Zum Lebensbild Ernst Cassirers (1874-1945)

von John Michael Krois

Fichtes Satz, die Philosophie, die ein Mensch vertritt, hängt davon ab, was er für ein Mensch ist, findet im Philosophen Ernst Cassirer seine Bestätigung. Ernst Cassirer verfaßte Beiträge einerseits zur Mythologieforschung und Germanistik, andererseits zur Deutung der Relativitätstheorie und Quantenphysik oder zur Rechtstheorie. Auch Werke über die Geschichte der Philosophie - vornehmlich zur Renaissance und Aufklärung - stehen neben seinen systematischen philosophischen Werken. Cassirers Oeuvre ist so vielfältig, daß es erstaunlich ist, wie viele - oft klassisch gewordene - Schriften zu so unterschiedlichen Themen aus der Feder eines Mannes stammen können. Der Lebensweg des Philosophens Ernst Cassirer spiegelt in vielen Hinsichten den Charakter seines akademischen Werkes wieder. Er kannte Geisteswissenschaftler und Literaten, Mediziner und Naturwissenschaftler. Kaum ein anderer Philosoph dieses Jahrhunderts war der persönliche Gesprächspartner von Vertretern sonst so gegensetzlicher Denktendenzen: mit Carnap und Schlick auf der einen Seite, mit Husserl und Heidegger auf der anderen. Seine eigene systematische "Philosophie der symbolischen Formen" (3 Bde, 1923-1929) ist gewissermassen darauf angelegt, diese gegensätzlichen philosophischen Perspektiven zusammenzubringen. Cassirers methodische Vorgehensweise prägte auch seinen eigenen Lebensweg. Denn überall suchte er im Widerstreit nach dem verborgenen Gemeinsamen. Eine Aussage in der Vorrede zu seiner 1939 veröffentlichten Arbeit über den schwedischen Philosophen Axel Hägerström (1868-1939) hat in dieser Hinsicht auch persönliche Bedeutung. Cassirer schreibt in "Axel Hägerström", daß er die moderne schwedische Philosophie nicht bloß historisch darstellen, sondern zu einem denkerisch prinzipiellen Verständnis von ihr gelangen wolle, und fügte hinzu: "Ein solches Verständnis aber ist nicht anders erreichbar, als durch eine eingehende systematische Auseinandersetzung mit verwandten oder gegnerischen Anschauungen. Weit mehr als andere Wissensgebiete ist die Philosophie auf diese Form der Auseinandersetzung angewiesen. Die Wissenschaftliche Philosophie ist ihrer Natur nach dialogisch". Dieser Satz liefert auch einen Schlüssel zum Verständnis von Cassirers Lebensweg.

Am 28. Juli 1874 in Breslau wurde Ernst Cassirer als erster von drei Söhnen und zweites von insgesamt sieben Kindern von Jenny, geb. Siegfried, und des Kaufmanns Eduard Cassirer geboren. Die Cassirers waren eine hauptsächlich in Berlin ansässige, prominente Familie, die seit Generationen Kaufmänner und Industrielle waren. Sein Vater, Eduard Cassirer, war im Holzhandel und in der Führung einer Cellulose-Fabrik tätig und seine Brüder ergriffen auch kaufmännische Berufe. Das assimilierte Judentum der Familie Cassirer brachte es mit sich, daß Ernst Cassirer, der viele Sprachen beherrschte, zu seinem späteren Bedauern, nie Hebräisch lernte. Obwohl Cassirer in Breslau aufwuchs, war die Bindung der Familie Cassirer an Berlin für Ernst Cassirers Lebensweg entscheidend. Die Familie Cassirer spielte in den 20er Jahren in Berlin eine hervorragende Rolle im kulturellen Leben. Schon als Kind besuchte Ernst Cassirer Mitglieder der in Berlin ansässigen Familie wie seinem Vetter Kurt Goldstein (1878-1965). Goldstein, später ein berühmter Neurologe, ist Cassirers bevorzugtester wissenschaftlicher Gesprächspartner geworden. Im März 1892 machte Cassirer sein Abitur am Johannes-Gymnasium in Breslau und nahm im selben Jahr ein Jura-Studium in Berlin auf. Cassirer wechselte aber den Studienort öfters und fand keine Orientierung für sein inzwischen gereiftes Interesse für Philosophie, bis ihm 1894 - wieder in Berlin - eine Bemerkung Georg Simmels in einer Lehrveranstaltung über Kant zu Denken gab. Simmel sagte, die besten Werke zu Kants Philosophie seien die von Hermann Cohen (1842-1918), aber er selber könne sie nicht verstehen. Fünfzig Jahre später erzählte Cassirer, daß er da zum ersten Mal den Namen Hermann Cohens hörte. Die Ungereimtheit, daß die besten Kantbücher unverständlich sein sollten, gab ihm die Aufgabe, die er brauchte. Zwei Jahre später, nachdem er Cohens Schriften gemeistert hatte, ging er nach Marburg, um bei Hermann Cohen zu promovieren.

Schon früh zeigte Cassirer besondere Begabungen, vor allem ein ungewöhnliches Gedächtnis, das ihm erlaubte, Texte seitenweise ohne jede Einübung mühelos auswendig zu zitieren. Musische und wissenschaftliche Fähigkeiten verbanden sich ungezwungen in Cassirer. Der Philosoph Jonas Cohn (1869-1947) erinnert sich, wie er einmal im Jahre 1895 Cassirer am Starnberger See "unter künstlerischen Freunden" antraf, und fügt hinzu: "Von vornherein lebte in Ernst Cassirer ein künstlerischer Geist, dem er mit Hilfe seiner Anlage zu klarer eindrucksvoller Darstellung in wissenschaftlichen Schriften und Vorträgen Gestalt geben konnte". Dies bestätigt Max Tau, der spätere erste Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, der Cassirers Haus in den 20er Jahren in der Blumenstraße 26 in Hamburg als "das Haus eines Künstlers" beschreibt. Tau erzählt auch, wie er einmal bei Cassirer über die schlechte Sprache in literaturwissenschaftlichen Arbeiten klagte, und jener darauf antwortete: "Das beste Deutsch haben oft die Naturwissenschaftler geschrieben. Lesen Sie Helmholtz, studieren sie seine Schriften; Sie werden darin vielleicht vieles von dem finden, was Sie suchen". Cassirers selbst gelang es eindrucksvoll, wissenschaftliche Sachlichkeit mit einem schönen Stil zu verbinden.

Am 19. Juli 1899 promovierte Cassirer mit einer Dissertation über Descartes in Marburg bei Cohen und Paul Natorp (1854-1924). Cohen und Natorp waren Vertreter einer an der Naturwissenschaft orientierten Erkenntnistheorie. Cohens Auffassung von einer transzendentalen Methode bei Kant lieferte Cassirer Ansätze, die er eigenständig weiterentwickelte. Die "Marburger Schule", wie Cohen und Natorps Philosophie genannt wurde, war zwar international anerkannt in ihren Leistungen, aber auch Schmähungen ausgesetzt, da ihr Oberhaupt, Cohen, Jude war.

Nach der Promotion lebte Cassirer in Berlin, wo er 1901 Toni Bondy (1883-5.1.1961), eine Kusine aus Wien kennenlernte. Am 16. September 1902 wurde sie seine Frau. Die Cassirers lebten zunächst in München, zogen aber im Oktober 1903 nach Berlin, wo Cassirer bis 1919 blieb, die längste Zeit, die er je an einem Ort wirkte. Dort wuchsen auch die drei Kinder, Heinrich (9.8.1903-20.2.1979), Georg (26.7.1904-) und Anne (3.6.1908-) auf. In diesen Jahren war Cassirer auf die finanzielle Unterstützung seines wohlhabenden Elternhauses angewiesen. Seine Versuche, sich in Berlin oder auswärts zu habilitieren, scheiterten - wie man es hoflich ausdrückte - an der "Methode" seines Lehrers Hermann Cohen. Natorp berichtet in einem Brief 1902, nachdem Cassirer von einer erfolglosen Reise nach Straßburg zurückkam: "Hier hat man nun direkt gesagt, dass es der Jude ist, den man ablehnt" (an Görland, 13.1.1902). In Berlin schrieb Cassirer an seinem großen Werk "Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit", dessen erster Band 1906 erschien (Band zwei ein Jahr später). Die Schrift lag aber dann doch an der Berliner Fakultät als Habilitationsleistung vor. Dilthey, der gegen ein erstes Habilitationsanliegen Cassirers anhand des 1902 erschienenen Buches "Leibniz' System" Bedenken geäußert hatte, schrieb in seinem Gutachten vom 28. Juni 1906, daß sich in Cassirers jetzt vorliegender Schrift die Mängel einer "subjektiven Methode" nicht im selben Maße geltend machen. Am 26. Juli. 1906 legte er seine Probevorlesung ab, und bekam die venia legendi für Philosophie verliehen. Das Thema der Vorlesung war "Substanzbegriff und Funktionsbegriff". In den nächsten Jahren behandelte er eingehend diese Problematik in seinem ersten systematischen Werk, einem gleichnamigen Buch von 1910. Am 11. August hielt er seine Antrittsvorlesung: "Die Vernunftkritik in ihrem Verhältnis zur Wissenschaft des achtzehnten Jahrhunderts", und im Wintersemester begann seine 13-jährige Tätigkeit als Privatdozent.

