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Jacob, Paul Walter
(Pseudonym: Paul Walter); Regisseur, Schauspieler,
Schriftsteller, Theaterleiter, Dirigent, Dramaturg; geb. 26.
Jan. 1905 Duisburg, gest. 20. Juli 1977 Schwäbisch-Hall; Sta:
österr., 120 dt., Apr. 1938 ausgebürgert, 1939 arg., 1950 dt.;
? I. Edith Thea Roeder; II. 1939 ? Liselott Reger. Weg: 1933
Frankr., 1934 Luxemburg, 1936 ?SR, 1938/39 Arg., 1950
BRD. 1908 Umzug der Familie nach Mainz; Besuch des
Konservatoriums in Mainz; Eintritt in den zionistischen
Jugendbund "Blau-Weiß"; Umzug nach Berlin; studierte 1921-27
an der Univ. Berlin; Besuch der Staatlichen Hochschule für
Musik Berlin-Charlottenburg bei Franz Schrecker u. der
Theaterschule an ? Max Reinhardts Deutschem Theater Berlin bei
Ferdinand Gregori; Tanzausbildung bei ? Rudolf von Laban u.
Toni Vollmuth; ab 1925 Regieassistent an der Berliner
Staatsoper Unter den Linden; freier Schauspieler u. Regisseur;
Mitglied im Pazifistischen Studentenbund, DLM; 1928/29
Korrepetitor an der Staatsoper Berlin, 1929/30 Oberspielleiter
der Oper Theater der Stadt Koblenz, 1930/31 Opernregisseur,
Dramaturg u. Schauspieler am Stadttheater Lübeck, 1931/32
Oberspielleiter in Oper u. Operette der Städtischen Bühnen
Wuppertal, 1932/33 Opern- u. Operettenregisseur an den
Städtischen Bühnen Essen; am 26. März 1933 wurde in der
Zeitung der Essener NSDAP Maßnahmen gegen den "Juden und
Sozialdemokraten" Jacob gefordert; am 29. März von seinen
Dienstfunktionen beurlaubt; 2 Tage später verließ Jacob
Deutschl.; Ausschluß aus der RTK. 1. April 1933 Emigr. über
Amsterdam nach Paris; ab 1. Juli vor allem Musikkritiker,
daneben ausgedehnte Musikstudien u. a. in Paris, speziell zu
Jacques Offenbach; Mitarbeiter im Hilfskomitee der Liga für
Menschenrechte; unterstützt von Hilfsorganisationen wie "Foyer
Henri Heine" u. DLM; Mitarbeiter mehrerer Exilperiodika, u. a.
"Neue Weltbühne", "Das Blaue Heft", "Deutsche Freiheit"
Saarbrücken; Sept. 1934 Emigr. nach Luxemburg; für zwei
Spielzeiten als Spielleiter u. Schauspieler Mitglied der Bühne
"Die Komödie" im Großherzogtum Luxemburg (Leitung ? Walter
Eberhard), inszenierte Schureks/Saßmanns Straßenmusik ,
Lessings Minna von Arnhelm, Hinrichs Krach um
Jolanthe, Schillers Maria Stuart, Meyer-Försters
Alt-Heidelberg, Blumenthals/Kadelburgs Großstadtluft
u. Im Weißen Rößl , Ibsens Ein Volksfeind ,
Beyerleins Zapfenstreich, Welters Schwestern;
Juni bis Aug. 1935 künstlerischer Leiter der Echternacher
Festspiele, Juni 1935 Freilicht-Inszenierung von Hofmannsthals
Jedermann; Rundfunktätigkeit (Herbst 1935 bis Juni 1936
als Regisseur u. Funkbearbeiter bei Radio Luxemburg); 1936
Emigr. in die ?SR; 1936-38 Spielleiter u. Darsteller am
Stadttheater Teplitz-Schönau u. im Sommer 1937 am Kurtheater
Bad Pistyan; spielte in Teplitz-Schönau u. a. Gianettino Doria
in Schillers Fiesco; Regie, u. a. Puccinis Tosca
u. La Bohème, O. Wildes Bunburry, Johann Strauß´
Zigeunerbaron u. Fledermaus, Benatzkys Axel
an der Himmelstür, 1938/39 Emigr. nach Buenos Aires mit
Paraguay-Visum über Ung. u. Frankr. mit Frau Liselott Reger;
Chorleiter des sozialdemokratischen Clubs "Vorwärts", hielt
dort am 23. Juli 1939 anläßlich einer Toller-Gedenkfeier eine
Rede auf den 4 Wochen vorher aus dem Leben geschiedenen Autor;
veranstaltete dort Okt. 1939 ein Konzert mit verbotener
deutscher Musik; Apr. 1940 bis Nov. 1949 Mitgründer,
Leiter, Regisseur u. Hauptdarsteller der "Freien Deutschen
Bühne"; unterstützt vom Leiter des "Argentinischen
Tageblatts", Ernesto F. Aleman; Mitwirkende u. a. ? Jacques
Arndt, ? Hermann Geiger-Torel, ? Hedwig Schlichter; Gäste, u.
a. ? Ernst Deutsch u. die Brüder ? Siegfried u. ? Bruno Arno;
in 215 Inszenierungen u. etwas 750 Vorstellungen vor allem
Unterhaltungstheaterproduktionen (Lustspiele, Possen,
Gesellschaftskomödien, elegantes Boulevardtheater), dagegen
wenig Zeitstücke oder im Exil entstandenes Theater; Sept. 1945
dt.sprachige EA von ? Franz Werfels Jacobowsky und der
Oberst, Juni 1948 Jacob als Harras in der amerik. EA von ?
