Jahrgang 9, Nummer 1 Mai 1996

PCs

Wenn das Mäuseklavier on board erklingt

Erweiterungskarten in PCs

Den folgenden Beitrag zitieren wir aus dem Buch "PCs aufrüsten" von Anatol Gardner. Das Buch ist unter der Nummer 50170 im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen (Redaktionelle Verantwortung: Verlag C. H. Beck, München), Preis DM 19,90. Das Buch gibt in gut verständlicher Form einen Überblick über die Bauteile eines PCs und enthält Anleitungen über Einbau und Austausch von PC-Komponenten.
Wir danken dem Verlag C. H. Beck für die Abdruckgenehmigung.

1. Die Steckplätze (Slots) für Erweiterungskarten

Damit Erweiterungskarten in das PC-System integriert werden können, müssen sie an das Bussystem der Hauptplatine angeschlossen sein. Die Steckplätze der Hauptplatine - und somit auch die Erweiterungskarten - sind eng mit dem gesamten Bussystem des PCs verbunden. Die Anzahl der Busleitungen schwankt je nach Bussystem zwischen 8 und 32. Je mehr Leitungen dem Bussystem zur Verfügung stehen, desto schneller kann der Datenaustausch zwischen den verschiedenen PC-Komponenten erfolgen. Beim heutigen Stand der Technik sind im PC-Bereich Bussysteme mit 32 Leitungen (32 Bit) üblich. In einem modernen PC sollten daher in jedem Fall Steckplätze für ein 32-Bit-Bus-System zur Verfügung stehen. Derzeit (Stand Anfang 95) gelten der VESA-Local-Bus sowie der PCI-Bus als leistungsfähige 32-Bit-Bus-Systeme.

Sie finden im hinteren Teil der Hauptplatine ein Feld von mehreren größeren Steckerleisten. In diese Steckerleisten (englisch: Slot) können je nach Bedarf beliebige Erweiterungskarten für die verschiedensten Aufgaben gesteckt werden.

Jeder gleichartige Steckplatz ist gleichermaßen zur Aufnahme einer beliebigen Erweiterungskarte passenden Formats geeignet. Es gibt einen bestimmten, festgelegten Steckplatz für eine Grafikkarte, einen weiteren bestimmten Steckplatz für den Controller etc. Sie können eine bereits eingebaute Erweiterungskarte ohne Schwierigkeiten jederzeit in jeden anderen Slot des gleichen Bussystems umstecken. Im PC-Bereich stehen jederzeit im wesentlichen 3 verschiedene Bussysteme zur Verfügung:

  • Der 16-Bit-ISA-Bus
  • Der VESA-Local-Bus
  • Der PCI-Bus
Heutige PC-Hauptplatinen sind meist mit Steckplätzen für mehrere Bussysteme ausgestattet. Einheitliche Richtlinien existieren hier nicht. Auf den meisten Hauptplatinen finden Sie mehrere Steckplatzgruppen unterschiedlicher Konstruktion:
  • Bei PCs vom Typ AT 286 finden Sie ein Feld von meist schwarzen, annähernd in der Mitte unterteilten Stecksockeln. In diesen Stecksockeln können 16-Bit-ISA-Erweiterungskarten untergebracht werden. Sehr häufig befindet sich zudem in der Nähe des Netzteils ein Slot, das wesentlich kürzer ist als die übrigen Kontaktleisten. Hier kann eine 8-Bit-ISA-Erweiterungskarte untergebracht werden.
  • Bei 386-DX- oder 486-Rechnern finden Sie meist - wie bei AT-286-PCs - ebenfalls ein Feld von Stecksockeln nach der oben beschriebenen 16-Bit-ISA-Norm. Zusätzlich sind bei vielen 486-Boards 2 bis 3 dieser 16-Bit-ISA-Stecksockel durch eine weitere, andersartig konstruierte, meist braune Steckerleiste erweitert. Diese Steckerleisten entsprechen dem VESA-Local-Busstandard.
  • Neuere Pentium-Rechner sind vorwiegend mit (meist weißen) Steckerleisten für den PCI-Bus ausgestattet. Zusätzlich finden Sie auf nahezu allen Pentium-Hauptplatinen eine Steckplatzgruppe zur Aufnahme von 16-Bit-ISA-Karten. Einige Pentium-Hauptplatinen sind darüber hinaus noch mit 2 bis 3 VESA-Local-Bus-Steckplätzen ausgestattet.