In diesen Jahren stand Ernst Cassirer in enger Verbindung zu den Berliner Cassirers. Dazu zählten Menschen, die das Leben der Stadt mitprägten: Sein Onkel, der Industrielle Max Cassirer (1857-1943) der 1896-1919 ehrenamtlich als Stadtrat in Charlottenburg wirkte. Cassirers Vetter Richard Cassirer (1868-1925) war ein angesehener Neurologe, der auch an der Berliner Universität lehrte. Ein anderer Vetter, der Komponist Fritz Cassirer (1871-1926) wirkte seit 1907 als Kapellmeister an der Berliner Komischen Oper, wo er sich für die Werke von Frederic Delius einsetzte. Mit ihm war Ernst Cassirer durch eine besondere Liebe zur Musik verbunden. Einem weiteren Vetter, dem Kunstbuch-Verleger Bruno Cassirer (1872-1941), stand er nicht nur persönlich nah; er war auch Autor bei ihm. Bruno Cassirers Programm, das sich auf Kunst und Literatur beschränkte, wurde durch Ernst Cassirers Einfluß auf Philosophie ausgedehnt. Ihr größtes gemeinsames Projekt war die zehnbändige Ausgabe von Immanuel Kants Werken, die Ernst Cassirer zwischen 1912-1922 herausgab. Diese Ausgabe - die bis dahin umfangreichste - ist in seiner Ausstattung bis heute die wohl schönste geblieben. In Glückwünschen zu Brunos 60. Geburtstag meinte Ernst Cassirer, die Kant-Ausgabe sei deshalb so schön geworden, weil sein Vetter der Philosophie niemals ganz verziehen hatte, daß sie ohne Bilder auskommt und deshalb gerade der Fürsorge des auf Kunstbücher spezialisierten Bruno Cassirer Verlages nicht bedürfe. Durch Bruno Cassirer und vor allem durch den Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer (1871-1926) kam Ernst Cassirer mit den neuesten europäischen Kunstrichtungen - mit Impressionismus und proto-Expressionismus früh in Kontakt. In der zunächst gemeinsam mit Bruno geführten, 1898 eröffneten Cassirer-Gallerie in der Viktoriastraße 35 wurden Cezanne, Manet, Monet, Munch, Van Gogh, und viele andere - oft zum ersten Mal in Deutschland - ausgestellt. Zusammen mit dem Kunstmaler Max Liebermann war Paul Cassirer auch eine der bewegenden Kräfte in der seit 1899 tätigen Berliner Sezession und auch deren späterer Präsident. In Berlin kam Cassirer mit vielen Personen des öffentlichen Lebens zusammen, so z.B. mit dem damals jungen vortragenden Rat in der Reichskanzlei, Kurt Riezler (1882-1955), mit dem Cassirer über Kultur und Politik diskutierte. Riezlers Verehrung für Cassirer hatte spätere Einwirkung auf Cassirers Leben.

Cassirer war ein erfolgreicher Lehrer. Im WS 1911/12 besuchten 120-130 Hörer sein Kant-Kolleg. Unter Cassirers Hörern in den Berliner Jahren befanden sich viele später bekannt gewordene Menschen, darunter der junge Kurt Weill. Nun hatte Cassirer seinen früheren Lehrer Georg Simmel zum Kollegen, und so ergab sich, daß Simmel, Cassirer und ein weiterer Privatdozent, Max Frischeisen-Köhler, zusammen ein Kolleg abhalten wollten. Dem wurde von der Fakultät zwar nicht stattgegeben, aber das Vorhaben ist auch ein Indiz für die offene Tendenz in Cassirers Wesen und Denken. Cassirer hat einmal, zwanzig Jahre später, seine Auffassung von sich als Lehrer der Philosophie so formuliert: "Ich selbst bin vielleicht niemals ein guter und eigentlicher philosophischer 'Lehrer' gewesen - denn mir fehlte der Glaube an die Möglichkeit und Notwendigkeit schulmässiger Bindungen im Gebiet der Philosophie" (an Kristeller, 29.7.1934). Hörer von Cassirers Lehrveranstaltungen hatten eine andere Meinung. Im Jahre 1928 bereiste der amerikanische Philosoph und spätere College Präsident, Julius Bixler, Deutschland und hörte Vorlesungen an verschiedenen deutschen Universitäten, unter anderem bei Karl Jaspers und Martin Heidegger. Es waren aber gerade die Vorlesungen Cassirers, die auf ihn den tiefsten Eindruck machten, nicht bloß wegen Cassirers Wissen, sondern vor allem wegen des Gefühls, "als erlebten wir das Denken selbst in einer lebendigen Form".

Cassirers Arbeiten waren hochangesehen. "Das Erkenntnisproblem" war wegen seiner historischen Fundiertheit und originellen Interpretation der neuzeitlichen Philosophie, das bei der Renaissance und Nikolaus Cusanus als erstem modernen Denker - anstatt Descartes - anfing, viel gelesen. Die neuartige systematische Orientierung in "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" brachte Cassirer 1913 eine Einladung zu einer Gastprofessur an der Harvard University. Die Einladung kam zur Zeit einer großen Krise im Fach Philosophie bei Harvard, als man dort - nach einer Blütezeit - um die Zukunft bangte. 1913 blieb neben Royce nur noch Hugo Münsterberg als Professor; beide standen hinter der Einladung an Cassirer. Royce war ein großer Kenner der deutschen Philosophie, und Münsterberg, der selber Deutscher war, kannte auch die Gegenwartsphilosophie Deutschlands. Daß diese Wahl eine Ehre bedeutete, war Cassirer klar, aber vielleicht nicht, wie sehr man an ihm interessiert war. Der Geschäftsführer, Ralph Barton Perry, war bereit, das Angebot sogar auf das folgende Jahr zu verschieben. Selbst der Präsident von Harvard, Lawrence Lowell, der sich 1913 in Berlin aufhielt, suchte dort Cassirer persönlich auf, um ihn zur Annahme des Angebots zu bewegen, fand ihn aber für den Sommer schon verreist. Und nicht einmal der Hinweis an Cassirer, daß er neben Bertrand Russell als "anderer" Gastprofessor unterrichten würde, konnte ihn zur Annahme des Angebots bewegen, da es die Trennung der Familie auf lange Zeit bedeutet hätte.

Eine weitere Anerkennung kam, als Cassirer im Juli 1914 für "Das Erkenntnisproblem" mit der Goldenen Kuno-Fischer-Medaille der Universität Heidelberg ausgezeichnet wurde. Seit Ende 1916 arbeitete Cassirer im Kriegspresseamt in Berlin. Er verbrachte Monate lang seine Vormittage dort, selbst Sonntags, wo er die Berichterstattungen der französischen Presse las und zusammenfaßte. Dafür wurde ihm im August 1918 das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. In diese Zeit fällt die "Bauch-Affaire". Bruno Bauch (1877-1942), Professor der Philosophie in Jena, war ein Herausgeber der "Kant-Studien", die angesehenste Philosophie-Zeitschrift Deutschlands. Im Jahre 1916 veröffentlichte Bauch einen langen "Leserbrief" in einer völkischen Zeitschrift, "Der Panther" (Jg. 4, Heft 6: Juni 1916), in dem er Cassirers Lehrer Hermann Cohen die Fähigkeit absprach, Kant verstehen zu können, weil Cohen als Jude "Ausländer" sei. Dieser Angriff verband intellektuelle Diffamierung mit der Infragestellung von nationaler Treue, was gerade in Kriegszeiten noch verletzender wirkte. Daß dieser Leserbrief von einem Herausgeber der Kant-Studien herrührte, führte zu einer Krise in der Kant-Gesellschaft. Cassirer, dessen Lehrer seit seiner Emeritierung 1912 an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin tätig war, war nicht bereit, die Äußerungen Bauchs hinzunehmen und schrieb eine Stellungnahme für die Kant-Studien. Bauch reagierte, indem er von der Redaktion der Kant-Studien zurücktrat, ohne sich von seinen Äußerungen zu distanzieren. Nach Bauchs Weggang hat man Cassirers Entgegnung in den Kant-Studien nicht mehr veröffentlicht. Damit war das Problem aber keineswegs aus der Welt geschafft. Im März 1929, als der Wiener Philosoph Othmar Spann (1878-1950) in einem Vortrag im Auditorium Maximum der Münchner Universität die Kantforschungen Cohens in ähnlicher Weise herabsetzte, hat er neben Cohen auch den "Fremden" Ernst Cassirer namentlich in seine Polemik miteingeschlossen.

