| Jahrgang 11, Nummer 2 | Juli 1998 |
| OLE oder ActiveX | Von Gerhard Brosius |
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Vorbemerkung der Redaktion:
"ActiveX löscht Dateien auf der Platte", "ActiveX unterwandert die
Systemsicherheit", diese und ähnliche Meldungen geisterten in den letzten Monaten
durch die Computerpresse. Was es mit ActiveX wirklich auf sich hat, beleuchtet der folgende Beitrag.
Wir zitieren ihn mit freundlicher Genehmigung des Autors aus dem Buch "Excel 97
professionell". Das Buch ist im Verlag Addison-Wesley erschienen und kostet DM 89,90. Die Begriffe OLE und ActiveX werden von der Firma Microsoft, die sie geprägt hat, in ihrer Bedeutung in verschiedenen Veröffentlichungen höchst unterschiedlich gebraucht. Dies betrifft sowohl die einzelne Bedeutung des jeweiligen Begriffs wie auch die Abgrenzung der Begriffe gegeneinander. Eine kurze Betrachtung zur Entstehung und Entwicklung der damit verbundenen Technologie erleichtert es, Klarheit in die Begriffsverwirrung zu bringen. Im Jahre 1990 brachte die Firma Microsoft eine Technik heraus, mit der sogenannte Verbunddokumente (compound documents) erstellt werden können. In einem Verbunddokument werden Teile mehrerer verschiedener Dokumente zu einem Dokument zusammengefaßt. Beispielsweise kann in ein Textdokument eine Tabelle einer Tabellenkalkulation und/oder eine Grafik eines Zeichenprogramms integriert werden. Das Besondere liegt darin, daß die zusammengefügten Teile als Objekte behandelt werden, die nicht einfach als starre Kopie von ASCII-Zeichen oder einer Bitmap eingefügt, sondern nach dem Einfügen in das Verbunddokument mit den Quelldokumenten oder den Anwendungen, mit denen sie erzeugt wurden, verbunden bleiben. Diese Technik wurde von Microsoft mit dem Namen Object Linking and Embedding - abgekürzt OLE - bezeichnet.
Bei der Weiterentwicklung von OLE zeigte sich, daß das ursprünglich zu lösende Problem der
Verbunddokumente nur ein Teilaspekt einer viel umfassenderen Problematik darstellt: Zentrale
Bedeutung bekam die Frage, wie verschiedene Softwarekomponenten sich ihre Dienste wechselseitig zur
Verfügung stellen können. Zur Lösung dieser Frage wurde ein Konzept mit grundlegender Bedeutung für
die weitere Architektur derartiger Technologien bei Microsoft entwickelt: das Component Object
Model (COM). Auf der Grundlage dieses Konzepts wurde die OLE-Technik weiterentwickelt, so daß die
neue Version 2.0 von OLE die Behandlung von Verbunddokumenten deutlich besser unterstützt als die
vorangegangene Version. Aus heutiger Sicht entscheidender war jedoch die Tatsache, daß OLE 2 dadurch,
daß es auf der Grundlage von COM entwickelt wurde, den Austausch von Diensten verschiedener
Softwarekomponenten auch unabhängig von konkreten Dokument-Objekten ermöglichte: OLE 2 erlaubt ganz
allgemein den Zugriff auf andere Objekte und deren Eigenschaften und Methoden. Damit umfaßten die
Leistungen von OLE 2 wesentlich mehr, als nur Objekte zu verknüpfen und einzubetten, womit auch die
Bezeichnung Object Linking and Embedding der neuen Technologie nicht mehr gerecht wurde.
Eigentlich wäre in dieser Situation ein völlig anderer Name zur Kennzeichnung des Konzepts
erforderlich gewesen. Andererseits wollte Microsoft aus marktpolitischen Gründen offenbar
nicht ständig mit neuen Bezeichnungen aufwarten. Jedenfalls entschied sich die Firma, die neue
Technologie, die im übrigen in einem rasanten Tempo ständig weiterentwickelt wurde, mit OLE zu bezeichnen: Bewußt wurde nach OLE 2 auf die Angabe einer Versionsnummer verzichtet. OLE sollte außerdem auch nicht mehr als Abkürzung für Object Linking and Embedding Seit Anfang 1996 nun propagiert Microsoft den Begriff ActiveX Die Aussagen zu COM müssen, wenn man der allerneuesten Entwicklung gerecht werden will, noch etwas modifiziert werden, weil das grundlegende Architekturkonzept COM weiterentwickelt worden ist, was auch sprachlich ausgedrückt werden kann. COM besitzt die Beschränkung, daß die verteilten Objekte sich sämtlich auf demselben lokalen Rechner befinden müssen. Anders ausgedrückt: Mit COM ist ein Remote-Zugriff auf fremde Softwarekomponenten als Objekte nicht möglich. Um diese im Zeitalter verbreiteter lokaler, regionaler und internationaler Netze bedeutsame Beschränkung aufzuheben, wurde die COM-Spezifikation weiterentwickelt: Mit Windows NT 4.0 stellte Microsoft diese Weiterentwicklung der Technologie verteilter Objekte zur Verfügung, die statt auf COM auf dem neuen Grundmodell DCOM Der Autor Dr. Gerhard Brosius ist Professor am Fachbereich Volkswirtschaftslehre an der
Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP).
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