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Inhalt
1.
Einleitung
2.
Das Psychologische Laboratorium unter Ernst Meumann (1911-1915)
3.
Vom Psychologischen Laboratorium zum Psychologischen Institut: Die
Zeit William Stern (1916-1933)
4.
Phase des Nationalsozialismus (1933-1945): Georg Anschütz
5.
Wiederaufbau des Instituts unter dem Stern-Schüler Curt Bondy
(1950-1959)
6.
Phase des Wachstums und der Differenzierung (1960-1973)
7.
Der Fachbereich Psychologie seit 1974
1. Einleitung
In dem 1931 von William Stern verfaßten Bericht "Das Psychologische
Institut der Hamburgischen Universität in seiner gegenwärtigen
Gestalt - Dargestellt aus Anlaß des XII.Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Psychologie in Hamburg 12. bis 16. April 1931..."
werden in der Einleitung zwei Hauptaufgaben unserer Wissenschaft als
verpflichtend aufgeführt, denen auch ein gutes halbes Jahrhundert
später noch Aktualität zukommen dürfte:
Nach innen die Pflege von "Forschung, Lehre und Anwendung gleichmäßig
und in enger Verbindung",
und nach außen "die kulturelle Verbundenheit der Psychologie
durch eine Mannigfaltigkeit von Beziehungen:
zu Philosophie und Geisteswissenschaften, zu Medizin und Biologie,
zu Erziehung und Unterricht, zu Wirtschaft und Beruf, zu Rechtspflege
und Soziologie..." (S.3)
In Rückbesinnung auf William Stern und sein Werk, welches Gestalt
und Programmatik dieses Kongresses prägt, möchte ich im
folgenden einen kurzen chronologischen Abriß der institutionellen
Entwicklung der Hamburger Psychologie geben.
Sie umspannt einen Zeitraum von mehr als achtzig Jahren und führt
vom "Psychologischen Laboratorium" über das "Psychologische
Institut" zum "Fachbereich Psychologie".
2. Das Psychologische Laboratorium unter Ernst Meumann
(1911-1915)
Im Jahr 1910 wurde von der Hamburger Bürgerschaft am Allgemeinen
Vorlesungswesen und Kolonialinstitut - Vorformen der 1919 gegründeten
Universität - erstmals eine Professur für "Philosophie
- insbesondere Psychologie" errichtet.
Daß man unter dieser Bezeichnung die moderne, von Wilhelm Wundt
in Leipzig geprägte empirisch-experimentelle Psychologie verstand
und nicht das traditionell philosophisch orientierte Fach, ging maßgeblich
auf den Einfluß der organisierten Hamburger Volksschullehrerschaft
zurück.
Denn die Lehrer waren dieser neuen Disziplin aus mindestens zwei
Gründen zugeneigt:
Einmal waren sie aus inneren, fachlichen Motiven interessiert, insbesondere
an den Teilgebieten, welche die seelische Entwicklung im Schulkindalter
und die Psychologie des Lehrens und Lernens betrafen;
zum anderen hatten sie auch äußere, berufspolitische Motive:
Durch eine Verwissenschaftlichung der pädagogischen Praxis versprachen
sie sich eine soziale Aufwertung ihres Berufsstandes.
So überrascht es nicht, daß Ernst Meumann (1862-1915) 1911
auf die Professur in Hamburg berufen wurde.
Denn Meumann, Schüler Wundts, galt als Begründer der Pädagogischen
Psychologie und Experimentellen Pädagogik in Deutschland.
Er sah die Schaffung empirisch-psychologischer Grundlagen der Erziehungswissenschaften
als seine Lebensaufgabe an und arbeitete Hand- in- Hand mit der Pädagogischen
Reformbewegung, die sich zu jener Zeit international formiert hatte.
Seinen Beitrag zur "Wissenschaft vom Kinde und Jugendlichen"
stellte er unter folgende Zielsetzung:
Sie solle "sich unter die Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse
der Kindesnatur fern von allem Doktrinarismus und allen traditionellen
Theorien beugen" (1911, S.VIII), und sie solle alle Probleme
"von dem erzogenen Menschen oder vom Zögling aus zu entscheiden
suchen" (S.46-47).
Schon an seinen früheren Wirkungsstätten in Zürich,
Königsberg, Münster, Halle und Leipzig hatte Meumann jeweils
eng mit der Volkschullehrerschaft zusammengearbeitet.
Aus Lehrern und Lehrerinnen bestand auch der größte Teil
seiner Hörerschaft in den Vorlesungen und empirisch-experimentellen
Praktika in seinen Hamburger Jahren (1911-1915) am Psychologischen
Laboratorium und Philosophischen Seminar.