1.1 Erweiterungskarten

Die minimale Grundausstattung eines funktionsfähigen PCs besteht aus einer Grafikkarte für die Bildschirmsteuerung, einer Controllerkarte für die Disketten- und Festplattenlaufwerke sowie einer Schnittstellenkarte zum Anschluß von externen Geräten wie Drucker, Maus, Modem etc.

Darüber hinaus werden auf dem PC-Markt Erweiterungskarten für nahezu jeden technisch realisierbaren Bereich angeboten. Um nur einige wenige Beispiele aufzuführen: Sound, Video, Modem, PCM-CIA, Funkuhr, PC-Erweiterungen wie Scanner, CD-ROM-Laufwerke, Maschinensteuerung, Messtechnik, Transputer, Neuronale Netze etc.

Damit die diversen Erweiterungskarten im PC-System untergebracht werden können, sind sie nach bestimmten Standards konstruiert, nach denen sich alle Hersteller von Erweiterungskarten orientieren können. Dies betrifft sowohl die Elektronik als auch die mechanische Konstruktion der Erweiterungskarte. Da Erweiterungskarten in den für sie vorgesehenen Steckplätzen unmittelbar an das Bussystem der Hauptplatine angeschlossen werden, müssen sie auf das entsprechende Bussystem zugeschnitten sein. Derzeit existieren Erweiterungskarten für folgende Bussysteme:

8-Bit-ISA-Erweiterungskarten

8-Bit-ISA-Karten sind mit einer relativ kurzen Kontaktleiste ausgestattet, die genau in einen 8-Bit-Steckplatz der Hauptplatine paßt. 8-Bit-Steckplätze sind allerdings auf neueren PC-Hauptplatinen kaum mehr anzutreffen. Sie können eine 8-Bit-Karte jederzeit ohne weitere Vorkehrungen in einem 16-Bit-ISA-Slot unterbringen. Der ursprünglich für die erste Generation der IBM-PCs vom Typ XT (Baujahr 1982) bestimmte 8-Bit-ISA-Bus-Standard ist im Aussterben begriffen. Entsprechend werden 8-Bit-ISA-Erweiterungskarten nur noch sehr vereinzelt angeboten. Besorgen Sie sich nach Möglichkeit zum Aufrüsten Ihres PCs leistungsfähigere Erweiterungskarten!

16-Bit-ISA-Erweiterungskarten

16-Bit-ISA-Erweiterungskarten sind mit einer wesentlich längeren Kontaktleiste ausgestattet als 8-Bit-ISA-Karten. Diese Kontaktleiste ist im Mittelbereich mit einer Einkerbung versehen, damit sie in das aus zwei Bauteilen zusammengesetzte 16-Bit-ISA-Slot der Hauptplatine gesteckt werden kann.

Der 16-Bit-ISA-Bus war lange Jahre der vorherrschende Bus-Standard aller AT-Rechner. Er wird deswegen häufig auch als AT-Bus bezeichnet. Die meisten Rechner der 286- und 386-Generation waren nahezu ausnahmslos mit Steckplätzen zur Aufnahme von 16-Bit-ISA-Erweiterungskarten ausgestattet. Wegen ihrer großen Verbreitung sind Erweiterungskarten für den 16-Bit-ISA-Bus-Standard relativ preiswert. Deswegen finden Sie auch noch auf vielen 486- und Pentium-Hauptplatinen einige Steckplätze zur Aufnahme von 16-Bit-ISA-Erweiterungskarten.

