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Das Paul Walter Jacob-Archiv


Zur Person Paul Walter Jacob

 
1905 Am 26. Januar wird Paul Walter Jacob als einziges Kind von Fanny Jacob, geb. Strauch, und Max Jacob in Duisburg geboren.
1908 Umzug nach Mainz.
1923 Abitur am Realgymnasium in Mainz. Danach Umzug nach Berlin und Studium an der Universität und der Musikhochschule.
1926 Beginn der Tätigkeit als Regieassistent an der Staatsoper Unter den Linden, Berlin.
1929/30 Oberspielleiter, Dramaturg und Schauspieler am Stadttheater Koblenz.
1930/31 Städtische Bühnen, Lübeck.
1931/32 Städtische Bühnen, Wuppertal.
1932/33 Regisseur für Oper und Operette in Essen. 
Am 29. März 1933 wird Jacob nach Angriffen der NS-Presse von seinen Ämtern "beurlaubt" und flüchtet am 1. April nach Amsterdam.
1933 Ab Juli in Paris Tätigkeit als Musikkritiker und Mitarbeiter der Liga für Menschenrechte.
1934/35 Mitglied des Exiltheaterensembles Die Komödie in Luxemburg für 2 Spielzeiten. Juni bis August 1935 Tätigkeit als künstlerischer Leiter der Echternacher Festspiele. Ab Ende 1935 Mitarbeiter bei Radio Luxemburg.
1936 Ab Herbst für 2 Spielzeiten am Stadttheater Teplitz-Schönau in der Tschechoslowakei.
1938/39 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft. Ende des Jahres Emigration nach Südamerika; im Januar 1939 Ankunft in Buenos Aires.
1940 Eröffnung der Freien Deutschen Bühne in Buenos Aires, die Jacob 10 Jahre leiten wird.
1941 Jacob erwirbt die Argentinische Staatsbürgerschaft.
1949 Anfang 1949 erste Europareise nach dem Krieg; Ende des Jahres endgültige Rückkehr in die Bundesrepublik.
1950 Beginn der Intendanz an den Städtischen Bühnen Dortmund, die Jacob 12 Jahre leiten wird.
1957 Ernennung zum Generalintendanten in Dortmund.
1962 Unfreiwilliges Ausscheiden als Intendant in Dortmund. Beginn einer freiberuflichen Tätigkeit als Schauspieler und Regisseur am Theater, im Film und Fernsehen und als Radiosprecher.
1969 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.
1977 Paul Walter Jacob stirbt am 20. Juli in Schwäbisch Hall an einem Herzinfarkt.
 
 





Artikel über Paul Walter Jacob aus dem

Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933-1945

Herausgegeben von
Frithjof  Trapp
Werner Mittenzwei
Henning Rischbieter
Hansjörg Schneider

