to us below. A Jew directly beneath him broke down. He shouted at the Jew to get up. A British soldier brought him down. The Red Cross lorries then arrived with food. Most was canned. Of course we had no can openers. Before these were distributed some people who were dying of hunger attempted to open the cans with their teeth and bare hands. They were badly cut and bled terribly. I still see them before my eyes.

Bergen-Belsen was hell on earth. I no longer know how my brother and I bore all this. How did we manage to wake up each morning and get through the day? But even though the situation in Bergen-Belsen was so terrible we never lost hope. Somehow we knew that things were coming to an end. And we wanted to live. We had survived so far and firmly believed we would continue to survive. However, we had no idea that things would happen so fast.

Bergen-Belsen
British poster informing about the camp
Today I know that the camp was surrendered to the British on 15 April 1945. I read that on the day of liberation there were 38,000 prisoners in the main camp and 15,000 prisoners in the barrack area where we were accommodated.

One of the SS-people addressed me. They were glad when they came across a prisoner who spoke German. He gave me a slice of bread and said: "Eat it." I was too afraid to eat it but I put it in my pocket. Once he said to me, "Listen, when its time we'll take off together." I asked myself how he had the audacity to say this to me. And anyway my brother was with me. Had we been captured together they would have immediately shot us. He said, "When I give you the word we'll run off together." I simply said, "Yes Sir." He did in fact run off but of course not in SS uniform. He put on a prisoner uniform before escaping. I heard the British caught him. The other SS also tried to run off. I don't know how many succeeded. It is a fact that later many were to be found serving again as police officers. You can perhaps imagine what I feel knowing how very few of the around 55,000 brutal SS guards who served in the concentration camps were ever prosecuted, and fewer still sentenced.

Overnight the camp was empty of SS guards. We were no longer under guard. Only the guards on the outer ring, the Hungarian SS, were still at their posts.

Some prisoners simply took off. They successfully got past the Hungarian guards. This was too risky for me. I did not want to risk my life or my brothers because you never knew how the Hungarian SS would react.

Bergen-Belsen
Bergen-Belsen after liberation
The British started to sort, count and group according to nationality the many thousands of prisoners. There were thousands upon thousands of prisoners of all nationalities. The task of registering them all was not easy. We were told to assemble according to nationality. There were Poles, French, Belgians, Russians and others, even Germans. At first we did not know how we should assemble. Who were we now? Were we Gypsies, as they called us then, or were we Germans? Again they asked, "Who is German?" We joined the Germans. They didn't ask, "Who is a Sinto?" We joined the Germans. And the British had no idea that we were Sinti. This is why there is no statistics of how many Sinti there were in Bergen-Belsen. I later heard that the Jews on the British lists were given a "J" after their names, so that they were identified as Jews, although they were of diverse nationalities. Perhaps there were even Sinti and Roma among us who were not German. I do not know. Anyhow, it is still not known how many Sinti and Roma were liberated from Bergen-Belsen.

I always remember that the British soldiers had red faces. Or so it seemed to me. Compared to our pale and emaciated bodies the British looked healthy and well-fed. This was an unusual sight for us. And they spoke to us completely differently than had the SS. This was not because they mostly only spoke English, which we did not understand at all, but because they treated us like humans beings. Some spoke German. These were mostly Jews who had left Germany while it was still possible and who had joined the British army and became our liberators.

When one addressed me I was speechless for joy. I was so happy I couldn't speak. Suddenly the British were there. My God, they were our saviours.

Bergen-Belsen
The British used flame throwers to fire the prisoners' barracks
that were infested with vermin and disease
I remember standing on the parade ground. It was the afternoon. There walked a German wearing army uniform together with the camp physician. This was a camp physician from Dora. He was to some extent human. I knew him because I had been cared for by him a number of times in Dora. The British arrived and spoke to him, they treated him courteously. A British soldier took me aside and asked whether I could give him information about the camp physician from Dora. The man spoke few words a German but I would have understood what he wanted had he spoken in English. I knew nothing bad about him. Then the British led him away. Later I was called to meet a British soldier in the office. He welcomed me in Hamburg Low German. I was completely perplexed. He had studied at the university in Hamburg, his parents were in the textile industry, and he had left with them for England in 1938. I no longer remember his name. He was a press officer. From then on everything was clear. The time in the camps was over even when we could not immediately leave. He gave me some English cigarettes. At first this made me cough but one gets accustomed to poison, all too quickly. I spent roughly an hour with him in the office. He naturally wanted to hear everything I could tell him. In which concentration camps I had been, where I came from, where my family was. This last question was the hardest for me to answer. I only had my brother and cousin with me. I knew nothing about the fate of the rest of my family. I naturally told him that we were Sinti. He knew that Sinti had also been persecuted like the Jews. But he had never seen a Sinto before and I think he was a little surprised that, like himself, I was blond and didn't look the way he imagined "Gypsies" looked.

