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Medienwissenschaft / Hamburg: Berichte und Papiere 104 / 2010: Buch- und Werktitel
ISSN 1613-7477. Redaktion und Copyright dieser Ausgabe: Hans J. Wulff.
Von der Bibliofilie zur Textgrammatik: Eine annotierte Bibliografie zum Fänomen des Titels Inhalt: 2. Buch- und bibliothekswissenschaftliche Untersuchungen 2.1.2 Forderungen und Kritiken 2.2.1 Entwicklung des Titelblatts 3. Literaturwissenschaftliches 3.1 Literaturgeschichtliche Untersuchungen 3.2.1 Titel bei einzelnen Schriftstellern 4.1 Typologisches, Lexikologisches, Semantisches
zumal wissenschaftlichen Gegenstände, mehrere Schriften existieren ...
Der ursprüngliche Plan, einen Literaturbericht über das Phänomen des "Titels" zu machen, mußte bald angesichts der unerwarteten Fülle und Verschiedenartigkeit des Materials aufgegeben werden. Als adäquatere Darstellungsform bot sich eine annotierte Bibliographie an, in die allerdings nicht nur eigenständige Publikationen zur Thematik aufgenommen wurden, sondern auch Erwähnungen, Abschnitte oder Kapitel aus Büchern und Aufsätzen, die nicht eigentlich mit dem Problem des Titels befaßt sind - sofern dort eigenständige Thesen zur Problematik formuliert waren. In diesem Sinne ist die folgende Bibliographie ein kommentiertes Verzeichnis von Schriften, die sich mit dem Phänomen des Titels beschäftigen. Dabei werden auch Randgebiete - wie "Musikalische Titel", "Bildertitel" usw. - berücksichtigt. Der Übersichtlichkeit halber wurde das Material unter thematischen Gesichtspunkten geordnet. Es bot sich an, dabei die Normierung von Titeln hinsichtlich der Aufnahme in Kataloge ebenso auszugliedern wie bibliotheks-, buch- und kunstwissenschaftliche Arbeiten zum Problem des Titelblattes. Literaturwissenschaftliche und -geschichtliche Untersuchungen werden in einer zweiten Gruppe zusammengestellt, eine dritte umfaßt Arbeiten, die das Problem des "Titels" vorwiegend sprachwissenschaftlich und informationstheoretisch abhandeln. Am Schluß finden sich schließlich Arbeiten zu Randproblemen. Das zentrale Problem einer Bibliografie zur gestellten Thematik besteht darin, daß der Titel ein Gegenstand ist, der im Schnittpunkt zahlreicher Wissenschaften liegt - was auch eine Bedingung bilden mag dafür, daß eine eigentliche "Theorie des Titels" oder eine "Theorie der Titelhaftigkeit" noch aussteht. Zwar werden einige Thesen (der Titel sei ein Werbemittel, die Untersuchung der Titel könne eine Kulturgeschichte eröffnen, der Titel sei sinnvoll nur unter rezeptionstheoretischen Aspekten zu untersuchen) immer wieder vertreten - doch erweist sich bereits die Phänomenologie des Titels als so vielfältig und schillernd, daß immer wieder die Vielfalt des Materials eine theoretische Durchdringung des Phänomens behindert. Infolgedessen werden unter verschiedensten Gesichtspunkten die sprachliche Form, der Inhalt, bibliografische Eigenheiten, kulturhistorisch bedeutsame Moden und Varianten von Titeln genauso behandelt wie Probleme der Typographie des Titelblatts, der symbolischen Bedeutsamkeit von Titelkupfern und der Titel einzelner Schriftsteller. Kurz: Das einschlägige Schrifttum ist ein uneinheitliches Feld heterogener Arbeiten. Es wurde zwar Vollständigkeit angestrebt, doch versteht es sich von selbst, daß diese Bibliografie eine Auswahlbibliografie ist. Grundsätzlich wurde die Verifikation der bibliografierten Arbeiten angestrebt; wo diese nicht gelang, findet sich ein entsprechender Vermerk. Zur Erschließung des Materials wurde schließlich ein Register angefügt. Zu Dank verpflichtet bin ich Erika Elschenbroich, Ludger Kaczmarek, Karl-Dietmar Möller und Peter Schmitter für wichtige bibliografische Hinweise sowie den Mitgliedern der Universitätsbibliothek Osnabrück für ihre geduldige Arbeit bei der Beschaffung des Materials. Es erscheint nicht verwunderlich, daß sich schon früh das Interesse auf den Titel richtete. Meist handelt es sich dabei um kritische Bemerkungen gegen die Unarten von Buchdruckern und -händlern: "haben sie ein alt verlegen Buch, so machen sie ihm einen newen stattlichen Titul, daß man meynet, man werde große Ding darinnen finden, biß man es inen nach ihre Villen bezahlt hat, als dann nehmen sie es selbst auch für riaculatur nicht wider an" (Garzoni 1641, 957-958). Immer wieder wird gefordert, daß Buchtitel "nichts anderes seyn [sollen] als kurze, deutliche, und ganz der Wahrheit gemäße Anzeigen, von dem, wozu sich der Verfasser und Buchhändler verpflichten, dem Käufer leisten zu wollen" (Bensen & Palm 1795, 314). Irreführende Titel werden angeprangert, Titellcuriositaten versammelt und Forderungen nach dem richtigen Titel vorgebracht. In chronologischer Reihenfolge sind hier die folgenden Texte zu nennen: Scaliser 1561, Garzoni 1641. Trinckaus 1668, Bernhard 1718, Henke 1727, Bidennann 1751, Hönn 1761, Bensen/Palm 1795, Schütze 1798, Batzeberger 1827, Lalanne 1845 und Schopenhauer 1851. [BENSEN, Heinrich / PALM, Johann Jacob] [BERNHARD, Johann Adam] BIDERMANN, J[ohann] G[ottlieb] [GARZONI, Thomas] [HÖNN, Georg Paul] LALANNE, Ludoyic [MENKE, Johann Burkhard] RATZENBERGER, Lic. Simon [d.i. Christian Jakob WAGENSEIL] SCALIGER, Julius Caesar [d.i. Giulio BORDONE DELLA SCALA] SCHOPENHAUER, Arthur SCHÜTZE, J[ohann] F[riedrich] TRINCKAUS (auch: TRINKHUS), Georg Zusammenfassend zu diesem Bereich können Klenz (1923, 91ff), Volkmann (1967, 1147-1149) und Kleemeier 1909 herangezogen werden. Kienitz (1930, 81ff) verzeichnet darüber hinaus zahlreiche hier nicht aufgeführte Quellen. KLEEMEIER, Fr. J. Gegenüber den normativ-kritischen Benerkungen der meisten seiner Zeitgenossen nimmt sich Lessings Stellungnahme zum Titel geradezu modern aus: "Ein Titel muß kein Küchenzettel sein. Je weniger er von dem Inhalte verrät, desto besser ist er", heißt es in der Hamburgischen Dramaturgie im 21. Stück. Auch im 14., 22. und 29. Stück finden sich Bemerkungen zum Titel ( Lessing 1767-1769). LESSING, Gotthold Ephraim 1804 erschien die erste große Monographie über die Thematik des Titels ( Barda 1804). "Der unbekannte Gelehrte [...] untersuchte den Zweck des Titels, wobei er interessanterweise der schönen Literatur [...] grundsätzlich eine andere Titelgebung zubilligte als der wissenschaftlichen, und kritisierte eine ganze Reihe zeitgenössischer Titel der einzelnen literarischen Gattungen" (Volkmann 1967, 1148). [BARDA, I.H.] Die Sammlung und Erschließung schriftlicher Dokumente erfolgt in Bibliotheken. Die Erschließung vorhandenen Materials ist möglich durch den Katalog (hier sind zu unterscheiden der Alphabetische Katalog, in dem die Dokumente nach Verfassern, Herausgebern, Sachtiteln usw. aufgelistet werden, und der Systematische Katalog, in dem das Material nach Sachgebieten oder nach Schlagwörtern gegliedert wird), durch Bibliografien usw. Die Aufnahme der Titel in den Katalog oder die Bibliografie muß festgelegt werden, so daß das Dokument durch den Titel - der hier gewissermaßen als "Name" des Dokuments verwendet wird - eindeutig bezeichnet ist und wiederaufgefunden werden kann. Die wohl früheste Schrift über Katalogarbeit, die noch heute Gültigkeit in Anspruch nehmen kann, ist Crestadoro 1856. [CRESTADORO, Andrea] Die in Deutschland für die Titelaufnahme verbindliche Festlegung findet sich in den Instruktionen 1961 ("Preußische Bibliotheksordnung"). Die letzten Einführungen und Kommentare zur Titelaufnalune nach dieser Methode sind Fuchs 1973, Husch 1973 und Haller 1976. Neben den "Instruktionen" sind auch einige Normenblätter des Deutschen Instituts für Normung mit Fragen der Titel von Dokumenten befaßt (DIN 1422, DIN 1429, DIN 1502 und DIN 1505). FUCHS, Hermann HALLER, Klaus [INSTRUKTIONEN] RUSCH, Gerhard Wie schon anhand der frühen Äußerungen über Buchtitel (s.o.) deutlich wurde, gibt es zahlreiche Kritiken zu gewissen Titulierungsgebräuchen. Die Kritik kann hier in mehrfacher Weise ansetzen: Eine ganze Gruppe von Arbeiten beschäftigt sich mit Doppelveröffentlichungen, die nur bibliografisch zu ermitteln sind. So findet sich in Nestle 1905 ein Bericht über einige Doppelpublikationen von Dissertationen, die in den jeweiligen Büchern selbst nicht vermerkt sind. NESTLE, Ed. Gebhardt 1900 verzeichnet zwei Bücher, die unter je zwei Titeln mit unterschiedlichen Verfasserangaben kursieren; er hält allerdings den Fall für relativ selten, "daß ein Buch ohne Wissen und Willen des Verlegers [...] in betrügerischer Absicht mit einem neuen Titel versehen worden ist.". GEBHARDT, 0. v. Bettmann 1929 stellt dagegen fest, daß es im amerikanischen Verlagswesen durchaus üblich sei, Bücher unter mehreren Titeln am Markt unterzubringen. Er weist zudem auf Texte des 17. und 18. Jahrhunderts hin, in denen bereits ähnlich Kritik geübt worden sei. BETTMANN, Otto Zahlreiche Bücher, die unter mehreren Titeln kursieren, sind in Rumpf 1937 (weitestgehend übereinstimmend mit Rumpf 1938) verzeichnet. RUMPF, Walter Titel ohne Bücher sind bei Hayn 1899/00 verzeichnet, über Bücher "Ohne Titel" berichten Meisner (1904/05, 41), Barda (1804, 29), Schütze (1798, 235) lind Kleemeier (1909: 8449). HAYN, Hugo Kunze 1977 berichtet kritisch über eine Titeländerung einer Broschüre Heinrich VOGELERs anläßlich ihrer Neuauflage . KUNZE, Horst Ein anderer Ansatzpunkt der Kritik ist der thematische Zusammenhang des Titels mit dem durch ihn bezeichneten Text: "Der Titel soll nicht bloß ein Mittel sein, eine Druckschrift, etwa wie ein Personenname, von einer anderen Druckschrift zu unterscheiden, sondern er soll vornehmlich so kurz, genau und bestimmt wie möglich den Inhalt der Schrift angeben und sich auf die kürzeste Weise bibliographisch richtig einordnen lassen" (Kleemeier 1909, 8448). Traumann 1907 übt Kritik an gewissen Titulierungsgebräuchen; er fordert, daß der Titel "einen Inhalt zu decken" habe, stellt dann aber fest, daß dies durch die meisten "Animiertitel" nicht geleistet werde. TR[AUMANN], [F.] E. Spitteler 1947 polemisiert gegen "Vexiertitel", "welche, anstatt den Inhalt zu benennen oder zu erklären, ihn geflissentlich verhüllen" (571). SPITTELER, Carl Büchertitel dürften nicht irreführen, heißt es bei Frankfurter 1905. Frankfurter hält es für wünschenswert, Anweisungen zur Titelgebung für Autoren zusammenzustellen. Der Aufsatz enthält außerdem zahlreiche Beispiele. FRANKFURTER, S[alomon] Bücher 1912 zeigt an Beispielen, welche Mängel, Ungenauigkeiten etc. in Titeln auftreten; hierauf fußend, stellt er "technische Forderungen [zusammen], besonders an den Titel wissenschaftlicher Werke" (Volkmann 1967, 1150 Anm. 9). Ähnliche Forderungen formuliert auch Schumann 1977a. BÜCHER, Karl SCHUMANN, Otto (Hrsg.) SCHUMANN, Otto Wallraf 1965 erörtert die Möglichkeit, durch einen - ggf. erst in der Bibliothek zuzuweisenden - Untertitel das bezeichnete Buch thematisch genauer zu kennzeichnen, so daß die Literaturflut besser und schneller aufgeschlüsselt werden kann; dem Untertitel käme so eine der Annotierung ähnliche Funktion zu. WALLRAF, Karlheinz Birch 1965 beschreibt bibliografische Schwierigkeiten von Zeitschriftentiteln. BIRCH, Robert L. Wie schon an anderer Stelle angemerkt, hängt die Entwicklung des heute üblichen Titels eng zusammen mit der Entwicklung des Buchs. Als Überblick, in dem sich auch wichtige Hinweise auf die Entwicklung des Buchtitels finden, können hier - neben einigen anderen Buchgeschichten - vor allem Schottenloher 1951/52 und Funke 1972 dienen. FUNKE, Fritz SCHOTTENLOHER, Karl