Der Datentransfer des 16-Bit-ISA-Bus erfolgt standard-gemäß mit einer Frequenz von 8 MHz. Gemessen am Leistungvermögen heutiger PC-Systeme ist dies sehr wenig. Da ein großer Teil des gesamten Datenaustauschs im PC über das Bussystem erfolgt, sind 16 Bit-ISA-Erweiterungskarten im Gesamtsystem eines modernen PCs sehr langsam. Nahezu alle PCs ab der 486-Generation sind deswegen mit leistungsfähigeren Bussystemen ausgestattet. Es ist abzusehen, daß 16-Bit-ISA-Erweiterungskarten im Laufe der nächsten Jahre völlig vom Markt verschwinden. Sofern Ihr PC mit Steckplätzen für VESA-Local-Bus - oder PCI-Erweiterungskarten ausgestattet ist, sollten Sie sich zum Aufrüsten Ihres PCs nach Möglichkeit die wesentlich leistungsfähigeren Erweiterungskarten für diese Bus-Standards besorgen.

VLB-Erweiterungskarten

VESA-Local-Bus - oder kurz VLB-Erweiterungskarten sind mit einer langen Kontaktleiste ausgestattet, deren vergoldete Kontakte im letzten Drittel der Karte wesentlich dichter zusammenliegen, als dies beim 16-Bit-ISA-Bus der Fall ist. Diese Kontaktleiste ist mit mehreren Einkerbungen versehen, damit sie in das aus drei Bauteilen zusammengesetzte VLB-Slot der Hauptplatine gesteckt werden kann.

Erweiterungskarten für den VESA-Local-Bus werden vor allem auf Hauptplatinen für 486-PCs eingesetzt. Aufgrund der einfachen Konstruktion des VESA-Local-Bus sind sie relativ preiswert. Auch viele Pentium-Hauptplatinen sind mit einigen Steckplätzen zur Aufnahme von VLB-Erweiterungskarten ausgestattet.

Der Datentransfer des VESA-Local-Bus erfolgt mit der Taktfrequenz des PC-Systems. Dies führt bei Rechnern, deren Taktfrequenz über 40 MHz liegt, häufig zu Schwierigkeiten.

Nahezu alle PCs der 486-Generation sind mit diesem Bussystem ausgestattet. Wegen einiger Schwächen des VESA-Local-Bus ist jedoch abzusehen, daß dieser eigentlich recht leistungsfähige Bus-Standard sich in seiner jetzigen Form nicht sehr lange halten wird. Sofern Ihr PC neben den VLB-Steckplätzen mit Steckplätzen für PCI-Erweiterungskarten ausgestattet ist, empfiehlt sich eine Aufrüstung mit Erweiterungskarten nach dem zukünftig vorherrschenden PCI-Bus-Standard.

PCI-Erweiterungskarten

PCI-Erweiterungskarten werden vorwiegend in Pentium-Rechnern eingesetzt. Entsprechend der einteiligen Bau-form eines PCI-Steckplatzes ist die Kontaktleiste einer PCI-Erweiterungskarte nahezu durchgängig. Sie ist lediglich an dem der Metallblende abgewandten Ende mit einer einzigen Einkerbung versehen.

Der PCI-Bus ist derzeit das leistungsfähigste 32-Bit-Bus-System des PCs. Neben der hohen Datentransferrate besitzt das PCI-Bussystem noch einige weitere Vorteile, die teilweise erst in naher Zukunft zum Tragen kommen. Dazu zählt z. B. die sogenannte Plug&Play-Technik. Nach dem Plug&Play-Verfahren muß eine Erweiterungskarte nicht mehr auf das jeweilige PC-System abgestimmt werden. Dieser für den Laien oft schwierige und undurchschaubare Vorgang erfolgt im Plug&Play-Verfahren automatisch. Allerdings wird dazu spezielle Software benötigt (z. B. Windows 95), die heute (Stand Anfang 95) noch nicht verfügbar ist.

Sofern Ihr PC mit Steckplätzen für PCI-Erweiterungskarten ausgestattet ist, empfiehlt sich eine Aufrüstung mit Erweiterungskarten nach dem zukünftig vorherrschenden PCI-Bus-Standard.