Nach dem Krieg schufen die neuen politischen Verhältnisse Cassirer neue Wirkungsmöglichkeiten. Cassirer nahm den Ruf der neugegründeten Universität Hamburg an und begann im Oktober 1919 die schaffensreichste Periode seines Lebens. Das Philosophische Seminar der Universität war zusammen mit dem Institut für Psychologie im Seminargebäude am Bornplatz gegenüber der Hauptsynagoge untergebracht. Cassirer teilte Räumlichkeiten mit den Psychologen William Stern (1871-1938) und Heinz Werner (1890-1964). Diese Nähe war allen willkommen, da Cassirer Psychologische Forschungen und besonders die Sprachpsychologie, etwa wie sie Stern in seinem mit seiner Frau Clara gemeinsam verfaßten Buch "Die Kindersprache" (1907) entwickelte, in seine Sprachphilosophie miteinbezog. Cassirer half William Stern bei der Organisation des erfolgreichen 12. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, der vom 12. bis 16. April 1931 in Hamburg stattfand. Cassirers Kongressbeitrag "Die Sprache und der Aufbau der Gegenstandswelt" gehört zu seinen besten Abhandlungen. Er hatte auch im Jahr zuvor den vierten Kongreß für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft, der vom 7. bis 9. Oktober 1930 in Hamburg stattfand, mitorganisiert. Als Ordinarius hatte Cassirer nun eine ganze Reihe von Doktoranten. Dazu zählten der später in der amerikanischen Emigration bekannt gewordene Leo Strauss, der 1921 mit einer Arbeit über die Erkenntnislehre Jacobis bei Cassirer promovierte. Ebenfalls 1921 promovierte Gertrud Bing, spätere Direktorin des Warburg Instituts in London, bei Cassirer mit einer Arbeit über den Begriff des Notwendigen bei Lessing. Der Kulturhistoriker Edgar Wind promovierte 1922 bei Cassirer und Panofsky mit einer systematischen Arbeit, "Ästhetischer und kunstwissenschaftlicher Gegenstand". Andere später bekannt gewordene Studenten Cassirers waren Joachim Ritter, der 1925 eine Dissertation über Cusanus schrieb und Erich Weill, der 1928 mit einer Arbeit über Pietro Pompanazzi promovierte. Daß diese letzteren über Renaissance-Philosophen arbeiteten, weist auf Cassirers Interesse an dieser Epoche. Auch mit Forschern aus dem Kreis seines Freundes, des Altphilologen und Cusanus-Forschers Ernst Hoffmann (1880-1952) in Heidelberg, stand er in näherem Kontakt, besonders mit Raymond Klibansky und Paul Oskar Kristeller. Klibansky, der auch zwei Semester 1926/27 in Hamburg studierte, gehörte mit Bing, Wind und anderen zum Kreis um eine weitere wissenschaftliche Einrichtung in Hamburg, die neben der Universität für Cassirers Hamburger Jahre von großer Bedeutung war: die Bibliothek Warburg.

Diese Bibliothek und ihr Gründer, Aby Warburg (1866-1929), beeinflußten Cassirers philosophische Entwicklung nachhaltig. Seine ersten Kontakte mit der Bibliothek fanden 1920 statt, als sie noch in Warburgs Haus in der Heilwigstraße untergebracht war. Der Kunsthistoriker Fritz Saxl (1890-1948), stellvertretender Direktor der Bibliothek, zeigte Cassirer die Bibliothek zum ersten Mal. Die Sammlung von 20.000 Büchern umfaßte Werke zur Kulturgeschichte, mit Rücksicht auf den Primat des Bildhaften und des Symbols. Diese systematischen Gesichtspunkte gaben den roten Faden für eine Sammlung, die sonst quer durch alle Gebiete der Kulturgeschichte ging. Gerade das Problem des emotionalen-körperlichen Ausdrucks und seine Fixierung in Symbolen war das Thema, das fortan im Mittelpunkt von Cassirers Forschungen stehen und das Besondere an seiner eigenen systematischen Philosophie werden sollte. Diese "Philosophie der symbolischen Formen" hätte vielleicht auch anderswo entstehen können, aber es kann kein Zweifel daran bestehen, daß sie hier in der Bibliothek Warburg den idealen Nährboden gefunden hat. Schon bei seinem ersten Besuch, meinte Saxl, habe Cassirer die Bibliothek sofort verstanden. Den Eindruck, den dieser erste Besuch auf ihn machte, hat er selbst neun Jahre später in seiner Gedenkrede auf Aby Warburg beschrieben. Es war nicht, sagte Cassirer, "der geduldige Sammelfleiß eines Bibliophilen oder die emsige Arbeit eines bloßen Gelehrten", der diese Sammlung zusammengebracht hat. Es war eine Persönlichkeit und ein Schicksal: "Ich begriff beides und ich erlag der Gewalt, die von beiden ausging, noch ehe ich Warburg gesehen oder ich ein Wort mit ihm gewechselt hatte." Cassirer stand seit Mitte 1921 mit Warburg in schriftlichem Kontakt, begegnete ihm persönlich aber erst 1924. Unter dem Druck des Weltkrieges, befand sich Warburg seit 1918 zur Behandlung einer sich zuspitzenden seelischen Erkrankung in Ludwig Binswangers Klinik in Kreuzlingen. Aus der Begegnung zwischen Cassirer und Warburg erwuchs eine tiefe Freundschaft, die, Fritz Saxl zur Folge, Warburgs Genesung und Rückkehr nach Hamburg beförderte.

Cassirer kam zu den kulturwissenschaftlichen Forschungen in der Bibliothek Warburg nach einer längeren Beschäftigung mit der Relativitätstheorie Einsteins, auf Grund derer er im schriftlichen und persönlichen Kontakt mit Einstein stand. Es ist für Cassirer typisch, daß er dabei die Gegensätzlichkeit dieser Forschungsinteressen nicht zu mildern, sondern geradezu aufeinanderstoßen zu lassen versuchte. So hat er z.B. im WS 1920/1921 Mittwochs eine Lehrveranstaltung über "Die philosophischen Probleme der Relativitätstheorie" und am nächsten Tag zur gleichen Stunde eine zu "Schillers philosophische Weltansicht" angesetzt.

Die Bibliothek Warburg wurde zum Mittelpunkt für Cassirers Arbeit. Cassirers originelste Schriften und die für ihn charakteristischen, wie "Die Begriffsform im mythischen Denken" (1922), "Sprache und Mythos" (1925) und sein Hauptwerk: die dreibändige "Philosophie der symbolischen Formen", sind entweder ursprünglich Vorträge in der Warburg-Bibliothek gewesen oder in ihren Räumen verfaßt. Saxl, Bing, Wind und alle in der Bibliothek kamen Cassirer in jeder Hinsicht entgegen. Er erhielt neuangeschaffene Bücher ins Haus geliefert, bevor sie ins Magazin kamen, mehr noch, er bekam Bücherpakete an Sommerurlaubsorte in der Schweiz oder Österreich zugeschickt. Als die dreibändige "Philosophie der symbolischen Formen" fertig wurde, hat Warburg die Fertigstellung des separaten Registers in die Wege geleitet. Als die Bibliothek ihr eigenes Haus im Jahre 1926 bezog, wurde sie nun "Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg" genannt, oder - wie Warburg es gern tat - einfach "KBW". Am 1. Mai hielt Cassirer die Eröffnungsrede: "Freiheit und Notwendigkeit in der Philosophie der Renaissance." Das Thema verband Cassirers und Warburgs Kulturwissenschaftliche Forschungsinteressen: das Problem der Grenzen menschlicher Freiheit und die Epoche der Renaissance. Cassirers klassisch gewordenes Werk "Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance" (1927) widmete er Warburg zu seinem 60. Geburtstag. In der Vorrede würdigte Cassirer neben der Besonderheit der KBW als Bibliothek vor allem ihre "Arbeitsgemeinschaft".

Zu dieser Arbeitsgemeinschaft gehörten noch einige andere Personen, mit denen Cassirer ebenfalls wissenschaftlich verbunden war. Der Kunsthistoriker Erwin Panofsky (1892-1968), Professor des Faches an der Universität, hielt schon 1921 Seminare in der Bibliothek Warburg. Cassirer besuchte Panofskys Vorlesungen in der Universität und umgekehrt. Panofskys "Idea: Ein Beitrag zur Begriffsgeschichte der älteren Kunsttheorie" (1924) ist angeregt worden durch Cassirers "Eidos und Eidolon: Das Problem des Schönen und der Kunst in Platons Dialogen" (1924), den er 1923 als Vortrag in der Bibliothek Warburg hielt. Ein weiteres Resultat ihrer Zusammenarbeit ist in Panofskys, im Titel schon an Cassirer anklingender Abhandlung "Die Perspektive als symbolische Form" (1927) zu sehen. Der Kulturhistoriker Edgar Wind, später der erster Inhaber des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der University of Oxford und Verfasser einer von beiden beachteten Doktorarbeit, habilitierte sich auch bei ihnen mit einer Schrift "Das Experiment und die Metaphysik" (1934). Wind, der 1928 bis 1933 Assistent bei der KBW war, zählte, wie auch Cassirers Student Walther Solmitz, zu den von Warburg und Cassirer geschätztesten jüngeren Forschern. Mit dem Kunsthistoriker Fritz Saxl, dem späteren Direktor nach Warburgs Tod, blieb Cassirer immer in Kontakt, auch nach der Auslagerung der Bibliothek 1933 nach London und nach der Zerstreuung der Hamburger "Arbeitsgemeinschaft". Jahre später im Exil nannte Cassirer seine Forschungen in der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg den "archimedischen Punkt meiner Arbeit" (Cassirer an Fritz Saxl, 11.9.1936).

