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Die Dramen Thomas Berhards

Hauptseminar Nr. 07.334 Frithjof Trapp und Martina Ochs

Wintersemester 2004, 3st. Mi 9-12, Phil 1203

Ankündigung im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis und geplanter Seminarverlauf

"Die Theaterkritiker und die sogenannten Theaterkritiker haben immer und lebenslänglich von der sogenannten Theaterdürre gelebt wie die Bauern und die sogenannten Landwirte von der Getreidedürre und die Bauern und die sogenannten Landwirte werden auch in Zukunft und wahrscheinlich, wenn nicht alles täuscht, nicht nur wie seit, sondern tief in alles künftige vernünftige oder unvernünftige Menschengedenken hinein von der einträglichen Behauptung, es herrsche eine Getreidedürre, existieren, wie die Theaterkritiker und die sogenannten Theaterkritiker von der Behauptung, es herrsche eine Theater- genauer: eine Theaterstückdürre. Im Zeitalter der Menschenrechte mit Recht!" - So Thomas Bernhard in der FAZ vom 3. November 1976.

Im ersten Teil des Seminars werden fünf Texte: "Der Ignorant und der Wahnsinnige", "Die Macht der Gewohnheit", "Über allen Gipfeln ist Ruh", "Der Theatermacher" und "Heldenplatz", besprochen und analysiert. Die Kenntnis eines großen Teils der restlichen Bernhard-Dramen, insbesondere von "Die Jagdgesellschaft" und von "Vor dem Ruhestand", wird vorausgesetzt. - Im zweiten Teil werden fünf systematische Komplexe diskutiert: Figuren (Kunstfiguren u. defiziente Figuren, politische u. unpolitische Monster, Berühmtheiten u. Ehefrauen von Berühmtheiten, Schauspielerpatriarchen u. 'banale' Künstler und andere Figuren), Gesprächskonstellationen (asymmetrische Gesprächssituationen, Zwangskonversation, querulatorisches Sprechen, autoritäre Monologe, ritualisiertes Sprechen u. anderes), Sprachfiguren u. Manifestationen sprachlicher Dummheit (Klimax, disjunktive Formeln, Anakoluthe, repetive Formeln, Kom

Um sich sinnvoll auf das Seminar vorzubereiten, werden die Teilnehmer gebeten, sich nach Möglichkeit am Ende des Sommersemesters mit mir zur Vorbereitung in Verbindung zu setzen (in der Sprechstunde oder per e-mail: Frithjof.Trapp@uni-hamburg.de). Ein genauer Terminplan und eine Referateliste werden vorbereitet sein und können per e-mail verschickt werden.
 
 
Seminarplan


Anfangssitzung: Test - Textkenntnis (in Gruppen); Besprechung der Seminarplanung. - Eine frühzeitige Anmeldung (per e-mail: Frithjof.Trapp@uni-hamburg.de) ist erwünscht, am besten mit einer Mitteilung, an welcher Arbeitsgruppe sich die oder der Betreffende beteiligen will. Über die Sitzungen soll Protokoll geführt werden, damit die Ergebnisse der Stückanalysen sogleich in die systematische Analyse eingehen.

Das Seminar gliedert sich in vier Abschnitte: (i) die (kursorische) Diskussion von fünf ausgewählten Stücken, (ii) die Diskussion der Figuren und der ihnen zugrundeliegenden Typologie; (iii) die Analyse der dargestellten kommunikativen Situation und der Sprachformen (typische Sprachfiguren - rhetorische Figuren) und (iv) eine Abschlußdiskussion, in der allgemeine Fragen (zum dramatischen Typus, zu philosophischen und literarischen Voraussetzungen der Dramatik Bernhards usw.) diskutiert werden.

Um den Sprachduktus und die Rollenverteilung in den Stücken exemplarisch zu veranschaulichen, soll zu Beginn der entsprechenden Seminarsitzungen von verschiedenen Gruppen jeweils ein knapper (von der Gruppe ausgewählter) Textabschnitt szenisch vorgelesen werden. Die Gruppen haben jeweils 5 bis (allenfalls) 10 Minuten zur Verfügung, die Gesamtdauer beträgt 30 Minuten.
 

Teil 1: Analyse von Stücken (4 Sitzungen)

Im Anfangsteil des Seminars sollte möglichst konzentriert über die Anlage und die Konzeption des jeweiligen Stücks gesprochen werden. Dabei sollen nach Möglichkeit folgende Fragestellungen systematisch in bezug auf jedes Stück diskutiert werden: (i) Schauplatz/Handlungskonstellation; (ii) Personen-/Rollenkonstellation; (iii) Sprecherrollen/Sprachstile/Thematik des Gesprächs; (iv) formale Besonderheiten (formale Elemente) des Sprechens; (v) provokative und repetive Elemente (Provokationen des Publikums - Sprechen in "Endlosmustern"). 