Der Einbau einer Erweiterungskarte

Erweiterungskarten, gleich für welche Aufgabe, werden prinzipiell stets nach demselben Arbeitsschema behandelt. Ob es sich um eine Grafikkarte, eine Gamekarte, einen Controller oder sonstige Karten handelt   -  sie werden alle auf gleiche Weise eingebaut. Der Einbau einer Erweiterungskarte gestaltet sich auch für Laien nicht besonders schwierig. Besondere Elektronik - oder sonstige fachliche Kenntnisse sind nicht erforderlich. Am PC wird alles geschraubt oder gesteckt. Der Schwierigkeitsgrad des Einbaus einer Erweiterungskarte entspricht vielleicht einer Installation eines umfangreichen Softwareprogramms oder dem Auswechseln eines Autoreifens. Wenn Sie über ein klein wenig handwerkliches Geschick verfügen, sollten Sie in der Lage sein, eine Erweiterungskarte mit Erfolg in den PC einzubauen.

1.2 Vorüberlegungen zum Einbau

  • Von den meisten Erweiterungskarten darf nur ein einziges Exemplar im Rechner arbeiten. In aller Regel können Sie unmöglich zwei verschiedene Festplatten-Controller oder Grafikkarten in ein und demselben Rechner anschließen. Wenn Sie also anstelle eines alten Festplatten- oder Grafikadapters einen neuen einbauen wollen, so müssen Sie in den meisten Fällen zunächst die alte Karte ausbauen. Unter besonderen Umständen kann jedoch der Einbau von gleichartigen Erweiterungen möglich sein (Hercules- und VGA-Grafik, SCSI-Controller etc.). Informieren Sie sich also bereits vor dem Kauf einer Erweiterungskarte, welche Einbaumaßnahmen erforderlich sind!
  • Achten Sie bereits vor dem Kauf einer Erweiterungskarte auf eine ausreichende Leistung Ihres Netzteils. Die heute üblichen Netzteile mit 200 Watt Leistung bereiten hier keine Probleme. Der Einbau zahlreicher Erweiterungskarten kann dagegen bei älteren PCs mit schwach ausgelegter Stromversorgung (100 - 150 Watt) zu Problemen führen.
  • Erweiterungskarten sind - wie alle elektronischen Bauelemente des PCs - sehr empfindlich gegen elektrostatische Aufladungen. Bevor Sie die Erweiterungskarte aus der Schutzpackung nehmen, sollten Sie für eine Ableitung der evtl. vorhandenen elektrostatischen Spannung Ihres Körpers und der näheren Arbeitsumgebung sorgen.
  • Überlegen Sie sich bereits vor dem Einbau einer Erweiterungskarte, in welchen Steckplatz sie untergebracht werden soll. Achten Sie auch auf eine gute Erreichbarkeit der Stecker, die sich gegebenenfalls auf der rückwärtigen Metallblende der neuen Karte befinden. Ferner sollten Sie auf eine ausreichende Länge etwaiger Verbindungskabel achten. Sollte hier etwas nicht passen, können Sie bei gleichartiger Konstruktion (ISA-, VLB-, PCI-Bus etc.) in nahezu allen Fällen die Steckplätze der verschiedenen bereits eingebauten Erweiterungskarten problemlos austauschen.
  • Zahlreiche Erweiterungskarten sind mit Jumpers bzw. DIP-Schaltern ausgestattet, anhand derer die Karte auf die Gegebenheiten Ihres PC-Systems abgestimmt werden kann. Achten Sie bereits vor dem Einbau darauf, daß die Jumper oder DIP-Schalter den Angaben entsprechen, die Sie im jeweiligen Begleitheftchen zur Steckkarte angegeben finden. In einigen seltenen Fällen ist eine spezielle Einstellung von Jumpern oder DIP-Schaltern zur Anpassung an Ihr PC-System erforderlich. Die möglichen Einstellungen sind stets bei der beigefügten Installationsanleitung angegeben. Meist jedoch sind die Erweiterungskarten ohnehin richtig eingestellt. 100%ig sicher können Sie hier allerdings nicht sein. Es kann z. B. vorkommen, daß gewisse Einstellungen auf amerikanische Verhältnisse abgestimmt sind, Ihr PC jedoch deutsche Einstellungen erfordert. Deswegen sollten vor jedem Neueinbau alle Jumper- und DIP-Schaltungen der Erweiterungskarte überprüft werden.
  • Viele Erweiterungskarten können ihre Funktionen erst dann ausführen, sobald die auf die jeweilige Karte abgestimmte Software installiert wurde. So z. B. ändert sich nach der bloßen Hardware-Installation einer Modem-, Sound-, Scanner-, Netzwerk- oder CD-ROM-Karte in der Funktionsweise Ihres PC-Systems zunächst nichts. Es scheint, als würde die jeweilige Karte nicht existieren. Erst nach der softwaremäßigen Installation der für die Karte erforderlichen Treiber kann die neue Erweiterungskarte angesprochen werden. In der Regel ist zu jeder Erweiterungskarte die erforderliche Software im Lieferumfang enthalten. Eine Beschreibung der Vorgänge zur softwaremäßigen Installation kann hier nicht erfolgen, da zu jeder Karte unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sind. Im Dokumentationsmaterial zur jeweiligen Erweiterungskarte finden Sie die entsprechenden Hinweise zur Installation der erforderlichen Software.