Von Cassirers erstem Treffen mit Warburg bis zu dessen plötzlichem Tod am 26. Oktober 1929 entwickelte sich zwischen ihnen eine enge Freundschaft. Diese wurde einer starken Probe ausgesetzt, als 1928 Cassirer einen Ruf nach Frankfurt erhielt, wo er die Nachfolge des verstorbenen, selbst neu nach Frankfurt berufenen Max Scheler antreten sollte. Kurator der Universität Frankfurt war nun der alte Berliner Freund Kurt Riezler, der alles versuchte, den geschätzten Cassirer nach Frankfurt zu holen. Gleichzeitig erging ein zweiter Ruf an Cassirer aus Köln, wo Scheler vorher tätig war. Am 20. Juni wurde die erste Mitteilung von Cassirers Frankfurter Berufung bekannt gegeben. Schon am 23. Juni erscheint im "Hamburger Fremdenblatt" (Nr. 173) von Aby Warburgs Feder der Artikel "Warum Hamburg den Philosophen Ernst Cassirer nicht verlieren darf". Warburg ließ einen Sonderdruck davon an 68 ausgesuchte Personen versenden, die, so hoffte er, zusammen mit ihm imstande wären, Cassirer dazu zu bewegen, in Hamburg zu bleiben. Ebenfalls am 23. Juni 1928 erhielt Cassirer eine Anfrage des Hamburger Senats, ob er bereit wäre, im August des Jahres die Festrede im Rathaus zur Verfassungsfeier zu halten, wobei man auch der Hoffnung Ausdruck gab, daß er die Hamburger Universität nicht verlassen werde. Cassirer fuhr vom 30. Juni bis 3. Juli nach Frankfurt, um Verhandlungsgespräche zu führen. Warburg sah in dem möglichen Weggang Cassirers nicht nur den Verlust seiner wissenschaftlichen Beziehungen zu ihm, sondern auch die Gefährdung der Arbeit der kommenden Generationen in Hamburg. Nach seiner Rückkehr aus Frankfurt ging Cassirer direkt zu Warburg, um die Situation zu besprechen. Anschließend schrieb Cassirer seinem Vetter und Jugendfreund, dem in Frankfurt tätigen Neurologen und Gestalttheoretiker Kurt Goldstein, daß er in Hamburg bleiben werde, da er vor allem "die menschlichen und sachlichen Beziehungen" zu Warburg nicht lösen könne (Cassirer an Goldstein, 10.7.1928). Am 24. Juli wird Cassirers Absage an Frankfurt im "Hamburger Fremdenblatt" (Morgenausgabe, Nr. 204a) gemeldet.

Mit Kurt Goldstein arbeitete Cassirer seit den frühen 20er Jahren näher zusammen. Er las Goldsteins und die mit Adhémar Gelb (1887-1936) gemeinsam verfaßten Arbeiten zur Aphasie und besuchte Goldsteins Klinik in Frankfurt am Main, um an der Visitation der Patienten teilzunehmen. Auch in Hamburg hat er bei Prof. Heinrich Embden im Barmbecker Krankenhaus Aphasie-Fälle gesehen. In der klinischen Unterscheidung Goldsteins zwischen dem konkreten Verhalten der Aphasiekranken und dem abstrakten ("kategorialen") Verhalten des gesunden Menschen erblickte Cassirer eine Illustration und Bestätigung seiner Auffassung von der Rolle der verschiedenen symbolischen Funktionen für das Weltverstehen und Handeln des Menschens. Die Resultate sind in das Kapitel über "Die Pathologie des Symbolbewußtseins" im dritten Band der "Philosophie der symbolischen Formen" eingegangen. Nichts könnte besser Cassirers Auffassung über eine Zusammenarbeit der Philosophie mit konkreter Forschung illustrieren.

Cassirers Forschungen zur Pathologie gehen mit seinem Interesse in diesen Jahren für die Biologie Jakob von Uexkülls (1864-1944) zusammen. Uexküll war Professor der Hamburger Universität und Leiter des Instituts für Umweltforschung. In dessen Räumen hörte Cassirer oft Vorträge und nahm an Diskussionen teil. Einmal hörte er einen Vortrag von Uexküll über "Das Duftfeld des Hundes", in dem ausgeführt wurde, wie bei Hunden alles innerhalb ihres Duftfeldes zum Eigentum des Hundes wird. Cassirer eröffnte die Diskussion: "Rousseau hat gesagt, den ersten Menschen, der einen Zaun zog und sagte, das ist mein, hätte man erschlagen müssen. Nach dem Vortrag von Professor von Uexküll wissen wir, daß das nicht genügt hätte. Man hätte den ersten Hund erschlagen müssen." Die Kontakte zu Uexküll gaben Cassirer Anregungen zur Entwicklung seiner eigenen philosophischen Anthropologie. Die Verbundenheit dieser beiden Forscher veranlaßte Uexküll nach Cassirers Weggang von Hamburg 1933 an den höchsten Stellen ein Wort für seine Rückkehr zu einzulegen.

Cassirer stand in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren auf dem Höhepunkt seines akademischen Laufbahn. Er wurde 1927 von King's College an der University of London zu Gastvorträgen eingeladen. Am 17. Dezember 1929 wurde er zum "membre associé étranger" der Pariser "Société française de psychologie" ernannt. Am 28. Mai 1931 wurde er auf der Tagung der Kant-Gesellschaft in Halle Ehrenmitglied. 1932 wird er nach Paris zu Vorträgen an das "Institut d'Études Germaniques" an der Sorbonne eingeladen. Unter den Einladungen zu auswärtigen Vorträgen dieser Jahre ist eine von besonderem philosophie- bzw. zeitgeschichtlichem Interesse. In seiner "Philosophie der symbolischen Formen" entwickelte Cassirer einen eigenen theoretischen Ansatz, der aber in vielen Hinsichten mit der damals aufkommenden Phänomenologie von Edmund Husserl (1859-1938) vergleichbar war. Es erregte deshalb großes Ansehen, als sich Cassirer mit einem neuen Vertreter dieser Richtung, Martin Heidegger (1889-1976), zu einer öffentlichen Disputation bei den 2. Davoser Hochschulkursen, 17. März-6. April 1929 traf. Die Davoser Hochschulkurse wurden begründet, um einen Beitrag zur deutsch-französischen Versöhnung zu leisten, und sie zogen viele bekannte Hochschullehrer und Studenten aus verschiedenen europäischen Ländern an. Als Höhepunkt der Kurse 1929 galt die Disputation zwischen Cassirer und Heidegger. Cassirer hat mit Heidegger schon im Dezember 1923 anläßlich eines Vortrags von Heidegger bei der Hamburgischen Ortsgruppe der Kantgesellschaft gesprochen und sie haben dabei - laut Heidegger - ihre "Übereinstimmung in der Forderung einer existenzialen Analytik" festellen können. Dennoch galten sie als Vertreter verschiedener Generationen, und in der Tat hätten die Kontraste zwischen beiden Menschen kaum größer gewesen sein können. Cassirer war 15 Jahre älter als Heidegger, der gerade auf Grund seiner 1927 erschienenen Abhandlung "Sein und Zeit" Professor in Freiburg/Br geworden war. Cassirer war Jude, aus reichem Haus, Heidegger Katholik, aus bescheidenen Verhältnissen; Cassirer kam aus dem Norden, Heidegger aus dem Süden des Landes. Cassirers Name war durch die vielen bekannten Berliner Cassirers mit der Großstadt assoziert, während Heidegger nicht nur vom Lande kam, sondern das Leben in der Großstadt ablehnte. Die mit Spannung erwartete Auseinandersetzung lief sachlich ab - von der einleitenden Diskussion der Interpretation Kants bis zu den Aussprachen über das Problem der Endlichkeit des Menschen und des Todes. "Anstatt zwei Welten aufeinander prallen zu sehen, genoß man höchstens das Schauspiel, wie ein sehr netter Mensch und ein sehr heftiger Mensch, der sich auch furchtbare Mühe gab, nett zu sein, Monologe redeten. Trotzdem taten alle Zuhörer sehr ergriffen und beglückten sich gegenseitig dazu, dabei gewesen zu sein". So hieß es in einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" (Nr. 617, 10. April 1929). Daß es zu keiner Konfrontation kam, täuschte aber nicht darüber hinweg, daß beide ganz verschiedene Einstellungen hatten und auch verschiedene Wege wiesen. Beobachter fanden einen Symbolcharakter in der Begegnung, wie etwa Kurt Riezler, der in einem Augenzeugenbericht in der "Neuen Zürcher Zeitung" (Nr. 609, 30. März 1929) die Debatte zwischen Cassirer und Heidegger mit Thomas Manns "Zauberberg" assoziierte. Cassirer und Heidegger hatten noch weitere Kontakte, aber mit dem Erscheinen von Heideggers Kantbuch Ende 1929 kam eine Zäsur. Cassirers Rezension in den "Kant-Studien" (36: 1, 1931), obwohl ausgewogen, war nicht mehr konziliant; er verlangte eine restitutio in integram der Kantschen Philosophie, nachdem Heidegger wie mit "Waffengewalt" in das Kantsche System eindrängte. Die Rezension spricht eine für Cassirer ungewöhnliche Sprache, denn Heidegger machte in Cassirers Augen Dinge durch Entstellung strittig: "Kant ist und bleibt - in dem erhabensten und schönsten Sinne dieses Wortes - ein Denker der Aufklärung: er strebt ins Lichte und Helle, auch wo er den tiefsten und verborgensten »Gründen« des Seins nachsinnt. . . . Heideggers Philosophie steht dagegen von Anfang an gleichsam unter einem anderen Stilprinzip." Beide Philosophen wiesen verschiedene Wege: die Orientierung am Geschick oder am Idealen. Ihre Wege trennten sich spätestens am 27. Mai 1933 endgültig, als Heidegger in seiner Freiburger Rektoratsrede in Freiburg "Die Selbstbehauptung der deutschen Universität" pries. Cassirer war dann schon auf Grund des am 7. April verabschiedeten Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums von seinem Hamburger Lehrstuhl entfernt worden, ein Opfer dieser Selbstbehauptung.