Die Entwicklung des Buchtitels ist eng verbunden mit der Entwicklung des Titelblatts. Karl Schottenloher schreibt dazu: "Weder die Handschriften des Mittelalters noch die ältesten Druckdenkmäler kennen die Titeleinrichtung. [Dies stimmt tatsächlich nur bedingt!] Erst als sich in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts zahlreiche Buchdrucker in regstem Wetteifer bemühten, ihre Werke immer zweckmäßiger und einladender zu gestalten, bürgerte sich rasch der selbständige, das Buch mit einem vollen Blatt eröffnende Titel ein, um seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts zum festen Zubehör des Buches zu gehören" (1927, 1). Das Titelblatt - so heißt es an zahlreichen Stellen - hatte von vornherein die Aufgabe, Ankündigung und Werbung des Buches zu sein; in der Anfangszeit des gedruckten Buches galt es, eine Form zu finden, die es ermöglichte, ein Buch bekanntzumachen, zu kennzeichnen und zu empfehlen. Diesen Forderungen entsprach das Titelblatt genau, und es wurde nicht nur als Titelblatt im engeren Sinne benutzt, sondern auch als Aushang "auf einer vor dem Verkaufsgewölbe hängenden 'Tafel'", so daß es in gewisser Weise "Buchplakat" gleichzeitig war (Kienitz 1930, 101 sowie Sondheim 1927, 10). In dieser Zeit war das Titelblatt praktisch das einzige Werbemittel des Buches, und der Zweck des Werbens war der hauptsächliche Antrieb, der die Entwicklung des Titelblatts forcierte. Sondheim gelangt gar zu der Auffassung, daß es den "Druckern nicht darauf ankam [,] den Titel des Buches genau zu formulieren, sondern das Buch zu empfehlen, um seinen Vertrieb zu erleichtern. Denn bei dem wachsenden Wettbewerb der schnell sich vermehrenden Druckereien wurde es immer schwieriger [,] die Bücher an den Mann zu bringen" (1927, 7). Aufgrund der Tatsache, daß das Titelblatt der wichtigste Werbeträger für das Buch war, ist es nicht verwunderlich, daß es - sobald die Drucktechnik verbessert war - typografisch immer ausgefeilter und schließlich durch ornamentale oder illustrative Elemente dekorativ verbessert wurde. Holzschnitt und Kupferstich finden sich auf zahlreichen Titelblättern des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Titelblätter nüchterner und näherten sich immer stärker dem noch heute üblichen Haupttitel an - wenngleich auch hier die dekorativen Elemente nicht verschwinden, sondern stärker von Bucheinband und Schutzumschlag wahrgenommen werden; in manchen Stilrichtungen (z.B. dem Jugendstil) findet sich auch das dekorative Titelblatt wieder. In diesem thematischen Umkreis liegen zahlreiche Arbeiten vor. Kienitz 1950 beschreibt die vielfältigen Formen der Buchwerbung in der Frühzeit des gedruckten Buchs; Bürger 1907 und Engelsing 1971 widmen sich frühen Buchplakaten. BÜRGER, Konrad (Hrsg.) ENGELSING, Rolf (Hrsg.)] KIENITZ, Werner Schottenloher 1927 und Kienitz (1950, 95-96) untersuchen gereimte Titelblätter der Frühzeit ("Titelreime"); derartige Titel hätten Werbe-Funktion. SCHOTTENLOHER, Karl Ähnlich wie Kienitz (1930) vertritt Sondheim 1927 die These, daß die Entwicklung des Titelblattes bedingt gewesen sei dadurch, daß es in der Frühzeit des Buchgewerbes als hauptsächliches Werbemittel für das Buch eingesetzt worden sei. Er untersucht vor allem ästhetische Eigenschaften dea Titelblattes. Schmidt 1927 enthält im ersten Teil eine Zusammenfassung von Sondheim (1927); der zweite Teil ist die Beschreibung einer Ausstellung über frühe Buchkunst; Volkmann hält diese Arbeit für "völlig unzureichend" (1967, 1150 Anm. 9). SCHMIDT, Alfred SONDHEIM, Moritz Barthel 1961 ist eine Beschreibung von Titelblättern von 10 Klassikerausgaben zwischen 1500 und 1937. BARTHEL, Gustav Der Ästhetik des Titelblattes ist Preetorius 1962 gewidmet; er hält das Gleichgewicht von Schriftzug und Seitenaufteilung für das entscheidende ästhetische Maß. PREETORIUS, Emil Bogeng 1929 ist, ähnlich wie Goldschmidt 1966. ein Abriß der Frühgeschichte des Titelblatts. BOGENG, G[ustav] A[dolf] E[rich] GOLDSCHMIDT, E[rnst] P. Den Übergang vom barocken Titelblatt (mit Lang-Titel) zum klassischen Titelblatt (mit Kurztitel) beschreibt Raabe 1976. RAABE, Paul Mit Holzschnitten als Titelblättern beschäftigen sich Kießling 1926, Kießling 1929, Kießling 1930 (diese Arbeiten sind weitestgehend gleich), Schottenloher 1928 und Rosenfeld 1964. KIESSLING, Gerhard 1929 Die Anfänge des Titelblattes in dar Blütezeit des deutschen Holzschnitts (147o-1530). In: Buch und Schrift 3, 9-45. [1930] Die Anfänge des Titelblattes in der Blütezeit des deutschen Holzschnitts (1470-1530). Leipzig: Vlg. d. Deutschen Buchgewerbevereins, 140 S. (Monographien des Buchgewerbes. 14.). ROSENFELD, Hellmut SCHOTTENLOHER, Karl Darstellungen des Kupferstichs in seiner Verwendung auf Titelblättern sind Rath 1929 und Gühne 1958. GÜHNE, Gertrud RATH, Erich von Die berühmten Titelkupfer Dürers und Rubens‘ sind beschrieben in Evers 1943, Depel 1959 und Glang-Süberkrüp 1977. Evers stellt fest, daß die Titelbilder allegorischen Bezug zum Text hätten; wenn eine solche symbolische Beziehung nicht herstellbar sei, könne auch eine Szene aus der Geschichte, dem Buch selbst zur Abbildung gelangen. DEPEL, Erich EVERS, Hans Gerhard GLANG-SÜBERKRÜP, Annegret Abbildungen zahlreicher Titelrahmen finden sich in Luther 1909-13, Pflugk-Harttung 1909 und McKerrow/ Ferguson 1932. LUTHER, Johannes McKERROW, R.B. / FERGUSON, F.S. PFLUGK-HARTTUNG, J[ulius] v. (Hrsg.) Clemen 1920 (und ähnlich Clemen 1919) erörtert die Verfasserschaft einer Titelbordüre; er stellt fest, daß sie zu einem ganzen Korpus ähnlicher Bordüren gehört, die sämtlich Bezug nehmen auf die literarische Quelle des Parisurteils. CLEMEN, O[tto] CLEMEN, Otto Poppelreuter 1900/01 beschäftigt sich mit italienischen und deutschen Titelrahmen des 16. Jahrhunderts, beschreibt den Übergang zum "erzählenden Titelblatt" und das nach und nach auf dem Titelblatt auftretende Druckersignet. Zu dieser Thematik können auch Kienitz (1930, 100-101) und Stemmler 1962 herangezogen werden. POPPELREUTER, Josef STEMMLER, Dierk Ausschließlich mit Druckermarken befaßt sich Langer 1977; Literaturhinweise dazu finden sich in Harman 1943 (60). Auch Kienitz (1930, 99-100) geht kurz auf das Druckersignet ein. HARMAN, Marian LANGER, Gottfried Mit Spezialthemen sind Gollob 1929, Schubert 1929 und Penkert 1973 befaßt. GOLLOB, Hedwig PENKERT, Sibylle Erscheint auch in: Emblemforschung. Zur Rezeption der Emblematik in Literatur-, Kunst- und Musikgeschichte. Hrsg. v. Sibylle Penkert. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, i.V. SCHUBERT, Johannes Schöne 1940 stellt fest, daß die ersten Zeitungen (ab 1609) für jede Ausgabe ein neues Titelblatt hatten - ein Verfahren, das der Buchproduktion entlehnt war; bereits 1650 hatte sich aber die bis heute übliche Form "eines besonderen Zeitungskopfes über der ersten Textseite“ (10) eingebürgert. SCHÖNE, Walter (Hrsg.) Nicht verifiziert wurde die Arbeit Scholl 1971, die über das 18. Jahrhundert informiert. SCHOLL, Rosemary Hoffmann Zum lithographischen Titelblatt findet sich bei Schulze 1929 einiges. SCHULZE, Friedrich Heben den schon aufgeführten Engelsing (1971), Bürger (1907), Goldschmidt (1966), Luther (1909-15), Pflugk-Harttung (1909) und Schöne (1940) liegen die folgenden Sammlungen von Titelblattreproduktionen vor: Barberi 1970. Blumenthal 1974, Götze 1963, Hofer 1951, Johnson 1928, Johnson 1929, Johnson 1934, Kunze 1975, Nesbitt 1964, Pollard 1891, Schramm 1920-24 und Schramm 1923. BARBERI, Francesco [BLUMENTAHL, Joseph] GÖTZE, Alfred HOFER, Philip JOHNSON, Alfred Forbes 1929 German Renaissance title-borders. by Alfred Forces Johnson. Oxford: Oxford UP, 20 S., 86 Taf. (Facsimiles and Illustration. 1.). 1934 A catalogue of engraved and etched English title-pages. Down to the deah of William Faithorne, 1691. Compiled by Alfrod Forbes Johnson. [London]: Bibliographical Society (Oxford UP), xi, 109 S., 94 Taf. (Facsimiles and Illustrations. 4.). KUNZE, Horst NESBITT, Alexander (ed.) POLLARD, Alfred W[illiam]
SCHRAMM, Albert 1923 Luther und die Bibel. 1. Die Illustration der Lutherbibel. Leipzig: Hiersemann, viii, 43 S., 284 Taf. (Festschrift zum Lutherischen Weltkonvent. Eisenach 1923.). Fraenkel 1968 und Bchaal 1972 enthalten zahlreiche Reproduktionen von Musikalen-Titeln; bei Schaal findet sich zudem eine weiterführende Bibliografie (dort verzeichnete Titel werden hier nur aufgenommen, wenn die Angaben bei Schaal falsch oder unvollstiindig sind). [FRAENKEL, Gottfried S.] SCHAAL, Richard Zur Westen 1921 behandelt den Zeitraum zwischen 1501 und 1900; er beschreibt den Holzschnitt-Titel der Renaissance, den Kupferstichtitel des Barock, des Rokoko und der "Zopfzeit" sowie die schließlich im 19. Jahrhundert sich durchsetzende Lithografie. ZUR WESTEN, Walter von Auch Hitzig 1927 ist vorwiegend historisch orientiert; er behauptet, daß die künstlerische Entwicklung des Notentitels mit der Zunahme der Produktion profaner, weltlicher Musik sowie mit dem wachsenden Publikums-Interesse daran im 17. Jahrhundert eingesetzt habe. HITZIG, Wilhelm Laver 1950 betrachtet Musikalien-Titel als Indizien der Sozial- und Kulturgeschichte. LAVER, James Darüber hinaus berichten Grand-Carteret 1896, Matthaus 1965 und Weinhold 1966 über weitere Detailprobleme aus diesem Bereich. GRAND-CARTERET, John MATTHÄUS, Wolfgang WEINHOLD, Liesbeth Die Typographie des Titelblattes beschäftigt sich mit Schrifttypen, Größen der Schrifttypen und Arten der Anordnung von Zeilen auf dem Titelblatt. Es versteht sich von selbst, daß sich die Regeln des Titelsatzes im Laufe der Zeit geändert haben. (Bamnme 1911, 12) Hier sind zu nennen Bammes 1911, Vinne 1914, Rodenberg 1959 und Kapr 1965. BAMMES, Reinhold KAPR, Albert RODENBERG, Julius VINNE, Theodore Low de Zuerst New York: Century Comp. 1902. Dies war eine Überarb. Fassung v. "Title-pages as seen by a printer. With numerous illustrations in facsimile and some observations on the early and recent printing of books. New Yorks The Grolier Club 1901".