Folgende Fragen könnten dabei als Einstieg fungieren: Wer ist wer? Wo befinden sich die Personen? Warum sind sie an diesem Ort versammelt? Was sind die (unausgesprochenen) Spannungen, die die Personen bestimmen? Wie gehen sie mit diesen Spannungen um? Bestehen besondere Autoritätsverhältnisse bzw. hierarchische Beziehungen? In welcher Weise sind die Personen stilisiert? Wie entwickelt sich die Handlung? Wie sprechen die einzelnen Personen? Bedienen sie sich spezieller Fachsprachen? Gibt es Phrasen oder Sprachfiguren, die sich mehrmals wiederholen? Gibt es charakteristische Verallgemeinerungen? Welche Merkmale zeichnet das Sprechen aller Personen (zumindest der dominierenden Personen) aus? Mit welchen Effekten arbeitet der Autor, um die Besonderheit des Geschehens stärker zu akzentuieren?

1. "Der Ignorant und der Wahnsinnige"; 2. "Die Macht der Gewohnheit"; 3. "Über allen Gipfeln ist Ruh"; 4. "Der Theatermacher" u. "Heldenplatz".
 

Teil 2: Analyse von Figuren (3, ev. auch 4 Sitzungen)

1. Monster; 2. Patriarchen; 3. Künstler; 4. stumme Rollen oder nahezu stumme Rollen; 5. Mutter (Vater)-Tochter(Sohn)-Beziehungen; Ehepartner

Das Hauptaugenmerk sollte dabei auf die Momente des Grotesken, des Makabren und des Künstlichen gelegt werden bzw. auf die unterschiedlichen Arten, wie Groteskes sich in Komisches verwandelt, Komisches grotesk wird oder Erschütterndes (Tragisches) in Komisches oder Groteskes aufgelöst wird.
 

Teil 3: Gesprächskonstellationen/Sprachfiguren (3, ev. auch 4 Sitzungen)

1. Gesprächsrituale, 2. zwanghaftes Sprechen, 3. Zwangskommunikation, 4. banale Kommunikationssituationen; 4. rhetorische Figuren; 5. Verallgemeinerungen/Übertreibungen, 6. Wiederholungen, 7. repetive Muster.

Teil 4: Überblicksdiskussion (2 Sitzungen)

(i) Die ominöse „Todeskrankheit“: Kierkegard-Einflüsse; Virtuosentum – Kunstenthusiasmus – Kunstekel: Romantik-Einflüsse und Kierkegard-Rezeption; (ii) Tragödie oder Komödie? Komik-Theorien u. „existenzialistische Dramatik“.
 
 

Referate- und Arbeitsgruppenliste

Alle Seminarteilnehmer sollten sich an den Gruppen beteiligen, die die Stücke vorstellen (Teil 1), darüber hinaus sich aber auch an einem Themenbereich von Teil 2 oder 3 beteiligen.

1. "Der Ignorant und der Wahnsinnige"; 
 Gruppe:

2. "Die Macht der Gewohnheit"; 
 Gruppe:

3. "Über allen Gipfeln ist Ruh"; 
 Gruppe:

4. "Der Theatermacher" u. "Heldenplatz".
 Gruppe:

Teil 2 und 3:

1. Monster, Patriarchen, 
 Referent:

2. Künstler (Sänger, Schauspieler usw.),
 Referent:

3. Ehepartner, Eltern-Kind-Konstellationen,
 Referent:

4. Nebenfiguren, stumme Rollen,
 Referent:
 Referent:

5. Gesprächsrituale, banale Kommunikation,
 Referent:

6. Zwangskommunikation, zwanghaftes Sprechen,
 Referent:

7. repetive Muster, Verallgemeinerungen, Provokationen,
 Referent:

8. rhetorische Figuren.
 Referent:

9. Die ominöse „Todeskrankheit“: Kierkegard-Einflüsse; 
 Referent:

10. Virtuosentum – Kunstenthusiasmus – Kunstekel: Romantik-Einflüsse und Kierkegard-Rezeption; 
 Referent:

11. Tragödie oder Komödie? Komik-Theorien u. „existenzialistische Dramatik“ bzw. „Drama-tik des Absurden“.
 Referent:

 

 
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letzte Änderung: 28.07.2004