Zu den damaligen politschen Spannungen nahm Cassirer eine konsequente Einstellung: als Verteidiger der Republik. Als am 22. Juni 1922 Walter Rathenau ermordet wurde, brach Cassirer seine Vorlesung ab, um als Warnender und Hoffender zu den Studenten zu sprechen. Er gab immer wieder seinem Vertrauen in die deutsche Republik Ausdruck; die Vorbehalte gerade vieler Akademiker gegenüber der Weimarer Republik teilte Cassirer nicht. Er war kein "Vernunftrepublikaner". Er war Anhänger der Republik aus tiefster Überzeugung. In seiner Rede "Die Idee der Republikanischen Verfassung" versuchte er zu zeigen, daß die Republik nicht, wie ihre Gegner meinten, etwas "undeutsches" sei, sondern daß sie ursprünglich in der deutschen Philosophie ihre Begründung und Forderung gefunden hat - vor allem bei Leibniz - ja, daß die "Idee" der republikanischen Verfassung von ihrem Ursprung in Deutschland auf Frankreich und England übergegriffen hatte. Dies war nicht bloße Rhetorik, gemünzt auf die Zeitumstände; diese Argumente sind schon in Cassirers erstem Buch "Leibniz' System" (1902) zu finden. Dort führt er aus, wie bei Leibniz - im Widerspruch zu "absolutistischen Theorien" - ein Staat nur durch die Anerkennung der unveräußerlichen Rechte jedes Individuums Legitimität gewinnt. Cassirers Interesse an philosophischer Anthropologie reflektierte diese Anschauung: der Versuch, die Grenzen der Staatsgewalt aufzuzeigen und die demokratische Staatsform als Garant für die Einhaltung dieser Grenzen zu zeigen, braucht eine Antwort auf die Frage: Was ist der "Mensch", da nur dies eine Theorie vom "Menschenrecht" möglich macht.

Cassirer war Rektor der Universität Hamburg für das akademische Jahr 1929-1930. Neben den repräsentativen und amtlichen Aufgaben sorgte er für die Atmosphäre an der Universität. Als Rektor luden er und seine Frau Studierende und Universitätsangehörige am 24. Januar 1930 zu einem "Geselligen Abend" im "Uhlenhorster Fährhaus" ein, wo es nach einem Essen und einem Konzert mit Werken von Corelli, Debussy, und Schumann am späten Abend eine kabarettistische Darbietung gab - laut Program "außerhalb des redaktionellen Teils und ohne Verantwortung der Redaktion" unter dem Titel "Die fünfte Fakultät: ein sehr kritisches aber idealistisches Spiel mit symbolischen Formen in fünf Bildern". Daß Cassirer sich auf die Schippe nehmen ließ, zeigt neben seinem Sinn für Humor den guten Geist der an der Hamburger Universität herrschte. Als Rektor stand Cassirer aber auch in der politischen Öffentlichkeit. Seine Auftritte im Namen der Universität erhielten zwangsläufig eine politische Bedeutung. Seine Rede als Rektor zur akademischen Feier der Reichsgründung am 18. Januar 1930 wurde vom NSDAP Studentenbund boykottiert. Cassirer hat aber die politischen Zustände nicht bloß hingenommen. Er setzte als Rektor die erste - und einzige - universitäre Feier zum Tag der republikanischen Verfassung durch. In seiner Rede bei dieser Feier, "Wandlungen der Staatsgesinnung und der Staatstheorie in der deutschen Geistesgeschichte" am 22. Juli 1930, unterstrich Cassirer, daß der Staat als Ganzes ein Raum ist, in dem man Gegensätze austragen oder mindestens ertragen kann. Der Grundgedanke von Cassirers "Philosophie der symbolischen Formen" fand in diesem Plädoyer für den Willen zum Ganzen Ausdruck. Cassirer versuchte eine rationale Politik zu unterstützen, etwa in einem Aufsatz "Deutschland und Westeuropa im Spiegel der Geistesgeschichte", den er 1931 veröffentlichte. Er erläuterte dabei den Standpunkt, den er schon in seinem 1917 veröffentlichten Buch "Freiheit und Form" (Untertitel: "Studien zur deutschen Geistesgeschichte") zum Ausgangspunkt gemacht hatte: die Idee der Einheit Europas. Das besondere an diesem frühen Werk für die damalige Zeit war der Versuch, Deutschlands Geistesgeschichte im Zusammenhang mit den der Wechselwirkungen der gesamteuropäischen Erscheinungen "Renaissance" und "Aufklärung" zu zeigen. Jahre später stellte Cassirer fest, daß für die Politiker der Weimarer Republik die Politik allein in praktischer Problemlösung bestand, wobei sie die Tatsache verkannten, daß die antidemokratischen Parteien sich einer ganz anderen Sprache bedienten, deren Themen Feinde, Verschwörungen, Vorsehung und Schicksal hießen. Cassirer, der Philosoph, der das mythische Denken zum zentralen Ausgangspunkt seiner Lehre von den symbolischen Formen machte, hat die Macht dieses Denkens in der Welt der Weimarer Republik erst als es zu spät war beim Namen zu nennen vermocht.

Cassirer zählte zu den ersten Emigranten des "Dritten Reichs". Schon am 12. März 1933 reiste er mit seiner Frau vom Hamburger Dammtorbahnhof Richtung Italien. Er lebte nie wieder in Deutschland. Die Schnelligkeit seines Handelns überraschte Cassirers Freunde und Mitarbeiter. Edgar Wind erkundigte sich verwundert in einem Brief vom 10. April 1933, ob Cassirer sich tatsächlich für das nächste Semester beurlauben lasse. Daß Cassirer diesen schweren Entschluß so früh faßte, zeigt, daß man den Menschen und den Philosophen Cassirer nicht voneinander trennen kann. In einer Rede im Februar 1932 vor der "Juristischen Gesellschaft Hamburg" über das "Wesen und Werden des Naturrechts" verteidigte Cassirer die universalistische Auffassung von Menschenrechten gegen die lebensphilosophischen Denker, die im "Volk" den eigentlichen Bezugspunkt für die Rechtslehre sahen, sowie gegen formalistische Kritiker des Naturrechts, die bloß die Geltung des positiven Rechts anerkannten. Es war ein kurzer Schritt von dieser theoretischen Frage zur Politik. Cassirers Antwort auf die Frage, welcher der beste Staat sei, war: der Staat mit einer republikanischen Verfassung, denn dieser könne am besten die schwerste Aufgabe des modernen Staates erfüllen: Hüter der Menschenrechte zu sein. Als Cassirer in den ersten Tagen des "Dritten Reichs" zum ersten Mal die Parole hörte, "Recht ist, was dem Führer dient", sagte er: "Wenn morgen nicht alle Rechtsgelehrten Deutschlands sich wie ein Mann erheben und gegen diesen Paragraphen protestieren, ist Deutschland verloren." Cassirers engster Studienfreund in Marburg, Dimitry Gawronsky (1883-1949) und Cassirers Witwe Toni Cassirer erwähnen beide diesen Ausspruch Cassirers in ihren Schilderungen von Cassirers Leben, weil er zeigt, mit welch ungewöhnlicher Weitsicht Cassirer damals schon wußte, daß er in Deutschland keine Zukunft mehr hatte.

Cassirer und seine Frau verbrachten den Sommer 1933 hauptsächlich in Wien. Dort erhielt er vom 28. Juli datierten Brief der Hochschulbehörde, der ihn über seine Versetzung in den Ruhestand auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums informierte. Cassirer nahm das Angebot vom All Soul's College in Oxford für drei terms vom 1. Oktober 1933 bis zum Juli 1935 in Oxford als Chichele Lecturer zu lehren an.

In Oxford besuchten auch Dozenten seine Lehrveranstaltungen, darunter Alfred Jules Ayer und Isaiah Berlin. Auch der damals in Oxford studierende, amerikanische Philosoph Wilfred Sellers hörte Cassirers Vorlesungen. Für den Verfasser der "Philosophie der symbolischen Formen" war es selbstverständlich, daß jemand sich gleichzeitig als Europäer und als Bürger eines bestimmten Landes empfand. Aber Cassirer, der bisher bei seinen Vorlesungen stets frei sprach, mußte nun jedes Wort aufschreiben und von anderen korrigieren lassen. Schon im August 1933 machte er sich Sorgen über die sprachlichen Probleme, die in Oxford auf ihn zukommen würden. Er erkundigte sich aus Wien bei Gertrud Bing (Cassirer an Bing 23. August 1933), ob eine Zusammenarbeit mit Edgar Wind - der in den zwanziger Jahren zwei Jahren Philosophie in North Carolina unterrichtet hatte - möglich wäre. Inzwischen war man in Hamburg schon dabei, die KBW nach England zu schaffen und damit auch Bing, Saxl und Wind. In Oxford war ein amerikanischer Rhodes scholar, James Pettegrove, bereit, Cassirer bei seinen Englischen Texten zu helfen. Pettegrove übersetzte in Oxford auch Cassirers Arbeit über die englische Philosophie der Shakespeare-Zeit - "Die Platonische Renaissance in England und die Schule von Cambridge" (1932). Cassirer wollte, daß gerade diese Arbeit auch in einer englischen Ausgabe erhältlich sein solle.

Durch den Aufstieg des Nationalsozialismus wurde Cassirers Leben in Bahnen gelenkt, die er sonst wohl kaum betreten hätte, denn anstatt im "Exil" einfach zu überwintern, wie es manche Emigranten taten, nahm Cassirer am Leben in den Ländern, in denen er weilte, teil - so gut er dies konnte. In England lernte er Englisch und ging bald dazu über, in Englisch zu unterrichten, in Schweden lernte er Schwedisch, das er auch sprechen und schreiben konnte. Er beschäftigte sich mit der Kulturgeschichte der Länder, in denen er Aufnahme fand und schuf Beiträge von bleibendem Wert, in England eine Shaftesbury-Studie, in Schweden Werke über Thorild und Axel Hägerström. Auch als er schließlich in Amerika dazu überging, alle seine Arbeiten in englischer Sprache zu schreiben, schlug Cassirer diesen Weg nicht ein, weil er ihm leicht fiel. Auch nachdem er Sicherheit im Umgang mit der fremden Sprache gewonnen hatte, konnte sie ihm seine eigene nicht ersetzen. Wie Raymond Klibansky bezeugte, hat Cassirer in Oxford am Verlust der Muttersprache sehr schwer gelitten. Wie jeder Leser bald merken muß, war Cassirers Sprache mit Goetheschen Formen durchdrungen. Es konnte für ihn, der sein Leben lang ernst und spielerisch mit Goethes Sprachschatz auch in der täglichen Unterhaltung umging, nicht leicht gewesen sein, ein neues Selbstverständnis zu finden.