Die Buchrolle bei den Griechen weist noch keinen Titel am Anfang der Rolle auf, er befand sich am Ende der Rolle. Dies hatte seinen guten Grund; Denn da der Schluß der Buchrolle sich innen befand "und vor der Zerstörung am besten geschützt war, so hatte hier der für den Leser wesentliche Titel den sichersten Platz" (Schubart 1921, 100). Demgegenüber ist Wendel der Auffassung, daß "der Anfangstitel [...] bei der Buchrolle immer unentbehrlich war" (Wendel 1949, 29; 28). Das griechische Buch hatte - Schubart folgend - an sich überhaupt keinen Titel; an seine Stelle konnten z.B. die Anfangszeilen treten, wenn das Buch in irgendeinem Zusammenhang erwähnt werden mußte (Wendel 1949, 29); "die ersten Textworte werden [aber] nur dann herangezogen, wenn kein anerkannter Titel vorhanden ist oder der vorhandene nicht ausreicht, um die Schrift eindeutig zu kennzeichnen. Nichts berechtigt uns zu der verbreiteten Annahme, daß [...] die Bezeichnung eines Werkes nach seinen Eingangsworten die Vorstufe des regelrechten Titels gebildet habe" (Wendel 1949, 33-34). So findet sich am Anfang der Rolle manchmal eine Notiz, die den Benutzer kurz über den Inhalt der Schrift aufklärte. Diese Notiz wurde beim Codex, der durch einen Einband geschützt war, dann ein üblicher Teil des Manuskripts. Auch der Codex hatte - wenn überhaupt -zunächst einen Schlußtitel, der sich dann aber in eine "subscriptio" verwandelte, während die eigentliche Überschrift an den Anfang der Handschrift wanderte. Ca. 400 n.Chr. war man es gewohnt, den Titel am Anfang eines Codex zu suchen (Schubart 1921, 139; Wilke 1955, 51). Als buchgeschichtlicher Überblick über diese Entwicklung (der zudem wertvolle Anmerkungen zum Titel-Problem enthält) ist Schubart 1921 zu nennen. SCHUBART, Wilhelm Sehr umfassend und kritisch ist auch die Darstellung in Wendel 1949, wo sich zudem einiges zum Titel bei den Ägyptern findet (12-15). WENDEL, Carl Darüber hinaus können Birt 1881, Birt 1915 und Dziatzko 1900 zu Rate gezogen werden. BIRT, Theodor 1913 Kritik und Hermeneutik nebst Abriß des antiken Buchwesens. München: Beck, xii, 395 S.[Rückentitel:] (Handbuch der Altertumswissenschaft. 1,3.). DZIATZKO, Karl Hinsichtlich der Titel ist die Forschungslage auf diesem Gebiet denkbar schlecht: Uns liegen nur wenige erhaltene Buchrollen vor, der Anfang der Rollen ist in aller Regel zerstört (Wendel 1949, 26), über die Verfasserschaft der verschiedenen Titel herrscht Unklarheit. Dennoch liegen einige Aufsätze und Monografien vor. Lohan 1890 (und ähnlich Hippenstiel 1887 und Bender 1905) ist "eine übersichtliche Zusammenstellung des Materials über die frühen Buchtitelzitate, allerdings meist ohne weiterführende detaillierte Interpretation" (Schmalzriedt 1970, 10 Anm. 5). BENDER, Guilhelmus HIPPENSTIEL, Guilelmus LOHAB, Eduardus Nachmanson 1941 ist ein Überblick über das gesamte Feld der griechischen Buchtitel. NACHMANSON, Ernst Ausschließlich mit den Titeln Theokrits befaßt sich Gow 1952. [GOW, A.S.F.] Schmalzriedt 1970 arbeitet mit dem Beispiel der "Peri physeos“-Titel. Er versucht, die Einflüsse von Autor und Publikum, von kulturhistorischen Gegebenheiten wie dem Schulwesen, von literarhistorischen Entwicklungen und Traditionen auf die Art und Weise der Titelvergabe zu beschreiben. Zudem prüft er, ob daii damals übliche Bibliothekswesen es erfordorlich machte, den Büchern Titel zu verleihen, und ob es bereits in der Frühzeit des Buchtitels gattungsbedingte Unterschiede zwischen den Titeln gab. SCHMALZRIEDT, Egidius Vogt 1899 zählt fast alle Titel der bekannten römischen Tragödien, Komödien, Epen, Lehrgedichte, Fabeln, Satiren und Gedichte auf, klassifiziert sie, untersucht sie motivgeachichtlich und vergleicht sie mit griechischen Titeln. Er gelangt schließlich zu dem Nachweis, daß aus enger Anlehnung an die griechische Tradition sich nach und nach eine eigenständige römische Literatur herausbildete. VOGT, Martin Ausschließlich mit der Rezeption griechischer Titel in der römischen Literatur ist Henriksson 1956 befaßt. HENRIKSSON, Karl-Erik Über diese Arbeiten hinaus gehören auch Daly 1943, Heitsoh 1969, Wilke (1955, 12-4-5) und Zilliacus 1938 in den Bereich der Untersuchung klassischer Titel. DALY, Lloyd W. HEITSCH, Ernst ZILLIACUS, Henrik Das Kolophon (oder die Subscriptio) war im Altertum und im Mittelalter ein Vermerk am Schluß des Buches, in dem Verfasser, Schreiber, Jahr der Abschrift usw. sowie eine Kurzcharakteristik des Inhalts der Schrift verzeichnet waren. Vom griechischen kolophon (= Gipfel) abstammend, " colophon originally meant the head or sumrait of anything" (Pollard 1968: ix). Wann Kolophon zuerst auf den Schlußtitel angewendet wurde, ist unbekannt. "But whenever this use of the word colophon may have arisen, it is manifest that if this paragraph is to convey any description of the book, it fulfils the office of a title-page" (Pollard 1968, xi). Die Eigenart, Handschriften mit einem Schlußtitel zu versehen, war so selbstverständlich, daß "titel" (nach Lexer) im Mittelhochdeutschen im Sinne von "Ende" verwendet wurde. - Zum Kolophon sind zwei einschlägige Publikationen zu verzeichnen: Pollard 1968 und Bénédictins 1965ff. [POLLARD, Alfred William] [BENEDICTINS DE BOUVERET] Wenn es auch unklar ist, ob das klassische Buch (bzw. die Rolle) einen Titel im Text selbst aufwies, so ist doch einigermaßen sicher, daß "Titel und Autorname [...] an der Außenseite jedes geschlossenen Konvoluts möglichst sichtbar angebracht sein" (Birt 1913, 327-328) mußten. In der voralexandrinischen Zeit begnügte man sich wahrscheinlich damit, diese Angabe auf der Außenseite der Rolle selbst zu machen. "Später, d.h. wohl seit der Zeit der großen alexandrinisehen Bibliotheksverwalter, [...] wurde am Kopf des Konvoluts [...] ein pergamentener, bunt gefärbter Zettel, der die betreffenden Worte trug [...], befestigt" (Birt 1913, 328). Dieser Zettel wurde "titulus" (auch "index" oder "sillybos") genannt und findet sich noch heute als "Aktenschwanz" . Die auf ihm verzeichneten Angaben wurden in der Regel nicht vom Autor, sondern vom Bibliothekar gemacht. - Zu dieser Problematik finden sich einige Ausführungen bei Birt (1882, 65-69; 1913, 327-328), Schubart (1921, 104), Wendel (1949, 25), Wilke (1955, 31) und Funke (1972 51). Daß die Vergabe des "titulus" wesentlich bedingt war durch die Notwendigkeit, in den großen antiken Bibliotheken das vorhandene Material so zu ordnen und zu kennzeichnen, daß einzelne Rollen oder Codices auch wiederauffindbar waren, wird durch das berühmte Beispiel der "Metaphysik" von Aristoteles illustriert: Dieser Titel "sei [...] rein äußerlich als eine bibliothekarische Verlegenheitsbezeichnung; eingeführt worden, nach der Stelle, die dieses Werk in der Sammlung der Aristotelischen Schriften zugewiesen erhalten hatte. Hierzu sei es bei einer Zusammenstellung und Ordnung des Aristotelischen Schriftnachlasses gekommen - nach der gewöhnlichen Annahme bei derjenigen durch Andronikos von Rhodos - da man für die hierbei unter diesem Titel zusammengefaßten Abhandlungen keinen überlieferten sachlichen Namen gehabt habe. Erst später sei dieser Titel auf den Inhalt des Werkes gedeutet und dann zu dem Wortbegriff 'metaphysica‘ umgeformt worden, als Bezeichnung für die Wissenschaft von dem, was 'jenseits' oder 'hinter' der Natur liegt" ( Reiner 1969, 140-141). REINER, Hans Gerson 1973 legt die - im Mittelalter wohl üblichen - "regulae de modo titulandi" dar. GERSON, Jean [auch gen. JARSON oder CHARLIER] Über Titel darin "480. De modis titulandi", S. 700-703. Ob diese Arbeit zu Lebzeiten Gersons (1363-1429) bereits erschien, oder ob sie in den Werkausgaben Paris 1606 (4 Bde.) und Antwerpen 1706 (5 Bde.) enthalten ist, konnte nicht festgestellt werden. Lehmann 1949 und Lehmann 1953 (zusammen geringfügig verändert wiederabgedruckt als Lehmann 1962) sind den lateinischen Titeln des Mittelalters gewidmet. Lehmann 1949 beschreibt zunächst formale Kennzeichnungen von Texten wie "opus", "breviarium/abbreviatio", "summa" usw. Diese im Mittelalter verbreiteten, teils von den Autoren selbst stammenden, teils von Abschreibern und Benutzern geprägten Titel knüpfen zwar in manchem an Titulierungsweisen des griechisch-römischen Altertums an, doch ist ihre Gestalt und Verwendung typisch mittelalterlich. Die Eigenständigkeit der mittelalterlichen Literatur wird noch deutlicher angesichts der nicht-formalen Titel, die in Lehmann 1955 beschrieben sind. "Vererbung aus der Antike, Herübernahme aus fremden Literaturen und eigene Erfindung von Titeln gehen im mittelalterlichen Abendlande neben- und hintereinander her" (1953, 56). LEHMANN, Paul 1953 Mittelalterliche Büchertitel. Zweites Heft. Vorgetragen am 11. Januar 1952. München: Vlg. d. Bayer. Akad. d. Wissenschaften (i.Komm. bei Beck), 56 S. (Sitzungsberichte der Bayerisshen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Jg. 1953, H. 3.). 1962 Mittelalterliche Büchertitel. In: Paul Lehmann: Erforschung des Mittelalters. Ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze. 5. Stuttgart: Hiersemann, 1-93. Zahlreiche Titel, in denen "speculum" usw. auftritt, sind bei Grabes 1973 verzeichnet und analysiert: Motivgeschichtlich wird dem "titelmetaphorischen" Gebrauch von "Spiegeln" nachgegangen, und es erweist sich, daß es - neben der magischen Funktion des Spiegels - vier Grundtypen der "Spiegelung" gibt, die in den Titeln nachgewiesen werden können: "1. der Spiegel bildet ab, was ist [...], 2. er zeigt etwas, was sein soll bzw. nicht sein soll [...], 3. er zeigt, was erst sein wird [...], oder aber 4. er zeigt etwas, was nur im Spiegel selbst oder in der Phantasie des Dichters existiert" (39). Unerläßlich scheint die historische Dimension bei der Analyse zu sein, denn das wechselnde Publikum, die Anwendung der Spiegeltitel auf unterschiedliche Gattungen und Inhalte oder Themen verändern auch die Semantik von "Spiegel". - Mit der gleichen Problematik ist auch Bradley 1954 beschäftigt. BRADLEY, Sister Ritamary GRABES, Herbert Dölger 1956 stellt fest, daß die Annahme, das größte griechische Sprach- und Sachlexikon sei die Arbeit eines byzantinischen Grammatikers Suidas aus dem 10. Jahrhundert, falsch ist; nach der Bedeutung des griechischen Wortes und nach dem Buchtitelstil der Griechen, Homer und Byzantiner muß man "Die Suda" auffassen als eine "wohlgeordnete Materialsammlung". DÖLGER, Franz Deutschen und englischen Titeln der mittelalterlichen Literatur sind Schröder 1937, Schröder 1938 und Schröder 1938a gewidmet. SCHRÖDER, Edward 1938 Echte, rechte, schlechte Titel in der altdeutschen Literaturgeschichte. In: Imprimatur 8, 153-160. 