1.3 Das Einstellen einer Erweiterungskarte

In der Regel müssen Sie sich nicht darum kümmern, wie eine neu eingebaute Erweiterungskarte in Ihrem PC integriert wird: Sie wird einfach in einen freien Steckplatz auf der Hauptplatine eingesetzt und funktioniert. Bei manchen Erweiterungskarten kann es jedoch vorkommen, daß sie u. U. einige Einstellungen selbst vornehmen müssen. In der Installationsanleitung zur betreffenden Erweiterungskarte werden Sie dazu häufig mit einigen technischen Begriffen konfrontiert, deren Bedeutung sich dem Laien nicht ohne weiteres erschließt: IRQ, DMA und Basisadresse. Da die mit diesen Begriffen verbundenen Einstellungen wichtig für das Gelingen der Installation der betreffenden Erweiterungskarte sind, sollten Sie ihre Bedeutung etwas näher kennen.

Interrupt (IRQ)

Wie Sie wissen, lenkt der Prozessor das gesamte Datengeschehen des PCs. Er steuert auch die Tätigkeit aller Erweiterungskarten. Damit das Vorhandensein einer Erweiterungskarte vom Prozessor erkannt wird, muß natürlich eine Signalverbindung zwischen jeder Erweiterungskarte und dem Prozessor bestehen. Damit verschiedene Karten ihre unterschiedlichen Aufgaben erfüllen können, muß jede Karte eine separate Verbindung zum Prozessor haben, die von keiner anderen mitbenutzt werden darf.

Während seiner Arbeit tastet der Prozessor zyklisch alle vorhandenen Signalverbindungen ab. Er "sieht nach", ob sich am anderen Ende der Leitung etwas tut oder nicht. Damit er feststellen kann, ob sich an einem seiner Eingänge ein Signal befindet, muß er seine eigentliche Arbeit kurzzeitig unterbrechen. Man bezeichnet diese sehr kurzen, fortwährenden Unterbrechungen der Prozessorarbeit als Interrupt. Die verschiedenen Interrupt-Möglichkeiten des Prozessors bezeichnet man als IRQ (Abkürzung von Interrupt Re-Quest).

Jede Systemkomponente des PCs benötigt ihre eigene Verbindung zum zentralen Prozessor, ihren eigenen Interrupt oder IRQ. Wird ein und derselbe Interrupt gleichzeitig von zwei verschiedenen Komponenten benutzt, "weiß" der Prozessor nicht mehr, welche der beiden Komponenten er ansprechen muß. Es kommt zu Störungen, die mitunter bis zur völligen Blockade des gesamten PC-Systems führen können. Eine richtige Einstellung der IRQ-Werte beseitigt diese Störungen.