Bergen-Belsen
Camp survivors await their ration of potato soup, 28 April 1945
U.S. Holocaust Memorial Museum
We were then supplied with food, soup, bread, everything good to eat. Two days later I had to see the press officer again. He said, "Come with me we'll drive into Lüneburg." I thought, from there it's not far to Hamburg. He said, "Come, I'll take you with me." My brother, my cousin and I climbed into the back of his car, I think it was a jeep, and he drove us to Lüneburg. Our first stop was the hospital. He delivered us up because we had to be examined and fitted out. There many former prisoners there. The hospital was overcrowded. Nevertheless, they accepted us, because fortunately we were not ill like most patients who had typhoid fever or typhus fever. The press officer said he would return to fetch us. We took a bath, were examined and changed out filthy clothes. My God, it was wonderful to experience clean, warm water again. We had to deliver up our clothes. The nurse disposed of them immediately. There was probably fear of infection because typhoid fever had broken out in the camp in the last weeks. Then we got new clothes, a new suit, underwear, shirt, socks. I felt like a king. After ten days the English press officer returned. During this time we had been able to recover some of our strength and for the first time in years sleep in a bed with clean sheets. I told him that I wanted to go to Hamburg and look for my mother. I said I had to find my relatives. An aunt was perhaps still living in Hamburg. I did not know that all Sinti had been deported from Hamburg. He said, "That's no problem, I'll take you." However, he was also looking for a mayor for Lüneburg and asked me whether I was interested. People were sought, who had not been Nazis, to replace Nazis in positions of authority. He therefore had the idea of asking me. But I told him that I couldn't take on such a responsibility especially after everything I had been through in the concentration camps. Later I heard that a former political prisoner was appointed. We were not only physically broken but also mentally.

He nevertheless persuaded me then to become a mayor of the small village of Müssen which lies roughly 35 kilometres east of Hamburg. The route was Lüneburg, Bardowich, Lauenburg, Müssen. The current mayor was old and sought a successor. The British could determine this. Thus I became a mayor for few weeks. Refugees from the east passed through the village day and night. Many had made the long journey from the east with horse and wagon and made a stop in the village. After the horses had been fed and watered the refugees had to continue on to Bardowick. The British decided this. They had set up a sign in German and in English at the village entrance which informed refugees that they could not remain in Müssen. We were accommodated in a large farmhouse. This was the only large house in the vicinity. There were twelve or more rooms. My brother and my cousin and I slept in one room. Three refugee families with children lived in the other rooms. Later another man joined us who was returning home after concentration camp captivity. By pure coincidence he found his family, who only a short while before had fled from the east, in our house. That was such a joy. They cried for joy.

Hamburg
Hamburg is our hometown. We never once thought of returning to Berlin. We had only good memories of Hamburg. We had to leave our real home for Berlin. That was and is Hamburg.

