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Ziele und Teilnehmende
Die großen globalen Zukunftsfragen - wie Bevölkerungsentwicklung, Zugang zu Energie und Wasser, Artenvielfalt, soziale Kohäsion etc. - werden von der heranwachsenden Generation deutlich wahrgenommen. Sie werden aber im Dschungel von disziplinärer Ausbildung und persönlichen Nahzielen häufig beiseite gelegt. Mit diesem Vorlesungs- und Seminarprojekt möchten wir junge Menschen aus allen Bereichen der Universität ansprechen und für eine engagierte Mitarbeit gewinnen. Die Mitarbeit soll Spaß machen, faszinieren und gleichzeitig verbindlich sein.
Das sollte durch vier Elemente erreicht werden:
- Ein Vorlesungsangebot mit hoher Kompetenz und Ausstrahlung (2 SWS)
- Begleitseminare (2 SWS), die aus den beteiligten Fachbereichen heraus angeboten und inhaltlich mit dem Vorlesungsprogramm verzahnt werden (z.B. "Seminar über globale Zukunftsfragen und Informationstechnik"). Die erfolgreiche Mitarbeit im Seminar soll durch einen - nach Möglichkeit im Studienplan vorgesehenen - Schein honoriert werden. Die Bedingungen für den Leistungsnachweis werden von den Partnern in den beteiligten Fachbereichen festgelegt. Die Seminare werden eine Bandbreite von Arbeitsformen haben, nach Möglichkeit unter Einbezug von praktischer Anschauung (Exkursion) und Einübung in partizipativer Entscheidungsfindung (Planspiel).
- Ein Medienangebot mit Lehr- und Arbeitsmaterialien zum Thema (z.B. Thesenpapiere zu den Vorlesungen und Leselisten).
- Ein Essaywettbewerb. Die Teilnehmer/innen erstellen einen Kurzessay von ca. 5 (max. 10) Seiten zum Thema der Veranstaltung. Die besten Essays der Seminare werden ausgezeichnet und im Anschluß an die letzte Veranstaltung vorgestellt. Der Essay soll eine Voraussetzung für den Scheinerwerb in den beteiligten Fachbereichen sein.
Die Vorlesung selbst wurde darüber hinaus für die Hamburger Öffentlichkeit geöffnet. In einer späteren Phase sind - bei entsprechender Resonanz - auch Begleitseminare im Rahmen der universitären Erwachsenenbildung denkbar. Die Veranstaltung fand erstmalig im Wintersemester 2002/03 statt.
Ausgangslage in der Universität
Die solide Ausbildung und Verankerung in einer Fachdisziplin ist eine wichtige Grundlage für interdisziplinäre Kompetenz. Die Arbeit in einer Einzeldisziplin kann aber leicht den inhaltlichen Blick verengen. Fachfragen bekommen Priorität vor Querschnittsfragen. Das ist eine natürliche Folge der strukturellen Randbedingungen: Identifikation mit dem Fach und seiner Weltsicht, fachspezifische Gutachterverfahren und Belohnungssysteme und schließlich die allgemeine Unübersichtlichkeit der Wissenslandschaft. Ähnliche Abkapselungen finden sich auch im Ressortdenken von Verwaltung und Politik. Wir glauben, es ist möglich und im Interesse der Einzeldisziplinen, die Bearbeitung von Querschnittsfragen durch geeignete Rahmenbedingungen und Anreize zu fördern.
Was soll dabei herauskommen?
Die angestrebten Ziele und Ergebnisse des Projektes sind mehrfach:
- Stärkung der Kenntnisse, Anschauung und Analysefähigkeit von globalen Zukunftsfragen vor dem Hintergrund des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung.
- Erprobung und Etablierung von verbindlichen fachübergreifenden Lehrveranstaltungen und Lernkontexten unter den Bedingungen einer Großstadtuniversität als Verkörperung einer Kultur der Multidisziplinarität.
- Erschließung von medial unterstützten Lehr- und Lernmaterialien zu globalen Zukunftsfragen für die Veranstaltung und für überregionale Interessenten.
- Beiträge zum Agendaprozeß der Universität und der Hansestadt.
Die Themen im Überblick
- 24. 10. Einführung: Globale Zukunftsfragen
- Vielfalt der Sichtweisen, Vernetzung und Konfrontation | Dr. Peter Henning Feindt, | | Prof. Christiane Floyd, | | Prof. Hartwig Spitzer, | | Grusswort Univ.-Praesident Dr.J. Luethje |
- 31. 10. Biodiversität und Grundkonzept der Ökologie
| Prof. Norbert Jürgens, | Prof. Richard Tol, Universität Hamburg |
- 07. 11 Gaia und Prometheus
- Von der Vielzahl der Naturbilder und ihrem Einfluss auf gesellschaftliche Entscheidungen Prof. Ulrich Steinvorth, Univ. Hamburg
- 14. 11. Wie zukunftsfähig ist Globalisierung?