Meumann widmete sich hier überwiegend der Pädagogischen-
und Entwicklungspsychologie
- unter Einschluß psychodiagnostischer und heilpädagogisch-präventiver
Fragestellungen.
Zur überregionalen Koordination und Dokumentation dieser Forschungsgebiete
gründete er 1914 das Hamburger Jugendinstitut.
Im Alter von zweiundfünfzig Jahren verstarb Ernst Meumann an
den Folgen einer Lungenentzündung.
Er hinterließ dem Philosophischen Seminar und Psychologischen
Laboratorium testamentarisch seine umfangreiche wissenschaftliche
Privatbibliothek. Das allermeiste dieses Bestandes ist erhalten und
befindet sich heute in den Bibliotheken der Psychologie, Philosophie
und der Erziehungswissenschaften.
Meumanns Grabstelle befindet sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof in
Hamburg.
3. Vom Psychologischen Laboratorium zum Psychologischen
Institut: Die Zeit William Stern, 1916-1933).
Unter William Stern (1871- 1938) wurde die Psychologie Bestandteil
der 1919 gegründeten Hamburger Universität.
Die Umbenennung in "Psychologisches Institut" im Jahr 1929
sollte die Pluralität der Ansätze und Methoden nach außen
hin deutlich machen, die über das, was man in der Öffentlichkeit
unter "Laboratorium" verstand, hinausgingen.
In dem von Gustav Kafka herausgegebenen Bericht über den XII.
Kongreß in Hamburg und der "Festschrift William Stern zum
60. Geburtstag am 29. April 1931" läßt sich die "universelle
Interessenrichtung und die Spannbreite seines (Sterns) Denkens"
erkennen, von der sein Institutskollege in Hamburg, der Philosoph
Ernst Cassirer, später gesprochen hat.
Stern, der als Jude im katholisch-christlichen Breslau, wo er neunzehn
Jahre gewirkt hatte, nicht zum Ordinarius aufsteigen konnte, wurde
im eher liberal und konfessionskritisch geprägten Hamburg 1916
zum Nachfolger Meumanns berufen.
Auch hier spielte die Hamburger Lehrerschaft eine gewichtige Rolle,
jedoch nicht mehr in dem Ausmaß wie bei Meumann.
In den politischen und akademischen Kreisen, welche die baldige Universitätsgründung
anstrebten, suchte man eher nach einem "Generalisten", der
erwarten ließ, zur Integration der vielen akademischen Teildisziplinen
beizutragen, die in den vorausgegangenen fünf Jahren eingerichtet
worden waren, als daß man sich nach einem an einem Spezialgebiet
orientierten Gelehrten umsah.
Und Stern neigte dazu, die Psychologie als das zu definieren, was
wir heute "Schnittpunktwissenschaft" nennen:
als partizipierend an allen drei Bereichen der Geistes-, Sozial- sowie
Biowissenschaften.
In diesem Zusammenhang hat Oswald Külpe 1915 in seinem Gutachten
angesichts der Berufung Sterns nach Hamburg hervorgehoben, daß
sein "ganzes Streben dahin geht, den Machtfaktor naturwissenschaftlicher
Erkenntnisse als integrierenden Bestandteil" in ein übergeordnetes
System aufzunehmen, wo allgemein-philosophische, ethische und soziale
Themen einen Stellenwert besitzen.
Stern hat in seinen Werken zur Allgemeinen-, Differentiellen- und
Angewandten Psychologie stets auf den "personalen Faktor"
als notwendigen Bestandteil einer Wissenschaft vom Menschen hingewiesen.
Diese personalistische Rahmenkonzeption hatte auch eine heuristische
Funktion, auf die Ernst Cassirer aufmerksam gemacht hat (1950, S.XLII8):
Es eröffneten sich Stern dadurch immer wieder neue Gegenstands-
und Methodenbereiche, nicht nur in der angewandten, sondern auch der
theoretischen Psychologie.
Aus dieser Orientierung erwuchs ihm wohl das Motiv zur Synthese scheinbar
unversöhnlicher Antithesen:
Etwa in seiner 1911 erschienenen "Differentiellen Psychologie",
wo er zur Kontroverse "naturwissenschaftlich- nomothetische"
gegen "idiographisch- kulturwissenschaftliche" Methodik
Stellung nimmt:
Für Stern sind beide Ansätze "nicht nur vereinbar,
sondern sogar innerlich zusammengehörig und notwendig aufeinander
angewiesen" (S. 319).