1938a Einiges vom Buchtitel in der englischen Literatur des Mittelalters. In: Anglia 62, 234-257. Denecke 1939 ordnet "Titelgeschichte" in die "Überlieferungsgeschichte der altdeutschen Literatur" (133) ein und verlangt nach einer detaillierten Geschichte des "Schreibertitels", des gereimten Titels sowie der Kapitelüberschrift. DENECKE, Ludwig Darüber hinaus äußert sich auch Wilke (1955, 47-102) zu mittelalterlichen Titeln. Wie oben schon festgestellt, setzt die eigentliche Entwicklung des Buchtitels mit dem Buchdruck ein. Es zeigte sich schnell, daß sich in den verschiedenen Gattungen verschiedene Arten der Betitelung herausbildeten. Dabei ordnet sich das Material immer wieder in "Moden": Hatte erst einmal ein Buch großen Erfolg errungen, war es zu einem Bestandteil der jeweiligen kulturellen Gegenwart geworden, fanden sich fast immer zahlreiche Nachahmungen, die mehr oder weniger deutlich Bezug nahmen auf die Vorlage. Diese Erscheinung ist natürlich bedingt durch kommerzielle Gesetzmäßigkeiten. Sofern ein Buch dem gerade gültigen Publikumsgeschmack entsprach und dementsprechend großen Absatz fand, lag nichts näher, als daß zahlreiche Folgepublikationen diesen Erfolg auszunutzen versuchten. So erschienen nach dem außerordentlich erfolgreichen Rinaldo Rinaldini von Christian August Vulpius zahlreiche weitere Räuberromane, die sich Conzino Conzini, Rolando Rolandini, Hiulio Hiulini, Corando Corandini oder Sallo Sallini nannten; man kann geradezu davon sprechen, daß für eine gewisse Zeit diese besondere Form der Namenbildung die Genrezugehörigkeit von Büchern indizierte (Mühlenweg 1960, 30; Mühlenweg 1961, 291; Ostrop 1919, 220-221; Krauß 1905/06, 677). Offensichtlich muß der Verleger oder Buchdrucker "nicht nur in der Auswahl des zu publizierenden Stoffes, sondern auch in dessen Kennzeichnung dem Publikumsgeschmack Rechnung tragen" (Volkmann 1967, 1175). In diesem Sinne sind Buchtitel Dokumente der Geschmacksgeschichte. Gerade als einer der wichtigsten Werbeträger des Buches legen sie beredtes Zeugnis ab über den Wandel der Themen, der Vorlieben und der bevorzugten literarischen Formen jeweiliger Leser verschiedener Zeiten. Wie Bader anmerke, kann die Geistesgeschichte der Buchtitel "so wenig entraten, wie die Kulturgeschichte der Trachtenkunde" (1902, 68). Der Wechsel der Buchtitelmoden legt es nahe, ihre Analyse im Rahmen der Lesergeschichte der Literatur zu betreiben - weil mit Berechtigung "von der Titelsprache auf den literarischen Geschmack des Lesepublikums geschlossen werden" darf (Volkmarn 1967, 1175). In diesem Umkreis liegen zahlreiche Arbeiten vor. Bader 1902 kontrastiert Titel aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit neueren und stellt fest, daß sich in den alten Titeln Reklame-Wendungen finden - Anpreisungen, Lobreden, Widmungen, Zweckanweisungen und Werturteile -, die heute fehlen und veraltet wirken. BADER, E. Eckert 1936 ist eine kurze, schlaglichtartige Geschichte des Buchtitels. Im Zentrum steht die Hypothese, daß der Titel ein "kämpferisches" Element besäße. Volkmann hält diese Arbeit allerdings für "ganz abwegig" (1967, 1150 Anm. 9). ECKERT, Gerd Bei Giachi 1956 heißt es: "Zu der Welt des Massen-Konsums [...] gehört der schmissige Titel genauso gut wie jede andere Reklame, wie Schutzumschlag und Cellophanverpackung. Ihn zu finden, ist eine besondere Begabung. Über den Rang eines Buches vermag er freilich kaum etwas auszusagen" (604). G[IACHI], A[rianna] Carlsson 1959 ist eine allgemeine Betrachtung zu der These: "Wie der Stil der Bücher, wechselt von Epoche zu Epoche der Stil der Titel" (16). CARLSSON, Anni Zbinden 1964 vertritt die These, daß es möglich sei, eine Kulturgeschichte des Titels zu schreiben. Allerdings gibt er zu bedenken, daß viele wichtige Bücher nichtssagende Titel tragen, so daß allein auf Grund des Titels keine Aussage über ein derartiges Buch gemacht werden könne. ZBINDEN, Hans Zuerst in: Der Bund. Bern (Morgenausgabe) v. 16.2.1945. Um die Kauflust zu wecken, muß ein Titel Aufsehen erregen, behauptet Grevenstett 1909. Dies gelingt nicht - oder nur schwer - durch Personennamen im Titel; besser funktionieren kurze und prägnante "Thementitel", die sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen können ("Der Rangierbahnhof"). G[REVENSTETT], H[einz] Ostrop 1919 sieht Bücher-Namen als geistesgeschichtliche Zeugnisse; er versucht dies mit Titeln vom Barock bis zur Zeit des Naturalismus zu belegen. OSTROP, Max Meisner 1904/05 setzt an bei der Hypothese, daß der Titel die Funktion der Werbung erfülle; er führt eine Gruppe von Titelkuriositäten vor, die den Leser auf den Inhalt des Buches neugierig machen, und stellt zum Schluß einige genrebildende bzw. -indizierende Formen der Titulierung vor. MEISNER, Heinrich Türk 1932/33 glaubt, es dürfe "nicht übersehen werden, daß sich zwischen dem Werktitelproblem und dem Begriff der Reklame eine schöpferische Beziehung herstellen läßt" (311-312). TÜRK, Werner Zimmer 1969 kritisiert gewisse Formen der Werbung mit Titeln. ZIMMER, Dieter E. Erstsendung am 25.4.1969; Wiederholungen am 5.2.1970 u. am 27.9.1972. Über Titel im Skript 22-24. Kapitza 1971 untersucht Titel religiöser Literatur in Spannungsfeld zwischen "Interpretament oder Werbetext." KAPITZA, Peter Nach der Darstellung Bernhards und anderer Klassiker wendet sich Klenz 1923 einzelnen Typen von Titeln zu, deren wichtigste historische Wandlungen er beleuchtet: es handelt sich um Doppel- und kumulierte Titel, Titelformulierungen mit "Erlebtes und Erstrebtes", "Wälder", "Vademecum", "Spaziergänge", "Nachtwächter" sowie um die stereotypisierten Formen "...wie es ist..." und „...als...“. KLENZ, Heinrich Arnold 1901 und Jellinek/Arnold 1901 versammeln Titel, die nach dem Schema "...wie es ist" gebaut sind. ARNOLD, Robert F. JELLINEK, Arthur L. /. ARNOLD, Robert F. Komorcynski 1903 skizziert die Entwicklung der Mode, Novellen- oder Erzählungssammlungen mit Blumennamen zu titulieren: Sie beginnt ca. 1800, hat um 1825 ihren Höhepunkt und geht dann wieder zurück. Arnold 1903 führt die Titel, die Komorcynski versammelt hatte, zurück auf Titulierungsgebräuche aus der griechischen, römischen und byzantinischen Literatur; außerdem ergänzt er Komorcinskis Bibliografie um "Blumen"-Titel aus der süddeutschen mundartlichen Literatur zwischen 1837 und 1903. Arnold 1904 stellt weiteres Material zu dieser Problematik vor. ARNOLD, Robert F. 1904 Zur Geschichte des Buchtitels. (Nachträgliches.) In: Mitteilungen des österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 8, 28-31. KOMORZTNSKI, Egon von Zu erfolgreichen Titeln, die dann häufig kopiert wurden, findet sich zahlreiches Material in Schenda 1970. der dieses im lesergeschichtlichen Kontext darstellt. Rumpf 1924 enthält nicht nur ausführliches Material, sondern ist auch der Auffassung, daß Buchtitel "objektive Beachtung verdienen als Spiegelbild des allgemeinen Geschmackes" (63). RUMPF, Walter SCHENDA, Rudolf Ein unveränd. Nachdr. erschien 1977 bei dtv in München (WR. 4287.). Neben den im Register gen. S. vgl. auch 562-563. Walter Barton beschäftigt sich nicht nur mit Gruppen modischer Titel, sondern versucht vor allem, die Art und Weise zu erfassen, wie Buchtitel den Leser engagieren. Barton 1959 legt dar, daß zahlreiche Titel aus dem Jahre 1958 anspielen auf das erfolgreiche "Götter, Gräber und Gelehrte" von C.W. Ceram. Mit Nachahmungen von Cerams Titel Enge Schlucht und Schwarzer Berg ist Barton 1959a befaßt: es ergibt sich eine Gruppe von Titeln, die durch den Rhythmus und das gemeinsame Stilmittel des Kontrastes der durch "und" verbundenen Nominalphrasen ausgezeichnet ist. Barton 1960 handelt von Titeln, die auf Bibelstellen referieren. Häufig sind diese Zitate unvollständig, ungenau oder sogar variiert ("Bis daß das Geld euch scheidet"). Indem man gängige Redensarten, Sprich- oder Schlagworte und allbekannte Begriffe moduliert, einzelne Buchstaben oder Wörter vertauscht, produziert man "kabarettistische" Titel, mit denen sich Barton 1961 beschäftigt ("Der alte Mann und das Gör"); rezeptionstheoretisch wesentlich ist dabei allerdings, daß das modulierte Zitat nur dann als Anspielung wirksam werden kann, wenn die Kenntnis der ursprünglich-eigentlichen Fassung vorausgesetzt werden kann. Barton 1961a beschreibt das Stilmittel der paradoxen Verwendung von Sprache, was ein weiteres Mittel sei, die Neugier des Lesers oder Käufers zu fesseln. - Diese Vorarbeiten zusammenfassend vertritt Barton 1968 vier Thesen: BARTON, Walter 1959a Neue Titel - alte Form. Von modischen Torheiten und ihren Nachahmen. In: Welt und Wort 14, 359-360. 1960 Bibel-Titel und kein Ende. Auf den Spuren einer literarischen Mode. In: Welt und Wort 15, 233-235. 1961 Heiter, ohne Furcht und Adel... Die kabarettistische Titelmode und ihre Erscheinungsformen. In: Welt und Wort 16, 69-70. 1961a Parade der Paradoxa. Deutsche Buchtitel, die selbst Unmögliches möglich machen. In: Welt und Wort 16, 173-175 1968 Denn sie wollen gelesen sein. Kleine Stilfibel des deutschen Buchtitels. Hamburg: Furche-Vlg., 75 S. (Furche-Bücherei. 301.). 1968a Modetitel - Titelmoden. In: Welt und Wort 23, 118-120. Adorno 1962 schreibt: "Nach Titeln suchen ist so hoffnungslos, wie wenn man sich auf ein vergessenes Wort besinnt, von dem man zu wissen glaubt, daß man seiner sich erinnere. Denn jedes Werk, wenn nicht jeder fruchtbare Gedanke, ist sich verborgen; nie sich selbst durchsichtig. Der gesuchte Titel aber will immer das Verborgene hervorzerren. Das verweigert das Werk zu seinem Schutz. Die guten Titel sind so nahe an der Sache, daß sie deren Verborgenheit achten; daran freveln die intentionierten" (279). ADORNO, Theodor W[iesengrund] Gunston 1975 ist eine Darstellung der Strategien, die Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts benutzten, um das Leserinteresse anzusprechen. GUNSTON, David Nach einem kurzen Literaturübarblick und einer ebenfalls kurzen Übersicht über die Titelformen vor der Buchdruckzeit versucht Volkmann 1967, die "verschiedensten Faktoren, die bei der Titelgebung wirksam werden können, also den Stil eines Autors und seiner Zeit, den Buchinhalt, den Wandel von Gattung, Buchform und Buchwesen, von Publikum und Publikumsgeschmack" (Rothe 1970, 6) sowie das komplizierte Zusammenspiel all dieser Größen in der Frühzeit der Gattung des Romans zu rekonstruieren und zu zeigen, wie sich der Titel als eigenständiges Textelement mit einer eigenen "Titelsprache" herausbildete. VOLKMANN, Herbert Mühlenweg 1960 untersucht ein Korpus von Titeln, die hauptsächlich der "Unterschicht-Literatur" zuzurechnen sind. Sie geht aus von der Hypothese, daß man der Eigenart des Titels nur dann gerecht werden kann, wenn man ihn hinsichtlich der Rezeption untersucht; sie will "zeigen, mit welchen Mitteln man während 150 Jahren in der deutschen Literatur bemüht war, durch die Romantitelgebung die Neugier von 'Freund Publikum‘ zu wecken und anzuregen" (4). Sie ordnet die Titel in Reihen an und kann damit zeigen, daß ein erfolgreiches Buch immer wieder als Material für Folge-Titel dient - und daß darüber hinaus historische, politische, ideologische u.a. Gehalte in die Titel hinüberwirken, durch die Titel reflektiert werden, so daß die Titel - mit Eichendorff - als "eine wahre Musterkarte aller Gesinnungen und Narrheiten, Abgründe und Untiefen ihrer Zeit" (175) gelten können. "Dichter" allerdings, so Mühlenweg, unterliegen dem Zeitgeschmack wesentlich weniger (174-175). Mühlenweg 1963 ist eine Zusammenfassung der wesentlichsten Ergebnisse von Mühlenweg (1960). MÜHLENWEG, Regina 1963 Studien zum deutschen Romantitel (1750-1914). In: Muttersprache 73, 289-300. Fürst 1901 untersucht Romantitel des 18. und 19. Jahrhunderts, beginnend mit dem Einsetzen des englischen Einflusses auf die deutsche Literatur (Richahdson), hinsichtlich ihrer "modischen" Formen; dabei ordnet er die Entwicklungsgeschichte des Titeln der Lesergeschichte unter. Keiter/Kellen 1912 übernehmen Fürsts Ausführungen in nahezu unveränderter Form. FÜRST, Rudolf KEITER, Heinrich / KELLEN, Tony Nagel 1905 lag nicht vor. NAGEL, Siegfried Robert Wiegand 1942 (und ähnlich Werner 1890, Wiegand 1942a und Wiegand 1951) beschränkt sich auf die Sicht "nur vom technischen Standpunkt" (171-172) aus und schlägt eine Menge von Gedichttitel-Sorten vor, die durch die Weckung von Lesererwartungen definiert werden. WERNER, Richard Maria WIEGAND, Julius 1942a Beginn und Ende lyrischer Gedichte. In: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft 36, 33-50. 