Dr. Wolfgang Sachs, Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal
- 21. 11. Food and sustainable agriculture
| Prof. Sabah Benjelloun, Rabat, Marokko, | | Prof. Volker Beusmann, Uni. Hamburg |
- 28. 11. Megacities und lebensfähige Dörfer
| Prof. Jürgen Oßenbrügge, Univ. Hamburg, | | Dr. Aysegul Baykan, Istanbul |
- 05. 12. Migration: Ursachen und Folgen
| Prof. Ursula Neumann, Univ. Hamburg, | | Louis Henri Seukwa, Uni. Hamburg |
- 12. 12. Bevölkerungsentwicklung und Rolle der Frauen
| Dr. Heide Mertens, Soest | | Dr. Diana Hummel, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main |
- 19. 12. Selbstorganisation und Koevolution
- Über die Vorhersagbarkeit von Globalen Entwicklungen Dr. Gerhard Petschel-Held, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung
- 9. 1. Wasser im 21. Jahrhundert
- Weltweite und Hamburger Perspektiven Dr. Klaus Lanz, International Water Affairs, Hamburg
- 16. 1. Gesundheit und menschliche Grundbeduerfnisse
Dr. Barbara Kloss-Quiroga, Deutsche Stiftung für Entwicklung, Berlin
- 23. 1. Energie und Klima
Prof. Hartmut Grassl, Univ. Hamburg und MPI für Meteorologie, Hamburg
- 30. 1. Wem nützt die Globalisierung?
Märkte, Institutionen, Regelungsbedarf | Prof. Elmar Altvater, FU Berlin, | | Prof. Thomas Straubhaar, HWWA, Hamburg |
- 06. 2. Synthese: Nachhaltigkeitskonzepte und -Strategien
| Prof. Armin von Gleich, HAW Hamburg, | | Dr. Christine von Weizsäcker, Bonn |
Querschnittsfragen und Leitziele für die Plenarvorlesungen
Was kann eine Vorlesungsreihe mit einem derart bunten und gedrängten Programm mehr vermitteln als aufmerksame Zeitungsleser schon wissen?
- Die Vorlesungen sollen ein pointiertes Bild der jetzigen Situation geben und Trends aufzeigen (Übersicht und Fallbeispiele).
- Dabei sollen - soweit möglich - die Dynamik und die Rahmenbedingungen verdeutlicht werden, die die jeweilige Entwicklung prägen.
- Die Vielfalt der Perspektiven soll sichtbar werden, d.h. Perspektiven aus dem Norden und dem Süden, Perspektiven von Jung und Alt, Arm und Reich, Männern und Frauen, Natur- und Sozialwissenschaften. In der Regel werden wir nur eine Person pro Vorlesung einladen, sie aber bitten das Thema aus verschiedenen kulturellen, sozialen und regionalen Perspektiven zu beleuchten. Eine weitere Vielfalt der Perspektiven stellt sich ein, indem - zu unterschiedlichen Vorlesungen - Sprecher und Sprecherinnen aus verschiedenen Kontexten eingeladen werden (Nord, Süd, etc.). Die Vielfalt der Perspektiven soll bewußt machen, wie sehr Sichtweisen vom Standpunkt und den lokalen Verhältnissen abhängen.
" The principal aim is to familiarize students with the broader context, where truths become conditional, where convictions become opinions and where certainties disappear."
- Die Trends sollen in Rahmen der Leitvision der Nachhaltigkeit diskutiert und bewertet werden. Auch wenn die Prognosen finster sein sollten, soll ein Fallbeispiel für eine gelungene Initiative in Richtung Nachhaltigkeit geschildert werden. Die Vorlesungen sollen Mut machen, sich den enormen intellektuellen und politischen Herausforderungen der Nachhaltigkeit zu stellen. Aber: der erste praktische Schritt ist genauso wichtig wie das Denken in großen Konzepten.
- Auf die Vorgeschichte soll nur insoweit zurückgegriffen werden, wie es nötig ist, die Dynamik und die Rahmenbedingungen zu verstehen.
- Umgang mit Komplexität und unsicherem Wissen:
Wenn wir von Zukunftsfragen reden, müssen wir lernen mit Komplexität und unsicherem Wissen umzugehen. Die Vorlesungen sollen die Leistungsfähigkeit und Grenzen von Trendausssagen und Aussagen zur Dynamik bewußt machen. Welche Fragen lassen sich nur im Diskurs (am runden Tisch) bzw. durch produktive Bearbeitung von Konflikten beantworten?
- Schließlich sind offene Fragen für Forschung, Praxis und Politik zu benennen.
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