Carl Zuckmayers Des Teufels
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General (R: ? Fritz
Gehlen); ab 1944 auch Einstudierung von Operetten; reguläre
Gastspiele, u. a. in Montevideo, Uruguay; Filmtätigkeit,
Rollen u. a. in den spanischsprach. Filmen Arzt ohne
Gewissen u. Kommissar Nobis ; Rundfunksprecher bei
"La Voz del Día"; Mitarbeiter der Blätter "Literatura",
"Jüdische Wochenschau", "Das Andere Deutschland" u.
"Argentinisches Tageblatt", alles Buenos Aires; 1943 Teilnahme
am Ersten Kongreß Antifaschistischer Deutscher in Südamerika,
Montevideo; Mitglied Associacion Argentina de Actores; 1949
Gastinszenierung in der BRD; 1950-57 Intendant, 1957-62
Generalintendant der Städtischen Bühnen Dortmund, auch
Operninszenierungen, in seiner Ära kamen zur Aufführung u. a.
? Bertolt Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti u.
Leben des Galilei, ? Georg Kaisers Oktobertag ,
? Hans J. Rehfischs/W. Herzogs Wasser für Canitoga ,
Werfels Jacobowsky und der Oberst, Carl Zuckmayers
Der Hauptmann von Köpenick, Nelly Sachs´ Eli (UA
1962), Ernst Kreneks Leben des Orest, Busonis Doktor
Faust , Wagner Parsifal , Alexander von Zemlinskys
Der Kreidekreis ; baute in Dortmund ein
Kinderabonnement auf; zwischen 1953 u. 1962 zahlreiche
Operninszenierungen in Madrid, Barcelona, Lissabon, Nizza,
Lyon u. a. (v. a. Wagner Opern); mußte gegen seinen Willen in
Dortmund ausscheiden; ab 1962 freier Schauspieler, Regisseur
u. Autor für Theater, Film, Fernsehen u. Rundfunk; spielte u.
a. Teehausbesitzer Tong in Klabunds Kreidekreis (1961),
Prof. Evans in der UA von Heinar Kipphardts In der Sache J.
Robert Oppenheimer (1964, Freie Volksbühne Berlin, R: ?
Erwin Piscator), am Staatstheater Wiesbaden TR in Shakespeares
Julilus Cäsar (1966, R: Claus Helmut Dreese), am
Landestheater Darmstadt den Alten in Ionescos Die Stühle
(R: Molcho), an den Kammerspielen Köln Oberlehrer Krull in ?
Carl Sternheims Die Kassette (1967), am Theater am
Kurfürstendamm Landgerichtsdirektor Bläbberberg in Hochhuths
Die Hebamme mit ? Inge Meysel (1975, 1976 als
Aufzeichnung in der ARD gesendet); im Fernsehen u. a. als
Reichsanwalt in ? Maria Matrays/Answald Krügers Der Prozeß
Carl von O. (1964) u. General Vennekohl in Stalingrad;
1964-70 Vorträge über Theater an der Univ. Köln; Initiator der
Auslandskulturtage der Stadt Dortmund; Leiter der Opernschule
des Robert Schumann Konservatoriums Düsseldorf; Mitglied
DBV. Auszeichnungen: 1969 Bundesverdienstkreuz; 1975
Ehrenmitglied Städtische Bühnen Dortmund; 1976 Kaiser Medaille
der Stadt Mainz. Biblio: Rampenlicht, Köpfe der Literatur
und des Theaters (Buenos Aires 1945); Zeitklänge:
Komponistenportraits und Dirigenten-Profile (Buenos Aires
1945); Ricardo Wagner y su obra (Buenso Aires 1946; dt.
Ausgabe, Taten der Musik: Richard Wagner und sein Werk
(Regensburg 1952)); hrsg., Theater: Sieben Jahre Freie
Deutsche Bühne in Buenos Aires (Buenos Aires 1950);
Jacques Offenbach in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten
(Reinbek 1969); Zehn Jahre Freie Deutsche Bühne in Buenos
Aires, in: "Theater im Exil 1933-45"; Von den
Schwierigkeiten einer Emigrantenbühne - Die "Freie Deutsche
Bühne" in Buenos Aires , in: "Theater im Exil"
(Symposion); viele weitere Werke über Theater und Musik;
Biblio. bis 1969 siehe Stadtbücherein Dortmund, "Aktuelle
Bücherlisten", incl. Lit. (Serie B, Nr. 22; Dez.
1969). Archiv: Paul-Walter-Jacob-Archiv, Hamburger
Arbeitsstelle für deutsche Exilliteratur. Qu: BHb; Archiv HH;
Exil Lateinamerika; Bundesarchiv Berlin/DBJ
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