Ein anderer Grundpfeiler in Cassirers Leben war Hermann Cohen. Schon früh hat Cassirer seine Eigenständigkeit als Denker gezeigt, aber es gab eine tiefere Tendenz in Cohens Denken, die Cassirer seitlebens beeinflußte: das Bestreben, Zukunftssinn und Ziel der Kultur philosophisch zu zeigen. Gerade das späte religionsphilosophische Werk Cohens ("Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" 1919), das die Besonderheit der Religion mit ihrer Universalität zu verbinden versuchte, hob Cassirer immer wieder hervor. In der Religion, wie in der Kultur überhaupt, geht es zunächst immer um bestimmte Gemeinschaften, aber die Aufgabe bleibt überall die gleiche: die Erziehung des Menschengeschlechts. Dies betonte Cassirer in einer seiner letzten Reden in Deutschland, die er noch am 22.1.1933 in der Synagoge in Berlin hielt. Cassirer sprach über "Hermann Cohens Philosophie der Religion und ihr Verhältnis zum Judentum". In seinem Vortrag unterstrich Cassirer, daß im mythischen Denken die Gemeinde immer nur der Stamm ist, aber für einen wahrhaften Monothesimus gibt es hier eine grundsätzliche Änderung. Wie Cassirer sagte: "Hier schwindet jeder Schein des 'Partikularismus'; jede Einengung der Gottesidee auf einen bloßen Stammes- oder Nationalgott". Religion wird dabei vom mythischen Denken unterschieden: "Denn mit der Menschheit als solcher, mit ihrer universalen Idee, hat der Mythos nichts gemein."

Im Jahr 1934 verbrachten die Cassirers den Sommer wie oft zuvor in Österreich, wo sie bei den Verwandten seiner Frau in Wien wohnten. In diesem Jahr besuchten die Cassirers auch Kirchberg am Wechsel, wo Ernst Cassirer seinen 60. Geburtstag verbrachte. Cassirer wurde mit zwei von Raymond Klibansky besorgten Festschriften gratuliert, eine mit Beiträgen von Schülern und eine, die erst zwei Jahre später bei Oxford University Press erschien: "Philosophy and History", die Klibansky mit dem Kant-Forscher H. J. Paton zusammen herausgab. Daß viele bekannte Beitragsverfasser aus aller Welt bereit waren dazu beizutragen - Huizinga, Brunschvicg, Gilson, Gentile, Stebbing, Bréhier, Lévy-Bruhl, Panofsky, Ortega y Gasset, um nur einige zu nennen -, war ein Zeichen von Cassirers interdisziplinärer Wirkung und internationaler Anerkennung. Daß nur zwei - neben einem Beitrag aus dem Nachlaß des verstorbenen Gundolf - der 21 Beiträge aus Deutschland stammten (von Ernst Hoffmann, Heidelberg, und Theodor Litt, Leipzig), zeigte, wie schnell Cassirers Person und Denken von Vertretern der deutschen Philosophie verschwiegen wurde und sein Name aus der Öffentlichkeit verschwand.

Im September fuhren die Cassirers von Österreich aus auf eine langgeplante Vortragsreise nach Schweden, wo Cassirer in Stockholm und Uppsala sprach. Auf dieser Reise traf er in Göteborg mit einem seiner ehemaligen Berliner Hörer, Malte Jacobsson, zusammen. Dieser schlug Cassirer vor, eine Professur an der Hochschule in Göteborg zu übernehmen. Als Cassirer in der zweiten Oktoberhälfte wieder in Oxford eintraf, waren die Pläne für die Übersiedlung nach Schweden schon weit gediehen.

Cassirer war vom 1.10.1935 bis 1.9.1940 Professor an Göteborgs Högskolan. Seine Göteborger Antrittsvorlesung zum Thema "Der Begriff der Philosophie als Problem der Philosophie" befaßte sich mit den Menschenrechten als "allgemein-verbindliche, überindividuelle, überstaatliche, übernationale ethische Forderungen". Hiernach ist es ein Verbrechen, einem Menschen das abzusprechen, was ihm als Mensch unveräußerlich gehört - sein Leben und seine Verantwortung für sich selbst. Neben einer neuen Beschäftigung mit der Ethik verfaßte Cassirer in Schweden seine wichtige Arbeit über Quantenphysik: "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" (1937) und seine Hauptarbeit zur Wissenschaftstheorie der Geisteswissenschaft, "Zur Logik der Kulturwissenschaften" (1942).

Cassirer war kaum in Schweden angesiedelt, als er eine Auszeichnung aus Groß-Britannien erhielt. Im Juni 1936 machten die Cassirers eine Reise nach Schottland, wo er am 17. des Monats den Ehrendoktor der juristischen Fakultät von der University of Glasgow (LL.D. Doctor of Laws) entgegennahm.

Während die heutige Göteborger Universität 15.000 Studenten hat, gab es zu Cassirers Zeiten bei der 1891 als Göteborgs Högskolan gegründeten Hochschule insgesamt nur 380. Cassirer hatte meistens maximal 4 oder 5 Teilnehmer in seinen Lehrveranstaltungen. Mehr kamen zu den Privitissima, die er in seiner Wohnung in der Föreningsgatan 11 in Göteborg hielt, an denen, neben Studenten, auch Lehrer und andere Stadtbewohner teilnahmen. Während dieser Zeit hielt Cassirer auch manchmal "öffentliche Vorlesungen" für das allgemeine Publikum, im Sommer 1936 über "Die Idee der inneren Form in Goethes Dichtung und Naturanschauung" oder im Winter 1938/39 über "Königin Christina und Descartes". Nach seiner Emeritierung zum 1. September 1940 hielt er diese Praxis bei und erfüllte dabei einen Lebenswunsch: eine umfassende Vorlesung zu Goethes Gesamtwerk zu halten. Die Göteborger Vorlesung befaßte sich mit dem jungen Goethe; die Thematik hat Cassirer dann durch eine weitere Vorlesung über "Goethes geistige Leistung", die er März 1941 in Lund hielt, ausgeweitet. Die Texte dieser Vorlesungen wurden zu Cassirers eingehendster Goethe-Arbeit und waren die letzten größeren Arbeiten, die er in deutscher Sprache verfaßte.

Cassirers Wirkungsfeld in Schweden war nicht nur Göteborg; er hielt in den späten 30er Jahren auch wiederholt Vorträge in Lund, Uppsala und Stockholm. Er stand mit praktisch allen schwedischen Philosophen in Kontakt, insbesondere mit Åke Petzäll (1901-1957), dem Gründer und langjährigen Herausgeber der schwedischen Zeitschrift "Theoria". Bis Petzäll 1939 nach Lund ging, war er Cassirers Kollege in Göteborg. Mit Petzäll diskutierte Cassirer die Philosophie des Wiener Kreises, dessen Ansichten damals in Schweden Petzäll und andere Philosophen in Skandinavien verbreiteten. Cassirer las auch die Werke des Finnischen Philosophen Eino Kaila (1890-1958), der dem Wiener Kreis nahestand und dessen frühe Werke Cassirer schon als ein (positiver) Gutachter bei Kailas Berufung 1929 nach Helsinki kannte. Das Programm des Wiener Kreises - der konsequente Versuch, Philosophie ohne jede Metaphysik zu entwickeln - war die Denkrichtung, mit der sich Cassirer hauptsächlich in den Schwedischen Jahren auseinandersetzte. Der Geist des Wiener Kreises verband sich leicht mit dem der durch Axel Hägertröm gegründeten neuen Uppsala-Schule, dessen Lehren, gerade zur Ethik, die des Wiener Kreises vorwegenahmen. Aber während Cassirer die Klarheit und Gründlichkeit des Wiener Kreises begrüßte, bedeutete ihr Beharren auf der Wissenschaftlichkeit von naturwissenschaftlichen Aussagen allein (Physikalismus) eine dogmatische Einengung und Abblendung von vielen Teilen der Wirklichkeit. Auch ihr Sinnkriterium, wonach alle nicht physikalischen Sätze "sinnlos" waren, betrachtete Cassirer als Selbstwiderspruch, da damit dieser und jeder andere philosophische Satz sinnlos war. Cassirers Arbeiten aus dieser Zeit bleiben zum großen Teil unpubliziert, dennoch waren deshalb die Jahre in Schweden kein schwarzer Fleck in seiner intellektuellen Entwicklung, sondern in vieler Hinsicht der eigentliche Höhepunkt, als er seine eigene philosophische Position erstmals gründlich zu klären und auszubauen versuchte.