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Hamburg in ruins
I had further contact with British soldiers who from time to time passed through the village. Finally I said that I would like to return to Hamburg with my brother and cousin and give up being the mayor of the village. The British were very nice and took us there in their military vehicle. We passed over the Elbe bridges which were still closed to others. Hamburg was in ruins but we were overjoyed. My brother called "Hummel, Hummel" and my cousin answered "Mors, Mors" (This is a traditional Hamburg greeting). The two British solders laughed and also joked with us. I think they liked being with us. But difficult times lay ahead. Firstly, we had to find lodgings. Initially we were accommodated in a school where a muddle of refugees either camped on the floor or, if they were lucky, on camp beds. It was chaotic. Food and clothes had to be procured and above all a small dwelling for us alone. No allowance was made for us being former concentration camp prisoners. We were not given accommodation the British acquired by evicting former Nazis. You can say what you like, after 1945 we remained "the Gypsies". I'm sure the few Jews who returned to Hamburg - most Jewish survivors emigrated to Palestine, to America or to England - were treated differently by the British. Later I heard that in October 1945 an English Colonel ordered the burning down of the makeshift accommodation of boards and cardboard which some Sinti had built for themselves on the outskirts of Hamburg. Can you believe this? People, who had suffered years of incarceration in concentration camps, had their crude shelter burned down. Would this have been done to the Jews? I'm certain not.

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A British tank guarding an Elbe bridge to Hamburg
We found things difficult. After all the suffering we had experienced we had to summon all our strength of will to secure a future life. I visited the authorities in the mornings. It was essential to find a small accommodation for us. In addition we needed identification documents, money and clothes. When today an accident happens somewhere, for example a train accident or natural catastrophe, hundreds of helpers are involved even physicians and psychologists. We experienced two years of horror, two years of fear, the smell of burned human flesh in our noses, witnessed mountains of corpses and people struck without reason, or even hanged. And now we had to visit the authorities and prove that we were concentration camp survivors. There were even officials who told us to our faces that we ourselves had probably written the tattooed Auschwitz number on our arms. We had to swallow this. I was so often enraged that I could have smashed up everything by the authorities. But I had to control myself because otherwise they wouldn't have given us anything.

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Hamburg in ruins
Finally we were given a small apartment in a cellar near Dammtor station. But for me it was more important to find my mother. We did not know whether she was still alive or not, whether or not she had been liberated in Ravensbrück. We had also not heard of our father since we were in Marzahn. They took him from Marzahn to Sachsenhausen concentration camp. We did not know what then became of him.

I looked everywhere where Sinti had formerly lived in Hamburg. Sinti not only lived in Großneumarkt, in the 'new city', as we had but also in Hammerbrook, near Lohmühlenstraße, in Eimsbüttel, in Wandsbek, in Harburg, and dispersed in other areas of the city. I asked around, "Have you heard about so and so, and so and so?" "In which concentration camp were you? Have you seen so and so?" Each tried to find information about their relatives. And one day I actually met a woman I knew from former times. She told me my mother had survived Ravensbrück and had found accommodation with an acquaintance in Berlin. I moved heaven and earth to get a rail ticket to Berlin. That wasn't easy, you couldn't simply move from place to place. But I managed this and found my mother in Berlin. Back in Hamburg we talked for days and nights about our persecution. Of course my mother immediately asked me about my brothers and sisters. At first I did not answer. I could not tell her they had all been gassed. But in the end I had to tell her. I was the oldest and I was responsible for them. My brother Günther could not have told her. It was terrible. Her entire body shook as she screamed and wept. For one moment I was afraid she would not overcome this she was in such despair.

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Right, Oskar Böhmer
One day the British occupying authority came and offered me the position of custodian of the Theaterklause restaurant in Colonnaden, near Gänsemarkt. The woman, who had until then managed the restaurant, was not denazified, she having been a Nazi Party member, and had much to answer for, something bad. Anyhow, I then became custodian and manager of the restaurant. It was frequented by actors and mayor Brauer who had fled the Nazis because he had politically opposed them. (Max Julius Friedrich Brauer (born 3 September 1887 in Ottensen; died February 1973 in Hamburg) was a German politician of the Social Democratic Party (SPD) and First Mayor of Hamburg. In 1923 Brauer was mayor of the independent city of Altona. Brauer fled the Nazi regime to the United States in 1933 with a passport of a friend. In 1934 Brauer's German citizenship was revoked and he maintained U.S. citizenship. In July 1946 he returned to Hamburg working for the American Federation of Labour. In October 1946, after the election of the Hamburg Parliament, Brauer was elected First Mayor of Hamburg. From 1961 until 1965 Brauer was member of the German Bundestag.) In the restaurant I was a respected person. The guests did not know I was a "Gypsy" or that I had been in Auschwitz. Naturally the authorities knew this. I don't know whether mayor Brauer knew or not. But a Hamburg senator knew. He often came in the evenings and drank a Pilsner. He was pleased to converse with me. Sometimes the inspection authority of the hotel and catering trade and the British came in order to control. The Restaurant was "out of bounds" for British soldiers. But a British officer ignored this. He arrived with two other officers and their wives. They sat separately in a place at the back. I served them. They wanted to drink German beer. The breweries in Altona supplied us with genuine German beer not watered down beer. There was never any trouble in the restaurant. The state opera house was situated opposite. Gustav Gründgens, actor manager of the Schauspielhaus theatre, also frequented my restaurant. (Gustaf Gründgens (22 December 1899 - 7 October 1963) was one of Germany's most famous and influential actors of the 20th century, leading theatres in Berlin, Düsseldorf, and Hamburg. His career continued undisturbed through the years of the Nazi regime; he was accused of collaboration with the Nazis.) Sometimes they brought their own liquor and I supplied the glasses. They then gave me tickets for the opera or the theatre. This was a good time for me. I made money, was respected and was content.