Band 2
Biographisches Lexikon der Theaterkünstler
 

Jacob, Paul Walter (Pseudonym: Paul Walter); Regisseur, Schauspieler, Schriftsteller, Theaterleiter, Dirigent, Dramaturg; geb. 26. Jan. 1905 Duisburg, gest. 20. Juli 1977 Schwäbisch-Hall; Sta: österr., 120 dt., Apr. 1938 ausgebürgert, 1939 arg., 1950 dt.; ? I. Edith Thea Roeder; II. 1939 ? Liselott Reger. Weg: 1933 Frankr., 1934 Luxemburg, 1936 ?SR, 1938/39 Arg., 1950 BRD. 1908 Umzug der Familie nach Mainz; Besuch des Konservatoriums in Mainz; Eintritt in den zionistischen Jugendbund "Blau-Weiß"; Umzug nach Berlin; studierte 1921-27 an der Univ. Berlin; Besuch der Staatlichen Hochschule für Musik Berlin-Charlottenburg bei Franz Schrecker u. der Theaterschule an ? Max Reinhardts Deutschem Theater Berlin bei Ferdinand Gregori; Tanzausbildung bei ? Rudolf von Laban u. Toni Vollmuth; ab 1925 Regieassistent an der Berliner Staatsoper Unter den Linden; freier Schauspieler u. Regisseur; Mitglied im Pazifistischen Studentenbund, DLM; 1928/29 Korrepetitor an der Staatsoper Berlin, 1929/30 Oberspielleiter der Oper Theater der Stadt Koblenz, 1930/31 Opernregisseur, Dramaturg u. Schauspieler am Stadttheater Lübeck, 1931/32 Oberspielleiter in Oper u. Operette der Städtischen Bühnen Wuppertal, 1932/33 Opern- u. Operettenregisseur an den Städtischen Bühnen Essen; am 26. März 1933 wurde in der Zeitung der Essener NSDAP Maßnahmen gegen den "Juden und Sozialdemokraten" Jacob gefordert; am 29. März von seinen Dienstfunktionen beurlaubt; 2 Tage später verließ Jacob Deutschl.; Ausschluß aus der RTK. 1. April 1933 Emigr. über Amsterdam nach Paris; ab 1. Juli vor allem Musikkritiker, daneben ausgedehnte Musikstudien u. a. in Paris, speziell zu Jacques Offenbach; Mitarbeiter im Hilfskomitee der Liga für Menschenrechte; unterstützt von Hilfsorganisationen wie "Foyer Henri Heine" u. DLM; Mitarbeiter mehrerer Exilperiodika, u. a. "Neue Weltbühne", "Das Blaue Heft", "Deutsche Freiheit" Saarbrücken; Sept. 1934 Emigr. nach Luxemburg; für zwei Spielzeiten als Spielleiter u. Schauspieler Mitglied der Bühne "Die Komödie" im Großherzogtum Luxemburg (Leitung ? Walter Eberhard), inszenierte Schureks/Saßmanns Straßenmusik , Lessings Minna von Arnhelm, Hinrichs Krach um Jolanthe, Schillers Maria Stuart, Meyer-Försters Alt-Heidelberg, Blumenthals/Kadelburgs Großstadtluft u. Im Weißen Rößl , Ibsens Ein Volksfeind , Beyerleins Zapfenstreich, Welters Schwestern; Juni bis Aug. 1935 künstlerischer Leiter der Echternacher Festspiele, Juni 1935 Freilicht-Inszenierung von Hofmannsthals Jedermann; Rundfunktätigkeit (Herbst 1935 bis Juni 1936 als Regisseur u. Funkbearbeiter bei Radio Luxemburg); 1936 Emigr. in die ?SR; 1936-38 Spielleiter u. Darsteller am Stadttheater Teplitz-Schönau u. im Sommer 1937 am Kurtheater Bad Pistyan; spielte in Teplitz-Schönau u. a. Gianettino Doria in Schillers Fiesco; Regie, u. a. Puccinis Tosca u. La Bohème, O. Wildes Bunburry, Johann Strauß´ Zigeunerbaron u. Fledermaus, Benatzkys Axel an der Himmelstür, 1938/39 Emigr. nach Buenos Aires mit Paraguay-Visum über Ung. u. Frankr. mit Frau Liselott Reger; Chorleiter des sozialdemokratischen Clubs "Vorwärts", hielt dort am 23. Juli 1939 anläßlich einer Toller-Gedenkfeier eine Rede auf den 4 Wochen vorher aus dem Leben geschiedenen Autor; veranstaltete dort Okt. 1939 ein Konzert mit verbotener deutscher Musik; Apr. 1940 bis Nov. 1949 Mitgründer, Leiter, Regisseur u. Hauptdarsteller der "Freien Deutschen Bühne"; unterstützt vom Leiter des "Argentinischen Tageblatts", Ernesto F. Aleman; Mitwirkende u. a. ? Jacques Arndt, ? Hermann Geiger-Torel, ? Hedwig Schlichter; Gäste, u. a. ? Ernst Deutsch u. die Brüder ? Siegfried u. ? Bruno Arno; in 215 Inszenierungen u. etwas 750 Vorstellungen vor allem Unterhaltungstheaterproduktionen (Lustspiele, Possen, Gesellschaftskomödien, elegantes Boulevardtheater), dagegen wenig Zeitstücke oder im Exil entstandenes Theater; Sept. 1945 dt.sprachige EA von ? Franz Werfels Jacobowsky und der Oberst, Juni 1948 Jacob als Harras in der amerik. EA von ? Carl Zuckmayers Des Teufels