Als Cassirer am 2. Juni 1939 die schwedische Staatsangehörigkeit erhielt, gab er die deutsche Staatsangehörigkeit auf und verzichtete auf Pensionsansprüche. Nach schwedischem Recht hatte Cassirer die Altersgrenze für Hochschullehrer erreicht und er nahm im Oktober 1940 von den Dozenten und Studenten in Göteborg und somit vom Beruf des Lehrers Abschied. Er hielt danach noch die schon erwähnten öffentlichen Vorlesungen, und es fehlte ihm nicht an Anerkennung: er wurde zum Mitglied in der königlichen Akademie in Stockholm, wo er am 4. Februar 1941 seine Antrittsrede vor der Kungl. Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien hielt. Aber vom Beruf des Lehrers konnte er sich doch nicht so leicht trennen. Es war ihm deshalb trotz seiner tiefen Liebe zu seinem neuen Heimatland willkommen, als er Anfang 1941 die Einladung von Yale University in den USA erhielt, eine für zwei Jahre (1941-1943) angesetzte Gastprofessur zu übernehmen. Am 20.5.1941 verließen Cassirer und seine Frau Schweden in der Absicht, nach diesen zwei Jahren zurückzukehren. Ihr jüngerer Sohn Georg überlebte den Krieg mit seiner Familie in Göteborg, wo er als Fotograf wirkte; der ältere Sohn Heinrich konnte mit seiner Familie nach Großbritanien emigrieren, wo er Philosophie an der University of Edinburgh in Schottland lehrte. Cassirers Tochter Anne lebte mit ihrem Mann, dem Pianisten Kurt Appelbaum, in New York und konnte von dort aus ihren Eltern bei ihrer Übersiedlung helfen.

Die Schiffsfahrt mit dem Dampfer "Remarren" nach New York beschrieb Toni Cassirer in ihren Lebenserinnerungen als spannende Erzählung. Die ganze Reise hindurch konnte Cassirer mit dem großen Linguisten Roman Jacobson über Sprachphilsophie diskutieren; dieser schrieb auf der Reise eine Abhandlung, "Notes on Gilyak". Dennoch stand das Schiff unter ständiger Bedrohung, Opfer des U-Bootkrieges zu werden, und bei der Ausfahrt von Schweden wurde es von den Deutschen angehalten. Die Cassirers bangten um das Schicksal des damals staatenlosen Jacobson. Um nicht lebend in die Hände der Nazis zu fallen, führten die Cassirers Gift mit sich, doch sie erreichten New York unversehrt.

Viele von Cassirers früheren Freunden und Bekannten waren 1941 schon in den USA: der Kunsthistoriker Erwin Panofsky war, wie auch Einstein, in Princeton, Edgar Wind war Professor in Chicago, Cassirers Schüler Walter Solmitz war research assistant bei Harvard. Der Gestaltpsychologe Max Wertheimer war bei der New School of Social Research. Bei Columbia University in New York lehrten der Altphilologe und ehemalige Kollege aus Hamburg Ernst Kapp, der Renaissance-Forscher Paul Oskar Kristeller, sowie auch Kurt Riezler und Paul Tillich aus Frankurt. Es belebte Cassirer, so viele alte Kollegen wiederzutreffen.

Das Wiedersehen war aber überschattet von Berichten über die Verfolgungen der Juden. Cassirer litt darunter doppelt: als Deutscher und als Jude. Henry Pachter berichtet, wie Cassirer 1944 Hitler als einen "Irrtum der Geschichte" bezeichnete, jemand, der der deutschen Geschichte gar nicht angehört. Toni Cassirer schrieb in einem Brief an einen jungen Hamburger Gelehrten im Jahre 1949: "Ich möchte zur Erklärung immer wieder wiederholen, daß mein Mann niemals sein Schicksal in den Vordergrund gestellt hat", aber, "daß er unsagbar gelitten hat unter der Vorstellung, was die Nationalsozialistische Bewegung aus Deutschland gemacht hat" (Toni Cassirer an Dr. Hans-Joachim Lang, 20.8.49). In seinem Aufsatz "Judaism and the Modern Political Myths" von 1944 stellte Cassirer fest: Antisemitismus könnte allein nicht zu dem führen, was im "Dritten Reich" geschah. Die Verteufelung ging weiter als dieser. Wie in der urtümlichsten mythischen Denkweise zählten bestimmte Personen nicht mehr zur Menschheit. Daß die Juden hier zur Zielscheibe wurden, war aber kein Zufall, denn "das Judentum machte den ersten Schritt von einer mythologischen zu einer ethischen Religion". Cassirer endet diesen Aufsatz mit persönlichen Worten: "Kein Jude überhaupt kann oder wird jemals die schrecklichen Qualen der letzten Jahre überwinden. Die Opfer dieser Schreckenszeit können nicht vergessen werden; die Wunden, die wir haben, sind unheilbar. Dennoch gibt es eine Erleichterung. Wir können sicher sein, daß alle diese Opfer nicht umsonst waren. Was der moderne Jude in diesem Kampf zu verteidigen hatte, war nicht nur seine physische Existenz oder die Erhaltung der Juden überhaupt. Es ging um viel mehr. Wir hatten all diejenigen ethischen Ideale zu repräsentieren, die durch das Judentum hervorgebracht wurden und ihren Eingang gefunden haben in die allgemeine menschliche Kultur und das Leben aller zivilisierten Nationen."

Schon 1941 faßte Cassirer den Plan zu einem Buch, das er zunächst "The Origin and Growth of the Myth of the State" nannte. Es sollte historisch und systematisch den Prozess der Mythisierung der Politik untersuchen, der mit der Romantik und Hegel begann und seinen Höhepunkt beim Nationalsozialismus erreichte. Jahre später war es kein geringerer als Albert Speer, der in Spandau Cassirers 1946 erschienenes "Myth of the State" las und zum Fazit kam, Cassirer habe darin das Einmalige und Neue im "Dritten Reich" identifiziert: das Auslöschen selbstverantwortlicher Persönlichkeit in der totalen Hingabe. Solche Menschen wurden eben nicht mit Gewalt, sondern vor allem mittels ihrer innersten Gefühle - Ängsten und Haß - gelenkt. Diese Lenkung war aber nicht nur urtümlich, sondern wurde durch die Erfindung einer neuen Technik möglich: die Technik des Mythos, die mit Hilfe moderner Verwaltung und Kommunikationstechniken mythische Denkformen zu den modernsten Waffen hinzusetzte.

Zu der glücklichsten Seite seiner Jahre in Yale zählte Cassirer die dortige Einrichtung der "joint seminars" - gemeinsame, oft ganzjährige Seminare, die mit mehreren Hochschullehrern, manchmal verschiedener Fachrichtungen abgehalten wurden. Cassirer nahm jedes Jahr an einem solchen Seminar teil: 1941-1942 über die Philosophie der Geschichte (mit Charles Hendel und dem in Berlin gebürtigen Historiker Hajo Holborn); 1942-43 zur Philosophie der Naturwissenschaft (mit Charles Hendel, dem Physiker Henry Margenau und F. S. C. Northrop); 1943-1944 zur Erkenntnistheorie (mit Charles Hendel, F. S. C. Northrop, Frederic B. Fitch, Charles L. Stevenson und Monroe Beardsley). Wieder entwickelte Cassirer eine rege Vortragstätigkeit und kam den Einladungen nach, an verschiedenen Universitäten Gastvorträge zu halten: bei Bryn Mawr College über Sprache und Kunst, bei Cornell University und Brown University über Galileo, bei Connecticut College über Philosophie und Politik, bei Princeton University über Politik und Mythos und im Dezember 1941, 28 Jahre nach seiner ersten Einladung dorthin, über Sprache und wissenschaftliches Denken bei Harvard University.

Cassirer war in Yale bei den Kollegen und Studenten so beliebt, daß der Geschäftsführer, Charles Hendel, es durchsetzen konnte, die zweijährige Stelle auf Umwegen für ein weiteres Jahr zu finanzieren, aber der Versuch, sie auf ein viertes Jahr zu verlängern, gelang ihm nicht. Keine Geldquelle ließ sich finden, und Cassirers Alter wegen - 1944 war er 70 Jahre alt geworden - konnte man ihm seitens der Universität keine Stelle einrichten.

Die New Yorker Columbia University, bot Cassirer eine einjährige Stelle als Visiting Professor of Philosophy für das akademische Jahr 1944-1945 an. Mit alten und neuen Kollegen begann er dort das Projekt eines Buches mit kommentierten Übersetzungen von Texten der Renaissancephilosophie. Cassirer hat die Zusammenstellung der Texte für dieses Buch - "The Renaissance Philosophy of Man" - mit den anderen Herausgebern, Paul Oskar Kristeller und John Hermann Randall, Jr. (1899-1980), besprochen, aber die Einleitung, die er dafür zu liefern beabsichtigte, konnte er nicht mehr verfassen. Cassirer stand vor dem Problem, daß er nach Ablauf des Jahres wieder Ungewißheit auf ihn zukam, als sein alter Freund, der Wissenschaftstheoretiker und Logiker Hans Reichenbach (1891-1953) es durchsetzte, daß er an der University of California in Los Angeles eine "Flint Professorship" im Wintersemester 1945 übernehmen konnte. Es sah aus, als würde Cassirer von der östlichen Hauptstadt der deutschen Kriegsimmigranten zu der westlichen übersiedeln. Cassirer war bereit zu kommen und schlug Reichenbach schon vor, mit ihm ein gemeinsames Seminar abzuhalten. Aber es kam nicht so.