There were many black markets in Hamburg, in Großneumarkt , Gänsemarkt, Stephansplatz and in Valentinskamp. Here goods were bartered and sold. This was the underground or black economy. Initially we were ignorant of what this was. But then sometimes we also took part. It was a matter of survival. It took time for ration books to become established. And even when you had a ration book this did not necessarily mean that what you required was available. Thus you bartered when you had something to barter. Nearly everything was available on the black market. People bartered jewelry for a half pound of butter or a fur coat for bread and a few canned goods. We of course had no such valuables. Our "currency" was cigarettes which the British soldiers sometimes slipped me. In 1948 saw the currency reform. That put an end to the black market. (Monetary reform was needed to facilitate the introduction of the Marshall Plan, eliminate the black market, and create a more favourable ratio between available goods and the amount of money in circulation. The currency reform of 20 June 1948, introduced the Deutsche Mark (DM) in the Western occupation zones. As part of its launch every resident was given 40 DM start-up money. A second installment of 20 DM was paid out later.)

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Brother, Günther
One day at the black market at Stephansplatz I suddenly saw my aunt. Her husband was a prisoner-of-war, a son had died in the war and the other two sons and three daughters were still young children. They had succeeded in going underground in Hamburg. They had lived in a small summerhouse outside the city. Practically every day you learnt someone else's fate. But most of us never returned. For a long time we didn't know the fate of my father. I inquired everywhere. Finally, I found out that after four and a half years in Sachsenhausen concentration camp he was taken to Wewelsburg in 1943. Wewelsburg is situated near Paderborn. The castle was used as an SS meeting place and training centre. I read that Himmler met with the highest SS officers there. Prisoners were transported from Sachsenhausen concentration camp to construct a concentration camp in Büren-Wewelsburg. From 1941 on the Wewelsburg concentration camp was comparable with Sachsenhausen, Buchenwald or Dachau. Most prisoners died there either of hunger, maltreatment or were shot. I do not know how my father died. I don't know whether today there is a memorial for the murdered prisoners. When I was there a few years after 1945 there was no memorial for the Holocaust victims, however there was a large plaque for the SS. I hear that today Wewelsburg is a popular place for family excursions. This is wrong. In the meantime there is an exhibition about the significance of the Wewelsburg for the Nazi but that it has become a tourist attraction displeased me.

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VVN Identity Card
There was no organization in Hamburg entrusted to look after the interests of the Sinti. We had to help ourselves. I was glad I had attended and finished school. I became the contact person for Hamburg Sinti survivors of the concentration camps. Later the VVN represented our interests. The VVN primarily represented the former political prisoners but they also gave us Sinti support and information when confronting the authorities. (The Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) [Federation of those persecuted by the Nazis] was founded in 1947 with its seat in Berlin. The VVN was formed from victim associations grounded after the Second World War and end of the Nazi dictatorship in Germany by political-ideological opponents of National Socialism.)