General (R: ? Fritz Gehlen); ab 1944 auch Einstudierung von Operetten; reguläre Gastspiele, u. a. in Montevideo, Uruguay; Filmtätigkeit, Rollen u. a. in den spanischsprach. Filmen Arzt ohne Gewissen u. Kommissar Nobis ; Rundfunksprecher bei "La Voz del Día"; Mitarbeiter der Blätter "Literatura", "Jüdische Wochenschau", "Das Andere Deutschland" u. "Argentinisches Tageblatt", alles Buenos Aires; 1943 Teilnahme am Ersten Kongreß Antifaschistischer Deutscher in Südamerika, Montevideo; Mitglied Associacion Argentina de Actores; 1949 Gastinszenierung in der BRD; 1950-57 Intendant, 1957-62 Generalintendant der Städtischen Bühnen Dortmund, auch Operninszenierungen, in seiner Ära kamen zur Aufführung u. a. ? Bertolt Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti u. Leben des Galilei, ? Georg Kaisers Oktobertag , ? Hans J. Rehfischs/W. Herzogs Wasser für Canitoga , Werfels Jacobowsky und der Oberst, Carl Zuckmayers Der Hauptmann von Köpenick, Nelly Sachs´ Eli (UA 1962), Ernst Kreneks Leben des Orest, Busonis Doktor Faust , Wagner Parsifal , Alexander von Zemlinskys Der Kreidekreis ; baute in Dortmund ein Kinderabonnement auf; zwischen 1953 u. 1962 zahlreiche Operninszenierungen in Madrid, Barcelona, Lissabon, Nizza, Lyon u. a. (v. a. Wagner Opern); mußte gegen seinen Willen in Dortmund ausscheiden; ab 1962 freier Schauspieler, Regisseur u. Autor für Theater, Film, Fernsehen u. Rundfunk; spielte u. a. Teehausbesitzer Tong in Klabunds Kreidekreis (1961), Prof. Evans in der UA von Heinar Kipphardts In der Sache J. Robert Oppenheimer (1964, Freie Volksbühne Berlin, R: ? Erwin Piscator), am Staatstheater Wiesbaden TR in Shakespeares Julilus Cäsar (1966, R: Claus Helmut Dreese), am Landestheater Darmstadt den Alten in Ionescos Die Stühle (R: Molcho), an den Kammerspielen Köln Oberlehrer Krull in ? Carl Sternheims Die Kassette (1967), am Theater am Kurfürstendamm Landgerichtsdirektor Bläbberberg in Hochhuths Die Hebamme mit ? Inge Meysel (1975, 1976 als Aufzeichnung in der ARD gesendet); im Fernsehen u. a. als Reichsanwalt in ? Maria Matrays/Answald Krügers Der Prozeß Carl von O. (1964) u. General Vennekohl in Stalingrad; 1964-70 Vorträge über Theater an der Univ. Köln; Initiator der Auslandskulturtage der Stadt Dortmund; Leiter der Opernschule des Robert Schumann Konservatoriums Düsseldorf; Mitglied DBV. Auszeichnungen: 1969 Bundesverdienstkreuz; 1975 Ehrenmitglied Städtische Bühnen Dortmund; 1976 Kaiser Medaille der Stadt Mainz. Biblio: Rampenlicht, Köpfe der Literatur und des Theaters (Buenos Aires 1945); Zeitklänge: Komponistenportraits und Dirigenten-Profile (Buenos Aires 1945); Ricardo Wagner y su obra (Buenso Aires 1946; dt. Ausgabe, Taten der Musik: Richard Wagner und sein Werk (Regensburg 1952)); hrsg., Theater: Sieben Jahre Freie Deutsche Bühne in Buenos Aires (Buenos Aires 1950); Jacques Offenbach in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Reinbek 1969); Zehn Jahre Freie Deutsche Bühne in Buenos Aires, in: "Theater im Exil 1933-45"; Von den Schwierigkeiten einer Emigrantenbühne - Die "Freie Deutsche Bühne" in Buenos Aires , in: "Theater im Exil" (Symposion); viele weitere Werke über Theater und Musik; Biblio. bis 1969 siehe Stadtbücherein Dortmund, "Aktuelle Bücherlisten", incl. Lit. (Serie B, Nr. 22; Dez. 1969). Archiv: Paul-Walter-Jacob-Archiv, Hamburger Arbeitsstelle für deutsche Exilliteratur. Qu: BHb; Archiv HH; Exil Lateinamerika; Bundesarchiv Berlin/DBJ

 

 
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letzte Änderung: 12.08.2004