Stern war freilich nicht nur Generalist, sondern erschloß für
die Psychologie neue Spezialgebiete:
die Entwicklungspsychologie des späteren Kindesalters, die Forensische
und Rechtspsychologie, Aspekte der Berufs-und Wirtschaftspsychologie,
und ganz besonders die Differentielle Psychologie, als deren Hauptbegründer
in Deutschland er angesehen werden kann.
Sterns internationaler Einfluß war beträchtlich; der Wissenschaftshistoriker
Wolman wertet ihn als "undoubtely the most influential German
Psychologist at that time".
Zwei Jahre nach dem Hamburger Kongreß, im April 1933, wurde
Stern von den Nationalsozialisten aus dem Universitätsdienst
entlassen.
An seinen Freund, Bürgermeister Werner von Melle, an dessen Seite
er in den Nachkriegsjahren für die Universitätsgründung
gestritten hatte, schrieb er damals den folgenden Brief:
Hamburg, den 14. Mai 33.
Sehr verehrter Herr Bürgermeister!
Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre so freundlichen Zeilen.
Sie haben gewiß Verständnis für die Bitterkeit,
die mich erfüllt:
Durch ein Telefongespräch von der Lehrtätigkeit ausgeschaltet
zu werden, die ich 17 Jahre lang nach besten Kräften und sicher
nicht zur Unehre meiner Universität ausgeübt habe - derselben
Universität, zu deren Zustandekommen ich seinerzeit durch Anregung
der Notkurse beitragen konnte.
Mit vorzüglicher Hochachtung begrüßt Sie
Ihr sehr ergebener W. Stern - meine Frau erwidert Ihre freundlichen
Grüße aufs Beste.
Stern emigrierte über Holland, wo er seine "Allgemeine
Psychologie auf Personalistischer Grundlage" (erschienen 1935)
vollendete, in die Vereinigten Staaten.
Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit an der Duke-University
im Staat North-Carolina verstarb William Stern 1938 an Herzversagen.
Auf bedeutsame Schüler und Mitarbeiter/innen von Stern am Psychologischen
Institut in Hamburg kann im Rahmen dieses historischen Abrisses lediglich
verwiesen werden.
Es sind hier insbesondere zu nennen:
Martha Muchow (1892-1933), Fritz Heider (1896-1988), Martin Scheerer
(1900-1961), Heinz Werner (1890-1964), und, nicht zu vergessen, Clara
Stern (1877-1948), Ehefrau von William Stern, die an seinem wissenschaftlichen
Werk beträchtlichen Anteil hatte. Auf seinen Schüler Curt
Bondy wird in einem späteren Abschnitt gesondert eingegangen.
4. Phase des Nationalsozialismus (1933-1945): Georg
Anschütz
Der Zeitabschnitt zwischen 1933 und 1945 ist geistig und strukturell
durch Verfall gekennzeichnet.
Die bedeutsamen Mitarbeiter Sterns waren mit ihm aus dem Amt geschieden.
Sterns Lehrstuhl ging an eine andere Disziplin.
Die beiden aktiven Nationalsozialisten Gustav Deuchler (Direktor des
Hamburger Erziehungswissenschaftlichen Instituts) und Georg Anschütz
(1886-1953) - früherer Assistent Meumanns und unter Stern Privatdozent
- bestimmten das Geschehen am Psychologischen Institut.
Bis 1942 nahm Deuchler die Leitungsfunktion kommissarisch wahr. Anschließend
wurde Anschütz, als Gaudozentenführer politisch mächtig
geworden, Inhaber eines Extraordinariats und Leiter des Instituts.
Anschütz forschte und publizierte auf dem Gebiet der Psychologischen
Ästhetik, insbesondere der Musikpsychologie ("Farbe-Ton-Forschung").
Seine Arbeiten wurden in der Musikwissenschaft als bedeutsam rezipiert.
Ihr Stellenwert für die Psychologie ist nicht abschließend
geklärt.
Sowohl Deuchler als auch Anschütz wurden 1945 auf Dauer aus
dem Dienst entlassen.
5. Wiederaufbau des Instituts unter dem Stern-Schüler
Curt Bondy (1950-1959)
Mit Curt Bondy (1894-1972, geb. in Hamburg) wurde 1949 ein Wissenschaftler
berufen, der Schüler von William Stern war.
1921 hatte er in Hamburg mit dem Thema "Die Proletarische Jugendbewegung
in Deutschland" promoviert.