The Struggle for Compensation
In November 1945 I submitted my first claim for compensation for concentration camp imprisonment. I heard nothing for months. I excluded the time we were interned in Marzahn, a kind of imposed ghetto. After months of waiting I was awarded 3,600 Marks for my detention in concentration camps. That is, my compensation amounted to 150 Marks for one month of camp imprisonment. And then we did not receive this in money but rather in coupons. And then not all at once but in parts, in six month intervals. After I was no longer the custodian of the Theaterklause restaurant - on my feet all night in a restaurant was not for me - I became self-employed selling cloth ambulant. I got the material from a fabric wholesaler who I gave these coupons as deposit. We didn't get much assistance from the authorities. We were rejected again and again. They treated us as bothersome petitioners. But this was no wonder because we were confronted with the same officials who had sent us to the concentration camps. They were not suddenly different. I came across a former SS guard at Bergen-Belsen at the compensation authority. I entered the office and there he was sitting behind the desk. I shouted out, "What's he doing here?" It's normal to become enraged when confronted with one of your former persecutors especially when he is again in a position to be making decisions about you. When I returned the next day he was gone. He had fled. The SS guards were so brutal and had beaten people to death. And here he was again in a position to determine my fate. I could not accept this. But he also became fearful when he realized I had recognized him.

In 1948, three years after my liberation from the concentration camps, I become seriously ill with my lungs. It's a miracle that I recovered. But I remain at risk. I am always worried that I will contract pneumonia. Now I have heart problems. I am still on my feet, help my wife with the household tasks, do this and that, but must take care not to overdo it. My heart has suffered too much and now is very weak. But I am glad for every new morning that life continues and so do not complain.

In 1947 I applied for a pension due to my lung illness. My fight lasted ten years. I was continuously told my illness had nothing to do with my concentration camp imprisonment. These were ministry doctors who examined me. These were the same doctors who had practiced under the Nazis. I consulted a lawyer. Finally in 1958, after ten years, I was awarded a pension of 92 Marks a month.

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Romani Rose, Anton Franz, Oskar Böhmer
and German Chancellor Helmut Schmidt
I do not know how we managed all this, how we had the strength to fight on and on. But life goes on. And there have been wonderful times. I met my wife in 1950. I knew her elder sister Hedwig earlier when we lived in Hamburg. Hedwig was my age. I did not know my wife at that time. She is twelve years younger than I. She was eighteen when I got to know her. We have remained together ever since. My wife was five years in various concentration camps. Her entire family was deported from Hamburg to Bełżec concentration camp in 1940. She was eight-years-old. She was thirteen when she was liberated from Bergen-Belsen. She lay in a coma. But the British soldiers noticed she was still live when they entered the barrack. They had to pull her out from underneath dead bodies. She was immediately taken to hospital.

In October 1940 Bełżec work camp, where almost a thousand Sinti from Hamburg were deported, was dissolved. Most prisoners were transferred to other camps. My wife, together with her mother and two sisters, managed to escape. They hid in the forest, slept in a quarry and then were caught by the SS and taken to another concentration camp. Her mother was separated from her children. My wife was separated from her mother for five long years. My wife was still a child. I applied for compensation for her. Initially, the five years were acknowledged. Then the Fiscal Authority appealed against the decision. The months during which she was on-the-run were detracted. And the months she was imprisoned in Warsaw were also not considered as persecution. She was allegedly free, not being in a concentration camp. Finally, only twenty-seven months were acknowledged for compensation by the Hamburg authorities. She had to pay the money back she first received. After a long battle with the authority, over years, she was granted a monthly illness pension of 65 Marks. This is how we Holocaust survivors were treated. I don't know whether it was different for the Jews. We had no contact with them. But I do know that as early as 1951 various Jewish organizations came together to found the Jewish Claims Conference that continues to negotiate, disburse funds to individuals and organizations, and seek the return of Jewish property lost during the Holocaust. The impetus for the founding of the Claims Conference did not come from the survivors themselves, but mainly from Jews in America, who had not suffered Nazi persecution.

Personal and Societal Commitment
It took us Sinti much longer to organize. The Central Council of German Sinti and Roma wasn't founded until February 1982. There were probably several causes. Unlike the Jews Sinti and Roma were never organized on a national level or even regionally in communities, and we have generally adopted the religion of the majority population; some of us are Protestant, some Catholic, and there are also Roma who are Moslem. Traditionally, we have close family connections. Connections between different families are not so close.