1951 Abriss der lyrischen Technik. Fulda: Parzeller, 160 S. Krolow 1945/44 will Gedichtband-Titel als Indizien "für Wesen und Wert zeitgenössischer Lyrik" (97) auffassen; an den Titeln ließen sich die "vielfältigen Kräfte [...], die im lyrischen Schaffen der Zeit am Werke sind" (97), ablesen. KROLOW, Karl Katann 1918 (weitestgehend übereinstimmend mit Katann 1909/10) hält den Titel für etwas dem Text Äußerliches, was er zurückführt auf die Beobachtung, daß Lieder in schriftlosen Gesellschaften oder in oralen Traditionen keine Titel tragen. Allerdings leistet der Titel eine Abgrenzung und stimmt den Leser ("die Seele") auf den folgenden Text ein. Die eigentliche Untersuchung geht über Gedichte, die einen eo engen semantischen Verbund mit ihrer Überschrift bilden, daß "ohne den Titel das Gedicht einfach nicht verständlich ist" (265). KATANN, Oskar 1918 Über den Titel des lyrischen Gedichtes.In: Oskar Katann: Ästhetisch-literarische Arbeiten. Wien/Innsbruck/München: Verlagsanstalt Tyrolia, 259-277. Rang 1926 geht davon aus, daß eigentlich die "Function des Überschreibens" (97) die wesentliche Eigenschaft der Überschrift sei; diese Grundannahme dient als Basis einer Typologie, die unter drei einander ergänzenden Gesichtspunkten zustandekommt: RANG, Bernhard [1926] Die Kunst der Überschrift in der Lyrik. Ein historisch-systematischer Versuch über die Gedichtbenennung, ihre Entstehung und ihre Formen seit dem 17. Jahrhundert bis zur Romantik. Diss. Giessen, [masch.] 110 S. Ausgehend von der Hypothese, daß das Gedicht die Verkörperung eines Erlebnisses sei (10, 20 u.ö.), sucht Roßkopf 1927 eine Beschreibung von Gedichttiteln zu leisten, die auf diese Grundannahme ständig rückbezogen werden kann. Dabei benutzt er Rangs Typologie. Die Analyse erstreckt sich auf die Gedichttitel von 11 Verfassern, die aber nicht verglichen werden - auch nicht verglichen werden können, da die zugrundegelegte Typologie ständig verändert wird. Kühnen spricht hier von "einem Dickicht teils unverbindlicher, teils anregender Ansätze" (1953, 4). ROSSKOPF, Veit In seiner eigenen Arbeit ( Kühnen 1953) versucht Kühnen eine begründete Typologie des Gedichttitels zu entwerfen. Ein erster Zugriff gliedert die Titel nach Arten; der zweite Teil ist der Untersuchung der Leistungen gewidmet, die der Titel für ein Gedicht erbringt: dabei erweist es sich, daß von völliger Beziehungslosigkeit ausgehend sich die semantische Relation zwischen Titel und Text immer reichhaltiger ausfaltet, das Beziehungsgefüge immer komplexer und dichter wird, bis schließlich der Titel zur unerläßlichen Voraussetzung für die Verständlichkeit des Textes und somit zu einem echten Textelement wird. KÜHNEN, Johannes Aufbauend auf der von Kühnen (1953) entwickelten Typologie (zwischen Kühnen und Wilke hat eine enge Kooperation stattgefunden, vgl. Wilke 1955, iii) unternimmt es Wilke 1955, in einzelnen Epochen jeweilige Ausprägungen von Titeln resp. von Titulierungsgewohnheiten darzustellen. Von der griechischen und hebräischen Klassik ausgehend gelangt er bis zur Dichtung des 16. (104-138) und des 17. Jahrhunderts (139-199); ein Exkurs über rationalistische Dichtung, insbesondere über Klopstocks Oden, bildet den Schluß (199-225). Zusammenfassend schreibt Wilke: "Wir haben gesehen, wie aus den Quellen orientalischer und griechisch-römischer Dichtung sich unser kleines Stilphänomen zur modernen Gestaltungskomponente entwickelte, sich weitgehend aus seiner Verhaftung mit dem Buchwesen löste, im Laufe der Jahrhunderte die didaktisch-rhetorisch-epischen Funktionen abstreifte; wir haben gesehen, wie natürliche Gegebenheiten, Schwierigkeiten und Eigenheiten des Materials, organisch weitergebildet und gestaltet, ein Stilelement erwachsen ließen, in dem sich der Geist der Gesamtdichtung auszuprägen vermochte" (ix). WILKE, Hans-Jürgen Entgegen dem Roman- und dem Gedichttitel ist der Dramentitel scheinbar wenig untersucht worden. Bibliografisch konnten nur Binor 1904, Krauß 1905/06, Scheerbarth 1909/10 und Graff 1977 nachgewiesen werden. Minor fragt, ob der Titel Eigentum des Verfassers sei. Krauss stellt fest, daß die "meisten Stücke [...] entweder nach Personen oder nach Stoff, Inhalt, Hauptmotiv bezeichnet" werden (676); demgegenüber finden sich andere Titel, die "den Stoff, das Sujet oder wenigstens das wichtigste Motiv des Dramas" nennen (679); erstere sind Konkreta, letztere Abstrakta. Scheerbarth glossiert einige neuere Titel. Graff schließlich beschäftigt sich vor allem mit der Werbewirksamkeit von Dramentiteln. GRAFF, Sigmund KRAUSS, Rudolf MINOR, J. SCHEERBARTH, Paul 3.2 Varia Es wäre sicherlich interessant, die Vorworte, Briefwechsel, Autobiografien usw. von Schriftstellern daraufhin durchzusehen, ob sie sich zu Titeln einzelner Werke oder zum Titel allgemein äußern. Dies erforderte aber ein aufwendiges und zeitraubendes Suchen, weshalb auf diese "primären" Äußerungen hier verzichtet wurde. Es sind im folgenden nur solche Publikationen verzeichnet, die in mehr oder weniger systematischem Zusammenhang dem Titelkorpus einzelner Autoren gewidmet sind. CONNER, M. Wayne BRAMBORA, J. CERVENKA, Jaromlr CIZEVSKIJ, Dmitrij Der einzige, der sich mit Titelbildern eines einzelnen Autors beschäftigt, ist Baine 1972, der sich über Titelblätter Defoes verbreitet. BAINE, Rodney M. Zu Fontanes Titeln finden sich Anmerkungen in Mühlenweg (1960, 172-174). Ein hauptsächlich an Nagel (1905) orientierter kurzer Überblick über Heinses Romantitel ist Riess 1911. RIESS, Edmund Zu Jean Pauls Titeln finden sich Anmerkungen bei Meyer 1963 sowie bei Mühlenweg (1960, 169-172) und Rothe (1970, 31-32). MEYER, Eerman Mit Klopstock ist Wilke (1955, 213-225) beschäftigt. Zu Arno Schmidts Technik des Zitiertitels findet sich zahlreiches Material bei Huerkamp 1978. HUERKAMP, Josef Mit den deutschen Übersetzungen von Zolas Titeln beschäftigt sich Schober (1976). Unter Doppeltitel versteht man in der Regel solche Titel, die aus zwei, meist durch "oder" verbundenen Nominalphrasen bestehen. Er entstand im 18. Jahrhundert, hatte dann eine etwa hundertjährige Blütezeit und wurde nach 1850 vom echten Untertitel ersetzt (Mühlenweg 1960, 165-164) - wenngleich sich auch später diese Form immer wieder findet (Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie). "Oder" verbindet in diesen Titeln "zwei Redeteile, die es wegen ihrer Heterogenität normalerweise nicht zu verbinden vermag. Durch diese sprachliche Anomalie gibt sich eine Wortfolge [...] von vornherein als Titel zu erkennen und stellt insofern einen idealen Titeltyp dar" (Rothe 1970, 7). Hinsichtlich ihrer Funktion sind die beiden Titel des Doppeltitels keine Alternativen, es stehen also nicht zwei Titel zur Auswahl, sondern die beiden Teile "ergänzen [...] einander, und jeder von beiden hat seine durchaus eigene Funktion. Der erste Teil, oft den Namen des Helden tragend, hat pragmatisch-epischen, der zweite hat grundsätzlichen Charakter, denn er verkündet Thema, Fazit, Problemstellung, Moral des Buches oder die These, die am Schicksal des im ersten Teil namhaft gemachten Helden erhärtet werden soll" (Bergengruen 1960: 112; ähnlich Rothe 1970, 20). Neben Rothe 1970 und Schöne 1967 finden sich Anmerkungen zum Doppeltitel bei Meisner (1904/05, 41), Krauss (1905/06, 681), Klenz (1923, 95), Bergengrün (1960 112-114) und Mühlenweg (1960, 163-164). ROTHE, Arnold SCHÖNE, Albrecht Donat 1966 ist mit Titeln und Titelblättern der Barockzeit beschäftigt. Er kommt zu dem Schluß, daß "mit dem Buchtitel des 17. und 18. Jahrhunderts oftmals aktuelle Fragen der gelehrten Welt des Barock vor Augen treten. Das heißt, der Obertitel eines Buches gibt häufig nicht Auskunft über den Inhalt eines Werkes - dies geschieht im Untertitel -, er unterrichtet vielmehr über wesentliche Aspekte des Selbstverständnisses der Zeit" (163). DONAT, Dietrich Hebräische Titel sind dargestellt und analysiert in Berliner 1904. Frankfurter (1905, 240-244) und Wilke (1955, 1-11). BERLINER, A. Zahlreiche Poetiken erwähnen auch das Problem des Titels. Stellvertretend für einige andere seien hier Kayser 1976 und Scherer 1977 erwähnt. KAYSER, Wolfgang SCHERER, Wilhelm