Seit seiner Studentenzeit war Bondy sozialpolitisch und sozialpädagogisch
engagiert, insbesondere auf den Gebieten der Kriminalpolitik und der
Strafvollzugsreform:
von 1921-1923 als Leiter der Jugendstrafanstalt Hahnöfersand
Hamburg, später als Leiter des Jugendgefängnisses in Eisenach.
Als Jude und wegen seiner politischen Überzeugung, die er als
Pädagogischer Leiter für jüdische Auswandererlehrgänge
offenbarte, wurde Bondy von den Nationalsozialisten verfolgt und 1938
im KZ Buchenwald inhaftiert.
1939/40 konnte er über Spanien in die USA emigrieren und in Richmond
(Virginia) am "College of William and Mary" seine akademische
Laufbahn als Professor fortsetzen .
Von 1950 bis zu seiner Emeritierung (1959) leitete Bondy als Professor
für Psychologie und Sozialpädagogik das Hamburger Institut.
Hier führte er die von Meumann und Stern geprägten Traditionslinien
fort: etwa in der Weiterentwicklung der Diagnostik (Hamburg- Wechsler-
Intelligenztest, Testbatterie für geistig behinderte Kinder)
und in der Erziehungsberatung, - auch in der Hervorhebung eines sozialethischen
Bezugsrahmens für alle psychologische Tätigkeit.
Sein Interesse galt ganz besonders den hilfsbedürftigen Kindern
und Jugendlichen, um die sich die Institutionen der Jugendfürsorge
und Jugendpflege bemühten. Deren Nöte sah der Sozialpsychologe
Bondy vor dem Hintergrund umfassender kultureller Entwicklung, die
er als kritisch diagnostizierte:
Der blendenden Fassade des wirtschaftlichen Aufschwungs Westdeutschlands
steht eine seelische Verarmung großer Teile der Gesamtbevölkerung
gegenüber....Die seelische Verarmung kommt heute nicht so sehr
zum Ausdruck, weil bei wirtschaftlichem Aufschwung und Vollbeschäftigung
die menschlichen Hintergründe nicht so deutlich hervortreten....stärkere
Arbeitslosigkeit würden erst Grad und Ausmaß dieser seelischen
Verarmung deutlich werden lassen...
Für Bondy ergab sich hieraus ein gesellschaflicher Auftrag an
die Psychologie zur wissenschaftlich begründeten Erziehungsberatung
in Familie, Heim und Schule.
Konzeptionell war er Freud und der tiefenpsychologischen Tradition
verpflichtet, er läßt sich jedoch nicht einer bestimmten
Schule zuordnen.
Durch die Verzahnung der von ihm geschaffenen Erziehungsberatungsstelle
am Psychologischen Institut mit der praktisch-psychologischen Ausbildung
von Studierenden wurde ein Grundpfeiler der späteren Klinischen
Psychologie mit soziotherapeutischer Ausrichtung errichtet.
Bondy hielt noch zum 100. Geburtstag seines Lehrers Stern am 29. Oktober
1971 an der Universität Hamburg den Festvortrag.
Wenige Monate später, Anfang 1972, verstarb Curt Bondy.
6. Phase des Wachstums und der Differenzierung (1960-1973).
Wie anderenorts in der Bundesrepublik stand auch Hamburg in den sechziger
und siebziger Jahren unter dem Zeichen eines starken Wachstums der
Anzahl der Hauptfachstudierenden (1960: 150, 1965: 490, 1969: 780,
1972: 940, 1973: 990 Studenten).
Parallel hierzu erfolgte eine erhebliche Vergrößerung des
Lehrkörpers.
Mit dieser demographischen Entwicklung ging auch eine innerfachliche
Spezialisierung und Differenzierung einher.
Im folgenden werden die Berufungen bis 1969, dem Jahr der Hochschulreform
, aufgeführt:
- Der Sozialpsychologe Peter R. Hofstätter (geb. 1913, gest.
1994 in Buxtehude bei Hamburg) wurde Nachfolger von Curt Bondy.
Er wurde 1959 auf den "Ordentlichen Lehrstuhl für Psychologie
I" berufen und 1979 in Hamburg emeritiert.
- 1961 wurde der Mediziner und Psychologe Gustav Lienert (geb. 1920)
auf den "Ordentlichen Lehrstuhl für Psychologie II"
in Hamburg berufen, wo er mit den Schwerpunkten "Allgemeine
Psychologie" und "Biometrie/Biostatistik" bis 1965
tätig war.
Lienert wurde an der Universität Erlangen- Nürnberg emeritiert.