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Hamburg's Mayor Henning Voscherau awarding
Oskar Böhmer an honary title
Other than the majority of German Jewish survivors, who decided not to return to Germany, we had no choice. Where should I have gone? How could we Sinti have managed to emigrate? There was nobody anywhere in the world who would have helped us. We were thrown back on ourselves. For us it was natural to return home. And that was Germany. Each individual survivor had then to go to the authorities and apply for compensation. We were totally dependent upon ourselves alone. And there were not many of us survivors. It was the same in every family. Everyone had lost relatives. And after all we had suffered we did not have the additional strength to band together and form a federation.

Our children, who had not experienced the Holocaust but who had learned about it from us parents, and then how we survivors were being subsequently treated by the authorities, finally took up the fight. The second generation protested publicly bringing attention to the genocide of our minority. Only then was there a political reaction. In 1982, German Chancellor Helmut Schmidt officially recognized that we had been persecuted on racist grounds, like the Jews. In 1985, his successor Helmut Kohl repeated this acknowledgment.

It took 40 years until we were placed on an equal footing with the Jewish survivors. And yet still, for many, our suffering in the concentration camps is not regarded as being comparable with that of the Jews. That hurts. The media give the impression that only the Jews were in the concentration camps. Our half million dead are forgotten. And so it was, especially in the years after the war, that we remained "the Gypsies" with the authorities. We founded the Central Council of German Sinti and Roma in 1982. I was a founding member and was also present when Federal Chancellor Helmut Schmidt invited a delegation of our people. Romani Rose was the first chairman of the Central Council and has remained so until today. He has succeeded in achieving political recognition of the Sinti and Roma in Germany.

In contrast to most Sinti I have read many books about the Nazi period. It was important for me to find out why we had been imprisoned in concentration camps although we had done nothing wrong to person or property. Above all I wanted to know how the Nazis had been able to identify us as Sinti. We Sinti were not members of any religious community as the Jews were. In connection with finding documents that would throw light on the whereabouts of my family the Koblenz archives presented me with a complete family tree of my family going back to the 19th century. This document was over a metre wide. Everything is hand written, sometimes there are written comments about the character of individual family members, and sometimes there are even the first names we Sinti only use among ourselves.

I was speechless when I saw this document. Such family trees were drawn up for the Nazis by the "Research Centre for Racial Hygiene" of the Reich's Department of Public Health, lead by the doctor and psychiatrist Robert Ritter. All Sinti and Roma in Germany were so registered by the Nazis. He, and particularly his assistant Eva Justin, travelled everywhere looking for Sinti. They got hints from neighbours of the whereabouts of Sinti and also visited camp sites. They came to Marzahn but I do not remember this. They probably visited older Sinti giving them some story before interrogating them. Even my great-grandfather, who lived from 1852 to 1906, is registered in the family tree.

In every city of Germany they harassed these old people for the whereabouts and names of Sinti. Characteristics, personal Sinti name, married to whom, and children. Everything was recorded. This information enabled them to draw up complete genealogical trees. Everything was registered even cause of death. Two brothers of my grandfather died in the First World War. That is also recorded in my family tree. Even the personally given Sinti first names. My name and those of my brothers and sisters, my father, grandfather, and great-grandfather ... Eva Justin made herself the darling of the Sinti by learning our language. I read that by the end of 1944 over 24,000 Sinti and Roma had been registered. That was almost all the Sinti then living in Germany. We were registered and then imprisoned in concentration camps where we were to be murdered. It is estimated that within Nazi occupied Europe 500,000 Sinti and Roma died. That was planned genocide.

Even when today I know that the Nazis planned to kill us for racist reasons I still cannot comprehend this. For me individuals act well or badly but by nature they remain human, none being of more worth than another. I cannot understand this idea of differently valued 'races', or that the Germans agreed to kill all those they deemed a threat to their 'race'. Later the Germans denied they knew anything about this. But the officials, who again, after the war, treated us so badly, knew it. And they showed no remorse.