Hélin 1956 ist ein eher feulletonistischer Abriß der Geschichte des Titels und der sprachlichen Möglichkeiten der Titulierung. HELIN, Maurice Goldbeck 1953 führt eine ganze Reihe von Titeln auf, die als "geflügelte Worte"zum Bestandteil des Sprachguts geworden sind. Mieder 1975 verzeichnet Schlagzeilen, die auf bekannte ("geflügelte") Buchtitel anspielen. GOLDBECK, Ingeborg MIEDER, Wolfgang Bergengrün 1960 faßt Titel vor allem als "Klein-Texte“ auf, die über alle Inhaltsandeutung hinaus durch ihre poetischen Qualitäten ausgezeichnet sind: "Nein, das eigentliche Merkmal eines Titels ist weder seine Qualität noch das von ihm Ausgedrückte. Es ist sein Rhythmus und nichts anderes. [...] Es kommt also nicht vornehmlich darauf an, was ein Titel uns mitteilt, oder gar, was er besagen will, sondern darauf, wie er klingt" (13-14). BERGENGRUEN, Werner Schober 1976 untersucht die Titelübersetzungen von Zolas "Rougon-Macquart" mit dem Ergebnis: Je metaphorischer ein Titel bezogen ist auf den bezeichneten Roman, desto schwerer ist eine semantisch und funktionell kongruente Formulierung in der Zielsprache zu finden, so daß von der Übersetzung häufig zur Ersetzung des ursprünglichen durch einen neuen Titel gegriffen wird. Gerade in diesen Fällen wird offensichtlich, daß eine Übersetzung "das in einer anderen Sprache schriftlich fixierte Ergebnis der Lektüre eines verständigen Lesers ist und damit zugleich eine Interpretation gibt" (119). SCHOBER, Rita Ullmann 1972 beschreibt metaphorische und symbolische Titel. ULLMANN, Stephen Kandler 1950 stellt fest, daß die durch den Titel vollzogene Inhaltsbeziehung zum Text sowie die werbenden Momente in Titeln durch andeutende Sprachmittel vollzogen würden. Grivel 1973 schreibt dem Titel eine ganze Fülle von Funktionen zu, die auf der Überlegung basieren: "Puisque le texte est à considérer comme un ensemble d'éléements organisés, le titre, qui en fait partie, n'en figure pas simplement la désignation; [...] la premiere phrase du texte - le titre - oomprend l'oeuvre entière, comme celle-ci l'implique" (166). GRIVEL, Charles Kandler, Günther Elema 1972 untersucht das Korpus der zwischen 1900 und 1960 ins Holländische übersetzten deutschen Literatur. Er versucht, die Titel in "Themenkreise" zu ordnen; dabei gelangt er zu dem Ergebnis, daß die Titel auf eine nicht-moderne, "feudal-agrarische Welt" bezogen sind und daß "gängige, traditionsgebundene Formen" bevorzugt werden - was mit den "Normen und Formen [...] der Masse" (331), die das Publikum bildet, zusammenhängt. Kaczmarek/Wulff 1976 untersuchten Titel von Groschenromanen und konnten nachweisen, daß aufgrund der Titel zwei große Textsorten - Kriegs- und Westernromane sowie Heimat- und Liebesromane - unterschieden werden können; mittels der Titel war es also möglich, "Parameter für und von Geschichten zu bilden und das vorhandene Textmaterial in genrespezifische Textsorten zu ordnen" (101). ELEMA, Hans KACZMAREK, Ludger / WULFF, Hans-Jürgen Gipper 1973 beschreibt im Rahmen einer semantischen Analyse von "Frau" und "Weib" (wobei "Frau" eher die Ehegattin, "Weib" eher die Vertreterin des weiblichen Geschlechtes bezeichne) eine Gruppe von Titeln, in denen "Weib" zwar noch als Bezeichnung des Geschlechtswesens auftritt, aber auch in dieser Bedeutung von dem heute gebräuchlicheren "Frau" abgelöst wird (430). GIPPER, Helmut Furet/Fontana 1968 (im ersten Teil weitestgehend übereinstimmend mit Furet/Fontana 1970; der zweite Teil entspricht weitestgehend Fontana 1970) gehen von der folgenden Hypothese aus: "Car chaque titre peut comporter plusieurs niveaux de langage, qu'il faut préalablement distinguer et classer; il y en a le plus souvent deux: l'un renvoie à la forme du contenu, l'autre conceptualise, symbolise ou simplement raconte la matière elle-même du livre" (1968, 114; 1970, 98-99). Fontana (1970) beschäftigt sich auf dieser Grundlage mit den Problemen einer historischen Semantik. Furet 1970a und Fontana 1970a beschäftigen sich schließlich mit Titeln aus dem 18. Jahrhundert, in denen "histoire" oder "méthode" vorkommt; die beiden Korpora werden hinsichtlich der Distributionen von "histoire" bzw. "méthode" klassifiziert, so daß die Veränderung des "champ fonctionnel", in dem die beiden Termini auftreten, rekonstruierbar wird. FONTANA, Alessandro 170a L'ensemble "methode". Definitions (ensemble, distribution, domaine, modèle, matière, copie, archimodèle, analyss). In: Furet 1970, 151-228. FuRET, Francois (ed.) FURET, Francois FURET, F[rançois] / FONTANA, A[lessandro] Furet, François / FONTANA, Alessandro Flandrin 1965 vertritt die These: "la fréquence d'un mot au niveau des titres est signe du rayonnement licite de la notion qu'il exprime. Sa rareté ou son absence peuvent signifier son inexistence dans la langue de l'époque, son peu de valeur, ou au contraire la présence d'un interdit" (939). FLANDRIN, Jean-Louis Hoek 1972 und Hoek 1973 beschäftigen sich mit syntaktischen, semantischen und pragmatischen Aspekten von Titeln. Hoek 1972 bezieht sich dabei auf Titel des Nouveau Roman, Hoek 1973 auf ein Korpus aus der Zeit zwischen 1830 und 1835. HOEK, Léo H. 1973 Pour une sémiotique du titre. Urbino: Università di Urbino (Centro Internazionale di Semiotica e di Linguistica), 52 S. (Documents de Travail. 20/21.). Hausenblas 1964 beschreibt in seiner Typologie von Texten einen Typus, "which [...] admits of (and even signalizes) condensation into a shorter text" (75) - dazu gehörten die Überschriften. HAUSENBLAS, Karel "Überschriften, selbst in Satzform, sind für uns weder je erste Sätze etischer Texte noch auch je Teile solcher Sätze. Ihr Charakter als Kurzcharakterisierung des ganzen folgenden Textes oder auch nur eines bestimmten etischen Teiles eines solchen, wie z.B. eines Kapitels läßt sie zu jedem Satz dieses Textes oder Teiltextes in prinzipiell dem gleichen Substitutionen entfernten Verhältnis stehen", heißt es bei Harweg 1968. Harweg 1970 hält den Titel für ein Delimitationskriterium: Ein schriftlich konstituierter Text könne "durch das Kriterium der inklusivsten Überschrift und/oder bestimmte[r] Druckanordnungskonventionen" (12) abgegrenzt werden. Harweg 1971 hält Überschriften für "Vorspanntextreduktionen", die "einen eigenen und gegenüber dem Haupttext selbständigen Text" (151) bildeten. Rieser 1973 hält es für ein "auffälliges, taxonomisches Merkmal schriftlich fixierter objekt-sprachlicher Texte [...], daß sie aus einem oder mehreren Titeln und einem als kohärent akzeptierbaren Folgeteil bestehen" (29). HARWEG, Roland 1970 Zur Textologie des Vornamens: Perspektiven einer Großraum-Textologie. In: Linguistics 61, 12-28. 1971 Die textologische Rolle der Betonung. In: Beiträge zur Textlinguistik. Hrsg- v.Wolf-Dieter Stempel. München: Fink, 123-159 (Internationale Bibliothek für allgemeine Linguistik. 1.). RIESER, Hannes Im Rahmen seiner Hypothese, daß Texte thematisch organisiert seien, weist Dressler 1972 dem Titel im Idealfall die Funktion zu, eine "reduzierte Paraphrase des folgenden Textes" (18) zu sein. Eine ähnliche These vertritt Raible 1972. Rieser 1971 weist den Titeln im Rahmen einer Textgrammatik die Funktion der text-topics zu - wobei sie grammatisch eindeutig vom eigentlichen Text abgesetzt seien. Kloepfer/Oomen 1970 weisen dem Titel die "Normalfunktion" zu, das Thema eines Textes anzugeben, sie geben allerdings zu bedenken, daß z.B. bei den Texten von Rimbaud, die nicht durch thematische Textkonstituenten zusammenhängen, diese Funktion nicht möglich ist. Werlich 1975 ordnet Überschriften zusammen mit texteinleitenden Paragraphen usw. und nennt sie, sofern sie "durch nachfolgende Sequenzen zu Texten entfaltet werden können" (28), "Textbasen" bzw. "thematische Textbasen". DRESSLER, Wolfgang KLOEPFER, Rolf / OOMEN, Ursula RAIBLE, Wolfgang RIESER, Hannes WERLICH, Egon Weinrich 1976 untersucht die textbildende Funktion der Artikel. Er stellt fest, daß der bestimmte Artikel auf Vorinformation referiert, der unbestimmte dagegen auf Nachinformation. Die Suggestivität der Titel bestehe darin, daß durch den (in den Titeln meist verwendeten) definiten Artikel eine Vorinformation vorausgesetzt werde, die durch den Text selbst noch nicht gegeben sein kann. Zur Frage der Artikelselektion in Titeln finden sich auch bei Harweg (1968, 300-301) einige Anmerkungen. WEINRICH, Harald Wie sich schon bei der wertenden Funktion des Titels zeigte, soll ein Titel nicht nur einen Text bezeichnen, sondern auch einen Leser engagieren. Der Leser, der einen Titel aufnimmt, soll in Spannung versetzt werden, und der Titel ist gewissermaßen der Beginn der Lektüre eines Textes. Durch den Titel ist es dem Leser möglich, eine Erwartung an den Text zu entwerfen, so daß er einige Eigenschaften des Textes schon kennt. So ist es möglich, in ganz alltäglichen Situationen (z.B. in der Schule) die Aufgabe erfüllen zu können: "Schreibe eine Geschichte mit dem Titel ...". Andererseits ist man aber auch in der Lage, vorliegende Texte zu "titulieren", also einem Text einen oder mehrere mögliche Titel zuzuordnen. Titel, Text und Leser sind demzufolge grundsätzlich aufeinander bezogen, keine der Größen kann für sich beschrieben wenden, sie bilden einen nicht auflösbaren Zusammenhang (Kaczmarek/ Wulff 1976, 100). Zusammen mit anderen Instrumenten der Spannungserzeugung stellt Lawson 1934 auch den Titel in den oben skizzierten rezeptiontheoretischen Zusammenhang: "Was immerhin zuerst ein Bestimmtes erwarten läßt, ist der Titel" (30). Auch Kuhnen (1953, 79-82) beschreibt das "Moment der Lockung" (80), welches den Titeln innewohne und Spannung errege. LAWSON, Marjorie F. Wegmann-Willing 1951 und Schröter 1964 beschreiben Spannungsmomente, die im Unterricht bei der Titelsuche wirksam sein können. SCHRÖTER, Gottfried WEGMANN-WILLING, Rudolf Benesch 1958 stellt die Übungsaufgabe, eine spannende Überschrift zu einem vorgegebenen Text zu suchen, da diese den Leser zur Lektüre verpflichten bzw. anregen soll. Er hält dabei "Inhaltshinweis und Anreiz" (246) für die wesentlichen Aufgaben, die ein Titel erfüllen soll. BENESCH, Hellmuth Kaczmarek/Wulff 1977 gingen von der Hypothese aus, daß ein Titel aufgrund einer Textverarbeitung ein Netz von Strukturforderungen aufbaue, welches von Geschichten, die mit dem Titel vereinbar sein sollen, erfüllt werden müsse. An einem Beispiel wird versucht, "das Geflecht von Präsuppositionen und Implikationen zu rekonstruieren, welches durch den Titeltext eröffnet wird“ (1). KACZMAREK, Ludger / WULFF, Hans J[ürgen] Engel 1977 und Engel/Cohen/Kelter/List 1977 beschreiben Experimente, in denen das Textverständnis von Aphasikern dadurch überprüft werden sollte, daß sie einen vorgegebenen Text titulierten. Die Aphasiker unterschieden sich zwar in der Länge der Titel, nicht aber hinsichtlich der im Titel angesprochenen Textpropositionen (die ja den inhaltlichen Bezug zum titulierten Text herstellen) von Nicht-Sprachbehinderten, was eventuell darauf zurückzuführen ist, "daß die Zuordnung von 'Aktor-' und 'Aktions-Komponenten' des Textes im Titel Grundmuster sprachlichen Verhaltens darstellen, die bei Aphatikern - möglicherweise aufgrund hoher Konventionalität - nicht gestört sind" (Engel 1977, 189). Anderson 1976 berichtet von einem Experiment, in dem die Verständlichkeit eines für die Vpn fremdsprachigen Textes u.a. dadurch gemessen werten sollte, ob die Vpn in der Lage waren, dem Text einen passenden, das Hauptthema bezeichnenden Titel zuzuordnen; die Testergebnisse werden allerdings nicht berichtet. ANDERSON, Jonathan ENGEL, Dorothea ENGEL, D[orothea] / COHEN, R[udolf] / KELTER, S[tephanie] / LIST, G[udula] Schallert 1976 beschreibt Experimente, in denen zweideutige Texte durch Titel vereindeutigt wurden, so daß die Recalls der jeweiligen Bedeutung eindeutig vom Titel abhängig waren. SCHALLERT, Diane Lemonnier Dooling/Lachman 1971, Bransford/Johnson 1972, Bransford/ Johnson 1973 und Dooling/Mullet 1973 boten ihren Vpn eine Reihe von Sätzen dar, deren Zusammenhang erst dann deutlich oder faßbar wurde, wenn sie zusammen mit einer das Thema des Textes benennenden Überschrift angeboten wurden. Tatsächlich wurden die Texte mit Überschrift - wobei die Überschrift