Den Morgen des 13. April 1945 verbrachte Cassirer am Schreibtisch, wo er die Einleitung für eine Rede über mathematische Gruppentheorie schrieb. Er gab dann die letzte Lehrveranstaltung des Semesters und nachdem er mit Kollegen zu Mittag gegessen hatte, spielte er am Nachmittag im Columbia University Faculty Club Schach. Da er sich aber verspätete, wollte er ein Taxi nach Hause nehmen. Als er an der Ecke 116th Street und Morningside Avenue anlangte, um auf ein Taxi zu warten, ging der Philosophiestudent Arthur Pap auf ihn zu, um mit ihm zu reden. Cassirer sank aber in dessen Armen an plötzlichem Herzversagen tot zusammen. Unter den Teilnehmern bei Cassirers letztem Kant-Seminar war Arthur Hertzberg, ein junger Rabbiner, der später ein bekannter Vertreter der Judaistik wurde. Er organisierte die Trauerfeier für Cassirer. Cassirers Grab befindet sich in der Nähe von New York, in Westwood, New Jersey, in dem Cedar Park Beth-El Cemeteries, in den Gräbern der "Congregation Habonim".

Als Cassirer im Juni 1944, nicht lange vor seinem 70. Geburtstag, Abschied von den Lehrern und Studenten der Yale University nahm, ergriff er die Gelegenheit, einige autobiographische Reflexionen zu machen. Er bezeichnete sein langes akademisches Leben als eine "Odyssee". Aber in seinen Bemerkungen nannte er diese "Odyssee" auch eine "sentimental journey" und fügte hinzu, daß er überall das Glück hatte, neue Freunde zu finden, Kollegen, die bereit waren, ihm in seiner Arbeit zu helfen und Studenten, die sich für seine Gedanken interessierten. Hierzu bemerkte sein damaliger Kollege bei Yale, Charles W. Hendel, daß Cassirer nicht "Glück" hatte, sondern die Fähigkeit besaß, auf Menschen einzugehen und das Beste aus ihnen hervorzubringen. Es war ein hohes Lob. Cassirers Biographie zeigt, daß er in seinem Denken und Tun tatsächlich ein Humanist im schönsten Sinne des Wortes war.

Wirkung und Rezeption

Nach Cassirers Tod 1945 wurde er zwar als Historiker der Philosophie gelesen, aber seine systematische Philosophie der "symbolischen Formen" fand bis in die 80er Jahre gerade in Deutschland nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Abgesehen von Dissertationen fehlen im deutschen Sprachraum wissenschaftliche Monographien zur Philosophie Cassirers. Auf Grund seiner Biographie blieb aber Cassirers Philosophie in den USA präsent, obwohl seine betont historische Denkweise mit der dort herrschenden analytischen Philosophie nicht konform ging. Einen systematischen Zusammenhang der Cassirerischen Philosophie mit der Tradition der symboltheoretischen Philosophie in Amerika - repräsentiert durch Charles Peirce - erkannte schon früh der amerikanische Philosoph Charles Morris. Die einflußreiche symboltheoretische Ästhetik von Susanne Langer knüpfte an Cassirers Theorie des Symbols an. In den letzten Jahren hat ebenfalls der Harvard Philosoph Nelson Goodman Cassirers Philosophie in seine Arbeiten einbezogen und dadurch Aufmerksamkeit erneut auf ihn gelenkt. Cassirers Buch "An Essay on Man" (in deutsch: "Versuch über den Menschen") fand und findet in den USA viele Leser, auch unter dem allgemeinen Lesepublikum.

Zahlreiche Einzelschriften Cassirers - zur Mythosforschung und Literaturwissenschaft, Wissenschaftstheorie und Sprachtheorie - gehören international zum festen Bestand dieser Disziplinen. Cassirers Hauptwerke wurden nach seinem Tod in viele Sprachen übersetzt. In Frankreich wird zur Zeit eine große Ausgabe seiner Schriften in französischer Übersetzung vorbereitet. Die meisten europäischen Beiträge zur Philosophie Cassirers sind bisher in Italien entstanden. Dort fanden auch Entwicklungen statt, die dem symboltheoretischer Ansatz Cassirers nahestehen, vor allem die symboltheoretischen Kulturphilosophie Umberto Ecos. Europäische Tagungen in den letzten Jahren zu Cassirers Philosophie in Zürich, Paris, Heidelberg und Weimar zeugen von einem neuen Interesse an Cassirer. Cassirers Abhandlungen erscheinen in neuen Ausgaben, und Zeitschriften bringen immer häufiger Beiträge zu seiner Philosophie. Eine Internationale Ernst Cassirer Gesellschaft mit Sitz in Heidelberg ist 1993 gegründet worden. Wissenschaftler in Deutschland, Frankreich und Italien bereiten in Zusammenarbeit mit ihr eine Ausgabe von Cassirers Briefwechsel vor. Eine auf zwanzig Bände geplante Ausgabe von Cassirers nachgelassenen deutsch- und englisch-sprachigen Arbeiten wird an der Humboldt-Universität zu Berlin vorbereitet. Fünfzig Jahre nach seinem Tod scheint sich eine Cassirer-Renaissance anzubahnen.

Quellen und Literatur

Mit besonderem Dank für Hinweise an Frau Anne Appelbaum, New York; Docent Dr. Peter Cassirer, Göteborg; Prof. Dr. Joist Grolle, Hamburg; Prof. Dr. Raymond Klibansky, Oxford; Dr. Klaus Christian Köhnke, Berlin; Herrn Eckart Krause, Hamburg; Dr. Jürgen Schebera, Berlin; Norbert Seidel, Berlin.

Quellen von Archivmaterial.

Berlin. Humboldt-Universität zu Berlin. Habilitationsakten der Universität.

Cambridge, Massachusetts. Harvard University Archives.

Frankfurt am Main, Stadtarchiv. Brief des Ministerialrats Prof. Dr. Windelband an Cassirer. 9.7.1928.

Göteborg. Landsarkivet.

Hamburg. Hamburger Staatsarchiv. Personalakte Ernst Cassirer.

London. Archives of the Warburg Insititute.

New Haven, Connecticut. Yale University Archives.

New York. Columbia University Archives.

Literatur zur Biographie Cassirers.

Bixler, Julius Seelye: German Recollections. Some of my Best Friends were Philosophers. Waterville, Maine 1985.

Brühl, Georg: Die Cassirers. Streiter für den Impressionismus. Leipzig 1991.

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Cassirer, Eva: "La vie d'Ernst Cassirer, remarques et temoignage." In: Seidengart, Jean (Hg.): Ernst Cassirer, de Marbourg á New York. L'itinéraire philosophique, Actes du colloque de Nanterre 12-14 octobre 1988 édités sous la direction de Jean Seidengart. Paris 1990.

Cassirer, Toni: Mein Leben mit Ernst Cassirer: Erinnerungen von Toni Cassirer. Hildesheim 1981.

-- Brief vom 20.8.49 an Dr. Hans-Joachim Lang, Hamburg, abgedruckt in: Hamburger Akademische Rundschau (Nachdruck). Begleitband, hg. von Angela Bottin: Berichte, Dokumentationen, Register (Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte, Bd. 10, Teil 4). Berlin/Hamburg 1991. S. 127.

Cohn, Jonas: "Ernst Cassirer" in: Die Zeitung (London), Ausg. vom 1.6.1945. S. 2.

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Hendel, Charles W.: Ernst Cassirer, Man and Teacher. In: Philosophy and Phenomenological Research 6 (September 1945). S. 156-159.

Hertzberg, Athur: "A Reminiscence of Ernst Cassirer". Leo Baeck Institute Yearbook 15 (1970). S. 245-246.

Krause, Eckart, Ludwig Huber und Holger Fischer (Hg.): Hochschulalltag im »Dritten Reich«. Die Hamburger Universität 1933-1945. 3 Bände. Berlin/Hamburg 1991.

Naber, Claudia: "Der Hamburger Kreis um Ernst Cassirer und Aby Warburg." In: Die Juden in Hamburg 1590 bis 1990, Wissenschaftliche Beiträge der Univeristät Hamburg zur Ausstellung "Vierhundert Jahre Juden in Hamburg," Hrsg. von Arno Herzig in Zusammenarbeit mit Saskia Rohde. Hamburg 1991. S. 393-406.

Pachter, Henry: Weimar Studies. New York 1982.

Riezler, Kurt: Tagebücher, Aufsätze, Dokumente. Eingeleitet und hrsg. von Karl Dietrich Erdmann. Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 48. Göttingen 1972.

Saxl, Fritz: "Ernst Cassirer." In: Schilpp, ed., The Philosophy of Ernst Cassirer. New York 1949. S. 47-51.

Speer, Albert: Erinnerungen. Berlin 1982.

Stockhausen, Tilman von: Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg. Architektur, Einrichtung und Organisation. Hamburg 1992.

Tau, Max: Das Land das ich verlassen mußte. Hamburg 1961.

Uexküll Gudrun von: Jakob von Uexküll. Seine Welt und Umwelt. Hamburg 1964.

Literatur zum Werk Cassirers.

Eggers, Walter and Sigrid Mayer: Ernst Cassirer: An Annotated Bibliography. New York/London 1988.

Cassirer, Ernst: "Hermann Cohens Philosophie der Religion und ihr Verhältnis zum Judentum". In: Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Amtliches Organ des Gemeindevorstandes, Nr. 4, April 1933, S. 91-94. (Rede in Berlin vom 22.1.33).

-- "Wandlungen der Staatsgesinnung und der Staatstheorie in der deutschen Geistesgeschichte". Rede bei der universitäre Feier zum Tag der republikanischen Verfassung, am 22. Juli 1930. Abgedruckt in dem Ausstellugskatalog "ENGE ZEIT. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität" von Angela Bottin unter Mitarbeit von Rainer Nicolaysen. Hamburg 1991. S. 161-169.