I appeared as a witness in three trials against concentration camp guards. I testified against Ernst-August König (accused of murders of prisoners in the Auschwitz-Birkenau "Gypsy Camp"), Krause, and SS-Hauptscharführer in Auschwitz-Birkenau, Willi Rudolf Sawatzki (accused of accessory to the murder of prisoners in the Auschwitz-Birkenau "Gypsy Camp" and of 400 Jewish children from Hungary). I gave evidence a number of times during the five year long process against the brutal SS-Rottenführer und Block Leader of the "Gypsy Camp" in Auschwitz-Birkenau, Ernst-August König. The trial took place in Siegen and Hamburg. I identified him twice. I immediately recognized him in the court corridor when he arrived with his two lawyers. I approached him and said, "You're König. You're the one who bludgeoned people to death in Auschwitz." He was shocked. I had to witness him flog Sinti to death. The judge was impressed by my precise statements. I was able to give precise answers to every question. He was surprised that I remembered so many details after so many years. But I told him that you never forget what you experienced in Auschwitz. SS-Rottenführer König was condemned to life imprisonment in January 1991, but he killed himself before serving his sentence.

When I was summoned as a witness my son Georg always accompanied me. He was twenty-five-years old at the time. I was glad he accompanied me. However, today I think that the burden was sometimes too great for him having to experience what had been done to me, his father, and other Sinti. I was always very agitated and my heart suffered in the process but I had to give evidence against these murderers. It was my duty to see that at least a little justice be done in the name of us Sinti. I was called to Frankfurt as a witness. I also appeared as a witness in the trial against the SS-Hauptscharführer Willi Rudolf Sawatzki, SS-guard in the Auschwitz-Birkenau "Gypsy Camp" . He was accused of murder and accessory to the murder. He was acquitted. The majority of the SS guards, who had the lives of so many people on their consciences, were never punished. When I go shopping in my neighbourhood I often see a former Neuengamme concentration camp SS guard. I know this from the local newspaper. Today he is 87. He was twice condemned but is now free. I have to pass by his large house with garden here in Volksdorf. This makes me mad but there is nothing to be done. We can only help to bring to justice those SS who tormented and killed people in the concentration camps.

Joy and Suffering
Bombed
Oskar and Regine Böhmer,
with children Reinhold, Rudolf and Gilda
Today the future of our children and grandchildren is all important. Our first child, a daughter, was born in 1950. With her a new life began for us. We were overjoyed and proudly displayed the pretty blond girl to all our relatives. Just as my father proudly took me by the hand when we went out so did I with my daughter. Again we felt blessed when two years later Rudolf was born. He was a very serious child often playing alone for hours on end. In the following years three more sons and then another girl were born. We had six children. Initially, we lived in rather cramped circumstances in Eimsbüttel. In the 1960s we moved into a terraced house with small garden in Rahlstedt. All our children went to school in Rahlstedt. I worked my entire life until retirement. For some years I worked in the Hamburg Kunsthalle Art Gallery. That was interesting because I could observe the different people as I sat on my stool guarding the pictures.

In my Sinti clan, to which in addition to the Böhmers, the Bambergers and Laubingers belong, I have the role of arbitrator. I have the task of advising, arbitrating and assisting with problems. It is our tradition that my word is obeyed.

Life was good. We were liked in the neighbourhood. The children did not cause us any concern. However, today I think that it was not easy for them knowing that both parents had been imprisoned in concentration camp because of being Sinti. Perhaps sometimes this even made them afraid. We never spoke about it.

And then my son Rudolf wanted to do his national service with the German Armed Forces. That was in 1973. Today I think that he wanted to gain us more respect. I didn't want him to go. My wife neither. But he was 18 and knew what he wanted to do. He even took part in maneuvers in Canada. Everything was fine. And then the tragedy happened here in the Lüneberger Heath. He was on a night exercise and he was rolled over by a tank. He lay with three colleagues on the edge of a trench. The tanks were quite quiet, they were probably light tanks. The soldiers didn't hear the tank. They were exhausted from the military exercise and had fallen asleep. My son and another were both immediately killed. The third soldier was taken to hospital. He became an invalid.

My son didn't need to do national service. But he wanted to. I could have put my foot down and said no. It is difficult to know how to make the right decision. Rudolf was so independent, he knew what he wanted. And he was so proud when he came home at the weekend in his uniform. He was Sinto and nevertheless exactly like the others, he wanted to belong. And he was very popular with his colleagues and superiors. What should I have said to him? Should I have forbidden him? If only we could see into the future.