aber vor dem Text präsentiert werden mußte - besser erinnert als die titellosen Texte oder solche Texte, bei denen die Überschrift erst nach dem Text dargeboten wurde. BRANSFORD, John D. / JOHNSON, Marcia K. 1973 Considerations of some problems of comprehension. In: Visual information processing. Ed. by William G. Chase. New York/London: Academic Press, 383-438. DOOLING, D. James / LACHMAN, Roy DOOLING, D. James / MULLET, Rebecca L. Bock 1976 arbeitete mit Texten, die in zwei Hälften zerfielen; die Vpn erhielten diese Texte unter zwei verschiedenen Überschriften dargeboten, wobei sich der eine Titel auf die eine, der andere auf die andere Texthälfte bezog. Tatsächlich wurden diejenigen Textteile bevorzugt behalten, auf die die Jeweilige Überschrift sich bezog. BOCK, Michael Im Rahmen seiner bekannten Erinnerungsexperimente stellte Bartlett 1932 fest, daß Namen und Titel die instabilsten Elemente der zu erinnernden Geschichten waren und zuerst vergessen wurden. Bartlett 1951 stellte das gleiche bei einem Bildertitel fest. BARTLETT, Frederic C. BARTLETT, Frederic [C.] Bock 1977 ist ein Überblick über die hier berichteten Experimente, die von Bock v.a. in das Feld von Forschungen zum "semantischen Gedächtnis" eingegliedert werden. BOCK, Michael Da der Buchtitel mittels einer Evokation Erwartungen hervorruft, liegt es nahe, ihn auch - als "evokativen Test" - zu Testzwecken zu verwenden. Der von Moritz Tramer entwickelte "Bücherkatalogtest" (BKT) ist ein derartiger Test: Eine Testperson erhält dabei eine Liste mit z.B. 20 Buchtiteln, aus denen sie 5 auswählen soll. Die gewählten Titel werden dann als Indizien für die Interessenlage der Testperson ausgewertet. "Wesentlich ist an diesem Vorgange [der Wahl], daß das Lesen eines Buchtitels etwas im Leser desselben hervorlockt, das ihn zur Wahl bestimmt, oder mit anderem Worte, ihn veranlaßt, sein Interesse diesem betreffenden Buche zuzuwenden. Der psychologische Gehalt dieses Interesses ist in der Erwartung zu suchen, daß das gewählte Buch einem etwas bringen werde, womit man sich identifizieren könne, weil dem eine Neigung, ein Begehren, ein Streben, ein Sichdarnachsehnen gilt" (Tramer 1955, 10-11). Der Titel wird also verknüpft mit persönlichen Gegebenheiten der jeweiligen Vpn, so daß der Titel selbst Symptom .dieser Gegebenheiten ist: "Ein Titel, der gar keine Beziehung zu persönlichen Erlebnissen hat, ist [...] fast ausgeschlossen" (Baumgarten 1934, 145). Tramer 1955 und (wesentlich knapper) Hetzer 1954 sind grundlegende Darstellungen des BKT. HETZER, Hildegard TRAMER, Moritz Baumgarten 1934, Yaz 1950, Herr 1953, Wünsche 1961 und Gotthard/Baumgärtner 1965 sind einzelne Testberichte. BAUMGARTEN, Franziska GOTTHARD, H. / BAUMGARTNER, A.C. HERR, Alfred VAZ, Vasco WÜNSCHE, W. Graefe 1958 ließ eine repräsentative Auswahl von 200 Hausfrauen aus einer repräsentativen Auswahl von 400 "ausführlichen Programmtiteln von der Art, wie Sendungen in Rundfunkprogrammzeitschriften angekündigt werden" (125), diejenigen Titel bzw. Sendungen auswählen, die die Vpn hören wollten oder nicht. Die Ergebnisse dieser Erhebung wurden korreliert mit soziologischen und sozialpsychologischen Daten der Vpn-Gruppe, so daß Graefe schließlich vier Typen von Rundfunkhörerinnen beschreiben konnte. GRAEFE, Oskar Die Möglichkeiten des BKT liegen nicht nur im Bereich der empirischen Sozialforschung, er bietet nicht nur eine der "Möglichkeiten literarpädagogischer Tatsachenforschung" ( Herr 1955a), sondern kann auch als ein diagnostisches Verfahren in der Kinderpsychiatrie verwendet werden ( Tramer 1934). HERR, Alfred TRAMER, M[oritz] Der Titel ist der am schnellsten zugängliche Teil eines Dokuments; er ist am einfachsten zu speichern, und in der Kegel wird gerade er bei Literaturrecherehen gesucht. Da er zudem sehr kurz ist, ist es wirtschaftlich, gerade ihn daraufhin zu untersuchen, ob er hinreichende Informationen enthält, die eine Indexierung im Systematischen Katalog erlauben. Doch der Titel ist nicht nur kurz, sondern auch thematisch sehr stark auf den Text bezogen (im folgenden ist in der Regel von Titeln wissenschaftlicher Arbeiten die Rede): "Assuming that the author of a scientific paper tries 'to use an informative title, the document title contains more clues to document subject content than does any other sentence or clause" (Borko 1967, 104). Dies bildet eine Bedingung dafür, daß man annehmen darf, daß im Titel gerade die "keywords" auftreten, die das Thema der entsprechenden Arbeit relativ genau bezeichnen. Während nun statistische Verfahren davon ausgehen, daß "a list of the document's content words adequately reflects the subject matter without regard to the arrangement of words in context" (Borko 1967, 104), wird heute der syntaktisch-semantische Bezug der "keywords" berücksichtigt; die darauf fußenden Methoden des Indexierens werden unter "keywords-in-context"- oder KWlC-Indexing subsumiert. Ähnliche Eigenschaften wie der Titel - kurz zu sein und thematisch mit dem bezeichneten Dokument zusammenzuhängen - hat der "abstract", der häufig mit dem Titel verglichen und in ähnlicher Weise wie die Überschrift der automatischen Textverarbeitung zugeführt wird. Zur Länge von Titeln, Abstracts und Texten vgl. Lynn 1969. LYNN, Kenneth 0. Über dieses Feld von Forschungen und Problemen findet sich in Sparck Jones/Kay 1976 ein sehr weitreichender Überblick. SPARCK JONES, Karen / KAY, Martin Ein kürzerer Bericht über die großangelegten Tests auf diesem Gebiet, deren wesentlichste Anliegen und Ergebnisse ist Sparck Jones/Rijsbergen 1976. SPAERK JONES, K[aren] / RIJSBERGEN, O.J. van Die frühen Bemühungen um die automatische Verarbeitung von Titeln werden in einem Sammelband von Luhn 1965 in einigen sehr knappen Aufsätzen dargestellt. LUHN, H.P. (ed.) Eines der einfachsten Probleme: die Umformung von Titeln in "subject Indexes" ist in Armitage/Lynch 1967 folgendermaßen angegangen: Die angezielten Register bestehen aus Haupteinträgen und subordinierten Modifikatoren resp. Spezifikatoren, die von Titeln oder titelähnlichen Phrasen ausgehend erreicht werden können, wenn man die Titel an den Stellen teilt, die von Präpositionen eingenommen werden; jede Präpositionalphrase wird aufgefaßt als Modifikator. Wie Sparck Jones/Kay allerdings anmerken, hängt das Gelingen dieser Transformation sehr stark ab "von der Inhaltsdichte der Titel" (1976, 123). ARMITAGE, Janet E. / LYNCH, Michael F. Ähnliche Verfahren beschreiben Freeman 1963, Tomien 1965, Ly nch 1966, Armitage/Lynch 1968 und Chonez 1968. ARMITAGE, Janet E. / LYNCH, Michael F. CHONEZ, Nicole FREEMAN, Robert A. LYNCH, Michael F. YOUDEN, W.W. Slamecka/Zunde 1965 beschreiben "a method of automatic preparation of conventional printed and machine-stored subject-indexes from textual condensations, employing aa the interpretative matrix an authoritative vocabulary , of indexing (searching) terme“ (139). SLAMECKA, Y. / ZUHDE, P. Brandenberg 1965 und Kennedy 1965 beschäftigen sich damit, wie ein Titel beschaffen sein muß, der der automatischen Text-Verarbeitung zugeführt werden soll. BRANDENBERG, Walter KENNEDY, R.A. Newbaker/Savage 1965 stellen eine Sonderform des KWIC-Indexierens dar. NEWBAKER, H.R. / SAVAGE, T.R. Darüber hinaus können zu den Problemen des KWIC-Indexierens Wyllis 1967, Borko 1967 und Seelbach 1975 herangezogen werden. BORKO, Harold SEELBACH, Dieter WYLLIS, Ronald E. In gewisser Weise eine Umkehrung der Generierung von Registern aus Titeln ist die Benutzung von titelähnlichen Phrasen zur Literaturrecherche. So heißt es bei Adams 1967: "It is proposed that a hypothetiual title be used for searching, not a question. This permits comparison of similar items for common characteristics" (26). In ähnlicher Weise beschreibt Matthews 1967 Informationsanfragen der Form "Find title x", wobei x eine Eigenschaft, ein Thema (property) ist, welches die erfragten Texte haben sollen; gespeicherte Texte können allerdings mit einer solchen Anfrage nur dann aufgefunden werden, wenn sie das erfragte „x" oder ein Synonym von "x" in ihrem Titel selbst aufweisen. ADAMS, WM. Mansfield MATTHEWS, William D. Derartige Suchverfahren sollten auch im LIMAS-Projekt ausgearbeitet werden, wobei semantisch-syntaktische Relationen der "key-words" im Titel vom Automaten erkannt und berücksichtigt werden sollten ( Hoppe 1969). HOPPE, A[lfred] In diesem Zusammenhang ist auch Mory 1976 zu nennen, die einen Algorithmus beschreibt, der wiederum eine grammatische Analyse von Titeln ermöglicht, die als Voraussetzung der lexiko-semantischen Monosemierung dienen soll. MORY, Ute Bei Bottle 1970 heißt es: "As title indexes are the easiest to prepare, and are therefore common, the user needs to know how much significant information is not discernible from a document's title. This is estimated to be 20-25 %, but can vary with subject and type of information sought" (16). BOTTLE, Robert T. Salton/Lesk 1968 (weitestgehend übereinstimmend mit Salton 1968) beschreiben Experimente, in denen es um die Präzision der Indizierung von Dokumenten aufgrund der Titel, von Abstracts oder der vollständigen Texte ging; sie kommen zu dem Ergebnis, "that document titles are significant inferior to document abstracts as a source of content indicators" (22). SALTON, Gerard SALTON, G[erard] / LESK, M.E. Zu etwas abgemilderten Aussagen kamen Cleverdon/Mills/Keen 1966 (bes. 2/254), Cleverdon 1967 sowie Caras 1968. CARAS, Gus J. CLEVERDON, Cyril [W.] CLEVERDON, Cyril [W.] / MILLS, Jack /. KEEH, [E.] Michael Haskins 1966 berichtet über eine Inhaltsanalyse, bei der es darum ging, festzustellen, mit welcher Genauigkeit Überschriften in Zeitungen es zulassen, eine Nachricht einer Sparte wie "foreign news" zuzuordnen: durchschnittlich 76 % der Nachrichten waren durch die Überschrift so genau charakterisiert, daß allein anhand der Schlagzeile ein Text zuordenbar war. HASKINS, Jack B. Stevens/Urban 1963 kommen zu der Auffassung, "that titles and cited titles do appear to give as good subject content indications as do titles and abstracts." STEVENS, Mary Elizabeth / UBBAN, Genevie H. Cooper 1970 berichtet von einem Experiment, in dem Bibliotheksbenutzer nach ihrer Erinnerung an Bücher gefragt wurden. "It was found that Standard author-title-subject information sufficient for looking the document up directly in conventional card catalogs was remembered only 18 % of the time" (115). Im weiteren beschäftigt er sich damit, festzustellen, ob es sinnvoll sei, "nonstandard infonnations" wie die Farbe, die ungefähre Seitenzahl usw. zur Kennzeichnung von Büchern in Bibliotheken heranzuziehen. COOPER, William S. Denisov 1973 beschäftigt sich mit der Konstruktion von Sprachen, die das Indexieren und Klassifizieren von Dokumenten erlauben; er faßt das Indexing als einen Übersetzungsvorgang auf, der der Klassifikation vorgängig sein muß (90). DENISOV, P.N.