- Reinhard Tausch (geb. 1929) erhielt 1965 die Professur des "Ordentlichen
Lehrstuhls für Psychologie III unter besonderer Berücksichtigung
der Pädagogischen Psychologie".
Er wurde später in Hamburg der erste Vertreter des Fachs "Klinische
Psychologie" (Gesprächspsychotherapie).
Tausch wurde 1987 in Hamburg emeritiert.
- 1966 wurde Kurt Pawlik (geb. 1934) als Nachfolger Lienerts auf
den "Ordentlichen Lehrstuhl für Psychologie II" berufen.
Seine fachlichen Schwerpunkte liegen auf den Gebieten der "Allgemeinen-,
Differentiellen- und Angewandten Psychologie" sowie auf dem
Feld der internationalen Psychologie.
Pawlik war von 1988-92 Generalsekretär und ist seit 1992 Präsident
der International Union of Psychological Science.
Es folgte bis 1973 die Errichtung weiterer Professuren mit den Schwerpunkten
- Arbeits- und Betriebspsychologie (Hugo Schmale, geb. 1931),
- Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie (Wilhelm Wieczerkowski,
emeritiert 1992 in Hamburg)
- und Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie (Helmuth
P. Huber, geb. 1937, gegenwärtig Vorstand des Psychologischen
Instituts der Karl-Franzens-Universität Graz).
7. Der Fachbereich Psychologie (seit 1974)
Der Fachbereich Psychologie wurde am 1.April 1974 gegründet.
Er besteht derzeit aus drei Instituten mit insgesamt elf Arbeitsbereichen/
Arbeitsgruppen
(in Klammern die Namen der Leiter der Arbeitsbereiche/ Arbeitsgruppen):
Institut I:
- Allgemeine-, Differentielle und Angewandte Psychologie (Kurt
Pawlik);
Arbeits-, Betriebs-und Umweltpsychologie (Hugo Schmale);
Sozialpsychologie (Erich Witte).
Institut II:
- Entwicklungspsychologie (Gerhard Vagt);
Pädagogische und Schulpsychologie (Arthur Cropley);
Expimerimentelle und Theoretische Psychologie (Detlev Rhenius);
Kinderpsychotherapie und -Diagnostik (Stefan Schmidtchen).
Institut III:
- Gesprächspsychotherapie (Jochen Eckert);
Verhaltenstherapie (Bernhard Dahme);
Persönlichkeitsförderung in Gruppen (Inghard Langer).
Arbeitsgruppe Organisationspsychologie für den gesamten Fachbereich
(Heinrich Berbalk).
Gegenwärtig sind am Fachbereich Psychologie etwa 1300 Hauptfachstudierende
eingeschrieben .
Von 1989 bis 1993 haben jedes Jahr im Mittel 172 Studierende die Diplomprüfung
abgelegt.
Jährlich wurden durchschnittlich etwa 12 Promotionen in Psychologie
abgeschlossen .
Der hauptamtliche Lehrkörper besteht zur Zeit aus zwanzig Professoren,
acht Wissenschaftlichen Assistenten/innen, neun Dozenten/innen und
neun Wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.
In die zeitliche Periode seit Gründung des Fachbereichs Psychologie
fällt die Verleihung von zwei Ehrendoktorwürden.
Carl R. Rogers (1902-1987), Begründer der klienten- und personzentrierten
Psychotherapie, erhielt die Ehrendoktorwürde vom Fachbereich
Psychologie im Jahr 1974.
Die Urkunde überreichte ihm sein Schüler Reinhard Tausch
in einer Feierstunde an der University of California, San Diego
(USA) im Februar 1975.
Im November 1979 verlieh der Fachbereich Psychologie Ruth C. Cohn
(geb. 1912), der Begründerin der "Themenzentrierten Interaktion",
einer gruppenpsychologischen Interventionsmethode, die über
die Grenzen von Disziplinen hinweg breite Anwendung gefunden hat,
die Ehrendoktorwürde.
Auf einer Feierstunde im Auditorium Maximum der Hamburger Universität
hielt Friedemann Schulz von Thun die Laudatio auf die heute in der
Schweiz lebende Wissenschaftlerin.
Er hob darin hervor, daß Ruth Cohn mit ihrem Ansatz eine Brücke
zwischen psychologischer Fachwelt und menschlicher Lebenswelt geschlagen
habe.
Und genau dieser Brückenschlag war stets auch das Anliegen von
William Stern gewesen, unter dessen Zeichen der 39. Kongreß
der Deutschen Gesellschaft für Psychologie im Herbst 1994 in
Hamburg stand.
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