Bombed
Oskar and Regine Böhmer on holiday in Sauerland 1964
The death of Rudolf, our second eldest son, changed our life. When the doorbell rang one morning and an officer stood at the door, in order to tell us that our son was dead, my wife broke down. It was terrible. We didn't know how to continue living. My wife became ill. And we became still stricter with the other children. That was perhaps not always a good idea but we were always afraid for them. Fear has accompanied me my whole life. Only rarely have I been able to live with a light heart. The happiest times were when we were on summer holiday with the children. We attached the caravan to the car and drove off. Our family was never nomadic like non-Sinti imagine we are. Like most German Sinti we have always lived in fixed accommodation. But we enjoyed our caravan holiday like so many people did at that time. And we were happy to return home when the holidays were over.

My wife and I are now grandparents. I want nothing more than that we all live in peace with one another and respect one another. No one is born superior to another, all have the same worth. People may have different customs but all have the same dignity. However, I ask myself again and again, Why? Why did they want to kill us? We had done nothing wrong. The Jews had done nothing wrong nor had all the other people they imprisoned and murdered. They had to suffer so terribly allegedly because they were not 'Aryan'. I can't get this out of my head. I simply cannot understand how human beings can do such things to other human beings. Why can such people not accept that there are people who have other customs which disturb and harm nobody.

Bombed
Oskar and Regine Böhmer with their grandchild
If we had been the only Sinti family in Berlin and if the Olympics had not taken place, perhaps nothing would have happened, then perhaps they would not have interned us in Marzahn. If the Olympics had not been held in Berlin perhaps everything would have been alright. But because of the Olympics we "Gypsies" were interned in the Marzahn camp. The visitors to the Olympics were not to see us. But we were no disturbance to anyone where we were camped. And our neighbours the fairground people had no problem with us. Who cared that we were Sinti? We were all friendly with one another. My father had been a soldier in the First World War, he was even decorated. He was a respected man and we were a decent family. The neighbours knew that. They had nothing against us. We had even voted. In 1933 my father Max Böhmer and my mother were on the register of voters. It's possible that my father voted for Hitler. He was always afraid of the SA (Sturmabteilung = stormtroopers) and was careful not to do anything wrong. He wanted us to be inconspicuous. He might have voted for Hitler out of fear. We had no idea what they intended to do with us. We knew nothing about the Race Laws and would never have believed that they wanted to kill us all. Who can imagine such a thing? Had we not voted for Hitler we would have certainly been beaten up.

Many of our relatives had already been deported from Hamburg to Poland in 1940, including my wife's entire family. They were transported to the Bełżec work camp in Poland. My wife's cousin Lotte Braun and her family were among them. Lotte Braun's father was a dock labourer. He went to work every day. He was taken to Sachsenhausen concentration camp in 1938. Neither he nor his family had committed a crime. Around 1,000 Sinti were deported in 1940 simply because they were "Gypsies". The children were taken straight from school. When the war was over my wife and her cousin were both thirteen-years-old. Nobody saw they got a schooling. It was impossible for them to sit in the same class as school entrants. They never learned to read or write.

Bombed
Oskar Böhmer at home
We survivors of the concentration camps were not welcomed back. Lotte Braun's father was killed in Sachsenhausen. He was a communist. In 1927/28/29 Hamburg was red. The Nazis probably found the list of party members. Now they had two reasons to do away with him, he was a communist and a "Gypsy". She and her mother survived but her younger brother was shot. She and my wife were, between the ages of eight and thirteen, in five different concentration camps. Escape, flight and again in another concentration camp. Unlike Auschwitz these camps were not so secure. The Sinti made every attempt to flee but were recaptured time after time. My wife was even imprisoned in Warsaw. She was on the run in the winter in the snow and rain. Five years long, from 1940 to 1945.

When I recall these times the memories are so disturbing that it takes me at least two days to regain my composure. But it is important that others are informed about what happened to us Sinti. The Sinti and Roma were persecuted and murdered because the Nazis were racists. Today we have neo-Nazis. They are racists. We must see that they do not win power because otherwise ... I dare not think about it.