In den meisten Fällen müssen Sie sich beim Einbau von Erweiterungskarten um die Interrupts nicht kümmern. Die Einstellung der richtigen Interrupt-Werte wurde bereits von den Herstellern vorgenommen. Bei manchen Erweiterungskarten kann es aber u. U. zu Konflikten mit anderen Erweiterungskarten kommen, die denselben Interrupt benutzen. Man kann den IRQ bei diesen Karten durch Jumper oder DIP-Schalter einstellen. In manchen Fällen ist auch eine Einstellung per Software möglich. In den einzelnen Kapiteln finden Sie zu jedem Themenbereich die nötigen Hinweise.

Einige Interrupts sind vom System festgelegt und können nicht besetzt werden. Die in der Tabelle unten mit "Frei" gekennzeichneten Interrupts können von Ihnen nach Bedarf verwendet werden, wobei von Fall zu Fall Abweichungen auftreten können. Achten Sie darauf, daß in Ihrem PC jeder Interrupt nur von einer Geräteeinheit belegt wird!

Die üblichen IRQ-Werte eines PCs

IRQ

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15

Funktion

Timer
Tastatur
2. IRQ-Controller (8-15)
Frei, COM2, (COM4)
Frei, COM1, (COM3)
Frei, LPT2
Disketten-Controller
Frei, LPT1
Systemuhr
Frei, (evtl. VGA-Karte) Frei, (COM3)
Frei, (COM4)
Frei
Coprozessor
Festplatten-Controller
Frei

Basis - oder Portadresse

Nachdem der Prozessor eine Erweiterungskarte aufgrund eines Interrupts aktiviert hat, müssen entsprechende Daten übertragen werden. Damit die Daten nicht willkürlich auf alle am Bus angeschlossenen Komponenten übertragen werden, wird der Datenfluß über sogenannte Portadressen gesteuert. Jede Komponente im PC besitzt ihre eigene Portadresse, die von keinem anderen PC-Element geteilt werden darf. Die eindeutige Zuteilung fester Portadressen an bestimmte Baukomponenten trägt wesentlich zur Standardisierung des PCs bei. Eine Portadresse kann man sich im Prinzip als eine Art Tor zum Datengeschehen vorstellen: Hat der Prozessor einer Karte über ihre Adresse die "Erlaubnis" zur Datenübertragung erteilt, wird das entsprechende Tor (Port) geöffnet. Die Daten können jetzt durch diesen Port strömen und zur weiteren Verarbeitung an die Portadresse eines anderen Bauelements geleitet werden. Die Portadressen vieler PC-Komponenten und Erweiterungen sind weitgehend standardisiert, so daß es beim Einbau der üblichen Erweiterungskarten (z. B. Grafik-, Schnittstellen- und Controllerkarte) kaum zu Konflikten kommt. Bei einigen Erweiterungskarten lassen sich die Portadressen durch Jumper, DIP-Schalter oder auch per Software einstellen. In den mitgelieferten Begleitheften wird stets angegeben, welche Portadressen möglich sind.

Einige Portadressen sind vom System festgelegt und können nicht besetzt werden. Die in der Tabelle unten mit "Frei" gekennzeichneten Portadressen können von Ihnen nach Bedarf verwendet werden, wobei von Fall zu Fall Abweichungen auftreten können. Achten Sie darauf, daß in Ihrem PC jede Portadresse nur von einer Geräteeinheit belegt wird!

Die üblichen Basisadressen-Werte eines PCs

Portadressen

200H-20FH
210H-217H
250H-277H
278H-27FH
280H-2F7H
2F8H-2FFH
330H-35FH
360H-36FH
370H-377H
378H-37FH
390H-39FH
3E0H-3EFH
3F8H-3FFH

Funktion

Gameport
Frei
Frei
LPT2
Frei
COM2
Frei
Netzwerkkarte
Frei
LPT1
Frei
Frei
COM1

DMA-Kanäle

Einige moderne Erweiterungskarten verwenden eine hochentwickelte Technik zur Datenübertragung innerhalb des PC-Systems: die sogenannten DMA-Kanäle. DMA bedeutet Direct Memory Access (deutsch: direkter Speicherzugriff). Mit der DMA-Technik können Daten ohne Umweg über den Prozessor direkt zwischen verschiedenen DMA-fähigen PC-Komponenten ausgetauscht werden. Auf diese Weise wird der Prozessor entlastet, was eine deutliche Geschwindigkeitssteigerung des Gesamtsystems zur Folge hat. Der PC kennt 8 verschiedene DMA-Kanäle. Wenn Ihre Erweiterungskarte das DMA-Verfahren beherrscht, dann belegt sie einen dieser Kanäle. Wird ein und derselbe DMA-Kanal des PCs von zwei Systemkomponenten des PCs zugleich verwendet, kommt es zu Konflikten.