Die vorwiegend historisch orientierte Arbeit von Wieckenberg 1969 zeigt, in welcher Weise durch Überschriften von Teil-Texten wie Kapiteln der Gesamt-Text zusammengehalten wird: Durch Voraus- und Zurückdeutung wird in den Überschriften ein Kondensat von Vor- und Zurückliegendem im Gegenwartspunkt der Lektüre hergestellt. Zur weiteren einschlägigen Literatur kann Wieckenberg befragt werden. WIECKENBERG, Ernst-Peter Da die vorliegende Literatur über "Schlagzeile" sehr umfangreich ist, findet sich hier nur eine kleine Auswahl einschlägiger Untersuchungen. Diese behandeln die Schlagzeile allerdings mit Methoden, die auch bei der Analyse der "Titelsprache" Anwendung finden können. Die klassische Analyse der Schlagzeilen=Sprache ist Straumann 1955. Er ging davon aus, die headlinese als einen eigenständigen Jargon einer Sprache anzunehmen: "The peculiar forms of the language of headlines belong to a particular type of linguistic utterance such as occurs in telegrams, book-titles, diaries, catalogues, dictionaries, etc. [...] This type of linguistic utterance will for the present purpose be called block-language" (21). Bei der Analyse dieser Form sprachlicher Äußerungen erweist es sich als unabdingbar, daß Situations- und Kulturkenntnisse des Lesers wesentlich am Zustandekommen der Bedeutung der Schlagzeilen beteiligt sind: "every linguistic utterance occurs within a certain setting, be it the context of the book or a newspaper, a conversation, an advertisement, etc., of all which, moreover, have their cultural background. For the analysis of any linguistic phenomen the factors of situation and the context seem to be indispensable" (58). - Straumanns wesentliche Thesen sind bei Güttinger 1935/36 sehr prägnant zusammengefaßt. GÜTTINGER, Fritz STRAUMANN, Heinrich Wächtler 1951 sucht Straumanns Thesen auf das American English anzuwenden; er arbeitet insbesondere den "Zusammenhang zwischen headlinese und informellem Gespräch" (77) heraus, wobei er die elliptische Satzkonstruktion für das wesentlichste grammatische Merkmal der Schlagzeilensprache hält (72). WÄCHTLER, Kurt Sandig 1971 untersucht die grammatische Bauweise von Schlagzeilen; sie kommt zu dem Ergebnis, daß "die Schlagzeilenbildung im Rahmen der gültigen grammatischen Gesetze geschieht" (159). Allerdings ist diese These nur dann gültig, wenn eine in wesentlichen Zügen gleichbleibende Kommunikationssituation vorausgesetzt wird, die die Bedingung der Möglichkeit von Kürzungen, Ellipsen usw. ist. Ergänzend findet sich ein Kapitel über die Geschichte der Schlagzeile (132-157). SANDIG, Barbara Trübner/Thomä 1976 befassen sich mit Problemen der Ellipse, des Genitivs und des Präsens in Schlagzeilen sowie lexikalischen Problemen der headlinese. TRÜBNER, Georg / THOHÄ, Isolde Darüber hinaus sind u.a. folgende Publikationen au nennen: Klotz 1963, Koller 1975, Loffler 1972, Loffler-Laurian 1975, Meyer 1973 , Möckelmann/Zander 1972, Seh 1974, Schmitz 1969, Turner 1972 und Yoshioka 1976. KLOTZ, Volker KOLLER, Werner LOFFLER, A.M. LOFFLER-LAURIAN, A.M. MEIER, Isolde MÖCKELMAHN, Jochen / ZANDER, Sönke SCH., M. SCHMITZ, M. TURNER, G.W. TOSHIOKA, Motoko Abgesehen davon, daß es in den frühen Literaturen üblich war, die Anfangszeile als Titel zu benutzen - ein Brauch, der sich bei Gedichten ja bis heute findet (Kuhnen 1953, 49; Rang 1926, ii; Roßkopf 1927, 21; Schröder 1938a, 243 Anm. 1; Vogt 1899/00, 3; Werner 1890, 503; Wiegand 1951, 90; Wilke 1955, 65) -, ist das Verhältnis zwischen Titel, Vorrede und Textanfang noch in anderer Weise wichtig: Harweg war der Auffassung, daß der Titel kein echter Teiltext sei, er stehe außerhalb des eigentlichen Textes. Demgegenüber behauptet Dressler, daß der Titel zum Text gehöre; er sei ein Textanfangssatz (1972, 61), was sich sowohl an der Intonation wie an der Artikelselektion zeige. Darüber hinaus aber hätten Überschriften eine eigene pragmatische Funktion, die der Text selbst nicht habe (1972, 18). Diese pragmatischen Aspekte, die der Titel wahrnimmt, werden manchmal in Vorreden expliziert, wenn Sinn, Aufgabe, Ziele des Werkes, Rechtfertigung des Autors, Vermutungen über den Nutzen, den der Leser von der Lektüre haben werde, usw. dargelegt werden. Insbesondere zur Zeit des barocken Langtitels konnten sowohl Titel wie Vorrede diese Teile enthalten. Zu Textanfängen und Vorreden liegt zahlreiche Literatur vor; die hier aufgeführten Ritter 1908, Leib 1913, Schreiber 1935, Schottenloher 1953, Ehrenzeller 1955, Berend 1956, Rasch 1967, Harweg 1968a, Kanyo 1975 und Lern 1976 sind nur die wichtigsten Publikationen, die die wesentlichsten ausgearbeiteten Grundpositionen skizzieren. BEREND, Eduard EHRENZELLER, Hans HARWEG, Roland KANYO, Zoltán LEIB, Fritz LEM, Stanislaw RASCH, Wolfdietrich RITTER, Richard SCHOTTENLOHER, Karl SCHREIBER, Hans Der Buchumschlag ist eine relativ junge Beigabe zum Buch. Zwar berichtet Tillmann (1940, 146) über einen Buchumschlag aus dem Jahre 1482, doch dürfte es erst in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts üblich geworden sein, das Buch durch einen Umschlag zu schützen (Rodenberg 1959, 95). Ob der Umschlag Bestandteil des Buches selbst ist, ist umstritten. Rodenberg hält ihn für "Nebenwerk", für einen "vagabundierenden Begleiter" des Buches, während der Titel (resp. das Titelblatt) Teil des Buches selbst ist; allerdings erfüllt der Umschlag - genau wie der Titel - Werbezwecke (1959, 95). Gelingt es allerdings, "den Schutzumschlag in eine so enge Verbindung mit dem Titel zu bringen, daß das Bild [auf dem Schutzumschlag] als integrierender Bestandteil des Titels erscheint" (Türk 1952/5, 315), so wird Tillmanns These plausibel: "Man hat [...] mit dem Anschauen der Illustration auf der Broschur, die eigentlich ein Vortitelblatt ist, angefangen, das Buch zu lesen. Also berühren sich die Gesetze dieser Broschur viel mehr mit denen des Titelblattes und der Textillustration' als mit denen des Einbandes (Tillmann 1940, 146). Ehmcke rechnet den Schutzumschlag zwar der Plakatkunst zu, gesteht aber ein, daß das wesentliche Problem das "Durchdringen des Propagandawirksamen mit dem geistigen Gehalt, gewissermaßen der Essenz des literarischen Werks" ist (1951, 2). Tillmann 1940, Ehmcke 1951, Rosner 1954 und Schauer 1962 sind einschlägige Darstellungen. EHMCKE, F.H. ROSNER, Charles SCHAUER, Kurt Georg TILLMANN, Curt Weidemann 1969 bringt Buchumschlag und Schallplattenhüllen in einen Zusammenhang. WEIDEMANN, Kurt (Hrsg.) Zur verwandten Problematik des Bucheinbandes kann Loubier 1926 herangezogen werden. LOUBIER, Hans Dem Klappentext, der häufig "Titelerklärungen" enthält, ist eine Monographie von Gollhardt 1966 gewidmet. GOLLHARDT, Heinz "Das Besondere des Titels in der Wortkunst liegt darin, daß Werk und Titel aus dem gleichen Stoff sind. Das klingt zunächst nicht vielversprechend. Versuchen wir, diese Feststellung auf die anderen Künste zu übertragen! Ein Musikstück mit musikalischem Titel? Eine Plastik mit plastischem Titel? Ein Gemälde mit gemaltem Titel? Wie fängt alles an, ins Hintergründige [...] sich zu verwirren!" (Kühnen 1955, 3). Es liegen zahlreiche psycholinguistische Arbeiten zum Bild-Text-Verhältnis vor; auf diese kann an dieserStelle nicht eingegangen werden. Minor (1904) behauptet, daß in der Literatur der Titel genuin zum Text selbst gehöre; demgegenüber fällt er in der Malerei aus dem Bild heraus, er ist "eine bloße Marke", der als Name nicht nur das jeweilige Bild von Bildern anderer Maler, sondern auch von denen desselben Malers unterscheidet. Paul Klee war der Auffassung, daß der Titel das Bild nicht.beschreibe und das Bild den Titel nicht illustriere - zwischen Bild und Bild=Titel besteht vielmehr ein sehr komplexer interpretativer Zusammenhang. Bei Kröll 1968 heißt es dazu: "Bei älteren Bildern verhält es sich gewöhnlich so, daß der Titel eine Wiedergabe des tatsächlichen oder intendierten Bildinhaltes in sprachlicher Form ist. [...] Erst da, wo das gegenständliche Band zwischen bezeichnetem und dargestelltem Inhalt zerreißt oder sich lockert, ist der Titel für die Aufnahme und das Verständnis des Bildes von Bedeutung" (8). Der Text wird durch dag Bild nicht mehr wiederholt, sondern ergänzt (89): "Die Titel sind Bindeglied zwischen den bildnerischen und inhaltlichen Dimensionen eines Bildes. Ihre oft überraschende sprachliche Form entsteht aus formalen Gegebenheiten. Dadurch wird das Inhaltliche zunächst verfremdet. Es gewinnt neue Bedeutung, da es sich, mit dem Bild konfrontiert, über seinen konventionellen Vorstellungskreis hinaus erweitert" (177-178). - V.a. mit lexikalischen und grammatischen Problemen der Kleeschen Bilder befassen sich Faust 1972 und Faust 1974. FAUST, Manfred 1974 Entwicklungsstadien der Wortwahl in den Bildtiteln von Klee. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 48, 25-46. KRÖLL, Christina Wichtige Ausführungen zu der These René Magrittes: "Abbildungen und Worte werden in einem Bild verschieden wahrgenommen", finden sich bei Schneede 1973. SCHNEEDE, Uwe M. Eine reine Materialsammlung über die Bildertitel Willi Baumeisters ist Osten 1965. [OSTEN, Gert von der] Zum Karikatur-Titel findet sich einiges bei Melot 1973. MELOT, Michel [1975] Die Karikatur. Das Komische in der Kunst. [Aus d. Franz. v. Roswitha Beter.] Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz: Kohlhammer, 216 S. (ill.). Wallis 1973 versucht die komplizierten semantischen Beziehungen zwischen Bild und im Bild enthaltener Inschrift aufzuklären. Er bezeichnet die Inschrift als "semantische Enklave" im Bild; Bild und Inschrift "have a different semantic structure and speak a different 'language'" (1-2). Im weiteren elaboriert und illustriert er seine These: "In various epochs and in various culture areas, semantic enclaves in the form of inscriptions in paintings performed different functions of varying importance for the interpretation of and response to the work of art" (27). - Mit ähnlichen Problemen sind auch Bergmann 1974 und Bergmann 1976 beschäftigt. BERGMANN, Gustav 1976 Buchtitel als Sprachelemente auf Gemälden. Teil 2. In: Philobiblon 20, 28-45. WALLIS, Mieczyslaw Die gleichen Probleme wie beim Bild-Titel stellen sich auch bei der Foto-Unterschrift. Preisendanz 1971 hält das Foto für ein "letztenendes unbestimmtes Wahrnehmungsangebot" (1). Während der "denotative" Titel etwas nennt, was zum Bereich des Abgebildeten selbst gehört, kann durch den "signifikativen" Titel die gedankliche Grundlage einer bestimmten Wahrnehmung geschaffen werden. Es kann dabei so sein, daß "mehrere signifikative Texte zum selben Photo oft genug grundverschiedene Anschauungsgehalte verdichten und grundverschiedene Signifikanz vorschlagen" (3). Derartige Titel schaffen der Wahrnehmung eines Bildes "gedankliche, ideelle und ideologische Präzision" (4). Dabei kann sich das Gewichtungsverhältnis zwischen Titel und Bild so verschieben, "daß das Bild nur die subsidiäre Funktion bei der Formulierung eines Sinnes hat, der zwar nicht ohne das Bild formuliert werden kann, aber primär Leistung des Textes ist" (4). PREISENDANZ, Wolfgang "Titel" wird in der Filmologie in zwei Bedeutungen verwendet: Zum einen versteht man darunter den (verbalen) Titel oder Namen eines jeweiligen Films - also ähnlich dem Titel rein sprachlicher Texte -, zum anderen aber auch den Vorspann des eigentlichen Films, der häufig deutlich vom folgenden Text abgesetzt ist. Über beides liegen nur wenige Untersuchungen vor: Halliwell 1972 erörtert "title-changes" von Filmen (954-971); er schreibt dazu: "The reason for changing any title is to make it more attractive at the box Office" (954). Schon Türk (1932/33, 511) behauptete, daß die Titelwahl im Film vom "betont geschäftsmäßig=spekulativen Standpunkt“ aus erfolge. HALLIWELL, Leslie Wilkening/Baumert/Lippert 1966 beschreiben technische Probleme des Filmtitels. WILKENING, Albert / BAUMERT, Heinz / LIPPERT, Klaus (Hrsg.) Bodger 1960, Dunn 1961, Foster 1962 und Allen 1963 stellen Filmtitel von Saul Bass vor und diskutieren die Tricks, mit denen er diese Titel realisierte. ALLEN, Bob BODGER, Lowell A. DUNN, Linwood G. FOSTER, Fred Boehmer 1969 konnte nicht verifiziert werden. BOEHMER, K. Kreck 1976 ist ein Film über Filmtitel. KRECK, Joachim Die Titel musikalischer Werke werfen in mehrfacher Hinsicht Probleme auf: Neben echten "Namen=Titeln", die zum bezeichneten Musikstück in arbiträrem Verhältnis stehen (wie "op.“, "BWV", "KV" etc.), finden sich zahlreiche Titel in der Musikliteratur, die in motiviertem Verhältnis zum Stück stehen ("Pastorale", "Katzenfuge", "Die Moldau" usw.). Derartige Titel enthalten offensichtlich ein interpretatives Moment, wobei allerdings die Art und die Begründung der Interpretation undeutlich ist und in der Literatur noch nicht geklärt werden konnte - was sicherlich mit dem problematischen und ungeklärten Verhältnis zwischen Musik und Sprache zu tun hat. Auch die Systematisierung der verschiedenen Arten der 'letzteren Titel bereitet Schwierigkeiten. Günther Wagner (in einem Brief v. 25.1.1978) schlug folgende Systematik vor: Eine wesentlich differenziertere Systematik schlägt Weiss 1971 (dazu auch Weiss 1970) vor; ohne im einzelnen die interpretativen Momente in Musik-Titeln weiter zu analysieren, geht er aus von der Hypothese, daß der "Musiktitel [...] die optische [...] oder akustische [...] Bezeichnung eines Musikstückes [ist]; grundsätzlich gesehen, kann jedes Element und/oder jeder Umstand eines Musikstückes zu seiner Bezeichnung dienen" (1971, 5). WEISS, Norbert 1971 Titel moderner absoluter Musik. Entwurf eines Kategoriensystems. In: Maßstäbe 1,5, 1-25. Die weiteren Arbeiten, in denen Musiktitel behandelt werden, sind der Entstehungsgeschichte von Titeln gewidmet. Berkowitz 1962 schreibt dazu: "Nicknames, and sometimes subtitles, are a peculiar appendage to the art of music. Strangely enough, they usually were added by publishers, editors, critics, friends (or enemies) of the composer - seldom by the composer himself. Often the origins of these unofficial appellations are shrouded in mystery or are based on legends or conjectures that have almost become legends" (v). Der Hauptteil der Arbeit von Berkowitz ist ein kommentiertes Verzeichnis von 502 Musikstücken, die einen verbalen Titel tragen. Aulich 1966 ist eine Sammlung von Entstehungsgeschichten einzelner Titel. Höcker 1940 schließlich versucht, die Titel musikalischer Werke auf biografische Gegebenheiten der jeweiligen Autoren zurückzuführen. AULICH, Bruno BERKOWITZ, Freda Pastor HOCKER, Karla Die Art der bibliografischen Aufnahme von Musiktexten ist festgelegt in Regeln 1962 und Ordnung 1969. [ORDNUNG] [REGELN] |
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