PrUB, JS 358
© Jürgen Sarnowsky, Hamburg (1999-2009)
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{Überlieferung}
B = OF 2c, p. 123-24 [olim Registrant des Hochmeisters Konrad von
Jungingen, Nro. II, fol. 58r-v].
{Drucklegungen}
aus B Codex Diplomaticus Prussicus. Urkundensammlung zur
älteren Geschichte Preußens, hrsg. v. J. Voigt, Bd. 6, 1861,
ND Osnabrück 1965, S. 54-56.
{Diplomatische
Erörterung des Stücks}
Gleichzeitige Abschrift, Papier.
Allirdurchluchster herre, unser homeister hat uns befolen czu reden
sundirlich mit ewir grosmechtikeit von der botschaft, dy ewir gnaden hat
lassen thun an in by dem edlen Nicloss Bidegosczky. Und bit ewir grosmecht[ikeit],
das ir in nicht vordenket, das her uff dy vorbenumpte botschaft nicht gap
eyne endhaftige antwort czu der cziet, wen der ofczog not was durch sachen
willen, dy wir bitten uns gnediclich czu vorhoren.
Uff die irste sache alz ewir durchlucht[ikeit] lies werben umb eynen
frede mit dem irluchten konge von Polan und mit Wytowt iren landen alz
Littowen und Russen und des ordins landen, bis uff dy Vastnacht nehst komende,
unser homeister bis an ewir grosmecht[ikeit] nicht vorder eynen frede gemacht
hat, wen uff Navitatis Marie nehst komende, dorumb, wenn herczog
Wytowt eyns semlichen langen fredes sicher were czwisschen dem orden und
im, so lyet her uff sinem ofsatcze, das her dy wile undir sich betwynget
eczlich hinderlande der heidenschaft adir Russen, dy her an sich czuhet,
und doch leset bliben in irem ungloybigen. Ouch ab her sy nicht betwingen
kan, so macht her doch einen bunt mit in wider den orden, das also gerynklich
nicht geschen mag, dy wile der ordem mit im orloyet, wen sie io syner desto
mynner achten, als das offenbar ist.
Item in sotanen langen frede vorsach sich unsir homeister und vornam,
das her dy wiele welde gereiset haben wider dy Grosen Nowgarther, dy do
grose landt haben und rich sint, und ab her das glocke hette, do mochte
her einen grosen roub holen, mit dem her wider den orden alczu groslich
gesterket mochte werden.
Item das rich der Grosen Nowgarther liet hinder den Pleskower und Watland,
dy dem orden czu Liflandt mit rechte geboren mogen und sollen, und
so her dy betwunge, das were eyn czeichen, das der orden swerlich czu den
landen mochte yn czukomftigen czieten komen.
Item dy wyle Wytowt yo stat hat sich czu sterken mit harnissch, wopen,
werkmeister, pferden etc. ouch durch das rich czu Polan deste beqwemlicher.
Dorumb gnediger lieber herre, gedenke uwir grosmecht[ikeit] off semliche
sachen, ab eyn sotaner langer frede nutczlich moge syn der heilgen cristenheit,
wen dovon {S. 55} als sich unser homeister
besorget, nicht alleine der ordin, sunder ouch andir ummegesessen cristenland
mogen czu schaden komen.
Item uff dy ander sache, also das der orden alle syner sachen ginge
zu ewir grosmecht[ikeit],dy do gewant ist czwisschen Wytowt etc. Gnediger
liber herre, unser homeister hat uns befolen mit ewir grosmecht[ikeit]
eczwas als in vorworten von den sachen zu reden, wen dy sachen nicht also
geringe synt alz ewir durchlucht[ikeit] lichte underwyset ist von eczlichen.
Ewir wysheit dirkennet wol, das dy sache gros ist, und gehort an nicht
alleine den orden, sunder ouch alle anwalde der heilgen cristenheit, und
solde ewir durchlucht[ikeit] adir sost keyn ander unser herren der kurfursten
adir sost ymands anders buessen dy sache ymmer me zu im nemen, der muste
vor alle ding den orden bewaren und domete die heilge cristenheit yn desin
nochgeschreben artikel.
Czum irsten kegen der heilgen kirchen und dem riche, kurfursten und
ouch andern cristenlichen fursten, das eine semliche entrichtunge adir
ofnemunge io geschen muste mit irem wissen und willen. Wen wo eyne sotane
vorwissunge nicht geschege, des muste der orden in allir cristenlichenlichen
fursten vordechtniss sten, das her eyn sotan cristenlich orlog hette nedirlegt
ane iren wissen, und nemlich denne, wo ymmerley umslak geschege, das man
sich mus vorsehn und dicke geschen ist.
Item so hat der orden privilegia und fryheiten von pabesten, keisern,
fursten und herren. Ouch hat er sy von den herren eczwan zu Littowen und
Russen obir eczlich lande und buwestete, von den der orden mit nichte entwichen
wil, im gesche denne eyn glichs dovor. Ouch so kan nymand dy lande und
greniczen also wol entrichten, alz dy, den dy landt bekant synt, und dorumb
so mus der orden sine privilegia, fryheiten und dy land, nemlich dy her
vorwustet hat, also besorgen, das her sich dovon deste bas gesterken moge
wider dy ungloybigen, ap immer keyn umslak geschege von Littowen adir Russen
landt, und doran der ordin nicht alleine sinen frede, sunder allir cristenheit
suchet.
Item ab man ymmer keynen ewigen frede cwisschen dem ordin und Littowen
worde machen, yn deme muste man den orden und die heilge cristenheit io
also bewaren, das dy vorsichert worden, mit gyseln, globde adir eiden etc.,
dorumb das dy cristenheit io sicher worden des fredis, dy selben artikel
y und y uff tagen der ordin hat beruret, ane ander dy ouch dorczu gehorn
alz der gehorsam etc., wil anders Wytowt bewert werden alz eyn cristen
furste etc.
Dorumb gnediger lieber herre, dese vorrede und artikel hat euch lassen
dirczelen unsir homeister, das ewir durchlucht[ikeit] doruff gedenke, ab
euch dy sachen ufczunemen {S. 56} beqwemlich
mogen syn adir nicht, wen dy sache gros ist und bedarff wol eyns ofczoges,
uff das man sich off alle syten wol bedenke, das man icht kome yn eynen
vordocht andir cristen fursten, dornoch was ewir durchlucht[ikeit] czu
willen ist. Das mogt ir entpiten unserm homeister.