Die Werte der DMA-Kanäle eines PCs

DMA-Kanal

0
1
2
3
4
5
6
7

Funktion

Frei
Frei
Disketten-Controller
Frei
Erster DMA-Controller
Frei
Frei
Frei

Programme zur Abfrage der IRQ-, DMA- und Basisadressen-Werte

Damit Sie einer neuen Erweiterungskarte einen noch freien IRQ-, DMA- oder Basisadressen-Wert zuordnen können, müssen Sie natürlich wissen, welche Werte Ihnen in Ihrem PC-System noch zur Verfügung stehen. Zum Ermitteln dieser (und weiterer) Systemwerte wird eine Vielzahl von Diagnoseprogrammen angeboten. Zu den bekanntesten dieser Art zählen die Norton Utilities, die PC-Tools, sowie das umfangreiche Diagnoseprogramm CHECKIT!.

Auch im Programmpaket zum Betriebssystem MS-DOS ab der Version 6.0 sowie zu Windows 3.11 ist ein Programm zur PC-Diagnose enthalten. Es heißt MSD.EXE (Microsoft Diagnostics). Der Einsatz von Diagnoseprogrammen empfiehlt sich noch vor dem Einbau einer Erweiterungskarte, da bei bereits vorhandenen Konflikten durch falsche IRQ-, DMA- oder Basisadressen-Einstellungen sehr häufig unrichtige, teilweise unsinnige Werte angezeigt werden.

Das Einstellen von Jumpern

Jumper sind kleine Steckhülsen, die ein leitende Verbindung zwischen zwei Pins auf einer PC-Karte herstellen können. Unter einem Pin versteht man einen kleinen, aus der Karte ragenden Metallstift. Damit Pins über einen Jumper miteinander verbunden werden können, sind sie auf der PC-Karte in einem genormten Abstand zueinander angebracht. Die Verbindung zweier Pins durch einen Jumper erfolgt durch Aufstecken des Jumpers - entsprechend wird die Verbindung zwischen zwei Pins durch Entfernen des Jumpers getrennt.

Jumper sind von den meisten Herstellern auf die allgemein üblichen Standardwerte der betreffenden Karte eingestellt. Die korrekte Verbindung von Pins einer PC-Karte durch Jumper ist sehr wichtig für das Funktionieren der Karte. Hinweise zur Einstellung der Jumper von PC-Karten erhalten Sie meist nur im Dokumentationsmeterial zur betreffenden PC-Karte.

Das Einstellen von DIP-Schaltern

DIP-Schalter gibt es in verschiedenen Formen, Farben und Größen. Im Computerjargon bezeichnet man sie wegen ihrer vielen kleinen, klaviertastenartig angeordneten Schalter oft "Mäuseklavier". Prinzipiell läßt sich jeder einzelne Schalter an- oder ausschalten. Bei einigen Schaltern wird an mit ON und aus mit OPEN oder OFF gekennzeichnet. Bei anderen Konstruktionen wird die an-Stellung der Schalter mit der Ziffer 1, die aus-Stellung mit der Ziffer 0 gekennzeichnet. DIP-Schalter sind von den meisten Herstellern auf die allgemein üblichen Standardwerte der betreffenden Karte eingestellt. Die korrekte Einstellung der DIP-Schalter einer PC-Karte ist sehr wichtig für das Funktionieren der Karte. Hinweise zur Einstellung der DIP-Schalter von PC-Karten erhalten Sie meist nur im Dokumentationsmaterial zu betreffenden PC-Karte.