Einmal Exil, immer Exil
Schon dachten wir, die tapfere, kleine Zeitschrift Exil, die Edita Koch und Frithjof Trapp herausgeben, habe ihr Schicksal so mancher Literatur-Zeitschriften ereilt - da erscheinen, wenn auch mit Verspätung, gleich beide Bände des Jahres 1996, der 16. Jahrgang dieser ungewöhnlichen Zeitschrift, zweimal je rund 120 Seiten: ein dickes Buch über Schriftsteller und Theaterleute, die zur Emigration gezwungen wurden. Wieviel ist, nach all den Versäumnissen, noch immer zu entdecken. Als ob der Satz wahr werden sollte: Einmal Exil, immer Exil. Wenigstens nach dem Tod werden manche Autoren, in der Erinnerung an ihr Werk, mit dieser Zeitschrift heimgeholt. Neben bedrückenden Mitteilungen über "Jüdische Familienschicksale zwischen nationalsozialistischer Machtübernahme und Nachkriegszeit" bringt Band 1 Studien über "Deutschsprachige Bühnen in Prag" in den dreißiger Jahren, über "Deutschsprachiges Theater in Polen zwischen 1933 und 1939", über die Schauspieler Carl Jaffé und das Exiltheaterensemble "Die Komödie" in Luxemburg. Im zweiten Band gleich mehrere Aufsätze über Ernst Toller, die Schriftsteller Kurt Grossmann und Karl Jacob Hirsch und, vor allem, die "Biographie eines unveröffentlichten Romans", Karl Ottens "Reise nach Deutschland". Mit Chronik, Bibliographie, Register und Bildern sind die Bände hervorragend ausgestattet.